Community

Benachrichtigungen
Alles löschen

Die Rente ist sicher

Seite 1 / 4

Airnesto
(@airnesto)
Bauernfrühstück Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 4 Wochen
Beiträge: 135
Themenstarter  

Hallo liebe Community,

seit Jahrzehnten ist es beschlossene Sache: Die Karre fährt vor die Wand! Jetzt ist das Thema wieder aktuell (Wahljahr). Ich bin ehrlich: Ich kenne die Lösung nicht: 

Meine Eltern sind beide kurz vor 63 (dank der SPD) nach jeweils fast 48 Jahren durchgängigen Arbeitens (meine Mutter hat drei Jahre nicht gearbeitet, als ich die schönen 80er kennenlernte) aus meiner Sicht vollkommen verdient relativ auskömmlich (beide haben eher mäßig gut verdient) in Rente gegangen und genießen, was ihnen aus meiner Sicht zusteht. 

Ich selbst habe - genau wie meine Frau - erst einen geringen Anteil (<15%) meines (voraussichtlichen) Erwerbslebens hinter mir. Wir erwarten natürlich ähnlich auskömmlich (eher besser, weil deutlich besser ausgebildet/verdienend) und noch in vernünftigem Alter (bitte vor dem Greisenstatus) unsere dann in einigen Jahrzehnten anstehende Rente genießen (und unsere hoffentlich zahlreichen Enkel betreuen und verwöhnen) zu können. Dabei leisten wir gerne unsere Beiträge, wollen die durch lange Ausbildung ermöglichte finanzielle Ausstattung aber natürlich auch nicht noch deutlich mehr Richtung Rentenkasse abfließen sehen - schon gar nicht, wenn wir selbst erwartbar als Kunden der dann bald noch maroderen Rentenkasse in die Röhre schauen dürften.

Die sicher sinnvollen Beteiligung an Unternehmen, wie etwa die FDP sie ins Spiel bringt (etwa über steuerbegünstigtes Anlegen ähnlich dem Schweizer Modell), halte ich für einen Teil der Lösung. Die Anhebung des Renteneintrittsalters und die Anhebung der RV-Beiträge dagegen eher nicht (s.o.). Zu Bedenken beim Aktienvorsorgen: Für große Teile der Bevölkerung wird das kaum im sinnvollen Rahmen möglich sein...50€ im Monat o.ä. sind ein Anfang, aber keine echte Lösung!

Habt ihr fundierte Ideen, wie man dieses gesamtgesellschaftliche Problem lösen könnte? Bitte nur keine „Rette sich wer kann - raus da!“-Hinweise! 🙂 Ich bin sehr gespannt! 


Zitat
franzllang
(@franzllang)
Vollkorn-Member Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 2 Monaten
Beiträge: 89
 

Mir ist nicht ganz klar, was deine Frage ist. Willst du wissen, wie man als Individuum damit umgehen kann? Dann stimme ich dir bzgl. der 50€ im Monat Aktien zu, das wird nicht reichen. 

Wenn es um eine gesamte Änderung des Rentensystems geht, würden natürlich deine Rentenbeiträge, also deutlich mehr als 50€, kapitalbasiert angelegt. Für Geringverdiener müsste der Anlagebetrag dann in irgendeiner Art aufgestockt werden. Ist mir auch recht, wenn das "solidarisch" (Wer Solidarität sagt, will betrügen - Carl Schmitt) durch Unterstützung von Besserverdienern läuft.

Trotz der durchaus existierenden Probleme des Kapitaldeckungsverfahrens sehe ich hier einiges an Vorteilen gegenüber dem Umlageverfahren - mal ehrlich, was für mich als Privatmensch gut ist (langfristiges Anlegen in Aktien/ETFs), kann für die Gesellschaft nicht schlecht sein. Und bei einer Hyperinflation werden wir andere Probleme haben, als die Rente zu sichern. 

Ein weiterer Vorteil wäre m.E. der Mentalitätswandel hin zu einer selbstverantwortlicheren Gesellschaft, aber das mag nur meine Wunschvorstellung sein.

Wie man allerdings den Übergang vom aktuellen Umlagesystem zum Kapitaldeckungsverfahren schafft, weiß ich nicht. Da müsste wahrscheinlich viel Geld für die Überbrückungszeit in die Hand genommen werden, weswegen jeder Politiker davon Abstand nimmt. 

 


AntwortZitat
Frau B aus N
(@fraubausn)
Bauernfrühstück Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 2 Monaten
Beiträge: 105
 
Veröffentlicht von: @franzllang

Wie man allerdings den Übergang vom aktuellen Umlagesystem zum Kapitaldeckungsverfahren schafft, weiß ich nicht. Da müsste wahrscheinlich viel Geld für die Überbrückungszeit in die Hand genommen werden, weswegen jeder Politiker davon Abstand nimmt.

Es wurde versucht. Die Förderung der bAV seit den 1970ern, die Riester-Rente, die Rürup-Rente - alles Bausteine, die aus der Umlagefinanzierung herausführen sollen.

Man könnte es ziemlich einfach bewirken, ganz ohne Versicherung und viele Profiteure und tausend komplizierte Bedingungen: Alles, was in ein Altersvorsorgedepot reingeht, bleibt steuerfrei. Bis man es wieder rausnimmt. Punkt. Wieviel jemand da reinlegt, bleibt ihm überlassen. Wann er es wieder entnimmt, auch. Und da ist das Problem, warum es bislang nicht so gemacht wird: Viele Menschen sind mit der Verfügbarkeit und Eigenverantwortlichkeit überfordert. Es gibt gute Gründe, weshalb man sich seine gesetzlichen Rentenansprüche seit Jahren nicht mehr auszahlen lassen kann - grade die, die auf dieses Geld später angewiesen sind, schaffen es nicht, in den Wechselfällen des Lebens nicht ans Ersparte zu gehen.


AntwortZitat
Airnesto
(@airnesto)
Bauernfrühstück Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 4 Wochen
Beiträge: 135
Themenstarter  
Veröffentlicht von: @franzllang

Ein weiterer Vorteil wäre m.E. der Mentalitätswandel hin zu einer selbstverantwortlicheren Gesellschaft, aber das mag nur meine Wunschvorstellung sein.

Wie man allerdings den Übergang vom aktuellen Umlagesystem zum Kapitaldeckungsverfahren schafft, weiß ich nicht. Da müsste wahrscheinlich viel Geld für die Überbrückungszeit in die Hand genommen werden, weswegen jeder Politiker davon Abstand nimmt. 

 

Individuell bekomme ich das schon gelöst!

Mir ging es tatsächlich um den von dir als zweites beschriebenen Teil, denn auch in diesem Problem liegt enorme Sprengkraft für die Gesellschaft und mich interessieren eure Ideen dazu!

Der Ansatz mit der kapitalgedeckten Rente ist sinnvoll finde ich. Aber du hast es angesprochen: die Jahrzehnte dauernde Wechselphase dürfte schwierig werden.

Und das dann anwachsende Vermögen in der Kapitaldecke einer neuen RV könnte auch immer wieder attraktiv für andere tolle Ideen unserer Volksvertreter sein, für die man das Geld nutzen könnte. Es müsste also bei der Privatperson im Depot liegen. So wie diese Säulen in der Schweiz.


AntwortZitat
lichtenberg99
(@lichtenberg99)
Bauernfrühstück Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 2 Monaten
Beiträge: 103
 
Veröffentlicht von: @airnesto

Für große Teile der Bevölkerung wird das kaum im sinnvollen Rahmen möglich sein...50€ im Monat o.ä. sind ein Anfang, aber keine echte Lösung!

Ich würde den Zinseszins Effekt nicht unterschätzen. Wenn man z.B. mit 16 eine Lehre anfängt, dann laufen die ersten Raten 50 Jahre. Bei 5 oder 6% Realverzinsung kommt da schon gewaltig was zusammen. Bei 5% Realverzinsung das 11,x fache bei 6% das 18,x fache. Das ganze erfordert dann bloß eine enorme Disziplin das durchzuhalten. Möglichkeiten sollten z.B. auch sein, dass man Sonderzahlungen, Boni etc. in einen solchen Topf einbringen kann). Das gibt es auch schon bei großen Unternehmen im Rahmen einer "deferred compensation". Voraussetzung wäre die nachgelagerte Versteuerung.

Für Otto Normalverbraucher sollte das funktionieren, für Menschen, die über Jahrzehnte in prekären Situationen leben (müssen) eher nicht. Aber bei denen funktioniert das jetzige Umlagesystem auch nicht. Die müssen dann eben unterstützt werden. Systeme funktionieren aber eh nie für alle.

Ich finde die FDP Initiative deshalb auch sehr gut.

Das jetzige Umlagesystem sollte aus meiner Sicht langsam runtergefahren werden (d.h. dann aber auch: 50 Jahre noch mehr Subventionen) und als eine Säule stehen bleiben. Aber die gesamte Altersversicherung als Wette auf die deutsche Bevölkerungsentwicklung und Wirtschaftskraft?


Blackwater gefällt das
AntwortZitat
Blackwater
(@deepblackforest)
Schach FIDE Meister Admin
Beigetreten: Vor 4 Jahren
Beiträge: 477
 

Darüber könnte man Romane schreiben. Von einer ursprünglich guten Idee eines solidarischen Umlagesystems bis zum totalen Staatsversagen der politischen Klasse.

Wie die Politik da raus kommen will? Scheinbar gar nicht. Man setzt auf die steigende Besteuerung+Sozialabgaben auf die Rente + Inflationierung. Ich bin sicher, dass die heutigen Rentenbescheide schon brutto stimmen. Hat einer beispielsweise 2.000,00 Euro zu erwartende Rente auf dem Bescheid stehen, wird das in 30 Jahren auch seine Bruttorente sein. 100% steuerpflichtig + Sozialabgaben (ex-Arbeitslosenversicherung)

Durchinflationiert mit 2%, kann jeder ausrechen was da netto an Kaufkraft rauskommt.

Nur so viel: Die Mehrheit der Menschen wird definitiv in der GRUNDSICHERUNG landen.!!!

Daher MUSS man privat vorsorgen.

Veröffentlicht von: @lichtenberg99

Ich würde den Zinseszins Effekt nicht unterschätzen.

Absolut! 50 Euro für ein Kind gespart, welches den Sparplan fortsetzt.... der Hebel ist der thesaurierende Ertrag + die Zeit (67 Jahre!!!)

 

Leider schliesst sich hier der Teufelskreis: Finanzielle Allgemeinbildung in der Bevölkerung? Kann man vergessen. Daher teilt dieses Forum mit so viel Leuten wie möglich, auch wenn die meisten das für "dubios, dunkel, gefährlich, hochbedenklich" oder was auch immer halten. 😉  Den meisten kann man nicht helfen, aber wenn es einige wenige sind, ist schon viel gewonnen.

Ich bin sicher, einfacher als wir gemeinsam es hier Menschen erklären können, gibt es das selten im Internet. Sonst ist die Thematik oft zu nerdig oder zu sehr Finanzwesir lastig (ein super Blog, aber nichts für Newbies) oder aber die Abzocke-Coachingblogs tummeln sich darin (ETF Sparplan für 5K Gebühren).


lichtenberg99 gefällt das
AntwortZitat
Presskoppweck
(@presskoppweck)
Bauernfrühstück Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 4 Wochen
Beiträge: 116
 
Veröffentlicht von: @fraubausn

Man könnte es ziemlich einfach bewirken, ganz ohne Versicherung und viele Profiteure und tausend komplizierte Bedingungen: Alles, was in ein Altersvorsorgedepot reingeht, bleibt steuerfrei. Bis man es wieder rausnimmt. Punkt.

Nein, bitte ein Komma und der Nachsatz, frühestens ab Lebensalter 60 oder bei Bezug einer gesetzlichen Rente.
Damit sollten sich die ganzen Bedenken erübrigen.


mrsblackwater und Airnesto gefällt das
AntwortZitat
Airnesto
(@airnesto)
Bauernfrühstück Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 4 Wochen
Beiträge: 135
Themenstarter  

Also mit der Einschränkung ab 60/ab Rentenbezug auszahlbar: gute Idee! 


AntwortZitat
Knew2
(@knew2)
Vollkorn-Member Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 2 Monaten
Beiträge: 89
 

Die Rente als reines Umverteilungsinstrument ist einfach per se ein System zum Scheitern.

Deswegen: Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende!

  1. Jeder Erwerbstätige (Beamte, Selbstständige, Angestellter) zahlt in dasselbe Rentensystem ein.
    1. Auswahl der Renten-Anlagen - Einzahlung sollte aber garantiert werden (Diese Überlegungen sollten definitiv noch verfeinert werden)
      1. XYZ% Kapitalanlage, XYZ% Staatsanleihen, etc
      2. XYZ% Staatsanleihen
      3. Keine Kapitalanlage
      4. usw
  2. Jeder muss über die Arbeit (oder als Selbstständiger durch eine Organisation) die Möglichkeit haben, in eine Betriebsrente seiner Wahl einzuzahlen (Wechselbar ohne Abzüge)
  3. Jeder muss die Möglichkeit haben, ein Depot festzulegen, welches als "Altersvorsorge" angesehen wird - alles was dort eingezahlt und investiert wird, kann ab Alter XYZ (z.B. ab 60) Steuerfrei entnommen werden. Wird Geld davor abgezogen, kann es gestaffelt (z.B. für Hausbau vs. Privatvergnügen) besteuert werden.
  4. Betriebsrente und Depot gelten als Privatvermögen, kann also mit dem Tod vererbt werden. Die gesetzlichen Rentenansprüche werden u.a. für die "Mindestrente" benutzt.

Das wären meine 4 Grundsatzforderungen an ein neues Rentensystem.


AntwortZitat
Presskoppweck
(@presskoppweck)
Bauernfrühstück Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 4 Wochen
Beiträge: 116
 
Veröffentlicht von: @airnesto

 (eher besser, weil deutlich besser ausgebildet/verdienend) 

Du verdrängst das große Problem der arbeitenden Bevölkerung, die kalte Progression. Das ist einer der Gründe, weshalb heutzutage beide Eheleute arbeiten gehen (müssen).

Zum generellen Problem der umlagenfinanzierten gesetzlichen Rente
Momentan erinnert mich das an ein Schneeballsystem, solange genügend neue Beitragszahler eintreten (das gesamte System wächst), funktioniert das System. Die Schwierigkeit ist nun, das wachsende System in ein stabiles, nichtwachsendes System umzuwandeln. Grundsätzlich ist das möglich. Eine Grundvoraussetzung ist die Überlegung wieviele Beitragszahler benötigt man um einen Rentner zu versorgen. Sagen wir mal 5. Man kann es auch anders ausdrücken, nämlich die Rentenbezugsdauer im Vergleich zur Beitragszahldauer. Fängt man mit 15 als Lehrling an und arbeitet durchgehend bis 65, dann hat man 50 Jahre Beitragszeit. Bei unserem Faktor 5 bleibt dann noch ein Jahrzehnt Rente. Liegt die Lebenserwartung bei 75, dann geht diese Rechnung auf.

Jetzt zu dem besser ausgebildet.
Unterstellen wir mal den Berufseinstieg nach dem Studium mit 25 Jahren. In Rente gehen mit 60. Das ergibt 35 Beitragsjahre, wenn keine Lücken im Lebenslauf entstehen. Ich denke, dass die aktuelle Lebenserwartung eines Berufseinsteigers eher bei 80 zu verorten ist. Da macht eine Bezugsdauer von 20 Jahren. Wir sind also bei einem Verhältnis 35/20 oder 1,75. Muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: 1,75 Beschäftigte füttern einen Rentner durch. Bei einem Rentenniveau von 50% bedeutet das, dass 28,5% deines Bruttoeinkommens für die Rente verwendet werden müssen. Das ist eine Steierung um rund 54% zum derzeit gültigen Satz von 18,6%.
Wir haben nun 4 Stellschrauben (wenn man gleichen Verdienst und keine Erwerbslücken unterstellt):
Eintritt ins Berufsleben
Eintritt in die Rente
Lebenserwartung
Rentenniveau
De facto kann der Gesetzgeber nur den Renteneintritt und das Renenniveau beeinflussen, bzw festlegen. Die Diskussion darüber ist erbittert und flammt gerade wieder auf.

Eine Lösung hab ich nicht, im Gegenteil ich führe mal einen Grund auf, der dagegen spricht dass die kapitalgedeckte Rente die Lösung ist. Gesamtwirtschaftlich gesehen können wir Erdenbewohner nur das verzehren was wir auch erwirtschaften oder konkret unser Rentner kann nur essen, was unsere 1,75 Beitragszahler erwirtschaften. Irgendeiner der 1,75 Beitragszahler muß auch dem Rentner den Arsch abwischen, wenn er älter wird und das nicht mehr selbst machen kann.
Wir können nun als Geldsack und Aktionär aus den Firmen aller Herren Länder profitieren. Das kann sogar lokal bei uns zu einer Linderung beitragen. Aber gesamtwirtschaftlich gesehen können wir Erdenbewohner nur das verzehren was wir auch erwirtschaften. Was wir hier mehr konsumieren das fehlt dann dem Chinesen oder dem Spaniern (da kamen die Kartofffeln von heute Mittag her). 
Ja, Wachstum war bisher das probate Gegenmittel. Es wird auch heute noch propagiert und ohne Wachstum fliegt uns irgendwann das ganze System um die Ohren. Aber mit Wachstum wird irgendwann auf jedem Quadratmeter Erdboden ein Erdling leben und der Planet erstickt an Homo sapiens.


Blackwater gefällt das
AntwortZitat
R3s0n4t0r
(@r3s0n4t0r)
Half Bread Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 3 Wochen
Beiträge: 20
 
Veröffentlicht von: @presskoppweck

Unterstellen wir mal den Berufseinstieg nach dem Studium mit 25 Jahren. In Rente gehen mit 60. Das ergibt 35 Beitragsjahre, wenn keine Lücken im Lebenslauf entstehen. Ich denke, dass die aktuelle Lebenserwartung eines Berufseinsteigers eher bei 80 zu verorten ist. Da macht eine Bezugsdauer von 20 Jahren. Wir sind also bei einem Verhältnis 35/20 oder 1,75. Muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: 1,75 Beschäftigte füttern einen Rentner durch. Bei einem Rentenniveau von 50% bedeutet das, dass 28,5% deines Bruttoeinkommens für die Rente verwendet werden müssen. Das ist eine Steierung um rund 54% zum derzeit gültigen Satz von 18,6%.

 

Ich glaube nicht das das Problem nur die 1,75 Beitragszahler sind. Zumindest nicht direkt. Was irgendwie nie bzw. eher selten in der Diskussion erwähnt wird: die Produktivitätssteigerung ist gefühlt immer nur in die Gewinne der Wirtschaft geflossen. Rein rechnerisch müsste es doch möglich sein, dass wenn früher auf einen Rentner 5 Beitragszahler gekommen sind, es mit einer kontinuierlichen Produktivitätssteigerung möglich sein muss dass z.B. nur noch 2 Beitragzahler für einen Rentner aufkommen. Oder habe ich hier einen Denkfehler?

Der Markt steigt ja kontinuierlich (deswegen investieren wir ja alle in ihn) aber die Reallöhne stagnieren quasi. Wo geht die Differenz hin? Inflation kann es ja nicht sein, denn die Reallöhne sind ja inflatiosnbereinigt. Lohnsteuer ist auch nicht höher als früher (ich sag nur Spitzensteuersatz). Und war nicht unter Kohl der Rentenbeitragsatz auch noch über 20%? Sprich, man hat den Rentenbeitrag gekürzt obwohl man wusste das man in ein Demografie-Problem läuft? Wem nützt das alles?

Prinzipiell, glaube ich schon, dass das Umlageverfahren funktioniert; wenn alle Beteiligten fair und gleichmäßig daran beteiligt werden. Auf Arbeitgeber/Wirtschaft/Kapital und Arbeitnehmer/Selbstständige/Rentner Seite. Und wenn am Ende dabei herauskommt, dass alle Arbeitnehmer als Rentenzuschuss Anteile an ihren jeweiligen Betrieben (Aktien) erwerben, quasi als VEB (haha sorry konnte ich mir nicht verkneifen - Link) dann ist das doch auch ok.

Man wird ja nochmal träumen dürfen 😉


AntwortZitat
Presskoppweck
(@presskoppweck)
Bauernfrühstück Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 4 Wochen
Beiträge: 116
 
Veröffentlicht von: @r3s0n4t0r

Ich glaube nicht das das Problem nur die 1,75 Beitragszahler sind. Zumindest nicht direkt. Was irgendwie nie bzw. eher selten in der Diskussion erwähnt wird: die Produktivitätssteigerung ist gefühlt immer nur in die Gewinne der Wirtschaft geflossen. Rein rechnerisch müsste es doch möglich sein, dass wenn früher auf einen Rentner 5 Beitragszahler gekommen sind, es mit einer kontinuierlichen Produktivitätssteigerung möglich sein muss dass z.B. nur noch 2 Beitragzahler für einen Rentner aufkommen. Oder habe ich hier einen Denkfehler?

In meinen Augen schon. Klar, man kann sagen die Arbeiter sind unterbezahlt und irgendwo sitz ein Aktionär wie die Made im Speck und mästet sich. Mein Beispiel war schon äußerst schön gerechnet und hat die Arm/Reich-Problematik ausgeblendet.
Du kannst mein Beispiel aber gerne im gerechtesten Sozialismus aller Zeit durchspielen. Dort gibt es kein Eigentum, keine Firmen, alles VEB, kein Filz, keine LMAA-Gedanken, kein Rückzug ins Private, keine Fluchtmöglichkeit. Vielleicht auch Einheitsllohn, damit wir leichter rechnen haben.
Das löst aber nicht das Problem der Demographie. Die Demographie gibt uns vor, wie viele Beitragszahler auf einen Rentner kommen. Es sind immer noch 1,75. Die müssen ihn durchfüttern, egal ob sie viel oder wenig verdienen, ob im Kapitalismus oder Soialismus.

Auch im schöneren Weltsozialismus haben wir nur die Stellschrauben
Eintritt ins Berufsleben
Eintritt in die Rente
Lebenserwartung
Rentenniveau

Das ist ein grundsätzliches Problem, wenn wir dem Bevölkerungswachstum abschwören wollen. Was wir sollten, aber wohl nicht können.


AntwortZitat
R3s0n4t0r
(@r3s0n4t0r)
Half Bread Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 3 Wochen
Beiträge: 20
 

@presskoppweck Ich finde Deine Antwort natürlich erst enmal humoristisch durchaus gelungen, aber allein die Substanz fehlt mir ein wenig (ist wirklich nicht böse gemeint). Klar, niemand will den totalen Sozialismus, aber rein hypothetisch was wäre denn wenn alles gleich wäre ... so wie Du es geschrieben hast? Müsste dann nicht automatische jede Produktivitätssteigerung der Allgemeinheit zu gute kommen? Entweder in Form von weniger Arbeitszeit oder in Form von mehr "Gewinn" für die Gesellschaft?

Und wenn es weniger Arbeitszeit wäre, dann könnten auch weniger Arbeiter die gleiche Produktivität erbringen. Oh hier habe ich mich gerade selbst ausgetrickst. Wenn weniger Menschen die gleiche Arbeit verrichten, dann kommen natürlich trotzdem mehr ältere Leute die versorgt werden müssen hinzu (Demografie). D.h. diese Entwicklung müsste asymmetrisch sein, also die Produktivitätssteigerung müsste stärker steigen als die Demografie den Vorteil wieder auffrisst. Ich brauche Kaffee 😉

Bzgl. dem Bevölkerungsproblem und falls Du es noch nicht kennen solltest, empfehle ich Dir das wirklich gute Buch von Hans Rosling "Factfulness" und auch seine dazugehörigen Vorträge sowie die Homepage www.gapminder.org . Die Vorträge (z.B. das hier: Youtube-Link) sind sehr unterhaltsam und mir ist beim ersten Mal sehen buchstäblich der Mund offen stehen geblieben vor Verwunderung. Aber im positiven Sinn.


AntwortZitat
Presskoppweck
(@presskoppweck)
Bauernfrühstück Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 4 Wochen
Beiträge: 116
 
Veröffentlicht von: @r3s0n4t0r

@presskoppweck
Klar, niemand will den totalen Sozialismus, aber rein hypothetisch was wäre denn wenn alles gleich wäre ... so wie Du es geschrieben hast?

Vorweg: Ich bin mir ziemlich sicher, dass viele Leute den Sozialismus wollen. Sie wissen oft nur nicht, dass auch dieser wieder totalitär enden wird.

Du hast es richtig erkannt, mein Beispiel ist schon in einer idealen Welt. In der realen Welt wird es noch schlechter funktionieren.
Ich hatte gehofft, dass mir jemand darlegen kann wie die Demographie auszutricksen ist. Ich sage das geht nicht, es bleibt (um beim Beispiel zu bleiben) bei 1,75 Beitragszahlern pro Rentner, egal welches Wirtschaftssystem.
Auch mit besserer Produktivität werden das nicht mehr. Bessere Produktivität führt nur dazu, dass man nicht mehr 12 Stunden am Tag arbeitet, sondern nur noch 8 Stunden. Es ändert nichts daran, dass der Arbeiter 28,6% seines Erwirtschafteten an den Rentner abgeben muß. Dieses kleine Beispiel hat den Vorteil, dass es jeder nachrechnen kann: simpler Dreisatz.

Beim Durchlesen merke ich gerade, dass Du mir gar nicht widersprochen sondern zugestimmt hast. Aber gut, jetzt hab ich das getippt ...

Zu dem Herrn Rosling: der beschreibt, dass das Bevölkerungswachstum zurück geht, wenn irgendwann der Wohlstand ankommt. Er sagt aber nicht, ob wir dann 18 oder 35 Mrd Mensch auf dem Planeten haben. Das ist kein Trost für Pachamama, für mich waren die 20 min Zeitverschwendung.


mrsblackwater gefällt das
AntwortZitat
Airnesto
(@airnesto)
Bauernfrühstück Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 4 Wochen
Beiträge: 135
Themenstarter  
Veröffentlicht von: @presskoppweck
Veröffentlicht von: @r3s0n4t0r

Ich glaube nicht das das Problem nur die 1,75 Beitragszahler sind. Zumindest nicht direkt. Was irgendwie nie bzw. eher selten in der Diskussion erwähnt wird: die Produktivitätssteigerung ist gefühlt immer nur in die Gewinne der Wirtschaft geflossen. 

Auch im schöneren Weltsozialismus haben wir nur die Stellschrauben
Eintritt ins Berufsleben
Eintritt in die Rente
Lebenserwartung
Rentenniveau

Zwei Dinge: die fünfte Stellschraube nicht vergessen: die Löhne, von denen in die RV gezahlt wird. Steigen die Löhne, werden die Kassen voller! Sprich im Zweifel sollten tatsächlich 1,75 heutige Einzahler einen Rentner füttern können, wofür man früher eben 5 Einzahler brauchte.

Damit ist auch klar, dass da keine Differenz ist zwischen Produktivitätssteigerung und Löhnen: Diese fließt uns schlauen Aktionären zu! Das ist auf der einen Seite fein für uns, sorgt aber natürlich für unser Ungleichgewicht und die berühmte auseinandergehende Schere zwischen (verhältnismäßig) arm und reich. Ich denke eine angemessene Reallohnsteigerung müsste schon zusätzlich angestrebt werden.


hesekiel58 gefällt das
AntwortZitat
Seite 1 / 4

Blackwater.live Community

Die Community ist unser Forum und digitales Wohnzimmer. Wir sind eine Minderheit im Internet. Maximal 1% der Leser von anderen Finanzblogs passen zu uns, vermutlich trifft das auch auf die Gesamtbevölkerung zu. Warum das so ist und was die Bedingungen der Teilname bei uns sind, erfährst Du aktuell immer hier:

Wir sind anders weil:

Bei uns wird niemand ausgegrenzt. Es gibt keine dummen Fragen, nur gute und durchdachte Antworten. Wir entdecken zusammen neues und bleiben neugierig. Oberlehrer und andere Klugscheisser die schon alles zu wissen glauben, haben bei uns keinen Platz. Wir achten gemeinsam darauf, dass die Community ein schöner Ort im Internet ist und bleibt.

Wir haben viele Leserinnen und Leser mit muslimischen Background. Das eröffnete kulturell und perspektivisch einen neuen Blickwinkel. Bei uns sind Zuwanderer und Muslime willkommen! Wir helfen ihnen bei allen Fragen, auch wenn sie noch neu im Thema sind.

Gut 70% unserer Leser sind sind weiblich. Wir achten auf einen niveauvollen Umgang mit unseren Leserinnen, bei uns sind Frauen willkommen und werden nicht herablassend behandelt, egal ob sie Shopping und Schokolade oder Zahlen und Finanzen lieben. Unsere Themen sind für alle Frauen wichtig, ob Ingenieurin oder Beauty Model.

Aktuelle Artikel, die unsere Community betreffen:

Die Blackwater.live Community hat öffentliche Bereiche, die ohne Anmeldung sichtbar sind. Der viel größere Bereich ist nur mit der Anmeldung im Forum sichtbar. Nach dem man das Level Stammleser mit Kommentaren und Beiträgen erreicht hat, bekommt man einen nochmals erweiterten Zugriff. Unsere Leserinnen haben einen extra geschützten Bereich für sich.

Bei uns bekommt man kostenfrei Expertenwissen zum Thema Finanzen, was auf anderen Seiten für viele hundert Euro teuer verkauft wird. Das haben wir nicht nötig. Unsere Seite wird in erster Linie aus Leidenschaft betrieben, nicht aus monetären Gründen. Wir vermeiden damit Interessenkonflikte mit unseren Leserinnen und Lesern.