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Noch so ein stiller...
 
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Noch so ein stiller Mitleser

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rhfue
(@rhfue)
Vollkornbrot Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 11 Monaten
Beiträge: 28
Themenstarter  

Jo, dann will ich auch mal den Hut in der Ring werfen und mich kurz vorstellen. Bin schon ein Oldie (die 60 in Sichtweite, aber noch alles intakt) und lebe in Bayern (Franken um genau zu sein 😉 ).Beruflich bin ich bei einer großen IT-Firma nach langen Jahren im Vertrieb jetzt in der Ausbildung von Vertriebsmitarbeitern gelandet. Anlagetechnisch bin ich wahrscheinlich der Prototyp wie man es nicht tun sollte, ok zu meiner Entschuldigung sei gesagt, dass es zu meinem Berufsstart 1990 noch keine Seiten wie diese hier gab, das Internet war gerade erfunden, Aktien waren Teufelszeug und der Mann von der Sparkass hat mir dringend ein paar gaaaaaanz sichere und ultrarentable Lebensversicherungen empfohlen. Irgendwann, als mal ein paar Jahre später etwas Geld über war, mit Japanischen Anleihen in vier Jahren 50% Verlust eingefahren. Autsch, der Mann vor der Sparkass hatte doch gesagt das wäre Teufelszeug.....

Dann kam Haus, Kinder und erst mal satt Kredite abzuzahlen. Vor etwa 10 Jahren war das Haus endlich abgezahlt, die Kinder aus dem Gröbsten raus (sind sie das jemals?) und dann ist der Knoten langsam geplatzt. Seitdem habe ich die Finanzen halbwegs auf Vordermann gebracht, unnützes Zeugs beitragsfrei gestellt oder gleich ganz abgewickelt, erste ETFs gekauft. Vor vier Jahren mir zusammen mit meinem Bruder eine (kleine) Firma gekauft (eine Physiopraxis, Stichwort Diversifikation), von 7 (1 Standort) auf 45 Mitarbeiter (3 Standorte) hochgepusht. Jetzt läuft der Laden langsam richtig schön rund und wir können die knapp 500k Invest langsam wieder aus der Firma ziehen und anderweitig arbeiten lassen. Ein nicht ganz kleiner monatlicher Beitrag zur Rentenaufbesserung wäre schon mal geschafft. Zudem habe ich gleich noch einen Plan B, falls meinem Arbeitgeber einfallen sollte, dass Mitarbeiter über 60 nichts mehr bringen. Sieht zwar nicht so aus, aber man weiß ja nie und es schläft sich deutlich entspannter...

Gleich nach Start dieser Seite über den Finanzwesir zu euch gekommen. Und seit Anfang diesen Jahres im FX-Trading dabei, erst mal zum Ausprobieren ein paar Tausender Spielgeld gesetzt, bin schon gespannt was mein Steuerberater dazu sagen wird 🤔 . Nachdem ich zum einen beruflich ziemlich eingespannt bin, durch die private Firma auch nebenbei noch den ein oder anderen Feierabend/Wochenende investieren muss, blieb bisher kaum Zeit, sich intensiv mit Anlagemöglichkeiten zu beschäftigen. Da wir aber keine großen und teuren Hobbies haben (ok Ehefrauen und Töchter mal ausgenommen 😀) , bleibt am Monatsende einiges am Konto über, dazu die Rückläufe aus Firma, das Geld darf gerne so hart arbeiten wie ich. Somit werde ich wohl nicht umhin kommen, mich noch mehr mit dem Thema Geldanlage zu beschäftigen, dem Mann von der Sparkass traue ich nicht mehr über den Weg.

So das war genug von mir. Ein paar Komplimente möchte ich noch loswerden: Einmal hier an die Community: spannende Themen, eine sehr vorbildliche Diskussionskultur und dazu ein paar Ideen rechts und links, so liebe ich das. Und ich gelobe hiermit feierlich, künftig auch das ein oder andere beitragen zu wollen.
Und dann natürlich auch ein dickes Kompliment an Mr. & Mrs. Blackwater: sehr sympathisch, sehr reflektiert und  auch die Auswahl der Blogthemen, ich bin großer Fan, weiter so 👍 . 

    


   
weip321, wuestenrose, Ex-Discordler and 8 people reacted
Zitat
dunkelroterfaden
(@dunkelroterfaden)
Schachspieler Blackwater Premium
Beigetreten: Vor 2 Jahren
Beiträge: 209
 
Veröffentlicht von: @rhfue

DVor vier Jahren mir zusammen mit meinem Bruder eine (kleine) Firma gekauft (eine Physiopraxis, Stichwort Diversifikation), von 7 (1 Standort) auf 45 Mitarbeiter (3 Standorte) hochgepusht. Jetzt läuft der Laden langsam richtig schön rund und wir können die knapp 500k Invest langsam wieder aus der Firma ziehen und anderweitig arbeiten lassen. Weg.

    

Herzlich Wilkommen im Forum!

Spannend, wie bist du darauf gekommen eine Physiopraxis zu übernehmen?


   
weip321 reacted
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rhfue
(@rhfue)
Vollkornbrot Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 11 Monaten
Beiträge: 28
Themenstarter  

Naja wir haben nicht wirklich nach einer Physiopraxis gesucht, sondern einfach nach einem Business, das irgendwelche Megatrends bedient (sprich auch noch in 10 oder 20 Jahren gebraucht wird) und das skalierbar ist (wir haben ja eine gewisse Größenordnung im Blick, was wir für unser Altersversorgung benötigen). Wir haben uns immer wieder die ein oder andere Firma angesehen, Franchisekonzepte gecheckt und auf die richtige Chance gewartet. Und dann hatte der Steuerberater meines Bruders eine notleidende Klientin mit einer Physiopraxis.

Wir uns in zwei Wochen in die Physiothematik eingelesen und zugeschlagen. Hatten beide keinerlei Berührungspunkte zu der Branche (außer als Kunden mit irgendwelchen Gebrechen 😑 ). Haben natürlich Lehrgeld bezahlt (eine Praxis übernommen die zu klein war), wären zu Beginn der Coronakrise beinahe pleite gegangen (100k+ laufende Kosten bei 25k Umsatz zehrt ganz schön am Eigenkapitalstock). Ging zum Glück gut, der KfW-Überbrückungskredit hat geholfen. Jetzt wissen wir, wie das Business läuft und werden perspektivisch entweder vergrößern oder neue Praxen dazunehmen. Allersdings nicht die nächsten ein/zwi Jahre, weil der Sprung an (nötigem Verwaltungs-)Overhead einfachmomentan zu groß ist. Ich müsste dann permanent mit einsteigen, und das wollen wir nicht. Jemand, der mit gesichertem Einkommen in Krisenzeiten mal Geld zuschießen kann, ist wichtig. Wir haben keinen Mitarbeiter entlassen müssen, das war uns wichtig.

Also am Ende Zufall, um deine Frage kurz zu beantworten...


   
weip321 reacted
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Philsu
(@philsu)
Toasty Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 1 Jahr
Beiträge: 13
 

Hi @rhfue 🙂  Freut mich noch einen von meiner Sorte der stillen Mitleser hier zu treffen.


   
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mrsblackwater
(@mrsblackwater)
Schach Großmeister Moderator Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 2 Jahren
Beiträge: 702
 

@rhfue vielen lieben Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, dich so ausführlich  vorzustellen. Das liest sich sehr spannend und beinhaltet die ein oder andere Oldie Weisheit. 😉 

Schön auch zu hören, dass Euer Investment die Pandemie überlebt hat.

Veröffentlicht von: @rhfue

Mr. & Mrs. Blackwater: sehr sympathisch, sehr reflektiert und  auch die Auswahl der Blogthemen, ich bin großer Fan, weiter so 👍 .

Über dieses Kompliment freue ich mich natürlich besonders. 😊 

Schön, dass du hier bist und herzliche Grüße nach Bayern, ähm ich meine Franken. 😉 


   
weip321 reacted
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iki
 iki
(@ikigaimondai)
Fide Meister Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 2 Jahren
Beiträge: 1601
 
Veröffentlicht von: @mrsblackwater

Bayern, ähm ich meine Franken


The Beach Reaction GIF by Kel Cripe

   
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Blackwater
(@deepblackforest)
Super Großmeister Admin
Beigetreten: Vor 5 Jahren
Beiträge: 2822
 
Veröffentlicht von: @rhfue

Gleich nach Start dieser Seite über den Finanzwesir zu euch gekommen.

Das trifft auf erstaunlich viele Leser (vor allem Leser) zu, die anderen Leserinnen und Leser kamen/kommen durch Weiterempfehlungen. Ich habe das nie getrackt, aber seit es die Community gibt wird mir das mehr und mehr klar.

Herzlich willkommen bei uns!

 

Veröffentlicht von: @rhfue

dem Mann von der Sparkass traue ich nicht mehr über den Weg.

Das ist schon mal ein guter Anfang. 🙂

 

Das Ur-Vertrauen in die Spasskass ist allgemein aber immer noch gross. Vor kurzem erzählte uns ein Pärchen (um die 30), dass ihr Berater bei der Spasskass sogar kostenlos alle ihre Finanzordner durchsah und prüfte was man ändern müsste. Das fanden sie so großzügig weil es kostenlos war, dass sie dann alle anderen Bankverbindungen kündigten. Jetzt hat der männliche Teil des Pärchens übrigens Zertifikate, weil die "viel besser als die VR Bank Fonds" sind. 🤣 

Sie ist Realschullehrerin, er bei einem Möbelbauer Pseudoführungskraft (eine Art Premium Hausmeister). Sie ist schwanger. Geschichten, die das Leben schreibt.

 

Veröffentlicht von: @rhfue

Jetzt wissen wir, wie das Business läuft

Schön dass ihr es geschafft habt!

 

Veröffentlicht von: @rhfue

Naja wir haben nicht wirklich nach einer Physiopraxis gesucht, sondern einfach nach einem Business, das irgendwelche Megatrends bedient (sprich auch noch in 10 oder 20 Jahren gebraucht wird) und das skalierbar ist

Was ist der Unterschied zwischen einem guten Business und einem sehr guten Business: die Skalierbarkeit! 😊 

So einfach und doch wird der Aspekt oft versemmelt.


   
weip321 reacted
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rhfue
(@rhfue)
Vollkornbrot Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 11 Monaten
Beiträge: 28
Themenstarter  

@mrsblackwater: Nicht dass ich darauf Wert legen würde, NICHT in Oberbayern sondern im anderen schönen Teil von Bayern zu leben 😀 Als Vertriebsmitarbeiter bin ich ja ziemlich herumgekommen in D, ich kann mich auf Schwäbisch, Pfälzisch (ja da gibt es Unterschiede), Hessisch (Nord- und Süd), Sächsisch, rheinländisch, Berlinerisch... verständigen, gibt überall solche und solche. Aber am schönsten ist es natürlich immer Zuhause, wo auch immer das liegt...


   
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Blackwater
(@deepblackforest)
Super Großmeister Admin
Beigetreten: Vor 5 Jahren
Beiträge: 2822
 
Veröffentlicht von: @deepblackforest

Sie ist Realschullehrerin, er bei einem Möbelbauer Pseudoführungskraft (eine Art Premium Hausmeister). Sie ist schwanger. Geschichten, die das Leben schreibt.

Hier wollte ich nochmal nachlegen, damit wir das richtig einordnen. Es geht nicht darum welchen Job jemand hat. Und es gibt natürlich sehr gute Lehrer und sehr gute Hausmeister, beides unverzichtbar!!!

Es geht darum, dass ein Individuum sich bis zum platzen gegenüber anderen aufbläst und für "superwichtig" hält.


   
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lichtenberg99
(@lichtenberg99)
Internationaler Meister Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 2 Jahren
Beiträge: 1095
 
Veröffentlicht von: @deepblackforest

Was ist der Unterschied zwischen einem guten Business und einem sehr guten Business: die Skalierbarkeit! 😊 

So einfach und doch wird der Aspekt oft versemmelt.

Wobei es mit der Skalierbarkeit von Service Businesses auch immer schwieriger wird. Man braucht gute Mitarbeiter dafür. Und die sind nun mal knapp.


   
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weip321
(@weip321)
Fide Meister Blackwater Premium Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 2 Jahren
Beiträge: 1783
 

Herzlich Willkommen @rhfue. Schön, dass du die stille Mitleserschaft mit deinem Post (vorerst) beendet hast 🙂

Du hast einen sehr interessanten Lebenslauf, und ich würde dir die nächsten Tage gerne noch ein paar Fragen stellen (falls das OK ist)


   
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rhfue
(@rhfue)
Vollkornbrot Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 11 Monaten
Beiträge: 28
Themenstarter  

@weip321 gerne, soweit ich das richtig interpretiere istdas ja der Grund in einer Communityzu sein😀


   
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weip321
(@weip321)
Fide Meister Blackwater Premium Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 2 Jahren
Beiträge: 1783
 

@rhfue nachdem es mich in den letzten Tagen flachgelegt hat, bin ich leider nicht eher dazu gekommen dir zu antworten. PS: mein erster Beitrag ist mal wieder ins Datennirvana verschwunden beim Speichern - wahrscheinlich war der Tab zu lange offen... Naja, ich versuche es nochmal aus dem Kopf.

Zuallererst Glückwünsch zum erfolgreichen Investment und zum Aufbau eines zweiten Standbeines! Ich finde es extrem spannend, solche Geschichten wie die von dir zu lesen! Im Amerikanischen gibt es das Modell des sogenannten "boring business" - also grundsolide, langweilige Unternehmen, die trotzdem einen schönen regelmässigen Cash-Flow abwerfen. Ich glaube mit euren Physiopraxen habt ihr euch genau solch ein Modell ausgesucht, und das dann noch erfolgreich ausgebaut und skaliert. In einem anderen Forum habe ich erst vor ein paar Wochen etwas über den Betrieb von Solarien gelesen. Aus meiner halbstündigen Schnellüberschlagsrechnung hat es sich nicht gerechnet, aber ich habe auch keinen Plan wie nachgefragt Solarien heutzutage überhaupt noch sind.

Meine Fragen dazu wären die folgenden:

  • Du schreibst, dass du erst in den letzten 10 Jahren angefangen hast, deine Finanzen aufzuräumen. Ebenfalls schreibst du, dass das Initialinvestment 500k betragen hat (von deinem Bruder und dir). War das alles Eigenkapital, oder habt ihr euch auch Fremdkapital z.B. von Banken geholt?
  • Musstest du für das Initialinvestment Teile deiner ETFs verkaufen, oder hast du das Geld nebenher über die 10 Jahre ansparen können?
  • Laut deinen Aussagen hattet ihr 100k laufende Kosten. Beziehen sich diese auf die erste Praxis und auf ein Geschäftsjahr?
  • Wie seid ihr auf die Megatrends gekommen? (das ist für mich fast die spannendste Frage)
  • Wie habt ihr das Ganze hochskaliert? Wurden neue Praxen an anderen Standorten eröffnet, oder habt ihr bestehende Praxen inkl. Kundenstämmen übernommen?
  • Wie macht ihr Werbung, bzw. wie bekommt ihr neue Kunden? Bedeutet Skalierung einfach "mehr Mitarbeiter = mehr Kunden"?

 

Ich bin auch sehr interessiert an solch einem "boring business", speziell da ich die Übernahme auch mit meiner eigenen Firma abwickeln könnte (steuerlich günstiger aufgrund von Vorsteuer). Betriebswirtschaftlich bin ich relativ fit, und Cashflow-Rechnungen gehen mir sehr schnell von der Hand. In meinem IT-Business habe ich halt den Vorteil von sehr sehr niedrigen Fixkosten - etwas dass bei einer Physiopraxis natürlich nicht geht.

Ich würde mich sehr über eine Antwort von dir freuen!


   
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rhfue
(@rhfue)
Vollkornbrot Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 11 Monaten
Beiträge: 28
Themenstarter  

@weip321 sorry für die verspätete Antwort, aber der Wanderurlaub an der Amalfiküste ging vor 😀 

Zu deinen Fragen:

  • Eigenkapital/Fremdkapital
    Ja, war alles Eigenkapital, wir scheuen den finanziellen Striptease, den signifikante Bankkredite so mit sich bringen
  • ETF verkaufen?
    nein, die beiden ETFs (ich habe einen MSCI World und einen Emerging Markets) habe ich nicht angetastet, wäre ja kontraproduktiv gewesen. Allerdings habe ich Geld, das eigentlich für Aktien bzw. zum Aufstocken der ETFs gewesen wäre, in die Firma gesteckt. Ich verdiene zwar ganz gut, aber so gut nun auch nicht 😉
  • laufende Kosten 100k
    na wenn man alles zusammenzählt, was so monatlich zusammenkommt: 3 x Miete für die Praxen, 42 Mitarbeiter, IT, ein geleaster Milon-Zirkel, .... das läppert sich auf die knapp 110k pro Monat zusammen, und da sind wir noch relativ schlank aufgestellt
  •  Megatrends
    Ja, das ist in der Tat eine spannende Frage:
    Ich fange vielleicht damit an, was wir nicht wollten: Irgendwelchen Modetrends hinterherlaufen wie z.B. 3D Druck, nachhaltige Klamotten oder was so in der Hölle der Löwen gezeigt wird. Heißt jetzt nicht, dass das kein Geschäftsmodell ist, aber halt nichts für uns.
    Die Megatrands waren für uns: Älter werdende Gesellschaft, (nicht zu stark) regulierte Märkte um eine gewisse Investitionssicherheit und Planbarkeit zu haben,  Produkte/Dienstleistungen, für die keine Konkurrenz aus Fernost (oder anderen Billiglohnländern) droht, .... 
    Wir wussten: Die Menschen in D werden immer älter, also Kunden gehen uns nicht aus, es gab kaum größeren Wettbewerb, irgendwo haben wir gelesen, dass die durchschnittliche Pysiopraxis 3 bis 4 Mitarbeiter hat  .... 
  • Skalierung
    Zuerst hatten wir wie bereits geschrieben ein Praxis. Die haben wir erst einmal auf Vordermann gebracht (Teppiche raus, Vinyl mit Holzoptik rein, die Behandlungsräume aufgehübscht, Abläufe gestrafft, ...). Die IT von vorne herein virtuell aufgebaut, damit eine weitere Praxis leicht angebunden werden konnte. Dann hatten wir eine Ausbaureserve genutzt und von 4 auf 8 Behandlungszimmer hochgefahren.
    Oder auch nur Kleinigkeiten: Üblicherweise dauert eine Behandlung 20 Minuten, dann hat der Therapeut 10 min Zeit den Raum sauber zu machen und für den neuen Patienten herzurichten, usw.
    Wir haben auf 5 Minuten verkürzt und die vorbereitenden bzw. nachgelagerten Tätigkeiten an ein (aufgestocktes) Empfangspersonal delegiert, der Therapeut hat echte 5 Minuten Pause (und wir etwa 1 bis 2 Termine mehr pro Tag).  Zudem ist der eigentliche Engpass/Wertschöpfung (der Therapeut) besser ausgelastet, und um eine Liege zu desinfizieren, kann man auch eine Empfangskraft nehmen, die deutlich weniger "kostet" als ein Therapeut....
    Hat sich (u.a. bei den Therapeuten) heurmgesprochen und wir haben ständig Angebote zur Übernahme kleiner Praxen bekommen. Und dann kam eins zum anderen....
    Wir haben (völlig unnormal für Physios) aktiv Ärzte angesprochen (ja, richtig Vertrieb gemacht), auch so eine Komponente, die viel geholfen hat.
    Noch ein kleiner Exkurs zum Thema Kundenstamm. Natürlich übernimmt man bei Übernahme einer Praxis einen bestehenden Kundenstamm, zunächst. Der hängt aber nicht an der Praxis sondern meist am Therapeuten. Und wenn der geht, sind seine Kunden meistens auch weg, die Leute sind da (leider) ziemlich wählerisch (kann ich nur teilweise nachvollziehen, aber muss man akzeptieren...)
  • Neue Kunden
    Oh je, da könnte ich jetzt noch ein paar weitere Seiten schreiben. Nur soviel in aller Kürze, der Artikel ist sowieso schon reichlich lange: Wie schon oben angesprochen, wir gehen aktiv auf (ausgewählte) Ärzte zu (wir kennen die Vergütungssätze für die diversen Leistungen und beherrschen die Grundrechenarten 😉 ), haben mit "Schnupperstunden" Ärzten den Wechsel der Praxis leicht gemacht, für Patienten bestimmter Ärzte bewusst Kapazität freigehalten (teilweise mussten Patienten 4 Wochen auf den ersten (!) Termin bei anderen Praxen warten), ... Alles kein Hexenwerk, den Kunden (Ärzte UND Patienten) zugehört, Mitarbeiter fair behandelt und bezahlt, Engagement der Mitarbeiter gefördert und belohnt, einfach einen sauberen Job gemacht. 

Ich denke es gibt da draussen noch einiges an Möglichkeiten, wenn man mit der richtigen Einstellung herangeht. Beispielsweise im Handwerk sehe ich da viele Chancen...Ich würde eher ein Business wählen, bei dem es einen eher regelmäßigeren Bedarf gibt, das Thema (Neu-)Kunden-Gewinnung ist leider  aufwändig.

Wenn ich so darüber nachdenke: Was uns sehr geholfen hat ist die Tatsache, dass manche Menschen  Physiotherapeuten geworden sind, weil sie therapieren , massieren und helfen wollen. Und an  Verwaltungsaufwand bei einer kleinen Physiopraxis (4 - 5 Mitarbeiter) kommt nochmal etwa 10 bis 20 Stunden pro Woche hinzu, zusätzlich zum Physiojob. So eine 50 bis 60 Stunden Woche halten nicht so viele über Jahre hinweg durch, zumal man damit nicht wirklich reich wird. Und dann muss man sich entscheiden: Entweder soweit schrumpfen, dass  Aufwand/Nutzen im (bescheideneren) Verhältnis stehen oder eben wachsen. Allerdings wird man dann zum Manager und ist kein Physiotherapeut mehr. Und das wollen und können die wenigsten... 


   
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weip321
(@weip321)
Fide Meister Blackwater Premium Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 2 Jahren
Beiträge: 1783
 

@rhfue vielen Dank für die sehr ausführliche Antwort und das Plaudern aus dem Nähkästchen! Ich hoffe du hattest einen schönen Urlaub in Italien 🙂 

Du hast viele wichtige Dinge geschrieben, und ich bin dankbar dafür dass du dir so viel Zeit genommen hast. Dein Beitrag ist sehr aufschlussreich, und ich hoffe dass auch andere hier im Forum einiges davon mitnehmen können! Ich hoffe es ist ok, wenn ich dir noch weitere Fragen stelle?

Veröffentlicht von: @rhfue

Ja, war alles Eigenkapital, wir scheuen den finanziellen Striptease, den signifikante Bankkredite so mit sich bringen

D.h. du und dein Bruder haben pro Jahr jeweils 25k € gespart. Das ist eine sehr hohe Sparquote! Hast du nebenbei trotzdem noch weiter in ETFs investiert? Und hast du die 25k erstmal liegen lassen für die 10 Jahre, also z.B. auf dem Tagesgeldkonto? Die ETF-Jünger würden bei letzerem vermutlich die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, aber euer Erfolg gibt euch Recht. Dafür, dass ihr über ein paar Jahre keine/weniger Rendite hattet, habt ihr nun ein Business mit stetigem Cashflow. Ich vermute, dass der aktuelle Cashflow deutlich höher ist als dass, was ihr mit einem All World ETF als Dividende bekommen würdet bei der gleichen Anlagesumme.

Veröffentlicht von: @rhfue

3 x Miete für die Praxen, 42 Mitarbeiter, IT, ein geleaster Milon-Zirkel, .... das läppert sich auf die knapp 110k pro Monat zusammen, und da sind wir noch relativ schlank aufgestellt

Diese Zahlen sind Gold wert. Nochmals vielen Dank für deine Offenheit und den Einblick! Wenn ich das mal milchmädchenmässig überschlage, sind die Kosten vermutlich so verteilt: der Grossteil geht für das Personal drauf (2.3k brutto pro Mitarbeiter = 96'600€ + 12k Miete + 1k für den Milon). Milon Zirkel musste ich erstmal googeln - Gebrauchtgeräte gibt es von Milon direkt ab 525€ pro Monat (Milon Kraft Zirkel) bzw. 699€ (Milon Kraft Ausdauer Zirkel). Die 2.3k brutto pro Mitarbeiter (ist natürlich nur der Durchschnitt) finde ich vollkommen OK - aber ich komme auch aus der IT, d.h. ich bin auf höhere Gehälter konditioniert.

Veröffentlicht von: @rhfue

Die IT von vorne herein virtuell aufgebaut, damit eine weitere Praxis leicht angebunden werden konnte

Da du aus der IT kommst, war das wahrscheinlich relativ einfach für dich. Oder? Musstet ihr dort irgendwas Spezielles beachten? Stichwort Krankenkassen, gesetzliche Vorschriften? Wenn ich mich zurückerinnere an die IT in vielen Arzt-Praxen - da kommt mir heute noch das kalte Grauen. Virtualisierung o.ä. ist bei den meisten Praxen ein Fremdwort. Ich denke das wäre auch ein sehr lukrativer Markt, wobei ich die Einstiegshürden dort schwierig abschätzen kann. Wenn man jedoch einmal einen Fuss in der Tür und ein attraktives und funktionierendes Angebot hat, wäre es vermutlich ein Leichtes, Arztpraxen als Kunden zu gewinnen. Man muss dann "nur" die jeweiligen Arzt bzw. die Ärzte (Gemeinschaftspraxis) überzeugen über die Themen Kosten sowie einfache Bedienbarkeit sowie einfache Wartung. Betonung auf "nur"...

Veröffentlicht von: @rhfue

Wir haben auf 5 Minuten verkürzt und die vorbereitenden bzw. nachgelagerten Tätigkeiten an ein (aufgestocktes) Empfangspersonal delegiert, der Therapeut hat echte 5 Minuten Pause (und wir etwa 1 bis 2 Termine mehr pro Tag). 

Das ist sehr clever, und ein sehr gutes Beispiel für Optimierung. Warum soll die gut ausgebildete und teurere Fachkraft (Physiotherapeut) eine fachfremde Aufgabe (Reinigung) übernehmen, wenn dies auch von jemand günstigerem übernommen werden kann? Hinweis für die stillen Mitleser: das ist ein einfacher und effektiver Trick, um Dinge zu optimieren. Als Geschäftsinhaber hat man dadurch 2 Termine mehr pro Physiotherapeut pro Tag - was auf den Monat bzw. das Jahr sehr viel ausmacht.

Veröffentlicht von: @rhfue

Wir haben (völlig unnormal für Physios) aktiv Ärzte angesprochen (ja, richtig Vertrieb gemacht), auch so eine Komponente, die viel geholfen hat.

Auch hier habt ihr sehr clever agiert! Chapeau! Ich denke hier hat dir dein Background aus der IT und Sales geholfen. Das sind genau die Kniffe, die wichtig sind. Ich vermute, dass viele Physiotherapeuten gar nicht auf solche Ideen kommen bzw. so mit ihrem Job beschäftigt sind, dass sie so etwas nicht machen. Das ist ein weiterer grosser Hebel für den Punkt Skalierung.

Veröffentlicht von: @rhfue

Alles kein Hexenwerk, den Kunden (Ärzte UND Patienten) zugehört, Mitarbeiter fair behandelt und bezahlt, Engagement der Mitarbeiter gefördert und belohnt, einfach einen sauberen Job gemacht. 

Genau, es ist kein Hexenwerk. Wenn man, wie du, aus einer Dienstleistungsbranche kommt, dann hat man ein anderes Mindset (hoffentlich 😉 ). Du weisst, worauf du achten musst und dass der Kunde bzw. die mit euch kooperierenden Ärzte die Könige sind. Das gepaart mit ein paar guten Hacks (Praxis optisch ansprechend gestaltet, IT modernisiert, Reinigung optimiert, Ärzte aktiv angeworben) - und ihr habt nun ein sehr erfolgreiches Business.

Veröffentlicht von: @rhfue

Ich denke es gibt da draussen noch einiges an Möglichkeiten, wenn man mit der richtigen Einstellung herangeht. Beispielsweise im Handwerk sehe ich da viele Chancen...Ich würde eher ein Business wählen, bei dem es einen eher regelmäßigeren Bedarf gibt, das Thema (Neu-)Kunden-Gewinnung ist leider  aufwändig.

Ich hatte im letzten Post etwas von "boring businesses" (BBs) geschrieben. Bin dort weiterhin dran, mich intensiver einzulesen. Wie du richtig schreibst, sind viele dieser BBs im handwerklichen Bereich angesiedelt: Heizungsmonteure, Gas/Wasser, Zaunbau, Asbestentfernung, Reinigung (um nur ein paar zu nennen). Leider sind viele dieser Businesses personalintensiv, d.h. man benötigt Menschen, die für vergleichsweise wenig Geld körperlich anstrengende Arbeit machen wollen. Trotzdem gibt es auch dort Optimierungspotential. Im Prinzip die Dinge, die du schon angesprochen hast: besserer Vertrieb und Marketing, eine funktionierende IT, kleine Hacks mit grosser Wirkung.

Erst gestern gelesen: da ging es um Gärtner. Der Autor hat etwas ironisch gefragt, wie viele Leute einen Gärtner haben, der immer pünktlich ist, proaktiv Services anbietet, nie eine Woche vergisst und ein automatisches Bezahlsystem hat. Das sind alles nur kleine Sachen, aber es summiert sich auf. 5% hier optimiert, 10% dort, und schon hat man ein Business dass besser ist als 90% der Mitbewerber.

 

Ich bin aktuell noch am Umschauen, welche Businesses sich gut eignen. Vor kapitalintensiven Industrien schrecke ich aktuell noch etwas zurück. Bzw. muss ich mich dort noch mehr einlesen bezüglich den Zahlen. Das Dümmste wäre, wenn man eine hohe Startinvestition hat, und das Business dann nicht funktioniert. In der IT ist es etwas einfacher - bzw. die CapEx- und OpEx-Kosten sind relativ überschaubar.

So, ich stoppe erstmal hier. Habe auch wieder viel geschrieben, und möchte dich nicht mit meinen ganzen Fragen überrollen 🙂 

 


   
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