“Liebe braucht keine Logik, sie braucht Opfer.”

– von unbekannt (auch wenn gerne anders behauptet)

“It is no measure of health to be well adjusted to a profoundly sick society.”

– Jiddu Krishnamurti

Glück und Geld, Wohlstand zu Zufriedenheit scheint eine seltene Spezies auf diesem Planeten zu sein. Grotesk auch die ungleiche Verteilung – nicht nur von Geld. Vor allem von Glück. Denn hier scheint es ein sehr widersprüchliches Muster zu geben, welches zudem selten hinerfragt wird. Und wird es hinterfragt, werden selten die Konsequenzen gezogen.

Kommen wir zu einigen gemischten Schlagzeilen, neudeutsch Headlines, zu dieser interessanten Thematik. Momentaufnahmen einer gesättigten Gesellschaft, deren Hauptfokus eigentlich auf Zufriedenheitsmaximierung, “Fun” und dem Nachgehen jeglicher Wünsche liegt. Dazu noch eines der Länder mit dem höchsten Wohlstand weltweit. Also ein absolutes Glücksrezept. Wir sollten Spass haben, yeah!

Die Headlines:

Paare aus dem Freundeskreis haben uns finanziell überholt, die Frau macht nun Terror: Eine herzzerreißende Geschichte, wie die eigene Ehefrau mit dem Lebensstandard nicht mehr klar kommt, weil “die anderen” (die anderen ist ein beliebtes deutsches Thema) mehr finanzielle Möglichkeiten haben. Eigentlich war sie wohl mit Ikea zufrieden, aber wenn die Freunde Hülsta haben…

“Haus-Neid” – ein Freundeskreis zerbricht. Weil ein Pärchen etwas Glück mit der eigenen Immobilie hatte, das Männchen aber nur einen Bachelor Abschluss hat und auch sonst niemand vermutete, dass die beiden doch ganz gut verdienen, distanziert sich wegen dem Immobilienglück der Freundeskreis plötzlich. Zitat: “Alle sind plötzlich tierisch angepisst.” “Wir werden angefeindet.” “Wir trauen uns im Freundeskreis nicht mehr über Geld zu sprechen”.

Kerstin schreibt: “Ich sehe eigentlich keinen Sinn mehr im Leben. Vielleicht kann mir mal jemand erklären, warum ich noch leben soll? Ich hasse mich selbst wenn ich sehe wie glücklich andere sind. Ich frage mich, ob ich zum Psychologen gehen sollte oder Tabletten brauche?”

Carsten hat seine Freundin an einen anderen verloren, weil er nicht “genug Kohle nach Hause bringt.” Die uneheliche Tochter ist lesbisch, damit kommt er nicht klar. Aber wie seine Eltern positiv konstatieren, kann sie immerhin nicht schwanger werden. Das ist mal pragmatisch. Sie will nun ausziehen. Weil er dann alleine ist, fühlt er sich depressiv.

Jochen K. ist in einer Untergangssekte aktiv und sammelt Uhren. Finanziell ist er wohlhabend, daher kann er sich jede Woche eine neue Uhr im Wert eines Kleinwagens kaufen. Seine wahre Liebe und Frau aus Afrika hat meistens Kopfschmerzen, brennt aber dann mit dem etwas jüngeren Sven aus dem Nachbardorf durch, der an seiner inzwischen älter gewordenen Frau keinen Spass mehr findet. Die ist mit Wundermittelchen und Lebensberatungen verkaufen beschäftigt.

Jenny hat drei kleine Mädchen und einen selbstständigen Mann, der voll für die Familie sorgt. Sie nörgelt dauernd an ihm rum, dass er “nie Zeit hat”. Da sie ein richtiges Instababe ist, gibt es natürlich Alternativen um den Spass zu optimieren und mehr Aufmerksamkeit zu erlangen. Und so kommt es. Ehe im Eimer, Kinder allein. Aber klar, auch eine Mutter hat recht auf Spass. Warum wollte sie eigentlich Kinder?

Die 16 jährige Lina scheibt: “Meine Eltern arbeiten nur noch und ich bin für sie wie Luft. Unser ganzes Haus steht voll mit Geräten, aber ich will einfach nur meine Eltern haben. Ich bin so unglücklich.”

Und zu guter letzt schreibt Hans K: “Ich habe die Wahrheit gefunden. Die XYZ sind so nett und haben die Leitung durch Gott. Dafür spende ich gerne mein Geld und verbringe meine Zeit mit der Mitgliederanwerbung. Die Leitung ist der Kanal Gottes, das ist die Erleuchtung!” (Gegenteilige Fakten sind natürlich Lügen, Anmerkung des Autors)

Gemessen an solchen Kommentaren, fühlt man sich doch gleich viel wohler im besten Deutschland aller Zeiten. Solche Berichte gibt es massenweise auf allen möglichen Plattformen im Internet zu lesen und wäre es nicht echt, würde man es für einen schlechten Scherz halten. Denn eigentlich müsste das Land in einem Glückszustand der Zufriedenheit schweben.

Ist das eine Wertefrage?

Sind diese vorgeschlagenen Suchbegriffe Substitute für “wie wird man glücklich?”

Menschen sind auf der Suche nach Glück, Zufriedenheit und Spass. Oder nach Liebe. Dazu kommt der Neid auf andere, denen es vermeintlich besser geht, weil die die Instagram-Kultur eine Fake Welt produziert, deren zweifelhafter Schein noch mehr Unglück produziert, meistens in Form von Neid oder Sozialneid, um genauer zu sein.

Psychologen, die sich mit dem Thema Glück beschäftigen sagten bereits vor vielen Jahren, dass es beim Neid nur sekundär um den Neid auf das Geld oder die materiellen Dinge des anderen geht. Vielmehr geht es um dessen vermeintliches Glück, was er durch diese Dinge hat. Aber hat er oder sie mehr Glücksgefühle?

“Entsteht durch die vermeintlichen Glücksgefühle des anderen” – Neid und Sozialneid ist die systematische Vergiftung des eigenen Glücks durch negative Gedanken.
Welche Gefühle Geld – vor allem das Geld in den Händen anderer – bei uns auslösen, hängt viel damit zusammen wie wir aufgewachsen sind, von unserer Sozialisierung und wie dankbar wir für das sind, was wir haben.
Warum ist menschliches Glück scheinbar so flüchtig?

Modernes Unglücklichsein

Das moderne Unglücklichsein ist wirklich einzigartig, da es sich aus ganz anderen Quellen nährt, als es in der Vergangenheit der Fall war.

Ganz gut lässt sich dieser Fakt durch das Glücks-Einkommen-Paradoxon oder Easterlin-Paradox erklären und aufzeigen.

Wissenschaftliche Studien rund um den Globus zeigen, dass mit steigenden Einkommen und damit mit der Möglichkeit zu mehr Konsum und höherem Lebensstandard nicht mehr Glück verbunden ist. Das ist umso erstaunlicher, als dass die Medien weltweit den Menschen etwas anderes vermitteln, sogar die westliche Welt dem “Rest” ihr Glückskonzept verkauft hat und wurde es nicht freiwillig angenommen, nunja, wir kennen die Geschichte.

Was das Thema Glück und Wohlstand angeht, zeigt sich ein deutlich dunkles Bild, nämlich dass sobald die Grundbedürfnisse abgedeckt sind, das Glück vom selbst wahrgenommenen sozialen Rang und relativen Status eng korreliert ist. In anderen Worten: Wie reich ist man im Vergleich zu anderen.

Das ist der Grund, warum ein Millionär trotz all seines Reichtums unglücklich sein kann, wenn sein soziales Umfeld mit lauter Multimillionären gefüllt ist. Und warum ein Multimillionär unglücklich sein kann, wenn sein soziales Umfeld mit Milliardären gefüllt ist. Das Paradoxe dabei ist, dass ein Mensch seinen Reichtum unendlich vermehren kann, aber wenn die Menschen um ihn herum ihren Reichtum schneller vermehren, wird er mit der Zeit immer unglücklicher werden. Das bezeichnet man als relative Einkommenshypothese.

Menschen, die einen höheren Status als ihr soziales Umfeld haben, fühlen sich selbstbewusster, haben ein höheres Selbstwertgefühl und sind glücklicher. Im Gegensatz dazu neigen Menschen mit niedrigeren Sozialstatus mehr zu Depressionen, Stress und psychischen Krankheiten. Das hat große Auswirkungen darauf, wie wir die Verbindung zwischen Wirtschaft und Glück begreifen. Wenn das Glück des Menschen so eng mit dem sozialen Status korreliert ist, dann ist eine ständig wachsende moderne Wirtschaft viel eher eine Quelle der Verzweiflung als des Glücks. Ein immer größer werdendes wirtschaftliches Gefälle in den Gesellschaften weltweit, bei dem 1% der Weltbevölkerung 50% des weltweiten Reichums besitzt.

Diese Kluft ist beispiellos in der Neuzeit und aufgrund der relativen Einkommenshypothese ist das Leid das sie auslöst auch beispiellos und nie da gewesen. Der Gipfel davon ist, dass moderne Massenmedien wie Social Media das Leben der Reichen und den Materialismus noch als erstrebenswert hinstellen, in allen quälenden Details, was die Unzufriedenheit und Depression der breiten Masse noch steigert.

Es gibt aber auch ein großes globales Paradoxon. Die letzten Jahrzehnte ist der Reichtum der Emerging Markets Staaten und der sogenannten dritten Welt tatsächlich deutlich gestiegen, aber aufgrund der relativen Einkommenshypothese nimmt das empfundene Glück ab. Das liegt daran, dass die Menschen in diesen Regionen der Erde sich selbst als arm erleben – im Vergleich zu westlichen Ökonomien. Und sie bekommen das Tag für Tag vor Augen geführt.

Wir brauchen aber gar nicht so weit gehen, das sei nur als wissenschaftliche Untermauerung angeführt. Denn in Deutschland bildet sich diese Situation genauso ab. Die Propagierung von Werten die ein System erhalten, welches den Menschen krank macht. Die Geschwindigkeit dieses Hamsterrads nimmt dabei dauernd zu, es ist wie wenn man Menschen auf Speed setzen würde. Fakt ist aber, dass die meisten ausgebrannt abends nach Hause kommen und keine Kraft mehr zum Nachdenken haben. Es ist naheliegender Netflix zu sehen und Fertigpizza zu essen, als über das eigene Leben nachzudenken. Das ist kein Systemfehler, es ist so gewollt.

Quellen:

Easterlin, R. (2001). Income and Happiness: Towards a Unified Theory. The Economic Journal, 111, 465-484. Kahneman, Daniel & Deaton, Angus (2010). High income improves evaluation of life but not emotional well-being.Proceedings of the National Academy of Sciences, doi:10.1073/pnas.1011492107. Killingsworth, Matthew A. (2021). Experienced well-being rises with income, even above $75,000 per year. Proceedings of the National Academy of Sciences, doi:10.1073/pnas.2016976118. https://diepresse.com/home/wirtschaft/international/757983/Wachsender-Wohlstand-laesst-Glueck-nicht-mitwachsen?from=suche.intern.portal (19-01-12) (Stangl, 2021).

Aber was lernen wir für uns aus diesen Fakten?

Der Glücks-Nullpunkt

Ein Ansatz zur Lösung des Easterlin Paradoxons sind Anpassungsniveau-Theorien zu einem individuellen „Glücks-Nullpunkt“, zu dem Individuen nach stark positiven oder negativen Lebensereignissen über kurz oder lang stets wieder zurückkehren würden. Laut Easterlin treffen Theorien zu einer solchen Hedonistischen Tretmühle dabei allerdings auf monetäre Güter weniger zu als auf nicht-monetäre, wodurch er sich in seinem Paradox bestätigt sieht. Quelle: Wikipedia.

Die Frage ist, was ist unser Glücks-Nullpunkt?

Diese Frage ist nicht ganz so schnell beantwortet, wie wir vielleicht denken. Unsere erste Antwort darauf könnte auch schlicht weg falsch sein, da Intuition und analytisches Denken unterschiedliche Ergebnisse liefert. Aber bevor wir uns mit dem Glücks – Nullpunkt beschäftigen, eine interessante Erkenntnis aus den Studien:

Eine Studie von Brickmann, Coates und Janoff-Bulman ergab, dass Lotteriegewinner im Durchschnitt nicht glücklicher sind als Menschen, die nicht die Lotterie gewonnen haben. Des Weiteren sind die Lotteriegewinner nur wenig glücklicher als Menschen, die durch einen Unfall gelähmt wurden.

Richard Easterlin: Building a Better Theory of Well-Being (PDF; 785 kB). In: Economics and happiness: framing the analysis. 2007

Was ist also unser Glück? Was macht Menschen glücklich?

Es ist nicht das Geld auf unserem Konto, nicht unser Depot, es ist nicht der Wohlstand, es sind nicht die Markenhosen, die wir an haben, die Autos die wir fahren, die Häuser, die wir besitzen. Und wie wir gesehen haben, ist es auch nicht die zweite Ebene, der soziale Status oder die gesellschaftliche Anerkennung. Das gleicht eher der Möhre, die man dem Esel vor das Maul spannt.

Wir sind also weder was wir besitzen, denn alles was wir besitzen, besitzt irgendwann uns. Und wir sind auch nicht das was andere in uns sehen, auch wenn das schwerer zu durchschauen ist und sich der Schlinge zu entziehen deutlich komplexer ist.

Wir können uns das Gefühl von Glück natürlich durch die Pharmaindustrie, Alkohol und Drogen kurzfristig besorgen, zu einem sehr hohen zukünftig zu bezahlenden Preis. Früher war ich mal in einem Verein engagiert. Dort kam das Thema Glück auch immer mal wieder in Gesprächen vor. Die Mehrheit der Leute dort trank aber regelmäßig viel, gut ein Viertel war auf Psychopharmaka. Klang nicht wirklich nach ausgefülltem Leben. Und wenn wir uns anschauen, wie sich der Konsum von Alkohol, Drogen und der Absatz von Psychopharmaka jedes Jahr steigert und die Suizidraten wachsen, dann scheint das wohl eher kein sinnvoller Weg zu sein.

„Zur Resignation gehört Charakter“ schrieb einst Johann Wolfgang von Goethe. Resignation im Zusammenhang mit dem Glücks-Nullpunkt bedeutet, dass ich mir eingestehen muss, dass ein “einfach weiter so” eben weiter ablenken wird, aber nicht zum Ziel führt. Man kann immer “einfach weiter so” leben und seine Lebenszeit in reiner Arbeit und Ablenkung verschwenden. Und es geht immer weiter, bis es zu Ende ist. Wenn ich resigniere heisst es nicht zwingend, dass ich aufgebe, sondern genau dieser Punkt kann der sein, an dem man ankommen muss, um neu zu starten. Dieser Umstand ist bei Drogen- und Alkoholabhängigen bekannt. Manche Menschen dieser Personengruppe wachen erst auf, wenn sie in ihrem eigenen Erbrochenen liegen – oder nie. Aber es braucht nicht immer Drogen um im Tiefschlaf zu verharren, manchmal reichen dazu auch einfach die Gewohnheiten.

Der Glücksnullpunkt ist zweifellos etwas, was man für sich selbst heraus finden muss, denn er ist der Ausgangspunkt für jeden weiteren Schritt. Wenn er falsch gesetzt ist, stimmt die ganze Bewertung und Kalibrierung unseres Lebens sozusagen nicht. Wir brauchen die Entdeckung des Null-Punktes. Was ist unsere Null, unsere neutral Stellung? Da die Welt um uns sehr laut ist, voller Ablenkung, ein ständiges Hamsterrad, ist das gar nicht so einfach. Es geht immer um schneller, mehr Geld, mehr Spass, mehr Lust, mehr Genuss. Mehr mehr mehr. Und nicht nur wir wollen mehr, auch andere fordern mehr von uns: Mehr Leistung und mehr Arbeit. Wundert uns da, dass ein überfordertes Gehirn, eine geschundene Seele irgendwann psychisch und körperlich sagt: Ich kann nicht mehr!

Bei vielen Menschen ist dieser Punkt schon lange erreicht. Nur wer soll auf sie hören, wenn sie nicht mal auf sich selbst hören?





Freie Gesellschaft: Die meisten Menschen in unserer heutigen Gesellschaft sind wohl kaum freier, als diese beiden. Der gesellschaftliche Konsens, dass Arbeit, Geld und Besitz glücklich machen, erweist sich als Trugschluss. Was bleibt ist die Dauerberieselung durch Medien, falsche Heilsversprechungen durch Motivationscoaches und Sekten sowie künstlich empfundenes Glück dank Medikamenten und Drogen.
“Selbst geschaffenes Unglück” – gemessen an den Ergebnissen ist ein auf Hedonismus und Ablenkung ausgelegtes Leben wohl nicht das Ticket zur Glückseligkeit.
“Erst aufwachen, wenn man im eigenen Erbrochenen liegt.” Bei vielen Abhängigkeiten muss der persönliche Tiefpunkt erst erreicht werden. Das gilt nicht nur für Drogen, sondern auch für andere psychologische Fesseln.

Sind die meisten Menschen die wir kennen glücklich? Wenn nicht, warum folgen wir ihren Lebensratschlägen dann?

Liebe braucht keine Logik, sie braucht Opfer

Rückblickend war mein bislang vergangenes Leben viel Verzweiflung, Wut und Schmerz. Aber auch viel bedingungslose Liebe. Und wenn Du darüber nachdenkst, wird es Dir wohl auch so gehen. Als Glückspilz wird man selten geboren und wie und wo man geboren wird, kann man sich nicht aussuchen. Aber die meisten von uns dürften in einer staatlichen Klinik geboren worden sein, einer menschlichen Einrichtung, in der wir das Licht der Welt zwischen zwei menschlichen Beinen erblickten. Das war vielleicht kein romantischer Moment, aber ein ehrlicher. Angestarrt von Ärzten und Krankenschwester, willkommen geheissen und geliebt von zwei Menschen die uns wollten, wenn sie uns denn wollten. Denn auch das ist alles andere als selbstverständlich. Bedingungslose Liebe von Menschen zu erwarten ist wohl naiv, aber es gibt diese Liebe dennoch.

Die bedingungslose Liebe habe ich immer in Form der Schöpfung wahr genommen. Ob es der Regen im pazifischen Urwald war, die aufgehende Sonne am Meer, ein leckeres Essen mit allen Sinnen und Düften zu geniessen. Oder das Geräusch zu hören, wenn eine Gruppe Delphine ausatmend am treibenden Boot vorbei zieht. Bedingungslose Liebe sind all die Farben und Formen in der Natur, sie ist zu beobachten, wenn man kleine Tierbabys beobachtet, oder ein kleines Menschenskind mit seiner winzigen Hand gerade mal den kleinen Finger von einem umschliesst. Liebe ist auch in dem Vollmond über dem Wald zu erkennen, in der bunten Vielfalt von Fischen beim tauchen. All das lässt einen staunend zurück.

Diese Aufzählung könnte unendlich lange sein und wäre immer ein Spiegelbild von grenzenloser Schönheit und tiefer Liebe zu uns Menschen, die wir das alles wahrnehmen dürfen, obwohl wir es so oft verschmähen oder sogar zerstören. Fragt sich wie der fühlt, der uns das geschenkt hat. Und um keinen Zweifel aufkommen zu lassen, auch nur eine einzige Minute unseres Lebens wäre ein unverdientes Geschenk. Ein Gespräch mit einem auf den Tode wartenden, löscht jeglichen Zweifel darüber aus.

Alle Verzweiflung, alle Wut und aller Schmerz auf dieser Erde wird letztlich direkt oder indirekt von Menschen gemacht. Menschen zwingen andere Menschen ihre Ideen auf, verklaven sie, missbrauchen sie, leiten sie in die Irre. Menschen haben dieses System des Unglücks aufgebaut, egal welche Herrschaftsform oder soziales Menschenexperiment es bisher auch war. Und je nachdem in welche Familie wir geboren wurden, können auch unsere eigenen Eltern Teil dieses ganz persönlichen Leidens und Unglücks sein und geben uns dieses Denken als Norm weiter. Menschen werden verführt und verführen andere. Sie sind Opfer und Täter zugleich. Wie von Friedrich Nietzsche in “Also sprach Zarathustra, Ein Buch für Alle und Keinen” betrieben, hat der Übermensch sich über alles erhoben nachdem Gott tot war und macht sich selbst zu Gott. Mit unbeschreiblich grausamen Folgen, hunderten Millionen von Toten alleine im letzten Jahrhundert durch sozialdarwinistische Experimente und einem Planeten, der in den nächsten Jahrzehnten völlig zugrunde gerichtet sein wird. Den Nullpunkt, die Erde und die Menschheit hat ihn bereits überschritten, das Experiment Selbstverwaltung ist bitter gescheitert.

Das können wir als Individuum nicht mehr ändern.

Was wir ändern können ist unser Leben. Wir können uns auf die Suche nach unserem Schöpfer machen. Wir können demütig und dankbar sein und ganz nebenbei – und deswegen liest Du diesen Artikel vielleicht – wird man dadurch glücklich. Das Glück ist ein Nebenprodukt dieser Suche. Es sind nicht die glücklichen die dankbar sind, es sind die dankbaren die glücklich sind. Nicht sicher?

Dann frage Dich einmal, warum jemand der im Rollstuhl sitzt, dankbar sein kann, und glücklicher als ein Millionär, wie ich oben anführte. Warum jemand, der nur noch wenige Tage zu leben hat dankbar sein kann. Wieso können Menschen dankbar sein, die viel weniger als wir haben, vielleicht nur eine Lehmhütte, in der sie Nacht für Nacht auf dem Boden schlafen. Was ist der Unterschied zwischen ihnen und einem dicken, satten, zig tausenden bis Millionen Euros schweren Menschen in Europa? Der ganze Schlüssel dazu liegt in Werten, Denken und der Perspektive.

Es gibt in der Bibel eine wunderbare Passage über Liebe. Und bei aller berechtigten historischen Kritik des neuen Testaments der Bibel, muss man anerkennen, dass es eine der schönsten Beschreibungen über Liebe ist. Du findest sie in 1. Korinther 13 und sie wird auch das hohe Lied der Liebe genannt.

“1 Wenn ich in Sprachen der Menschen und der Engel redete, aber keine Liebe hätte, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle. 2 Und wenn ich Weissagung hätte und alle Geheimnisse wüsste und alle Erkenntnis, und wenn ich allen Glauben besäße, sodass ich Berge versetzte, aber keine Liebe hätte, so wäre ich nichts. 3 Und wenn ich alle meine Habe austeilte und meinen Leib hingäbe, damit ich verbrannt würde, aber keine Liebe hätte, so nützte es mir nichts! 4 Die Liebe ist langmütig und gütig, die Liebe beneidet nicht, die Liebe prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf; 5 sie ist nicht unanständig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu; 6 sie freut sich nicht an der Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit; 7 sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie erduldet alles.”

Quelle: Schlachter 2000

Das ist der Grund, warum Liebe bedingungslos ist. Der Grund warum Liebe die stärkste Kraft den Universums ist, Liebe der Grund für unsere Existenz ist. Unsere Welt ist komplett gegensätzlich ausgerichtet, sie propagiert andere Werte und Menschen folgen diesen in ihr Unglück.

Denn einmal Hand aufs Herz, wie viele Menschen kennen wir, die beispielsweise unvoreingenommen nach der Wahrheit suchen? Oder unvoreingenommen gegen über anderen sind? Die gütig und langmütig sind? Die nicht prahlen und sich aufblasen, um gut da zu stehen? Die nicht unanständig und verdorben sind? Und auf welchem TV Kanal wird gelehrt so zu sein wie in dieser Textpassage?

Nur sehr wenige Menschen leben diese Werte und das Religions- und Kultur übergreifend.

Aber es kostet Opfer, weil man dann anders ist. Weil man scheinbar ein Verlierer ist, weil es nicht Mainstream ist. Es ist nicht sexy und cool, es widerspricht Instagram und TikTok und es wird auf keinem Chaka-Seminar für tausende Euros gelehrt. Es auszuprobieren wäre also ein Opfer, weil es schwer ist und weil es gegen alles steht was wir durch unser soziales Umfeld vermittelt bekommen. Aber was wäre, wenn man dann glücklich würde?

Eines ist klar: In der Geschichte der Menschheit haben einzelne Menschen erstaunliches vollbracht, weil sie einen starken Glauben hatten. An Gott, an sich selbst, an ein System oder einen menschlichen Führer. Dafür sind Menschen in den Tod gegangen, sogar Millionen von Menschen. In der Geschichte der Menschheit hatten auch viele Hoffnung. Hoffnung, das es besser werden würde, Hoffnung auf ein Leben danach. Hoffnung auf eine Belohnung im jenseits. Diese Hoffnung war so stark, dass sie unter Folter starben, in Kriegen, in Konzentrationslagern, mit Bomben um den Bauch in Strassensperren. Diese Hoffnung konnte nicht gebrochen werden, nicht korrumpiert werden. Die Hoffnung ist wie der Glauben eine unglaublich starke Kraft, die weit über das normal menschliche Denken hinaus geht, wenn sie echt ist.

Aber wie schliesst eigentlich Korinther 13 die Hommage an die Liebe ab? In Vers 13 lesen wir dann:

“Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; die größte aber von diesen ist die Liebe.”

Liebe. Liebe ist am Ende das Stärkste was bleibt. Und das ist die Liebe, die niemals zu besiegen ist, die sich in allen gemachten Dingen zeigt, die Liebe die wartet, hofft und geduldig ist, ein Wertesystem, was allem überlegen ist was Menschen jemals erdacht haben.

Die Liebe gegenüber uns ist bedingungslos gewesen, denn nach meinem Glauben an Gott sind wir, das Universum und alle Schöpfung am Ende einer Kausalkette wie alles im matriellen Leben und kein Produkt des Zufalls. Das wir “zuerst” von unserem Schöpfer bedingungslos geliebt wurden, zeigt sich für mich nicht wie nach christlicher Terminologie in einem Heilsweg oder Ähnlichen, unsere pure Existenz ist nur aus Liebe möglich.

Die Frage die am Ende bleibt ist, sind wir bereit ein Opfer zu bringen, um über unseren eigenen Schatten der Sozialisierung zu springen, über das ganze antrainierte und anerzogene Verhalten, gesellschaftliche Erwartungen, Erwartungen unserer Familie, Meinungen unserer Arbeitskollegen und Verwandten, Dauerberieselung von Medien und so vielem mehr, was alles gegen diese eine zu begreifende Wahrheit spricht, die mit aller Macht ignoriert und geächtet wird, durch immer neue Gedankenexperimente, Sozialexperimente, Diskreditierungen und durch Schubladendenken? Und noch eines: Nur weil manche Menschen sich den Anstrich davon geben, sie würden für diese Wahrheit einstehen und sie die selbige durch ihr Verhalten mit Dreck bekleckert haben, wird sie nicht unwahrer. Das nennt man Religion. Und die, die das getan haben, nennt man Heuchler.

Eine Wahrheit wird nicht weniger wahr, weil Menschen die vorgeben für sie zu sprechen Lügner sind.





“Schicksal gibt es nicht”. Angesichts eines sehr vorherbestimmten Endes eine wohl eher undurchdachte Aussage. Von den schätzungsweise 90-110 Milliarden Menschen die auf der Erde bisher lebten konnte keiner sein Schicksal ändern. Angesichts unseres zu erwartenden Endes stellt sich die Frage: Was machen wir mit der restlichen Zeit?
“Sich selbst im Weg” – Um klar zu sehen, muss man auch sich selbst überwinden. Der Mensch, den wir am meisten lieben ist auch oft der, der uns am meisten Schmerz bereitet. Was bereits auf unser Gehirn “aufgespielt” wurde, lässt sich nur schwer wieder los werden. Dazu gehört auch übertriebene Selbstliebe.

Dankbarkeit und Akzeptanz ist ein Schlüssel zum Glück.

Ein vorgezeichnetes Ende einer Geschichte – oder der vorzeitige Abbruch einer Reise.

Das ist die Reise zum Nullpunkt, zum Glücks-Nullpunkt. Das ist auch erst mal ein Punkt der Resignation, weil es ein Selbsteingeständis ist, dass man bisher gescheitert ist oder falsch lag. Wenn wir gewohnt sind recht zu haben oder erfolgsverwöhnt sind, wird uns das schwerer fallen.

Unsere Lebensreise ist in gewisser Weise mit einer Zugfahrt vergleichbar. Wir steigen in einen Zug ein, man weisst uns einen Sitzplatz zu. Wir schauen aus dem Fenster, sehen vieles vorbeiziehen. Landschaften, Häuser, Städte. Die ganze Zeit sitzen wir in diesem Zug während er fährt, um von A nach B zu kommen, wobei wir eigentlich nicht so genau wissen, was B ist. Wir glauben es zu wissen, weil wir denken B wäre etwas, was unserem Willen entspringt, dass wir dieses Ziel selbst auserwählt hätten.

Da wir ein Abteil des Zugs zugewiesen bekommen haben, in dem es ein Bordrestaurant und etwas Unterhaltung gibt, bekommen wir Essen serviert. Und Getränke. Welch ein schöner Zeitvertreib. Wegen diesem Zeitvertreib kommen wir gar nicht auf den Gedanken uns mal zu fragen, wem dieser Zug gehört. Dann sehen wir uns noch ein oder zwei Filme an, lernen ein paar andere Reisende kennen. Manche mögen wir von diesen. Andere weniger. Die, die ähnliche Hautfarben haben oder ähnliche Kleidung, die finden wir gut. Oder die, die die gleiche Sprache sprechen oder eine ähnliche Überzeugung haben. Einer der Reisenden sagt uns, er wird am Ziel angelangt sich ein großes Haus bauen. Ein anderer sagt, er glaubt dieser Zug wird von einem Typen gesteuert, der übermenschliche Kräfte hat und ob wir das auch glauben würden? Ein paar andere halten sich für was besseres, weil sie meinen zu wissen, dass die Zugräder aus Metall sind. Das wäre wissenschaftlich erwiesen. Und wieder andere sagen, der Zug ist ein Zufallsprodukt. Wir sollen einfach das Essen und Trinken geniessen, Filme schauen und Spass haben.

Während der Zug weiter fährt, kommt immer mal wieder ein Schaffner vorbei, und sagt einzelnen Personen, dass sie hier nun aussteigen müssen. Manche protestieren und sagen: “Nein, das kann nicht sein”. “Nein, ich will das nicht, ich habe doch bezahlt bis nach B zu kommen”. Einige wenige akzeptieren es einfach und gehen. Die Gegangenen sehen wir nie wieder.

Wir entschliessen uns nicht weiter darüber nachzudenken. Wir wollen nur sicher von A nach B und das am besten mit allem Saus und Braus. Der Zug fährt weiter. Und so lange dieser Zug immer weiter fährt, behalten wir und andere recht. Es ist zu aufwendig nach dem Sinn dieses Zugs zu fragen, es ist viel nahe liegender die Annehmlichkeiten zu geniessen. Und wenn das nicht reicht, können wir uns mit den Mitfahrenden unterhalten und Gedanken besprechen, die auf das Innere des Zugs beschränkt sind. Und wenn uns das nicht reicht, können wir uns mit Mitfahrenden streiten, wer den besten Platz hat. Oder eine Gruppe der Auserwählten bilden, weil wir gleich aussehen oder gleich denken. Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, aber nicht unendlich viel Zeit.

Der Schaffner kommt wieder und spricht uns an: “Hier endet Ihre Reise, sie müssen unverzüglich aussteigen.”

Aber ich wollte doch noch….

Aber ich dachte…

Aber es kann doch nicht sein…

Die letzten Schritte aus dem Zug sind von “aber’s” und Bedauern über verpasste Gelegenheiten gepflastert. Die ungelebten Leben, von denen ich vor kurzen schrieb, die nicht ausgefüllten Momente, das Trauern um abgelaufene Stunden und Tage. Aber die Zeit, sie ist um. Der Zug, er wird weiter fahren, aber ohne uns.

Wie immer wir über diesen Artikel denken oder diese Frage für uns im Leben beantworten, welche Konsequenzen diese Gedanken auch für uns haben – oder auch nicht, wir sitzen in diesem Zug. Alle gemeinsam. Die Kunst ist es, nicht nur die richtigen Fragen zu stellen, sondern auch die Antworten zu akzeptieren. Das würde bedeuten, dass man die Wahrheit liebt. Um der Wahrheit wegen, nicht nur um uns selbst wegen.

Eine gute Reise!

“Das schönste Glück des denkenden Menschen ist, das Erforschliche erforscht zu haben und das Unerforschliche zu verehren.”

– Johann Wolfgang von Goethe

“Die Suche nach der Wahrheit ist wertvoller als deren Besitz.”

– Albert Einstein 

28 Kommentare zu „Der Glücksnullpunkt

  1. Hallo Joerg,

    “PS: ich habe immer noch nicht verstanden, welchen Vorteil/Nachteil/Auswirkung eine Diskussion im Forum hat? Muss da keiner von Euch freischalten – ist das der Hauptvorteil? Also lesen kann es jeder, aber kommentieren nur Registrierte?”

    Die Kommentarfunktion hier im Blog ist begrenzt. Ich konnte bspw. schon nicht mehr auf Deinen Beitrag direkt antworten. Auch kann man im Forum über andere Themen diskutieren, muss nicht auf das eigene Anliegen als Thema warten, bis mal ein Blogbeitrag dazu erscheint.
    Wer registriert ist, kann auch die nicht-öffentlichen Bereiche des Forums lesen.

    Lesen kann jeder alle Beiträge im öffentlichen Bereich des Forums. Schreiben können nur registrierte Mitglieder. Die Registrierung kostet nix. Schau doch einfach mal vorbei, wenn es Dir dort nicht gefällt, musst Du ja nicht weiter-/mitmachen.

  2. @Safiya/Wuestenrose
    Moin, moin, ich habe da mal eine Frage zum Islam.

    Was haelst du von der Meinung:
    nzz.ch/meinung/afghanistan-nicht-der-westen-sondern-der-islam-ist-gescheitert-ld.1642340

    “Eine theologische Brandmauer zwischen dem friedlich-toleranten und dem kriegerisch-jihadistischen Islam fehlt bis heute”

    Ist das Haupt-Ursache von soviel Leid, Rueckstaendigkeit, fehlenden Meschen- und Frauenrechten in islamischen Gesellschaften?
    Macht das Sinn? Was haltet ihr von der Argumentation? Oder wie ist Eure Sicht auf die Dinge?

    LG
    Joerg

    1. Na hallo Joerg!

      Was ich davon halte? Das ist schon echt komicher Quatsch. Aber nicht aus Reflex. Ich möchte es mal erklären:

      “Es sieht nach einem Scheitern aus: nicht des Westens, sondern des Islam.“

      Ich vermute mal ganz stark, der Autor in nicht gläubig, sonst hätte er das nicht geschrieben. Islam ist in erster Linie Anbetung von Gott und etwas ganz persönliches. Das kann kaum „scheitern“, ausser der Mensch wendet sich von Gott weg. Dann scheitert der Mensch.

      Afghanistan ist die Umsetzung von Teilsapekten des wahhabitischen Islam und zeitlich stark aus dem Kontext gerissen. Religion als politisches System kann scheitern und macht es meistens auch. Das hat im christlichen Europa auch nie funktioniert und wird seit einigen Jahrzenten durch neue Werte abgelöst.

      Kein aufrichtiger Muslim kann sich darüber freuen wenn seine Religion missbraucht wird. Und dass Menschenrechte und Frauenrechte beseitigt werden. Ich schreibe das mal ganz losgelöst davon, wie die westliche Ideologie Frauen als Ware vermarktet und verkauft und was Menschenleben in anderen Teilen der Welt nach westlichen Handeln wert sind: Nichts. Nein, keine Relativierung der Taliban, aber auch eben diese Welt in der wir leben.

      Bist du immer noch nicht im Forum? 😂

      1. Vielen Dank, Wuestenrose91

        Ob der Autor (recht)glaeubig ist, weiss nur Gott, oder wer erkennt sein Herz? 😉

        Wie wuerdest Du die verschiedenen Unterformen des Islam kategorisieren?
        Wie koennte man beschreiben, welche eher “glaeubig” in deinem Sinne (oder wie “glaeubig” im Islam definieren?) und welche es eher nicht sind?
        Oder vielleicht: in welcher muslimischen Gruppierung gibt es wohl prozentual mehr “recht-glaeubige”?

        Ohne ein Experte zu sein, scheinen mir naemlich alle Gruppierungen sich als “recht-glaeubiger” oder “mehr-glaeubig” als jeweils andere islamische Gruppierungen zu verstehen (das ist ja deeer Treiber fuer eine Abspaltung, Ausgruendung, Reformation)?

        Den Punkt, den der Autor in dem NZZ-Artikel ueber Afghanistan machen will, und von dem ich mir von dir Aufklaerung erhofft hatte: Gibt es keinen (messbaren) allgemeinen Grundkonsens in der islamischen Theologie (“Brandmauer”, Pruefstein, Massstab)? Sozusagen ein gemeinsames Glaubensbekenntnis aller Muslime?
        Mir scheint, er will sagen: alle in Afghanistan sind Muslime, nur die einen wollen den anderen vorschreiben, wie sie zu leben haben. Wenn sie sich aber als Brueder im Glauben erkennen wuerden (WEIL ES EINEN MESSBAREN GRUNDKONSENS GAEBE), wuerden sie sich nicht drangsalieren/umbringen?

        Also zB wenn die eine Gruppe1 denkt, dass bestimmte Merkmale unbedingt zum muslimischen Glauben gehoeren sollten (also so etwas wie zB das Glaubensbekenntnis bei Christen) aber das von der anderen Gruppe2 nicht anerkannt wird, dann koennte Gruppe1 sagen: ihr glaubt ja nicht an das (allgem.) Glaubensbekenntnis, deshalb koennt ihr keine (echten) Muslime sein?
        Wenn es aber keinen theologischen, anerkannten Grundkonsens gaebe im Islam, dann bleibt nur Hauen und Stechen zwischen Sunniten, Wahabiten, Schiiten, Aleviten, Salafisten, etc.?

        Du schreibst aus der Sicht einer Sunnitin, oder wie wuerdest du deinen Glauben definieren/zu den anderen muslimischen Richtungen abgrenzen/erklaeren?

        LG Joerg

        PS: ich habe immer noch nicht verstanden, welchen Vorteil/Nachteil/Auswirkung eine Diskussion im Forum hat? Muss da keiner von Euch freischalten – ist das der Hauptvorteil? Also lesen kann es jeder, aber kommentieren nur Registrierte?

      2. Hallo Joerg, Du bist direkt als “Stammleser” in der Community “ge-upgradet” worden. Bist ja schon lange hier. Das Forum dürfte nun nochmal um einiges größer sein. (geschützte Bereiche) Gruss Martin 😉

        (nicht angemeldete Nutzer können so einiges nicht sehen: Geschlossene Bereiche, Bilder, Dateien, Anhänge)

      3. Der Grundkonsens im Islam ist, dass Gott Gott ist, dass Propheten mit der immer gleichen Botschaft zu den Menschen gesendet wurden. Und dann beginnt die Vielfalt an unterschiedlichen Auffassungen auch schon.

        Im Christentum gibt es doch auch 5000 Kirchen/Gruppen/Richtungen und nur den Grundkonsens dass Jesus Gott ist. Und wenn ich an die Kommentare heute auf dem Blog denke aber auch was ich anders schon gelesen habe, halten sich dort auch viele für die echten Christen und sagen andere wären es nicht. Und in Geschichtsbüchern sehe ich, dass die sich sogar tausend Jahre dafür gegenseitig umgebracht haben. Ich könnte das hier fortsetzen. Also was du schreibst, trifft auf Christen genauso zu. Ist das gut und richtig? Nein. Aber es geht eigentlich um eine andere Frage.

        Ich denke es ist immer ein Problem wenn Religion, Kultur und Politik vermischt wird. Egal ob es um Islam oder eine andere Religion geht. Es stimmt, ein mal hatte ich geschrieben ich gehöre dem sunnitschen Islam an. Das ist Teil meiner Kultur, also der meiner Familie. Und in meiner Heimat weit verbreitet. Im eigentlichen heisst es oder wird es definiert der Sunna folgend. Also den Überlieferungen zum Leben den Propheten. Daran gibt es aber durchaus auch Kritik und ich habe mich auch kritisch geäußert zu bestimmten Ansichten darüber. Das ist in etwa vergleichbar damit wenn du in deiner Bibel liest was Jesus sagte und was später dann gesagt wird. Also etwas zum Nachdenken und forschen. Am wichtigsten wäre aber doch, was Jesus sagte schätze ich mal? (wenn man Christ ist)

        Ich definiere für mich Islam als nur Gott anbeten der EINER ist und nach seinem Willen leben. Das ist für mich die Basis. Abgrenzen muss ich mich nicht von anderen Muslimen oder ihnen etwas absprechen, auch wenn ich nicht immer ihrer Meinung bin. Auch wenn die meisten Westbewohner das sicher nicht verstehen, ist im Islam eine Vielfalt von Meinungen vorhanden und damit sehr viel Freiheit, weil es nicht dogmatisch weltweit gleichgeschaltet ist und zum Beispiel keinen Papst gibt. Ausnahmen gibt es wie bei Shia im Iran. Im Islam ist jeder selbst vor Gott verantwortlich und wird vor Gericht sein und Rechenschaft abgeben über sein Leben.

        “Wie wuerdest Du die verschiedenen Unterformen des Islam kategorisieren?”

        Ich mache dazu etwas in die Community rein.

      4. Danke @Wuestenrose91

        aber hat dann der NZZ-Autor nicht doch recht, wenn er sagt, dass es keine allgemein verpflichtende, theologische Grundlage (Manifest, Regel, er nennt es Brandmauer gegenueber extremistischen/fundamentalistischen Muslimen) im Islam gibt?

        Bei uns gibt es die 10 Gebote aus den Buechern Mose, die zwei groessten Gebote Jesu, die alles andere einschliessen (liebe Gott und deinen Naechsten wie dich selbst) und Glaubensbekenntnisse, die die allermeisten der “5000 christl. Kirchen/Gruppierungen” mitsprechen koennten. Es ist fuer alle glaeubigen Christen klar, nicht zu toeten, nicht zu stehlen, nicht ehezubrechen, etc. Heute bringen keine Christen andere Christen wegen ihrer Glaubensrichtung um oder unterdruecken diese, trotz Einfluss von Kultur und Politik.
        Mir scheint, das ist im heutigen Islam anders (im Mittelalter stecken geblieben? oder ist es innewohnend/nicht reformierbar?).
        Mir fehlt eine klare theologische Verurteilung bestimmter muslimischer Gruppen oder wenigstens derer Taten von Islam-Gelehrten als Gesamtheit oder wenigstens mehrheitlich?
        Mir scheint ich hoere nur lautes Schweigen/Billigung/Wegducken?
        Oder gibt es diese klaren Appelle aber wir hoeren nix davon (Quellen)?

        Ich meine, Abgrenzung gehoert auch zu unserem Leben dazu. Es geht nicht immer, ohne sich zu distanzieren, Partei zu ergreifen, nicht nur “fuer” sondern auch “gegen” etwas zu sein. Das ist eine Komponente, die zu jedem Leben dazugehoert? Manchmal muss man Flagge zeigen (und damit anderen automatisch auf die Fuesse treten)?
        Entscheidung bedeutet immer fuer etwas und dadurch gegen das andere.

        Ist nicht die fehlende Trennung von Politik und Glaube (Religionsfreiheit des Individuums) in der islamischen Theologie (falls es keine islamische Theologie gaebe, bliebe nur Beliebigkeit) mit das Hauptuebel? So wird zwangslaeufig muslimischer Glaube immer wieder (zum Schaden vieler einzelner Menschen) instrumentalisiert (werden)? Oder was meinst Du?

        LG Joerg

      5. Naja, es ist ein wenig kompliziert. Viel theologische Vielfalt und Freiheit führt nicht zu einer Einheitlichkeit. Ich habe dazu auch in der Community etwas geschrieben. Im Islam ist beispielsweise auch bindend, was die Propheten vorher sagten, was in Tora und Incil (Evangelium) steht. Qur’an 5:68, 10:94. Damit auch was Jesus sagte, Frieden uns Segen auf ihm. Das Glaubensbekenntnis, dass es nur einen Gott gibt und die prophetische Tradition sind bindend…

        Töten gläubige Christen heute nicht mehr? Brechen gläubige Christen keine Ehen? Stehlen gläubige Christen nicht mehr? Die Nachrichten zeigen etwas anderes, ausser man sagt dann schnell es waren keine Christen deswegen oder lässt einfach die Religion weg, was bei Muslimen so gut wie nie passiert und eher betont wird. Und es gibt auch heute noch christliche Konflikte mit Toten und Vertreibungen. Es ist nicht wie im 30jährigen Krieg, es sind viel weniger als vor 500 Jahren. Aber vor 500 Jahren galten doch die Worte der Bibel auch. Und vor 1000 Jahren. Es wird gerne vergessen was Christentum alles angerichtet hat. Du unterscheidest auch gläubige Christen und….? Die anderen. Das ist doch im Islam auch so. Und dann gibt es eben die, die Religion missbrauchen. Siehe USA, die Evangelikalen, Tea Party, gab und gibt es dort auch, die benutzen die Bibel für ihre Zwecke und haben Kriege im Nahen Osten damit sogar legitimiert. Und die Geschichte des Christentums hat Leid über Millionen von Menschen in den letzten Jahrhunderten gebracht. Es ist gut, dass es heute wenigstens etwas weniger schlimm ist.

        Aber was sehen wir daraus Joerg? Lag es an dem was in der Bibel steht? Ich denke nicht. (Ok, man kann Texte rauspicken und nutzen, wie beim Qur’an auch.) Wie Menschen handeln und was theologisch die Religion wirklich sagt sind zwei unterschiedliche Dinge. Ich kenne die Bibel deutlich besser als vor einem Jahr noch und differenziere da. Ich sehe etwas passiert und denke, das ist eigentlich gegen die Bibel oder was dort steht. Damit ist das Verhalten der Person unchristlich. Gleiches sollte im Islam auch passieren.

        Weil der Islam so zersplittert ist in viele Teile und die Verantwortlichkeit nicht kollektiv sondern persönlich vor Gott ist, gibt es auch selten einen „Aufschrei“. Schau mal, selbst bei dir in Deutschland gibt es Islamverbände. Die grossen repräsentieren nicht einmal 20% der Muslime. Meistens sind sie türkisch. In türkischen Moscheen wird Erdogan Propaganda gemacht – absolut falsch. (Eine Frau bei türkischen konservativen Muslimen hat heute weniger Rechte als in der arabischen Welt 1000 n. Christus und das ist gut dokumentiert.) Es gelingt seit Jahren nicht das zu regeln, weil Islam keine Religion wie evangelisch oder katholisch ist und Normierung schwer ist. Ich empfinde das als sehr schön weil es sehr frei ist und viel Platz für Gedanken und Forschung lässt, aber es hat auch Nachteile. Es können sich Sekten bilden und Menschen laufen anderen hinterher – davor warnt der Qur’an 30:32; 6:159 und andere.

        “Mir scheint, das ist im heutigen Islam anders (im Mittelalter stecken geblieben? ”

        Die Kulturen sind oft im Mittelalter stecken geblieben – siehe Afghanistan. Und es fehlt meistens an Bildung. Deswegen kann man den Menschen alles erzählen und sie glauben das, vor allem weil in den meisten muslimischen Kulturen Respekt vor Älteren gilt.

        Ich habe im Forum etwas zu der Vielfalt geschrieben und ein Bild gepostet. Das sind eigentlich Basics wenn Journalismus über den Islam berichten will, um mal wenigstens die Hintergründe zu verstehen. Kommt aber nie vor.

        “Mir fehlt eine klare theologische Verurteilung bestimmter muslimischer Gruppen oder wenigstens derer Taten von Islam-Gelehrten als Gesamtheit oder wenigstens mehrheitlich?”

        Das kommt schon vor, gerade hier von der Al Azhar Universität. Sie ist seit 975 n.Chr. ein Paradies für Islamstudien. Aber es gilt nur für Teile der Sunniten. Und Islam Gelehrte? Dann geht es schon wieder los— Gruppe, Rechtsschule? Ist kompliziert.

        Also kann ich dir keine einfachen Antworten liefern auf deine Fragen. Mein deutsch wird schlechter merke ich. 😂

      6. Danke, Wuestenrose91 fuer die Einblicke.
        Das hilft mir schon.
        Machen wir das beste daraus.
        Dein Deutsch ist prima.
        LG Joerg

  3. Hi Blackwater’s und schönen Tag euch! Witzig finde ich die Erkenntnis, das ich das Alles blind “unterschreibe”. Wir sprechen dieselbe Sprache. Das ist schon Grund genug, mich über jeden neuen Artikel von euch zu freuen. Ich habe die letzten 8 Jahre viel mit Coaches, Lebensberatern und christlichen Gruppierungen gearbeitet. Und mir ist das ganze “wir haben uns alle lieb Gesäusel” echt gegen den Strich gegangen. Es war unauthentisch, unaufrichtig und am Ende abstossend. Umso besser finde ich es hier, mit diesem andersartigen Blickwinkel und eurem “scheiss drauf” wem es nicht gefällt. Das ist die authentischste Webseite seit langem. Irgendwann solltet ihr mal ein Buch schreiben.
    Lieben Gruß
    Madeleine

  4. Hey ihr, I like! Inbesonders die Aspekte zu Reichtum, Dankbarkeit, Show. Keine Authentizität mehr! Welche Transformation, welch ein Glück einem widerfährt, wenn man eine äusserlich betrachtet rein negative und heftige Erfahrung durchmacht und dann wie Phönix aus der Asche steigt, ist beispielsweise unbeschreiblich. Unbeschreiblich auch die Dankbarkeit danach, die einen zu neuen Glückshochpunkten bringt. Gruss Kati

  5. Dazu einige Ergänzungen, hochinteressant: Sobald sich das Gehirn in einem positiven Zustand befindet, arbeitet es 31 Prozent produktiver. Es entsteht eine Aufwärtsspirale aus Energie, Kreativität und Leistungsfähigkeit. Der renommierte Harvard-Glückforscher, Shawn Achor, gilt als einer der weltweit führenden Experten auf dem Gebiet „Glück und Erfolg“. Er sagt: „Die meisten Menschen begehen den Denkfehler, ihr Glück an Bedingungen zu knüpfen.“ Solche Menschen denken: „Wenn ich erst einmal reich und finanziell unabhängig bin, dann werde ich glücklich sein.“ „Wenn ich im Job endlich mehr Gehalt bekomme und befördert werde, werde ich das Glück finden.“ Aber weit gefehlt! Wer so denkt, steht seinem Glück im Weg. Dein Artikel trifft es sehr gut, danke für das Teilen der Gedanken!

  6. “It is no measure of health to be well adjusted to a profoundly sick society.”

    Wie soll denn das bitte zu verstehen sein???

  7. Ein schöner Artikel. Viele Menschen würden mehr Glück erfahren, wenn die Gesellschaft offener für LGBTQ und andere Arten der Lebensgestaltung wären. Jedes Leben ist wertvoll und jeder hat Rechte! Das Pride Land Deutschland sollte hier den ersten Schritt machen und anderen mehr Freiheit vorleben. Ihr solltet auf eurem Blog deutlich dafür Stellung nehmen. Namaste

  8. In diesem neuerlichen Schwarzwasser-Artikel stecken so viele Gedanken, dass man ihn nicht lesen muss, man muss ihn studieren. Unbegreiflich (im positiven Sinne) wie man solche Artikel schreiben kann. Ich verbleibe mit besten sommerlichen Grüßen

  9. Wir wollten nur kurz Grüße da lassen und sagen wie toll und inspirierend wir eure Artikel finden. Und die Seite ist auch nicht zu verachten. Macht weiter so und bleibt unabhängig und “anders”.

    Sabine & Jörg

  10. Zur weit verbreiteten Dummheit der deutschen Nation kann ich auch einen Netzfund beitragen. Meine Meinung: Das Internet kultiviert die Dummheit noch. Früher hätte die Gosse keine Macht gehabt, heute ist man Influencer. Ein Beispiel:

    Die Freundin meines Bruders (nicht Schwägerin, war aber kürzer für Titel) ist zu meinem Missfallen erfolgreiche Influencerin (400.000 Follower). Wenn ihr bis jetzt nicht glaubtet, dass social Media fake ist, oh boy, dann lasst mich mal auspacken. Wie sich die Trulla auf Instagram gibt, ist gelogen und gestellt genug. Wie sie sich aufführt, sobald die Kamera aus ist, ist auch nebensächlich. Dass die Dame Impfgegnerin ist, die nicht an Schulmedizin glaubt, ist auch nichts neues. ABER DER GANZE RECHTE SCHEIẞDRECK.
    Hier eine Auswahl ihrer Bon Mots:
    “Wenn man sich wirklich gegen Cholera, Typhus usw impfen lassen muss, wieso hatte ichs dann noch nie?”
    “BR, ARD und ZDF sind keine seriösen Quellen. Das sind von Merkel gesteuerte Staatsmedien. Denen kannst du nicht glauben.”
    “Jetzt wird unterteilt in geimpfte und ungeimpfte. Das ist wie im Holocaust. Bald krieg ich auch so nen Judenstern.”
    “Ich glaub nicht, dass Obama in den USA geboren ist. Den hat die CIA bestimmt im Labor gezüchtet.” (Auf Nachfrage meinerseits, unter der törichten Annahme, das sei Satire, beteuerte sie, dass sie DAS wirklich ernst meine.)
    “Die Krankenhäuser sind nicht überlastet. Die beatmen Tote, nur um die als Patienten abzurechnen. Die machen alle Geld.”
    “Wenn Corona sooo verbreitet ist, warum kenn ich dann keinen, der’s hatte?” (Anmerkung: Sie verbringt ihre komplette Zeit nur mit meinem Bruder und ihren gleichgesinnten Schwestern)
    “Schon komisch, dass jetzt plötzlich eine ‘Pandemie’ ausbricht, die die ganzen pensionierten Rentner auslöscht.”
    “Wieso hast du einen Organspendeausweis, FleurDuMal?! (…) Ich würde mir so ein Ding niemals holen. Wer garantiert mir, dass, wenn Merkel mal ne neue Niere braucht, ich nicht umgelegt werde?” (Wortwörtlich zitiert)
    “Ich hab gelesen, dass die Maske viel gesundheitsschädlicher ist als die Grippe. Ich trag die nicht. (Anmerkung; wenn sie sagt, sie hätte etwas gelesen, bezieht sie sich höchstwahrscheinlich auf ein siebenminütiges YouTube Video von QAnon. Und zur Maske: sie ist der Typ Mensch, die ohne Maske in die Läden geht. Nicht um was zu kaufen, oh nein, sondern um zu diskutieren und ‘ein Zeichen zu setzen’)
    Einige Outtakes; Sie ist für ein Video nach Belgien gefahren, “weil die Corona besser regeln” und fragte meinen Bruder, ob er sich schon um ‘belgisches Geld’ gekümmert hätte. Sie lässt ihren Hund & Katze nicht impfen, denn – Überraschung – Tollwut etc ist Panikmache von den Tierärzten, um €€ zu kassieren. Sie betankte den Instagram ‘Firmen-BMW’ (Benziner) mit Diesel. Nicht nur einmal – nein, DREI MAL innerhalb von zwei Jahren.
    Zurück zu ihrem Lieblingsthema; CORONA. Ich hatte vergangenes Jahr tatsächlich Corona. Sie schlug zweiwöchiges Saftfasten und Waldspaziergänge vor. Sie sagt, wir könnten uns in punkto Freiheit was von den USA abschauen (bezogen auf die Waffen), denn man müsse sich, wenn nötig, gegen die BRD (die übrigens keine Staat, sondern mehr eine GmbH ist) zur Wehr setzen (Ja, so langsam sympathisiert sie mit Reichsbürgern). Sie ist Attila Hildman Jünger – ich denke, das sagt genug.
    Das sind alles Originale von ihr. So wahr mir Gott helfe, ich wünschte, ich würde mir das ausdenken.
    Seit 7 Jahren sind mein Bruder und sie ein Paar. Seit 7 Jahren probiere ich, etwas an ihr zu finden, das ich mag. Seit 7 Jahren macht sie es mir von Tag zu Tag schwerer. Ich bin wirklich geduldig und jedem wohlgesinnt, aber bei der Schnepfe reißt mein Geduldsfaden. Das soll hier kein verbose Tirade sein, aber ich muss das mal loslassen.
    Das Schlimmste ist, dass sie total auf meinen Bruder abfärbt. Die beiden wohnen zusammen, ‘arbeiten’ zusammen und hocken quasi aufeinander. Kaum Freunde, kaum andere Meinungen, alleine in ihrer konspirativen Blase. Verschlimmert durch Lockdown. Ich durfte mitansehen, wie mein ursprünglich vernünftiger, besonnener Bruder von der Aluhutträgerin immer weiter ins Querdenker-Loch gezogen wurde und wird. Ich komme nicht mehr zu ihm durch.
    Das zweite ist ihr Einfluss auf den sozialen Medien. Glücklicherweise halten ihre letzten zwei Gehirnzellen sie davon ab, ihre Verschwörungstheorien publik zu machen, und sie gibt sich auf Instagram & co recht… normal. Trotzdem würde ich ihren Followern, all den leichtgläubigen 14-Jährigen, mal zeigen, wie sie wirklich tickt.
    Ich denke nach jedem ihrer Fauxpas, ‘okay, das geht jetzt wirklich nicht schlimmer’, aber dann kommt Influenza wieder zu Besuch und ich denke, ‘wow, sie hat sich mal wieder selbst übertroffen’. Diskutieren kann ich mit ihr nicht. Ich komme nicht zu ihr durch. Wenn ich weiß, dass sie zu Besuch kommt, lese ich mich zwei Stunden in die Materie ein, um ihr mit Statistiken und Zahlen zu begegnen, aber jegliche Einwände/Widerlegungen meinerseits werden mit der zweisilbigen Erwiderung “Fake News” abgewunken. Frosch im Himmel, ich bin mit meinem Latein am Ende und sie wird immer schlimmer. Lasst mich wissen, was ihr denkt, wie mit so jemandem umzugehen ist.
    TL;DR Bruder und seine Freundin sind erfolgreiche, mäßig bekannte Influencer, die immer mehr in die Q-Anon/Querdenker/Verschwörungstheorien-Ecke abdriften. Die gewitterten Komplotte und die damit einhergehenden Gedankengänge werden immer abstruser. Die beiden sind in ihrer Filterblase, an der jegliche Vernunft und Rationalität abprallt.
    Anmerkung: das ist mein Zweitaccount. Ich werde sie und meinen Bruder nicht namentlich nennen, da ich erstens keine Hexenjagd lostreten möchte und zweitens, weil die Beziehung zu meinem Bruder für immer ruiniert wäre, wenn er er rausfindet, dass ich das publik gemacht habe. Und dafür liebe ich ihn zu sehr.

    1. @Franky, keine Sorge, die meisten Menschen werden zwischen 25-35 Jahren auch zu Spiessern.
      Stellen sich Kinder ein, ggfs noch frueher 😉

      Einfach Bruder und Freundin bis dahin liebend begleiten. Sie mal zum Essen einladen. Von Dir erzaehlen. Nicht ihre besonderen Meinungen/Auffassungen in den Vordergrund stellen sondern Gemeinsames suchen/staerken (zB Foto-Alben anschauen, wo du und dein Bruder klein waren oder gemeinsame Urlaube …).
      Beziehung schlaegt Fakten!?
      Soweit die Theorie … die Praxis ist schwerer (achselzuck).

      Mach dir keine Sorgen um die 14 Jaehrigen: So lernen sie die Lektion vielleicht frueher, dass man nur bedingt auf andere hoeren soll?

      LG Joerg

    2. Und ich dachte, dass diese Geschichte hypothetisch oder erfunden ist. Das bestätigt mich in meiner Ablehnung von Social Media. Jeder Spinner bekommt ein Sprachrohr.

  11. „Der Glaube an Gott ist prägend für mein Verständnis der Welt. Wenn man daran glaubt, dass es nach dem Tod irgendwie weitergeht, macht man auch Politik anders als zum Beispiel ein Kommunist, der bis zum Lebensende dringend mit allen Mitteln das
    Paradies auf Erden will.“ – Armin Laschet August 2021

    1. Danke für dieses Zitat.
      “dass es nach dem Tod irgendwie weitergeht”.
      Es geht für alle “irgendwie weiter”, denn jeder Mensch hat eine unsterbliche Seele.

      Aber *wie* es weitergeht, das ist doch die entscheidende Frage!

      1. Aus diesem Grund ist es auch so wichtig genau darüber nachzudenken und alle Möglichkeiten zu überprüfen. 😉

  12. Danke, Martin,

    Beim Lesen aufgefallen (Suche/Ersetze):

    Pharmainstudie
    einer menschliche Einrichtung

    “und einem Planeten, der in den nächsten Jahrzehnten völlig zugrunde gerichtet sein wird”

    Naja, hoffentlich tritt deine “Prophetie” nicht genau so ein … (“völlig”?) 😉

    “Von den schätzungsweise 90-110 Milliarden Menschen die auf der Erde bisher lebten”
    Kommt mir sehr viel vor? Weg zur Orginalstudie/Hauptquelle hier: srf.ch/sendungen/einstein/einstein/wie-viele-menschen-lebten-bisher-auf-der-welt
    Aha, im Sinne von GEBURTEN, nicht im Sinne von zB erwachsenen Menschen … das mag sein bei der hohen Saeuglings- und Kinder-Sterblichkeit …

    Was mir noch zu “Glueck” eingefallen ist:
    Es gibt ja versch. Charakter-Typen und aus pers. Erfahrung und Buechern/Podcasts etc scheint mir:
    Nicht jeder Typus hat das gleiche Gluecks-Level als Potential?! Oder was meinst Du?
    Hormonelle Gruende gibt es auch (zB Zyklus bei Frauen, Testeron- oder Oestrogen-Spiegel im Altersverlauf, etc).

    Aber “Glueck-Zufriedenheit” ist v.a. eine Haltungs-Frage. Ich kann mich dafuer taeglich/dauernd dafuer entscheiden.
    (dabei hilft: “Danken schuetzt vor Wanken, Loben zieht nach oben”)

    Glueck-Zufriedenheit als Selbstzweck ist allerdings nicht das hoechste Ziel im Leben!
    Es ist die selbstlose Liebe zu Gott, zu sich und den anderen.
    bibleserver.com/ELB.ZB/Matth%C3%A4us22%2C36
    36 Lehrer, welches Gebot ⟨ist⟩ groß im Gesetz?
    37 Er aber sprach zu ihm: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Verstand.«
    38 Dies ist das große und erste Gebot.
    39 Das zweite aber ist ihm gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.«
    40 An diesen zwei Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.

    Glueck-Zufriedenheit ist dann nur noch ein mehr oder weniger grosses Beiprodukt entsprechend der angelegten und erlernten Charaktermerkmale und hormoneller Zyklen?!

    LG Joerg

    1. Hallo Joerg, besten Dank für Dein Korrekturlesen. Manchmal sind die Gedanken schneller als die getippten Worte und manche Fehler “schleichen” sich trotz Korrektur dann ein.

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