„Do you not see how necessary a world of pains and troubles is to school an intelligence and make it a soul?“
John Keats
Es gibt nur wenige Dinge, auf die sich Menschen heute allgemein einigen können, wenn es um Ziele und Werte im Leben geht. Glücklich sein oder glücklich zu werden, ein glückliches und erfülltes Leben zu führen, scheint etwas zu sein, was die allermeisten Menschen wollen. Was dabei dann wiederum Glück überhaupt ist und wie man es erreicht, darüber streiten sich dann viele. Zweifellos hängt die Antwort auf die Frage, wie man glücklich wird, auch mit der eigenen Sozialisierung und dem Wertesystem zusammen, in dem man lebt. Ein agnostischer Freund sagte mir letztens, dass er meine Ansicht zum Thema Werte nicht teilt und Freiheit und Selbstbestimmung die höchsten Werte im Leben eines Menschen sind, die zu Glück führen. Dass Menschen, wenn sie „frei“ und „selbstbestimmt“ leben auch die Freiheit haben sich für ein „anderes Leben“ zu entscheiden, kam ihm dabei nicht in den Sinn. Dass Freiheit keinen Wert hat, wenn man damit nichts anzufangen weiss, fiel ihm genauso wenig ein. Aber er weiss auch nicht wirklich und kann auch nicht ansatzweise abschätzen, mit was ich mich die letzten 10 Jahre intensiv beschäftigt habe und somit ist das kein Vorwurf. Wir wollen das einmal kurz reflektieren, denn diese Position wird ja recht häufig vertreten: Freiheit ist der ultimative Wert. Und die Menschen, die das vertreten, halten sich ja stets für aufgeklärt und nicht beeinflusst von Dogmen und Ideologien. Dass genau das selbst eine Ideologie ist und eine ziemlich übergriffige noch dazu, scheint ihnen gar nicht aufzufallen. Aber vor allem: Wenn ich von etwas frei bin aber nicht weiss, wofür ich frei bin, dann werde ich am Ende verloren sein. Und zwar in der Beliebigkeit des Seins, die heute so weit verbreitet ist. Und glücklich werden dadurch die wenigsten, das zeigen harte Zahlen der Psychologie und das ist im Übrigen doch auch Tag für Tag in der Gesellschaft sichtbar. Spätestens die junge Generation müsste ja voller Glück durchs Leben springen, weil sie „frei“ und „selbstbestimmt“ sind.
Wir wollen uns also anschauen, was „Glück“ überhaupt sein soll und wie „glücklich sein“ erreicht werden kann. Es gibt da draußen Unmengen an Coaches und Trainern, Retreat’s und Veranstaltungen, die sich alle damit beschäftigen. Meistens stehen „aufgeklärte“ und nicht selten sehr selbstverliebte Personen im Vordergrund, die einem für viel Geld erzählen, wie man glücklich wird. Mit diesem Artikel möchte ich auf eine Alternative hinweisen und das auch noch völlig kostenlos. Und ich halte mich nicht für so „toll“ und „schlau“ wie diese Leute, sondern gebe letztlich nur wieder, was ich irgendwo mal gelesen habe. Mehr nicht. Du kannst dann selbst völlig kostenlos ausprobieren ob das funktioniert was ich hier schreibe, oder ob Du lieber weiter selbstverliebten Experten für Glück hinterherlaufen willst und damit das Wertvollste verschwendest, was Du aktuell besitzt: Deine Lebenszeit.
Quellenthread zu diesem Artikel: HIER KLICKEN. Du kannst dort auch Fragen stellen oder kommentieren, wenn Du das möchtest. Auch ohne Community Mitglied zu sein.
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Was ist überhaupt Glück? Oft sagt man ja heute, „da hast Du aber Glück gehabt“. Beispielsweise, wenn etwas gelungen ist, was zunächst als nicht sicher erschien. Oder wenn man einen außergewöhnlichen Erfolg hatte. Vielleicht hast Du einen Job bekommen, der gut bezahlt ist und auf den sich 500 Menschen beworben haben. Ein Freund klopft Dir auf die Schulter und sagt: Du hast echt Glück gehabt, dass Du diesen Job bekommen hast.
Ich habe im letzten Sommer eine Ehe schliessen dürfen. Eine besondere Ehre für mich, das muss ich tatsächlich sagen. Es war eine Ehe von zwei Menschen, die nicht gläubig sind, sondern eher agnostisch. Also sollte Religion, Glauben und alles was damit zusammenhängt keine Rolle spielen. Das war für mich gar nicht so einfach, denn um hier ein Fundament oder eine Grundlage zu finden, ist bei längerem Nachdenken wirklich eine Herausforderung. Also bleibt ja nur übrig, das Ganze auf Glück und Lebensfreude abzustellen ohne die Sinnfrage mit einzubeziehen. Glück und Lebensfreude wird zum Sinn selbst. Das sich daraus tiefe Probleme im Allgemeinen ergeben, das werden wir noch sehen. Nach der Trauung gab es viele Glückwünsche für das Paar. Mögen sie glücklich sein und lange leben und viel Freude in ihrem Leben haben, so der Tenor der Hochzeitsgäste. Aber was ist dieses „Glück“, was man sich bei dieser und vielen weiteren Gelegenheiten wünscht?
Glück ist eines der ältesten und zugleich schwierigsten Themen der Menschheit. Es gibt heute keine einheitliche Antwort – weder in der Philosophie noch in der Psychologie –, weil es sowohl ein Gefühl als auch eine Lebensweise sein kann. Manche sehen es als flüchtiges Hochgefühl, andere als tiefe, anhaltende Zufriedenheit. Und wisst ihr was? Es wird noch schlimmer. Schauen wir uns die Aussagen einiger großer Denker dazu an, die gerne an Hochschulen und Universitäten zu diesem Thema zitiert werden:
In der antiken Philosophie dreht sich vieles um zwei große Strömungen:
Andere Denker wie die Stoiker betonten Gelassenheit und Akzeptanz dessen, was man nicht kontrollieren kann. Lao Tse (Taoismus) sah Glück sogar in der Untätigkeit und im Loslassen von krampfhaftem Streben. In der Moderne wird Glück oft mit innerer Zufriedenheit und einer Haltung verbunden, die aus dem eigenen Sein und Tun erwächst – nicht aus äußeren Erfolgen allein.
Philosophisch gesehen ist Glück oft das höchste Gut und das Ziel allen Handelns – mal als tugendhaftes Leben, mal als Lust ohne Leid, mal als Harmonie mit sich und der Welt.
In der modernen positiven Psychologie (z. B. bei Martin Seligman oder Ed Diener) wird Glück meist als subjektives Wohlbefinden beschrieben. Es hat drei Komponenten:
Es wird oft zwischen hedonischem Glück (Vergnügen, Spaß, Lust maximieren) und eudaimonischem Glück (Sinn, Selbstverwirklichung, persönliches Wachstum) unterschieden. Viele Studien zeigen, dass das zweite langfristig stabiler und erfüllender ist. Glück ist teilweise erlernbar: Durch Dankbarkeit, Stärken nutzen, gute Beziehungen, Flow-Erlebnisse und einen Sinn im Leben kann man sein Wohlbefinden steigern, so sagt es die moderne Psychologie und daran angelehnt sind die ganzen Aussagen heutiger Trainer und Coaches.
Neurowissenschaftlich hängt Glück mit Neurotransmittern wie Dopamin (Belohnung, Motivation) und Serotonin (Stimmung, Zufriedenheit) zusammen. Aber es ist nie nur Chemie – Kontext, Erwartungen und Gewöhnung spielen eine große Rolle („Hedonische Tretmühle“: Wir gewöhnen uns schnell an Positives und brauchen immer mehr). Gerade dazu empfehle ich unbedingt ein Video anzuschauen und einmal gründlich darüber nachzudenken was das Endziel dessen dann sein wird:
Quellenvideo zum Thema Sinn, Glück und Dopamin: Der Zustand des modernen Menschen
Und, bist Du liebe Leserin, lieber Leser dieser Zeilen nun schlauer geworden? Falls Du diese Definitionen noch nicht kanntest, dann ja. Ansonsten war das nichts Neues für Dich. Und welche Konsequenzen hat das nun für Dein Leben, nachdem wir wohl festhalten können, dass Glück offenbar etwas hochindividuelles und nicht einfach zu definierendes Etwas ist? Wirst Du, nachdem Du darüber nachgedacht hast nun aufstehen und zielstrebig Deinem Glück entgegen laufen? Ohne selbst übergriffig zu sein möchte ich davon ausgehen, dass genau das nicht passiert. Dieser Artikel hat bis hier hin nichts an Deinem Leben geändert und wird es auch nicht. Aber wir sind ja noch nicht fertig. Immerhin ein Aspekt des glücklich Seins haben die meisten Definitionen und Wegbeschreibungen in das Glück gemeinsam: Die Dankbarkeit.
„Nicht die Glücklichen sind dankbar. Es sind die Dankbaren, die glücklich sind.“ George Herbert Morrison (1866 – 1928), schottischer Pfarrer.
Der schottische Pfarrer George Herbert Morrison prägte eine Aussage, die bis heute von Personaltrainern und Coaches gerne verwendet wird. Auch auf Retreat’s und im Zusammenhang mit irgendwelchen Vertriebsclowns wird dieser Satz immer wieder zitiert. Unverschämter Weise, wird die Aussage sogar sinnentleerten Motivationstrainern zugeschrieben, obwohl sie nachweislich von Pfarrer Morrison ist. Aber Copy Cat zu sein und sich Aussagen von Theologen per Cherrypicking heraus zu nehmen, um sie für moderne Glückskonzepte zu framen, ist heute weit verbreitet. Denn zu wirklich neuen Erkenntnissen kommt man nicht, das kann ich schon vorweg nehmen. Gerade die Szene, die sich heute für ach so aufgeklärt und schlau hält, was Menschen und Sinnfragen angeht, ist an geistiger Flachheit kaum zu überbieten. Tiefe verlangt nach Tiefe und ein Mensch, der ernsthaft auf der Suche nach Glück ist, für den ist dieses Streben nach Glück in Wirklichkeit ein Streben nach Sinn. Und wer nach Sinn sucht, dem werden die flachen und nichtssagenden Aussagen heutiger Glückskonzepte nicht reichen. Und man kann Teilaspekte eines Ganzen auch nicht herauspicken und erwarten, das gleiche Ergebnis durch Unvollständigkeit zu erhalten.
Das ist bei der Dankbarkeit nicht anders und das obwohl die Dankbarkeit ein mächtiges Werkzeug ist.
Dankbarkeit macht glücklich. Dankbarkeit verändert die Aufmerksamkeit: Statt auf das zu fokussieren, was fehlt (was bei Depressionen und im jungen Erwachsenenalter oft vorkommt), richtet sie den Blick auf das Vorhandene. Neurowissenschaftlich aktiviert sie Belohnungszentren im Gehirn (z. B. ventrales Striatum), fördert Dopamin und Serotonin und reduziert ruminative (grübelnde) Gedanken. Langfristig kann sie das Gehirn etwas „umprogrammieren“ hin zu einer positiveren Grundhaltung. Es geht nicht um erzwungene Positivität („Alles ist toll, auch wenn’s scheiße ist“), sondern um eine ehrliche Wertschätzung – auch kleiner Dinge. Die Frage ist, wie kann man Dankbarkeit erlernen und üben um glücklich zu sein? Die Antworten der modernen Psychologie verblüffen. Aber anders als erwartet, wie ich gleich noch ausführen werde. Hier die Aussagen dazu, wie man Dankbarkeit erlernen kann:
Die wirksamsten Interventionen sind einfach:
Tipp aus der Forschung: Die Wirkung ist stärker, wenn Du es regelmäßig, aber nicht zu mechanisch machst, und wenn Du es mit anderen Menschen teilst. Wie erstaunlich, was „die Wissenschaft“ da wieder „entdeckt“ hat.
Halten wir also fest, die heutige Forschung sagt, man sollte regelmässig bewusst Dankbarkeit üben durch den kommunikativen Ausdruck von Dankbarkeit gegenüber einer Person (Dankesbrief) oder durch die Dankbarkeit gegenüber der Natur, dem eigenen Körper oder gegenüber einer Situation. Und da Dankbarkeit nachweislich glücklich macht, wird so das Glück erreicht. Erstaunlich, oder? Wenn man bedenkt, dass auch Meditation und Joga-Übungen massiv propagiert werden und auch hier Resultate erreicht werden, dann kann man tatsächlich zu einer weitreichenden Erkenntnis zum Thema das Streben nach Glück kommen. Ich brauche einen (1) Grund für Dankbarkeit, (2) einen Adressaten, (3) Regelmässigkeit und das am Besten in Verbindung mit Ruhe / Meditation. Wem das jetzt irgendwie wie entkernte Religion vorkommt, der hat wohl recht.
Nebengedanke: Menschen haben schon heute eine KI als engen Freund, glauben an das Universum und Mutter Natur als Persönlichkeiten, an Karma, positive Schwingungen und Energien. Aber den Gedanken an Gott lehnen sie ab. Warum eigentlich?
„Spiritualität“ ist zu einer Art Containerbegriff geworden: er enthält semantisch enorm viel, wird dadurch aber auch unüberschaubar und fast schon unbrauchbar. „Viele Menschen sind von etwas ergriffen, was sie unbedingt angeht; aber sie fühlen sich jeder konkreten Religion fern, gerade weil sie die Frage nach dem Sinn ihres Lebens ernst nehmen. Sie glauben, daß ihr tiefstes Anliegen in den vorhandenen Religionen nicht zum Ausdruck gebracht wird, und so lehnen sie die Religion ab „aus Religion“.“ Dieses Zitat geht auf den Artikel „The Lost Dimension“ zurück, den Paul Tillich am 14. Juni 1958 in der Saturday Evening Post, einer amerikanischen Wochenzeitschrift, veröffentlich hat. Tillich spricht hier nicht von „Spiritualität“, sondern von „Religion als Leben in der Dimension der Tiefe“. Tillich problematisiert die konkretistische Zerstörung der religiösen Symbole, die eben diese Tiefendimension repräsentieren, sowie deren Präsenz in Kunst, Literatur und Philosophie.
Nachdem klar ist, dass Dankbarkeit zu Glück führt und die Dankbarkeit durch bestimmte Handlungen erreicht werden kann, in dem man sich sozusagen langfristig umprogrammiert wird Dir, falls Du ein klein wenig religiöse Vorbildung hast schon aufgefallen sein, dass das nichts anderes als Religion ohne Gott ist. Man entkernt religiöse Handlungen wie das Gebet oder Liturgien von dem übergeordneten geistigen, dem Spirituellen und gibt es dann als modernes Konzept für Glück und Erfolg aus. Und das ist nur ein Beispiel, ich könnte viele mehr nennen. Die ach so aufgeklärte „Team Freiheit“ Fraktion, hält sich für superschlau, aber ist nicht einmal in der Lage ein neues Konzept zu finden, sondern bleibt eine Copy Cat auf niedrigem Niveau. Da den meisten dieser Protagonisten religiöse Bildung fehlt, merken sie das nicht einmal. Sie lehnen Religion ab ohne zu wissen, was das überhaupt ist. Religion – ist ja nur zum Versklaven von Menschen da. Angesichts dessen, wie „moderne“ Gesellschaften heute aussehen, kann man als Mensch, der sich mit Religion ein wenig auskennt, nur müde darüber lächeln. Und nebenbei bemerkt, kann ich das auch nur jedem empfehlen, denn eine Diskussion mit Menschen, die gar keinen Anspruch an Tiefe haben, ist letztlich Zeitverschwendung. Listen, smile, agree…
Dass Religion zu allen Zeiten der Menschheit mißbraucht wurde und noch mißbraucht wird, steht völlig außer Frage. Religiöse Organisationen und Strukturen waren schon immer ein Problem. Sei es durch das Machtstreben Einzelner, die Verbindung zur Politik oder auch schlicht weg wegen der Tatsache, dass Menschen soziale Wesen sind und dazu neigen sich verführen zu lassen und der Masse zu folgen. Mit Versprechen wie dem Paradies, dem Himmel oder Ähnlichem, kann man Menschen in diesem Leben klein halten, wobei das auch nur zu einem gewissen Grad stimmt, denn Fakt ist auch, dass die Masse den kurzfristigen Genuss dem langfristigen Vorteil vorzieht. Hier gäbe es also sogar einen argumentativen Widerspruch bei den pathologischen Religionsablehnern. Auch die Aussage, dass religiöse Menschen weniger gebildet oder weniger intelligent sind, entbehrt jeglicher historischer Grundlage und stimmt bis heute nicht (siehe Quellenthread). Eine solche Aussage lässt auch auf mangelnde Bildung und Überheblichkeit schliessen, aber die Übergriffigkeit des „Team Freiheit“ lässt sich ja ohnehin fast überall auf der Welt beobachten.
Quellenangabe: Sind religiöse Menschen weniger gebildet oder weniger intelligent?
Dass man als intelligenter und gläubiger Mensch Religion differenziert sieht und destruktive Sekten, politischen Mißbrauch (Opium für’s Volk) und Banalitäten von einem tiefen spirituellen Kern unterscheiden kann, davon darf man angesichts von Millionen hoch gebildeter Menschen ausgehen, die einer Religion angehören und heute auf der Welt leben. Es erstaunt manchmal, wie westzentriert das Denken mancher Menschen ist. Wie schon Samuel Huntington vor 30 Jahren schrieb, wird das 21. Jahrhundert ein Jahrhundert der Religion sein. Und ich möchte anmerken, dass auch die Jahrhunderte danach solche werden. Die Mehrheit der Menschen gehört einer Religion an und es werden täglich mehr. Will man ernsthaft davon ausgehen, dass an den Universitäten Asiens, in der muslimischen Welt oder beispielsweise in Russland und den USA nur ungebildete Dummköpfe studieren oder lehren und dass nur in überwiegend atheistischen Gesellschaften akademisch gebildete Menschen hochintelligenten sind? Kleine Anmerkung: Also an just den Universitäten, an denen es beispielsweise die Lehre der 499 Geschlechter gibt.
Warum führe ich das überhaupt an? Der Grund dafür ist, dass man sich erst einmal klar machen muss, wie eingeschränkt der Blick vieler religionskritischer Menschen überhaupt ist und wie viel Framing da drinnen steckt. Und die halten sich für frei von Ideologie. Man kann nur staunen.
Ich habe in diesem Artikel keine bestimmte Religion im Sinn gehabt, sondern nur Religion im Allgemeinen. Alle Religionen. Wenn heute behauptet wird, dass Religion etwas von vorgestern wäre, dann ist das nicht nur faktisch falsch. Dass man in einem immer stärker atheistisch werdenden Land wie Deutschland so denken mag ist eine Sache, ob es stimmt eine ganz andere. Religion hat Leid über Menschen gebracht, aber die Anti-Religion noch viel mehr. Atheistische Systeme wie die Sozialismen in jeglicher Form haben Hunderte Millionen Menschen ermordet. Alles um den Über-Mensch zu schaffen, der frei von Religion ist. Dass dann ausgerechnet eine Welt ohne Religion als Heilsversprechen propagiert wird, ist grotesk und geschichtsfern ohne Gleichen. Aber warum führe ich diese Gedanken überhaupt an in einem Artikel, in dem es um das Streben nach Glück geht?
Nun, ich mache das um ein wenig den Blickwinkel zu verändern und diese typischen Scheinargumente gegen Religion zu entlarven, die man recht oft hört. Und wohlgemerkt, es geht mir hierbei noch nicht einmal um eine bestimmte Religion, sondern Religion im Allgemeinen. Ich bin davon überzeugt und kann es auch belegen, dass Menschen sich immer einen Mittelpunkt in ihrem Leben suchen, „anbeten“ wollen und wenn es nicht „Gott“ ist, dann schaffen sie sich ihren eigenen Gott. Sie wählen ein Substitut, dem sie sich unterwerfen, von der Arbeit bis zur Ehefrau, vom Geld bis zur Karriere. Religiöse Elemente kommen in Form von Joga und Meditation doch wieder ins Leben aber Hauptsache man ist „frei“. Und wenn das nicht reicht, dann kann man sich ja noch Ablenken. Vom täglichen Rausch bis hin zu einem übervollen Freizeitprogramm. Hauptsache nicht alleine sein und nicht nachdenken. Aber hey, wir sind ja so frei, so modern, so aufgeklärt.
Aber die Frage war eine andere. Bist Du glücklich? Oder bist Du nur ausgefüllt und abgelenkt?
Religion kann zweifellos problematisch sein. Und weil das so ist, halte ich das hier noch einmal ausdrücklich fest. Jede Religion übrigens. Denn Religion kann missbraucht werden. Mit Religion kann Politik verbunden sein, was sogar sehr häufig vorkommt. Mit Religion kann auch Kultur verbunden sein, was es schwierig macht, damit klar zu kommen, wenn man aus einer anderen Kultur kommt. Und bei Religion geht es nicht unbedingt um einen Gott, es können auch viele Götter sein oder spirituelle Lehren ohne Gott, wie man sie in Asien vorfinden kann. Dass es nicht bei allen Religionen um Gott geht ist etwas, was einem mit christlicher Sozialisierung vielleicht gar nicht so bewusst ist.
Ich möchte versuchen so einfach wie möglich zu beschreiben, welche Religion ich gewählt habe und vor allem warum. Und zwar in einer Weise, die keine Vorbildung benötigt. Viele werden meine Religion kennen. Wenn das bei Dir so ist, dann blende bitte den Begriff dazu aus und alles was in Deinem Kopf damit konditioniert oder anderweitig verknüpft ist. Versuche es zumindest. Denn gerade diese Konditionierungen sind ein großes Problem und ich habe das selbst erlebt. Meine Vorbildung ist ein über 20 jähriges, intensives und tägliches Bibelstudium, was nun vielleicht ein Problem ist. Denn mein Blickwinkel ist nicht Deiner. Aber versuchen wir es. Ich lasse religiöse Begrifflichkeiten weg.
Meine Religion ist Gott anzubeten. Wer ist Gott? Man könnte ihn unpersönlich als „intelligent Design“ beschreiben. Also ich gehe davon aus, dass von nichts eben nichts kommt. Alles hat eine Ursache. Es gibt verschiedene Welten und Dimensionen. Hört sich vielleicht komisch an, aber versetze Dich kurz in eine Ameise und nehmen wir an, die Ameise könnte denken wie wir Menschen es können. Wie würde Deine Welt aussehen? Wie würdest Du die Welt über Dir wahr nehmen, also in dem erdachten Fall die der Menschen? Du könntest sie nicht einmal ansatzweise erfassen. Oder stell Dir mal vor, wie es als Ameise wäre, gedanklich den Pazifischen Ozean zu erfassen? Das hilft ein wenig zu reflektieren. Angesichts des riesigen Universums und dem Wenigen, was wir darüber wissen, gehe ich davon aus, dass wir die „Ameisen“ im Universum sind. Und angesichts dessen, wie fein alles aufeinander abgestimmt ist und welche Kräfte wirken, gehe ich auch von einer Macht dahinter aus. Ich gehe davon aus, dass diese Macht (1) einen Willen hat und (2) zielgerichtet handelt. Außerdem gehe ich weiter davon aus, dass diese Macht (3) bestimmte Eigenschaften hat, die wir als solches in Konsequenz wahrnehmen. Und (4) gehe ich davon aus, dass diese Macht 100% transzendent ist, also kein Teil der physischen Welt ist. Wenn wir diese Macht nun Gott nennen (der Einfachheit halber), dann lässt sich sagen, dass Gott also kein Mensch und kein Tier ist, kein Stein und auch nicht das Universum selbst. Er ist auch nicht in uns. Man könnte vereinfacht sagen, er ist ein Geist und damit meine ich etwas, was wir nicht erfassen und greifen können, etwas, was außerhalb der uns bekannten Dimensionen ist.
Raum und Zeit sind ein Produkt seines Handelns neben vielen anderen Dingen. Und das ist gewaltig. Wer sich einmal nur ansatzweise mit Raum und Zeit beschäftigt hat weiss, dass wenn jemand darüber Macht hätte, diese „Person“ Dinge ungeschehen machen lassen kann, die Zukunft kennt und letztlich eigentlich alles weiss was war und was sein wird.
Diese Macht (Gott) kommuniziert mit dem Menschen von Anbeginn an auf verschiedene Weisen. Einst durch bestimmte Einzelpersonen, heute im Wesentlichen durch eine geistige Verbindung zu Menschen, die dafür offen sind und nach dieser Macht aufrichtig suchen. Wenn wir heute an ein Bücherregal gehen würden, in dem alle Bücher der Welt wären, die jemals geschrieben worden sind und von sich behaupten Gottes Wort zu enthalten, dann finden wir da erstaunlich wenig Bücher vor. Bei strenger Zählung (nur zentrale, kanonische Texte mit göttlichem Offenbarungsanspruch): Es sind etwa 10–20 deutlich unterscheidbare Hauptwerke oder Kanons weltweit. Nicht Hunderte, nicht Tausende. Die abrahamitischen drei (Bibel, Koran, Tanach) plus Veden, Guru Granth Sahib, Avesta usw. – das Regal wäre überschaubar, nicht voll. Schätzungen (Google Books 2010 + spätere Ergänzungen durch UNESCO) nach gibt es zwischen 130 Millionen und etwa 158 Millionen einzigartige Bücher, die seit der Erfindung des Buchdrucks (und davor Manuskripte) existiert haben oder existieren. Jährlich kommen ca. 2,2 Millionen neue Titel hinzu. Wenn wir bei großzügig 20 zentralen heiligen Texten bleiben, dann sind das weniger als 0,000015 % aller Bücher. Selbst wenn man alle Varianten und Übersetzungen mitzählt, ändert sich das Bild kaum.
Ich gehe weiter davon aus, dass in diesen 10-20 Hauptwerken oder Kanons ein roter Faden zu erkennen ist. Wenn man also eine gewisse Fehlertoleranz mit berücksichtigt, menschliche Gedanken und Veränderungen abzieht und Willens ist, nach Kontinuität zu suchen, dass man diese auch erkennt. Erkennen tut man Folgendes: Ein klares Wertesystem, einige „big rules for life“, eine gewisse Anleitung wie man Kontakt aufbaut und Erklärungen über den Sinn und Zweck unseres Daseins und ob und wie es danach weiter geht. Und ja, all das findet man tatsächlich, darüber habe ich schon viele Artikel geschrieben.
Mein „imaginärer Freund“ könnte also entweder eben nur das sein, rein imaginär. So wie manche heute ihre KI als Freund haben. Das macht mich auch schon glücklich mit ihm zu sprechen und ihn anzubeten. Das ist aus den wissenschaftlichen Gründen so, die ich oben im Artikel angeführt habe. Ich meditiere regelmässig und mache dabei bestimmte Übungen: Ich verbeuge mich, dann werfe ich mich nieder mit meinem Angesicht auf den Boden, so dass das Blut meines Körpers Richtung Hirn fliesst und ich maximalen Sauerstoff in die Hirnzellen bekomme. In meiner Gedankenwelt baue ich die Verbindung auf und spreche mit meinem imaginären Freund. Er ist immer bei mir in meinem Alltag. Er hat mir (und jedem Menschen der ihn sucht) versprochen, dass es ein Leben danach gibt. Ein unendliches Leben unter perfekten Umständen und dass diese jetzige Welt nur eine Prüfung ist, eine Art Matrix. Um diese Prüfung zu bestehen muss man (1) ihn anbeten und (2) sich bemühen ein guter Mensch zu sein, indem man einige wenige klare Regeln befolgt und ein paar wenige schlechte Handlungen nicht begeht. Passiert einem ein Fehler, dann soll man sich mit ihm in Verbindung setzen und sich entschuldigen. Wenn ein Schaden passiert ist, dann kann er ihn so oder so wieder gut machen, aber das Entschuldigen ist ihm sehr wichtig und das soll man auch bei ihm persönlich machen und nicht durch andere Personen oder Gegenstände.
Mein imaginärer Freund hat auch aufzeichnen lassen, dass er uns Menschen liebt und sich wünscht, dass wir ihn lieben und auf diese Erde achten. Und wir sollen auf unsere Mitmenschen achten. Er sagte, dass die Mehrheit der Menschen leider undankbar und egoistisch sein würde. Aber da alle einen freien Willen haben, hat jeder eben auch die Wahl. Die Menschen, die hinterfragen und ihn suchen, die werden meinen imaginären Freund finden und kennen lernen. Und dann werden sie diese Verbindung spüren und seine Liebe zum Menschen und er wird auch ihr Freund werden. Und sie werden ihm danken und ihn anbeten und der Tod in dieser Welt wird der Beginn des echten Lebens sein.
Durch diesen imaginären Freund, seine Liebe, die Anbetung und die Verbindung wird man dankbar und glücklich. Man bekommt Hoffnung, verliert Ängste. Warum das so ist, lässt sich wissenschaftlich erklären, die Quellen habt ihr oben in diesem Artikel gelesen. Und es ist kostenlos und Du musst nirgendwo Mitglied sein.
Jetzt ist natürlich die Frage, ob das einfach nur ein imaginärer Freund ist, oder ob es wirklich „Gott“ ist, es ihn gibt und ich mit ihm spreche? Und kann ich das beweisen? Offen gesagt, kann ich das nicht beweisen, sondern es ist mein Glaube. Ich glaube auch, dass ich meine Frau liebe. Beweisen kann ich es nicht, außer durch meine Taten. Auch die innere Gewissheit kann ich nicht beweisen, sie ist einfach da. Meine Frau wünscht sich übrigens von mir, dass ich ihr jeden Tag sage, dass ich sie liebe und warum. Wenn ich sie verletze, durch dumme oder unüberlegte Handlungen, dann wünscht sie sich, dass ich mich bei ihr entschuldige. Ich soll ihr immer alles offen sagen. Sie vergibt mir dann. Dazu muss ich nur mit ihr sprechen, ohne Mittelsmann. Irgendwie erstaunlich, wenn ich so darüber nachdenke. Aber ihr kennt das sicher auch.
Mein imaginärer Freund ist da ganz genauso. Er lässt ausrichten, dass der Unterschied, ob er ein imaginärer Freund oder wirklich der real existierende Schöpfer ist darin liegt, ob ich (oder wir) das glaube oder nicht. Mein Glaube macht den Unterschied und wenn ich diesen Glauben habe, wird alles wahr werden, was er in einigen wenigen Schriften mir (und allen Menschen die es wollen) übermittelt hat. Er ist die Macht, die alles gemacht hat. Auch Raum und Zeit. Alles kann wahr sein, alles kann falsch sein, alles kann geschehen und wenn es geschehen ist, kann es auch wieder ungeschehen werden.
Hört sich erstaunlich an, ist aber mit nicht religiösen Formulierungen formuliert exakt das, was der quranische Islam lehrt. Nicht der Islam als Tradition, nicht als institutionelle Religion, nicht als Label. Sondern das, was Gott direkt übermittelt hat. Viele Elemente davon sind auch schon in den Schriften vor dem Quran zu finden. Und die Kontinuität, der rote Faden ist überdeutlich. Es gibt ein Urheber aller Dinge der sich wünscht, dass wir ihn anbeten und wir uns bemühen gute Menschen zu sein. Das Leben hier ist kurz und geht vorbei, danach geht es richtig los. So in unzähligen Texten im Quran und der Bibel dokumentiert.
Jetzt kann man sich im Kleinklein verlieren. Man kann weiter verirrt durch das Leben gehen, sich ablenken, betäuben, Follower von irgendwelche Spinnern sein oder jedem neuen Hype hinterher laufen und hoffen, endlich irgendwo anzukommen. Die meisten kommen nie an und wer ankommt weiss dann nicht warum. Was nützt die große Freiheit, das große Geld oder irgendwelche beliebigen Werte, die je nach Lust und Laune oder wegen gesellschaftspolitischer Notwendigkeit verdreht werden? Viele Menschen würden das Tuttifrutti der Beliebigkeit, welches sie beim Thema Sinn im Leben anwenden, in anderen Lebensbereichen niemals akzeptieren, sondern zu recht als inkonsistent und schwach abstempeln, vor allem wenn sie die Folgen bedenken.
Oder aber man stellt sich diesen Gedanken, hört auf weg zu laufen, baut die Verbindung auf und erlebt selbst (und das kann man nur für sich tun), was es mit einem macht, was man fühlt und ab da dann auch erlebt. Wie man lebt. Wie das Bewusstsein sich verändert. Wie man das Glück findet. Vielleicht ist es ja nur ein imaginärer Freund, dann wird man wissenschaftlich nachweislich mit ihm glücklicher als ohne. Und es kostet nichts.
Aber was ist, wenn das alles wahr ist und der imaginäre Freund zur Realität wird?
Das würde zweifellos alles verändern. Und das Glück gibt es noch dazu.
„Und wer auf Gott vertraut, dem genügt Er“
Quran, 65:3