0,9% p.A. oder „kostenlose“ Bankberatung

Überall wohin ich schaue sind Kosten heute ein Thema. Zu meiner Zeit in der Bank war das auch schon der Fall. Eine der letzten Aktionen war die Abschaffung mancher Kaffeemaschinen, was den Weg zum überlebensnotwendigen Kaffee verlängerte. Ich kaufte mir einen Schrittzähler um meine Wegstreckenerfolge zu dokumentieren. Aber die wirklichen Kosten sind die Personalkosten und das ist nicht nur in Banken so. Wie kann also eine Bankberatung kostenfrei sein?

Die kurze Antwort: Sie ist es nicht und auf Banken kommt eine große Wolke ab 2019 zu.

Ein Freund hat mich nun gebeten, ob ich dazu mal etwas schreiben mag. 😉

Was kostet eine Bankerin?

Das kommt darauf an was sie arbeitet und vor allem wo. Im Private Banking der Großbanken in Deutschland wurde immer recht gut bezahlt, heutige Einstellungen sehen da anders aus. Wir hatten AT Verträge, also außerhalb des Tarifvertrages der privaten Banken. Damit war die Gestaltung sehr flexibel. In guten Jahren vor der Finanzmarktkrise 07/08 gab es mit Bonus schon gute 75-100 TEUR im Jahr. Mit AT Vertrag gibt es kein Weihnachtsgeld und der variable Anteil ist höher als bei Tarifangestellten. Von Genobanken habe ich weniger Ahnung, durch Bekannte weiß ich, dass eher nach Tarif bezahlt wird und dann Zulagen oben drauf kommen. Aber der Verdienst dürfte sicher niedriger sein, worunter das Selbstbewusstsein bei manchen leidet. 😉

Wozu dieser kleine Ausflug? Najaa ich fragte ja, was eine Bankerin kostet. Das ist die Antwort.

Wer bezahlt mich?

Damals die Bank. Nur schien es mir so zu sein, das meine Kunden oft dachten, das Geld wird irgendwo auf der Welt verdient und kommt dann auf mein Konto. Wir haben damals schon verpflichtend auf Kosten hingewiesen, aber irgendwie schien es nie ganz klar zu sein. Bei unseren Wertpapieren dachte mancher Kunde, dass ist für das Management der Anlage und geht an die Fondsgesellschaft. Aber es ist so, dass das Eintrittgeld (Ausgabeaufschlag) fast 100% an die Bank ging und aus dem Bestand auch ein Großteil an die Bank floss. Das waren selten weniger als 2% im Jahr.

Jetzt musste mein Gehalt bezahlt werden, das von meiner Chefin und unsere Dienstwagen. Dann die Filiale, weiteres Personal, der ganze Overhead der Geld kostet. Und dennoch, hinterfragt wurde das nie. Wir durchliefen viele Kostensenkungsprozesse und es wurde auch immer mehr verlangt, weswegen ich irgendwann auch nicht mehr konnte und wollte.

Ist 0,9% p.A. viel oder wenig?

Jetzt kommen immer mehr Modelle auf wie in anderen Ländern auch. Man hat seinen privaten Banker, der nicht über eine Bank angestellt ist und selbstständig arbeitet. Es wird sicher noch eine Weile dauern, bis das gang und gäbe wird. Die Quirin Bank in Berlin berät auf Honorarbasis, aber den Durchbruch gab es noch nicht. Mal abwarten, denn ab 2019 müssen die Banken wohl quartalsweise Kosten und Performance ausweisen.

Die Beratung ist jedenfalls alles andere als kostenlos. Es ist nur die Frage was ich als Kunde denn dafür bekomme. Nehmen wir mal ein Depot mit 250.000 EUR. Bei den üblichen Verdächtigen, den Filialbanken kostet das jährliche Depotgebühren. Das ist nun sehr unterschiedlich wieviel. Aber vor allem kostet jede Transaktion Ausgabeaufschläge zwischen 1-5% einmalig und 2% und mehr im Jahr Bestandskosten.

Wir können also sagen, das es mindestens 5000 EUR Bestandskosten im Jahr kostet plus on Top die ganzen Kosten aus Depotdrehen, Depotgebühren usw. Und das Erfolgsunabhängig. In 10 Jahren also mindestens weit über 50.000 EUR!!

Nicht sicher ob das wirklich stimmt? Dann mal ins Depot schauen was da liegt, über die WKN die wesentlichen Anlegerinformationen im Netz suchen und nach jährlichen Kosten schauen.

Das ist alles notwendig, weil die ganze Bankkulisse bezahlt werden muss. Das angelegte Geld ist aber gar nicht bei der Bank, sondern bei der Fonds Gesellschaft.

0,9 % p.A. für ein Coach, Honorarberater oder ähnliches zu bezahlen ist dagegen wesentlich günstiger. Das kann nun jeder ja ausrechnen. Es sind eben nur 2250 EUR im Jahr in unserem Fall, mindestens also weniger als die Hälfte.

Geld ist nicht alles

Manches ist hier schon gesagt, aber der Hauptpunkt auch aus meiner Sicht als Ex-Bankerin ist der fehlende Interessenkonflikt. Einen Berater zu haben, der kompetent beraten kann und nicht von Produkten bezahlt wird, ist frei alles zu sagen, was sein Kunde wissen muss. Eine ehrliche Meinung zu äußern. Und ich kann eines aus Erfahrung sagen: Eine kompetente Aussage dem Kunden zu machen ist in einer Bank heute oft geschäftsschädigend. Dieser ganze Konflikt fällt weg.

In Banken hat sich die letzten Jahre zudem auch viel Verändert. Zu Beginn meiner Zeit damals war Private Banking noch von der Kompetenz geprägt Märkte zu kennen und das Wertpapiergeschäft war eine Leidenschaft. Ich liebte es, meine Kollegen auch. Wenn ich heute in Banken rein höre, ist es nur noch Kompetenz im Dokumentationen schreiben und Erfüllen von gesetzlichen Pflichten. Die Bank gibt vor was gekauft und verkauft werden soll und eigentlich sollten die meisten Kunden langsam erkennen, dass dies immer weniger in ihrem Interesse ist, sondern Ziel ist Gebühren zu erzeugen.

Natürlich mag die Bankkulisse beeindruckend wirken, gerade in Privatbanken. Edle Räume, viele Titel auf den Visitenkarten. Aber was nützt das alles dem Kunden, bei einem interessengesteuerten Vertrieb? Klar sind wir Menschen manchmal leicht zu manipulieren, wir machen es sogar selbst. Mit Mercedes Geschäftswagen in edlem schwarz und Kostüm an, 5 Titeln und einer namenhaften Bank auf der Karte, dass sieht nach Erfolg aus.

Aber im Bankvertrieb muss klar sein, was das kostet und das es der Erfolg des Bankvertrieblers ist und nicht unserer als Kunde. Erfolg heisst, sie oder er verkauft viel und hat die Kunden gut im Griff, so das es möglichst keine rechtlichen Folgen gibt.

Ich hoffe ich konnte heute ein wenig zur Aufklärung beitragen.

8 Kommentare zu „0,9% p.A. oder „kostenlose“ Bankberatung

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  1. Was man nicht unterschätzen darf ist die Berater-Kunden Beziehung. Und das nutzt die Bank natürlich voll aus. Der Berater wird unter Druck gesetzt, regelrecht erpresst wie ich es von einem guten Freund und Ex-Banker erfahren habe. Und der Kunde vertraut seinem Berater und weiss nichts davon. Mancher Kunde könnte ich mir vorstellen, würde von einer Beraterin wie dir nie wegkommen, auch wenn es teuer wird. Nicht falsch verstehen. Aber das ist auch Bankmasche.

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    1. Ich finde es allgemein sehr gut das ihr so offen postet und alles erklärt, kenne viele Finanzblogs, aber keiner von denen stammt aus einer Bank. Ihr seid Ex-Banker, das ist etwas ganz anderes und mehr als genial. Es sind wohl über 70% der Bevölkerung noch bei Banken mit Filialen, da habt ihr noch ne Menge vor euch. Freu mich über eure Posts!

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  2. Hätte ich nie gedacht was so eine Private Bankerin kostet. Aber wenn sie einen guten Job macht, ist es das locker wert. Man muss ja auch sehen, das es um Millionen geht, das ist eine hohe Verantwortung.

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    1. Ich hab meine Bankausbildung gemacht, dann Bankfachwirtin und Bankbetriebswirtin und später nebenberuflich ein Studium zur Wirtschaftsjuristin und meinen Bachelor gemacht. Aber das ist nicht wirklich notwendig um im Private Banking zu arbeiten.

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