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Frage [Oben angepinnt] Lohnt es sich in Rohstoffe zu investieren?

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Blackwater
(@deepblackforest)
Super Großmeister Admin
Beigetreten: Vor 5 Jahren
Beiträge: 2550
Themenstarter  

Eine Leserin fragte mich, ob dem Welt-Depot nicht auch Rohstoffe beigemischt werden sollen. Sie hatte das auf einer Webseite für Female-Finance so gelesen und es war dort einer Freundin als Geheimtipp und Beimischung (10%) empfohlen worden.

 

Also, Rohstoffinvestment ja oder nein? 

 

Kurze Antwort:

NEIN.

 

Es gibt einen Diversifikationseffekt, dessen Wirksamkeit umstritten ist, sowie ethische Bedenken hinsichtlich der Spekulationseffekte bei Agrarrohstoffen (gerade wieder sehr aktuell) Es gibt andere Mittel und Wege, um das Gesamtrisiko seines Depots zu senken. Auch ohne Rohstoffe.

 

 

Etwas ausführlicher, warum ich als Banker zu Rohstoffen im Welt-Depot NEIN sage:  (eine reine Spekulation mit beispielsweise Gold ist etwas anderes. Aber eben nur Spekulation und hat nichts im Welt-Depot zu suchen).

 

Ein Teil der Rohstoffe wird am Spot-Markt (Ware gegen Geld) gehandelt. Dort handeln allerdings ausschließlich Produzenten und Großhändler, die miteinander Geschäfte machen. Für Anleger sind die meisten Rohstoffe – mit Ausnahme der Edelmetalle – sinnvollerweise nur über sogenannte Futures oder Futureskontraktehandelbar. Will man auf längere Sicht in Rohstoffe investieren, wird auch dieser Futureskontrakt vor Ablauf verkauft und in den nächsten Futureskontrakt „gerollt“. Das Vorgehen wird daher auch als „Rollover“ bezeichnet und produziert Kosten (analog Lagerkosten bei physischen Kauf) Und genau das führt dazu, dass nicht nur in fallenden Rohstoffmärkten Geld verloren wird, sondern auch in seitwärts laufenden!

Ob für einen Rohstoffinvestor ein Rollverlust oder gar ein Rollgewinn entsteht, liegt am Verlauf der sogenannten Futures-Kurve. In der Regel stellt sich die Situation an der Warenterminbörse jedoch so dar, dass die Futures-Preise über den Spot-Preisen bzw. dem Kassakurs notieren und somit ein späterer Liefertermin höhere Kosten mit sich bringt. Diese Situation, welche auch als Contango bezeichnet wird, führt bei Privatanlegern zu Rollverlusten.

Aber, es gibt natürlich auch den umgekehrten Fall und dieser wird angestrebt: der Rollgewinn. Ist der neue Kontrakt billiger als der alte, macht der Anleger einen Rollgewinn. Auf längere Sicht Geld verdienen lässt sich mit Rohstoffen nur durch Rollgewinne, denn es gibt weder Zinsen noch Dividenden, die ausgeschüttet werden.

 

Ich bin konkret gegen Rohstoffinvestments im Welt-Depot weil...

1. Die Investments sind kompliziert und für viele Anleger nicht zu verstehen. Ich bin bewusst nicht detailliert auf Begriffe wie „Contango“ und „Backwardation“ eingegangen, mit denen ich zuletzt im Studium konfrontiert war (ich bezweifle, dass obige Finanzbloggerin auch nur einen Hauch einer Ahnung davon hat, es ist SEHR komplex und nichts für Marketingmenschen).

2. Die Investments sind rein spekulativ und nicht produktiv, mit ihnen lassen sich also keine laufenden Einnahmen wie Dividenden oder Zinsen erwirtschaften.

3. Ethik. Es ist nicht ausgeschlossen, dass solche Investments zu Price-Action führen und Nahrungsmittel verteuern, wodurch ca. 1 Milliarde Menschen weltweit leiden. Das ist ein Thema für sich und es gibt für beide Seiten Argumente. Aufgrund der Intransparenz des Markts bleiben aber die Bedenken. Ich hatte zu Studienzeiten auch die Gegenseite schon eingenommen und kenne alle Argumente der Befürworter solcher Investments, aber am Ende blieb ein mulmiges Gefühl.

 

Wer sein Welt-Depot erst neu aufbaut braucht Rohstoffe definitiv nicht in seinem Depot! Die Empfehlung mancher Finanzblogger Rohstoffe beizumischen halte ich gerade bei neuen Anlegerinnen und Anlegern für grundsätzlich falsch (um nicht zu sagen inkompetent).


trader61, Gold-oder-Aktien, Studimaus99 and 6 people reacted
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NorbertM
(@norbertm)
Toasty New in Town
Beigetreten: Vor 2 Wochen
Beiträge: 21
 

Ich sehe das ähnlich wie @deepblackforest. Rohstoffe passiv Buy&Hold, wie es zur Langfristanlage von Kommer empfohlen wurde und von Prof. Weber mit dem ARERO noch immer praktiziert wird, ist Missbrauch der Terminmärkte. Denn es verzerrt die Preise einseitig auf der Kaufkontraktseite, verringert daher die Effizienz der Rohstoffmärkte und schadet diesen Anlegern (zum Glück) auch selber. Kommer hat diese Empfehlung daher schließlich 2018 zurückgezogen. Nahe dem Tiefstpunkt, außer wenigen Tagen im Corona-Crash.

Ganz anders sieht es jedoch mit der reinen Trendfolge mit Commodity Futures aus. Dieser Ansatz handelt die terminmarktgerecht aktiv und kehrt sämtliche Nachteile des passiven Buy&Hold in Vorteile um. Nach passiv gehaltenen Rohstoffen ist die Trendfolge damit der zweitbeste Inflationsschutz. Aber langfristig zusätzlich noch mit aktienähnlich hohem Ertragspotenzial.

Hier sehr gut erläutert: The Best Strategies for Inflationary Times.


weip321, Studimaus99, habanero1979 and 1 people reacted
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Gold-oder-Aktien
(@gold-oder-aktien)
Schach Profi Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 1 Jahr
Beiträge: 328
 
Veröffentlicht von: @deepblackforest

Eine Leserin fragte mich, ob dem Welt-Depot nicht auch Rohstoffe beigemischt werden sollen. Sie hatte das auf einer Webseite für Female-Finance so gelesen und es war dort einer Freundin als Geheimtipp und Beimischung (10%) empfohlen worden.

Wer sein Welt-Depot erst neu aufbaut braucht Rohstoffe definitiv nicht in seinem Depot! Die Empfehlung mancher Finanzblogger Rohstoffe beizumischen halte ich gerade bei neuen Anlegerinnen und Anlegern für grundsätzlich falsch (um nicht zu sagen inkompetent).

100% Zustimmung! Wenn man anfängt mit Sparen & investieren, sollte man kein spekulatives Zeugs kaufen von dem man zu dem Zeitpunkt nichts versteht.

Wenn man viele Schritte und Jahre weiter ist, kann immer noch anfangen etwas dazu zumischen und wenn es dann Rohstoffe sein sollen würde ich persönlich statt Futures

a) Aktien von Rohstoff-Companys kaufen (wenn man sich damit etwas beschäftigen möchte)

Erklärung: Rohstoff-Company`s sind Unternehmen die Rohstoffe, fördern, verarbeiten, veredeln und verkaufen. Diese schwanken in Kurs oft stärker als "normale" Aktien, steigen und fallen oft in Zyklen von 3-5 Jahren. Einige davon sind gute und verlässliche Dividendenzahler, andere nicht so (hier muss man etwas recherchieren) Beispiele dazu sind im Aktienthread (ETF gegen 10 Aktien) zu finden.

Auf jeden Fall eine mögliche Beimischung, wenn man sich schon eine gesunde Anlage-Basis aufgebaut hat - nicht am Anfang!

 

b) sich einen schönen Rohstoff-investierenden-ETF suchen, hier finde ich persönlich die Auswahl schwerer als mit Einzelaktien (aber das ist meine Sicht) hier muss man nur den richtigen ETF finden und dann kann das laufen, oder auch nicht 😉


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trader61
(@trader61)
Lachsfrühstück Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 1 Jahr
Beiträge: 29
 
Veröffentlicht von: @gold-oder-aktien

inige davon sind gute und verlässliche Dividendenzahler, andere nicht so (hier muss man etwas recherchieren) Beispiele dazu sind im Aktienthread (ETF gegen 10 Aktien) zu finden.

Und damit wäre es dann wieder Produktivkapital. Das ist ein wichtiger Punkt, sehe ich wie du und Blackwater. Alles andere ist totes Kapital und produziert mehr Kosten als es bringt.


habanero1979 reacted
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