Chancen und Risiken von Forex

“On a long enough time line, the survival rate for everyone drops to zero.”

Chuck Palahniuk

 

 

 

 

Guten Morgen liebe Blackwater.live Leserinnen und Leser,

die Herbst- und Winterzeit ist Forexzeit, so könnte man es meinen, da dieser Sommer sehr impulslos war.

Nach einem bisher schwierigen Jahr für die Devisenmärkte, zeigen sich nun sehr deutlich die Risiken- und Nachteile bei manchen Anbietern von FX-Dienstleistungen. Und da ich immer mehr Erfahrungsberichte zu dem Thema erhalte, habe ich mir auch mal die Mühe gemacht nachzufragen. Und was ich da erfahren habe, lässt mich nur den Kopf schütteln.

Zuerst möchte ich aber nochmal eines klar stellen, für all die keine Stammleser von mir sind und nicht weiter als bis zum zweiten Absatz lesen: Der Devisenmarkt ist kein Spielplatz. Und er ist nicht mit den Aktienmärkten oder irgend etwas anderem vergleichbar. Es sind gute Renditen möglich, aber nicht in jedem Jahr. Es gibt auch Jahre mit Verlusten. Das gehört einfach dazu. Und es ist ein Totalverlust möglich, wenn man nicht weiss was man tut.

Nun möchte ich euch erst einige Aussagen zitieren, die ich gelesen habe. Manche davon habe ich per Mail erhalten. Ich zitiere nur die, die ich zitieren durfte. Es gibt durchaus noch krassere Fälle.

Kommen wir zu den Aussagen, die ich Ende letzten Jahres bis etwa Anfang diesen Jahres zu dem Thema Forex/FX erhalten  habe:

 

 

„“Die“ (ein bekannter Anbieter) machen jeden Monat mindestens 15% Gewinn. Ich stocke meine Positionen massiv auf. Habe mir noch Geld von Verwandten geliehen.“

„Was machst Du denn für einen Schrott mit Deiner Seite. Ich kenne Anbieter, die machen 30% und mehr im Monat für 5 Euro.“ (Anmerkung von mir: Ja es gibt auch Döner für 1,50 Euro. Guten Appetit)

„Die (ein bekannter Anbieter) sind echte Forex-Trader und haben sich alles selbst beigebracht. Sie haben ein geheimes System gefunden um reich zu werden.“

„Wieder so ein Coaching Programm. Unglaublich wie sich die Leute das Geld aus der Tasche ziehen lassen. Einfach nur dumm.“ (wurde über mich geschrieben)

 

 

Etwa gegen Sommer diesen Jahres bekam ich dann mehr und mehr diese Art von Emails und Berichten:

 

 

„Ich habe 90 Prozent meines Geldes verloren und musste Notverkäufe machen.“

„Der Broker wurde mir empfohlen. Obwohl der Signalanbieter seine Trades als Gewinner auswies, hatte ich immer nur Verluste.“

„Ich habe Summe xxx.xxx Schulden und muss einen Neuanfang machen. Durch Forex habe ich alles verloren, es ist Zockerei.“

„Derzeit habe ich noch über 100 Positionen offen. Ich kann nachts nicht mehr schlafen.“

„Das Minus der laufenden Positionen wird immer mehr. Und trotzdem muss ich jeden Monat Mitgliedsgebühren zahlen. Was soll ich jetzt machen?“

 

 

Es handelt sich hierbei um einen Auszug von Aussagen zu verschiedenen Anbietern, die im deutschen Markt aufgetaucht sind und sehr aggressiv beworben wurden. Sehr oft über Weiterempfehlungsplattformen im Internet. Die Risiken wurden runtergespielt und die „Systeme als geheime Systeme zum reich werden“ verkauft. Es waren sowohl automatisierte Systeme dabei, sogenanntes „Social Trading“, als auch Signal Services. Bei diesen muss der Nutzer selbst die Positionen eingeben.

 

 

Blackwater.live
Falsche Vorstellungen, Marketing, fehlendes Wissen und falsche Versprechungen führen oft zu einem verzerrten Bild von dem Handel an den Finanzmärkten. Das müsste nicht so sein. Mal sehen, ob nach den Aktienmärkten und ETFs mittelfristig auch FX von der „Seuche“ der fehlenden Aufklärung befreit werden kann.

Quelle: gettyimages/istock

 

 

 

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Forex-Interessierte, was ist da passiert? Wie lassen sich diese Aussagen einordnen? Ist Forex Zockerei und nur etwas für ganz abgebrühte Typen, die morgens flüssiges Blei trinken? Oder fehlt einfach grundlegendes Wissen was die Themen Forex, Risikomanagement, Broker und andere Dienstleister angeht? Darauf möchte ich heute etwas eingehen.

Normalerweise ist Blackwater.live keine Seite, die dauernd über Forex berichtet. Warum auch? Es gibt in Forex gute und schlechte Jahre, wie an allen anderen Märkten auch. Wer gut aufgeklärt wurde, weiss das. Der oder diejenige weiss auch, wie man damit umgeht. Schlechte Jahre für die Kunden von Blackwater.live sind auch weniger schöne Jahre für Mr. Blackwater.live. Warum?

Nun, ich will es in aller Deutlichkeit sagen: Weil Mr. Blackwater nicht irgend ein Marketingfuzzi mit einer Sellingstory ist, der ein Produkt verkauft was er nicht versteht und seine Kunden dann im Regen stehen lässt. Ganz im Gegenteil.

In schwierigen Zeiten, die zu jedem Business gehörten, macht man sich Gedanken um seine Kunden, liefert verstärkt Support, durchdenkt die Situation. Man bekommt nette Mails mit viel persönlichen Inhalten geschrieben. Dadurch fühlt man sich noch mehr verantwortlich. Als einzelner Trader würde man manche Situationen vielleicht taffer regeln und die Zähne zusammen beissen. Aber wenn man sich für Menschen verantwortlich fühlt, dann überlegt man sich das drei Mal. Man hat lieber Geduld und versucht seine Kunden zu schützen, indem man einem Handelssystem die Zeit gibt, die es braucht. Außerdem gibt man sich selbst das Versprechen, alles für die Zufriedenheit der eigenen Kunden zu tun. Mit diesem Schema kann man natürlich keine tausenden Kunden betreuen und wird auch nicht vermögend an Mitgliedsgebühren. Es gleicht eher einem liebevoll geführten Fachgeschäft, als einem rücksichtslosen Großhändler.

In den letzten paar Jahren sind immer mehr Forex Broker aus dem Boden geschossen, die FX als auch Cryptohandel anbieten. Diese wurden gehyped und beworben, wie wenn es die besten Broker der Welt wären. Bis zum heutigen Tag lese ich im Netz und manchen Messenger Chats Aussagen über FX, Crypto und Broker, die niemals stimmen können. Entweder gehen hier Leute absoluten Marketingfuzzies auf dem Leim, lügen einfach dreist oder haben keine Ahnung von was sie reden. Oder alles gleichzeitig. Dieser Artikel soll kein Bashing werden, aber ich gebe zu, es macht mich schon sehr sauer, wenn so viel Schindluder getrieben wird und nachher will es (1) keiner gewusst haben oder (2) ein ganzes Marktsegment wird verteufelt.

Für den einen oder anderen reinen Passiv-Anleger möchte ich es „übersetzen“. Stell Dir einmal vor, ETFs würden so beworben werden:

 

 

Marketingfuzzi: „Mit ETFs kann es nur nach oben gehen. Es ist fast sicher, dass Du reich wirst. Sie machen jedes Jahr 20%, das ist sicher.“

Kunde: „Sicher? Woher weisst du das?“

Marketingfuzzi: „Es ist ein geheimes „“jing-jang-Energie-reich-werden-Konzept“ von einem asiatischen Dschungeljungen im Gefängnis entwickelt. Er verkauft es exklusiv, damit er nicht seine Nieren verkaufen muss.“

Kunde: „Wow, echt? Hört sich super an. Und wo soll ich die ETFs kaufen?“

Marketingfuzzi: „Oh, bei einem unregulierten Broker auf Zypern. Es ist zwar nicht sicher ob dieser die Papiere wirklich in der Girosammelverwahrung hat oder nicht selbst die Gegenpartei ist, aber es sind Profis. Ganz sicher. Vertrau mir.“

 

 

Lieber Passiv-Anleger, wie wird das wohl ausgehen? Stelle Dir bitte weiter vor, das Unvermeidliche passiert. Der Broker macht zu, taucht auf der Krim unter neuem Namen wieder auf. Dein Geld ist weg. Und jetzt?

Ab jetzt wird geschrieben, ETFs sind Zockerei. „Hätte ich das bloß nie gemacht. Hätte ich immer nur Tagesgeld angelegt und Lebensversicherungen gekauft!“

 

Ungefähr dies passiert derzeit mal wieder im Forex Bereich, weil einige Dienstleister ein „schnell-reich-werden-Konzept“ verkauft haben, welches schief gehen musste. Wenn über 100 Positionen eröffnet werden, auch wenn sie noch so klein zu Beginn sind, kumuliert sich das Risiko massiv nach oben. Auch wenn diese Positionen auf Wochen- und Monatsbasis eingegangen werden, so senkt dies nicht das Risiko. Denn auch auf Wochen- und Monatsbasis kann man falsch liegen und der langfristige Trend läuft gegen einen. Und Ereignisse wie der Brexit haben dieses Jahr durchaus zu massiven Verwerfungen geführt, dazu noch die Twitterei mancher Politiker. Es war zweifellos ein sehr schwieriges Jahr bisher.

Aber das was bei manchen Anbietern zusammengebaut wurde, gleicht einem Chernobyl-Reaktor. Das Risiko wurde immer weiter erhöht, aber grundsätzlich klein geredet. Ab einem gewissen Punkt sind die Würfel gefallen, was aber den Beteiligten nicht klar war. Durch immer neue Positionen wurde das System „überkritisch“ und flog schlussendlich in die Luft. Notverkäufe, 90% Kapitalverlust für manche Beteiligten. Die Nachschusspflicht steht auch noch im Raum, was dem Supergau gleich kommt.

Ich will nicht zu sehr darauf eingehen, zumal es gerade schon wieder neue Anbieter gibt, die das gleiche System starten, sondern heute nochmal damit beginnen auf die wesentlichen Aspekte beim Forex-Handel jeglicher Art einzugehen. Es ist etwa so, als müsste man die Aktie erklären und warum man nicht sein ganzes Geld in die Telekom-Aktie stecken sollte. Mit diesem Artikel möchte ich ganz klar auf die Risiken von Forex hinweisen, wie man damit umgeht und welche Erwartungen man an Forex haben kann. Ich möchte es bewusst so einfach wie möglich halten, damit es jeder versteht. Denn gerade Newbies fallen oft auf falsche Versprechungen und irgendwelche Marketing-Flachzangen herein. Nach MLM und Motivations-Seminaren scheint Forex das neue „Fachgebiet“ mancher dieser Leute zu werden. Ich denke, dieser Artikel wird damit leider recht zeitlos werden.

 

Blackwater.live - Finanzkonzept und Geduld
Kurzfristige (Miss-) Erfolge werden oft überschätzt, langfristiges Wachstum unterschätzt. Es gilt die Aussage: „Long-term consistency trumps short term intensity.“

Quelle: gettyimages/istock

 

 

Ich greife hiermit einmal 12 Punkte auf. Ganz ohne Priorität und von ganz allgemeiner Natur:

 

 

1. Forex oder FX ist der Devisenmarkt. Es ist der größte Finanzmarktplatz der Welt und kein kleiner Zockermarkt, wie manche glauben. Dass der Bankberater und andere davon noch nie etwas gehört haben, obwohl Devisen ja kein Fremdwort sein sollten, spricht nicht gerade für die Bankmenschen. Was Zockerei ist, sind Menschen, die mit extremen Hebeln in den Markt einsteigen und nicht wissen was sie dort eigentlich tun.

 

2. Der Hebel, also der Handel auf Kredit, ist in FX keine Zockerei per se, sondern Standard und in einigen historischen Fakten begründet. Der Devisenhandel erfolgt immer gehebelt. Das ist auch einer der Gründe, warum das weltweite Derivate-Volumen das Welt-BIP um etwa den Faktor 100 übersteigt. Auch hier kann nicht per se von Zockerei die Rede sein. Bauer A sichert sich mit einem Derivat bei Händler B ab. Der sichert sich entsprechend bei Händler C ab. So geht das weiter und aus der Ware X kann durch die legitimen Absicherungsgeschäfte schon einmal ein Volumen X mal 100 werden und wir reden hier noch nicht einmal von einer Fremdwährungsabsicherung, sondern nur von einer Ausfallsicherung.

Im Devisenmarkt wird mit Kontrakten gearbeitet und dafür ist immer nur kleines Geld notwendig, da diese ursprünglich einen Versicherungscharakter haben.

Man benötigt für eine Handelsposition also nur einen kleinen Teil der eigentlichen Positionsgröße. Beispiel: Ich kaufe EUR/USD. Positionsgröße: 1 Lot. Das sind 100.000 USD. Hinterlegt werden bei einem Hebel von 1:100 nur 1.000 USD bzw. der Euro Wert, wenn mein Konto in Euro geführt ist.

Dieser Kredithebel kann missbräuchlich genutzt werden, ganz klar. Wer sein Risiko nicht vorher mit einem sogenannten Positionsgrößenrechner ausrechnet, macht schon den ersten Fehler. Davon scheinen die meisten aber noch nie etwas gehört zu haben!

Und nur weil ich einen Hebel von 1:100 oder mehr eingestellt habe heisst dies nicht, dass ich ihn auch nutze. (oder nutzen muss). Es kann auch einfach um das Schonen von Liquidität gehen. Mein echtes Risiko wird immer durch eine prozentuale Größe bestimmt. Nicht nur pro Position, auch immer für den ganzen Account. Nutze ich keinen ECN-Broker, habe ich übrigens auch nochmal ein Gegenpartei-Ausfallrisiko. Das könnte bei größeren Verwerfungen auch noch mal spannend sein.

 

3. Der Hebel ist per se nicht die Zockerei, sondern OHNE Stop-Loss Sicherung zu arbeiten oder einen Stop-Loss tausende Punkte entfernt zu setzten bei zu kleiner Kontogröße. Die Stop-Loss Sicherung löst eine Position ab einem bestimmten Kurs auf, wenn sie gegen einen läuft. Damit schützt sie das Eigenkapital, auch wenn es erst einmal weh tut.

Persönlich präferiere ich eher frühzeitig ausgestoppt zu werden und ein Setup neu zu überdenken, statt immer mehr Positionen zu eröffnen. (denkt an das Chernobyl-Beispiel)

 

4. Wie hoch ist mein Risiko pro Position? Wie hoch ist mein Gesamtrisiko? Dies ist eine häufige Fehlerquelle. Entweder ist die Einzelposition zu gross oder aber man hat hunderte von kleinen Positionen, deren Risiko sich zu einer großen akkumulieren.

5. Es gibt Marktphasen wo „nichts läuft“. Dann macht man auch nichts. Warten.

 

6. Es gibt Drawdowns, also das Konto geht ins Minus, weil man öfters hintereinander falsch liegt. Es kann auch eine richtige Verluststrecke sein. Das liegt an der mathematischen Ungleichverteilung von Zahlen. Das kann zu starken Zweifeln führen, eine der Emotionen mit denen man lernen muss umzugehen.

 

7. Der Broker ist kein ECN Broker, sondern stellt selbst die Gegenpartei. Das bedeutet, Dein Verlust ist sein Gewinn. Wie das wohl ausgehen wird? Wollen wir raten?

HIER ein älterer Artikel von mir dazu. Ich werde dieses Jahr noch einen neuen dazu veröffentlichen. Nochmal, merke: Wer FX, Cryptos oder was auch immer bei einem Broker handelt der ein Market-Maker ist, der ist selbst schuld!

Ich lese auf professionellen Blog- und Internetseiten immer wieder Werbung für Market-Maker Broker. Entweder haben die Werber keine Ahnung von der Materie – was ich vermute – oder aber es ist ihnen völlig egal.

 

8. Forex oder FX ist kein „schnell-reich-werden-Schema“. Auch wenn davon alle träumen, auch die ganzen Auswanderergruppen, Staatenlose, Digitale-Nomaden und alle anderen freiheitsliebenden Menschen. Es gibt Jahre mit 20-50 % Gewinn. Es gab sogar Jahre mit über 100% Gewinn. Aber dazu gehören auch Schwankungen von über 50%. Das ist Teil des Business. (das wird bei Cryptos nicht anders sein 🙂  )

 

9. Forex ist ein Business! Und wie in jedem Business gehören Verluste dazu. Das ist wie Ein- und Ausatmen. Oder wie die Ausgaben, die man bei einem Business hat. Es erfordert erst eine Investition und eben auch Ausgaben um Gewinn zu machen. Diese Ausgaben sind bei Forex sozusagen die Verluste. Die US-Bank Goldman-Sachs schrieb einst: Es muss erst eine Menge Geld verloren werden, bevor eine Menge Geld gewonnen werden kann. So ist es oft. Aber wenn man dies weiss, kann man damit umgehen.

 

10. Wer Schwankungen nach unten (genannt Drawdowns) nicht aushalten kann, wird nicht überleben. Wer nicht überlebt, wird NIE Geld in Forex verdienen. Wie man damit umgeht, dazu kommt demnächst ein Artikel bei mir.

Ein sehr bekannter FX-Trading Leitsatz lautet: „live to fight another day.“

 

11. „Die menschliche Psyche ist für Trading nicht gemacht“, so lautet eine bekannte Aussage. Das stimmt. Wenn man kein System tradet, ist es so gut wie unmöglich emotional die Schwankungen auszuhalten. Es folgen Zustände wie Gier und Angst und die meisten überschätzen sich völlig selbst.

 

12. Es wird viel zu viel Geld eingesetzt um Forex zu traden und der Betrag passt nicht zur persönlichen Risikoklasse. Wer das macht, wird es psychisch nicht überleben. Und das Konto auch nicht. Punkt.

Hier verweise ich gerne auf die Tortendiagramme, die wir bei Aktien-ETFs auch nutzen. Bei welchem Diagramm sehe ich mich? Zur klaren Feststellung: FX gehört zu der Risikoposition des Diagramms. Machen wir ein klares Beispiel:

Lisa hat 100.000,00 EUR freies Kapital zum Anlegen. Auf dieses Geld ist sie nicht angewiesen! Sie sieht sich persönlich bei unserem Return-Tortendiagramm, also dem ersten in der Reihenfolge. Dies bedeutet, von ihren 100.000,00 EUR Kapital welches sie frei zum Anlegen zur Verfügung hat, kann sie maximal 25.000,00 EUR in Aktien, Aktien-ETFs und im Forex-Trading investieren. Kann, nicht muss. Vielleicht sagt sie ungeachtet ihrer persönlichen Risikoklasse: Nein ich hab kein Bock darauf. Ich kaufe mir lieber ein Cabrio. Auch ok, viel Spass damit Lisa!

 

Blackwater.live - Finanzkonzept
Tortendiagramme sind eines der besten Instrumente um seine Anlagen zu visualisieren und Risikoklassen zuzuordnen. 

Quelle: gettyimages/istock

 

 

 

Frage: Was wäre denn Dein Geheimtipp Blackwater?

Geheimtipp hört sich immer nach Idiotenköder an. Hiermit ist er nicht mehr geheim:

Macht es so wie Lisa. Kleines Geld im Verhältnis zum freien Anlagekapital nehmen. Nicht alles auf ein Pferd setzen. An dem Geld sollte so wenig wie möglich Emotion hängen. Selbst wenn Du eine Million Euro zum Anlegen hast, nutze erst einmal einen Bruchteil davon. Wenn man ganz neu ist, beispielsweise 1.000,00 EUR. Lerne erst mal die Materie kennen und vor allem Dich selbst. Lerne Ängste zu besiegen, Gier in den Griff zu bekommen und Geduld zu haben.

 

Frage: Und was wenn ich schon mit viel mehr Geld investiert bin?

Baue die Positionen ab, buche das Geld auf dein Konto. Setze wie gerade erklärt nur einen kleinen Teil ein. Forex Trading ist in erster Linie der Umgang mit Verlusten, der Umgang mit der eigenen Psyche. Das muss man trainieren. Langfristig stellt sich dann der Erfolg ein, aber man kann es nicht erzwingen und diese Schritte überspringen. Das wird sonst ein Kampf gegen Windmühlen.

 

Frage: Nur mit viel Geld kann man großen Ertrag machen, oder?

Auch wieder so ein Klassiker, bei dem man sieht, Aktien-Denke ist nicht FX-Denke. Wer mit der Aktien-Denke, also viel Volumen führt zu mehr Ertrag (was stimmt) in den FX-Markt geht, der wird scheitern. Warum? Die Psyche wird gebrochen.

Man nimmt immer im Verhältnis „kleines Geld“ und tradet es über den Zinseszinseffekt hoch. Das geht nicht immer, es gibt schlechte Jahre. Dann dauert es länger. Aber von seinen „10 Zehen“ ist man immer nur mit seinem „kleinen Zeh“ im Risiko.

Vor einigen Jahren wurde ich dafür mal ausgelacht von jemand, der sich für einen Supertrader hielt. „Wenn man es kann, dann kann man es. Auch mit großen Summen.“ Heute ist er pleite.

 

 

 

Diese Punkte sind heute nicht abschliessend behandelt. Aufgrund dessen, was da draussen passiert, werde ich wieder öfters über Forex schreiben und berichten. Ich schreibe sehr gerne über Banking, Philosophie und über das Leben. Eigentlich ist mir dies viel lieber. Aber ich möchte nicht zulassen, dass der Forex Markt weiter durch unseriöse Broker, Marketing-Typen und andere Affiliate-Leuchten diskreditiert wird.

Manche, die unter falschen Vorraussetzungen bei dubiosen Anbietern in Forex eingestiegen sind und heute pleite sind und dafür noch beklatscht und betrauert werden wollen, dass sind die gleichen, die sich unter den Aussagen am Anfang des Artikels wiederfanden. Manche haben noch vor zwei Jahren mir aggressive Mails geschrieben und meine defensive Ausrichtung belacht.

Und morgen crasht dann vielleicht der Aktienmarkt und sie legen zur Absolution in Tagesgeld an. Das ist nicht nur absurd, dass ist angesichts des voran gegangenen Unwissens und der Gier einfach nur traurig. Damit ist man auch nicht anderen Anlegern voraus, sondern zwei Schritte hinten dran. Ich kann doch nicht die Messerindustrie verurteilen, weil ich mir beim Tomaten schneiden durch fehlende Vorsicht und mangelnde Kenntnis den Finger abgeschnitten habe.

Erstens ist es schlichtweg falsch, zweitens werde ich wohl nie wieder ein Messer in die Hand nehmen können. Damit beraube ich mich der Möglichkeit richtig schneiden zu lernen und jemals frisch geschnittene Tomaten geniessen zu können.

 

Blackwater.live - Arroganz in den Finanzmärkten
Arroganz und Rechthaberei sind an den Finanzmärkten der sichere Garant für Verluste. Wer gerne recht hat, sollte sich nach einer anderen „Bühne“ umsehen. Finanzmärkte machen demütig. Überleben tun nicht die Rechthaber, sondern die Geduldigen.

Quelle: gettyimages/istock

 

 

 

 

 

“The information you have is not the information you want. The information you want is not the information you need. The information you need is not the information you can obtain. The information you can obtain costs more than you want to pay.”

– Peter L. Bernstein, Against the Gods: The Remarkable Story of Risk

16 Kommentare zu „Chancen und Risiken von Forex

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  1. Für mich kommt dieser Artikel zur richtigen Zeit. Andere veröffentlichen wie knallhart sie sind, wie toll. Dann sind sie einige Monate später pleite. Haben sogar auf Kredit spekuliert. Wieder ein anderer schreibt, er ist nun mental allen voraus. Auch er pleite. Gehen diese Leute alle “All-In”? Was ist der Unterschied zwischen Zockern und einem System? (so nennst du es)

    Durch den Artikel ist mir schon klar geworden, es gibt hier offensichtlich grosse Unterschiede. Aber über ein paar weitere Informationen würde ich mich freuen. Gruss Uwe

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    1. Hallo Uwe, ich kann nicht so viel zu den Leuten sagen, die irgendwo scheinbar hoch gehebelt unterwegs sind. Jedes System hat Drawdowns und auch mal eine schlechte Phase und dieses Jahr war nicht einfach bislang. Daher sind auch einige an die Wand gefahren, die weiter mit hohem Risiko gearbeitet haben. Es ist aber von entscheidender Bedeutung immer zu ÜBERLEBEN. Und das geht mit hohen Risiken nicht. Diese können auch aus vielen kleinen Einzelrisiken entstehen, indem ich beispielsweise über 100 Positionen offen habe oder stark korrelierende Pärchen als Einzelpositionen sehe. Weit entfernte Stop-Loss Marken tun dann ihr übriges. Aus meiner Sicht ist es besser ausgestoppt zu werden (auch wenn man dann kotzen könnte) anstatt hunderte Pips mit mehreren Positionen gleichzeitig ins Minus zu fahren.

      Zockerei ist die Nutzung von sehr hohen Hebeln (Nutzung, NICHT Einstellung), viel Fremdkapital und wenn das Trading dann noch die einzige Anlage ist. Trading gehört zum Risikoanteil meines Kuchens und ist kein Ersatz für die Betriebsrente. 🙂 Und der Erfolg sollte natürlich nicht von einer einzelnen Entscheidung abhängen, also 50/50 wie im Casino. Selbst wenn das alles beachtet wird, gibt es dennoch Drawdowns, also Verluststrecken, jede chancenreiche Anlage hat solche Phasen. Aber bei dem was ich so derzeit mitbekomme, wurde ja nichts an Regeln eingehalten, die Leute waren wohl bis zum Anschlag mit dem Hebel unterwegs.

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  2. Bemerkenswert. Vielen Dank für diese Informationen. Ich habe gar nicht gewusst welche Unterschiede es bei Brokern gibt und wie sich das auswirkt. Gerade der ältere verlinkte Artikel hat mir sehr geholfen. Gute Aufklärungsarbeit, danke!

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  3. Hallo Zusammen,

    was beim Traden auch noch ganz wichtig ist, sind die Kosten (Haltegebühren, maker-/takergebühren etc.).
    Und da gibt es seit ein paar Monaten einen lizenzierten, ECN CFD Broker, den ich benutze und der mMn. das neue „Apple“ im Brokerbereich werden könnte.
    Der Broker heißt Quantfury. Bei diesem zahlt man keine Gebühren, ja richtig gelesen, KEINE Gebühren außer den echten Spread, der direkt von den jeweiligen Börsen/Exchanges der Welt herangezogen wird. Der einzige „Haken“ derzeit ist, dass man bei Quantfury nur mit Kryptowährungen Ein- und Auszahlen kann.

    Greets vom Robert

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    1. Hallo Robert, danke für Deinen Kommentar. Gerade das Problem keine Gebühren / keine Kommission ist bisher das Problem bei Market Makern. Dann wird gerade über den Kurs verdient und wir haben einen schweren Interessenkonflikt vorliegen. Es kann kein echter ECN Broker sein, wenn er keine Kommission nimmt. Denn wie soll er denn an einen freien Markt den Spread „nehmen“? Dieser entsteht erst durch einen freien Markt. Der Spread ist ein reines Liquiditätsthema des Marktes. Bitte beschäftige Dich nochmal mit dem Thema.

      Es sieht sehr nach Market Maker aus. Ein echter ECN Broker rechnet den Kurs ab und kann den Spread nicht steuern. Das macht der Markt. Ein- und Auszahlung nur in Krypto? Wir haben vielleicht Anfänger als Leser. Aber sicher keine dummen Menschen.

      Robert wir helfen Dir gerne, aber bitte sei nicht naiv.

      Auf dem Blog sind auch Banker. Also bitte Robert…Keine Kindergartenpostings…

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      1. Lieber Blackwater,
        zuerst soll gesagt sein, dass ich eurem Blog schon lange folge (bin über euch zur Dkb) und ihr auf diesem super kostenlosen content teilt.

        Aber dein Statement zu meinem Post schockiert mich.

        Neun! Minuten, nachdem ich gepostet habe, konntest du schon ein Urteil über den Broker fällen? Also Ich Urteile über ein Produkt erst, wenn ich es zumindest mal GETESTET habe.

        Für mich steht somit jedenfalls fest, wer von uns beiden das Kindergartenposting getätigt hat…

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      2. Hallo Robert, ich bin davon ausgegangen, dass es hier nur um reines Affiliate ging und habe etwas schnell geantwortet. Ich werde mir dem Broker anschauen und nochmal etwas dazu schreiben. Daher entschuldige ich mich bei Dir wegen meiner schnellen und harten Antwort.

        Aber ich möchte fachlich nochmal anmerken, dass ECN Broker Kommissionen nehmen weil die Order in den Markt weiter gegeben wird. Daher verdienen sie nichts über die Pips/den Spread. Das machen nur Market Maker, die die Kurse selbst stellen. Heute gibt es aber viele „gemischte“ Broker, die beides machen. Ich schaue mir das nochmal an.

        Ein weiterer grundsätzlicher Nachteil ist übrigens, dass es manchmal genau auf die 1-2 Pips ankommt ob eine Strategie funktioniert oder nicht.

        Also nochmal sorry Robert für meinen ungehaltenen und schroffen Kommentar. War blöd von mir.

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      3. Vielen Dank für diesen interessanten Artikel zu dem Thema. Dazu ist im deutschen Web wenig bis nichts zu finden. Andere Frage: Bekommst du so viel Affiliate Kommentare hier?

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      4. Hallo Kati, ja! Nur bei den ganzen Kommentaren mit sinnlosen Werbe-Links lösche ich gleich durch. Sind pro Tag im Schnitt schon 5-10. Manchmal mehr oder weniger geschickt verpackt. Die Verbesserung des Ehelebens überlasse ich meinen Lesern selbst, vor Geistheilern, MLM und “Verlängerungen” schütze ich sie auch. Und dann kommen ab und an noch klassische Bank Affiliate Links dazu.

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      5. Alles gut Blackwater. Macht weiter so und klärt die Menschen da draußen bezüglich Finanzen und Co kompetent auf🤝

        Greets

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  4. Der FX Markt ist unreguliert und deswegen oft verschrien. Der brave EU Bürger soll brav Aktien kaufen und darf demnächst dafür Transaktionssteuern zahlen. https://www.brokervergleich.de/wissen/expertisen/finanztransaktionssteuer/

    Bei FX wird eine solche Besteuerung so gut wie unmöglich sein, da es nur global funktionieren würde. Was die Anbieter angeht: Da es kaum Wissen oder Aufklärung gibt, kann sich hier jeder austoben. Dieser Artikel ist einer der wenigen im deutschen Netz, bei dem fachlicher Hintergrund spürbar ist.

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  5. Schön, nach langer Zeit wieder ein Artikel über Forex. Finde ich gut erklärt. Im Internet finde ich nur englische Seiten. Mein Englisch ist nicht gut genug um diese sicher nutzen zu können. Auf deutsch finde ich nur sehr unseriöse Seiten.

    Hattest du mit deinen Beispielen spezielle Anbieter im Sinn?

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    1. Hallo Marcus, nein das nicht. Mir fällt nur auf was ich an Mails zu dem Thema bekomme bzw. bekommen habe. Letztes Jahr war die Lage natürlich besser als dieses Jahr. Dieses Jahr wurden viele vom Markt gefegt, da es definitiv schwierig war. Das muss man schon ein Stück weit dann auch aussitzen können.

      Ansonsten haben wir hier das gleiche Problem wie mit der Anlageklasse Aktien auch: Es sind Leute investiert, die unter anderen Umständen nicht investiert wären. Stichwort: Anlagenotstand. 🙂

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