Innerlich tot – Leben als Angestellter

Für all die, die mit ihrem Angestellten Leben zufrieden sind, ist dieser Post nicht gedacht. Also braucht ihr nicht weiter lesen.

In den letzten Jahren habe ich viel über mich selbst und das Angestelltendasein gelernt. Als freiheitsliebender Mensch ist das Leben als Angestellter doch eher eine Qual. Es mag sicher Ausnahmen geben.

Im Wesentlichen ist das Angestelltenleben ein Austausch von Zeit gegen Geld. Nicht mehr und nicht weniger. Das merken die meisten Menschen dann, wenn sie vor dem Arbeitsgericht stehen. Hier wird verhandelt, inwieweit dieser Austausch halbwegs
vertraglich korrekt war. Hat man dem Arbeitgeber wirklich seine Zeit zur Verfügung gestellt oder nur im Internet gesurft?
Es geht im Wesentlichen nicht um die Leistung. Auch nicht um Effizienz. Es geht im die Erfüllung der klassischen Formulierung: Er/Sie/es bemühte sich. Und dafür muss bezahlt werden.

Das Leben und Arbeiten in einer Bank habe ich schon aus einigen Perspektiven beleuchtet. Heute möchte ich es einfach mal verbinden mit dem Aspekt des Angestelltenlebens. Manche kennen von früher noch die Serie Stromberg. Sehr amüsant und zu empfehlen. Das Leben in der Schadensregulierung einer Versicherung.

Morgens läuft der Kaffee durch die Maschine, der Alltag besteht aus dem typischen Bürokrieg. Verschiedene Lager, ein inkompetenter Betriebsrat, Sex Storys, Unterlagen kopieren, viel Getratsche. Aber vor allem Kriechen bei übermächtigen Vorgesetzten, vor denen manche Mitarbeiter Angst haben, wie wenn sie vor dem Herrn stehen. Vieles davon gibt es heute in abgewandelter Form in der Bank auch.

Vor allem interessant und beachtenswert finde ich, wie sehr Menschen „kriechen“ und ihren Kopf sozusagen „in ihrem Vorgesetzten“ haben. So sehr, dass manche fast schon einen Ganzkörperschutz benötigen müssten, um sicher zu sein keine übertragbare Krankheit zu bekommen. Diese Unterwürfigkeit und das Ausführen von noch so sinnlosen und in der Bank auch moralische Grenzwertigen Anweisungen hat mich immer wieder schockiert. Habe ich dann so manche Doku über Diktaturen gesehen, war mir immer klar, wie das sein konnte, dass Menschen ohne zu überlegen
Befehle ausführen. Wenn sie dies schon als Angestellte tun und dann übereifrig und im vorauseilendem Gehorsam versuchen ihre Ziele zu übertreffen um etwas Anerkennung zu erhaschen, dann erst recht unter extremeren Druck und mit extremeren „Leithammeln“.

Aber natürlich gab es auch viele Kollegen, auf die diese Karikatur zutrifft:

img_6707.jpgMan hasst seinen Job, muss aber seine Rechnungen bezahlen. Also nimmt man das Geld. Und solange man es nimmt, muss man weiterhin zur Arbeit erscheinen, ganz klar.

Und genau an diese „Zielgruppe“ möchte ich mich heute wenden:

Aus eigener Erfahrung und von ganzem Herzen empfehle ich, den Alltag nicht über sich ergehen zu lassen. Sondern einfach zu überlegen, wie man ihn effektiv gestalten kann. Effektivität und Angestellt sein hat meist nicht viel miteinander gemeinsam. Zumindest nicht beim „Fussvolk“, also denen die nicht TopManager sind. Aber wer es schafft in kürzerer Zeit sein Arbeitspensum abzuarbeiten und die entstehenden Freiräume
zu nutzen, kann sich eine wahre eigene Existenz aufbauen. Fern von Kriecherei und Abhängigkeit.

Ich finde auch folgenden Gedanken hilfreich: Überlegt einmal, ihr kommt ab morgen nicht mehr zu Arbeit. Wie lange werden die Kollegen und Chefs dort von euch reden oder an euch denken? Vier Wochen, zwei Monate? Selbst wenn es ein halbes Jahr wäre, danach würde keiner mehr von euch reden. Vergessen. Ihr seid nicht wichtig. Möglicherweise ist dies aber auch nur in kurzlebigen Vertriebsjobs so, wo man heute Superseller ist und morgen sozial isoliert und tot.

Ich hatte das Angestelltensein schon einmal mit Gefängnisinsassen verglichen und finde den Vergleich nach wie vor gut. Es gab mal einen Film über einen Gefängnisausbruch. Er hiess glaube ich „Die Verurteilten.“ Er war Geologe und zu Unrecht im Gefängnis. Aber er machte sich sein Wissen zu nutze. Geologie ist das Studium von Material, meist Stein
und Zeit. Und so schuf er sich nach langer Planung, viel Geduld und Ausdauer mit einem Löffel den Weg nach Draussen in die Freiheit. Solche Gefängnisinsassen, die noch nicht gebrochen sind, sitzen nicht einfach in ihrer Zelle und lassen das Schicksal über sich ergehen. Sie planen, studieren und entwickeln Ideen. Denn es gibt eine Ressource, von der sie verhältnismäßig viel haben, wenn man die einzelnen Tage betrachtet und die Alternativen bedenkt: ZEIT.

Und ich behaupte mal, dass ist bei vielen, wenn auch nicht bei allen Angestellten auch so. Alle die ich meine, fühlen sich beim Lesen nun eh angesprochen, dass weiß ich.

Lasst den Alltag, den ihr so sehr hasst nicht über euch ergehen. Nehmt die negative Energie auf und wandelt sie um in etwas Positives. Ihr bekommt euer Gehalt. Und jedes weitere Gehalt das kommt, ist 100% Zielerreichung. Ob der Vorgesetzte (das Wort hat was, denkt mal darüber nach) zufrieden ist oder irgendwelche Gummipunkte erreicht wurden, dass ist nicht wichtig für euer Leben. Ihr seid nicht unternehmerisch verantwortlich, deswegen seid ihr Angestellte. Lohnsklaven wie es so schön heisst. Daher zieht euch den Schuh nicht an. Arbeitet hart und möglichst unauffällig an euren Träumen.

Alleine durch das Netz gibt es heute so viele Möglichkeiten sich zu informieren und etwas aufzubauen. Macht es. Ihr könnt es!

7 Kommentare zu „Innerlich tot – Leben als Angestellter

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  1. Mein Statement: So lange wie möglich bezahlen lassen und nebenher was eigenes aufbauen. Dann nix wie weg. Bis dahin immer schön lächeln und ja ja sagen. 😂

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  2. ein toller Artikel. Ich habe mich vor ein paar Jahren auch selbstständig gemacht, weil ich mir das Leben als Angestellte nicht weiter vorstellen konnte. Ich bin polnische Steuerberaterin. Ohne aber einen freien Beruf zu haben, hätte ich es mir aber nicht gewagt … Deswegen finde ich – bis zu 8-10 Jahren nach der Ausbildung als Angestellte zu funktionieren ist auch OK.

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    1. Hi, vielen Dank für das Feedback und deine Erfahrung. Ich glaube das es am Anfang nach Ausbildung /Studium erst mal gut ist Angestellter zu sein um Erfahrungen zu sammeln. Auch das von mir beschriebene muss man erlebt haben. Manchem gefällt das ja auch. Nachdem man dann eine Weile „funktioniert“ hat wird es Zeit für etwas eigenes.

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