Zimmer aufräumen… Teil 2

…wenn es im Leben immer so einfach wäre wie das Zimmer aufzuräumen als wir Kinder waren, dann wäre das schön.

Aber es ist nicht immer so einfach.

„Vielleicht gibt es schönere Zeiten; aber diese ist die unsere.“    Jean Paul Sartre

Das was Jean Paul Sartre sagte, ist die Realität. Wir müssen mit unseren Umständen fertig werden. Und das Beste daraus zu machen.

Und das kann man unter Anderem durch ein einfaches und strukturiertes Leben. Der Fachbegriff heißt frugales Leben und es gibt bereits einige Blogs dazu.

Ein solches Leben belastet uns nicht und wir sind einigermaßen frei. Vor allem im Denken. Weil wir dann über die wichtigen Dinge des Lebens nachdenken können. Sinnfragen, der Blick auf das Große und Ganze. Und wir schöpfen unsere Lebenszeit wirklich aus, anstatt sie mit Unnötigem vollzustopfen. Ich hatte dazu ja bereits einiges geschrieben und andere auch.

Heute möchte ich noch ein paar Gedanken teilen, die nicht einfach umzusetzen sind. Am Ende von Teil 1 dieses Themas habe ich schon erwähnt, dass wir auch im Zwischenmenschlichen vielleicht mal aufräumen müssen. Wobei das Wort nicht treffend dafür ist.

Wie kann man es also besser erklären?

Es ist wichtig, dass wir nicht andere Menschen verachten. Sie nicht hassen. Das ist enorm wichtig. Für alle von uns. Warum?

„Whatever you hate, owns you.“

Sinngemäß übersetzt: Was immer du hasst, besitzt dich. Das ist wirklich wahr. Und es muss nicht mal Hass sein, auch die Vorstufen dazu. Ich möchte also auf etwas hinaus, was viel weiter geht wie, dass wir nicht hassen sollen weil wir tolerant sind oder weil es gerade en vogue ist. Und wenn ihr einer Religion angehört, dann ist es ja so, dass viele Religionen auch lehren nicht zu hassen.

Nicht zu hassen oder schon die Vorstufen von Hass ist wichtig, weil Hass, Zorn und Neid uns beherrschen und Energie kosten. Wir können nicht mehr klar denken. Und wir sehen nichts Schönes mehr in unserem Leben. Hass ist wie eine riesige Gewitterwolke die nach und nach alle blauen Stellen des Himmels bedeckt.

Selbst aus Eigennutz ist es also verkehrt zu hassen.

Aber wie gehen wir mit Menschen um, die solche Gefühle in uns auslösen können?

Ich habe mit meiner Frau vor einiger Zeit ein Spiel begonnen. Immer wenn wir laufen gehen, sagt einer von uns einen Namen und der andere muss drei positive Eigenschaften aufzählen. Das Spiel ist genial. Probiert es mal aus.

Es hilft auch sich vorzustellen, dass Menschen im Rahmen ihrer Möglichkeiten versuchen die besten Entscheidungen zu treffen. Manche Menschen haben aber sehr limitierte Möglichkeiten. Ich habe dies auch schon in dem Blog ab und an beschrieben. Es ist wichtig diese Begrenzungen zu sehen.

Wir können z.B. von jemand der noch nie richtig gearbeitet hat nicht erwarten unsere Probleme im Beruf zu verstehen. Wenn es doch so ist, dann schön. Dann freuen wir uns.

Oder vielleicht haben wir eine gute Schulbildung geniessen dürfen und viel Literatur gelesen. Unser Gegenüber mag da weniger Glück gehabt haben und hat somit einen viel einfacheren Blick auf Dinge und kann vieles vielleicht gar nicht begreifen. Das ist eine echte Limitierung seiner oder ihrer Möglichkeiten und das sollten wir sehen.

Manche Menschen haben auch nie gelernt sich in andere hinein zu versetzen, waren von Kind auf immer der Prinz oder die Prinzessin bei den Eltern. Die Eltern haben sie über alles geliebt und das gut gemeint. Aber die Kinder wurden vielleicht etwas egozentrisch. Die Prinzessin will heute noch immer ihren Willen und der Prinz vielleicht von allen beachtet werden. Aber zwischenzeitlich sind sie erwachsen geworden und so wird das Ganze dann eher nachteilig. Sich in andere dann hineinzuversetzen ist schwierig und so kommt es, dass man alles immer nur aus einem eingeschränkten Blickwinkel sieht. Das müssen wir erkennen und das limitiert Menschen. Auch wenn sie es nicht böse meinen, sie können vielleicht nicht anders.

Wenn wir „groß“ genug sind das zu sehen, dann ist es gut Verständnis zu haben. Das wird uns etwas kosten. Gefühle und den eigenen Stolz zu überwinden.

Aber es führt dazu, dass auch andere bei uns die Grenzen erkennen. Und die haben wir, dass ist sicher. Keiner von uns ist perfekt. Machiavelli sagte schon sehr treffend:

„Es gibt dreierlei Köpfe: Erstens solche, welche aus eigenen Mitteln Einsicht und Verstand von den Dingen erlangen; dann solche, die das Rechte erkennen, wenn andere es ihnen darlegen; endlich solche, welche weder zum einen noch zum anderen fähig sind.“

Niccolo Machiavelli (1469-1527), Il Principe

Was hat das mit aufräumen zu tun?

Nun, dass ist der Teil des Aufräumen’s, der in unserem Kopf statt findet, in unserem Denken. Und natürlich haben wir mit manchen Menschen dann mehr Umgang und mit anderen weniger. Der Satz „Gleich und Gleich gesellt sich gern“ ist eine Tatsache.

Allerdings muss das nicht so bleiben. Sobald wir wachsen, können wir diesen Satz sozusagen durchbrechen. Nicht zu hassen oder längerfristig sauer zu sein hilft uns. Und es ist ein schönes Gefühl frei von solchen Gedanken zu sein. Weil wir mehr Platz für das Schöne und Gute haben. Und davon gibt es eine Menge. Wir müssen nur den Blick dafür haben.

Und was tun wenn uns die Negativität nicht aus dem Kopf geht?

Dann brauchen wir eine Schocktherapie.;-)

Ändern wir unser Umfeld, machen einen Urlaub und fahren weg. Starten wir ein neues Projekt. Setzten wir uns für andere ein, denen es schlecht geht. Ich bin dieser Tage in einem Altenheim gewesen und habe mich mit den Menschen dort 2-3 Stunden beschäftigt. Ich habe nur gegeben. Es hat mich etwas gekostet. Aber als ich raus kam, ging es mir gut und ich hatte wieder den Blick für das große Ganze und weg von dem Bedeutungslosen.

Es macht keinen Sinn Energie auf Negatives zu verschwenden. Es ist wirklich Verschwendung. Und der Hass der sich entwickeln kann, übernimmt nach und nach unser Leben. Wenn der extreme Umstand zutrifft, dass wir unser Umfeld gar nicht verändern können und nicht positiv inspirieren, dann ist wirklich ein Wechsel erforderlich. Es kann schon sein, dass manche Menschen professionelle Hilfe brauchen, um Hass zu überwinden.

Aber probieren wir dennoch das Spiel mit den positiven Eigenschaften aus. An jedem ist etwas Positives und Schönes. Selbst wenn ein Mensch echt krank ist. Freuen wir uns über das Leben, ein leckeres Essen, einen leckeren Wein, einen Vogel auf dem Balkon.

Heute möchte ich auch nochmals mit Machiavelli abschließen. Nicht alles was schlaue Menschen wie er sagte stimmt. Machiavelli sagte beispielsweise, dass der Gerechte notwendigerweise unter lauter Bösen scheitern muss, wenn er nicht zu anderen Mitteln greift. Ich hoffe sehr, dass dies nicht der Fall ist und wurde bisher zum Glück noch nicht eines Besseren belehrt. Aber im Ernst, je positiver wir sind, desto mehr ziehen wir unsere Mitmenschen mit. Und umso unwahrscheinlicher wird Machiavellis Beschreibung.

Sehr richtig ist sicher dieser Satz, mit der ich heute abschließen möchte. Mit Teil 3 des Aufräumen’s geht es dann bald weiter. Passt auf euch auf und seid positiv.

„Starke Menschen bleiben ihrer Natur treu, mag das Schicksal sie auch in schlechte Lebenslagen bringen, ihr Charakter bleibt fest, und ihr Sinn wird niemals schwankend. Über solche Menschen kann das Schicksal keine Gewalt bekommen.“

Niccolo Machiavelli (1469-1527)

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