Mehrheit = Legitimation?

Angst lähmt uns. Angst vor Entscheidungen, Angst vor Druck, Angst vor der Meinung anderer.

Wegen der Angst handeln wir dann oft gar nicht. Oder falsch. Oder wir machen das, was andere gerne hätten, aber nicht das was wir wirklich wollen. Und oft nicht das was richtig ist.

Was die Mehrheit will, war fast nie in der menschlichen Geschichte richtig. Ich will es mal ganz direkt sagen: Die Mehrheit dachte früher, dass die Erde eine Scheibe ist. Die Mehrheit wollte im Mittelalter „Hexen“ verbrennen sehen. Die Mehrheit war der Pöbel der Straße. Die Mehrheit hat Adolf Hitler gewählt und ist ihm bis ans Ende gefolgt. Man könnte die Liste beliebig lange fortsetzen. Mehrheitsmeinungen sind selten richtig und müssen daher stets ein Korrektiv haben.

Wenn wir der Masse folgen, ernten wir was die Masse bekommt. Durchschnittlichkeit, Fehlentscheidungen, Beliebigkeitsdenken und Langeweile. Und zuweilen wird es echt gefährlich.

Wir müssen selbst Entscheidungen treffen, auch wenn sie unpopulär sind. Und sogar gerade dann. Wenn man später sieht, es war falsch, werden einen alle verurteilen. Es wird dann heißen, „wir haben es ja gleich gesagt“.

Wenn die Entscheidung richtig war, werden natürlich alle die Hand aufhalten. „Hey ich wusste immer das du Recht hast, war immer dein Freund“ etc.

„Der Erfolg hat viele Väter. Der Mißerfolg ist ein Waisenkind.“

Richard Cobden (1804-1865)

Englischer Nationalökonom

Das ist der Charakter der Masse. Gustave le Bon* schrieb einst in seinem Buch Psychologie der Massen, dass die Masse verführt werden will und sich durch wenig Intelligenz auszeichnet, selbst wenn einzelne intelligente Personen unter ihr sind. Le Bon führte weiter aus, dass die Masse gerade so intelligent ist, wie der ungebildetste unter ihr. Er führte das auf die kindliche Emotionalität zurück, die in der Masse eine Dynamik erreicht, deren sich keiner widersetzen kann.

Die Frage ist, wollen wir das? Durch die Dynamik weggezogen werden und zu Entscheidungen gebracht, bei denen wir selbst nicht mehr in den Spiegel schauen können?

Dies soll ein Plädoyer für Standhaftigkeit sein. Und für Mut. Den Mut das richtige zu tun. Für Werte einzustehen und sich nicht verbiegen zu lassen.

Wenn du weißt etwas ist richtig, dann setz es durch. Sei nicht konfliktscheu wenn es um das richtige geht. Das lässt dich wachsen und gibt anderen die Chance ebenfalls über sich hinaus zu wachsen.

Studien zeigen, dass selbst Minderheiten, die beharrlich für einen Standpunkt kämpfen und immer wieder das gesagte wiederholen, am Ende sich durchsetzen. Und das ist gut so. Denn sonst würden wir in dem Teil Mitteleuropas in dem wir leben, immer noch im Wald rumspringen und mit 300 Wörtern Grundwortschatz über Trivialbefriedigungen reden.

Menschen entwickeln sich weiter und wachsen tut weh. Da müssen wir durch.

Das ist ein Teil des Lebens. Mancher mag bedenken, dann ist ja mein Ruf ruiniert. Stimmt. Aber was für ein Ruf soll das denn sein und bei wem?

Das ist eine entscheidende Frage.

Hätten wir gerne im Mittelalter einen guten Ruf beim Pöbel gehabt, der die Hexenverbrennungen legitimierte?

Oder einen guten Ruf im NS- Staat? Oh, dass ist ja ein guter und braver Bürger. Toll.

Wenn wir dagegen einen guten Ruf im verteidigen von Werten haben, beispielsweise Menschlichkeit oder christlichen Werten, dann ist dies wirklich etwas Edles. Aber es kostet Mut und es kann auch mal weh tun.

Dann aber erst recht. Dann macht es richtig Freude. Denn wir wissen warum wir das tun. Und etwas was uns nichts kostet, nichts abverlangt, für was wir nicht kämpfen müssen, was ist das schon wert?

Richtig. NICHTS.

Probieren wir Neues aus, wachsen wir, seien wir mutig. Folgen wir nicht der Masse mit ihrer verdrehten Vorstellungen und oft bigottem Moralempfinden.

Früher haben sie Hexen verbrannt, weil sie sich Naturheilkunde nicht erklären konnten, neidisch und zerfressen von Negativität waren oder einfach zur Unterhaltung. Einen Menschen zu verbrennen schien abwechslungsreich zum eigenen, sonst einfältigen Leben zu sein.

Heute geschehen moderne Hexenverbrennungen durch Konformitätszwang und soziale Isolation. Das Internet ist ein Beispiel dafür, wenn Menschen in sozialen Netzwerken gemobbt werden. Gerüchte kursieren, jeder interpretiert etwas rein und am Ende weiss keiner mehr um was es ging. Aber man hat ein neues Feindbild. Und darüber zu reden lenkt vom eigenen Leben so wunderbar ab.

Statt uns aber abzulenken, sich also weg lenken zu lassen, sollten wir selbst lenken. Unser Leben lenken. In eine positive Richtung. Stehen wir nicht am Rand als Zuschauer des eigenen Lebens.

Manchmal müssen wir alte Brücken abbrechen und zu neuen Ufern aufbrechen. Wir werden dann feststellen wie schön neue Ufer sind. Regelrechte Traumstrände. Ungeahnte Möglichkeiten.

Als Christoph Kolumbus seine Unternehmung plante, lachten alle. Alle wollten ihn zum Abbrechen zwingen. Fast niemand glaubte an ihn. Fast niemand unterstützte ihn.

Er zog es durch und entdeckte Amerika.

Aber er entdeckte nicht nur Amerika. Sondern er lernte auch den Unterschied zwischen Bekannten und echten Freunden kennen und dass die Mehrheit falsch liegt, die daran glaubte, dass die Erde eine Scheibe ist.

Haben wir keine Angst vor Entscheidungen. Die unpopulärsten sind mit die Besten.

Dann bekommen wir das, was der Rest nicht hat. Glück und Selbstachtung.

Seien wir mutig. Wir können es.

 

*Gustave Le Bon (7.5.1841 – 15.12.1931)

Arzt und Psychologe, Begründer der Massenpsychologie

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