Community

Gedanken zu „Warum ...
 
Benachrichtigungen
Alles löschen

Gedanken zu „Warum die Mehrheit immer falsch liegt“

Seite 1 / 3

ikigaimondai
(@ikigaimondai)
Schach Internationaler Meister Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 6 Monaten
Beiträge: 623
Themenstarter  

Ein neuer Blogeintrag zum Wochenende (LINK), und „food for thought“.

Insbesondere der Teil über „soziale Normen“ hat mich sehr an einen Abschnitt aus dem „Guide to Gender“ erinnert, den ich hier mal übersetzt wiedergebe:

SOZIALE NORMEN
Die schnelle und schmutzige Erklärung von sozialen Normen ist, dass sie (typischerweise) informelle Regeln darstellen, deren Einhaltung eine Gesellschaft einfordert und die Mitglieder der Gesellschaft einhalten. Soziologen und Psychologen schauen leicht unterschiedlich auf das Thema, aber der Gedanke ist der gleiche.

Einige Beispiele für soziale Normen: Mit geschlossenem Mund kauen und alles andere, was in die Kategorie „höflich“ oder „Benimm“ fällt; bestimmte Kleidung zu bestimmten Anlässen (kein Schlafanzug in der Oper und keine Smokings und Abendkleider zum Schlafen); und, ein besonders bemerkenswertes Beispiel: sich in einem Fahrstuhl den Türen zuwenden und Gespräche auf ein Minimum reduzieren.

Die meisten Normen werden nur informell durchgesetzt (ihre Nicht-Einhaltung ist also nicht illegal), dennoch wird der Druck, ihnen zu folgen, oftmals als deutlich stärker wahrgenommen als bei manchen formal strafbewährten Handlungen (wie beispielsweise als Fußgänger bei Rot die Straße zu überqueren).

ÜBUNG: Suchen Sie sich einen frequentierten Fahrstuhl und fahren Sie ihn mehrfach rauf und runter. Zunächst auf die „normale“ Art und Weise: den Türen zugewandt, und sich still verhaltend. Beobachten Sie, wie es sich für sie anfühlt. Achten Sie auf innere Stimmen und wie sich die anderen Fahrstuhlfahrenden Ihnen gegenüber verhalten. Dann - jetzt kommt der spaßige (und gruselige) Teil - tun sie das exakte Gegenteil: sie betreten den Fahrstuhl und bleiben mit dem Rücken zur Tür stehen. Schauen Sie ihren Mitfahrenden bald-Freunden (Feinden) ins Gesicht, suchen Sie Augenkontakt und beginnen Sie ein tiefgründiges Gespräch. Sie könnten sich beispielsweise vorstellen, die anderen fragen, warum sie gerade Fahrstuhl fahren, was sie so mit ihrem Leben anfangen, was ihr Geburtsdatum ist - normales Zeug eben. Achten Sie auch hier wieder auf Ihre Gefühle und die Schwingungen, welche Sie von ihren Mitfahrern aufnehmen.

Das faszinierende an sozialen Normen ist, wie mächtig ihr Einfluss sein kann. Nehmen wir das Fahrstuhl-Beispiel im Vergleich zum Rotlichtverstoß. Niemand bringt uns bei, wie man eine Fahrstuhl fährt. Es gibt keine Hinweisschilder, Regelbücher oder andere formale Hinweise darauf, wie man „korrekt“ Fahrstuhl fährt. Dennoch könnte jeder von uns für sich eine Liste von „Fahrstuhlregeln“ schreiben, und die Listen würden sich in erstaunlicher Weise ähneln. Der Prozess, in dem wir solche Dinge lernen, heißt „Sozialisierung“, das Ergebnis „Sozialisation“.

Nehmen wir nun das Beispiel des „bei Rot über die Straße gehen“. Hierbei handelt es sich um eine Ordnungswidrigkeit, es gibt Schilder, Markierungen und Lichtsignale, die das Überqueren einer Straße erlauben oder untersagen, es gibt Gerichtsurteile und Abschnitte in Verordnungen und Eltern und Schule bringen uns bei, dass bei Rot über die Straße zu gehen nicht in Ordnung ist. Es kann sogar monetäre Konsequenzen haben, sich nicht an diese Regeln zu halten und dabei erwischt zu werden. Und dennoch wird sich ein brechen dieser Regel individuell viel weniger merkwürdig anfühlen als die Sache mit dem Fahrstuhl.

Warum?

Soziale Normen sind oft viel stärker darin, akzeptables Verhalten vorzuschreiben. Und in diesem spezifischen Fall ist bei Rot über die Straße gehen *auch* eine soziale Norm - etwas, was wir als Gesellschaft eben - obgleich offiziell verboten - dann doch nicht so schlimm finden. Was für eine verrückte Gesellschaft, in der informelle Regeln oftmals stärker wirken als formale Regelungen, und informelle Regeln den formalen Regelungen manchmal sogar widersprechen.

 


Zitat
ikigaimondai
(@ikigaimondai)
Schach Internationaler Meister Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 6 Monaten
Beiträge: 623
Themenstarter  

Liegt also „die Mehrheit immer falsch“? Oder auch nur „oft“?

Uns Menschen liegt es in der Natur, Personen, die gegen „das System“ (gemeint ist hier: das Etablierte) „aufstehen“, zu heroisieren. Zahllose coming-of-age-Geschichten zeugen davon, selbst in den griechischen Sagen gibt es schon die Geschichten von denen, die es anders machen, die sich emanzipieren von den Vorgaben ihrer Gruppe oder Familie. Galileo, Einstein, die Geschwister Scholl, Luther, Gandhi: sie alle waren in ihrer Zeit Kämpfer für eine Idee, und da sie Recht hatten (oder auf der Gewinnerseite der Geschichte standen) sind das einfach schöne Geschichten. Diese Betrachtung und Bewertung erfolgt jedoch immer ex post. Und so halte ich insbesondere den Umkehrschluss „die Mehrheit liegt immer falsch“ —> „meine Minderheitenmeinung ist richtig und stellt mich in eine Reihe mit Sophie Scholl“ (looking at you, Jana aus Kassel!) für ziemlich absurd.

Was ich für mich mitnehme ist die Aufforderung zum Denken, Hinterfragen, beweglich Bleiben. Und dabei helfen mir solche Blogeinträge, und die wunderbaren Menschen in dieser Community.

In diesem Sinne euch allen ein schönes Wochenende!


Blackwater, himself63, habanero1979 und 2 weiteren Personen gefällt das
AntwortZitat
Frau B aus N
(@fraubausn)
Schach Internationaler Meister Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 6 Monaten
Beiträge: 542
 

Martin schreibt in seinem Blogartikel:
"Und die einfache Antwort, die aber eine außerordentliche Herausforderung für uns sein wird ist, dass wir die gesellschaftlichen und anerzogenen Normen brechen müssen, wenn wir beispielsweise mehr Tiefe im Leben wollen."

Dies wird nicht begründet und ich bestreite diese Aussage.

Weiter schreibt er:
"Der Zeitgeist ist nur eine Rahmenbedingung, die eine Norm in unserem Leben schafft und meistens war es keine gute."

Dieser Aussage wiederum kann ich zustimmen. Der Zeitgeist ist der Geist Satans, der uns verführt, von den guten Weisungen Gottes, die zeitlos sind, abzuweichen. Der Zeitgeist verführt zu "das machen aber doch heute alle so", "da ist doch nichts dabei", "das kann man doch heute nicht mehr sagen".

Mir hilft der Abgleich mit den ewig gültigen "Benimmregeln" der Bibel: Ist die Verhaltensweise etwas, das im Einklang mit den guten Weisungen Gottes steht? Dann ist es nicht Zeitgeist und auch nicht (nur) Sozialisierung, sondern wichtig für ein erfolgreiches Zusammenleben von Menschen.

Spontanes Beispiel (habe nicht lange überlegt und es gäbe sicher bessere):

Es ist gesellschaftlich anerkannt, dass man sich mit Alkohol vollaufen lassen darf. Oktoberfest und tausend andere Gelegenheiten zeigen das. Wer was verträgt, ist cool. Ich erinnere mich mit Schrecken an Abteilungsgeburtstage, wenn der Mitarbeiter, der Geburtstag hatte, Sekt ausschenken musste. Es war eine unausgesprochene Pflicht. Da ich keinen Sekt mag, wollte ich beim ersten Mal was anderes spendieren, das kam gar nicht gut an. Ich wurde zudem gezwungen, auch immer ein Glas Sekt zu trinken, obwohl ich ihn nicht mag und mich wehrte. Da wird man sehr schnell ausgestoßen und ich mag mir gar nicht vorstellen, wie es für die Kollegen war, die vielleicht heimlich ein Alkoholproblem hatten ...

Wenn ich nun das mit der Bibel abgleiche, so finde ich dort kein Alkoholverbot. Nein, Paulus gibt Timotheus sogar den gesundheitlichen Rat, ab und zu etwas Wein zu trinken, Jesus hat Wein zu einer Hochzeit beigesteuert. Aber die Bibel sagt sehr deutlich, dass übermäßiger Alkohol"genuss" nicht gut für den Menschen ist, weder körperlich noch für sein geistliches Heil noch für seine Mitmenschen. Und andere gegen ihren Willen dazu zu verführen oder zwingen ist erst recht unbiblisch.

Jesu Rat heißt: "Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun sollen, das tut ihr ihnen auch!" (Matthäus 7,12, Zusammenhang lesen ist sinnvoll)

In der Bibel lesen wir immer wieder, wie Propheten gegen allgemeine (oder auch nur speziell königliche) Missstände auftraten. Aber sie traten nicht auf mit virtue signalling oder mit "ich durchschaue die Dummheit der Masse/ich breche die gesellschaftlichen Normen"-Anspruch. Sie verkündeten keine eigene Idee, sondern sie verkündeten Gottes Willen (und kündigten oft auch Gottes Gericht an).


AntwortZitat
ikigaimondai
(@ikigaimondai)
Schach Internationaler Meister Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 6 Monaten
Beiträge: 623
Themenstarter  
Veröffentlicht von: @fraubausn

Martin schreibt in seinem Blogartikel:
"Und die einfache Antwort, die aber eine außerordentliche Herausforderung für uns sein wird ist, dass wir die gesellschaftlichen und anerzogenen Normen brechen müssen, wenn wir beispielsweise mehr Tiefe im Leben wollen."

Dies wird nicht begründet und ich bestreite diese Aussage.

Ja, das ist so pauschal sicher nicht durchgängig richtig. Es gibt ja auch viele gute und wichtige soziale Normen, man denke eben nur an Höflichkeit und Benimm.


Blackwater, hesekiel58 und Airnesto gefällt das
AntwortZitat
Blackwater
(@deepblackforest)
Schach Großmeister Admin
Beigetreten: Vor 4 Jahren
Beiträge: 1059
 

Hallo zusammen und danke für eure Gedanken zu dem Artikel!

Vorweg gilt natürlich: (1) Ich muss nicht recht haben mit dem was ich schreibe und (2) ich meine es möglicherweise anders, als es bei manchen Empfängern ankommt. Ein bekanntes Problem in der Kommunikationswissenschaft. 😉

Veröffentlicht von: @fraubausn
Veröffentlicht von: @fraubausn

Martin schreibt in seinem Blogartikel:
"Und die einfache Antwort, die aber eine außerordentliche Herausforderung für uns sein wird ist, dass wir die gesellschaftlichen und anerzogenen Normen brechen müssen, wenn wir beispielsweise mehr Tiefe im Leben wollen."

Dies wird nicht begründet und ich bestreite diese Aussage.

Den Kontext, in dem es durchaus Sinn macht Normen zu durchbrechen habe ich ja erwähnt. Auch wenn es unmöglich ist hier auf alle Punkte einzugehen. Aber um die Beispiele nochmals anzuschneiden:

Normen zu brechen macht Sinn, wenn man in einem Unrechtssystem leben würde. Hatten wir in Deutschland ja bereits mehrfach.

Sinn machen tut es auch, wenn man geschäftlich erfolgreicher sein will als die Mehrheit. Das ist ein Thema für sich und nicht unbedingt meines, aber "thinking outside the box" ist ein wichtiger Bestandteil des Erfolgs.

Normen zu brechen und Sozialisierung zu ändern macht sehr viel Sinn, wenn ich in andere Kulturen sehr tief eintauchen will oder wenn ich auf einer spirituellen Suche bin. Denn vieles was wir als "Religion" kennen, ist nichts als anerzogene Rituale im ersten Schritt und das muss man sich erst mal vergegenwärtigen und hinterfragen.

 

Veröffentlicht von: @ikigaimondai

Ja, das ist so pauschal sicher nicht durchgängig richtig. Es gibt ja auch viele gute und wichtige soziale Normen, man denke eben nur an Höflichkeit und Benimm.

Das habe ich auch nicht bestritten und sogar explizit aufgegriffen.

Veröffentlicht von: @fraubausn

In der Bibel lesen wir immer wieder, wie Propheten gegen allgemeine (oder auch nur speziell königliche) Missstände auftraten. Aber sie traten nicht auf mit virtue signalling oder mit "ich durchschaue die Dummheit der Masse/ich breche die gesellschaftlichen Normen"-Anspruch. Sie verkündeten keine eigene Idee, sondern sie verkündeten Gottes Willen (und kündigten oft auch Gottes Gericht an).

Mensch, Frau B aus N, ich bin kein Prophet. 😉 Und es geht nicht um ein Überlegenheitsgefühl, weil die Masse beispielsweise RTL2 glotzt. Sondern es geht ganz persönlich darum, vielleicht ein paar Stellschrauben im Leben zu ändern, wenn man es denn möchte.

Dabei muss ich auch sagen, dass ich diesen Kampf auch selber führe und nicht immer gewinne. Aber dennoch teile ich die Gedanken mit der Welt und dem ein oder anderen hilft das weiter.


AntwortZitat
ikigaimondai
(@ikigaimondai)
Schach Internationaler Meister Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 6 Monaten
Beiträge: 623
Themenstarter  

@deepblackforest Alles gut! Mir gefällt der Artikel, und ich denke darüber nach. Danke, dass Du Deine Gedanken mit uns teilst!


AntwortZitat
Frau B aus N
(@fraubausn)
Schach Internationaler Meister Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 6 Monaten
Beiträge: 542
 
Veröffentlicht von: @deepblackforest

Normen zu brechen macht Sinn, wenn man in einem Unrechtssystem leben würde. Hatten wir in Deutschland ja bereits mehrfach.

Sinn machen tut es auch, wenn man geschäftlich erfolgreicher sein will als die Mehrheit. Das ist ein Thema für sich und nicht unbedingt meines, aber "thinking outside the box" ist ein wichtiger Bestandteil des Erfolgs.

Normen zu brechen und Sozialisierung zu ändern macht sehr viel Sinn, wenn ich in andere Kulturen sehr tief eintauchen will oder wenn ich auf einer spirituellen Suche bin. Denn vieles was wir als "Religion" kennen, ist nichts als anerzogene Rituale im ersten Schritt und das muss man sich erst mal vergegenwärtigen und hinterfragen.

Nun ja, für mich klang die Aussage eben nach: Wenn Du nicht nur oberflächlich leben willst, musst Du gesellschaftliche Normen brechen. Und das halte ich, wie gesagt, für eine unzulässige Aussage.

Aber ja: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen (und deren gesellschaftlichen Normen).

 Mensch, Frau B aus N, ich bin kein Prophet. 😉

Da sind wir uns einig 🙂
Und jetzt wieder ohne Schmunzeln: Wenn Gott keine Propheten mehr schickt, um unser Volk von seinen Irrwegen zurückzuholen, dann befürchte ich, dass es von ihm dahingegeben wurde. (Römer 1,24,26,29) Und das wäre wirklich schrecklich. Da können die Gläubigen im Land nur Fürbitte tun, dass vielleicht doch noch wieder eine Umkehr geschenkt wird.

Dabei muss ich auch sagen, dass ich diesen Kampf auch selber führe und nicht immer gewinne. Aber dennoch teile ich die Gedanken mit der Welt und dem ein oder anderen hilft das weiter.

Hm, vielleicht kam mein Beitrag ebenfalls falsch rüber. Du darfst natürlich denken und schreiben, was Du für wahr erachtest. Und ich habe auch nicht geschrieben, dass alles in dem Blogartikel falsch ist und Du total auf dem Holzweg bist.

Ich habe nur zu dem Teilaspekt "Normenbrecher" einige Gedanken aufgeschrieben. Dabei bezog ich mich auch auf ikigaimondais Gedanken und die Erwähnung von Gestalten wie Jana aus Kassel oder andere Menschen, die ihre eigenen Ideen verkaufen.

Vielleicht liegt's einfach an dem Begriff "brechen". Es bedeutet für mich, andere Menschen vor den Kopf zu stoßen. Ich denke grade spontan an diese Frau, die da während eines Gottesdiensts nackt auf den Altar sprang, um ihre Weltsicht anderen Menschen ins Gesicht zu donnern. Sie wollte damit ja angeblich die Institution der katholische Kirche anprangern.
Im Gegensatz dazu wäre ein Prophet zu sehen, der nicht seine eigenen Ansichten medienwirksam, plakativ und propagandistisch raushaut ohne Rücksicht auf Verluste bei "der Gesellschaft", sondern der im Auftrag Gottes den Finger auf Normen/Entwicklungen legt, die nicht Gottes Willen entsprechen, durchaus auch in der verfassten Kirche.


AntwortZitat
lichtenberg99
(@lichtenberg99)
Schach Experte Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 6 Monaten
Beiträge: 383
 

"Warum die Mehrheit immer falsch liegt". Ich habe mich ein wenig mit dem Titel beschäftigt.

Einige Gedankenfetzen dazu.

Sätze, die das Wort "immer" enthalten, sind immer falsch. Weil sie massen sich an, alle Situationen zu kennen. Auch der Satz "Sätze, die das Wort "immer" enthalten, sind immer falsch" wäre damit natürlich falsch. Das Paradoxon des Epidemes lässt grüßen.

Das zweite Anmassende ist aus meiner Sicht, dass der Autor behauptet zu wissen, was falsch und was richtig ist. Gerade in Fragen, die die eigene Philosophie, Lebensweg und Lebensglück  beschreiben gibt es nach meiner Ansicht kein richtig oder falsch.

Sehr interessanter Artikel - auch wenn ich einiger Deiner Ansichten überhaupt nicht teile! Wir sind wohl in zu vielen unterschiedlichen Bubbeln.


mrsblackwater und Blackwater gefällt das
AntwortZitat
Blackwater
(@deepblackforest)
Schach Großmeister Admin
Beigetreten: Vor 4 Jahren
Beiträge: 1059
 

@lichtenberg99 Der Autor behauptet nicht grundsätzlich und in allen Bereichen zu wissen was richtig und falsch ist, sehr wohl aber in einigen Bereichen. Das sind die Bereiche, in denen beispielsweise eine gegenteilige Behauptung wie "man weiss nicht was richtig und falsch ist, weil der Mensch ja nur eine weitere Affenart ist", zu Ergebnissen wie dem Holocaust führte. Und in der Tat wären solche Katastrophen wie industrieller Massenmord völlig egal, wenn es kein richtig und falsch gibt. Einfach ein Unfall im Tierreich auf sozialdarwinistischer Basis.

Eine andere Ebene wäre zu definieren, wie man X erreichen will. Um X zu erreichen gibt es Wege die funktionieren und Wege die nicht funktionieren. Und somit auch richtig oder eben falsch.

Diese absolute Relativismus von heute hört sich zwar klug an, weil man sich damit wenig aus dem Fenster lehnt und scheinbar alle Möglichkeiten offen hält, aber die Ergebnisse sprechen eben auch für sich.

Veröffentlicht von: @lichtenberg99

Gerade in Fragen, die die eigene Philosophie, Lebensweg und Lebensglück  beschreiben gibt es nach meiner Ansicht kein richtig oder falsch.

Das sehe ich nicht so, zumindest wenn man Glück und Erfüllung als Ziel nimmt. Nur weil es scheinbar noch keine allgemein gültige Lösung für den Weg zum Glück gibt (zumindest keine die man will), gibt es offenbar sehr sichere Wege ins Unglück. Und unsere Gesellschaft zeigt das doch ganz gut. Artikel und Studien zum Thema Unzufriedenheit, Leere, Depression und den steigenden Zahlen dazu sprechen eine deutliche Sprache. Und in weiteren 5-10 Jahren wird das noch deutlich interessanter werden. 😉 Hier könnt ihr mir meine Aussagen dann gerne um die Ohren hauen, wenn es anders kommen sollte als geschrieben.

Die Mehrheit lag bisher in einigen Bereichen des Lebens stets falsch, das bestätigt jedes Geschichtsbuch. Das "immer" mag man mir verzeihen, keine Sorge, auch meine Hoffnung ist noch nicht ganz gestorben.

Aber wie gesagt, mein Ziel ist nicht Konsens zu erzeugen. Es sind Gedanken zum durchdenken und es kann jeder seine Ansichten behalten. Ganz wie es beliebt.

Veröffentlicht von: @lichtenberg99

Wir sind wohl in zu vielen unterschiedlichen Bubbeln.

 

Wären wir alle in der gleichen, wäre es nicht nur nicht interessant, es wäre auch gefährlich.


mrsblackwater gefällt das
AntwortZitat
hesekiel58
(@hesekiel58)
Schach FIDE Meister Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 6 Monaten
Beiträge: 426
 
Veröffentlicht von: @deepblackforest

 

Die Mehrheit lag bisher in einigen Bereichen des Lebens stets falsch, das bestätigt jedes Geschichtsbuch.

Flotter Spruch! Aber jetzt möchte ich es genau wissen: Genau welche "einige Lebensbereiche" meinst du, wo die Mehrheit bisher stets (=immer) falsch lag? Mit deiner nebulös unspezifizierten Formulierung kann ich nichts anfangen.


AntwortZitat
Blackwater
(@deepblackforest)
Schach Großmeister Admin
Beigetreten: Vor 4 Jahren
Beiträge: 1059
 

@hesekiel58 Wenn wir alleine mal schauen welchen politischen Führern und Systemen die Mehrheit im letzten Jahrhundert zujubelte mit der Folge von hunderten Millionen Toten, dann spricht das durchaus (leider) für sich. Ich fände es schon sehr ignorant, das klein zu reden.

Aber wie schon erwähnt, sprechen auch kleinere Beispiele dafür, dass die Mehrheit falsch liegt. In vielen Ländern könnte man auch Ernährung und Lebensweise als Beispiel heran ziehen. Da gibt es auch nicht so viel zu deuteln, da die Folgen deutlich sind.

Stelle ich mich auf die andere Seite der These wäre die Frage: Kann man es denn auch anders herum sehen? Liegt die Mehrheit richtig und ist es regelmässig eine gute Wahl zu tun, was alle tun?

Dabei sollte man aber auch die Folgen entsprechend gewichten. Dass die Mehrheit sich daran hält bei „rot“ stehen zu bleiben ist sicher niedriger zu werten als soziale Folgen für die Gesellschaft etc.

Oder ist das Ziel der Argumentation im Allerlei zu landen? Dann kann man sich das natürlich sparen und auch die damit verbundene Hirnaktivität. Ich vermute das spart sogar CO2.

Also, ich muss ja nicht recht haben. Habt ihr gute Argumente heisst der nächste Artikel: Warum die Mehrheit richtig liegt. 😉


AntwortZitat
hesekiel58
(@hesekiel58)
Schach FIDE Meister Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 6 Monaten
Beiträge: 426
 

Ja, Anfangs hat vielleicht eine Mehrheit dem Führer und seiner kriminellen Bande im 12-jährigen 1000-jährigen Reich zugejubelt. Diese Zustimmung hat aber mit Sicherheit nicht bis zum Ende angehalten. Irgendwann war die Mehrheit dagegen, aber machtlos gegen den Unrechtsstaat und seine Unterdrückung.

Heute haben Rechtsextreme keine Mehrheit. Und das ist auch gut so. Es gibt natürlich auch heute noch rechtsextreme Fanatiker, eine lautstarke Minderheit, die glaubt, richtig zu liegen. In diesem Fall verorte ich mich ganz bewusst und gerne auf Seiten der Mehrheit, die ja so oft falsch liegt  😉

Die Mehrheit liegt nicht immer richtig. Aber häufiger, als ihr gerne mal nachgesagt wird.


Airnesto gefällt das
AntwortZitat
Blackwater
(@deepblackforest)
Schach Großmeister Admin
Beigetreten: Vor 4 Jahren
Beiträge: 1059
 
Veröffentlicht von: @hesekiel58

Irgendwann war die Mehrheit dagegen, aber machtlos gegen den Unrechtsstaat und seine Unterdrückung.

Dazu empfehle ich Historiker wie Ian Kershaw und Joachim Fest. Es ist eine absolute Fehleinschätzung zu denken, dass die Mehrheit irgendwann gegen den NS-Staat war. Die meisten haben bis zum letzten Tag das System mindestens toleriert, nicht wenige waren mit vollem Eifer selbst im Frühjahr 1945 noch dabei. Organisierter Widerstand - in Deutschland eine absolute Ausnahme. Endzeitverbrechen mit Beteiligung der Zivilbevölkerung waren da eher en vogue.

Diese Fehleinschätzung solltest Du wirklich aufarbeiten, das wäre sehr wichtig. Alleine um ein echtes und ernstes „nie wieder“ zu fundieren.


AntwortZitat
Blackwater
(@deepblackforest)
Schach Großmeister Admin
Beigetreten: Vor 4 Jahren
Beiträge: 1059
 

@hesekiel58 Die anderen Fälle hatte ich ja auch im Artikel erwähnt und da besteht in Bezug auf falsches Mehrheitenverhalten allgemeiner Konsens - ausser man fühlt sich natürlich mit den „Ergebnissen“ der Mehrheit wohl. Dann ist das natürlich auch ok.


AntwortZitat
hesekiel58
(@hesekiel58)
Schach FIDE Meister Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 6 Monaten
Beiträge: 426
 
Veröffentlicht von: @deepblackforest

 

Diese Fehleinschätzung solltest Du wirklich aufarbeiten, das wäre sehr wichtig. Alleine um ein echtes und ernstes „nie wieder“ zu fundieren.

Meinem Vater wurden vom GröVaZ (Größter Verbrecher aller Zeiten) Kindheit und Jugend gestohlen und er hat den Krieg an der Ostfront und jahrelange Gefangenschaft in Russland ertragen müssen. Das alleine ist für mich Aufarbeitung genug für ein echtes und ernsthaftes "nie wieder".


AntwortZitat
Seite 1 / 3

Blackwater.live Community

Die Community ist unser Forum und digitales Wohnzimmer. Wir sind eine Minderheit im Internet. Maximal 1% der Leser von anderen Finanzblogs passen zu uns, vermutlich trifft das auch auf die Gesamtbevölkerung zu. Warum das so ist und was die Bedingungen der Teilname bei uns sind, erfährst Du aktuell immer hier:

Wir sind anders weil:

Bei uns wird niemand ausgegrenzt. Es gibt keine dummen Fragen, nur gute und durchdachte Antworten. Wir entdecken zusammen neues und bleiben neugierig. Oberlehrer und andere Klugscheisser die schon alles zu wissen glauben, haben bei uns keinen Platz. Wir achten gemeinsam darauf, dass die Community ein schöner Ort im Internet ist und bleibt.

Wir haben viele Leserinnen und Leser mit muslimischen Background. Das eröffnete kulturell und perspektivisch einen neuen Blickwinkel. Bei uns sind Zuwanderer und Muslime willkommen! Wir helfen ihnen bei allen Fragen, auch wenn sie noch neu im Thema sind.

Gut 70% unserer Leser sind weiblich. Wir achten auf einen niveauvollen Umgang mit unseren Leserinnen, bei uns sind Frauen willkommen und werden nicht herablassend behandelt, egal ob sie Shopping und Schokolade oder Zahlen und Finanzen lieben. Unsere Themen sind für alle Frauen wichtig, ob Ingenieurin oder Beauty Model.

Aktuelle Artikel, die unsere Community betreffen:

Die Blackwater.live Community hat öffentliche Bereiche, die ohne Anmeldung sichtbar sind. Der viel größere Bereich ist nur mit der Anmeldung im Forum sichtbar. Nach dem man das Level Stammleser mit Kommentaren und Beiträgen erreicht hat, bekommt man einen nochmals erweiterten Zugriff. Unsere Leserinnen haben einen extra geschützten Bereich für sich.

Bei uns bekommt man kostenfrei Expertenwissen zum Thema Finanzen, was auf anderen Seiten für viele hundert Euro teuer verkauft wird. Das haben wir nicht nötig. Unsere Seite wird in erster Linie aus Leidenschaft betrieben, nicht aus monetären Gründen. Wir vermeiden damit Interessenkonflikte mit unseren Leserinnen und Lesern.