Was treibt dich an?

Wenn man dieses Wort googelt, steht Wikipedia ausnahmsweise mal nicht an der ersten Stelle. Erst wenn man das Wort „Beweggründe + wiki“ eingibt, erhält man einen Treffer. Der lautet allerdings Motivation.

Wiki:

Motivation bezeichnet die Gesamtheit aller Motive (Beweggründe), die zur Handlungsbereitschaft führen, das heißt das auf emotionaler und neuronaler Aktivität beruhende Streben des Menschen nach Zielen oder wünschenswerten Zielobjekten.[1][2] Die Umsetzung von Motiven in Handlungen nennt man Volition oder Umsetzungskompetenz (…)

Heute soll es um Beweggründe gehen Dinge zu tun. Warum handeln wir so wie wir handeln? Was treibt uns an? Was treibt dich an?

Studien fächern das Thema breit auf in intrinsische und extrinsische Motivation. Alleine die kleine Grafik zweigt, wie unermesslich breit das Spielfeld ist:

Quellen_der_Motivation

 

Und es geht noch weiter: 😉

Grundmotive_nach_McClelland

Aber die Frage, was treibt dich an, soll eine persönliche sein. Und du bist kein Studienobjekt. Ich auch nicht.

Viele Jahre meines Lebens habe ich mich von anderen antreiben lassen. Von meinen Eltern, meinen Lehrern und später von meinen Vorgesetzten. Ich war immer ein Teilchen im Fluss, wie ein kleines Wassermolekül. Scheinbar fast ohne eigenen Willen. Nur im ganz kleinen hatte ich einen Willen. Mal unvernünftig sein und mir meine lang ersehnten Schuhe kaufen. Oder der Rock, der so teuer war, aber sein musste. Er war einfach zu schön, zu sexy geschnitten, fühlte sich zu gut an. Die kleinen Rebellionen des Alltags, in einer ansonsten so fremd bestimmten Welt.

Im privaten Umfeld war ich auch oft auf die Meinungen anderer angewiesen. Mehr noch, ich sehnte mich danach. Was sagen die Freundinnen, fühlen sie mit mir. Vielleicht war das auch typisch Frau. Mehr auf die „Herde“ fixiert wie Männer. So sagt man es zumindest.

Glücklich gemacht hat das am Ende nie. Vielleicht weil ich meine innere Stimme irgendwann nicht mehr gehört habe. Oder war ich mir selbst nicht wichtig genug?

Mit Ende 20 dachte ich dann, jetzt hast du studiert, im Job dich vorwärts gekämpft, aber was willst du wirklich? Und ich hatte vieles von dem, von dem andere sagen es wäre wichtig.

Einen Schrank voll teurer Kleider und Schuhe, ein schönes Cabrio, eine schicke Eigentumswohnung. Alles selbst bezahlt. Keine Schulden. Ok Bankerinnen…. naja…
Ich hab auch echt gut Geld „gezogen“, wie man in meinem Business sagt.

Jetzt könnte ich mir noch einen Partner auswählen und eine Familie gründen. Auswahl an Männern hatte ich, worauf also warten, der nächste Schritt dachte ich mir.

Aber irgend etwas hielt mich zurück. Bei manchen Freundinnen konnte ich dieses Leben schon beobachten. Einige kannte ich noch aus dem Studium. Sie haben so viel gelernt und gearbeitet und auch erreicht, um sich dann daheim mit sabberndem Balg rum zuschlagen und einem Mann der nie da ist oder zu fertig von allem.
Da zieht Frau mal ein schickes Oberteil an und schon ist es voll gekotzt von dem kleinen Ding… will ich das wirklich?

Jetzt mag manche oder mancher sagen, „hey aber das ist doch jede Mühe wert, das kleine Leben“. Aber ist es das wirklich? Warum? Wer sagt das?

Unser Leben ist so kurz und dann sollen wir davon noch einen großen Teil abgeben in die Reproduktion von weiterem Leben mit all der Konsequenz?

Wenn du das liest und denkst, „was ist das eine egoistische Kuh, was hat Studium und Job aus der Frau gemacht? „, dann lügst du dich vielleicht selbst an.
Und ich bin auch keine super emanzipierte Zicke und nein, ich führe auch keinen freizügigen Lebensstil, der heute so oft zu sehen ist.

Ich könnte nun anfangen viele Argumente anzuführen, die das belegen. Aber darum soll es hier nicht gehen. Mein Eindruck der letzten Jahre war gerade anders rum: Die Mütter scheinen immer egoistischer zu sein. Es ist nicht die selbstlose Reproduktion von Leben, sondern ICH will ein Kind um jeden Preis, ICH will Mutter sein, ICH definiere mich dadurch. Der Umgang mit den Kindern scheint es in manchen Familien deutlich zu zeigen. Das Kind ist etwas, was Frau genauso will, wie die kinderlose Frau die Schuhe. Aber gesellschaftlich ist das natürlich ein Tabuthema. Ich nenne es für mich den „Mutter-sein-wollen-Fetisch“.

Mein Leben lief in einer graden Bahn zu einem bestimmten Ziel und ich habe rechtzeitig die Handbremse gezogen, weil ich merkte, dass das, was alle wollen (oder scheinbar wollen) eine Illusion ist.

In meinem Freundeskreis ist die süsse Kinderphase inzwischen rum und aus vielen Babys sind kleine egozentrische Monster geworden, die Paare geschieden
oder in Therapie und die ersten Häuser wurden trotz Niedrigzinsphase versteigert. Mir drängt sich der starke Verdacht auf, fast einer Lüge aufgesessen zu sein. Dem Märchen
von dem schönen Leben, dass ja ach so glücklich macht. Und dann redet man sich das immer weiter ein, weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Shit, warum bin ich
nicht glücklich mit Haus und Hof und Kindern?

Ja Shit. Besser vorher die Handbremse ziehen. Nachdem der soziale Druck dieser ersten Jahre im Freundeskreis nachlässt und aus dem Traum der meisten ein gewöhnliches
0815 Leben wurde, reise ich durch Europa, gehe mobil meinem Job nach und genieße das Leben.
Ein Schluck französischer Rotwein mit dem Blick über die Provence scheint mir lebensbejahender und glücklicher, ja ehrlicher zu sein, wie die Marketinglügen der Gesellschaft zu leben.

Was treibt dich an? Ja, die Frage ist vielschichtiger und komplexer als zunächst vermutet. Auch wenn es nur um dich und mich als Individuum geht.
Aber du solltest die Handbremse anziehen – vor dem Abgrund – und dir diese Frage beantworten.

Vielleicht triffst du dann eine andere Entscheidung und bist nachher überrascht von dir selbst. Und am Ende sogar glücklich.

7 Kommentare zu „Was treibt dich an?

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  1. Toller Post! Kinder sollte man eindeutig aus den richtigen Beweggründen bekommen: nämlich selbstlose Liebe. Denn Mutter oder Vater ist man ein Leben lang. Kinder sind keine Rentenversicherung und auch keine Garantie für die Zukunft der Gesellschaft. Sie sind ein kostbares Gut und kein Statusobjekt. Nichtsdestotrotz möchte ich weder die Leute verurteilen, die aus meiner Sicht aus „alles richtig“ in der Kindererziehung machen noch die, die so wie ich sich bewusst dagegen entscheiden.

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  2. Vielleicht meintest du auch die agressiven Muttertiere, die beim Einkaufen ihre Krallen ausfahren, wie wenn die soziale Weiterentwicklung des Menschen, die wir heute Kultur und Benehmen nennen, an ihnen spurlos vorrüber gegangen wäre. Der Mensch ist ein Tier, Mütter nicht ausgenommen. Freitag Mittag, in einem Supermarkt in Deutschland

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  3. Dein Text zeigt, dass Dich das Thema Familie trotzdem beschäftigt: Wir hatten das Thema sehr lange. Von drei Schwestern hat bisher nur eine gleich zwei Kinder bekommen. Wir anderen lassen uns nicht unterkriegen. Aber natürlich ist es so: Kinderkriegen gehört zur Zukunft einer Gesellschaft, sonst könnten wir alle irgendwann einpacken und es ist niedlich, wenn es nicht die eigenen sind. Vielleicht sehen wir Kinderlosen die Sache aber auch zu ernst. Kinder bedeuten Verantwortung, Zeit, Geld – manche springen aber einfach ins kalte Wasser und schaffen es trotzdem, auch wenn man nicht das geborene Muttertier ist. Vielleicht brauchen wir mehr Leute von dieser Sorte, die einfach machen. Ich denke an früher, wie meine Eltern drei Kinder ohne Allergien als Fleischfresser großbekommen haben und wundere mich über heute. Alles Gute!

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    1. Aber hallo, klar beschäftig mich das Thema, sonst hätte ich auch diesen Post nicht geschrieben. Vermutlich leben wir heute wirklich in einer anderen Zeit, dass habe ich schon oft gedacht, wenn ich es mit der alten Generation vergleiche. Andere Umstände erfordern andere Denkweisen und Entscheidungen. Kinder werden an sich mehr wie genug bekommen, global sowieso und durch die Zuwanderer auch hier in Europa verstärkt. Das wird die Gesellschaft in jedem Fall verändern. Aussterben an zu wenig Kindern werden wir nicht. 😉

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