Black Swan im Trading

Heute möchte ich über das „Black Swan Ereignis“ schreiben, insbesondere in der Vermögensanlage und im Trading. Der deutsche Philosoph Karl Popper hat folgende bekannte Aussage gemacht und wie so oft im Leben, kann man eine Menge für das eigene Leben daraus ableiten. Nicht nur, aber auch für die Finanzen. Er sagte, dass jede Hypothese niemals als wahr überprüft werden kann, denn egal wie viel Forschung durchgeführt wird, die sie bestätigt, mag sie sich dennoch als falsch erweisen.

August Weismann sagte 1868 darauf aufbauend dann, dass sich eine wissenschaftliche Hypothese zwar niemals erweisen lässt, wohl aber das sie falsch ist.

Karl Popper erklärte seine Ansicht mit folgendem berühmt gewordenen Bild: dem schwarzen Schwan:

Black swan and its reflection swimming on the lake

Für viele Jahre glaubte man, dass es keine schwarzen Schwäne gibt. Millionen von Beobachtungen zeigten ganz klar, alle Schwäne sind weiss. Überall auf der Welt gab es nur weisse Schwäne zu sehen. Es war so klar, so sicher, so wissenschaftlich erwiesen: Schwäne sind weiss!

Dann kam der Tag, an dem man einen schwarzen Schwan fand, in Australien.

Für das Trading können wir eines lernen: Weder ein Preis noch das Risiko im Markt kann jemals absolut sicher vorhergesagt werden. Trading ist eine Wette auf Wahrscheinlichkeiten, wobei das nichts mit dem (interessanterweise nur im deutschen) negativen Begriff der Spekulation zu tun hat.

Ein System auf Wahrscheinlichkeiten aufgebaut mit einer langen Laufzeit und einem guten Risikomanagement kann erfolgreich sein. Ungeachtet von Schwarzen Schwänen.

Das liegt an dem Unterschied zwischen „Gambling“ und „Speculation“, interessanterweise im englischen zwei Begriffe, die nicht inhaltlich verwandt sind. Gambling ist Spielen im Casino. Oder 50/50 Wetten. Ruhm oder Ruin. Schwierig sind auch Martingale Systeme, in denen das Risiko mit jedem Verlust verdoppelt wird. Oder aber und das dürfte den meisten eher bekannt vor kommen, der Kauf der Aktie xy um auf einen Kursanstieg zu setzten.

Die fehlende Reproduzierbarkeit des Erfolges, wenn es denn ein Erfolg wird, macht einen weiteren Unterschied zwischen „Gambling“ und „Speculation/Trading“ aus. Bei nicht Erfolg ist beim Gambling die Reise zu Ende und bei der Aktie wird man zum Dauerinvestor.

Beim Trading mit einem Risikomanagement Modell geht es aber weiter, das man die eigene Psyche im Griff hat voraus gesetzt. Und das ist ja das, was wir mit unserem Sweet16 System umsetzen. Risiken begrenzen, weiter handlungsfähig zu sein und Gewinne mitnehmen.

Wenn das im Leben immer so wäre, wäre es schön. Der Partner, der 30 Jahre treu ist, ist plötzlich untreu. Der Mischfonds, der 15 Jahre stabil läuft, schreibt nur noch rote Zahlen. Das was wir immer zu wissen glaubten, auf einmal erweist es sich als falsch. Das ist der schwarze Schwan. Was niemand dachte, niemand für möglich hielt, was als sicher galt, in einem Augenblick erweist es sich als unwahr.

Im Leben außerhalb der Finanzmärkte ist es ungleich schwieriger ein Risikomanagement aufzubauen, da wir, um das Beispiel zu nehmen, nicht unsere Partnerschaften diversifizieren können und 10 Partner gleichzeitig haben können, abgewogen nach der Wahrscheinlichkeit des „Ausfalls“.

Ich muss etwas lachen gerade, weil manchmal Menschen fragen: Du sag mal, an den Finanzmärkten, dass ist doch superkompliziert. Aber eigentlich ist des Leben, das Zwischenmenschliche ungleich komplizierter, gerade weil statistische Modelle nicht möglich sind. Zumindest ist ihre Anwendung … unpraktisch und nicht umsetzbar.

Es spielt im Trading keine Rolle ob ich glaube das EUR/USD steigt oder fällt und ich muss auch nicht Recht haben. Ich brauche nur ein System, dass Wahrscheinlichkeiten errechnet, muss auf beiden Hochzeiten tanzen, also short und long und ein Risikomanagement haben, dass mich morgen weiter traden lässt. Beispielsweise die berühmte 2% Regel, die wir schon öfters erwähnt haben.

Black Swan ist ein unglaublich gutes Bild für das Trading und die Finanzmärkte, aber auch für unser Leben, weil wir nach 1.000.000 Beobachtungen einer Sache und der Feststellung einer Tatsache daraus dennoch überrascht werden können und eines besseren belehrt werden.

Oft sind das dann die Bruchlinien in unserem Leben, in denen wir einen Wechsel durchführen. Und das ist auch gut so, frei nach der Definition des Wahnsinns:

 

„Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten“

 

Dieses Zitat wird Einstein zugeschrieben, aber ist wohl nicht von ihm.

Das „Black Swan“ Ereignis kann uns immer und jederzeit treffen, daher ist es in jedem Fall gut, mental für Überraschungen gewappnet zu sein. Wir können aber auch selbst zum Black Swan werden und das im positiven Sinn: Ändern wir etwas in unserem Leben radikal, dann werden wir auch andere Ergebnisse erzielen. Das macht insbesondere dann Sinn, wenn wir bisher nicht zufrieden waren.

Black Swan
Black Swan at Lake Rotorua in August 2017.

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