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Zwetschgenlatwerge

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Presskoppweck
(@presskoppweck)
Internationaler Meister Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 2 Jahren
Beiträge: 1102
Themenstarter  

Weil gerade die Zeit ist, hier das Rezept für Zwetschgenlatwerge.

Man nehme überreife Zwetschgen, im besten Fall haben sich schon Runzeln um den Stielansatz, das Fruchtfleisch ist mübe und um den Kern Stein fängt das Fruchtfleisch an sich bräunlich zu verfärben. Ist die Zwetschge so, dann ist sie perfekt für Latwerge.
Die Zwetschgen werden gewaschen, dann schneidet man ihnen mit dem Kneipchen den Bauch auf, drückt mit Daumen und Zeigefinger auf Stilansatz und unteres Ende sodass die Zweitschge aufklappt und man den Stein entnehmen kann. Bei diesem Schritt sieht man auch ob Untermieter vorhanden sind. Schnittschutzhandschuhe aus Latex sind immer gut, aber die Zwetschge verfärbt die Finger nicht so stark wie z.B. Kirsche.
So kernt man vor sich hin, bis man 10 Pfund entsteinte Zwetschen hat. Das ergibt die Menge die in einen großen Bräter reinpasst.
Jetzt unterscheidet sich das Rezept vom althergebrachten, ich hau die Zwetschgen einmal kurz durch den Mixer. Braucht man nicht, ist aber kaum Mehrarbeit und man hat dann nicht die länglichen Hautstreifen in der Latwerge.
10 Pfund Zwetschgen, 3 Pfund Zucker und eine Tasse Essig (stinknormaler Weinbrandessig) werden in den Bräter gegeben und vermengt. Sind die Zwetschgen nicht vermixt, kann man die Masse ruhen lassen, damit sie Brühe zieht.
Der Bräter (ohne Deckel!) kommt dann bei 150°C in den Backofen. Er bleibt dort lange, die Menge benötigt hier rund 10 Stunden. Alle Stunde sollte man mal umrühren. Die Masse soll eindicken (Flüssigkeit verdampfen), wenn euer Backofen keine ausreichende Entlüftung hat, dann einen Löffel in die Herdklappe klemmen. Die Küchentüre dagegen geschlossen halten, sonst riecht das ganze Haus.

Man kann mehr oder weniger Zucker verwenden und man kann variieren, indem man Zimt, Sternanis oder weis der Kuckuck was mitkocht. Der Essig schmeckt nicht vor, sondern hilft die ganzen Früchte aufzuschließen. Es geht auch ohne Essig, insbesondere wenn man mixt.

Wann ist das Zeug fertig?
Die Masse ist erst rötlich und wird dunkler bis sie schwarz wird. Nach einigen Stunden steht Flüssigkeit oben drauf (vorher ist es eher schaumig). Solange da noch Flüssigkeit oben drauf ist (alle Stunde umrühren), ist es noch nicht so weit. Ist sie weg, dann läßt man noch etwas eindicken. Die Masse darf nicht mehr wässrig, sondern muß breiig sein. Man merkt, wie der Rührlöffel schwerer durchgleitet und kann notfalls eine Gelierprobe machen.
Ist man zufrieden mit der Konsistenz, dann holt man den Bräter aus dem Ofen und füllt die Masse sofort in heiß ausgespülte Gläser. Eine Suppenkelle und ein Trichter mit weitem Auslaß sind gute Helfer. Danach Schraubdeckel drauf und abkühlen lassen.
Soll ich erwähnen, dass ein schwarzer Rand im Bräter karamelisiert? 🤫 
Daran kann man sich tagelang die Zunge wund lecken. Keine Angst, ein Bräter ist keine Suppenterrine, ihr werdet nicht wie Michel aus Lönneberga rumlaufen. Man kann den Bräter aber auch einfach im heißen Wasser einweichen.

Jetzt Geschichten aus der Vergangenheit: 10 Pfund Zwetschgen und 3 Pfund Zucker sind eine Kinderportion. Früher wurde die Latwerge in vielfacher Menge davon zubereitet. Im Waschkessel (nicht meiner).

Diese Kessel hatten gewöhnlich 100 oder 125 Liter Inhalt. Kochte man Latwerge in so einem Kessel, dann musste dauernd darin gerührt werden.

Neben Waschen und Latwerge kochen, hatte dieser Kessel eine weitere Aufgabe. Darin wurde bei der Hausschlachtung Fleisch und Wurst gebrüht. Auf dem Foto sieht man etwas, das heute kaum noch jemand kennt: ein Fettfänger. 
Auf der Metzelsuppe schwamm ein Fettfilm, dieser wurde abgeschöpft und in den Fettfänger gekippt. Dort setzte sich die Suppe unten ab und konnte über den Hahn zurück in den Kessel abgelassen werden. Das aufschwimmende Fett wurde in Steingutbehältnisse abgelassen und als Brotaufstrich verwendet. Aber nicht unter der Latwerge!


   
weip321, mrsblackwater, himself63 and 2 people reacted
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Gerhard
(@gerhard)
Vollkornbrot Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 2 Monaten
Beiträge: 26
 

Eine wunderschöne Erinnerung an meine Kindheit. Bei uns in der Pfalz hieß das schwarze süße Endprodukt allerdings „Latwersch“. Das Rühren über viele Stunden wurde auf viele Personen als Schichtarbeit aufgeteilt und war ein ganz besonderes Gemeinschaftserlebnis zu Beginn des Herbstes.

Die Zutaten, waren meiner Erinnerung nach die gleichen, wie hier geschildert. Der hier abgebildete Waschkessel ist aber schon ein neueres Modell. Unser Kessel stand in der „Weschkisch“ das ist die pfälzische Bezeichnung für Waschküche. Die Bezeichnung ist allerdings stark verkürzt und beschreibt die Funktionen dieses Raumes nur unvollständig. Neben Wäschewaschen war der Raum Badezimmer, Wurstküche und Poduktionsstätte für Latwersch und zum Einkochen (Einwecken) von Obst und Gemüse.


   
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mrsblackwater
(@mrsblackwater)
Schach Großmeister Moderator Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 2 Jahren
Beiträge: 693
 

Glücklicherweise haben wir genau so ein Glas erst kürzlich erworben. Von Pfälzer Omis gekocht. 🥰😊


   
habanero1979 reacted
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Gerhard
(@gerhard)
Vollkornbrot Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 2 Monaten
Beiträge: 26
 

Nun dann wünsche ich Euch, dass Ihr jedes Löffelchen davon genießen könnt. Mir schmeckt es am besten auf einer Scheibe frischgebackenen Brotes mit einer dicken Butterschicht als Unterlage. Es sind die einfachen Dinge im Leben, die Glückshormone freisetzen!


   
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