“Every Student here has the training and the talent to succeed, but do you have the guts to fail?”

Denzel Washington vor einer College Abschlussklasse, 2019

 

 

 

Wir kamen auf die Welt. Was für ein Tag war das für uns? Erinnern wir uns daran?

Vermutlich nicht. Aber unsere Eltern. Selbst schlechte Eltern erinnern sich daran. Wir sind hoffentlich das Produkt von Liebe. Aber selbst wenn wir dieses Glück haben, so sind unsere Eltern mit uns ein Risiko eingegangen. Unsere Mutter ist sogar das Risiko eingegangen, durch die Geburt zu sterben. Durch unsere Geburt.

Unsere Eltern riskierten mit der Entscheidung für ein Kind, dass dieses Kind körperlich oder geistig behindert zur Welt kommen würde – ein Risiko. Unsere Eltern riskierten mit der Entscheidung für ein Kind – dass dieses anders als andere Kinder ist und nie sozial akzeptiert würde. Unsere Eltern riskierten, dass das Kind straffällig wird. Vielleicht sogar schwer. Sie riskierten, dass dieses Kind ein Leben lang nur Sorgen und Schmerz bereitet. Ein Kind in die Welt zu setzen, ist ein grosses Risiko.

Erinnern wir uns an unsere Geburt? Vermutlich nicht. Aber wir erinnern uns sicher an viele schöne Momente in unserem Leben und sind dankbar für den Mut, den unsere Eltern hatten ein Risiko einzugehen. Ein Risiko mit uns. Risiken einzugehen kann belohnt werden. Keine einzugehen, wird niemals ein sinnvolles und schönes Leben zulassen.

Vielleicht erinnern wir uns nicht an unsere Geburt. Es wäre sogar sehr ungewöhnlich, wenn wir uns daran erinnern würden, so erklären es Wissenschaftler. Aber wir können uns an bestimmte Szenen in unserem Leben erinnern die zeigen, wie wichtig das Risiko ist. Vielleicht unsere erste und einzige grosse Liebe. Das süsse Spiel, diesen Menschen für uns zu gewinnen. In Aussicht zu haben mit diesem Menschen verbunden zu sein führte dazu, dass wir das Risiko der Blamage und des Scheiterns auf uns genommen haben. Um eine Beziehung zu anderen Menschen aufzubauen, muss man etwas riskieren. Man muss mutig sein, denn man kann zurückgewiesen werden. Man kann ausgenutzt werden. Man kann missbraucht werden, wenn die Person wirklich boshaft ist. Das weiss man am Anfang alles nicht. Wäre ein Beipackzettel bei der Beziehung, keiner würde eine eingehen. Aber es gibt kein Beipackzettel, der uns abschreckt. Manche Risiken kennen wir auch so. Und doch, es sind diese braunen Augen, die uns in ihren Bann ziehen. Der Duft, die Magie eines ersten Moments. Das gute Gefühl von Nähe. Am Ende gehen wir dieses Risiko ein und hoffen belohnt zu werden. Und wir werden es.

Das Streben nach Glück – und sei es in Verbindung mit dem oder der Auserwählten –  birgt das Risiko einen grossen Scheiterns in sich. Riskiert man nicht genug, kann man nicht gewinnen. Riskiert man zu viel, kann man nur verlieren. 

 

Auch später in unserem Berufsleben wird es immer darum gehen Chancen und Risiken gegeneinander abzuwägen, selbst wenn wir Angestellte sind und zumindest wirtschaftlich wenig bis kein Risiko tragen. Gerade in Deutschland versuchen Menschen immer wieder einen Free Lunch zu bekommen, seien es Management Posten ohne persönliche Haftung oder das Paradebeispiel schlechthin, die Politik, in der man selten hart fällt. Mancher denkt auch an die Jahrzehnte des Beamtentums, in denen man früher selten etwas so falsch machen konnte, dass es persönliche Konsequenzen hatte. Auf Dauer funktioniert das natürlich alles nicht, denn je mehr Menschen in einem Land den Free Lunch haben, desto mehr wird die Gesellschaft träge mit den bekannten Folgen: Ein ganzes Land im Tiefschlaf des Müßiggangs. Alles andere lohnt nicht.

Das kann jeder an viel unstrittigeren Beispielen schon sehen. Nehmen wir nochmal das Beispiel mit den Kindern. Wachsen Kinder so auf, dass sie alles haben, ein Erbe in Aussicht, immer gepämpert mit Geschenken von Handy bis zum Auto, immer die finanzielle Rettung der Eltern ohne verpflichtende Rückzahlbarkeit in Aussicht, dann werden diese Kids nicht nur undankbar, sondern schier unfähig selbstständig zu leben. Ich hatte das Glück (man kann daraus lernen) oder das Pech (es ist unschön anzusehen) dies in den letzten Jahren mehrfach miterleben zu dürfen. Aus Kindern wurden Erwachsene. Manche waren schon Erwachsene, als ich sie kennen lernte. Verwöhnte, überhebliche, selbstherrliche und verschwenderische Menschen, unfähig andere zu verstehen oder auf sie einzugehen. Typische Sesselfurzermentalität, aber immer mit dem Zeigefinger. Jeder kennt solche Menschen. Das sind die “Free Lunches” unserer Gesellschaft. Und je mehr es davon gibt, desto träger und schwerfälliger wird eine Gesellschaft, desto weniger Innovation gibt es. Denn es ist ja alles toll wie es ist. Und wer alles hat, muss auch nichts riskieren. Nur ist das ein Trugschluss. Denn langfristig riskiert man dadurch seine eigene Agilität, die Fähigkeit Probleme zu lösen und innovativ zu sein. Und aus meiner ganz persönlichen Sicht und Erfahrung, werden viele dieser Menschen auch unzufrieden bis depressiv.

Alles schöne und gute in dieser Welt, alles große, bewundernswerte und wichtige wurde erreicht, indem jemand Risiken einging. Und für alle meine gläubigen Leser: War die Erschaffung der Welt nicht selbst ein Risiko? Mit Menschen darauf, die durch ihren freien Willen sich anders entscheiden als gewünscht und erhofft? Aber das nur als Nebengedanke heute.

 

 

Puppet businesspeople
Gehört Dein Leben Dir? Wer will, dass Du nichts riskierst und brav das Spiel mitspielst? Wer profitiert von unserem “Schlaf”?

Quelle: gettyimages/istockpictures

 

 

Der Default und die 1.000.000 Euro

Ich habe es im letzten Artikel schon angesprochen, den Default. Der Default ist der Ausfall eines Kreditrisikos. Wenn dieser eintritt, dann weiss man, es erfolgt wohl keine Rückzahlung des Geldes einer Anleihe. Manche Leser haben diese Erfahrung mit Solaranleihen und ähnlichen Papieren gemacht. Viele Deutsche Anleger lieben Anleihen, wegen dem festen Zins. Die Wahrscheinlichkeit, dass solche Papiere ausfallen wird von vielen als ähnlich unwahrscheinlich eingeschätzt, wie der Zusammenbruch einer Lebensversicherung. Und doch passiert das. Das Risiko ist natürlich nicht so hoch, wie wenn der City-Kebab Anleihen emittieren könnte. Und doch: Könnte er es, würde viele heute zuschlagen. Denn der “Zins” ist des Deutschen liebstes Finanzwort. Gleich danach kommt “Garantie” und die Wortzusammensetzung, genannt Satz: “Anzeige ist raus!”

 

Aber die Ausfallwahrscheinlichkeit von uns, wie sieht es damit aus?

Vor vielen Jahren haben Versicherer errechnet, dass ein durchschnittlicher Mensch in Deutschland einen Cashflow von einer Million Euro im Laufe seines Lebens erzeugt. Durchschnitt ist nicht der Median. Aber wir wollen diese Zahl mal so stehen lassen. Eine Million, 1.000.000 Euro. Wir können uns überlegen, wie so eine Zahl im Laufe eines Menschenlebens verteilt wird. Das ist eine wichtige Überlegung, denn sie ist ein Möglichkeit sein Leben bewusst zu durchdenken. Aber wir wollen erst kurz über die Ausfallwahrscheinlichkeit reden. Unsere. Sie beträgt zum Laufzeitende 100%. Es ist also absolut klar wie diese Reise enden wird oder anders: Keiner kommt hier lebend raus. Der Quran sagt: “Jede Seele wird den Tod schmecken (…) “ (3:185) Ich glaube das inzwischen auch. 🙂 Die Wahrscheinlichkeit liegt wohl bei 99,99%, trotz gegenteiliger Wünsche vieler.

Aber was machen wir mit den 1.000.000 Euro bis dahin? Viele würden sie sicher anders ausgeben, wenn sie von Anbeginn an zu Verfügung stehen würden. Man nimmt ein weisses Blatt Papier und schreibt gleich auf: Immobilienkredit mit Zinsen: 50% dieser Summe. Wenn es reicht. Dann schreibt man auf: Mobilfunkanbieter: 30.000,00 Euro. Kaffee morgens mit Muffin, 56.000,00 Euro. Was? Bei zehn Monaten jeden Werktag über 40 Jahre lang 7,00 Euro ausgeben ergibt das. Das ist schockierend, wie eine Leserin berichtete. Noch schockierender ist es, diese Zahlen alle von der Million abzuziehen. Das sind alles Summen, die risikolos ausgegeben werden. Damit wurden keine Chancen erweitert oder Optionen geschaffen. Selbst Lotto spielen würde durch diese Überlegung aufgewertet werden. Die eine Million wird oft falsch ausgegeben, weil sie nicht auf einmal zur Verfügung steht und auf der langen Zeitachse der Hebel verschwindet. Der Kaffee und der Muffin haben meinen Lebenscashflow um 5,6% vermindert. Geld ist konservierte Lebenszeit. Das wird oft erst am Ende einer langen Reise sichtbar.

So wie in gutem Wein nicht nur das Traubenextrakt vorhanden ist, sondern die Zeit und Sonne mit konserviert wird (und manche Lebensjahre des Winzers), so ist in diesen Geldscheinen Arbeitskraft und Zeit enthalten. Wer Wein trinkt, macht dies mal mit guten Freunden und geniesst diese konservierte Energie. Man gibt davon nur jemand ab, den man zu schätzen weiss. Seinen Freunden, seinen Gästen, geliebten Menschen. (wenn sie Wein trinken) Man gibt bewusst davon ab, das ist der Punkt.

Aber Geld, diese Verbriefung von Zeit, Arbeitskraft und Vertrauen werfen wir x-beliebig zum Fenster raus? Sogar fremdes Geld? Und das ohne, dass sich daraus eine Chance bietet? Anhand dieser ganzen gemachten Überlegungen wird deutlich, dass das größte Risiko ist, kein Risiko einzugehen. Diese Zahl, eine Million Euro, die schmilzt manchmal schneller dahin, als unsere Lebensjahre. Und was bleibt?

 

Senior Couple Walking Through Sand Dunes On Winter Beach
Was ist Leben? Sind 70 Jahre eine lange Zeit? Das kommt darauf an, wen man fragt.

Quelle: gettyimages/istockpictures

 

 

“Life is a risk and will result in death”

Sich das klar zu machen hilft ungemein etwas zu riskieren. Wir müssen nicht von 0 auf 100 schalten. Aber die berühmte deutsche Vollkaskomentalität ist auch nicht der Sinn des Lebens. Wie viel Freude macht es mit einem Auto zu fahren, bei dem die Handbremse immer angezogen ist? Ein Auto, was Anfangs noch sehr schnell fahren kann und dann im Laufe seiner Nutzungsdauer ohnehin älter und langsamer wird. Es gibt viele junge Menschen, die führen ein Leben, als wenn sie bereits 75 Jahre alt wären. Gerade an solche jungen Menschen möchte ich eine Überlegung richten: Was wollt ihr damit erreichen? Und ich meine damit jetzt nicht das Thema Finanzen alleine. Am Ende des Lebens steht der Default, der Tod. Ihr habt eine Million Euro zu verteilen. Vielleicht mehr, vielleicht weniger. Wie weit ihr im Leben kommt, hat nichts mit dieser Zahl zu tun. Nicht zwangsläufig zumindest. Es gibt Menschen, die verprassen das zehnfache davon in ihrem eigenen Kuhdorf mit Ablenkungen und Vergnügungen. Es gibt andere, die haben mit einem Hundertstel davon Unternehmen aufgebaut, tausenden Menschen geholfen und die Welt verändert.

Ich denke, diese Überlegungen helfen jedem. Aber wenn Du liebe Leserin oder lieber Leser zwischen 20 und 30 Jahren alt bist, was viele Leser sind, dann sind sie besonders an Dich gerichtet. Nach dem Studium oder der Ausbildung wirst Du irgendwo in diesem Alter sein. Ab da schreit die Gesellschaft nach Dir. Gründe eine Familie (schön, aber wirklich Dein Wunsch?) baue ein Haus, habe zwei Autos, setze zwei Kinder in die Welt und kaufe Dir einen Hund. Lebe ein Leben wie wir (wer ist das?) es Dir sagen und in der Werbung vorleben. Greife zu diesen eher risikolosen Zielen, es ist einfach. Es ist bequem. Es ist das was alle machen. Und was alle machen ist richtig. Es macht Dich glücklich.

Aber es ist ein Gefängnis. Es bringt Dich dazu zu schweigen. Es bringt Dich dazu, in einem Hamsterrad eingespannt zu sein und wird Deine Kraft und Zeit so lange und so viel kosten, bis Du keine mehr hast. Aber vorher wird Deine Phantasie verloren gehen. Deine inneren Wünsche werde durch materielle Wünsche ersetzt. Am Ende ist es bestenfalls das Leben in einem goldenen Käfig. Ach, ist der schön golden. Die Freiheit endet am Zaun des Nachbarn. Und geistig vielleicht schon weit vorher. Überprüfe doch diese These selbst: Dieses Gedankengut wird seit Jahrzehnten vermittelt. Wo sind die ganzen glücklichen Menschen, die das gelernt haben? Vielleicht haben sie sich ja nur versteckt. Vielleicht sind sie aber auch gute Kunden von Bayer und Ratiopharm.

 

Demut, Dankbarkeit und die Sesselfurzer

Das ist der Vorteil all derer, die mit weniger aufwachsen oder sogar nichts haben. Sie haben vor allem eines: Nichts zu verlieren. Sie müssen riskieren. Ein Beispiel werde ich euch in den Kommentaren verlinken. Wer nichts hat weiss, dass jede Stufe im Leben erkämpft werden muss und dass man dafür etwas riskieren muss. Ein Leben von der Stange im goldenen Käfig ist nicht wählbar. Zum Glück. Wer nichts hat, muss auch nicht auf Konventionen achten, auf Bedenkenträger, auf Sesselfurzer und andere, die noch nie etwas riskiert haben und anderen diese Freudlosigkeit auch verordnen wollen. Das ist kein Leben, das ist Vegetieren. Und so sehen die auch aus – lebende Tote. Denn wer etwas riskiert, fühlt sich am Leben. Er er ist nicht sediert durch Wohlstand und allerlei Ablenkungen, sondern hellwach. Jeder Rückschlag ist ein Weckruf. Jeder Verlust ein weiter geht’s. Never a failure, always a lesson. Egal um was es geht. Nie aufgeben zu lernen, nie aufgeben zu kämpfen, nie aufgeben zu riskieren. Wenn man schon fällt, dann vorwärts.

Risiken einzugehen ist das, was vielen Deutschen nicht im Blut steckt. Und bei denen es doch so ist, die wirken wie Papageien in einer grauen Betonwüste. Sie fallen auf. Manchmal werden sie denunziert und mit Spot belegt. Jeder der das erlebt weiss, jetzt erst recht. Und es stimmt. Das ist ein guter Indikator auf dem richtigen Weg zu sein. Es härtet auch ab, was ein netter Nebeneffekt davon ist. Aber die wirklich schöne Seite am Eingehen von Risiken ist, dass man dankbarer wird. Nicht nur für das selbst Erreichte, was man ohne Risiken nicht erreicht hätte. Man hätte es nicht erreicht, wenn man sich gefügt hätte oder auf “die Mehrheit” gehört hätte. Sondern weil man sich durchgesetzt hat. Man ist eigenverantwortlich, warum soll man nicht auch eigene Entscheidungen treffen?

Manchmal wird das dann als Hochmut interpretiert. Aber genau das Gegenteil passiert mit einem: Man wird demütig. Hochmütig sind die risikolosen Besserwisser und die Sesselfurzer, die ungefragt ihre destruktiven Bedenken zum Besten geben, wie eine Bremse am Wagen, der gerade erst ins Rollen kommt. Man wird durch das eingehen von Risiken demütiger, weil man auch scheitern wird. Weil es dazu gehört zu scheitern. Keinen Kampf gewinnt man, ohne selbst eine gebrochene Nase oder blaue Flecken zu haben. Aber man steht wieder auf. Durch Scheitern lernt man dazu. Man weiß, man muss immer lernen. Anders als die Sesselfurzer weiss man, dass es so ist. Sesselfurzer wissen schon alles und sind immer in ihren eigene Augen ganz toll. Aber man selbst wird demütig, weil fallen weh tut und man Kraft braucht wieder aufzustehen. Sesselfurzer stehen nicht wieder auf – sie sitzen die ganze Zeit. Das einzige was sich bei Ihnen bewegt, ist ihr Mund. Durch das Eingehen von Risiken wird man demütig, weil man nichts für selbstverständlich nimmt. Jeder verdiente Euro, jeder Errungenschaft, jedes Essen ist erkämpft, sozusagen mit dem Messer zwischen den Zähnen. Das Gefühl diese Dinge dann mal für einen Moment zu geniessen, das werden Sesselfurzer nie erfahren.

Aber wir können es erfahren. Das ist bewusstes Leben. Bewusstes Leben wird erst möglich, wenn nichts selbstverständlich ist, nicht mal die eigene Existenz. Es ist vielleicht das Gefühl, wie wenn Dir heute jemand eine Pistole an den Kopf hält und Du denkst, Du musst sterben. Es fühlt sich wie das Ende Deines Weges an, die kalte Waffe an Deinem Kopf. Stell Dir das bewusst vor. Der Stahl an Deiner Schläfe. Sie wird gespannt, der Hebel des Abzugs rastet mit zwei Klicks ein, die Patrone liegt im Lauf. Vielleicht geht es Dir wie mir und Du hast das mal in Deinem Leben unfreiwillig erlebt. Das wars also, denkst Du. Aber Du wirst diesen Tag überleben, nur weisst Du es noch nicht.

Am nächsten Morgen weisst Du es. Ein neuer Tag. Die Sonne geht auf. Du lebst. Wie fühlst Du Dich? Du bist wach.

Bereit Dein Leben jetzt zu beginnen?

 

 

Blackwater.live - menschliches Auge
Open your eyes!

 

 

 

“There is no passion to be found playing small – in settling for a life that is less than the one you you are capable of living.”

– Nelson Mandela

18 Kommentare zu „Gefürchtet und geliebt – Das Risiko (2)

  1. Cooler Artikel, und sehr treffend. Leider sind gerade unter den Älteren um die 50 viele Menschen zu finden, die einiges erreicht haben und dann allmählich bequem und sicherheitsorientiert wurden. Wer nichts zu verlieren hat, kann leichter Risiken eingehen, als Jemand, der schon viel erreicht hat.
    Umso wichtiger ist es, sich immer wieder einen Ruck zu geben und neue Risiken einzugehen. Und sei es nur, dass man etwas Neues ausprobiert, das man noch nie gemacht hat.

  2. Ich weiß nicht, die Kernaussage des Artikels finde ich gut (trau dich! geh Risiken ein!) Aber insgesamt wirkt er mir zu reißerisch und an vielen Stellen ehrlich gesagt selbst “sesselfurzerisch” 😉 In dem Sinne, dass er von der Seitenlinie her das Verhalten vieler Menschen pauschalisiert und kritisiert. Der Gedanke, dass die eher klassischen konservativen Ziele nicht deine eigenen sein müssen, finde ich schon relevant (gründe eine Familie, bau ein Haus). Aber ich weiß nicht, ob die wirklich so risikolos sind, wie dargestellt. hm.

    Solche Ziele müssen andere Ziele nicht ausschließen, auch wenn sie oft im Konflikt stehen werden. (Eine Familiengründung wird oft in einem gewissen Konflikt mit Karriere- und Innovationszielen stehen). Aber das macht das eine Ziel nicht besser oder schlechter als das andere. Mir ist der Artikel da zu schwarz/weiß, aber er ist wohl absichtlich auch reißerischer. Ich finde das Leben ist aber oft bunter als dargestellt.

    1. Das Leben ist bunter als Black darstellt, aber wenn man so schreibt fehlt der “call-to-action”. Tuttifrutti-bunt akzeptiert ja alles und jeden. Dann gibt es keine Gründe mehr für Änderungen, da alle individuell, anders, alternativ sind. Black’s Frage, ob diese Leute auch glücklich sind, finde ich genial. Die Pharmabranche boomt….

  3. Guter Beitrag. Ich sehe die Risiken, wenn man die klassischen Extremfehler an den Märkten mal ausblendet, auch darin, Dinge nicht zu tun, denn das bereut man meist mehr, als mal einen Fehler zu machen, aus dem man etwas lernt. Letztlich sind unsere Zeit und Energie begrenzt, dessen muss sich jeder bewusst sein. Habe dazu abseits meines eigentlichen Finanzblogs auch mal einen Beitrag geschrieben, vielleicht ist das eine ergänzende Inspiration dazu: https://www.bike-run-fun.de/die-zwei-wichtigsten-dinge-im-leben/

  4. Richtig guter Text!

    Und es ist auch gut, dass er sehr vielen Lesern ein wenig wehtut.
    Eben damit wir alle daran erinnert werden,: “Das Spiel des Lebens nicht zu klein zu spielen!” und in jedem Lebensabschnitt auch einmal etwas zu risikieren.
    Das kann ja für einen Mittfünfziger von mir aus auch die erstmalige Anlage in einem passiven Aktien ETF sein oder das Amelden beim Tanzkurs um neue Menschen kennen zu lernen.

    Alles besser, als mit ausgebeulten Trainingsanzug vor dem Kiosk über die Ungerechtigkeit des Lebens zu sinnieren 😉 .

    Schönen Tag!

  5. Meistens bin ich ja bei Dir, doch dieses mal bin ich geneigt dir in manchen Punkten zu widersprechen. Wer Kinder hat und so wie in meinem Fall auch noch 3 davon, der denkt über gewisse Risiken anders. Nach meinen “risikoreichen” Kinder-, Jugend- und Studentenjahren (ich komme quasi aus der Gosse) möchte ich nun in meinem Leben die Ruhe haben um mich um meine Familie zu kümmern, auch mit Eigenheim auf dem Dorf. Da gilt es für mich erst einmal die Sicherheit für meine Familie zu garantieren. Zudem ist ein Hausbau/kauf mit einem hohen Immobilienkredit ja sehr wohl auch ein Risiko, da man nicht weiß was in 10 Jahren ist. Es ist genauso eine Wette auf die Zukunft, bei der man grandios Scheitern kann.

    Du machst es Dir leider etwas zu leicht, das Verlangen vieler Deutscher nach Sicherheit zu verreißen und mich und meinesgleichen als Sesselfurzer zu verunglimpfen. Ich sehe das nicht tragisch, da ich Dir zutraue, dass du es nicht böse meinst und es einfach an der kürze des Artikels liegt. Die Betrachtung empfinde ich als etwas zu indifferent. Es muss nämlich auch nicht zwangsläufig so sein, dass Kinder, die in einem “Sesselfurzer”-Haushalt heranwachsen, auch als arrogante Arschlöcher das Haus verlassen. Ich kenne da sehr viele Beispiele in meinem Bekanntenkreis, wo das nicht so ist – natürlich kenne ich auch die von dir geschilderten Fälle.

    Ich sehe das Problem vieler Deutscher weniger in der Risikobereitschaft an sich, sondern in der Inflexibilität sich auch auf moderne Herangehensweisen einzulassen. Dinge werden zu wenig in Frage gestellt und man sieht gerade im technologischen Bereich wohin das führen kann: Bei der Elektromobilität, dem Breitbandausbau und der digitalen Verwaltung hinkt Deutschland massiv hinterher. Das zieht sich natürlich auch in den Bereich der persönlichen Finanzen und da stimme ich Dir wiederum sehr gerne zu. Ich halte jedoch modernes Banking bzw. Finanzen, moderne Lebensweise und auch eine gewisse Risikobereitschaft sehr gut mit dem Lebensentwurf eines spießigen “Sesselfuzers” mit Eigenheim, Hochzeit, 3 Kinder und Dorfleben für sehr gut vereinbar 😉.

    1. Natürlich ist der Artikel einfach und spitz. Die grosse Herausforderung beim übermitteln einer Botschaft ist immer sie so zu formulieren, dass sie Reaktionen erzeugt. In den meisten Fällen Nachdenken. Würde man Blogartikel so ausgewogen und angepasst schreiben, dass sie gar keine Widersprüche, Ecken und Kanten hätten, dann wären sie weichgespült und völlig uninteressant. Aber in einem Artikel versuche ich oft ja auf einen bestimmten Punkt aufmerksam zu machen. Und die Herausarbeitung eines Punktes alleine beinhaltet natürlich auch nur den einen Blickwinkel – für den Moment zumindest.

      Bei dem beschriebenen Lebensentwurf gibt es auch all die Menschen, die sich genau das und nichts anderes wünschen. Damit werden sie noch nicht automatisch zum Sesselfurzer. Denn der „Sesselfurzer“ zeichnet sich zusätzlich durch die moralische Zeigefingermentalität aus. Er akzeptiert nur dieses Leben – für sich UND alle anderen. 🙂 Daher schickt er auch gerne Anzeigen raus. 🙂 (es gibt dazu einen Song, einfach mal bei YouTube eingeben – ein Lachen zum Wochenende garantiert)

      Es ist an der Stelle wirklich wichtig zu sehen, dass ein klassisch-normales Leben nicht automatisch Sesselfurzer bedeutet, sondern erst in Verbindung mit dem Sendungsbewusstsein und dem Überlegenheitsgehabe.

      Aber es gibt auch viele Menschen, die einfach dem Herdentrieb nachlaufen. Denn aus den Träumen und Zielen von vielen jungen Leuten wird einfach ein ganz gewöhnliches Leben. Das finde ich schade und das war auch einer meiner Gedanken bei diesem Artikel. Wann und warum lösen sich diese Träume alle in Luft auf? Ich denke schon, dass in unserer Gesellschaft zu wenig Mut und unternehmerisches Handeln vermittelt wird, sondern eher das Sicherheitsdenken. Die nächsten Jahre wird es aber sehr wichtig sein, mehr Mut zu wagen.

  6. Ein guter Artikel, wie meistens bei dir. Aber egal was du schreibst, German Angst ist die Volksseele. Wikipedia sagt treffend:

    Mit den komplementären Stereotypen German Angst (englisch, etwa: „typisch deutsche Zögerlichkeit“) und German assertiveness (etwa: „typisch deutsche Überheblichkeit“) werden als charakteristisch empfundene, gesellschaftliche und politische, kollektive Verhaltensweisen der Deutschen bezeichnet.

    Kollektive Verhaltensweise. Der Deutsche ist ängstlich, oft überfordert mit Änderungen und Neuerungen.

    Für den Stereotyp German Angst können folgende Beispiele angeführt werden: Die zurückhaltende Außen- und Sicherheitspolitik Deutschlands nach der Wiedervereinigung, insbesondere in Bezug auf den zweiten Golfkrieg. Ebenso war die immer wiederkehrende, intensive Reaktion auf Ereignisse in den deutschen Medien ein Beispiel der „German Angst“. Populäre Anlässe hierfür konnten etwa die Flüchtlingskrise in Deutschland ab 2015, Google Street View (dessen Erweiterung in Deutschland als einzigem Land eingestellt wurde), die Vogelgrippe H5N1, BSE, die Risiken der Kernkraftwerke sowie die auswuchernde Angst vor dem Weltuntergang bzw. der Apokalypse durch den Klimawandel oder das Tōhoku-Erdbeben 2011 sein.[2]

    Mir fallen noch mehr Beispiele ein: Bargeld: Böse. 5G Mobilfunk: Böse. Weltuntergang: Hattest du hier schon, stehen viele einfach drauf. Von Sekte bis Klimawandel. Neue böse Dinge werden in naher Zukunft dazu kommen: Auto mit Benzinmotor: Böse. (Job weg: doof), Anti-Merkel: Ganz böse. Ohne Maske bei Maskenpflicht: Böse. Oder wie du schreibst: Anzeige ist raus!

    Also Black, ich finde deinen Blog herausragend aus der Szene. Oder wie die jüngeren hier sagen würden: Megageil.

    Aber auch dieser Artikel wird verhallen. Du wachen immer erst auf, wenn es zu spät ist. Manchmal muss dazu alles in Schutt und Asche liegen. Nichts für ungut.

  7. BWM😂😂😂😂 ich kenne diese Typen auch, Sesselfurzer😂😂😂😂😂😂😂

    Hören Sie bitte Frau Yxxxxx, obacht! Das ist hochbedenklich, öhm, öhm. uuuuund natürlich @Aynur „Anzeige ist raus, Sie werden angezeigt“ Ich feier dich, das war soooooooo original. 😂😂😂😃😃 Und ich dachte schon fast nur mir kommen die komisch vor, 110%Kartoffel. Ok, ok, meine Freundinnen sehen das auch so und können da Geschichten erzählen ohne Ende. Ich glaube was bei uns Turks der Dönermann ist, ist bei den Deutschen der „Anzeige ist raus Mann.“ Immer alles etwas übertrieben, aber es gibt so typische TRs und typische D. Und irgendwie ist das zum lachen. Ah noch was, wer mag braune Augen? 😉 Die erste grosse Liebe muss welche gehabt haben.😉

    Mega Artikel!!!!!

  8. Sehr gut geschrieben. Aber ich würde „mehr wagen“ nicht nur jüngeren Personen empfehlen. Auch wir „Ältere“ müssen mehr wagen und offener sein, damit wir nicht zu den Sesselsitzern werden. Wie sagte man: Wer rastet der rostet.

    Gratulation zu diesem spitzen und motivierenden Artikel!

  9. „Sesselfurzer“ – das Wort kannte ich noch nicht😂 Aber da ist wirklich etwas dran. Und an „Anzeige ist raus“ auch. Letztens wurde mir damit gedroht. Weil ich kurz geparkt habe um die Wocheneinkäufe auszuladen. Mit Kind. Vor meiner Haustür. Eine ruhige kleine Strasse. Kein Halteverbot etc. Erst wurde beobachtet, dann kam ein bebrillter Mittfünfziger. Ob er seinen Zeigefinger erhob, weiss ich nicht mehr. Aber natürlich: Belehrung und … „Trommelwirbel“ : „Anzeige ist raus.“ Er hat meine Klingel und das Auto mit seinem Smartphone aufgenommen.

    Meine Antwort: Ich bin Anwältin, schicken Sie mal Ihre Anzeige. Ich freue mich schon auf die inhaltliche Begründung. Und über ihre Aufnahmen unterhalten wir uns dann bei der Gelegenheit auch noch mal.

    Er zog schnaubend seines Weges. Meine Vermutung: Aufmerksamkeitsdefizit.

  10. Du kannst schreiben! Mach weiter so! Das ist für mich eine Inspiration. Du treibst mich an mit deinen Botschaften! Ich weiss nicht wie du auf solche Gedanken kommst, aber es ist sehr heftig. Weil es wahr ist.

    1. Die Geschichte von dem Alibaba Typ kannte ich auch noch nicht. Mir wird immer deutlicher klar, dass es sehr viel Willensstärke braucht um erfolgreich zu sein. Danke für Artikel & Video.

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