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Sein oder Schein: Wahrheit

Mein damaliger Kommentar. Vielleicht können wir diese Thematik nochmal neu beleben. Die Diskussion fand ich hervorragend.

Ich verstehe deine Absicht deine Erkenntnis unter Leute zu bringen, denn jeder der erwacht, hat das Bedürfnis, dieses Wissen und die Eindrücke an Schlafende weiter zu geben.  Ich selbst habe als Teenager Jahre mit Freikirchen und anderen verbracht, meine Zeit - statt zu saufen und zu vögeln - mit dem Bibelstudium verbracht. Keine schlechte Wahl. Die Bibel ist in einem Maße umfangreich, dass man schon ein paar Jahre braucht, um da einigermaßen durch zu kommen, ohne wenn und aber. Wer denkt er kann das mit paar Heftchen abkürzen, steht in der Mitte des Lebens vor einem seelischen Scherbenhaufen oder belügt sich dann noch massiver selbst weiter.

Ich habe Jahre gebraucht um zu merken, dass gewisse Fragen und Nachforschungen auf Widerstand stoßen, wenn man sich mit christlichen Gemeinschaften beschäftigt. Ich habe mich mit verschiedenen auseinander gesetzt und auch deren Gottesdienste besucht. Wenn man aber erlebt, an welche Wand des Schweigens man stößt, die Sturheit die letztlich in Bosheit mündet, dann ist die Türe offen für weitere Fragen. Und dann wird es wirklich interessant. Diese Fragen allerdings sind grundsätzlicher Natur und stellen das gesamte christliche Gebäude in Frage. Dann kommt nämlich die Phase, wo die Quelle selbst - also die Bibel an sich - in Frage gestellt werden muss. Wenn man sich darauf ernsthaft einlässt, erwartet einen ein unüberschaubares Labyrinth an historischen Lügen - von Kaiser Konstantin, über Hieronymus bis zu Russel. Diese Forschungen verlangen wiederum Jahre. All die machtpolitischen Prozesse, bereits kurz nach Jesu Tod, die Zersplitterungen des „Christentums“, Strömungen, Interpretationen - und vor allem unzähligen Übersetzungen, haben bei mir zur Überzeugung geführt, dass die Bibel lediglich ein Überbleibsel des einstigen Wissens ist, strategisch zusammen gefügt aus - niemand weiß - welchen und wie vielen Schriften. Sicher ist, dass man die Lüge am besten in Wahrheiten einpackt, um nicht als solche entlarvt zu werden. 

Die Bibelforschung innerhalb einer Kirche oder Organisation verlangt, dass geforscht und gesucht wird. Allerdings unter der Prämisse, dass die Bibel das Wort Gottes ist. Somit ist ein vorauseilender Glaubensakt erforderlich, um zum Glauben zu finden. Absurd! Allein die Tatsache, dass gewisse Dogmen nicht hinterfragt werden dürfen - unter Androhung von Sanktionen - beweist ausreichend, dass es sich nicht um die Wahrheit handeln kann. Dieses Konzept gilt gleichermaßen für Religion bis zu Politik (Verteufelung von Randgruppen) und Naturwissenschaft (Evolution). Wenn ich also Widerstand von der Durchschnittsmasse erhalte, ist dies eigentlich der einzige Wegweiser, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Es geht darum, dass „…die Wahrheit frei macht…“, wenn man sie erkennt. Du hast dies bereits schon einmal sehr gut geschrieben. Erst erkennen, dann… Aber beim Erkennen scheitert es doch, wenn Erkennen böse ist, nicht diskutiert werden kann und darf.

Die Wahrheit zu erkennen ist DAS erstrebenswerte Ziel schlechthin. Allerdings habe ich die leidvolle Erfahrung machen müssen, dass genau DAS zu 90% nicht gewollt ist!!!
Menschen wollen geführt werden, sie haben panische Angst vor der Freiheit, da die Freiheit automatisch den Verlust des bisherigen Weltbildes bedeutet. Und dann auch noch selbstständiges Denken, oh nein, das geht gar nicht, Eigenverantwortung. Wie schlimm. Dieses neurotische Weghören, Ablehnen von Diskussion ist einerseits entwürdigend, andererseits zeigt es, dass dieser Mensch schlicht nicht reif ist für Wahrheit und Eigenverantwortung. Dies ist der Grund, weshalb ich längst aufgehört habe die Konfrontation zu suchen, nicht einmal mehr das Gespräch.

Ich habe gelernt zu respektieren, dass ich diesem Menschen keinen Dienst erweise, wenn ich sie mit Denken und Fragen konfrontiere. Sie würden mental sterben wie ein Fisch, den ich aus dem Wasser hole, um ihm ein ein Haus zu zeigen. Meine Absicht dem Fisch gegenüber mag eine gute sein, das Ergebnis wäre tödlich. Man kann niemanden „erwecken“, denn die Wahrheit und die Wirklichkeit ist jederzeit und überall präsent und verfügbar. Ich muss sie keinem zeigen. Erst, wenn der Betreffende seinen Geist wirklich öffnet und die richtigen Fragen beginnt zu stellen, wird sich ihm Gott völlig von selbst offenbaren. Ich erlebe dies gerade in den letzten Jahren, als ein langjähriger Freund sich einer sog. Freikirche angeschlossen hat. Etwa so frei wie Adventisten und Co. Einerseits ist er wie die meisten ohnehin familiär geprägt. Die Eltern sind dort schon Mitglieder. Andererseits ist er von seinem Naturell her ein wenig ängstlicher Typ, der nach allem sucht was ihm ein wenig Sicherheit gibt. Wenn ich ihn von seinem Irrtum überzeuge, nehme ich ihm alles was er hat. Er würde sein gesamtes soziales Umfeld verlieren, wo er erstmal Halt und Sicherheit und Heimat findet, dann würde ihn sein Gewissen jahrelang quälen, er müsste wieder selbstständig denken lernen. Es wäre sein Untergang. Besser, ich lasse ihn pennen. Es ist nicht meine Aufgabe, ihm seinen Traum zu nehmen. Und deshalb möchte ich am Ende dieser Zeilen dich sehr loben für diesen offenen Blog, die Weite und Tiefe deiner Gedanken. Du bist sehr weit in dem Thema Freiheit unterwegs, weil du hinterfragst. Das merkt man. Menschen die so etwas mögen, werden deinen Blog lieben. Aber ich möchte dich auch warnen: Andere werden dich dafür hassen. Sehr sogar. Weil du eine Gefahr für ihr Weltbild bist. Im einfachsten Fall werden sie dich und den Blog ignorieren und so tun als wenn es das nicht gibt. Die besonders bösen Naturen werden hetzen, verleumden und würden dich vermutlich umbringen wenn sie könnten. Nicht falsch verstehen, war bei Jesus und allen anderen offenen Menschen auch so. Wer so denkt, wird früher oder später „umgebracht“. In echt oder sozial. Ich würde an deiner Stelle aber nicht aufgeben, denn dann bist du verloren. So weit wie du bist, kannst du dass sonst nur mit Alk & Co. unterdrücken. Daher solltest du weiter schreiben. Mein Rat ist aber: In deinem sozialen Umfeld würde ich oberflächlich bleiben. Das ist meine Erfahrung. Damit lebt es sich besser. Du brauchst nur ein Ventil. Ich lese gerne und schreibe in Notizbücher. Wenn du das Ventil hast, kannst du sonst immer auf der allgemeinen Ebene bleiben. Gibt viele Themen. Wetter, Essen, Urlaub, Spass. Alles ist schön, alles toll und Regenwetter schlecht. So in der Art. Das ist wirklich meine Empfehlung für ein entspanntes Leben unter den Schlafenden. Niemand wird gerne aufgeweckt, die meisten sind dann sauer.

 

Update und Frage per April 2021: Wie siehst du das heute? Mich würde dein Umfeld interessieren.

Wahrheit, hmmm. Es gibt Wahrheiten. Naturgesetze, unsere eigene Endlichkeit. Die richtig großen Themen sind nicht so relativ wie man denkt. Relativ und begrenzt sind die Schlussfolgerungen daraus. Noch merkwürdiger ist aber etwas, was ich als Geschichte beschreiben möchte: Ein Mensch wird in einen Garten gesetzt. Alles ist perfekt dort. Wunderschön, voller Liebe zum Detail. Dieser Mensch kann entweder anfangen sich Fragen zu stellen. Woher komme ich? Warum bin ich hier? Wer hat diesen Garten gemacht? Warum ist so viel Liebe in all den Dingen. Oder er kann sagen: Ich fresse und saufe hier bis zum Umfallen, mülle alles zu unter lebe im Garten wie wenn es kein morgen gibt.

Frage: Wofür entscheide ich mich? Ist es dumm zu denken, dass den Garten niemand gemacht hat und es keinen Zweck der Existenz gibt? Würde ich mich anders entscheiden wenn ich weiss, wenn das Gartenleben vorbei ist, muss ich jemanden Rechenschaft ablegen? Woher kommt die vermeintliche Gewissheit, dass es kein danach gibt?

mrsblackwater hat auf diesen Beitrag reagiert.
mrsblackwater

Ich glaube nicht an absolute Wahrheiten. Jeder Mensch lebt in seiner Wirklichkeit, aber die können sich voneinander unterscheiden. Von daher gibt es meiner Meinung auch keine richtige und falsche Antwort auf die Frage, ob jemand den Garten gemacht hat. In meiner Wirklichkeit ist "der" Garten einfach entstanden. Wissenschaft kann erforschen, wie der Garten entstanden ist. Bisher deutet nichts darauf hin, dass hinter der Entstehung des Gartens ein Sinn steckt. Die Bewohner des Gartens sind sich selbst und den anderen Bewohnern gegenüber verantwortlich, dass er gepflegt wird. 

In der Welt gläubiger Menschen sind die Antworten anders.

Kann ich mich bewusst entscheiden, welche Wirklichkeit die richtige ist?

"Woher kommt die vermeintliche Gewissheit, dass es kein danach gibt?"

 

Wie dem auch sei. Einige der "Wissenden" werden jedenfalls sehr überrascht sein. Die Einen, weil es doch noch ein "Danach" gibt ... die Anderen, weil mit dem Ende des irdischen Lebens alles einfach vorbei ist.

Wobei sich bei den letzteren keine echte Überraschung einstellen wird, da ja... eben alles vorbei ist. Im Sinne einer „Absicherung“ sollte man sich also auf ein etwaiges Danach vorbereiten.

Gedanklich hänge ich dann aber immer am gleichen Punkt, und das war auch der Grund, warum ich 2007 meinen Frieden mit der Afterlife-Thematik geschlossen habe: Für welches „Konzept“ ich mich auch entscheide, ich entscheide mich immer auch gegen sehr viele andere. Ein Paradies, viele Höllen? Dann doch lieber ein Leben nach Werten und ohne willkürliche Einschränkungen, zumindest für mich.

Für mich ist mein Glauben sehr wichtig. Wir haben als Kopten eine lange Tradition, aber auch persönlich bedeutet mir es viel. Einschränkungen.... es sind nur Einschränkungen, wenn ich nicht glaube aber zu etwas gezwungen werden. Bin ich gläubig, empfinde ich anders oder denke anders darüber.

@nadiagy

Natürlich ist dein Empfinden ein komplett anderes. Absolut nachvollziehbar für mich! Und natürlich unterliege auch ich - in Ermangelung eines besseren Wortes - Einschränkungen, die sich allerdings nicht aus dem Glauben an einen Gott oder sonstige höheren Wesenheiten speisen, sondern aus dem Versuch, ein guter Mensch zu sein. Leider bin ich damit auch schon einige Male auf die Nase gefallen, aber ich halte dennoch daran fest.

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