10 Fallen der Finanzberatung

1. Wir sind die beste Bank und beraten dich am Besten!

Es ist immer empfehlenswert gut sein zu wollen oder sogar der/die Beste auf seinem Fachgebiet. Aber warum sind dann nicht alle Kunden bei der
besten Bank oder der besten Beratung?

Die Antwort ist einfach: Weil es diese gar nicht gibt.

Es gibt nur die richtige Beratung, die für den Kunden passend ist und zu seiner aktuellen Situation passt. Vielleicht hast du das Gefühl gehabt, dass wäre bei einer Bankberatung so gewesen, aber das ist dann eher reiner Zufall.

Denn nur eine unabhängige Beratung kann die richtigen Empfehlungen dauerhaft geben. Unabhängig ist nicht der Anbieter, der alle Produkte anbieten kann, sondern der, der für Beratung und nicht für den Verkauf bezahlt wird. Erhält ein Berater Geld aus einem Produkt, kann dies niemals unabhängig sein. Ich denke das sollte klar sein.

Genausowenig unabhängig ist der Berater, wenn er Druck erhält und verkaufen muss, so wie es bei den Banken heute der Fall ist.

Bankberater sind keine Berater, sie sind Verkäufer.

2. Für die Altersvorsorge gibt es Versicherungen, Riester, Rürup und Co.

Versicherungen locken meist mit Garantien, staatlichen Förderungen und steuerlicher Absetzbarkeit.

Aber die Kosten sind exorbitant hoch und es wird regelmäßig in der unabhängigen Fachpresse bewiesen, dass die Kosten alle Vorteile regelrecht auffressen.
Die Produkte sind eine echte Blackbox, kaum einer durchblickt die ganzen intransparenten Strukturen und Gebühren, die sich im Laufe der Jahre zu einem Vermögen auf summieren.

Das ist auch der Grund, warum diese Produkte gerne verkauft werden. Es gibt hohe Provisionen daraus, die der Bank oder Versicherungsverkäufer erhält oder die Bank/Versicherung selbst.

3. Mein Bankberater erhält keine Provision und ich kann ihm daher vertrauen

Es stimmt, dass die meisten Bankverkäufer heute keine Provision mehr erhalten. Diese wurde durch den Druck ersetzt, durch Vorgesetzte Abschlüsse zu machen und hohe Terminquoten von bis zu 25 Terminen pro Woche. Es gibt auch allerhand Psychotricks um Angestellte fertig zu machen, die nicht liefern.

Permanente Kontrollen, 4 Augengespräche, Coachings, Einbeziehung weiterer Führungskräfte, wenn man selbst bei dem Untergebenen nicht „weiter“ kommt.
Menschen die heute Führungskraft in einer Bank werden wollen, haben oft ein ausgeprägtes Geltungsbewusstsein und leider habe ich auch oft den Eindruck gewonnen,
dass sie einen Hang zum Sadismus haben.

4. Mein Bekannter ist damit gut gefahren und kennt sich aus

Weil ein anderer Menschen mit anderen Lebensumständen und einer anderen Risikoneigung die für sich passende Geldanlage gefunden hat heißt nicht, das dies die passende Geldanlage für dich ist. Die Einstellung zu Chancen und Risiken ist nachweislich etwas sehr persönliches und die Lebensumstände sowieso. Da es wichtig ist Emotionen von Geld zu trennen, sind Empfehlungen aus dem Freundes und Bekanntenkreis nicht zu empfehlen. Du willst in einigen Jahren sicher auch noch ein ungetrübtes Verhältnis zu den Freunden / Bekannten haben.

5. Die Fonds sind besser als der Markt

Das ist regelmäßig nachweislich falsch. Je nach Studie, die man zu Rate zieht, erreichen 95% der Fonds nicht mal den Vergleichindex. Banken ignorieren seit fast 50 Jahren den Stand der wissenschaftlichen Forschung zu dieser Thematik. Der Grund dafür ist, dass sich ein Vermögen in dieser Industrie verdienen lässt und Banken zusätzliche Ertragsquellen brauchen. Da musst du aber nicht mitmachen. Die Banken rettet schon der Staat, dass brauchst du nicht zu übernehmen.

6. Die Gebühren sind schon nicht so hoch

Leider wird dies oft unterschätzt, da die Menschen die langfristige Aufaddierung von jährlichen Kosten unterschätzen. 0,5% p.A. Unterschied wirken sich
schon verherrend aus.  Endergebnisse auf lange Laufzeiten differieren um bis zu 50%.

Dadurch, dass die Gebühren in den Produkten versteckt sind, die „Beratung“ aber umsonst ist, erfordert dies auch ein Umdenken vom Kunden. Eine gute und fundierte Beratung kostet etwas. Honorarberatung kostet Geld, Provisionsberatung dein Vermögen.

7. Charts

Anhand von Charts kann man einem vieles verkaufen. Entscheidend ist aber, dass hier nicht Äpfel mit Birnen verglichen werden. Hier ist große Vorsicht geboten. Ich habe schon oft erlebt, das Mischfondcharts mit dem DAX verglichen werden, Aktienfonds
mit Rentenfonds und und und. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Was auch oft außen vor bleibt ist das Risiko, welches für die Rendite eingegangen wird.

Die letzten 5 Jahre übrigens, die derzeit nach MIFID 2 ausgewiesen werden müssen, sind kein ausreichend langer Zeitraum um die Chancen und Risiken einer Anlage aufzuzeigen. Bis zu dem Blitz-Crash in der Woche vom 05.02.2018 sah fast jede Anlage
risikoarm und stabil aus, wenn man nur die letzten 5 Jahre betrachtet. Manche „Starberaterin“oder mancher „Superseller“ ist noch nicht einmal in der Finanzkrise 07/08 in seinem Job gewesen, sondern war noch auf der Schulbank.

8. Das gab’s noch nie: Die Super-Dupper XXL Anlage, eine Weltneuheit von Experte Dr.Raffgier

Wenn sich Anlagen zu schön anhören um wahr zu sein, sind sie es auch. Chancen stehen IMMER Risiken gegenüber. Das ist wie ein Naturgesetz in der Finanzmathematik. John Markowitz hat dies bereits 1952 tiefgehend erforscht. Er gilt als Begründer der modernen Portfoliotheorie. Das Rad wird nicht neu erfunden. Von Phantasieprodukten und den damit verbundenen Versprechungen sollte man stets die Finger lassen.

9. Garantieprodukte

Garantien kosten immer Geld. Und nicht zu knapp. Und sicher ist dennoch nichts. Du kannst dir folgenden Satz merken: „Der Tod ist sicher, das Leben nicht.“

Es gibt verschiedene Arten von Risiko. Aber es gibt nicht „kein Risiko“. Auch ein Sparbuch hat Risiken. Wichtig ist die Frage, ob du das Risiko tragen kannst und was du dafür an Chancen bekommst.

10. Immobilien sind sicher und jetzt ist die richtige Zeit eine zu kaufen.

Diese Aussagen kann ich schon nicht mehr hören. Banken werben gerne damit, dass in Niedrigzinsphasen die richtige Zeit ist eine Immobilie zu kaufen. Das stimmt aber nicht. Es ist die richtige Zeit zu finanzieren, dass stimmt. Aber die Immobilienpreise sind in solche Phasen so hoch wie sonst nie, was an dem billigen Geld liegt. Und das spricht gegen den Kauf.

Könnte man die Finanzierung, um sagen wir eine Dekade, von dem Hauskauf trennen, wäre die Aussage vielleicht richtig.

Milch kauft man auch nicht im Supermarkt wenn der Milchpreis gerade hoch steht. Erst recht nicht, wenn man dafür einen billigen Kredit angeboten kommt. Es ist absurd.

Immobilien sind eine Anlage wie andere auch. Mit Risiken. Man muss alle Jahre immer wieder Geld in die Immobilie stecken um sie in Stand zu halten. Ist dies die selbst bewohnte Immobilie, kann man diese Aufwendungen nicht einmal absetzen, obwohl sie aus bereits versteuertem Einkommen erbracht werden.

Eine emotionsloses Vorgehen im Immobilienmarkt in Deutschland würde so aussehen:

In der eigenen zu Miete wohnen, da alle Aufwendungen und juristischen und finanziellen Nachteile beim Vermieter liegen. Die gekaufte Immobilie vermieten,
damit man alle Aufwendungen absetzen kann. Kauf der eigenen Immobilie mit viel Eigenkapital in einer Hochzinsphase, wenn der Markt frei ist und viele die eigene Immobilie zwangsversteigert bekommen.

Das hört sich krass an. Ist aber eine emotionslose und nüchterne Vorgehensweise. Und Emotion sollte bei Geld am besten immer draußen bleiben.

Und dennoch bleibt eine Immobilie eben eine Anlage. Mietausfallrisiken, Geld das man nach schießen muss, Umspannwerk nebenan eröffnet, das Wohnviertel wird schlechter durch Zuzug von 100 Schlümpfen, es gibt einfach Risiken. Das gehört dazu.

Und es bleibt eine Einzelfallbetrachtung die man individuell bewerten muss.

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