Bankberatung oder Honorarberatung?

Bankberatung oder Honorarberatung?

Immer wieder kommt diese Frage auf. Und immer häufiger. Grund dafür ist sicher auch, dass die Bankgebühren, Abschlusskosten und MIFID 2 Regulierungen immer mehr dafür sorgen, dass der Verbraucher und Bankkunde sein Verhalten hinterfragt. Und das ist
wirklich gut so.

Ist meine Bankberatung wirklich umsonst gewesen? Warum bietet mir der Bankberater immer so nett Kaffee an und setzt seine Zeit für mich ein, wenn ich vor Ort nie etwas bezahle?

Ich gebe offen zu, als ich diesen Artikel geschrieben und recherchiert habe, war ich selbst erschrocken wie groß die finanzielle Differenz zwischen Bankberatung, sprich Finanzvertrieb und echter Beratung ist.

 

Ist also die Bankberatung umsonst gewesen und warum ist der Berater so nett?

Um die Antwort gleich kurz vorweg zu nehmen: NEIN.

Die Bankberatung ist nicht wirklich umsonst und der Berater ist so nett, weil er dazu geschult wurde. Er macht dies, weil die Bank das von ihm verlangt und es kostet sehr wohl Geld. Und zwar eine Menge!

Seit diesem Jahr muss die Bank bei jedem Wertpapiergeschäft eine Ex-ante Kostenmitteilung dem Kunden aushändigen. Und diese sollte man sich wirklich mal genau anschauen.

In der Ex-ante Kostenmitteilung sind nicht nur die einmaligen Kosten wie Ausgabeaufschläge bei Fonds enthalten, sondern auch die Kosten der nächsten 5 Jahre. Und die sind bei Bankprodukten erheblich.

Ob es also Dachfonds, Vermögensmanagement Produkte oder auch einfach normale Fonds sind, neben einmaligen Ausgabeaufschlägen zwischen 1-5% fallen jährliche Kosten von bis zu 3% an. Jedes Jahr. Da diese Kosten der Anlage selbst entnommen werden, fällt dies kaum einem Kunden auf. Das ist psychologisch also sehr vorteilhaft für die Bank.

In den letzten Jahren stiegen die Märkte und so haben fast alle Produkte Gewinne abgeworfen. Noch ein Grund mehr, warum diese Kosten nicht hinterfragt werden. Macht man aber mal Vergleiche und rechnet hoch, was im Laufe der Jahre da zusammen kommt, dann sieht das schon anders aus.

Und das möchte ich heute einmal tun, die Kosten vergleichen

Ich möchte 3 Varianten gegenüber stellen bei der Geldanlage. Die Bankberatung, die Honorarberatung und das Finanzcoaching.

Nehmen wir folgende Anlagebeträge: Einmal 20.000 EUR, 100.000 EUR und den Aufbau eines Sparplans, beispielsweise zur Altersvorsorge.

 

Fall 1:  Eine Geldanlage über 20.000 EUR für 5 Jahre.

Kosten bei einer typischen Bankberatung mit einem Fonds/Dachfonds:

Ausgabeaufschlag 2% = 400 EUR
jährliche Kosten 2%, gerechnet auf 5 Jahre:  400 * 5 = 2000 EUR
Optional Depotkosten

Wir kommen also auf gute 2400 EUR an Gesamtkosten. Dadurch, das der Ausgabeaufschlag gleich vom Anlagebetrag abgezogen wird, haben wir noch andere Nachteile. Die abgzogenen 400 EUR nehmen schon mal nicht an der weiteren Wertentwicklung teil.

Kosten bei einer typischen Honorarberatung:

Stundenweise abrechnung zwischen 150 EUR und 300 EUR die Stunde.
Bei dem Anlagebetrag düften es kaum mehr als 2 Stunden Beratung sein. Alternativ kann man Festpreise aushandeln. Die Kosten liegen in diesem Fall maximal bei 600 EUR.

Depotkosten entfallen, Produktkosten liegen bei maximal der Börsengebühr von 10-20 EUR und der Verwaltungskosten von ETFs, also im Bereich von 0,1 % im Jahr.

Wir rechnen zusammen: 600 EUR, jährlich 20 EUR mal 5 = 100 EUR, Börsengebühren um 20 EUR. Ergebnis: 720 EUR.

Kosten eines Finanzcoachings:

Stundenweise Abrechnung zwischen 150 und 300 EUR die Stunde oder Festpreise. Danach weiß der Kunde selbst genug um für sein restliches Leben vieles selbst umzusetzen. Die Kosten dürften also identisch der Honorarberatung sein, aber nur bezogen auf die ersten 5 Jahre. Danach benötigt der Kunde möglicherweise gar
keine weitere Beratung/Coaching mehr.

 

Fall 2: Eine Geldanlage über 100.000 EUR für 5 Jahre.

Kosten bei einer typischen Bankberatung mit einem Fonds/Dachfonds:

Ausgabeaufschlag 2% = 2000 EUR
jährliche Kosten 2%, gerechnet auf 5 Jahre:  2000 * 5 = 10.000 EUR
Optional Depotkosten

Wir kommen also auf gute 12.000 EUR an Gesamtkosten. Dadurch, das der Ausgabeaufschlag gleich vom Anlagebetrag abgezogen wird, haben wir noch andere Nachteile. Die abgezogenen 2000 EUR nehmen schon mal nicht an der weiteren Wertentwicklung teil.

Kosten bei einer typischen Honorarberatung:

Stundenweise abrechnung zwischen 150 und 300 EUR die Stunde.
Bei dem Anlagebetrag düften es kaum mehr als 4 Stunden Beratung sein. Alternativ kann man Festpreise aushandeln. Die Kosten liegen in diesem Fall maximal bei 1200 EUR.

Depotkosten entfallen, Produktkosten liegen bei maximal der Börsengebühr von 10-20 EUR und der Verwaltungskosten von ETFs, also im Bereich im 0,1 % im Jahr.

Wir rechnen zusammen: 1200 EUR, jährlich 100 EUR mal 5 = 500 EUR, Börsengebühren um 20 EUR. Ergebnis: 1720 EUR.

Kosten eines Finanzcoachings:

Stundenweise Abrechnung zwischen 150 EUR und 300 EUR die Stunde oder Festpreise. Danach weiss der Kunde selbst genug um für sein restliches Leben vieles selbst umzusetzen. Die Kosten dürften also identisch der Honorarberatung sein, aber nur bezogen auf die ersten 5 Jahre. Danach benötigt der Kunde möglichwerweise gar
keine Beratung mehr.

Fall 3: Ein Fondssparplan über 30 Jahre

Wir nehmen mal die Sparsumme von 100 EUR im Monat.

Kosten bei einer typischen Bankberatung mit einem Fonds/Dachfonds:

Ausgabeaufschlag 2-5% = 2-5 EUR
jährliche Kosten 2%, gerechnet auf 30 Jahre. Optional Depotkosten.

Hier habe ich einmal das ganze über den für jederman zugänglichen Rechner laufen lassen. Die meisten Leser werden nun denken, bei einem 100 EUR Sparplan wird der Unterschied schon nicht so gross sein. Dann schauen wir uns doch mal folgendes an:

Bankprodukt:

Fondssparen

Honorarberatung mit ETF:

ETF

Der Unterschied sind 30.000 EUR in der Ablaufleistung !!!

Kosten eines Finanzcoachings:

Analog wie bisher, das Finanzcoaching bringt den Kunden zu dem für ihn besten Ergebnis ohne einen Interessenkonflikt!

 

Es gibt noch eine Variante: Die jährliche Betreuung.

Viele Menschen schätzen das Gespräch und den Ausstausch mit Ihrem Bankberater sehr. Dieser hat aber immer weniger Zeit für sie, da er ja auch Zahlen schreiben muss. Und dann kommt immer mehr Software zum Einsatz und das persönliche und zwischenmenschliche leidet darunter.

Die gute Nachricht: Es gibt etwas, was das Beste von beiden Welten vereint. Das ist die jährliche Betreuung. Üblich sind Kostensätze von +/-1% vom Depotvolumen.

Hört sich das viel an?

Dann sollten wir nochmal an die Kosten bei der Bankberatung denken. Nicht nur die einmaligen, vor allem die jährlichen Bestandskosten!!

Jährliche Betreuung als Coaching oder Honorarberatung heisst, volles Wohlfühlprogramm. Treffen, Besprechnungen, der Berater hat Zeit.

Aber vor allem ist er ein echter Berater. Kein Produktverkauf, sondern die ganzen Möglichkeiten der Finanzwelt stehen offen, ohne Interessenkonflikte.

 

Beratung heisst NICHT verkaufen!

 

Saving money concept
Vermögen braucht Beratung, nicht Verkäufer

 

 

Hinweise zu Blackwater.live:

Blackwater.live erbringt keine Anlageberatung, vermittelt, verkauft und empfiehlt keineFinanzprodukte und erhält keine Provisionen von Banken und Versicherungen. Somit steht Blackwater.live in keinem Interessenkonflikt. Die Unabhängigkeit ist uns sehr wichtig.

Blackwater.live ist ein unabhängiger Finanzblog, FX Signal- Anbieter und Finanzcoach. Wir helfen Menschen selbst ihr Geld in die Hand zu nehmen und selbstständig zu denken und zu entscheiden.

Blackwater.live ist ungefiltert und direkt und hat das Potential Ihr Leben zu verändern. Wenn das bei Ihnen negative Gefühle und Ängste weckt, dann besuchen Sie uns bitte nicht mehr. Vielen Dank.

 

27 Kommentare zu „Bankberatung oder Honorarberatung?

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    1. Ja wobei der Bericht selbst ja versucht das zu relativieren. Quelle ist Bloomberg, jetzt nicht die schlechteste Agentur😉 Die Leserkommentare darunter sprechen auch Bände. Interessanterweise kam gerade gestern erst eine BaFin Meldung rein, das es keine weiteren Bankenrettungen mit Steuergeldern geben wird. Das bei vielen Sparkassen „Finanzierungsleichen“ im Keller liegen ist ja bekannt, aber das betrifft auch private Banken und Genobanken. Der letzte macht das Licht aus – das ändert sich in dem Business nie.

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  1. Hmm… ab 2019 müssen die Banken quartalsweise dem Kunden die Kosten offenlegen wie ich gehört habe. Ganz neue Welt😉 Mal schauen, dann dürften die ersten Kunden aber schon merken, das so manche Anlage nicht ganz billig ist😂 DAX machte 15%, “oh warum hab ich nur 1% Gewinn?”

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    1. Das ist und wird auch ein großes Problem für die „Erbengeneration“, wenn die sich mal die Unterlagen der Eltern der letzten Jahre anschauen und merken, dass der Banker die ganze Zeit nur munter das Depot von der Oma gedreht hat damit er oder sie Ruhe von dem Druck durch den Vorgesetzten hat. Aus meiner Sicht sind da beide Opfer und es gibt sicher einiges an Aufklärungsarbeit. Fakt ist, dass es immer schwerer wird für die Banken.

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  2. Lohnen für den Kunden wird sich das auf jeden Fall, gute Idee soweit. Aber es ist schon die Frage, ob der Kunde das auch versteht. Psychologisch ist es etwas anderes das Geld aus dem Depotwert unauffällig abgezogen zu bekommen (wie es die Banken machen) oder es direkt zu bezahlen. Die Honorarberatung ist deutlich günstiger und unabhängig, keine Frage. Aber Frage ist, ob Deutschland schon reif dafür ist.

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    1. Die meisten Kunden dürften genau damit Probleme haben und dann doch zur vermeintlich kostenlosen Beratung der Bank zurück kehren. Die mindestens 2% im Jahr sehen sie auf keiner Rechnung, die fliessen einfach ab. Und das eigene Ego wird bei der Bank bei einer Fondsanlage von mehr als 100.000 EUR gut gepinselt. Da kommt auch schon mal der Filialdirektor am Zimmer vorbei, eine Show sonders gleichen. Manche Dinge werden sich nie ändern – dazu gehören Bankkunden, die wie Schafe zur Schlachtbank geführt werden und sich noch gut dabei fühlen. Grüsse von einem Ex-Banker

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  3. Erst hab ich gedacht das lohnt sich doch nie bei Normalverdienern aber das Beispiel mit dem Sparplan zeigt etwas anderes. Hätte ich nie gedacht.

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  4. Das ist wirklich ein interessanter Vergleich und wirklich bekannt ist die Honorarberatung ja nicht. Kann mir vorstellen, dass diese Thematik noch bekannter wird, aber es ist noch einiges an Überzeugungsarbeit zu leisten bzw. die Bekanntheit zu steigern.

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    1. Ja und nein. Wir haben Zeit bzw. die Entwicklungen im Bankbereich werden uns günstigen Wind bescheren. 😉 Am liebsten ist es uns immer noch von treuen Lesern und Kunden weiter empfohlen zu werden.

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  5. https://www.merkur.de/wirtschaft/honorarberatung-vorteile-gegenueber-bankberatung-4466455.html

    Sehr guter Artikel, vor allem bestätigt durch den Merkur. Ich zitiere mal nur eines:

    “Letztlich entscheiden die Anleger selbst darüber, was sie wollen. „Eigentlich müssten sie sich nur sehr einfache Fragen stellen“, so Braun. „Was zahle ich eigentlich wirklich bei meiner Bank? Und wer hat welchen Vorteil davon?“

    Leider ist der Durchbruch in der Honorarberatung immer noch nicht erreicht. Aber ich drücke Ihnen die Daumen, machen Sie weiter so!

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  6. Das war mir nie so klar, wie teuer es mit Bankprodukten ist. Ich dachte auch immer nur eher an die Ausgabeaufschläge, nie an die laufenden Kosten und deren Auswirkungen über die Zeit. Danke dafür und macht weiter!

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  7. So wie ich das sehe lebt Bankberatung von dem Unwissen bzw. auch nicht wissen wollen der Mitmenschen. War schon Jahre in keiner Bank mehr.

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    1. Und von älteren Menschen die dort kaum weg kommen. Dort in der Filiale erledigen sie wie die letzten 50 Jahre ihre Überweisungen, heben Bargeld ab. Nur merken sie meist nicht, das dort keine Bankbeamten mehr arbeiten, sondern ein Heer von Verkäufern. Wenn diese Generation mal nicht mehr da ist, wird es eng für die Banken. Die Omi mit dem 200 TEUR Depot fällt das als Opfer weg😂

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  8. Eindeutig Honorarberatung! Durch Erbschaft musste ich die ganzen Unterlagen meiner Eltern der letzten Jahre sichten. Soweit ich das bis jetzt sehe, haben alle drei beteiligten Banken nur die Depots gedreht, hin und her. Alle Kursgewinne durch die Börsen der letzten Jahre wurden durch Gebühren und das Hin und Her aufgefressen. Dazu noch eine grosse Schiffsbeteiligung. Bankberatung, nein Danke! Mit solchen Leuten hat man besser nichts zu tun.

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  9. Das stimmt alles, allerdings bin ich gespannt wie viele Deutsche das heute machen würden und ob sich das in Zukunft verändert. Denke das wird noch eine Weile dauern. Viele Bekannte aus dem Versicherungs und Bankbereich kennen den Unterschied selbst nicht und können sich nicht vorstellen wie viel Kosten in den Produkten stecken.

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    1. Es wird noch eine ganze Weile dauern, aber am Ende werden die cleveren Leute die Honorarberatung nutzen. Ich merke selbst immer wieder, dass es überwiegend am fehlenden Wissen über Bestandskosten und deren Auswirkungen liegt, dass Leute zur Bank gehen statt sich richtig beraten zu lassen.

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