Interview mit Salome

Interviews sind eine besondere Art und Weise Inhalte näher zu bringen. Früher und teilweise noch heute, werden sie in den Printmedien abgedruckt. Da wir uns bei Blackwater.live etwas bedeckt halten wollen, werden wir auch diesen Weg gehen- zunächst. Wir wollen die Interviewform in nächster Zeit nutzen, um Blackwater.live vorzustellen und auch dem ganzen langsam eine persönliche Note zu verleihen. Dazu haben wir auf Blackwater.live in unserem Blog eine extra Kategorie Blackwater.live Privat geschaffen. Hier sollen auch unsere Themen aus dem Leben unterkommen, die nicht zwangsläufig mit Banking zu tun haben müssen.

 

Salome Das Interview wurde von Blackwater mit Salome, bekannt bei uns als Salomemei, geführt. Salome ist eigentlich keine leidenschaftliche Schreiberin, sondern verbringt am liebsten Zeit in ihrem Garten. Salome ist 85er Jahrgang, ein echtes Mathegenie und Ex-Bankerin. Sie ist froh nicht mehr im Finanzvertrieb zu sein und will auch nie wieder dahin zurück. Aber lest selbst.

 

Blackwater: Guten Morgen Salome, schön das Du Zeit für ein paar Gedanken hast. Wie gehts Dir?

Salome:

Hey, ja gut, das Wochenende naht, ich bin gesund und munter, Familie gehts auch gut, was will ich mehr. 

 

Du bist Ex-Bankerin und warst sogar recht weit dort, im sogenannten Private Banking einer Bank. Was bedeutet das und vor allem, was hat das für Dich bedeutet, wenn ich das mal so fragen darf ?

Salome:

Ja klar, ein Interview ist mir sogar lieber wie selber zu schreiben. (nachdenklich) Ex-Bankerin, dass hört sich an, wie wenn ich aus einer Sekte befreit worden bin. Aber ohne Spass, manchmal kommt es mir im Nachinein so vor. Private Banking einer Bank wie ich sie kenne, sind vermögende Kunden. Die Bank will mit diesen besonders viel Geld verdienen. Nicht nur weil die Volumen höher sind, sondern die Bank unterstellt bei solchen Kunden auch eine grundsätzlich höhere Risikobereitschaft.

Da Private Banking immer den Touch von etwas exklusiven haben soll, wirkt es auf viele Kunden edel und auch viele Bankberater wollen dort hin. Es werden höhere Bildungsabschlüsse bzw. Studium verlangt, was den gehobenen Anspruch noch unterstreicht. Für mich war es viele Jahre mein Ziel das Private Banking zu erreichen und ich habe mich eine Zeit lang damit auch ganz gut gefühlt.

 

Blackwater: War das schon immer so, dass Du Bankerin werden wolltest? Was hat Dein Denken verändert?

Salome:

Da ich Mathe schon immer liebte und meine Eltern und mein ganzes Umfeld mich mit Mathe verbunden hat, war zur damaligen Zeit Bank so das berufliche Ziel. Dazu muss ich dir auch sagen, aber ich denke das weisst du selbst, war der Bankberuf mal ein angesehener Beruf. Es wurden gute Noten und Abitur verlangt, wollte man zur einer Bank, vor allem dann, wenn es ein privates Bankhaus war. Die Bezahlung war allgemein auch überdurchschnittlich gut.

Der Beruf hat sich aber im Laufe der Jahre, vor allem nach der letzten Finanzkrise deutlich verändert. Es wurde ein reiner Verkaufsjob, die Ziele immer höher und die Führung immer skrupelloser. Das hat sich auch durch die Finanzkrise selbst nicht geändert, es war nur ein kurzes Durchatmen, dann ging es weiter. Und im Private Banking will die Bank, dass der Berater aus dem Kunden alles rausholt. Wenn es sein muss, drückt man beide Augen zu und macht das Geschäft, auch wenn es unehrlich ist.

Die Ziele stiegen und stiegen, es war unmöglich diese noch zu erreichen. Die Bank unterstellte mir und den anderen aber, dass wir nicht motiviert genug wären oder manchmal ganz dreist, einfach Unfähigkeit.

 

Blackwater: Du hast mir ja mal erzählt, dass auch die Führungskraft eine große Rolle spielte?

Salome:

Ja das auch. Ich hatte am Ende meiner Zeit dort eine weibliche Führungskraft. In einer Welt der Männer, war die besonders stolz darauf doppelt so fordernd zu sein, wie ihre männlichen Kollegen. Ich glaube das hat sie mit ständigen Bäckereibesuchen kompensiert, sie hatte schwere Knochen. (lacht) Wir haben sie immer Dampfnudel genannt. Irgendwie die Art mit dieser Person umzugehen, denn sie war wirklich fies und verlogen ohne Ende. 

„Führungskraft“, wenn man die Stellenbeschreibungen von solchen Jobs liest, heisst es da immer unternehmerische Verantwortung. Nur wo bleibt bitte die unternehmerische Verantwortung? Weder Verantwortung noch Unternehmertum kennen diese Leute. Sie tragen nicht wirklich die Risiken und wenn etwas schief geht, sind sie im nächsten Job. Das fängt nicht erst auf der Vorstandsebene an, dass habe ich jahrelang auch auf Direktorenebene gesehen. Wirkliche Verantwortung müssen meist die übernehmen, die am Kunden sind – die Berater.

 

Blackwater: Wie hast Du das erlebt, „am Kunden zu sein“?

Salome:

Ich habe meine Kunden kennen gelernt, über viele Jahre. Vertrauen ist entstanden, im Private Banking wird man manchmal zum Teil der Familie, auf Geburtstagen eingeladen, selbst zu Hochzeiten. Und das ist das tragische: Die Bank nutzt dieses Vertrauensverhältnis aus. Als Berater wird man erpresst zu verkaufen, sonst ist der Job gefährdet. Die Bank weiss, dass der Kunde nur unterschreibt, weil er seiner Beraterin vertraut. Die Verantwortung am Kunden trägst du dann. Was ist wenn das Geschäft schief geht? Oder sogar zu wissen, dass ein Produkt Gift für den Kunden ist, aber der Vorgesetzte einen regelrecht zwingt es zu verkaufen. Die schlaflosen Nächte…

 

Blackwater: Ging das allen Kollegen so?

Salome:

Ich will nicht jeden, der dort arbeitet, unterstellen er oder sie sei unehrlich. Ich glaube manche machen sich etwas vor, manche verstehen gar nicht was sie da tun oder leben in einer Traumwelt. Und manche sind einfach so pragmatisch, sagen sich ok, ich muss ja auch mein Haus bezahlen, also mach ich was der Arbeitgeber will, nicht mein Problem. Aber ich konnte es nicht, nicht mehr ab einem gewissen Punkt. Ich finde es ist Betrug. Und nur weil es juristisch nicht immer beweisbar ist, heisst es noch lange nicht, dass es moralisch ok ist. Abgesehen davon, dass Banken und Sparkassen ständig vor Gericht landen. Das sollte einem zu Denken geben.

 

Blackwater: Denkst Du aus Deiner Erfahrung und mit zahlreichen Bankkontakten, dass dies in allen Banken so läuft?

Salome:

Nein das nicht. Es gibt viele Banken, die haben gar keinen Vertrieb, wenn ich an die Direktbanken denke. Es sind vor allem Filialbanken und Sparkassen, wo dieses Geschäftsgebaren üblich ist. Seit es keine Zinsen mehr gibt, ist es noch schlimmer geworden und es muss verkauft werden was das Zeug hält. Finanzvertrieb auf Provisionsbasis ist ein schwerer Interessenkonflikt.

 

Blackwater: Was denkst Du, was die Lösung dieses Problems ist? Oder anders gefragt, was würdest Du den Kunden raten?

Salome:

Ich glaube an Eigenverantwortung. Daher würde ich jetzt nicht sagen, dass muss verboten werden und fertig. Die Menschen entscheiden selbst, ob sie zu solchen Einrichtungen gehen. Es gibt gute Direktbanken, Honorarberatung oder viele gute Blogs im Internet, wo man sich informieren kann. Die Politik zwingt die Banken schon seit vielen Jahren zur Herausgabe der Kosteninformationen. Manche Kunden müssen sie wirklich einfach auch lesen. Die Frage ist wirklich gar nicht so klar zu beantworten. Wenn ich mir als Kunde klar die Frage stelle, wie sind die Interessen verteilt wenn ich zu einer Bank gehe, dann sollte eigentlich klar sein, dass dies nicht zu meinem Vorteil ist. Oder wie du auch schon geschrieben hast, es geht ja keiner zum Autohaus und erwartet dort eine unabhängige Beratung. Es ist keine Beratung, es ist Verkauf.

 

Blackwater: Du bist also eher optimistisch für die Situation oder eher nicht?

Salome:

(Überlegt)… ich weiss nicht. Mein Gefühl sagt, es wird noch lange dauern und solange da draussen noch so viele Menschen rumlaufen, die einfach nur Vera… soll ich das so sagen? Solange es genug gibt, mit denen man es machen kann, wird das so weiter gehen. Aber optimistisch bin ich auch etwas, weil es inzwischen auch Möglichkeiten gibt das zu umgehen.

 

Blackwater: Salome ich freu mich für Dich, das Du da raus bist und Du Deine Lebensfreude zurück gefunden hast, wie Du mir sagtest. Würdest Du je wieder eine Bank betreten?

Salome:

Never. Warum auch? Wie ich schon sagte, alles was ich als Privatmensch an Banking brauche, kann ich mir heute auf das Handy holen oder den Computer. Ich habe übrigens in all den Jahren als Direktbank Kundin noch nie einen Anruf von denen bekommen. Alles hat reibungslos geklappt, ich sehe da nur Vorteile. 

 

Blackwater: Wo siehst Du Dich in 5 Jahren, was sind Deine Ziele in Deinem Leben? Was treibt Dich an?

Salome:

Ohhh, das ist so eine Abkotz Frage (lacht laut), also das mit den 5 Jahren. Wer weiss das schon. Ich glaube ich will versuchen einfach mein Leben zu geniessen und bin wirklich mit einfachem zufrieden. Meinem Garten zu Beispiel. Ich habe nicht vor die Welt zu ändern, es ist schon schwer sich selbst zu ändern. Und ich weiss auch nicht, ob jeder nach riesigen Zielen streben muss und wenn nicht, ob dann mit einem was nicht stimmt. Ich bin einfach nur ich und glücklich und wünsche mir, dass ich es in 5 Jahren auch bin.

 

Blackwater: Und was ist dann mit Haus, Mann, Hund, Katze, Maus?

Salome:

Haus ok, Mann ok, Hund, Katze Maus? Maaauuus? Also keine Mäuse, iiiiii. Dann eher die Katze. Auch wenn Blackwater.live so freiheitlich unterwegs ist, finde ich es auch nicht schlimm, sich sesshaft zu machen mit einem Haus. Es muss halt solide geplant und finanziert sein, was heute wohl eine echte Herausforderung ist. (lächelt)

 

Blackwater: Hehe, ja absolut. Freiheit steht schon weit oben bei Blackwater.live, aber sie hat auch verschiedene Facetten.

Salome:

Ja klar, es ist wichtig früh herauszufinden was einem wichtig ist. Das kann ja auch ein Haus sein. Und wenn jemand für immer an einem Ort leben will ist das auch ok. Es ist nur die Frage, will ich das wirklich? Wenn ich aus dem Urlaub nach Hause zurück komme, freue ich mich immer auf mein Heim, das eigene Bett. Ich vermisse sogar den Regen, den es so oft hat.

 

 

Blackwater: Ok, ein paar persönliche Fragen an Dich: 

  1. Welche Hobbys hast du?
  2. Was machst du am Wochenende?
  3. Was war dein größter Fehler im Leben?
  4. Was war dein größter Erfolg im Leben?

 

Salome:

Ich liebe meine Garten. Das habe ich für mich vor einigen Jahren entdeckt oder wieder entdeckt und das ist etwas für mein Herz, es tut mir gut. Der Duft, die Geräusche, die Wechsel der Jahreszeiten im Garten. Voll schön. Ich habe mich außerdem in einen Malkurs eingetragen, erst mal die Basics, ganz von Anfang an. Und das beantwortet auch schon deine Wochenende Frage: Ich bin da eher eine entspannte Natur. Ausschlafen, frühstücken, meine beiden Hobbys. 

Mein größter Fehler im Leben war definitiv die Bank. Ich habe mich da rein gehängt, viel erhofft, viel gegeben, mich verkauft sozusagen, dass tut mir echt weh. Umsomehr ist die andere Seite, dass ich die Kraft hatte mich davon zu lösen, was ich mir selbst nie zugetraut hätte. Aber schau, auch wenn du mir jetzt diese Fragen gestellt hast, ich würde das nicht überbewerten, weder Fehler noch Erfolg. Wichtig ist innerlich davon gelöst zu sein. Ab und an denke ich zwar zurück und es ist nicht schön gewesen, aber diese Momente werden immer seltener. Und das ist dann das schöne.

 

 

Blackwater: Vielen Dank für das Interview und Deine Zeit Salome. Ich bin froh, dass Du ab und an bei uns schreibst und vor allem auch für Deine sehr offene und ehrliche Art Dich selbst einzubringen.

Salome:

Sehr gerne, hat mir auch Spass gemacht. Ich wünsche dir ein schönes Wochenende und bis bald!

 

Von Ex-Bankerin Salome kann man lernen, dass es nicht immer riesige Ziele und großes im Leben sein muss. Es ist vor allem wichtig mit sich selbst im Reinen zu sein, ein gutes Gewissen zu haben und zu wissen, was einen wirklich glücklich macht.

5 Kommentare zu „Interview mit Salome

Gib deinen ab

  1. Vielen Dank auch für dieses Interview! Solche persönlichen Erfahrungen sind unersetzlich und sie zu teilen hilft anderen. Muss ja nicht jeder immer wieder den gleichen Fehler machen. Vor einigen Jahren ging mir so ein Verkaufsgenie einer Bank auf den Leim, dass hat mich zig tausende an Gebühren gekostet und nur Verluste gebracht. Seit dem: Nie wieder Filialbank.

    Gefällt mir

  2. Respekt und danke für diesen offenen Bericht! Ich glaube es braucht noch viel Aufklärungsarbeit um diesen Zahn zu ziehen. Habe selbst alle meine Konten bei DB und Sparkasse gekündigt und das 3 Kontenmodell mit der DKB und N26 umgesetzt. Ich bin hochzufrieden!

    Gefällt mir

  3. Angesichts dieser und ähnlicher Berichte ist die Frage doch, warum gehen Leute noch zu ihrer Filialbank? Entweder haben die kein Internet(welches voll von solchen Storys ist) oder sind einfach nur naiv oder gar mehr.

    Gefällt mir

    1. Um das zu verstehen muss man den eigenen Blickwinkel etwas verändern. Es gibt auch diesen Fall, oft und gerne in der deutschen Provinz: Immobilienbesitzer(Immobilien sind so toll weil man da Miete bekommt. Kennen Sie Ihre Nettorendite? Ähm, ähm ja also ich bekomme Miete EUR X, das ist mehr wie Tagesgeld😂😂) kennt SPK oder VR Kombi und Schnautzbartträger seit 20 Jahren. Filialbesuch ist pure Eitelkeit, Schwlängenvergl. Ich bin so toll, habe 3 Immos, Berater: Ja Sie sind ein toller Hecht. Weil Sie so toll sind machen wir den Finanzcheck und verkaufen noch weitere 3 sinnlose Produkte. Dieser ganze Zirkus fällt ja weg, wenn diese durchaus wohlhabenden Kunden(aber mit Persönlichkeitsproblem) bei einer DKB & Co sind. Da ist nichts mit sehen und gesehen werden auf der Strasse und auf wichtig machen, und das geht dem Michel gegen den Strich. Meine 3ct dazu

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

Create a website or blog at WordPress.com

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: