„Erkenne das Wahre nicht durch die Menschen, sondern erkenne zuerst das
Wahre, dann wirst du seine Anhänger erkennen.“

Abu Hamid Al Ghazali

Was ist Wahrheit? Wikipedia schreibt über die Wahrheit: „Der Begriff der Wahrheit wird in verschiedenen Zusammenhängen gebraucht und unterschiedlich gefasst. Gemeinhin wird die Übereinstimmung von Aussagen oder Urteilen mit einem Sachverhalt, einer Tatsache oder der Wirklichkeit im Sinne einer korrekten Wiedergabe als Wahrheit bezeichnet.“ (…)

Ich schrieb 2018 erstmals auf Blackwater.live über das Thema „was ist Wahrheit“ und will mit dem heutigen Artikel die Frage von damals beantworten. Sechs Jahre hat es gedauert, eine Antwort darauf zu finden. Auf diesem Weg habe ich einiges erlebt. Von religiösen Organisationen, die sich als „die Wahrheit“ bezeichnen, über relativierende Philosophie, moderne Coaches mit fernöstlicher Spiritualität, bis hin zu Menschen, die Jesus als Wahrheit vergöttern. Ein Weg, dessen Endpunkt ich mit diesem Artikel mit euch teilen möchte.

14. März 2020, Jerusalem, Jaffator. Es war jüdischer Schabbat. An diesem Tag war ich, in einer wegen der aufziehenden Covid-Pandemie sehr leergefegten Jerusalemer Altstadt, an der Klagemauer beten. Dieses Gebet werde ich aus verschiedenen Gründen nie vergessen. Einer war, dass ich meinem Schöpfer sagte, dass ich wissen will wie man ihn anbetet. Und egal wohin mich der Weg führt, ich werde es akzeptieren. Zu dieser Zeit war ich noch in einer christlichen Gruppierung. Danach bin ich ausgetreten. Mein Learning: 1. Wer nach der Wahrheit sucht, muss bereit sein bedingungslos das Ergebnis zu akzeptieren. Sonst lernt man nichts dazu und findet auch sein spirituelles Zuhause nicht. 2. Die meisten Menschen wollen genau das nicht und das muss man akzeptieren lernen.

Wahr·heit

/Wáhrheit/

Substantiv, feminin [die]

  1. 1a. [ohne Plural]das Wahrsein; die Übereinstimmung einer Aussage mit der Sache, über die sie gemacht wird; Richtigkeit“die Wahrheit einer Aussage, einer Behauptung anzweifeln“
  2. 1b. wirklicher, wahrer Sachverhalt, Tatbestand“die ganze, halbe, lautere, nackte, reine, volle Wahrheit“

Natürlich geht es uns bei der Frage nach Wahrheit heute nicht darum ob es wahr ist, dass die Nacht dunkel ist und am Tag die Sonne scheint. Zumindest nicht direkt. Es geht um eine holistische und philosophische Ebene. So würde man es zumindest heute beschreiben. Was sagt die menschliche Philosophie über die Wahrheit?

„Die Suche nach der Wahrheit kann als das eigentliche Ziel aller Philosophie gesehen werden. Für Platon stellt das Wahre, ebenso wie das Schöne oder das Gute, einen absoluten Wert dar. Die Frage, wie Wahrheit zu definieren und am besten zu erreichen ist, wirft aber einige Definitions- und Methodenprobleme auf. In den klassischen Konzeptionen wird Wahrheit definiert als ein Urteil, das mit seinem Gegenstand in der Welt übereinstimmt (Korrespondenztheorie der Wahrheit), oder auch als ein Urteil, das nicht im Widerspruch zu dem bereits vorhandenen System an Überzeugungen, die sich gegenseitig stützen, steht (Kohärenztheorie der Wahrheit). Ihr universeller Charakter unterscheidet sie von der Meinung, die immer partikular ist. In theoretischer Hinsicht ist sie dem Irrtum und der Illusion entgegengesetzt (letztere unterscheidet sich vom Irrtum dadurch, dass sie auch nach ihrer Aufdeckung fortbestehen kann). Die Wahrheit hat auch eine praktische Bedeutung: die wahrhaftige Aussage steht im Gegensatz zur Lüge. Die Wahrheit zu erreichen und dadurch ein Gefühl der Gewissheit zu gelangen, erfordert klare Kriterien der Abgrenzung von wahr und falsch. Eine Wahrheit unmittelbar aus sich heraus zu erkennen, die keiner weiteren Beweisführung bedarf, heißt Evidenz. Aber häufig ist die Wahrheit nicht so augenscheinlich einzusehen. Wenn sie nicht wie in der Religion offenbart wird, muss sie genau nachgewiesen werden.“

Quelle: philomag, Magazin für Philosophie

Der Westen unserer Welt ist heute durch verschiedene philosophische Strömungen geprägt, die den Wahrheitsbegriff auf verschiedenen Ebenen relativieren und ihn einfach zu einer Frage des Standpunktes machen. Man würde heute wohl dann auch nicht mehr sagen, dass die Nacht dunkel ist. Sondern direkt danach fragen, von welchem Standpunkt man das aus betrachtet. Gleichzeitig hat ein Grossteil der Welt eine christliche Sozialisierung erfahren, was man an bestimmten Werten erkennen kann. Diese werden zwar immer seltener gelebt und doch sind sie noch da und jeder weiss, von was man spricht. Für praktizierende Christen, vor allem aus protestantischen Strömungen ist ein Mensch Wahrheit: Jesus. Auch in der katholischen Kirche findet man diesen Gedanken. So sagt Pfarrer Christian Olding: „Viele Menschen wollen im Besitz der Wahrheit sein. Doch Jesus sagt: Das ist unmöglich. Denn die Wahrheit ist eine Person und die kann man nicht besitzen“ (Quelle).

Diese Gedanken basieren auf einem der berühmtesten Bibelverse, den eine ehemalige Nachbarin von mir sogar auf ihrem Körper tätowiert hat: „Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.“ Johannes 14:3, Lutherbibel

Was viele nicht wissen: Historische Wahrheiten gehören zu den unsichersten „Wahrheiten“ überhaupt. Dazu kommt aber, dass ein Mensch nicht die Wahrheit sein kann sondern nur ein Wesen, was außerhalb unserer bekannten Dimensionen von Raum und Zeit ist. Mehr zu historischen Wahrheiten und der Wahrheitsfrage in der Tiefe in einem Video in unserer Community (nur angemeldet sichtbar). HIER.

Ob diese Bibelstelle überhaupt eine authentische Überlieferung von Jesu Worten ist, ist umstritten. Aber gehen wir mal davon aus, dass es so ist, dann ist trotzdem die Frage, ob wir diesen Text nicht durch unsere heute soziologische Brille interpretieren. Aus einer klar monotheistischen Sicht, basierend auf den ältesten Texten der Welt und einem monotheistischen Verständnis erklärt sich der Text wie folgt: „Ich bin der Weg“ – Jesus war zu seiner Zeit der Weg auf dem Pfad des Monotheismus, so wie es jeder andere Prophet auch war. Und das kann mit vielen Stellen im Evangelium belegt werden. „Und die Wahrheit“ – Jesus war „wahr“, im Gegensatz zu vielen falschen Propheten jeder Zeit. Letztlich hatte er, wie alle Propheten, eine bestimmte übernatürliche Fähigkeit, die ihn als wahr für die Menschen damals auswies und daher weiss heute auch noch jeder, wer Jesus war aber nicht, wer all die anderen falschen Propheten jener Zeit waren. „Und das Leben“ – wer dem Weg Jesu jener Zeit folgte, der hatte das Leben. Die begründete Hoffnung auf ein ewiges Leben, ein Leben, welches nach dem Tod beginnt. „Niemand kommt zum Vater, denn durch mich“ – auch das war mit jedem Propheten so. Lebte man zu einer Zeit und in einer geographischen Gegend, wo ein Prophet lebte und wirkte, dann musste man diesem Prophet auch folgen und dieser war das Sprachrohr des Vater. Vater als Titel für Gott und Sohn oder Tochter Gottes als Bezeichnung für gläubige Menschen, war zu allen Zeiten der hebräischen Geschichte üblich, wie die Bibel klar zeigt und keine singuläre Bezeichnung.

Propheten heute? Alhamudillah oder auf deutsch „Gott sei dank“ gibt es das nicht und wird es auch nicht geben. Es gibt heute keine „Kanäle“, „Sprachrohre“ oder sonst wie geartete Personen, die für Gott sprechen. Dieses Thema ist monotheistisch abgeschlossen. Das zu wissen, ist ein grosser Schutz vor religiösem Missbrauch! Alles was wir Menschen wissen müssen, haben wir heute verschriftlicht vorliegen.

Oft wird der Text aus Johannes 14,3 aber mit einer berühmt gewordenen Aussage aus einer anderen Stelle der Bibel kombiniert. Was ist Wahrheit? – ist im Johannes-Evangelium (Joh 18,38 EU) die Erwiderung des Pontius Pilatus auf die Bemerkung Jesu, in die Welt gekommen zu sein, um „Zeugnis für die Wahrheit“ abzulegen. Und hier sehen wir schon den Punkt: Um Zeugnis für die Wahrheit abzulegen!

Der Kontext für den weniger in der Bibel bewanderten Leser ist dieser: Die scheinbar beiläufige Episode im Verlauf des Verhörs Jesu durch Pilatus, wo Jesus sagt: „Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, daß ich für die Wahrheit Zeugnis ablege. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme.“ Darauf Pilatus: „Was ist Wahrheit?“ (Joh 18, 38) Das Interessante kommt aber erst jetzt: Unmittelbar anschließend heißt es von Pilatus, er sei nach seiner Frage hinausgegangen. D.h. er hat Jesu Antwort erst gar nicht abgewartet. Das gibt denen Recht, die des Pilatus Frage immer schon ironisch verstanden – also gestellt unter der Voraussetzung, dass sie sich ohnehin nicht beantworten lasse. Auf geradezu klassische Weise verleiht Jahrhunderte später Voltaire dieser Lesart des Pilatus-Spruchs Ausdruck. Er schrieb: „Es ist traurig für das Menschengeschlecht, daß Pilatus wegging, ohne die Antwort abzuwarten; wir möchten doch wissen, was das ist, die Wahrheit. Pilatus war zu wenig neugierig.“ Und wenig später gibt Voltaire selbst die Antwort, um die er sich durch Pilatus’ Weggang gebracht sieht: „Wahrheit, sagt er, sei nichts anderes als ein abstraktes Wort, das die Mehrheit der Menschen ohne Unterschied in ihren Büchern und Urteilen anstelle von Irrtum und Lüge gebrauche.“ Aber um welche Wahrheit geht es hier?

Der Elefant im Raum, ist seit Menschengedenken immer die Sinnfrage und damit auch die Frage um den Ursprung des Lebens. Was ist das für eine Matrix, in der wir leben? Und bis heute wollen die Menschen Antworten. Aber längst nicht alle wollen wirklich suchen.

Durch all die Tausenden von Jahren Menschheitsgeschichte suchten Menschen nach Gott. Oft gaben sie dabei gemachten Dingen selbst den Status eines Gottes. Holz und Stein, Tieren oder Naturphänomenen. Zu den Zeiten von Abraham, dem Vater aller Gläubigen, der in der Bibel und dem Qur’an beschrieben wird, waren es dann Mond und Sterne und Sternbilder. Im Qur’an können wir die Gedanken Abrahams dazu nachvollziehen, der zwar beeindruckt war von all den Sternen in einer klaren Wüstennacht, aber schon den logischen Schluss vollzog, dass auch diese vergänglich waren aber einen Schöpfer haben mussten, der sie gemacht hatte. Und er wollte diesen anbeten und nicht etwas, was von ihm gemacht war. Ein eindrucksvolles Zeugnis zu dieser Zeit, in der Menschen riesige Zikurate errichteten, um Sternen und dem Mond zu huldigen. Abraham zog aus der Stadt Ur hinweg in die Wüste. Möglicherweise war Abraham einer der ersten Menschen die erkannten, dass Gott 100% transzendent ist, kein Bestandteil dieser Welt, unabhängig von Raum und Zeit. Gott ist der Schöpfer aller Dinge und damit eben auch der Dimensionen, die wir kennen. Das wird für einen Teil von Menschen logisch erscheinen, denn so wurde es ja im Alten Testament der Bibel und im Qur’an bereits erklärt. Und doch haben wir immer wieder das Problem mit dem „goldenen Kalb“. Menschen wollen etwas physisches anbeten, bis zum heutigen Tag. So schrieb der antike griechische Philosoph und Dichter Xenophanes: „Wenn aber die Rinder und Pferde und Löwen Hände hätten und mit diesen Händen malen könnten und Bildwerke schaffen wie Menschen, so würden die Pferde die Götter abbilden und malen in der Gestalt von Pferden, die Rinder mit der Figur von Rindern. Sie würden solche Statuen meißeln, die ihrer eigenen Körpergestalt entsprechen.“

Darüber kommen viele Menschen bis zum heutigen Tag einfach nicht hinweg. Noch immer gibt es Menschen, die vor Holz und Stein knien, es gibt aber auch Menschen die denken, dass Jesus von Nazareth ein Gott ist oder sogar „wahrer Gott und wahrer Mensch“ ist. Ein direkter Widerspruch zu allen Aussagen von Gott selbst im Alten Testament der Bibel, ein Widerspruch zu Jesu Aussagen selbst und letztlich eine weitere Form des Götzendienstes.

In Johannes 17,3 spricht Jesus ein Bittgebet (Dua). Er sagt: „Das ist das ewige Leben: dich, den einzigen wahren Gott, zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast.“ Das ist das islamische Narrativ. Es gibt einen einzig wahren Gott und Jesus ist sein Gesandter.

Wenn wir bedenken um was es hier geht, das ewige Leben in Gottes Nähe mit unvorstellbarer Freude, in einer paradiesischen Umgebung, dann sollte uns dieses Thema alles bedeuten. Genug, um uns selbst zu überwinden und Sozialisierung, Stolz, Vorurteile und andere Hemmnisse hinter uns zu lassen. Aber wie schon einst bei Abraham geht es darum, was wir am meisten lieben, wo unser Herz ist. Das ist der Prüfstein und nichts anderes.

Bild auf den Felsendom von Al-Aqsa aus, nach dem Morgengebet (Fajr). Eine der beeindruckendsten Qur’an Verse sind als Inschriften dort zu lesen. „Er (Gott) hat die Herrschaft über Himmel und Erde. Er macht lebendig und lässt sterben und hat zu allem Macht.“ Sure 57,2

لَهُۥ مُلۡكُ ٱلسَّمَـٰوَ ٰتِ وَٱلۡأَرۡضِۖ یُحۡیِۦ وَیُمِیتُۖ وَهُوَ عَلَىٰ كُلِّ شَیۡءࣲ قَدِیرٌ

Die Wahrheit

Was heute Wahrheit ist, definiert jeder für sich selbst. Es kann aber nicht mehrere sich widersprechende Wahrheiten geben. Menschen erwarten das auch nicht im Bereich der Physik und Mathematik. Damit wäre der Mensch wohl kaum zum Mond geflogen. Und keiner könnte ein Haus bauen ohne die Gesetze von Physik und Statik zu berücksichtigen. Niemand würde sein Leben riskieren für sich widersprechende Aussagen über die Flugfähigkeit eines Flugzeugs. Hier verlässt sich jeder darauf, dass es eine ultimative und finale Wahrheit gibt.

Dass heute jeder seine eigene Wahrheit definiert bezieht sich in erster Linie auf Moral, Ethik und Religion. Und selbstverständlich auf des Feld der Politik. In der westlichen Welt gibt es seit einigen Jahren den Trend alles in Frage zu ziehen, selbst des eigene Geschlecht trotz biologischer Fakten. In einer solchen Welt des Wahnsinns ist es natürlich umso schwerer etwas zu erfassen, was außerhalb unserer Welt liegt.

Wenn alles in unserer Welt, alles was unser Leben ausmacht, alles was wir sehen, hören und ertasten können einen Ursprung, einen Schöpfer hat, dann ist dieser Schöpfer die Wahrheit. Die Lüge ist folglich alles, was dieser Wahrheit widerspricht oder sie relativiert. Lüge ist auch eine spezielle Form des Betrugs, in der man das was dem Schöpfer zusteht, wie beispielsweise Anbetung und Lobpreis auf jemand oder etwas anderes umleitet. Ein häufiges Konzept in Religionen und Sekten.

Die Wahrheit muss der Ursprung aller Kausalketten sein, wenn man alles auf einen Ursprung zurück verfolgt. Und an diesem Ursprung muss es folglich alle Antworten geben.

Islam? Die Wahrheit? Viele Elemente, die wir heute mit dem Islam verbinden, können historisch auch falsch sein. Aber der Islam wäre selbst ohne Mohammedﷺ, Mekka und alles woran wir sonst so denken dennoch wahr. Denn Islam bedeutet u.a. dem EINEN Gott ergeben sein. Daraus folgt dieses EINEN anzubeten. Es gab durch die Jahrtausende Menschheitsgeschichte stets Menschen, die das getan haben. Auch vor der Ausprägung des Islams, wie wir ihn heute kennen. Selbst wenn es also einen historischen Irrtum bei Islam als Religion gäbe, so wäre der Islam dennoch wahr. Darüber sollte man lange und gründlich nachdenken. Das hat mir sehr geholfen und ich denke, dieser Gedanke kann auch anderen weiter helfen. Man könnte auch sagen: Gott wird nicht größer, wenn du ihn verehrst. Aber du wirst größer und glücklicher, wenn du ihm dienst.

Die meisten Menschen haben keine Probleme Kausalketten zu folgen. Viele geflügelte Worte zeigen das. „Von nichts kommt nichts“, um mal nur ein Beispiel zu machen. Alles in unserer physischen Welt hat einen Ursprung, einen Anfang. Alles was wir in unserer Welt beobachten können, folgt Mustern und Gesetzmässigkeiten und keinem Chaos. Im Laufe der Jahrhunderte wurden Wissenschaftler durch all das erst recht gläubig, der Unglaube ist eine Erscheinung der Neuzeit und des Zeitgeistes, überwiegend in unserem Teil der Welt. Selbst Darwin, der die meiste Zeit seiner 73 Lebensjahre gottgläubig war kamen Zweifel, wie es denn sein könne, dass der rationale Menschenverstand seine Entwicklung durch unterentwickelte Tiere vollziehen konnte. Gerne wird angenommen, die wachsenden Glaubenszweifel Darwins am Theismus hätten vor allem wissenschaftliche Gründe gehabt: Mit der Widerlegung von Paley’s Naturtheologie habe Darwin die Unvereinbarkeit von Evolution und Gottesglauben erkannt. Auch dieses populäre Vorurteil ist falsch, was wir sehr gut beurteilen können, da der Gelehrte wieder und wieder mit diesen Fragen rang und seine Gedanken dazu auf Papier brachte. Demnach machte Darwin nie den bis heute gängigen Fehler, Gott für eine wissenschaftliche und also falsifizierte Hypothese zu halten. Der Hauptgrund für seine wachsenden Zweifel war die Theodizee-Frage: Die Frage nach Schmerz und Tod in der geschaffenen Welt. Abgesehen von einer selbst lebenslang schwächelnden Gesundheit betraf die Theodizee-Frage mit dem qualvollen Tod gleich mehrerer Kinder den zu Hause arbeitenden Darwin auch unmittelbar. Den sonntäglichen Kirchenbesuch stellte er nach dem Tod seiner geliebten, zehnjährigen Tochter Annie ein, deren über ein Jahr dauerndes Siechtum er mit täglichen, beklemmend zu lesenden Notizen begleitet hatte. Ausgerechnet diese Frage – auf die das Christentum keine wirklich tiefere und verständliche Antwort hat. Und keine die wirklich Hoffnung macht. Übrigens ist es ist eine ganz andere Frage ob man gläubig ist, oder ob man einer institutionalisierten Religion wie einer Kirche folgt, die meines Erachtens ganz massgeblich Menschen zum Atheismus geführt hat. Aber das nur am Rande.

„Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.“ (Johannes 8, 32)

Die Wahrheit muss am Anfang der Kausalketten stehen und die Wahrheit müsste folglich etwas sein, was wie schon in der Bibel formuliert, frei machen würde. Frei, weil man Antworten auf all unsere Lebensfragen hat und mit dieser Wahrheit sich gedanklich auch ausserhalb dieser Welt positionieren kann. Die Vogelperspektive. Ein Vorgeschmack auf das, was nach dem Tod eh passieren wird. Das Unmanifeste befreit dich erst, wenn du bewusst in es eintrittst. Deshalb sagt Jesus nicht: „Die Wahrheit wird dich befreien“, sondern: „Du wirst die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird dich befreien.“

Anders, als es viele Kirchen und Glaubensgemeinschaften heute lehren, ist aber nicht Jesus selbst die Wahrheit oder der Kult um ihn. Ein Kult, der zwar manche Menschen von religiösen Handlungen frei zu machen verspricht – denn alles ist vergeben und Jesus liebt Dich – sie aber dann in eigene Begierden fallen lässt. Vakuum wird immer mit etwas gefüllt. Und ein Glauben, bei dem man nichts mehr tun muss ist zwar sehr bequem, aber eben ein – Vakuum. Mit den bekannten Folgen. Jesus selbst lehrte übrigens nie, dass man nichts tun müsse. Jesus lebte die Religion – er verurteilte aber die Heuchler, die öffentlich Gebete „nachplapperten“ und ohne „Geist“ rituelle Handlungen vollzogen. Heuchelei anzuprangern ist etwas ganz anderes, als ganze gottesdienstliche Handlungen zu verurteilen. (HIER).

Von einer Sache frei zu sein – beispielsweise wirren Gotteskonzepten und falscher Theologie – beantwortet noch nicht die Frage, wofür man frei wurde. Und wenn diese Frage nicht geklärt wird, dann wird man sehr schnell wieder unfrei für andere Dinge und sei es auch nur persönlicher Hedonismus. Die Wahrheit, die frei macht, muss also auch gleichzeitig Halt und Stabilität geben und einen Inhalt, der für eine Balance sorgt.

„Umschlossen von einer Hand aus Luft“ – Hawaii, Big Island 2018. Es gibt eine Wahrheit. Zu dieser Wahrheit gehört, dass die Schöpfung eine Liebeserklärung an uns Menschen ist, uns zum Nachdenken bringen soll und unser Schöpfer sich über alle Menschen freut, die ihn suchen und anbeten wollen.

Was die Wahrheit ist, ist das was Jesus als wahr und Wahrheit immer wieder verkündigte. Anders als es viele Menschen meinen, die die Evangelien der Bibel heute nicht mehr in ihrer eigenen Bibel lesen, verkündigte Jesus den, der ihn gesandt hat. Und er sagte immer wieder, dass er nichts aus sich selbst heraus tun könnte. Der Qur’an greift die Wahrheitsfrage auch wieder auf. Unter anderem finden wir diese klare und unmissverständliche Aussage im Qur’an:

„Dies, weil Allah die Wahrheit ist und weil das, was sie anstatt Seiner anrufen, das Falsche ist“ Qur’an 22:62

Die Wahrheit ist demnach Gott, arabisch der EINE Gott, Allahﷻ. Es gibt nur einen Schöpfer und dieser ist der Quell der Wahrheit, der Weisheit und der Liebe, wie es auch das alte Testament der Bibel schon zeigte. Den Schöpfer anzubeten ist die wahre Religion und das, was Menschen nicht nur frei von all den Irrlehren und religiösen Verirrungen macht, sondern auch Antworten und einen das Leben füllenden Sinn liefert. Allahﷻ anzubeten ist Monotheismus und liefert ganz eindeutige Aussagen zu vielen Fragen. Die Sinnfrage, die Theodizeefrage, die Frage nach dem Ursprung, die Frage was nach dem Tod passiert und vieles mehr. Aber man muss eben bereit sein, in „diese Wahrheit bewusst einzutreten“. Und das ist der Unterschied zu Mitgliedschaften in Organisationen, wie man es oft kennt. Es geht beim Islam nicht um eine Mitgliedschaft, sondern um einen geistigen Schritt. Das wird HIER erklärt. Natürlich liegt es bei jedem Menschen selbst das eigenverantwortlich zu durchdenken und zu tun. Bedenken sollte man aber, dass es kein geistiges Vakuum gibt, sondern dieses gefüllt wird. Und wer Gott nicht anbetet, der betet etwas anderes an. Die Frage, sich für oder gegen etwas zu entscheiden, ist auch immer die Frage für oder gegen etwas anderes. Und genau das zeigt die Aya (der Vers) aus dem Qur’an ganz deutlich. „Weil das, was sie anstatt Seiner anrufen, (…).“

Jeder Mensch hat nicht nur das Recht auf eine Wahl, weil es beispielsweise in Deutschland Religionsfreiheit gibt. Es ist ein ganz entscheidender Fakt aus quranischer Sicht, dass der Mensch eine Wahl haben muss. Uns so liegt es bei jedem selbst diese spirituelle Reise zu machen und eine Wahl zu treffen – was so oder so passieren wird. Aber ich möchte nicht auslassen zu sagen, was die bessere Wahl ist.

Nun kommt der Sommer langsam wieder auf die Nordhalbkugel der Erde. Die Nächte werden länger und enthüllen eine Wirklichkeit, die Menschen oft vergessen und verdrängen. In so mancher Sommernacht hat man einen Blick auf das unermesslich grosse Weltall. Das All ist Teil der Wahrheit, weil es von dem gemacht wurde, der Wahrheit ist und als Zeichen für Menschen gilt, so sagt es der Qur’an. Es ist Zeitverschwendung als Mensch anderen etwas vorzumachen und es geht nicht um andere, es geht um uns. Wenn wir in einer Sommernacht vor diesem All stehen und denken, was geht uns dann im Kopf rum? Denken wir an den Job? An Geld? Vielleicht mag das erst so sein. Aber bitte, denken wir wirklich! Was kommt uns da in den Sinn? Dass das alles Zufall ist? Wenn wir ehrlich mit uns selbst sind, denken wir das nicht. Meiner Erfahrung nach denken die Menschen, wenn sie wirklich frei in den Gedanken sind, bei diesem Anblick eher an „da muss doch etwas sein“. An „das kann unmöglich alles Zufall sein“. Aber von wem ist es dann gemacht? Wer ist diese Macht? Was will diese Macht von uns?

Die Antwort ist, dass die Wahrheit Allahﷻ ist. Allahﷻ heisst in seiner Bedeutung „der EINE Gott“, weil man viele Dinge in seinem Leben zu einem Gott machen kann. Aber im Arabischen gibt es aus besonderen Grund den Namen Allahﷻ für Gott. Weil er der einzige wahre, lebendige Gott ist. Er ist die Wahrheit, weil er unser Schöpfer ist und der Schöpfer von diesem Sternenhimmel, den wir gerade betrachten. Und in dem Moment, wo wir diesen Gedanken zulassen, ihn nicht mehr überschatten lassen von Sozialisierung und irdischem Denken, haben wir den ersten Schritt auf unserer Reise gemacht. Dieser eine Gedanke wird erhört werden, denn Gedanken sind für Allahﷻ wie gesprochenes Wort. Unsere eigene spirituelle Reise muss also nicht um die ganze Welt gehen und wir werden dort auch nichts finden, was wir nicht vorher schon erkennen können. Unsere spirituelle Reise kann von unserem eigenen Balkon oder Garten beginnen. Jederzeit. Und damit treten wir bewusst in die Wahrheit ein. Und es wird ein Augenblick in unserem Leben kommen, an dem wir dafür unendlich dankbar sein werden. Weil die Wahrheit uns frei gemacht hat. Für immer!

„Bewusstsein erzeugt Realität!“

Eugene Wigner

Blackwater

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