Mein erstes Posting

Ich weiss gar nicht wie ich anfangen soll zu schreiben. Nicht das ich nicht schreiben kann, zumindest denke ich das nicht. Es ist mehr das erlebte, das mich immer noch unangenehm berührt und verletzt. Vielleicht, so dachte ich eine Weile, sollte ich mir doch Hilfe holen. Aber mit der Zeit ging es mir dann doch besser. Nur über das erlebte zu schreiben ist nochmal eine Stufe weiter.

Von was schreibt sie da werdet ihr nun denken?

Als ich auf Blackwater gestossen bin, war die Seite noch im Aufbau. Aber es ging ja von Beginn an auch um Bankvertrieb und diesen Beruf. Nennen wir es Beruf. Für mich ist das lachhaft, um es mal vorweg zu nehmen. Einbrecher oder Gangster oder meinetwegen Pokerspieler, dass sind auch keine Berufe. Es sind Einkommensquellen von mir aus. Ich merke, das Negative sitzt noch in mir, ich muss noch mehr loslassen.

Blackwater hat mir jedenfalls gefallen und die Idee über erlebtes zu schreiben, frei schreiben zu können, die finde ich gut. Es ist ein Privileg. Und an meinem eignen Beispiel verstehe ich was freie Meinungsäusserung wert ist. Ein Glück das wir nicht in Russland oder Nordkorea leben.

Zurück zu mir. Ich schweife zu oft sonst ab. Eine Schwäche von mir.

Ich bin 33 Jahre alt. Auch im Ausweis. Und überhaupt. Inzwischen habe ich einen echten Beruf als Büroangestellte in einer mittelständischen Firma. Ich mache den ganzen Papierkram, der mit Finanzen zu tun hat. Eine Freundin von mir ist die Buchhalterin. Auch Ex-Bankerin. Ah ok, da habe ich es nun verraten, ich hatte vorher also keinen Beruf, denn ich ging diesem Gelderwerb nach, der Banktätigkeit.

Als ich zur Bank kam, sagte man, das ist ein seriöser und bodenständiger Beruf. Und er hatte auch ein gewisses Ansehen. Als Frau fand ich es auch wichtig, dass es ein sauberer Arbeitsplatz war. Ich hatte keine Lust auf Jobs, bei denen ich abends die Klamotten wechseln muss um auszugehen, ich konnte meine Sachen anlassen. Und ab und zu schick zur Bank zu gehen, mich aufzubrezeln, das machte mir schon Spass.

Mit Zahlen konnte ich schon immer gut umgehen. Ich liebe es, um es genau zu sagen. In der Grundschule war ich immer die Rechenmaus, mit Brille und als Blondchen passte dass. So setzte sich das fort, Leistungskurse später im Gymi und dann klar, auf zur Bank. Ich machte meine Ausbildung als Finanzassistentin, das ist so ne Art bessere Bankkauffrau und danach Bankfachwirt, Bankbetriebswirt und dann mein Diplom.

In der Bank ging es auch gut vorran, ich landete bald im Private Banking, mit Kunden mit mehr als 500 TEUR Vermögen. Da war Immobilienvermögen nicht reingerechnet. Mir machte es Spass mit den Kunden zu arbeiten, Vertrauen zu gewinnen, Bindungen aufzubauen. Ich wurde auf Geburtstage eingeladen, war bei Beerdigungen, Hochzeiten der Kinder, Taufen und vieles mehr, nicht unbedingt in der Reinfolge wie hier geschrieben.

In der Bank ging es schon immer um Geld, Zahlen, Erträge und Beziehungen. Aber es war machbar und ok. Der Kunde zahlte für Geschäfte, bekam aber auch volle Betreuung. Ich war immer da. Daher fand ich das fair und bis hierhin, sehe ich das heute auch noch so.

Das lief ungefähr bis zur Finanzkrise 2008 so weiter. Danach wurde es immer schwieriger, da die Bank keine Rücksicht auf die beginnende Zurückhaltung der Kunden nahm. Der Erträge mussten nun erst recht fliessen. Durch die Verluste aus der Krise und das sinkende Zinsniveau stiegen die Anforderungen an das Provisionsgeschäft immer mehr, sprich mehr Abschlüsse.

Mein Vorgesetzter sagte nicht direkt, mache sinnlose Geschäfte, Hauptsache wir verdienen mehr. Oder hol alles aus dem Kunden raus. Aber da die Vorgaben bei gleichen Kundenkreis und gleichen Anlagevolumen immer mehr stiegen, war es klar. Argumentiert wurde, ich soll doch Neukunden bringen. Oder: Es schlummert noch so viel Geld auf Sparkonten in unserer Bilanz rum, wenn wir davon nur X Prozent in Fonds anlegen, verdienen wir mehr. Veredeln hiess das. Die Sprüche sind in jeder Bank die gleichen, wie ich bei meinen Freundinnen merkte, die auch in Banken arbeiteten. Ich glaube die Typen, die sich Führungskraft in einer Bank schimpfen, haben nicht wirklich viel Fantasie.

Aber es sind nicht nur Männer. Das muss ich fairerweise sagen. Am Ende hatte ich eine weibliche Führungskraft. Eine wahre Dampfnudel. Ich kannte schon vorher weibliche Führungskräfte in Banken und muss meinen Eindruck hier loswerden. Aber der Ebene des Direktors sind die meisten fett. Ich meine das nicht böse. Es ist einfach so gewesen und ich glaube, sie kompensieren mit Essen ihren Stress und die moralische Belastung.

Meine Vorgesetzte liess an mir aber auch immer öfters aus, dass ich es nicht war. Denn ich ass eher weniger mit mehr Druck und blieb schlank, nahm sogar noch ab.

Die Ziele, die ich jahrelang erreicht und übertroffen hatte, schaffte ich nicht mehr. Anfangs ging es noch mit dem ein oder anderen grenzwertigen Geschäft. Ich fing da schon an mich selbst nicht mehr zu mögen, für das was ich tat um die Woche zu überleben. Meine Vorgesetze wollte immer Freitags wissen was ich erreicht hatte und jeden Termin durchsprechen. Früher wurde ich wie eine Erwachsene behandelt, nun wie ein kleines Kind.

Alles was der Kunde nicht machte wurde mir als Unfähigkeit nahegelegt mit immer neuen miesen Unterstellungen. Ich ging Freitags abends nicht mehr aus, sondern sass weinend im meinem Badezimmer auf dem Boden. Das fing nicht sofort an, es war ein schleichender Prozess, in dem mein Fell immer dünner wurde. Am Ende war ich gebrochen, ich spürte und fühlte es irgendwie. Das war nicht mehr ich. Es war ein Drecksjob, bei dem ich an jedem Wochenemde Angst vor dem Montag hatte. Meine gehässige dicke (sorry) Vorgesetzte hatte nichts als dumme Sprüche parat, wie viele andere Personen in der Führungsebene auch. Wenn ich mich nur mehr anstrengte, dann klappt es, es liegt nur an mir etc. Als ich einmal sagte, man solle doch mal mit gutem Beispiel vorran gehen, verbat man sich das und meinte ich solle nicht unverschämt werden. Ja Führung und Vorbild, dass passt wohl in einer Bank selten zusammen.

Ab einem gewissen Punkt wusste ich, wenn ich in der Bank bleibe, zerbreche ich. Inzwischen stand ich eh auf der Abschussliste. Das mieseste was Banken machen wenn sie einen loswerden wollen ist, nach Richtlinienverstössen zu suchen und sich noch als moralischer Richter aufzuspielen, zum Schutz des Kunden, den Kunden, den ich vorher nach ihrem Willen ausnehmen sollte. In Personalgesprächen sitzen sie dann zu zweit vor einem, mit ernster Miene und tun so, als wenn man selbst ein Verbrecher wäre, der zu dem sie einen machen wollen, es aber nicht geschafft hatten.

Ich kündigte bevor sie es tun konnten. Nahm meine Restwürde mit und fühlte mich noch nie so befreit. Und es geschah das, was laut den Bankführungskräften fast unmöglich sein sollte: Ich fand einen Job. Ausgerechnet ich, die unfähige Bankerin, die ja nichts drauf hat. Klar verdiene ich weniger, aber ich bin glücklich, muss keine Kunden betrügen, habe mein Lachen wieder wenn ich aus dem Geschäft komme und ich sitze Freitagabends nicht mehr auf dem Boden meines Badezimmers und weine mir die Schminke aus dem Gesicht.

Ich habe mein Leben zurück und bin unendlich glücklich.

Ob ich nochmal eine Bank betreten würde, fragte mich eine Freundin vor kurzem beim Kaffee?

Niemals wieder!

29 Kommentare zu „Mein erstes Posting

Gib deinen ab

  1. Dieser Eintrag hat mich sehr berührt muss ich gestehen. Und nachdenklich gemacht. Ich wünsche dir alles gute und kann nur sagen, sei froh das du da raus bist. Ich bin schon Jahre bei einer Direktbank. Wäre ich noch bei einer Filialbank würde mich dieser Eintrag von dir sehr zum Nachdenken bringen. Ob ich Kunde bei einem derartigen Unternehmen sein möchte. Alles Gute nochmals!

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  2. Chapeau, kann ich da nur sagen. Als noch-Banker kann ich das absolut nachvollziehen, weil ähnlich erlebt. Ausbildung + Studium genau so durchgezogen und irgendwann gemerkt, dass die Beratung / Verkauf einfach nur ein Witz ist. Da haben die eigenen Leute keine Ahnung von ihren Produkten. Nach 8 Jahren hab ich den Absprung gewagt und bin bei einem Assetmanager in FFM gelandet. War das Beste was passieren konnte. Kundenberatung heißt jetzt auch Beratung, weil der Produktabsatz nicht im Fokus steht. Es geht um Wissensvermittlung und Unterstützung. Ein viel besseres Gefühl, wie der stumpfe, ahnungslose Verkaufsirrsinn. War die beste Entscheidung. Ganz großes Lob zu den ehrlichen Worten und viel Erfolg für deine Zukunft!

    PS : bei „Bestände veredeln“ hab ich herzlich lachen müssen. Als ob bei so einem Führungskräfteseminar die immer die gleiche Rhetorik lernen! 😂

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    1. Herzlichen Glückwunsch von meiner Seite! Es ist so, dass viele Führungskräfte die gleichen Trainer haben, von den gleichen Akademien kommen. Daher hört sich das auch überall gleich an. Wenn ich heute mit ehemaligen Kollegen telefoniere merke ich, es ist immer noch so. Und kommt mal ein neuer Begriff, oft auch englische, dann dauert es keine 8 Wochen bis dieser von einer deutschen Großbank bei der SPK landet und ganz am Ende auch in der VR Filiale um die Ecke. Bei Produkttrends schien es mir ähnlich zu sein. ;-)) Danke dir für deine lieben Worte und auch dir viel Erfolg auf der jetzt richtigen Seite! Salo

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  3. Das hat mich sehr beeindruckt und meine Entscheidung steht. Nicht nur wegen diesem Post. Nachlassender Service, immer mehr Gebühren, überhebliches Verhalten, schlechte Leistungen: Filialbank, in meinem Fall eine VR, das wars. Nie wieder wie auch Sie schreiben. Wer mag sich in Zukunft noch solche Kosten leisten bei immer weniger Mehrwert. Und hier hat mich Blackwater insgesamt überzeugt. Ich habe meinen Banker, meinen echten Ansprechpartner, vor allem Partner. Ich zahle für Produkte nichts mehr, habe mehr Leistung, mehr Performance und bin auch menschlich echt bereichert worden. Tolles Konzept, die Zukunft kann beginnen!

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  4. Wahnsins Story, das tut mir so leid. Ich betrete so oder so keine Bankfiliale mehr, aber dieser Bericht bestärkt mich darin. Eine junge Frau so fertig zu machen, was für Monster!

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  5. Das ist so eine bewegende und gleichzeit krasse Story, tut mir echt leid was du erlebt hast. Zum Glück bist du da raus und konntest alles hinter dir lassen.

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  6. Vielen Dank für soviel Offenheit, Mut und Ehrlichkeit. Es gehört eine Menge dazu sich so frei zu äussern, auch wenn du nicht mehr dort arbeitest. Dadurch bekommt man als Leser besondere Einblicke und kann sich besser vorstellen was im Bankvertrieb abläuft. Grossartig! Nochmals herzlichen Dank für diesen Artikel!

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    1. Es hat mich einiges an Mut gekostet und auch Kraft, da kommt vieles in mir hoch und ich merke das, weil mir davon schlecht wird. Aber ich bin froh es geschrieben zu haben und anderen damit helfen zu können die richtige Entscheidung zu treffen. Ohne die Einladung von Blackwater hätte ich es vermutlich nicht gemacht oder zumindest wäre es mir nicht in die Gedanken gekommen. So bin ich nun aber sehr sehr happy darüber.

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      1. Aber vermutlich nur mit so langen Haaren wie sie hat☺️ Es ist zumindest eine neue Ansicht über das Thema, was Männer an Frauen lieben. Weiss nur nicht ob das in diesen Blog passt😆🤣 Und ob es stimmt, schlaue Mädchen… hmmm

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      2. Ungeachtet der langen Haare sind wir froh eine weitere Ex-Bankerin gewonnen zu haben. 😉 Und falls du diese Seite hier liest und auch Erfahrungen aus einer Bank hast die du berichten willst, dann melde dich bei uns und dem Kontaktreiter.

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  7. Danke für deinen Mut. Und eine wie du bekommt immer einen guten Job. Du bist qualifiziert und eloquent. Keine Frage, es gibt genug Firmen die dich mit Handkuss und ausgerolltem Teppich empfangen.

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  8. Das sind solche unmenschlichen Verhältnisse, man hätte nach der Finanzkrise diese ganzen Banken schon dicht macht müssen. Die schaffen keinen Mehrwert und zertören nur Leben. Was mir neu ist, das es nicht nur die Leben der Kunden sind, sondern auch die der Mitarbeiter.

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  9. Die fetten Biester sind das schlimmste. nicht nur in Banken. Die haben viel Hass in sich, auf sich selbst und dann den Rest der Welt. Weiss nicht ob du nun Sally, Salome oder wie auch immer heisst, aber danke für dein Beitrag.

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  10. Danke für deine Offenheit und das du über deine Gefühle schreibst, finde ich sehr berührend und macht mich nachdenklich, danke dafür! Und du hast dein Leben geändert und ihm eine neue Richtung verpasst, das motiviert mich und andere und ich kann nur nochmal danke sagen.

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