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Torben wünscht sich Krieg

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ikigaimondai
(@ikigaimondai)
Schach Experte Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 3 Monaten
Beiträge: 302
Themenstarter  

Ich habe neulich mal wieder nach längerer Zeit mit einem alten Schulfreund gesprochen. Nennen wir ihn Torben. Es ging um alles mögliche, es wurde ein langes Telefonat, und irgendwann meinte er, dass er es gut fände, wenn es mal wieder einen Krieg in Europa gäbe, mit deutscher Beteiligung. Da blieb mir dann erstmal die Spucke weg. Torben war nach dem Abitur Zivi, ich war bei der Bundeswehr. In seiner Wahrnehmung sei die ganze Gesellschaft verweichlicht, man würde das ja schon an dem Geheule über die Coronamaßnahmen sehen - nicht mal zwei Jahre lebt Deutschland unter Corona, und alle jammern nur noch rum und wollen, dass es vorbei ist. Wie sollte denn so ein Volk einen Krieg und den daran anschließenden Wiederaufbau überstehen? In der Politik stritte man nicht mehr über Inhalte, sondern über persönliche Belanglosigkeiten, und überhaupt zersplittere alles. Ein äußerer gemeinsamer Feind würde dazu führen, dass die Politik und die Bevölkerung wieder zusammenfände.

Ich bin immer noch ratlos ob solcher Ansichten. Wie kann man sich denn allen Ernstes Krieg wünschen? Ich meine, ich sage ja auch manchmal im Scherz „ein klares Feindbild gibt dem Tag Struktur“, aber was erhoffen sich Leute wie Torben wirklich davon? Gibt es überhaupt irgendetwas Positives am Krieg? Sind wir so eingelullt, dass ein Spaß am Zündeln entsteht? Oder steckt dahinter einfach der Wunsch nach Einfachheit, vielleicht sogar Gleichheit? In einem Krieg klettern wir ja auf der Bedürfnispyramide ein paar Ebenen runter. Ich selbst habe nie einen Krieg erlebt, und auch niemand in meiner Familie hat je daraus erzählt. Und ich hoffe, dass es so bleibt.


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Frau B aus N
(@fraubausn)
Schachspieler Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 3 Monaten
Beiträge: 227
 
Veröffentlicht von: @ikigaimondai

Ich bin immer noch ratlos ob solcher Ansichten. Wie kann man sich denn allen Ernstes Krieg wünschen?

Kannst ihn ja fragen, worin für ihn oder das Volksganze der Nutzen bestünde, wenn seine Familie erschossen und seine Frau vorher noch vergewaltigt würde, während man ihn erst zwingt, zuzusehen und ihn dann foltert.

Vielleicht erhofft er sich irgendwie, dass die Menschen durch Not wieder näher zusammenrücken. Das tun sie sicherlich teilweise. Aber auch nicht alle. Es gab genügend Kriegsgewinnler, die wurden nicht reich, weil sie alles mit ihren Nachbarn teilten.

Ein Gespräch mit einigen Geflüchteten, die in ihrer Heimat alles verloren haben, könnte ihm vielleicht die Augen öffnen. Falls diese traumatisierten Menschen überhaupt darüber reden können oder wollen.

Mein Großvater redete auch nicht gerne über seine Erlebnisse im Krieg. Ich erinnere mich aber, wie meine Mutter (Jahrgang 1936) erzählte, wie 16-jährige Schulkameraden, die kurz vor Kriegsende noch eingezogen wurden, sich voller Angst in der Nähe ihres Hauses versteckten, als der Feind im Ort einrückte. Wenn Du die Menschen kennst, dann ist das nicht wie in einem Kriegsfilm. Dann ist das bittere Realität.


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hesekiel58
(@hesekiel58)
Schachspieler Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 3 Monaten
Beiträge: 243
 
Veröffentlicht von: @ikigaimondai

Ich selbst habe nie einen Krieg erlebt, und auch niemand in meiner Familie hat je daraus erzählt. Und ich hoffe, dass es so bleibt.

Der GröVaZ (größter Verbrecher aller Zeiten) hat meinem Vater Kindheit und Jugend gestohlen und ihn mit 17 Jahren 1943 an die Ostfront geschickt. Mit viel Glück hat er den Krieg und jahrelange Gefangenschaft in Sibirien überlebt. Er hat nicht viel erzählt, aber seine letzten Lebensjahre waren schrecklich: Jede Nacht von Albträumen geplagt und keiner konnte ihm helfen. Eine Teilnahme an einem Krieg macht etwas mit einem Menschen. So etwas Furchtbares kann niemand ernsthaft wollen!


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Airnesto
(@airnesto)
Schachspieler Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 2 Monaten
Beiträge: 208
 

Sowas unfassbar Dummes habe ich lange nicht gehört! Unglaublich, ich glaube, ich würde Torben nicht mehr aushalten, wenn er solchen Stuss redet! Er KANN einfach keine Ahnung von dem haben, was er da vom Stapel lässt!

„Von nix ‚ne Peilung, zu allem ‚ne Meinung“. Autsch!

Ich bin wirklich froh, dass nach meinem bei dem Thema sehr wortkargen Opa (Ostfront, franz. Gefangenschaft, Heimkehr 1948) in meiner Familie keiner Kriegserfahrungen hat! Ich hoffe auch inständig, dass wir alle und unsere Nachkommen ebenso keine sammeln müssen. 


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Presskoppweck
(@presskoppweck)
Bauernfrühstück Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 2 Monaten
Beiträge: 197
 
Veröffentlicht von: @ikigaimondai

Wie kann man sich denn allen Ernstes Krieg wünschen?

Ich bin nicht sicher, ob Torben sich wirklich allen Ernstes Krieg wünscht oder ob er Krieg nicht als letzes mögliches Vehikel ansieht um eine Pattsituation aufzulösen und er eigenlich nur einen Neuanfang will. Wahrscheinlich kommt dazu, dass er eine unklare Vorstellung über die Auswirkungen hat. Auch "lieber ein Ende mit Schrecken als Schrecken ohne Ende" mag da reinspielen. Mein Favorit ist: lieber Krieg als Bürgerkrieg. Letzterer wird kommen, die Vorboten sah man spätestens beim Hamburger G20-Gipfel, no-go-areas und das Geschehen in der Rigaer Straße sind bereits alltägliche Realität. Kann man den inneren Krieg vermeiden indem man einen äußeren Krieg anzettelt? Ich fürchte man kann es nur etwas hinauszögern.
Was hätte D zu verlieren/gewinnen? Reparationen zahlen wir eh spätestens wenn die EU implodiert, einen Krieg kann man immerhin gewinnen und dann zahlen andere. Das spräche dafür. Die nachwachsende Resource Mensch spricht dagegen. Nicht aus humanitären Gründen, sondern wegen unserem niedrigen Kriegsindex.

Mein machiavellisches Kriegsgeheul ist nur tönendes Erz, praktisch würde jeder Gedanke schon an der Nichteinsatzfähigkeit der Bundewehr und der Anwesenheit von Besatzungstruppen scheitern. Wogegen sollte man sich auch wenden, der verhasste Salvini ist weg von der Regierungsbank und mit Einmärschen in Polen, Ungarn usw. haben wir ein historisch ungutes Gefühl. Es fehlt uns nicht nur die nötige Armee, es fehlen uns auch die entsprechenden Feinde.

Was bleibt ist die Gewissheit dass dieser Krieg nicht passieren wird. Damit können Torben, ich und andere Sandkasten-Napoleons leicht einen auf "dicke Hosen" machen. Mit der gleichen Relevanz (Null) könnten wir die Taktik besprechen mit der Oberst Ibrahim Gaunt die Makropole im W40k-Universum verteidigen soll. Fußball scheidet aber aus, da hab ich keine Ahnung von.


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mrsblackwater
(@mrsblackwater)
Bauernfrühstück Moderator Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 3 Monaten
Beiträge: 128
 
Veröffentlicht von: @ikigaimondai
Veröffentlicht von: @ikigaimondai

Wie kann man sich denn allen Ernstes Krieg wünschen?

Ich bin nicht sicher, ob Torben sich wirklich allen Ernstes Krieg wünscht oder ob er Krieg nicht als letzes mögliches Vehikel ansieht um eine Pattsituation aufzulösen und er eigenlich nur einen Neuanfang will. Wahrscheinlich kommt dazu, dass er eine unklare Vorstellung über die Auswirkungen hat.

Das sehe ich ähnlich. Ich kenne Torben und seine aktuelle Situation nicht, deswegen möchte ich nicht über ihn urteilen. Meiner Erfahrungen nach is es so, dass Menschen wenn sie frustriert, deprimiert oder gar depressiv sind, eine Menge Stuss von sich geben. Und schließlich hat er hier mit einem alten Schulfreund gesprochen. (Schön dass der Kontakt noch besteht)


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hesekiel58
(@hesekiel58)
Schachspieler Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 3 Monaten
Beiträge: 243
 
Veröffentlicht von: @mrsblackwater
Meiner Erfahrungen nach is es so, dass Menschen wenn sie frustriert, deprimiert oder gar depressiv sind, eine Menge Stuss von sich geben.

Eine Erfahrung, die ich teile. Definitiv!


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janvomland
(@janvomland)
Müsli Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 2 Monaten
Beiträge: 8
 

In meinem beruflichen Umfeld erlebe ich bei vielen Kunden ebenfalls Frustration - über die Politik,  über das marktwirtschaftliche Geschehen und auch die Anerkennung in der Gesellschaft. Dass sich jemand einen Krieg wünscht, habe ich noch nicht gehört - wohl aber den Wunsch nach einer Hungersnot. Dabei sagt sich das so schnell hin, ohne dass jemand über die Konsequenzen nachdenkt - Ich habe dann den Roman "Blackout" von Marc Elsberg vor Augen, muss aber insbesondere an die Erzählungen meines Großvaters und meines Urgroßvaters denken, die sowohl von der eigenen Not als auch von den Hamsterern in der Nachkriegszeit erzählten.

 


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Presskoppweck
(@presskoppweck)
Bauernfrühstück Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 2 Monaten
Beiträge: 197
 

@janvomland 
Ich kannte einen. Mein Großvater hatte gesagt, wir brauchen einen Krieg, dann wird alles kaputt gehauen und danach gibt es wieder Wirtschaftswachstum weil wir alles neu aufbauen müssen.
Ich erinnere mich nicht ob er das öfters gesagt hat und in welchem Kontext. Aber es war mindestens einmal sonst wüßte ich es ja nicht. Und das obwohl er WW2 samt Gefangenschaft erlebt hatte.
Das ist jetzt Jahrzehnte her, aber ich glaube nicht dass Opa damals viele Widerworte von seinen Gesprächspartnern erhalten hat. Es war zumindest keine exotische Meinung.


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himself63
(@himself63)
Bauernfrühstück Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 3 Monaten
Beiträge: 183
 
Veröffentlicht von: @mrsblackwater

Meiner Erfahrungen nach is es so, dass Menschen wenn sie frustriert, deprimiert oder gar depressiv sind, eine Menge Stuss von sich geben.

Ich kenne Torben auch nicht und möchte ihm nicht zu nahe treten, aber vielleicht hat er auch schreckliche Langeweile oder ihm geht's einfach zu gut. Damit mir sowas nach Möglichkeit nicht passiert (ich glaube so ganz freisprechen kann sich da auch keiner von uns), habe ich gestern eine Friedensdorf Ausstellung besucht. Die Bilder und Eindrücke werden mich mit Sicherheit noch viele Tage verfolgen. Am Ende der Ausstellung habe ich dann noch den Satz mitgenommen " Ich war traurig, dass ich keine Schuhe hatte, bis ich jemanden traf, der keine Beine hatte ". Ich würde mich bereiterklären, diese Ausstellung nochmal zusammen mit Torben zu besuchen. Vielleicht geht's ihm danach wieder besser.


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ikigaimondai
(@ikigaimondai)
Schach Experte Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 3 Monaten
Beiträge: 302
Themenstarter  

@himself63 Ich glaube tatsächlich auch, dass der Besuch von Ausstellungen, die sich diesen Themen widmen, sehr nützlich ist, um das Grauen begreifbar zu machen. Ich habe mit meinem Vater in meiner Jugend Auschwitz besucht. Und später dann das Atombombenmuseum in Hiroshima. Danach ist der Tag gelaufen, aber ich denke wirklich, dass man sich das anschauen muss. Oder zumindest sollte.


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hesekiel58
(@hesekiel58)
Schachspieler Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 3 Monaten
Beiträge: 243
 

Ich glaube, dass die, die sich einen Krieg wünschen, dann mehrheitlich nicht als "Kanonenfutter" in vorderster Front stehen wollen. Nicht sie, nicht ihre Kinder. Das sollen andere für sie übernehmen.


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ikigaimondai
(@ikigaimondai)
Schach Experte Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 3 Monaten
Beiträge: 302
Themenstarter  

@hesekiel58 Im Prinzip richtig; wobei ich während meiner Bundeswehrzeit auch solche Kameraden kennenlernen durfte, die regelrecht Bock auf Gefecht und all das hatten.


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salihaalmawardi
(@salihaalmawardi)
Half Bread Blackwater Premium Rose
Beigetreten: Vor 3 Monaten
Beiträge: 23
 

wie man sich sowas nur wünschen kann😔🥺 alles verlieren, Haus kaputt, kein Essen, kein Strom, Nachts frieren, flüchten. Manschen geht es echt zu gut, echte Luxusmenschen. Wenn Verwandte umgebracht werden oder die Beine wegen eine Bombe weg sind, ist Krieg nicht mehr so witzig wie diese Leute sagen.


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dunkelroterfaden
(@dunkelroterfaden)
Half Bread Blackwater Premium
Beigetreten: Vor 3 Monaten
Beiträge: 30
 

Torben wünscht sich Krieg. Mit wenn den? Sein Nachbarland angreifen? Mit welcher Reaktion rechnet er da? Und vor allem wie soll das zusammenschweißen bzw Politik und Bevölkerung zusammen finden? Generell würde ich Torben auch empfehlen sich mit der Geschichte auseinander zu setzen, das bedeutete Krieg kennt nur Verlierer. Diejenigen, welche sich Kriegsgewinner schimpfen haben überlebt, aber keinesfalls gewonnen.


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