„Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“
– unbekannt
„Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“ zählt zu den bekanntesten Sprüchen über Gold. Der Ursprung der berühmten Redewendung konnte bislang nicht abschließend geklärt werden. Einig sind sich Historiker jedoch darüber, dass zwei Handlungsweisen unterschiedlich bewertet und miteinander verglichen werden. Zweitere gilt als bevorzugtes Verhalten und wird demnach mit Gold verglichen, welchem ein höherer Wert beigemessen wird. Bedeutende Schriftwerke des christlichen und jüdischen Glaubens enthalten ähnliche Zitate: „Dem Silber gleichet die Rede, aber zu rechter Zeit schweigen, ist lauteres Gold“ heißt es beispielsweise in den Schriften des Theologen Johann Gottfried Herder, während „Ist ein Wort ein Sela wert, ist Schweigen zwei Sela wert“ im jüdischen Talmud steht. Aber auch im Islam haben wir aus der Überlieferung ein paar interessante Informationen, die man – sofern man kognitive Dissonanzen aushält – gern einmal mit der Realität abgleichen kann. Denn im Islam hat Gold eine besondere Bedeutung, da das Tragen von Gold den Frauen vorbehalten ist. Das Tragen von Gold ist Männern im Islam absolut verboten, wie auch das Tragen von Textilien aus Seide. Selbst der Verkauf von Schmuck aus Gold ist verboten, wenn es für Männer bestimmt ist. Zudem ist es Muslimen verboten, mit goldenem oder silbernem Besteck Mahlzeiten zu sich zu nehmen, da die Mahlzeit die wertvolle Gabe ist und nicht das Besteck. Ein Ritualgebet, bei dem ein Mann einen goldenen Ring trägt, ist nach einigen Gelehrten zufolge ungültig.
Nach diesem kleinen Blick über den Tellerand wenden wir uns der Frage zu: Gold oder Aktien?
Gold oder Aktien ist keine ganz so schwierige Frage wie Geld oder Leben, aber für manche Menschen wichtig genug, um sich darüber einige Gedanken zu machen. Gold ist die „Krisenwährung“ der Welt und vor 1970 war der US-Dollar an den Goldpreis gekoppelt – der sogenannte Goldstandard. Auch heute gilt das Edelmetall als Krisenwährung in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Wenn Aktienkurse einbrechen und es wirtschaftliche Probleme gibt, greifen Anleger vermehrt zu Gold als Absicherung. Trotzdem sollte man als Anleger wissen, dass ein Goldinvestment teilweise extremen, auch kurzfristigen Schwankungen unterliegt. Im Spotmarkt Handel kann es dann sogar fast unmöglich sein sauber zu handeln bzw. es gibt Slippage bei der Ausführung. Aber auch als Investment hat Gold seine Tücken. Derzeit sind im Verhältnis wieder hohe Preise zu verzeichnen, wie Du in der unteren Grafik erkennen kannst. Gold ist kein Ersatz für Tagesgeld. Wenn man also jederzeit liquide (sprich „flüssig“) sein muss, dann kommt Gold auf gar keinen Fall in Frage. Aber warum ist Gold in den letzten Jahren so stark gestiegen?
Kleiner Exkurs I: Der Goldstandard. Der klassische Goldstandard war aus historischer Perspektive das global wohl umfassendste internationale Währungssystem. Herzstück war die Garantie stabiler Wechselkursraten für die Konvertibilität nationaler Währungen in Gold. Um diese feste Konvertibilität zu gewährleisten, verpflichteten sich die Mitgliedstaaten des Goldstandards, Devisenreserven anzulegen. Trotz des Fehlens strenger fiskal- und geldpolitischer Vorgaben gewährleistete die überwiegend stabilitätsorientierte Politik der wichtigen europäischen Mitgliedstaaten Frankreich, Deutschland und Großbritannien ein im Großen und Ganzen reibungsloses Funktionieren des Goldstandards bis zum Ersten Weltkrieg. Quelle: DIW
Die Steigerung der letzten Jahre hängt mit unterschiedlichen Krisen zusammen:
Kleiner Exkurs II: Der Goldstandard Bretton-Woods-System (1944–1971). Mit dem Beitritt zum Bretton-Woods-System erklärten sich die Mitgliedstaaten bereit, ihre Wechselkurse im Verhältnis zum Dollar zu stabilisieren und – wenn nötig – auf den Devisenmärkten zu intervenieren, um Wechselkursfluktuationen innerhalb einer vorgegebenen Bandbreite zu halten. Als Leitwährung war der Wert des Dollars wiederum auf einen festen Goldpreis festgelegt. Schon seit Mitte der 60er Jahre war aufgrund wachsender US-Defizite die Golddeckung des US-Dollars nicht mehr gewährleistet und aus dem Gold-Dollar-Standard de facto bereits ein Dollarstandard geworden. Mit der Zeit spiegelten sich unterschiedliche Produktivitätsentwicklungen in einer realen Verzerrung der Wechselkurse wider, was sich destabilisierend auf das System auswirkte. Quelle: DIW
Durch die neuerlichen Rekordpreise beim Gold stellen sich wieder vermehrt Menschen die Frage, ob sie nicht in Gold investieren sollen. Was spricht für ein Investment in Gold? Gold ist eines der ältesten Zahlungsmittel der Welt. In der Vergangenheit konnte mehrmals bewiesen werden, dass das Edelmetall gerade in Krisenzeiten als sicherer Hafen gilt und die Nachfrage steigt. Daraus kann man aber wie immer keine Garantie für die Zukunft ableiten. Der Kurs von Gold verläuft oft (aber nicht immer) entgegengesetzt zu den Aktienkursen, was in schwierigen Zeiten als eine Art Balance dienen kann. Darüber hinaus ist Gold ein begrenzter Rohstoff. Es gibt nicht unendlich viel des Edelmetalls und anders als Papiergeld kann es nicht beliebig vermehrt werden, was ebenfalls für eine Investition spricht. Damit ist von einem gewissen Werterhalt auszugehen – aber es bleibt eben ein Risiko. Und es gibt auch einige Nachteile, die man wirklich bedacht haben sollte.
Mit dem Kauf von Gold geht ein Währungsrisiko einher, da es in US-Dollar gehandelt wird (XAUUSD). Möchtest Du Dein Gold verkaufen, wirst Du zunächst Dollar erhalten, die dann in Euro umgetauscht werden. Wenn der Dollar abgewertet wird, bekommst du anschließend weniger Euro beim Verkauf. Das ist ein reales Problem. Die physische Lagerung von Gold ist nicht einfach:
Das Problem mit Gold als Krisenwährung ist, dass es in einem echten Doomszenario sinnlos ist es zu besitzen, wenn man es nicht verteidigen kann. Medikamente, Tauschwaren und Waffen sind dann viel wichtiger!
Ein weiterer Grund, der gegen eine Investition in Gold spricht, sind die schlechten Renditeaussichten. Gewinne mit Gold kannst Du ausschließlich dann erzielen, wenn die Wertentwicklung positiv verläuft. Anders als bei Aktien werden keine Dividenden erwirtschaftet. Dazu kommen die teilweise extrem hohen Schwankungen des Goldpreises. Damit ist Gold nicht so sicher, wie es im ersten Augenblick aufgrund seines Rufes wirkt. Woher der gute Ruf von Gold kommt, ist ein eigenes Thema für sich. In Deutschland hängt das kollektive Bewusstsein in diesem Zusammenhang vermutlich noch in der Hyperinflation der Weltwirtschaftskrise der 1920er Jahre fest. Um die jetzigen Inflationszahlen zu drücken bzw. dagegen etwas zu tun, braucht es aber eine andere Politik. Mehr (Wirtschafts)Kompetenz wagen ist hier das Stichwort. Und nein, Putin ist nicht schuld.
In Deutschland kannst Du keine Gold-ETFs kaufen. Stattdessen sind in Deutschland Gold-ETCs handelbar, die deutlich riskanter sind. Denn bei Gold-ETCs kannst Du Dein investiertes Geld verlieren, wenn der Emittent pleitegeht. Da ein Goldinvestment als Krisenabsicherung dient, ist das eigentlich ein Widerspruch in sich. Aber von vielen Anlegern wird das bislang nicht bemerkt.
Ein ETF (Exchange Traded Fund bzw. börsengehandelter Fond) bildet einen Index nach. Ein Gold-ETF bezieht sich hingegen lediglich auf den Goldpreis. In Deutschland gibt die Regulierung jedoch vor, dass ein ETF verschiedene Vermögenswerte enthalten muss. Deswegen sind Gold-ETFs ebenso wie reine Krypto-ETFs in Deutschland nicht zugelassen.
Das kann man – wie unsere Blackwater.live Community weiss – natürlich mit smarten Methoden umgehen. Schliesslich sind wir ja international aufgestellt.
Bezeichnend ist, dass eine andere Art von alternativen Goldinvestment in Deutschland erlaubt ist. Und das zeigt einmal mehr, warum es international bezüglich Deutschland seit vielen Jahren „stupid german money“ heisst.
ETC bedeutet soviel wie “Exchange Traded Commodities”. Es handelt sich um Wertpapiere, die an der Börse gehandelt werden und die Entwicklung von Rohstoffen abbilden. Demnach bildet ein Goldinvestment ETC die Entwicklung des Edelmetalls nach. ETCs sind keine Fonds, sondern eher Zertifikate und damit Inhaberschuldverschreibungen. Und damit ist klar, die gibt es bestimmt bei Spasskass und Co. für die Omi. Dort hat man seit Lehman Brothers Erfahrung mit Schuldverschreibungen, die vorgaukeln etwas anderes zu sein. Um es klar zu sagen: Es ist geisteskrank eine Schuldverschreibung zu kaufen, um sich gegen ein Krisenszenario abzusichern. Schulden fallen als erstes aus! Hier sind Investoren nicht geschützt, wenn der jeweilige Emittent insolvent geht. Auf eventuelle Besicherungen würde ich mich nicht verlassen, 2007/2008 lässt grüssen.
Goldmarkt Dubai, VAE. Das verewigte Pärchen sind nicht wir! 😉
Diese Frage dürfte für unsere Stammleserinnen und Stammleser klar zu beantworten sein, schon lange vor diesem Artikel. Aktien in Form des Weltdepots sind die allererste Wahl.
Es stellen sich ganz andere Fragen. Wie sieht es aus, wenn man das Welt-Depot gegen Einzelaktien laufen lässt? Ab welchem Vermögen macht es Sinn Einzelaktien zu kaufen? Zu diesen und ähnlichen Fragen haben wir in unserer Blackwater.live Community eigens den Bereich von unserem Leser und Investor „Gold-oder-Aktien“. Zum Vorschnuppern einfach auf das Bild klicken:
Auch in den grossen Islamic Banking Depots mancher unserer Community Mitglieder liegt kein Gold in Form von Inhaberschuldverschreibungen, sondern wenn als minimale Beimischung über Auslands-ETFs mit physischer Hinterlegung des Edelmetalls. Gold hat natürlich auch einen gewissen „kulturellen Wert“ und in manchen Kulturen wird es dann physisch gekauft. Aber dann ist es erst recht kein Investment, sondern eben eine Liebhaberei. Man schenkt es gerne auf arabischen Hochzeiten und das Gold bleibt somit in der Familie.
In manchen Kulturen hat Gold als Schmuck und Farbe einen sehr hohen Stellenwert, wie in der arabischen und indischen Kultur. Es ist traditionell stets mit Frauen verbunden und im Islam dürfen nur Frauen Gold tragen. (Bildlizenz: Designed by Freepixel)
Gold als Investment ist keine Empfehlung von uns und war es nie. Entscheidet man sich dafür aus anderen (emotionalen) Gründen, kann man Gold natürlich zur Vermögensanlage beimischen. Die Hauptempfehlung, bevor man irgendein anderes Investement macht, bleibt das Welt-Depot mit Aktien ETFs, so wie wir das immer beschrieben haben. Gold kann als Handelsinstrument interessant sein (XAUUSD), sofern man auf kleinen Zeitebenen sehr schnell agieren kann. Auf längeren Zeitebenen macht es wegen der Swapkosten (long und short) keinen Sinn. Mehr dazu demnächst auf Blackwater.live
„Gold wird irgendwo auf der Welt aus der Erde gegraben. Dann schmelzen wir es zu Barren, bauen einen unterirdischen Tresor und graben es wieder ein. Wenn uns Außerirdische dabei beobachten, es käme ihnen reichlich obskur und seltsam vor.“
Warren Buffett