Die Behauptung, gläubige Menschen seien grundsätzlich dumm oder ungebildet, lässt sich anhand der Geschichte und Gegenwart der Wissenschaft leicht widerlegen.
Im Gegenteil: Viele der einflussreichsten Wissenschaftler der Vergangenheit und Gegenwart waren oder sind gläubig (meist christlich, aber nicht nur), und ihr Glaube motivierte oft sogar ihre Forschung – etwa durch die Überzeugung, dass ein vernünftiger Schöpfer eine gesetzmäßige, erforschbare Welt geschaffen hat.
Historische Beispiele (Vergangenheit bis 20. Jahrhundert)
Die moderne Naturwissenschaft entstand größtenteils im christlich geprägten Europa des 16.–18. Jahrhunderts. Viele Pioniere sahen in ihrer Arbeit eine Form der Gottesverehrung:
- Isaac Newton (1643–1727): Entwickelte die klassische Mechanik, Gravitationsgesetz und Infinitesimalrechnung. Er war tiefreligiöser Protestant, schrieb mehr theologische Werke als physikalische und sah die Naturgesetze als Ausdruck göttlicher Ordnung.
- Gregor Mendel (1822–1884): Augustinermönch und Begründer der Genetik. Seine Experimente mit Erbsen legten die Grundlagen für die Vererbungslehre – alles im Klostergarten.
- Louis Pasteur (1822–1895): Erfinder der Pasteurisierung und Impfungen, gläubiger Katholik. Er betete öffentlich und sah keinen Widerspruch zwischen Wissenschaft und Glauben.
- Weitere Beispiele: Johannes Kepler (Astronom), Blaise Pascal (Mathematiker und Physiker), Michael Faraday (Elektromagnetismus), James Clerk Maxwell (Elektrodynamik) – alle überzeugte Christen.
Viele dieser Forscher arbeiteten explizit aus religiöser Motivation: Sie wollten die „Handschrift Gottes“ in der Schöpfung entschlüsseln.
Moderne Beispiele und Statistiken (heute)
Auch heute sind zahlreiche Spitzenwissenschaftler gläubig. Der Glaube korreliert nicht mit geringerer Intelligenz oder Bildung – Wissenschaftler gehören per Definition zu den bestausgebildeten Menschen.
- Francis Collins: Leiter des Humangenomprojekts (vollständige Entschlüsselung des menschlichen Erbguts 2003) und später Direktor der US-National Institutes of Health. Er ist gläubiger Christ (ehemaliger Atheist) und sagt: „Ich bin Wissenschaftler und gläubiger Christ, und ich sehe keinen Widerspruch.“
- Georges Lemaître: Katholischer Priester und Astrophysiker, der die Urknall-Theorie vorschlug (1927).
- Heino Falcke: Astrophysiker, der maßgeblich am ersten Foto eines Schwarzen Lochs beteiligt war, gläubiger Christ.
Statistiken (USA, wo gute Daten vorliegen):
- Laut Pew Research Center (2009, Umfrage unter Mitgliedern der American Association for the Advancement of Science): 51 % der Wissenschaftler glauben an Gott oder eine höhere Macht (33 % an Gott, 18 % an eine universelle Kraft). 41 % glauben nicht. Im Vergleich: 95 % der Allgemeinbevölkerung glauben an etwas Göttliches.
- Bei Elite-Wissenschaftlern (z. B. National Academy of Sciences) ist der Anteil der Nicht-Gläubigen höher (ca. 90–93 % Atheisten/Agnostiker), aber das betrifft nur eine winzige Spitzengruppe (ca. 0,1 % aller US-Wissenschaftler). Die breite Masse der Forscher ist deutlich religiöser.
- In Europa liegen die Werte ähnlich oder etwas säkularer (30–39 % mit religiöser Zugehörigkeit), aber auch hier gibt es viele gläubige Forscher.
Nobelpreisträger
Zwischen 1901 und 2000 waren ca. 65 % der Nobelpreisträger Christen oder hatten christlichen Hintergrund (nach Baruch Shalev). In den Naturwissenschaften sogar:
- Physik: ca. 65 %
- Chemie: ca. 74 %
- Medizin: ca. 65 %
Juden (0,2 % der Weltbevölkerung) machen über 20 % aller Nobelpreise aus – ein weiterer Beleg, dass religiöse/kulturelle Gruppen überdurchschnittlich in der Wissenschaft vertreten sind. Nur ca. 7–11 % der Preisträger in den Naturwissenschaften waren Atheisten/Agnostiker.
Fazit – Fakten statt Vorurteil
Die Behauptung von Religionsgegnern ist empirisch falsch: Es gab und gibt unzählige hochintelligente, hochgebildete gläubige Wissenschaftler, die die Welt verändert haben. Wissenschaftler sind insgesamt etwas säkularer als die Allgemeinbevölkerung (was an Bildung, Kultur und Berufswahl liegen kann), aber über die Hälfte glaubt dennoch an etwas Transzendentes – und das hat ihre Leistungen nie behindert. Glaube und Wissenschaft schließen sich für viele nicht aus, sondern ergänzen sich (z. B. bei Fragen nach dem „Warum“ der Naturgesetze).
Wer die Behauptung „Gläubige sind dumm“ aufrechterhält, ignoriert einfach die historische und statistische Realität.


