It pays to know where you are on the bigger picture

Black Swan, ein schwarzer Schwan ist vor mehreren hundert Jahren zu einem Synonym für seltene Ereignisse geworden. Denn schwarze Schwäne waren in Europa bis 1697 gänzlich unbekannt. Erst in dem besagten Jahr, wurden schwarze Schwäne in Westaustralien entdeckt.

Seit man entdeckte, von dem man dachte es gibt es nicht, gilt das Bild vom „schwarzen Schwan“ als gänzlich unerwartetes Ereignis. Der Satiriker Juvenal griff dieses Bild dann erstmal literarisch auf. In den Satiren VI, 161 nennt er eine treue Ehefrau rara avis in terris, nigroque simillima cygno (ein seltener Vogel in allen Ländern, am ähnlichsten einem schwarzen Schwan).

Später griffen auch andere dieses Bild auf. Eines der bekanntesten Werke über Schwarze Schwäne ist von dem ehemaligen Optionshändler Nassim Nicholas Taleb: Der Schwarze Schwan: Die Macht höchst unwahrscheinlicher Ereignisse. Das Werk konzentriert sich auf die extremen Auswirkungen seltener und unvorhersehbarer Ausreißerereignisse (die er „black swan“ nannte) – und auf die Tendenz des Menschen, nachträglich vereinfachende Erklärungen für diese Ereignisse zu finden. Taleb nennt dies die Black Swan-Theorie.

Abgeleitet davon ist in der Erkenntnistheorie das Induktionsproblem, auch: Humesches Problem oder Hume-Problem. Es ist ein Grundproblem der Erkenntnistheorie. Es bezieht sich auf die Frage, ob und wann ein Schluss durch Induktion von Einzelfällen auf ein allgemeingültiges Gesetz zulässig ist. Es wurde erstmals um 1740 von David Hume angesprochen.

Obwohl das Induktionsproblem im Empirismus formuliert wurde, ist es ein Problem aller Philosophien oder Wissenschaften, die Induktionsschlüsse als Beweisverfahren zulassen. “Die Hypothese muss anhand ihrer Folgerungen überprüfbar sein; wird sie überprüft, ist sie dadurch dann je nach Ergebnis entweder bewiesen bzw. verifiziert oder aber widerlegt.” Und “Egal wie ausgeklügelt und belegt eine Theorie auch sein mag: Es ist immer möglich, das sie sich als falsch herausstellt.” (… Karl Popper)

Und da sind wir fast schon beim Thema, nach einem doch längeren Abspann. Man könnte sagen, dass Black Swan ein zentraler Eckpfeiler der Existenz von dieser Webseite ist, denn wenn wir nicht gerade über ein Fintech schreiben, bewegen wir uns immer im potentiellen Nebel der Black Swan Ereignisse und dem ein oder anderen dürfte das spätestens jetzt klar werden. Das ist die Essenz von Blackwater.live.

Ziehen wir doch einmal unsere Themen heran: Egal ob es eine Strategie oder die Existenz einer höheren Macht wie die eines Schöpfers ist, auch wenn scheinbar alles dagegen spricht, die Gegenargumente noch so gut sind, die Theorie noch so sehr etwas anderes behauptet, wir sind nur einen “Black Swan” von dem völligen Zusammenbruch dieser Gegenargumente entfernt. Nur ein schwarzer Schwan und es ist ein Treffer, dann aber ein totaler. Das scheinen ja nun teilweise auch andere Blogs zumindest bei den Finanzen zu erkennen – meinen Glückwunsch dazu! 😉 Manche Erkenntnisse brauchen Zeit.

Ein Grund für viele Blackwater Artikel ist die Absurdität mancher menschlicher Schlussfolgerungen, bei denen der Vater des Gedanken wohl eher “nein, nein, nein, das kann nicht sein” zu sein scheint. Beispielsweise würde heute kein Mensch vor einem wunderschönen Haus stehen und sagen, “das hat der Zufall aber toll gemacht. Schau mal, wie die Steine, Wasser- und Elektroleitungen und der Internetanschluss sich im Laufe von Jahrmillionen zu diesem Haus zusammengefügt haben.” Im Übrigen, kennen wir ein Beispiel aus unserer Welt, in dem lange Zeit zu mehr Ordnung führt? Zum Beispiel wenn man ein Haus 100 Jahre lang unbewohnt stehen lässt? Alles tendiert sich selbst überlassen zu Chaos und nicht zu Ordnung und im Gegensatz zu Vermutungen, kann das jeder beobachten.

Aber Menschen bringen es fertig und “stehen” vor dem Universum und sagen, welch ein Zufall. Diese Gewaltigkeit, auf Sekunden und Zentimeter abgestimmt, toll wie das alles entstanden ist. Dann sehen sie einen kleinen Vogel, sagen wir eine Blaumeise. Sie sehen die Schönheit, in der auf winzigsten Raum ein kleines Herzchen schlägt, in der ein Gehirn mit einer unvorstellbaren Rechenleistung vorhanden ist, um all die Flugmanöver in Bruchteilen einer Sekunde auszuführen, die so eine Blaumeise machen kann und sie sagen, es wäre Evolution. Menschen bekommen ein Baby und sind unendlich dankbar für dieses neue kleine Leben, für das niemand einen Preis zu nennen wagen würde und halten es für eine Laune der Natur. Und am Ende ihres Lebens liegen sie auf dem Sterbebett und beten doch um Vergebung, klammernd an jedes Sekündchen von Restleben, dass sie als Zufall deklarierten und das sie doch so gerne um jeden Preis verlängern würden.

Menschliches Leben ist so widersprüchlich, bis in das Groteske hinein.

Aber wenden wir uns heute nach diesem Schwenk in das Metaphysische eher etwas praktischen zu.

Was wäre wenn…?

Richtig und falsch unterscheidet sich sich nicht dadurch, was alle darüber denken. Hier gilt eher: Wo alle das selbe denken, denkt niemand besonders viel. Und die menschliche Geschichte ist ein ganz guter Beleg dafür.

„The language of God is silence, all else is poor translation“ – Rumi

…wir doch nicht alleine sind?

…das Leben doch kein Zufall ist?

…unsere Existenz doch einen Grund hat?

Black Swan – unser Leben

Unser ganzes Leben ist von Black Swan Ereignissen überschattet. Im Positiven mag das die Liebe unseres Lebens sein, die wir eines Tages treffen und fortan glücklich mit ihr oder ihm leben. Oder ein sehr glücklicher Zufall führt dazu, dass wir einen Job bekommen, von dem wir es nie gedacht hätten. Noch viel seltener wird sein, wenn jemand im Lotto gewinnt. Aber auch das gibt es. Oder wir machen eine entscheidende Erfahrung im Leben und sich plötzlich “wach”, ändern unser ganzes Leben und sind sehr viel glücklicher und zufriedener. Das sind alles eher seltenere Ereignisse, die meist nur ein mal im Leben vorkommen. Wenn überhaupt.

Dann gibt es natürlich auch Ereignisse, die uns ängstigen. Ein Blitzeinschlag trifft uns, während wir spazieren gehen. Bei uns wird eine schwere Krankheit diagnostiziert. Vielleicht werden wir den Rest des Lebens im Rollstuhl sein, nicht mehr sehen können oder schon in wenigen Monaten sterben. Dass so etwas passiert, ist nicht sehr wahrscheinlich, aber möglich. Ein Black Swan Ereignis. Im Gegensatz zu der Entdeckung des ersten schwarzen Schwans, allerdings auch nicht so unwahrscheinlich, auch wenn die meisten Menschen das für sich kategorisch ausschliessen würden oder zumindest verdrängen.

Abseits von dem Thema Gesundheit, könnte es einen Börsencrash geben und die Träume von Millionen von angehenden Frührentnern der Finanzbloggerei lösen sich in Luft auf. Unser Vermögen könnte vernichtet werden und die bisherige Hypothese von langfristig dauernd steigenden Märkten löst sich in Luft auf. Ist das denn möglich?

Gibt es Schwarze Schwäne, fragte man sich einst in Europa vor 300 Jahren. Und hätte jemand gesagt es gibt sie, so hätte man laut gelacht. “Wie kann man denn so etwas behaupten? Es ist doch wissenschaftlich erwiesen, dass es sie nicht gibt. Es wurden Studien und Bücher darüber geschrieben. Wie kann man denn eine solche Ansicht vertreten, so viele schlaue Köpfe können doch nicht irren?”

Lächerlich sind bislang unwahrscheinliche Dinge immer, ehe sie gewusst werden.

Was wäre wenn…?

Man denkt immer, es kann einen nicht treffen. Bis es einen trifft…

 “Wiederum sah ich unter der Sonne: Nicht die Schnellen gewinnen den Wettlauf und nicht die Helden den Kampf, auch nicht die Weisen das Brot und nicht die Verständigen Reichtum und die Einsichtigen Gunst. Denn Zeit und Zufall treffen sie alle. 12 Auch kennt der Mensch nicht seine Zeit: Wie die Fische, die ins tückische Netz geraten, wie die Vögel, die gefangen werden, so werden die Menschen verstrickt zur Zeit des Unglücks, wenn es sie plötzlich überfällt.

Prediger 9:11, 12 Zürcher Bibel

… wenn die Welt sich über Nacht ändert?

…wenn wir plötzlich schwer krank werden?

…unser Leben früh endet?

Black Swan – was tun?

„Intellect takes you to the door, but it doesn‘t take you into the house.“

– Shams Tabrizi

Black Swan ist etwas, was wir als Warnung sehen sollten. Und das in allen Bereichen des Lebens. Was aber oft nicht so einfach ist, ist die Konsequenzen daraus zu ziehen, je nachdem wie wir sozialisiert sind und wie bequem wir es uns im Leben gemacht haben.

Fakt ist, dass wenn ein Black Swan Ereignis eintritt, die meisten Menschen dann sagen, “ach hätte ich nur”. Aber hätten sie es wirklich? Und warum haben sie nicht?

“Ach hätte ich nur mehr Zeit gehabt.” Und dann, was hättest Du damit getan?

Ach hätte ich nur mehr Zeit mit meine Familie verbracht, ach hätte ich nur mehr auf meine Gesundheit geachtet, ach hätte ich nur die Verantwortung für mein Leben übernommen, ach hätte ich mich nicht immer von anderen beeinflussen lassen…”

Die “ach’s” können unendlich viele werden, aber das Leben hier ist nicht unendlich und ich bin überzeugt, es ist kein Spiel.

Das Problem ist nur, dass wenn wir an dem “ach” – Punkt sind, uns keiner mehr zuhört. Wir haben niemand, dem wir das alles in die Schuhe schieben können. Und selbst wenn wir jemanden ein ganzes verpfuschtes Leben zu Last legen würden, was würde es ändern? Am Ende trägt jeder seine Last, egal ob man sich diese selbst aufgeladen hat oder jemand anders daran beteiligt war.

Black Swan Ereignisse sollten uns dankbar machen. Die positiven, für die schönen Zufälle im Leben. Die mögliche Existenz negativer Black Swan Ereignisse sollte uns bedächtig machen. Leben wir unser Leben nicht wie eine Grillparty, auf der lachende und oberflächliche Gäste alle nur über Autos, Urlaub, Job und Fussball reden. Leben wir unser Leben wie eine Grillparty, auf der besondere Menschen eingeladen sind, denkende Menschen mit Tiefgang. Eine Grillparty, an der man spät nachts um das Feuer sitzt und sich über das Leben unterhält, in den Sternenhimmel blickt und einfach nur weiss, dass wir vieles nicht wissen. Und das ist ok so, solange wir neugierig, demütig und gespannt bleiben, solange wir nicht abgeklärt und altklug sind, sondern offen für neues. Wie kleine Kinder.

Kleine Kinder freuen sich an banalen Dingen wie rumrennen oder Fahrrad fahren, an einem Lieblingsessen und wenn es noch so einfach wie Spaghetti mit Tomatensauce ist. Sie haben noch sehr wenig von dem oft einengenden Wertecodex und der Sozialisierung der heutigen Gesellschaft erfahren, die später ihr Leben mehr begrenzen als beschützen wird, die ihnen Phantasie nehmen und gegen Regelwerke ersetzen wird.

Als Erwachsene haben wir heute den Vorteil, dass wir mehr Möglichkeiten haben, als es Kinder haben. Wir können die Welt entdecken. Unsere Hindernisse sind fast immer die in unserem Denken. Und diese sind so lange da, solange wir es zulassen, solange wir uns davon beherrschen lassen, egal ob es Ängste oder Begierden sind.

Denn in Wirklichkeit haben die meisten von uns eine Wahl. Warum muss erst ein Black Swan Ereignis eintreten, bevor wir das erkennen und in der Konsequenz auch begreifen?

Wir haben die Wahl unser Leben zu ändern, wir haben die Wahl anders zu denken, wir haben die Wahl morgen alles anders zu machen, die Wahl ein neues Leben anzufangen, die Wahl einen anderen Blick auf unsere Mitmenschen und diese Welt zu haben. Wir haben die Wahl uns weniger von der Masse beeinflussen zu lassen, die Wahl mit was wir unser Denken füttern, die Wahl in unserem Leben die richtigen Prioritäten zu setzen.

Wir haben die Wahl aus unserem Leben das Beste zu machen und zufrieden und glücklich die Augen zu schliessen, wenn es vorbei ist.

“The information you have is not the information you want. The information you want is not the information you need. The information you need is not the information you can obtain. The information you can obtain costs more than you want to pay.”

Peter L. Bernstein, Against the Gods: The Remarkable Story of Risk.

13 Kommentare zu „Black Swan

  1. Das Leben ist kurz und der eigene Tod wird von vielen Menschen verdrängt. Dies ist ein reiner Schutzmechanismus. Die Ängste sich damit auseinander zu setzen können so gewaltig sein, dass man in Depressionen verfällt. Meiner Schwägerin ist das vor einigen Jahren passiert und seit dem ist sie auf Antidepressiva. Sie ist 63 Jahre alt.

    Hut ab vor allen, die mit diesem Thema zurecht kommen. Religion kann sicher ein Anker dafür sein.

  2. Ein schöner Artikel aus deiner Feder. Die Abwechslung auf der Seite gefällt mir sehr gut und macht BlackwaterL zu etwas ganz besonderen. LG SM

  3. Vielen Dank für eure wunderbaren Artikel! Die sind sehr gut geschrieben, treffen den Nagel auf den Kopf und bringen zum Nachdenken! Ich empfehle euch immer gerne weiter.

  4. wtf egal was auf eurer Seite neues kommt, Martin muss immer Artikel schreiben. Muss einfach! Einfach mega wie gut die geschrieben sind. Das Titelbild finde ich auch geil. Jemand anders hätte einfach ein Schwan gewählt.😂😂😂😂 Ich melde mich dieses We mal in eurem Forum an. cu

  5. Ich schätze diesen Artikel sehr und würde vorschlagen ihn für alle Schulabgängerklassen zur Pflichtlektüre zu machen. Sehr schön. Danke.

  6. Was soll ich groß sagen???? Einfach nur ein toller Beitrag, welcher meine Gedanken sehr lange beschäftigen wird. Danke dafür.

  7. Auch oder gerade weil sich die Kommentare in die Community verlagert haben, nutze ich den gewonnenen Platz hier, um ein Lob für diesen neuerlich sehr guten Artikel auszusprechen. Die Länge finde ich im Vergleich zu den Riesenartikeln sehr angenehm.

    Beste Grüße und ein schönes Wochenende!

Was denkst Du darüber?