Tri·lo·gie

Das zweite Kapitel des Matthäusevangeliums (Mt 2 EU) berichtet im Rahmen der Erzählung von der Geburt Jesu Christi in Bethlehem über die Verehrung des Neugeborenen durch Μάγοι ἀπὸ ἀνατολῶν (griechisch, Mágoi apὸ anatolôn, Magier von Osten). Dort heißt es: „Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa geboren worden war, kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem und fragten: ‚Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen.‘

 

Diese interessante Geschichte ist bei uns als die „heiligen drei Könige“ bekannt und so mancher hat sich sicher daran erinnert, dass am 6. Januar Kinder an seiner Tür klingelten um als Sternsinger zu singen und Spenden zu erhalten.

Das es drei waren, entspricht purer Legendenbildung der Westkirche um das 6. Jahrhundert unserer Zeit. Und ich will hier nun keine biblische Exegese starten, keine Sorge. Sondern heute möchte ich die Zahl „3“ und die gerade erwähnte Geschichte nutzen, um auf drei Fallen in unserer Finanzplanung aufmerksam zu machen und auch drei Lösungen dazu präsentieren. Ein tieferer Hintergrund sorgt nicht nur für einen gewissen Anspruch und Unterhaltungswert, sondern zeigt auch meine Theorie, dass alles miteinander verbunden ist und man aus allem etwas lernen kann, auch für die Finanzen.

Zu der Zeit, aus der diese Geschichte stammt, war es allgemein üblich Wissen in Form von Geschichten weiter zu erzählen, überlieferte Geschichte. Natürlich ergibt sich daraus ein Problem, was schon Kinder bei dem Spiel „Stille Post“ lernen, das ein oder andere Detail geht verloren, anderes wird hinzugefügt, jeder gibt durch den Filter seiner Sinne den Inhalt weiter (die Landkarte ist nicht das Gebiet) und so kommt ein ganz anderes Ergebnis heraus. Dies kann erheiternd und unterhaltsam sein und sicher hört man es sich auch gerne an. Geschichten erzeugen Bilder in unserem Kopf, die überhaupt beste Art etwas zu vermitteln, wenn keine Elektronik zur Verfügung steht.

Noch heute ist es in vielen Ländern des Nahen Ostens so, dass Menschen die gut erzählen können, hoch geschätzt sind. Natürlich ändert sich dies durch den Einfluss von Fernsehen und Internet auch in diesem Teil der Welt mehr und mehr. Schade eigentlich, solange diese Geschichten nur der Unthaltung dienen, regen sie die Phantasie an und sich durchaus von Wert.

Wer nun vielleicht denkt, was sollen denn diese alten Traditionen bringen ist sich vielleicht nicht darüber im klaren, das die narrative Erzählweise das mächtigste Lehrinstrument ist, das es gibt. Und ist es nicht so, dass wir nicht auch von Serien und Filmen gefesselt werden, die nichts anderes als Geschichten sind, nur werden eben schon die fertigen Bilder geliefert?

Soweit, so gut. Kommen wir nun zu dem Problem.

 

Blackwater.live - Erfahrung
Finanzverkäufer haben oft kaum mehr reproduzierbaren Erfolg für ihre Kunden als er, aber sind durchaus hoch motiviert zum Abschluss zu kommen.

 

1. Geschichten über Geld

Menschen lieben Geschichten. Interessanterweise wird Historie trivial auch einfach als Geschichte bezeichnet. Ein fliesender Übergang, der ja auch vielen Forscher Kopfzerbrechen bereitet. Was ist Wahrheit, was ist eine Geschichte? Ist die Geschichte wahr oder nicht?

Geschichten über Geld sind natürlich unglaublich faszinierend. In fast jeder erzählten Geschichte gibt es einen Reichen und in Walt Disneys lustigen Taschenbuch gab es Dagobert Duck, der im Geld badete. Vermutlich hätte er sich bei einem echten Kopfsprung in den Münzhaufen das Genick gebrochen. Das tun die ernsteren Geschichten über Geld mit Menschen im echten Leben auch. Geld übt einfach eine unglaubliche Faszination aus, die in Reinform zu Gedanken über Freiheit führt und in primitiver Variante (leider) zu Vorstellungen darüber, was man alles kaufen könnte um damit dann seine Freiheit wieder zu verlieren.

Viele Vertriebsgeschichten über tolle Produkte fangen damit an, dass man erzählt bekommt, was andere damit verdienen und wie unglaublich reich sie wurden. Kommt dann noch ein 100 TEUR Auto angefahren, gehen die meisten in die Falle. Verführung durch ein Schauspiel. Kontoauszüge hat noch keiner vorgelegt. Auch in sozialen Medien sieht man nur Bilder und Videos von Gegenständen, Dagoberts Geldspeicher wurde noch nicht ins Netz gestellt.

Interessanterweise sagt das Eingangs zitierte Buch, den meisten als Bibel bekannt, dass die zur Schau Stellung von Reichtum Sünde sei. Nun mag der ein oder andere denken, ist mir doch egal, was soll denn dieser uralte Kram. Aber wie so oft, sind alte und weise Ratschläge alles andere als verkehrt, zuweilen sind sie sogar sehr nützlich.

Denn Menschen werden verführt und belogen durch das was sie sehen. Glaubt ihr nicht? Doch da bin ich mir sicher. Aber dennoch will ich es mit einem kleinen Beispiel untermauern: Der Finanzberater(Verkäufer) kommt mit einem schönen 100 TEUR Auto zu euch gefahren. Der sieht doch erfolgreich aus, oder? Würdet ihr eher bei ihm etwas abschliessen oder bei dem, der mit einem kleinen Smart kommt? Den kleinen Smart müsst ihr immerhin nicht mitbezahlen, dass könnte Hoffnung darauf machen, dass das Produkt günstiger ist. Aber Spass beiseite, wir wissen doch, dass sehr viele Menschen lieber bei dem Finanzdrücker mit dem 100 TEUR Auto abschliessen würden. Und so fahren viele Individuen dieser Art auf deutschen Strassen umher. Sie können nicht einen sinnvollen und reproduzierbaren Tipp über Finanzen geben, der nicht schon in Focus Money oder dem X-ten Finanznanny YouTube Kanal kam, aber immerhin helfen sie der Allgemeinheit durch ihre direkten und indirekten Steuerzahlungen, beispielsweise beim Tanken. Denn so ein 100 TEUR Auto schluckt meist mehr Benzin als ein Smart. Danke dafür!

Als ich vor vielen Jahren bei einer Großbank arbeitete, die schon damals in Betrug, Korruption, Geldwäsche, Währungsmanipulation und vielen anderen Verbrechen verstrickt war, war es dennoch so, dass Kunden mich als „Herrn XXX von der XXX Bank“ stolz anderen vorstellten. Jeder kannte die Berichterstattung über die Gerichtsprozesse des Hauses, aber dennoch machte der Name und die Corporate Identity auf die Menschen einen großen Eindruck. Jeder der dort Kunde war glaubte wohl, etwas von deren Reichtum fällt auf ihn ab, wenn er eine Filiale besuchte. Richtig wäre wohl aber zu sehen, dass deren Reichtum oft durch des Kunden Verlust entsteht. Heute ist das Haus eine Art finanziell kranker Mann in Europa, wie einst die Türkei der kranke Mann vom Bosporus war, dessen Leben in Kürze wohl durch eine Fusion verlängert wird um dann Jahre und Milliarden Steuergelder später in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden.

 

Szenenwechsel…

Ich möchte euch eine weitere Geschichte liefern, auch wenn ich hier noch lange weiter machen könnte. Vor Jahren rief mich ein Freund aus einem ortsansässigen Verein an und sagte, ein Bekannter hat da etwas, was mein Leben verändern würde und auch zahlreiche Banker hätten das abgeschlossen. Es wäre ein ganz heisser Tip. Ich konnte am Telefon mein Grinsen kaum zurückhalten. Es hatte einen gewissen Unterhaltungswert und so habe ich damals zugesagt und den vermittelten Kontakt eingeladen. Was bei mir daheim folgte, war eine Geschichte über sagenhaften Reichtum in wenigen Jahren. Um Zugang zu dieser Superanlage zu bekommen, müsste ich allerdings vorher eine Fondspolice abschliessen und mir wurde pauschal empfohlen, dass ich mindestens 200,00 EUR monatlich dort hinein sparen solle. Dann bekäme ich Zugang zu dem Produkt, welches mich in wenigen Jahren sehr reich machen würde. Clever, oder?

Wollt ihr wissen wie viele Menschen in dem Verein bei diesem Finanzvermittler abgeschlossen haben? So ziemlich alle, die Geld auf der hohen Kante hatten. Wollt ihr wissen, wie viele ihr Geld verloren haben, ganze Altersvorsorgen und Vermögen um nachher rum zu vegetieren und auf andere angewiesen zu sein? Alle die abgeschlossen haben. Mancher hat über 100.000,00 EUR verloren. Natürlich konnte man nichts machen. War ja alles vermitteltes Geschäft. Und bei vermitteltem Geschäft ist nachher der, der es vermittelt hat nur schwierig greifbar. Weg ist das Geld aber so oder so. Das ist das gleiche wie die netten Schiffsbeteiligungen bei Banken, die an Rentner verkauft wurden. Der Kunde wollte es ja so. Aber bevor dies alles geschieht, werden immer erst Bilder im Kopf erzeugt, Geschichten von Reichtum, Wohlstand und Glück, wie als wenn dies zwangsläufig eine untrennbare Einheit wäre. Darauf fallen selbst Menschen rein, die ihr Glück angeblich gar nicht im irdischen Diesseits suchen. Interessant.

Im Übrigen gibt es sogar heute noch Leute, die obwohl sie ein Vermögen verloren haben, diese Masche verteidigen. Der Vermittler hat es ja selbst sicher nicht gewusst. Erinnert doch etwas an das Stockholm Syndrom, bei dem sich die Entführte in den Entführer verliebt.

Warum schreibe ich das? Zum einen, weil ich mir wünsche, dass meine Leser alle eigenverantwortlich handeln und weil Blackwater.live Mehrwert schaffen soll. Zum anderen sollen diese beiden Beispiele zeigen, wie man mit mächtigen Geschichten alles verkaufen kann. ALLES! Und es funktioniert genauso gut wie Pornographie funktioniert, obwohl die ja auch jeder für primitiv und durchschaubar hält. Das ist aber nur oberflächlich so. Denn beides verändert unsere Psyche und bringt uns zu Handlungen, die wir bei klarem Denken nicht gemacht hätten.

Das alte Buch mit seinem Rat Reichtum und Vermögen nicht zur Schau zu stellen, hat mal wieder Recht gehabt und einen tiefen inneren Wert.

Wie mir vor kurzem geschrieben wurde, war es wohl Dr. Kommer, der den Begriff der „Finanzpornographie“ prägte. Ich würde diesen Begriff aber ausweiten wollen, denn die narrative Verkaufsmasche wird auch bei Multilevelmarkting, Gesundheitsprodukten, Küchengeräten und vielem mehr verwendet. Über die Emotion wird der Verstand ausgeschaltet.

 

 

 

2. Black Swan

Black Swan - Blackwater.live
Das Bild vom „schwarzen Schwan“ als gänzlich unerwartetes Ereignis geht auf den Satiriker Juvenal zurück. In den Satiren VI, 161 nennt er eine treue Ehefrau rara avis in terris, nigroque simillima cygno (ein seltener Vogel in allen Ländern, am ähnlichsten einem schwarzen Schwan). Schwarze Schwäne waren damals in Europa unbekannt.

 

Black Swan ist ein Begriff aus dem englischen Risikomanagement.  Es ist ein absolut unerwartetes Ereignis. Der Satiriker Juvenal nannte seine treue Ehefrau rara avis in terris, nigroque simillima cygno (ein seltener Vogel in allen Ländern, am ähnlichsten einem schwarzen Schwan)

So manch einer wird leider wohl schon das Gegenteil erlebt haben. Die vermeintlich treue Frau oder der treue Mann sind es nicht mehr. Oder waren es nie. Ob es sich dabei um ein Black Swan Ereignis handelt, ist allerdings sehr subjektiv. Vielleicht ist die Situation von einem anderen Standpunkt betrachtet gar nicht dieser Kategorie zuzuordnen, sondern eher im Bereich wahrscheinlich bis zu erwartend. Risikomanagement ist kein Begriff, der nur auf Finanzen anzuwenden ist.

Heute geht es aber darum.

 

Wie definiert sich ein Black Swan Ereignis?

  1. Ein „Ausreisser“, ein Ereignis das außerhalb des Bereichs der regelmäßigen Erwartungen liegt, da nichts in der Vergangenheit überzeugend auf seine Möglichkeit hinweist.
  2. Es hat eine extreme (Aus-)Wirkung.
  3. Wegen der menschlichen Natur werden im Nachhinein Erklärungen für das Auftreten von dem Ereignis zusammen getragen, um es verständlich und erklärbar zu machen.

 

Die Trilogie heisst also: Seltenheit, Auswirkung, Retrospektive um Prospektive und Vorhersehbarkeit möglich zu machen.

Die Vergangenheit lässt sich wahrlich nicht ändern und die Konsequenzen daraus auch nicht. Dies ist, was den Menschen viel Angst bereitet und natürlich möchte jeder gerne die Zukunft kennen. Da dies aber nicht möglich ist, wie kann man mit Black Swan Ereignissen umgehen?

Um unser am Rande erwähntes Beispiel „Ehe“ wieder aufzugreifen, würde mancher nun sagen, ich mache einen Ehevertrag. Andere gehen weiter mit dem Ansatz Diversifikation. Wobei dies aus meiner Sicht nicht praktikabel im zwischenmenschlichen Bereich erscheint, birgt die Diversifikation, (moralisch: Ehebruch) doch selbst ein Risiko in sich, dass wahrscheinlicher zum Default führt als ein Black Swan Ereignis.

Bezogen auf die Finanzmärkte ist aber Diversifikation genau das richtige. Und nun kommt der Punkt:

Woher wissen wir denn, dass all die Anlagen in der Zukunft Ertrag X abwerfen? Antwort: Wir wissen es nicht. Eigentlich weiss jeder, das wir es nicht wissen können. Aber dennoch kommt diese Frage auf. Wir wissen es weder bei ETFs, den Aktienmärkten im Allgemeinen, bei FX, eigentlich bei gar keiner Anlage. Wenn die Gesamtrendite sinken muss wegen steigenden globalen Geldmenge, dann müsste man dies doch merken, oder?

Genau das erleben wir. Zinsen im negativen Bereich, festverzinsliche Wertpapiere mit Negativrenditen (Kostolany hätte es nie für möglich gehalten) und Asset Inflation bei der einzig „unschuldig“ verbliebenen Anlageklasse Aktien, die nun hochgelobt wird. P to P Kredite haben laut einigen Blogs und Magazinen jetzt schon viele Ausfälle und dies trotz Wirtschaftsbooms und durch staatliche Maßnahmen induzierte Vollbeschäftigung. (Paul Newman nannte diesen staatlichen Eingriff übrigens Korruption)

Der Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften von 1970, Paul A. Samuelson, hat in diesem Zusammenhang einmal das Beispiel angeführt, es könne dazu kommen, dass die Katze der Reichen genau die Milch trinkt, die den Kindern der Armen fehlt. Dies geschieht, weil der Marktmechanismus von der Kaufkraft der Nachfrager angetrieben wird. Dies ist genau, was wir global heute erleben.

Aber kommen wir zu unserer Ableitung ins praktische zurück:

 

  1. Wir wissen nicht, welche Anlage in Zukunft Ertrag bringen wird. Keine Vergangenheitsrendite garantiert Zukunftsrenditen gleicher Art.
  2. Wir wissen nicht, wann ein Black Swan Ereignis eintritt. Niemand weiss das.

 

 

Was können wir tun?

Diversifikation, zu deutsch Risikostreuung betreiben. Nicht nur innerhalb einer Anlageklasse mit ETFs statt Einzelaktien, sondern auch über Anlageklassen hinweg. Mehr als eine Anlageklasse nutzen. Dadurch begrenzen wir auch die Risiken.

Keine zu hohen Einzelrisiken eingehen! Die letzten Monate gab es viele Finanzblogs, die über Vollinvestition in Aktien gesprochen haben. Wenn ich die Leserkommentare überfliege, kann ich als Ex-Banker schon sofort sehen, für wen Aktien grundsätzlich gar nicht geeignet wären, da es zu diesen Menschen gar nicht passt. Persönliche Risikobereitschaft ist eng mit der Persönlichkeit verbunden. Aussagen wie „ich bin seit 2018 investiert und wurde im Herbst schon nervös“ oder „ich lege seit 2015 in ETFs an, bin sehr zufrieden und werde nun mehr nachkaufen“ verraten eine Menge. Davon gibt es hunderte. Die Schreiberlinge von Finanzzeitungen und manchen Blogs (es gibt viele gute Blogs, aber auch Kollegen, die selbst keine 5 Jahre Erfahrung haben aber weit über tausend Leser) können zwar Menschen in die Märkte treiben, mal schauen ob sie auch aufräumen können. Denn das Psychobusiness, wenn die Märkte drehen, ist eine ganz andere Hausnummer. Vermutlich wird es dann einsam, so wie auch die Bankverkäufer meist weg sind, vor allem die, gut verkaufen konnten. 😉

Blackwater.live - Seeman
Eine ruhige See macht noch keinen guten Seemann“ – Luxussituation an den Finanzmärkten. Seit 2009 steigen die globalen Aktienindizes, jeder kleine Rücksetzer war nur eine Korrektur. Selbst große schlechtere Nachrichten wurden „verdaut“. Hätten wir solche Wetterverhältnisse auf den Ozeanen, würde ich Segeln lernen und danach Kurse anbieten.

 

 

Noch sind wir aber nicht so weit wie es scheint und der Hype geht weiter. Nur mit Aktien, die per se Risikokapital sind, erreiche ich meine 5-10% im Jahr. Und das wollen sie alle. Allerdings gilt es zu bedenken, dass der Anleger mit 0,1% auf dem Tagesgeld immerhin noch mehr Geld hat, als der Aktionär nach dem nächsten Black Swan Ereignis. Und er hat auch mehr als derjenige, der das Geld verkonsumiert, weil es ja „nix dafür bei der Bank“ gibt. Inflationsszenarioberatung bei Banken lässt grüßen, liebe Freunde…

 

“To win any battle, you must fight as if you are already dead.” 

– Miyamoto Musashi

 

Risikokapital wird aber immer Geld sein, dass man verlieren können muss und an das keine Emotion gebunden sein darf. Leserkommentare diverser Finanzzeitungen und Blogs lassen aber eher den Eindruck zu, dass dies nicht ganz verstanden wird.

 

Blackwater.live- Forex Currency Trading Concept.

“Our world cannot be understood by looking at people behaving within the system because of emergent phenomena.  Our markets display decisions that are not in the ergodic world of a gambler at the roulette table because our environment shifts with every interaction and experience—and particularly during crises, which is where it is most critical we find a way to predict or at least understand.  When we come to comprehend these limits, we approach a world filled with the giant unknown unknows: radical uncertainty.”
–Richard Bookstaber, The End of Theory

 

Aufgrund einer Email möchte ich aber heute auch aus dem FX Bereich ein Beispiel herauspicken, was zum Nachdenken bewegen soll.

Dies ist nur ein ganz kleines Beispiel, welches sich an unser FX Leser richtet. Blackswan Ereignisse kann man nicht vorhersehen, aber man kann sich absichern. Risiko ist nicht vorhersehbar, aber wenn es messbar ist, kann man damit umgehen.

Wer nach „Ingenieur verliert Vermögen / CHF/ FX“ googelt findet die Story dazu. Ich möchte sie nicht verlinken, da die Portale, die diese verbreitet haben, nicht lesenswert sind. Inhaltlich geht es darum: Der Schweizer Franken wurde jahrelang von der Schweizer Nationalbank (SNB) auf einem Kurs um 1,20 gehalten, genauer gesagt war dies der Kurs, bei dem die SNB stets intervenierte. Am Schluss handelte sie mit einem 800 Milliarden CHF Portfolio. Das Ziel der SNB war den CHF günstig zu halten um die heimische Wirtschaft gegenüber EUR Unternehmen konkurrenzfähig zu halten.

Der Ingenieur setzte bei einem Market Maker Broker einen Hebel von 1:400 ein und ein Kapital von 2800,00 EUR. Als am 15. Januar 2015 die SNB bei Erreichen der 1,20 Marke nicht intervenierte und der Kurs fast bis auf Pari zum EUR stieg, verlor der Ingenieur nicht nur sein Kapital, sondern darüber hinaus insgesamt 280.000,00 EUR. Er hatte einen Stop-Loss gesetzt, dieser griff aber nicht, da keine Marktliquidität vorhanden war. Natürlich ist hier die Frage für den gebildeten Sweet16FX Leser, welche Liquidität dies bei einem Market Maker sein soll, aber gut…

 

War das ein Black Swan Ereignis? Ja.

Aber in dem Text stecken schon mehrere Aspekte die klar zeigen, dass war auch Zockerei. Es gibt keinen Free Lunch an den Märkten. Viele Spekulanten (und genau das waren sie) haben immer wieder an der 1,20 damals gewettet und wussten, die SNB „rettet“ uns und bringt uns den Profit. Also erhöht man das Risiko. 1:400 als Hebel einzustellen um Kapital zu schonen ist eine Sache, die 1:400 bis zum Anschlag mit 2800,00 EUR zu nutzen eine ganze andere. Genau das ist hier passiert. Dann der Broker: Ein Market Maker, der eigene Liquidität und Kurse stellt und dann eben auch nicht so viel davon hat, wenn es hart auf hart kommt. Den Broker, den der Ingenieur nutzte, kenne ich und er ist bekannt für Re-Quotes und eigene Preissetzungen.

Nehmen wir mal einen anderen Fall an, konkret an diesem Beispiel. Ich habe 2800,00 EUR. Es gilt die Regel maximal 2% pro Trade zu riskieren, dies wären in dem Beispiel 56,00 EUR. Laut Quellen hat der Ingenieur seinen Stop-Loss bei 1,1998 gesetzt. Hier dürfte unsere Mitglieder nun schon etwas wundern: Wo ist der Ingenieur denn eingestiegen? Was für ein Trade sollte das sein? 2 PIPS zum Stop-Loss? Skalping? Es sieht fast so aus. Wir können nur aufgrund unserer Erfahrung das Szenario weiter berechnen.

Nehmen wir mal an, es wäre ein Stop-Loss von 30 Pips gewesen. Also ein enger Stop-Loss, wie er bei Tagesstrategien verwendet wird. Laut unserem Positionsgrößenrechner kommt dort eine Lotgröße von 0,2 Lot raus. Also 20.000 USD. Ein Absturz von 20% wie am 15. Januar 2015 würde einer Wertveränderung von 4000,00 USD entsprechen. Dies müsste man noch in EUR Umrechen. Oder anders gesagt, es wäre in EUR ein Verlust von 133% oder 3724,00 EUR wenn man von einem Pip-Wert von 1,86 EUR ausgeht.

Wäre unser 2800,00 EUR Konto ausgelöscht? Ja.

Müssten wir nachschiessen? Wenn Ja, dann ca. 1000,00 EUR.

Dies stimmt aber nur unter der Annahme, dass gar keine Liquidität zur Verfügung steht, was natürlich bei einem ECN Broker schon anders aussehen dürfte, als bei einem Market Maker Bucket Shop. Das was ich hier beschreibe, ist das am schlimmsten zu erwartende Ereignis. Eine Bewegung von 20% an einem Tag in einer Währung ist ein absolutes Black Swan Ereignis, wie es sonst nur beispielsweise bei der Asienkrise Ende der 90er vorkam.

 

Was ist die Lösung?

Den richtigen Broker wählen, Trades mit engen Stop-Loss Marken nur in hochliquiden Währungen wie EUR/USD, GBP/USD etc. platzieren, bei anderen Pärchen nur Systeme verwenden mit Stop-Loss Marken von mehr als 100 Pips (bei ebenfalls maximal 2-3% Risiko pro Trade) und vor allem niemals Geld verwenden, welches man nicht verlieren darf.

 

Blackwater.live - Schachspiel

“Nothing whets the intelligence more than a passionate suspicion, nothing develops all the faculties of an immature mind more than a trail running away into the dark.”
― Stefan Zweig, The Burning Secret and other stories

 

 

3. Das Entzaubern der Magier

Wir leben in einer arbeitsteiligen Gesellschaft. Zweifellos kann nicht jeder ein Auto selbst reparieren. Hätte man die Magier aus unserer biblischen Erzählung nach ihren Erfahrungen und Lehren gefragt – und zweifellos haben dies Menschen getan – wäre es sicher schwer nachvollziehbar gewesen. Die Aura, die solche Personen um sich haben, hat viel damit zu tun, dass sie vermeintlich unbekanntes Wissen haben. Möglicherweise.

Wie ich schon sagte, kann niemand von uns alles und jedes Geschäft hat auch Geschäftsgeheimnisse. Ein ganz normaler Vorgang. Manche haben auch einfach Recourcen, die wir nicht haben. Es dürfte uns wohl schwer fallen, einen VW Golf selbst nachzubauen. Ich denke soweit sind wir uns einig. Dafür kann man dann auch Geld bezahlen, wenn es einem das Wert ist, einen VW Golf zu fahren.

Nun werden manchmal eben auch Dinge entzaubert und sind dann nicht so magisch wie vorher, sondern Taschenspielerei. Oder eben wie beim Zeitungshoroskop Statistik und so allgemeine Formulierungen, dass irgend etwas immer stimmt. Erinnert mich etwas an das Börsen TV morgens. Hätte, könnte, würde und dann ist der Tag rum und alle haben genau gewusst, warum was und wie passiert ist. Klar.

Gerade im Finanzbereich liegt der menschliche Fokus auf der Suche nach dem heiligen Gral, den es aber nicht gibt. Menschen suchen nach Strategien um Probleme zu lösen, die gar nicht strategischer, sondern emotionaler Natur sind. Der Kredit wird mit Habgier verkauft, das Anlageprodukt auch, viele kaufen derzeit Aktien wegen ihrem guten Gefühl. Wegen einem Gefühl werden sie sie auch wieder verkaufen. Aus Angst.

Ich habe bereits schon einmal ausgeführt, dass es schwierig ist mit einem Angestellten Mindset an den Finanzmärkten erfolgreich zu sein, da diese anderen Gesetzmäßigkeiten unterliegen. Aber es ist nicht unmöglich. Mit Risikomanagement und Geduld kommt man zum Ziel. Das kann man lernen.

Auch in den letzten 10 Jahren Bullenmarkt haben viele Menschen Geld mit Aktien verloren. Irgendwie stirbt die Hoffnung doch zu letzt und der Glaube, dass ein Insidertipp zu einer Überrendite führt wird wohl nie ganz verschwinden. Von Reproduzierbarkeit mal ganz zu schweigen. Und manche denken noch, sie erhalten eine solche Information in einer der in Bezug auf Wertpapiere überregulierten Banken. Wäre der Vertrieb mal stärker reguliert, gäbe es weniger Gerichtsprozesse. Dann könnte man nicht einfach auf andere Provisionsprodukte ausweichen.

Finanzplanung beginnt mit dem 3 Konten Modell, der Überlegung welcher Risikotyp ich bin und der Einordnung meiner Geschäfte in diese Risikoklassen. Finanzplanung setzt sich mit Lebensfragen auseinander, benötigt Disziplin und Durchhaltevermögen. Finanzplanung ist ein Date mit uns selbst, weil wir ehrlich mit unserem Inneren sein müssen. Es bedeutet über Risiken nachzudenken und was diese für mich und meine Familie bedeuten. Finanzplanung ist Risikomanagement. Und gute Finanzplanung macht richtig Spass, wie hunderte Mails von Lesern zeigen. Finanzplanung ist so vieles. Nur eines ist sie nicht:

Finanzplanung ist keine Magie.

 

 

Black Swan

“Where is all the knowledge we lost with information?”

–T. S. Eliot

34 Kommentare zu „Tri·lo·gie

Gib deinen ab

  1. Guten Morgen zusammen! Durch die Verlinkung bei dem Finanzwesir bin ich zu euch gekommen. Toller Blog, spannende Themen. Darf ich mal fragen, warum beim Finanzwesir dauernd Leute etwas gegen die Verlinkung haben? Kennt ihr die persönlich? So kommt es mir vor, denn ich weiss nicht, was an der Verlinkung von euch schlimm sein soll im Vergleich zu den anderen Finanzblogs die verlinkt werden. Trotzem beschweren sich immer wieder Leute darüber. Ihr müsst aber nicht antworten, wenn ihr nicht mögt.

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    1. ist nix neues, der Albert hat halt paar militante Fans und die mochten diese Seite nicht.😂 Je länger bw existiert, desto mehr agressivere Fans gibt es dann auch hier, die diese Seite verteidigen. So ist das Netz.

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      1. „militante Fans“ 😂 Greifen die zu den Waffen, wenn gegen deren Willen hier weiter gepostet wird?😂

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  2. Der Autor kann vermutlich durch das Schreiben alleine Geld verdienen. Habe mir auch die anderen Werke angesehen. Gefällt mir sehr gut. Eine willkommene Abwechslung in der deutschen Finanzbloglandschaft.

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  3. Es ist schon mal sehr gut hier keine nervigen Banner oder Buchwerbungen zu sehen. Ich finde es nicht schlimm, wenn ihr ein Konto oder eine Online Bank empfehlt, solange wie gesagt keine blöde Bannerwerbung auftaucht. Und ihr solltet natürlich frei bleiben. Schreiben die euch was vor, wäre es nichts. Aber wegen einer Kontoempfehlung kommt da sicher nichts. Kann ich mir nicht vorstellen. Ihr habt ja auch so schon mal geschrieben welche Banken was taugen.

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  4. „Das Bild vom „schwarzen Schwan“ als gänzlich unerwartetes Ereignis geht auf den Satiriker Juvenal zurück. In den Satiren VI, 161 nennt er eine treue Ehefrau rara avis in terris, nigroque simillima cygno (ein seltener Vogel in allen Ländern, am ähnlichsten einem schwarzen Schwan). Schwarze Schwäne waren damals in Europa unbekannt.“

    hehehehe, da steckt so viel drinnen, ich denke das haben die meisten überlesen. ;-)))

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    1. …die kleinen Details bei Blackwater finde ich auch immer wieder aufheiternd. 😉 Nun freue ich mich aber sehr auf den nächsten Artikel zu Kontenthemen oder allgemeinen Bankthemen…

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  5. Ich liebe diese Seite und freue mich jeden Woche über neue Postings! Als nächstes wäre es aber auch mal wieder schön einen reinen fachlichen Teil zu haben. Die Mischung macht es. Was gibts neues bei bunq, DKB und Co. beispielsweise. Wie seid ihr da nun aufgestellt?? Das würde mich sehr interessieren.

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    1. Also wenn es wie bei bunq eine Wishlist gibt würde ich mir als nächstes über folgende Themen einen Beitrag wünschen:
      1. Berufsunfähigkeitsversicherung
      2. Datenschutz beim Banking – Welchen Gefahren hat deiner Ansicht bargeldlose Bezahlung?
      3. Investitionen in materielle Dinge: Immobilien, Autos, Wein -> haha 😉
      4. Flowyour.money finde ich ein ziemlich spannendes Projekt hinsichtlich der Verwendung mit bunq

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      1. Gerade N26 finde ich sehr gut. Revolut mit dem Brexit jetzt wird mir immer weniger sympathisch. Außerdem haben doch N26 und auch bunq eh Transferwise intergriert. Da machen die Währungsoptionen bei Revolut immer weniger Sinn. Oder sehe ich das falsch?

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      2. Hallo Laura, ein Stück weit schon. Außer man wie die jeweiligen Währungen vorab kaufen und auf einem Fremwährungskonto verwahren, dass können die anderen beiden nicht. N26 dürfte für viele der Zwischenschritt in die Fintech Welt sein und das Konto kann schon viel mehr als die typischen Regionalbankkonten. Die meisten sind total positiv erstaunt, wenn sie N26 zum ersten Mal nutzen. Und bunq hat eben den sehr wichtigen ethischen Aspekt und eine starke Community mit dem together-Forum. Transferwise hat beide sehr weiter gebracht, stimmt schon.

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  6. Vor lauter lesen von dem kleinen Battle geht fast unter, welch ein wunderbarer Artikel dies hier ist. Aufklärung und Nachdenken in einem. Sehr gut.

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  7. Genau das meinte ich! 😉
    Übrigens: Es ist „Stille Post“ statt „Reise nach Jerusalem“ gemeint, oder?

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  8. Mein Wunsch ist in Erfüllung gegangen😂 Heute dachte ich, wäre doch schön einen neuen Artikel zu lesen😂😉 Die Fragen die ich hatte habe ich dir noch geschrieben und bei dem anderen Post auch kommentiert, jetzt kann ich erst mal entspannt hier lesen….😊

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    1. Ich lese euer Blog wirklich gerne und lerne immer neu dazu. Ich werde sicher nicht alles umsetzen aus verschiedenen Gründen. Macht aber gar nichts. Warum manche Leser anderer Blogs so vehement was gegen euch haben kann ich nicht nachvollziehen. Schließlich muss man hier nicht gegen Geld Mitglied werden, um eure Bloginfos zu lesen. Und wenn ihr für euer Anlagekonzept eine Gebühr verlangt, steht es ja jedem frei, das zu machen oder zu lassen.

      Viele andere führen ihre Blogs ja auch mit dem Gedanken in irgendeiner Weise damit Geld zu verdienen.

      Ich fühle mich hier jedenfalls sowohl fortgebildet als auch unterhalten. Mehr als viele andere schaffen…

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      1. Guten Morgen Wendy, vielen lieben Dank für Deine Unterstützung und das Lob! Du hast es eigentlich gut auf den Punkt gebracht. Inzwischen haben wir uns auch etwas daran gewöhnt der Outlaw zu sein😂 Vom richtigen Standpunkt aus betrachtet, kann dies sogar ein riesiger Vorteil sein: Beispielsweise kann man völlig frei schreiben.

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