Das Ende…

…der Naivität. Oder anders formuliert: Die Unabhängigkeitserklärung.

Wer kennt das nicht: Das soziale Umfeld beeinflusst einen. Nicht nur das unmittelbare und wichtige Umfeld. Dazu würde ich die Familie zählen und wirklich enge Freunde. Nein, auch die Peripherie hat Einfluss auf uns. Ob wir das wollen oder nicht. Das zu ändern ist ein Prozess, an dessen Anfang die Erkenntnis und das Eingeständnis steht, dass Menschen auf uns Einfluss haben, von denen wir es eigentlich nicht wollen. Ihre Urteile und Meinungen bewegen uns und machen uns nachdenklich. Und damit mitunter schwach.

Jeder Mensch hat eine persönliche Risikoneigung, eine persönliche Weltanschauung, persönliche Gefühle. Warum lassen wir uns manchmal von anderen prägen, deren Meinung eben deren ist. Und vor allem deren Urteile, die oft Vorurteile voller Selbstgerechtigkeit sind?

Dieser Zwischenruf soll anregen darüber nachzudenken. Ich glaube, dass wir deshalb Rücksicht nehmen, weil wir denken, die anderen würden das auch tun. Und wäre es so, wäre dies vielleicht sogar ein legitimer Grund. Fakt ist aber regelmäßig, dass andere keine Rücksicht nehmen. An uns wird das Feinmaß angelegt, haarklein und detailliert hinterfragt mit einer Schubkarre voller verzerrter und kruder Selbstgerechtigkeit geurteilt. Wir sind darüber erschreckt und in Erwartung, dass andere auf uns Rücksicht nehmen und erschrocken über die Massivität mit der wir geformt werden sollen, machen wir Eingeständnisse.

Wie sich gezeigt hat und immer wieder zeigt, ein schwerer Fehler.

Fortan beschreiten wir in Anpassung und sozialer Erwartung einen Weg, der nicht mehr unserer ist. Mit dem fatalen Resultat, dass wir Ergebnisse ernten, die nicht unsere sind. Wir können nicht in den Spiegel schauen. Wir bekommen was für andere bestimmt ist, weil wir uns angepasst haben. An deren Normen und Erwartungen.

Das mag schon bei der Selbstzensur beginnen. Dieser Tage war ein Bericht über die Opposition eines autokratisch geführten Landes zu sehen. Einige Journalisten berichteten, dass die Selbstzensur schlimmer als externe Zensur ist, da man selbst nicht sagt und schreibt was man denkt. Und das sozusagen „freiwillig“.

Genau diese Freiwilligkeit ist mitunter der verlogenste soziale Mechanismus den es gibt.

Wir haben bei Blackwater.live schon an einigen Stellen herausgestellt, was das alles sein kann. Falsche Kaufentscheidungen, Familie, obwohl wir keine wollten, Kinder obwohl wir keine wollten, Verhalten was nicht unseres ist. Die klassische Ausbildung einer doppelten Persönlichkeit. Im extremsten Fall werden wir selbst zu einer falschen Schlange. Jeder kennt solche Personen, die lächeln und doch hassen, Emphatie vorspielen und doch innerlich tot sind. In jeder größeren sozialen Gemeinschaft gibt es solche. Wir verabscheuen solche Personen und doch sind sie schwer zu entlarven. Aber hier kommt der andere Blickwinkel auf solche Personen: Sie wurden teilweise im Schmelztiegel der Gesellschaft geschaffen.

Ein gutes Beispiel in Deutschland ist die Vergangenheit. Zwei Diktaturen hat Deutschland erlebt. Die letzte, die DDR war ein System der Spitzelei und Überwachung. Sozial angepasst zu sein war überlebens notwenig. Und doch hat sich das bei manchen Menschen so verfestigt, dass es zum Teil ihrer Persönlichkeit wurde. Kriechen, lügen, oberflächlich anpassen um stromlinienförmig zu schwimmen. Ich hatte bislang schon
den Eindruck gewonnen, dass sich dieses Sozialverhalten sogar an die nächste Generation vererbt. In der Wissenschaft bis heute ein Forschungsthema. Aber dem will ich mich hier nicht weiter widmen.

Wir wollen Resümee ziehen. Wir sind auf Meinungen anderer angewissen. Aber sich davon leiten zu lassen, verliert sich im allerlei, vom kleinen ins kleinste. Wir sollten das auf unser engstes Umfeld und wenige Menschen beschränken. Die die uns wirklich lieben.

Denken wir nicht, dass andere auf uns Rücksicht nehmen. Nachweislich ist dies nicht so und führt zu Enttäuschung. Wer hat das nicht schon erlebt:

Man nimmt Rücksicht, nimmt sich zurück, verzichtet. Die Personen, für die man das getan hat, danken es einem mit einem Maß an Verlogenheit und Unehrlichkeit, so dass wir danach von unserer Naivität kuriert scheinen. Und doch passiert es wieder.

Daher behalten wir diese Momente besser im Gedächtnis und lernen dazu.

Unterschreiben wir unsere persönliche Unabhängigkeitserklärung und hängen sie uns an den Kühlschrank. Jeder mag andere Aspekte dabei wichtig finden. Aber inhaltlich könnte sie so aussehen:

Ich, Max Müller, möchte nicht mehr tun was Menschen von mir erwarten, die mir nicht gut tun und nicht das beste für mich möchten. Ich werde keine falsche Rücksicht mehr nehmen auf Menschen, die nicht das gleiche für mich tun würden. In Zukunft werde ich meine Ziele klar definieren und kämpfen bis ich sie erreicht habe. In Zukunft werde ich mehr auf mich selbst Rücksicht nehmen und keinen Raubbau an meinem eignen Körper und meiner Psyche zugunsten von anderen betreiben. Es ist mein Leben und ich möchte es positiv nutzen mit positiven Menschen. Alle anderen Brücken breche ich ab und es gibt nie wieder einen Weg zurück zu dem Zustand, den ich verlassen habe.

So oder ähnlich, was euch noch in den Sinn kommen mag. Schreibt es auf und definiert es, denn das ist der erste Schritt in die richtige Richtung. Ihr habt unterschrieben. Fortan werft allen Ballast über Bord und ihr werdet merken wie schnell das „Schiff“ schwimmt.

Ziehen wir unseren Weg durch, so wie wir es eigentlich wollten. Die Welt gehört den mutigen. Sehr gut ausgedrückt hat es Robert Downey Jr. :

„Listen, smile, agree, and then do whatever the fuck you were gonna do away.“

 

Für Michael M.S.

The End
Der Schlusspunkt einer Reise ist der Beginn eines neuen Weges.

15 Kommentare zu „Das Ende…

Gib deinen ab

  1. Man sollte allgemein seinen Weg durchziehen und etwas erreichen wollen ohne auf Leute Rücksicht zu nehmen, die einen nur behindern, dumm rumgeifern und dauernd Bedenken haben. Wenn man halb tot im Bett liegt kommt auch keiner von denen vorbei und fragt wie es einem geht. Das sind alles verlogene Arschlöcher. Danke für den sehr guten Post!

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    1. Hallo Oliver und danke für deinen Post. Harte Ausdrucksweise😂. Aber im Kern ist es die Überlegung, zu der ich nach einigen Erfahrungen auch gekommen bin, wie viele andere vor mir. Wäre man morgen nicht mehr da, wer würde um einen trauern? Auf diese Menschen sollte man Rücksicht nehmen, nicht auf den Rest. Daher ist es am besten sein Umfeld auf wenige echte Freunde zu reduzieren, will man die Lebensqualität steigern. Auf den Rest kann man verzichten. Und ich kann sagen, es funktioniert wirklich!

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  2. Sehr interessant hier alles, eine Fortsetzung von eurem genialen Artikel über das männliche Rollenbild wäre aber echt gut. Das war Drehbuchreif geschrieben, 1A!

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  3. Das ist so wahr was du schreibst! Ich lese diese Postings immer sehr gerne und es motiviert mich nach mehr Anspruch zu streben, auch bei Menschen.

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