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Frage Wie funktioniert Indoktrination in einer Sekte? Und wie schützt man sich?

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ikigaimondai
(@ikigaimondai)
Schach Großmeister Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 1 Jahr
Beiträge: 1234
 
Veröffentlicht von: @ikigaimondai

In anderen Fällen fällt mir die Unterscheidung sehr viel schwerer.

Ich habe über die Frage nachgedacht und glaube jetzt, den Unterschied zwischen den beiden zu verstehen.


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Soziologin
(@soziologin)
Bauernfrühstück Blackwater Stammleser Rose
Beigetreten: Vor 9 Monaten
Beiträge: 131
 
Veröffentlicht von: @ikigaimondai

Ich habe über die Frage nachgedacht und glaube jetzt, den Unterschied zwischen den beiden zu verstehen.

Da bin ich gespannt.... 🤔 

Dass Frau B weg gemobbt wurde und es ihr so schlecht ging hat mich getroffen. Hesekiel fand ich sehr gefühllos im Umgang mit ihr. Ich bin mit ihr auch nicht einer Meinung gewesen, aber ich mochte sie.

 

 


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Soziologin
(@soziologin)
Bauernfrühstück Blackwater Stammleser Rose
Beigetreten: Vor 9 Monaten
Beiträge: 131
 

Unterschiede Sekte - Religion:

Teilweise fliessend. Ich denke es hängt vom Grad der Bewusstseinskontrolle ab. Dieses Bite Modell finde ich sehr gut. Es wird gesagt, dass Teile davon überall vorkommen. Auch in Firmen. Oder einem Atheisten-Club 🤣 

Aber wenn mehrere Punkte aller 4 Felder abgedeckt sind, wird es gefährlich.

Liebe Christen, korrigiert mich. Aber Zeugen Jehovas sind doch deutlich krasser als die Evangelische Kirche, oder?

 


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Soziologin
(@soziologin)
Bauernfrühstück Blackwater Stammleser Rose
Beigetreten: Vor 9 Monaten
Beiträge: 131
 

Ich habe von offizieller Stelle etwas gefunden. Staatlich. Quelle: https://sekten-info-nrw.de/information/artikel/betroffenenberichte/mein-leben-bei-den-zeugen-jehovas-und-danach-–-ein-erfahrungsbericht-

Auf der Seite gibt es sehr viel Aufklärungsmaterial.

Ich kopiere es rein:

 

Mein Leben bei den Zeugen Jehovas und danach – Ein Erfahrungsbericht

Früher dachte ich, die Zeugen Jehovas sind doch diese merkwürdigen Leute, die am Straßenrand stehen, eine Zeitschrift vor sich halten und kein Weihnachten feiern. Sehr suspekt schienen mir die. Ja, ich gebe zu, dass ich mir Ausflüchte einfallen ließ, wenn sie an meiner Haustür standen, um nicht mit ihnen über Gott und die Welt reden zu müssen. Ich war katholisch, hatte immer wieder Verständnisfragen über Glaubensansichten, aber ich scheiterte an der schwer verstehbaren Bibel, und auch mein Pfarrer war irgendwie ständig unerreichbar. Deshalb blieben mir eine ganze Reihe religiöser Fragen viele Jahre unbeantwortet. Mitte der 2000er Jahre lernte ich meine spätere Frau kennen. Ich war damals Mitte dreißig, wohnte am Rand des Ruhrgebietes und hatte einen sehr guten Kontakt zu meiner Schwester und Mutter. Mein Gesichtsausdruck muss irgendwo zwischen Schockstarre und Verwunderung gelegen haben, als mir meine Freundin „beichtete", dass sie eine Zeugin Jehovas ist. Ich hätte es nicht übers Herz gebracht, in diesem Moment meine Beziehung zu ihr abzubrechen. Vielmehr wollte ich uns trotz ihres Glaubens eine Chance geben, und ich wurde ziemlich neugierig auf ihre Religion. Wir unterhielten uns deshalb oft über die Bibel. Ich beschrieb sie gern als „Ahaaaa Erlebnisse", wenn mir immer wieder ein Licht aufging, auf welche nie beantworteten Fragen mir sehr einleuchtend einfache Antworten gegeben wurden. Auch der erste Besuch einer Zusammenkunft im Königreichssaal hatte mich sehr fasziniert. Ich ging nicht in der Masse von anonymen Katholiken in einer kalten, von Zeremonien/Liturgien geprägten und inhaltsarmen Messfeier in meiner Heimatgemeinde unter. Im Gegenteil. Diese Schlichtheit des Saales sprang mir sofort ins Gesicht, freundliche warmherzige Menschen begrüßten mich, und ich fühlte mich sofort wohl. Hier wurde mir schnell klar, dass die Bibel im Mittelpunkt steht und nichts anderes.
 
Der Gemeinschaftsentzug meiner Freundin und der unterlassene Kontakt der Zeugen zu ihr im Jahr unseres Kennenlernens machte mich traurig. Dass diese „liebevolle Vorkehrung" von Jehova gewollt und deshalb legitim sei, musste ich hinnehmen und ich war bereit dazu. Ein stutziger oder gar kritischer Mensch bin ich dadurch aber nicht geworden. Und auch meine Freundin war traurig, aber einverstanden mit der Kontaktsperre, auch wenn die Besuche der Versammlung immer wieder ein Kraftakt waren. Ungeachtet dessen studierte ich mit einem Zeugen das Buch „was lehrt die Bibel wirklich“ sowie ein weiteres Buch. Einige Jahre später überschlugen sich dann die Ereignisse. Wir heirateten, meine inzwischen Ehefrau wurde wieder aufgenommen, und ich ließ mich taufen. Was folgte, waren zunächst vier glückliche und zufriedene Jahre als Zeugen-Ehepaar.    
 
In dieser Zeit hatte ich nur ein einziges negatives Erlebnis. Der Kreisaufseher untersagte mir, unseren kleinen Sohn Tischgebete für uns halten zu lassen. Die Begründung aus der Bibel war mir sehr dürftig, und ich konnte dieses Verbot nicht mit einem Kinder liebenden Gott verknüpfen. Wir hatten in unserer Versammlung einen geistig behinderten Mann, der mit seinen Eltern so gut es ging am Leben der Zeugen teilnahm. Es war jedem klar, dass er sich nie taufen lassen konnte. Und genau hier kamen mir Zweifel auf, ich dachte, er würde in Armageddon umkommen, weil er kein Zeuge Jehovas ist. Das passte für mich nicht zu einem liebevollen gerechten Gott. Das war einfach zu widersprüchlich für mich.    
 
Meine Trennung von den Zeugen Jehovas geschah „auf Raten". Ich spürte einen immer größeren Druck, noch mehr zu leisten, noch aktiver zu sein. Gleichzeitig stiegen die Anforderungen an meinem Arbeitsplatz, und meine Familie raubte mir viel Kraft. Ich bekam stärker werdende Depressionen, Angst und Panikattacken. Die Mitbrüder gingen durch mein schwä-chelndes Engagement sehr auf Distanz. Und wenn sie mir Ratschläge gaben, dann sollte ich genau das verstärkt tun, was ich nicht mehr konnte. War es nicht so, dass im Buch Matthäus die Kranken eines Arztes bedürfen und nicht die Starken? Ich dachte mir, hier kann etwas nicht stimmen. Die viel zitierte Liebe Jehovas passte immer weniger zu den Lehren und dem Handeln der Zeugen. Der Tiefpunkt meines Lebens war dann die Psychiatrie.    
 
Was dann kam, war ein zwei monatiger riesiger Knall. Ich verliebte mich in eine Nicht-Zeugin, wir hatten einen intensiven Kontakt, ich trennte mich von meiner Frau, ging vor ein Rechtskomitee, welches mir wie ein Verhör mit viel zu intimsten Fragen vorkam, und ich wurde (zum Glück) ausgeschlossen. Ich erinnere mich noch gut, wie ich den Königreichssaal - in dem das Rechtskomitee stattfand - verließ, als ob ich eine unsagbar schwere Last von meinen Schultern im Saal lassen konnte. Danach hatte ich einen extrem langen Krankenschein, und von diesem Moment an ging mein Leben bis auf einige Rückschläge steil bergauf. In den ersten Wochen herrschte ein Gefühls- und Gedankenkarussell in mir. Mich plagte der Gedanke, dass ich jetzt ganz sicher in Armageddon vernichtet werde und grausamste Qualen zu erleiden habe. Ich beging Verrat an Jehova und empfand mich verabscheuungswürdiger als einen Ungläubigen. Und dennoch war ich gleichzeitig sehr erleichtert, dieses Rundum Programm der Zeugen nicht mehr leisten zu müssen. Der Druck am Arbeitsplatz und der Druck, den Anforderungen der Wachtturm Gesellschaft gerecht zu werden, war schlagartig weg. Dann wiederum hatte ich Angst, früheren Glaubensbrüdern zu begegnen, die ihren Kopf wegdrehen. Ich mied solche Orte. Ich fühlte mich frei und gleichzeitig bestraft. Mit meinem Umzug in eine andere Stadt ging es mir zunehmend besser. Die Angst, ehemals befreundeten Zeugen zu begegnen, verschwand, neue Kontakte baute ich sehr langsam auf, eine Psychotherapie stärkte mich, und Monat für Monat verlor ich mehr das Gefühl bestraft worden zu sein.    
 
Ich habe mich in der Zeit nach den Zeugen Jehovas sehr intensiv mit dem Ausstieg anderer Zeugen beschäftigt, habe mehrere Bücher gelesen und eine Selbsthilfegruppe ehemaliger Zeugen besucht. Es hat mir geholfen, mich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen, zu verstehen, was dazu beigetragen hatte, mich den Zeugen anzuschließen. Aber auch zu erkennen, mit welchen Methoden die Wachtturm Gesellschaft arbeitet. Deren Vorgehensweise hat mich im Nachhinein schockiert, denn dahinter verbirgt sich ein ausgeklügeltes System, weitere Zeugen zu gewinnen und mit aller Macht zu halten.    
 
Ich denke darüber nach, was ich an den Zeugen Jehovas kritisiere. Vermutlich könnte ich daraus ein ganzes Buch schreiben. Als Überschriften einzelner Kapitel würden bestimmt auch die aktuell thematisierten Missstände im Umgang mit Kindesmissbrauch vorkommen. Der Auslegung mehrerer Bibelverse und Übersetzungsfehler ließe sich ebenfalls vieles entgegensetzen. Ich bin ohnehin irgendwann zur Ansicht gekommen, dass nicht Bibelwissen die Zeugen Jehovas leitet, sondern die Lehren der Wachtturm Organisation. Einer meiner Kritikpunkte ist, dass den Verkündigern manipulativ weltliche Meinungsbildung entzogen wird. Die geforderte und geförderte Treue und Liebe zu Jehova werden zum universellen Druckmittel.

Meine größten Kritikpunkte sind die strengen Glaubenslehren, der starke Gehorsam der Mitglieder, die vielfältige Disziplin und gegenseitige Kontrolle innerhalb der Glaubensgemeinschaft. Die geforderte und geförderte Treue und Liebe zu Jehova ist geeignet, die eigene Selbstbestimmung, Bedürfnisbefriedigung und Freiheit zu unterbinden. Und dennoch bin ich nicht wütend auf die Wachtturm Gesellschaft oder Zeugen Jehovas im Gesamten. Jeder führt nur fort, was vor ihm schon viele getan haben, und jeder hört gemäß dem eigenen Bibelverständnis und Leitungsprinzips auf denjenigen, der über ihm steht. Die Frage nach dem oder den „Schuldigen“, der kritisiert werden könnte, ist deshalb kaum zu beantworten. Jetzt, in meinem Leben nach der Zeit als Zeuge, empfinde ich keine Wut mehr auf die Zeugen Jehovas. Ja, sie beschäftigen mich noch, das gebe ich zu. Aber ich habe gelernt, die Zeit bei den Zeugen nicht als vertane Zeit oder als Fehltritt zu sehen. Das täte mir nicht gut, und ich würde darunter leiden. Ich akzeptiere diese Zeit als Zeuge, sie ist Teil meines Lebens und ich bin dadurch reifer geworden. Ich bin sogar sehr froh darüber, aus dieser Glaubensgemeinschaft ausgeschlossen worden zu sein. Ich bin mir sehr sicher, dass ich weiterhin meinen leeren Berichtszettel mit zitternden Händen abgegeben hätte und Zweifel an den Glaubenspraktiken in mir gewachsen wären. Ich will nicht verschweigen, dass es auch nach dem Ausstieg tränenreiche Tiefpunkte gab, an denen ich das Gefühl hatte, versagt zu haben. Ich ergriff jeden Strohhalm, der sich mir bot, Kontakte zu knüpfen und wieder selbständig zu werden. Aus dem Strohhalm wurde über viele Monate eine Leiter und schließlich ein Podest. Und heute spüre ich mich wieder, tue das, was mir guttut, bin aktiv und genieße es, in die Tiefen des Menschheitswissens einzutauchen. Ich koste meine Freiheiten voll aus, genieße die Vielfalt der Möglichkeiten im Leben und liebe es, das Gegenteil von dem zu tun, was verboten war. Geburtstage feiere ich liebend gern und ohne Gewissensbisse. Warum auch nicht, der Beschenkte wird ja nicht auf dieselbe Stufe mit Jehova gestellt, wie die Wachtturm Gesellschaft es gern ausdrückt. Außerdem kann ich mich endlich wieder in der (wie üblich gemischten) Sauna vom Alltag erholen. Wie sehr hatte ich das vermisst! Meine „weltlichen“ Freunde nehmen mich so, wie ich bin, mit allen meinen Ecken und Kanten. Sie machen unsere Freundschaft zum Glück nicht von einer „vorbildlichen, tadellosen Lebensweise" abhängig. Es ist ein schönes Gefühl, heute an einem Trolley Stand der Zeugen vorbei zu laufen, die (fremden) Zeugen strahlend zu grüßen und zurückgegrüßt zu werden, weil die nichts von meinem Austritt wissen. Das Leben ist ein großes Buffet, von dem ich mir endlich das nehmen darf, was ich will.

Ich bin frei.
 
Februar 2020


Sebi und himself63 gefällt das
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Airnesto
(@airnesto)
Schach Internationaler Meister Blackwater Stammleser
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Veröffentlicht von: @soziologin

Dass Frau B weg gemobbt wurde und es ihr so schlecht ging hat mich getroffen.

Ehrlichgesagt bin ich nicht überzeugt, dass es am Umgang mit ihr hier im Forum lag. Bis auf, dass man unterschiedlicher Meinung war, war der Umgang im Rahmen denke ich. Die Ursachen ihrer Frustration lagen wohl im Reallife und es gelang ihr, wie ihr auch andere als Hesekiel gesagt haben, kaum davon mal abzuschalten und sich Positivem auszusetzen! Dass es ihr so ging ist absolut bedauerlich, aber von Mobbing zu reden geht dann doch etwas weit. Die Gegenseite ist hier in die Unterzahl geraten, was okay ist. Man darf ab sicher äußern - im Ton freilich Grenzen während - dass man völlig anderer Auffassung ist.


hesekiel58 gefällt das
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ikigaimondai
(@ikigaimondai)
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Mag alles sein, aber doch waren wir ihr nicht die Unterstützung, die wir ihr vielleicht hätten sein können.


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himself63
(@himself63)
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Veröffentlicht von: @ikigaimondai
Veröffentlicht von: @ikigaimondai

Ich habe über die Frage nachgedacht und glaube jetzt, den Unterschied zwischen den beiden zu verstehen.

 

Veröffentlicht von: @soziologin

Da bin ich gespannt.... 🤔 

Ich auch.


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himself63
(@himself63)
Schach Internationaler Meister Blackwater Stammleser
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Veröffentlicht von: @soziologin
 
Dass Frau B weg gemobbt wurde und es ihr so schlecht ging hat mich getroffen.
Veröffentlicht von: @airnesto

Ehrlichgesagt bin ich nicht überzeugt, dass es am Umgang mit ihr hier im Forum lag. Bis auf, dass man unterschiedlicher Meinung war, war der Umgang im Rahmen denke ich. Die Ursachen ihrer Frustration lagen wohl im Reallife und es gelang ihr, wie ihr auch andere als Hesekiel gesagt haben, kaum davon mal abzuschalten und sich Positivem auszusetzen!

 

 

Ich finde, wir sollten hier aufhören über die Beweggründe und persönlichen Lebensumstände und Ansichten von Frau BausN zu spekulieren. Lasst uns doch einfach warten, bis sie (hoffentlich) zurückkehrt und sie dann selbst fragen.


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himself63
(@himself63)
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Veröffentlicht von: @soziologin

Ich lese seit einiger Zeit auch die Bibel und forsche für mich etwas nach, die im Video zitierten Texte haben einen anderen Kontext. Fällt das denn keinem auf? Also lesen die nicht selbst??

Warum denn auch? Es ist doch viel einfacher dem netten, wahrlich gut geschultem Onkel im Stadion zuzuhören. Ich fand das Video erschreckend und gleichzeitig faszinierend. Viele von uns wissen, oder glauben das zumindest, wie sowas funktioniert oder wie wir uns davor schützen können. Hoffentlich kommen wir nie in eine Situation, in der wir es es herausfinden müssen. 

 

Beim Betrachten des Videos kam mir zwischendurch der Gedanke, was wohl passiert wäre, wenn einer der Zuhörer in diesem Stadion aufgestanden wäre und versucht hätte, dem Redner zu widersprechen????


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ikigaimondai
(@ikigaimondai)
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Beigetreten: Vor 1 Jahr
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@himself63 @soziologin

Ich denke, es sind ähnliche Mechanismen wie in einer toxischen Beziehung.

Eine Religion ist dir ein liebender Partner, der genau weiß, dass du nicht perfekt bist, der dich aber mit all deinen Fehlern annimmt, möchte, dass du dich positiv entwickelst und immer an dich glaubt, der dir einerseits Freiheiten gibt aber andererseits auch sagt, wenn er irgendwas nicht gut findet oder meint, dass du irgendwo besser sein könntest.

Eine Sekte ist ein Partner, dem du willkommen bist, solange du seine Bedürfnisse erfüllst, aber wehe wenn du die Beziehung hinterfragst oder dich gar mal mit alten Freunden treffen willst. Am Anfang sehr schmeichelhaft, zeigt sich das wahre Gesicht mit der Zeit mehr und mehr.

Es geht also einmal um Liebe zu dir; und einmal um Macht über dich.

Keine Ahnung, ob das so Sinn ergibt oder ob es auch nur stimmt, aber so habe ich mir das zumindest mal zusammengereimt. 😉 


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mrsblackwater
(@mrsblackwater)
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Veröffentlicht von: @soziologin

Fällt das denn keinem auf? Also lesen die nicht selbst??

Nichts für ungut, aber die selbe Frage könnte man auch Muslimen stellen, die ihren eigenen Koran nicht kennen oder nicht lesen (können) und auf ihren Iman vertrauen... wie du selbst sagtest, wie beim IS.


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Blackwater
(@deepblackforest)
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Die Übergänge Religion-Sekte sind oft fliessend und auch innerhalb einer Religion kann es zu Sekten kommen.

Veröffentlicht von: @ikigaimondai

Es geht also einmal um Liebe zu dir; und einmal um Macht über dich.

Iki hat das wie so oft brillant beschrieben! Und das als sozusagen "Aussenstehender".

Sekten sind toxisch, Dr. Hasan beschreibt diese Organisationen als "destruktive Gemeinschaften".

Aber nehmen wir das Zeugen Jehovas Beispiel und schauen uns anhand des BITE Modells an, ob das eine Sekte/destruktive Gemeinschaft ist. WICHTIG: Sekten selbst (auch die ZJ) werfen eine beliebte Blendgranate: Sie nehmen den Begriff Sekte als rein historischen Begriff: Abspaltung von einer Religion etc., die ersten Christen waren auch eine Sekte aus dem Judentum etc. Das ist historisch richtig. ABER, Sekte wird so heute nicht definiert. Es geht heute um einen wissenschaftlich-soziologisch definierten Begriff, nicht um den historischen Begriff Sekte.

Nochmal das BITE Modell:

 

Aus allen 4 Feldern müssen mehrere Punkte zutreffen. Je mehr und intensiver das der Fall ist, desto problematischer. Also machen wir das mal:

(ich beschränke mich auf das, was man gleich im www finden kann und leicht feststellbar ist)

 

Verhaltenskontrolle:

Erziehe Gehorsam an (öffentlich einsehbar aus den Zeitschriften auf deren Webseite), Gehorsam gegenüber deren Führung "Leitende Körperschaft", nur durch sie Rettung vor Harmagedon.

Kontrolliere Belohnung und Bestrafung: Eigene Richter (Rechtskommitee), Belohnung durch besondere Stellungen.

Es wird vorgeschrieben mit wem man Freundschaften haben darf (nur Zeugen).

Vorgegebene Kleidung bei Treffen und beim missionieren.

Finanzielle Ausbeutung: Es soll nicht weltlich studiert werden, "höhere" Bildung ist schlecht, einfaches Leben, dauernde Spendenaufrufe für die Organisation. (siehe eigener TV Kanal)

 

Gedankenkontrolle:

Böse Welt Satans, gute Zeugen Jehovas.

Nur Zeugen Jehovas sind die einzig wahre Religion, alle anderen Heuchler und von Satan.

Eigene Tendenzsprache, eigene Begrifflichkeiten.

Nur positive Gedanken über die Organisation erlaubt.

Kritisches Denken wird unterbunden, Kritiker aus der Gemeinschaft entfernt.

Zweifel: Wird strikt abgelehnt und ist nicht zulässig.

 

Informationskontrolle:

Alle negativen Informationen über die Zeugen sind Lügen von Abtrünnigen. Selbst staatliche Gerichtsprozesse werden geleugnet (Zeugen Jehovas laut australischen Zeitungen ein "Kinderschänderparadies", zig tausende Fälle weltweit).

Zeugen studieren nicht etwa die Bibel, sondern ihre eigenen Publikationen (Wachtturm). Bei Fragen soll man nur dort nachlesen, nicht in externen Quellen.

Kontakt zu ehemaligen oder Kritikern verboten (witzig, mit dem Thread ist sicher, wir haben keine ZJ als Leser)

Kontrolle: Mitglieder sollen Fehlverhalten anderer melden, selbst innerhalb eigener Familie.

 

Gefühlskontrolle:

Ängste vor dem Weltuntergang werden dauernd geschürt. Dauernde Untergangsdaten, Krisen wie Corona gelten als Zeichen dass Harmagedon fast da ist. (Zeugen Jehovas erwarten seit 140 Jahren den Weltuntergang)

Negative Gefühle sind böse, mit einem selbst stimmt etwas nicht oder es kommt von Satan.

Schuldgefühle: Nicht genug getan für Jehova aka die Zeugen Jehovas Organisation

"Love Bombing" für Neue oder Mitglieder die besonders unterwürfig sind

Außerhalb der Zeugen: Böse Welt, man kann nur unglücklich werden. Alle anderen Menschen sind gottlos.

 

___________

Aufgrund dessen was eine kurze Internetrecherche zu Tage fördert + ein Blick in deren Hauptzeitschrift Wachtturm lässt einen sehr schnell meine Punkte finden. Dazu kommt unbedingter Gehorsam gegenüber einer Führung, die sich Leitende Körperschaft nennt und Jesu Vertreter auf der Erde sein soll (Wachtturm).

100%ig eine Sekte! Und für meinen Geschmack eine sehr blasphemische dazu.

 

Vergleichen wird das mit einer Mainstreamreligion. Durchaus gibt es innerhalb derer auch Sektierer, aber insgesamt ergibt sich folgendes Bild:

Christen Mainstream: Jesus rettet, Nächstenliebe, in die Kirche gehen um Gemeinschaft zu pflegen, aber eher locker und ohne Zwang, soziales Engagement für arme Menschen aller Art und Konfession, Bibel lesen, persönliche Spiritualität zu Gott (in dem Fall Jesus), kein Oberguru (Ausnahme Katholiken, ist ein Sonderfall)

Muslime Mainstream: Möglichst 5 Mal am Tag beten, Gott vergibt Sünden wenn man aufrichtig bittet, Männer und Frauen sollen nicht aufreizend gekleidet sein (hat sich meistens als Hijab bei Frauen ausgeprägt), Treffen in der Moschee zum beten und lernen, an Ramadan auch gemeinsames Essen (in vielen Ländern ist die Moschee auch Schule, Bibliothek und Küche für Arme), Qur'an lesen, persönliche Spiritualität zu Gott, kein Oberguru (Ausnahme Shia im Iran, ist ein Sonderfall)

 

Wie gesagt, es gibt christliche Sekten (manchmal Freikirchen etc.) oder muslimische Sekten (Ahmadiyya), aber die Mainstreamreligion ist sehr weit gefasst. Jeder von uns kennt Christen und Muslime die "locker" sind, viele kennen auch eher evangelikale Christen oder sehr strenge Muslime. Selbst streng ausgelebter Glaube kann auch persönlich sein und muss keine Sekte sein.

Aber verglichen mit Zeugen Jehovas wird der Unterschied sehr deutlich, insbesondere im Hinblick auf die menschliche Führung.

Gleiches lässt sich schnell auch auf Mormonen oder Adventisten und deren Derivate anwenden. Das BITE Modell gilt nicht umsonst als herausragend gutes Tool zur Prüfung.

 

 

 

 

 

 


hesekiel58 gefällt das
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Blackwater
(@deepblackforest)
Schach Großmeister Admin
Beigetreten: Vor 5 Jahren
Beiträge: 2155
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Veröffentlicht von: @soziologin

Ich lese seit einiger Zeit auch die Bibel und forsche für mich etwas nach, die im Video zitierten Texte haben einen anderen Kontext. Fällt das denn keinem auf? Also lesen die nicht selbst??

Ich weiss was Du meinst, aber das ist kein Kriterium. Die wenigsten Christen lesen ihre eigene Bibel regelmässig, bei Muslimen und dem Qur'an sieht es auch nicht besser aus.

Die Zeugen haben überhaupt nur eine Chance, weil die meisten Menschen die Bibel nicht kennen. Sonst wäre das Konzept schnell durchschaut und zerschlagen. Die Bibel selbst ist ein guter Schutz vor solchen christlichen Sekten. Aber ich würde mal behaupten, dass es mit den Qur'an nicht so viel anders ist. So meine Erfahrung bisher.


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Aysel Bektas
(@ayselbektas)
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Beigetreten: Vor 1 Jahr
Beiträge: 162
 
Veröffentlicht von: @ikigaimondai

Also ich kenne genau ein Paar mit zwei Kindern, die bei JW sind und was soll ich sagen - das sind ganz normale Leute. Voll funktional, freundlich, angenehm.

das macht mir jetzt noch mehr Angst vor denen 😱 😳

Veröffentlicht von: @ikigaimondai

Nanny tirelessly monitors forum discussions to make sure that everyone behaves.

Das muss die Tugba sein 🤣 🤣 oder Mrs. Blackwater.

Veröffentlicht von: @ikigaimondai

Evil Clown

Hesekiel

 

 


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hesekiel58
(@hesekiel58)
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Veröffentlicht von: @ayselbektas
Veröffentlicht von: @ikigaimondai

Evil Clown

Hesekiel

 

 

Danke für die Blumen  ❤️ 


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