„Der Geist baut die reale Aussenwelt der Naturphilosophie (wie auch die des Alltags) ausschliesslich aus seinem eigenen, das heisst aus geistigem Stoff auf.“

Erwin Schrödinger (Nobelpreis 1933)

Das Jahr neigt sich langsam dem Ende zu und ich möchte die Tradition des „Weihnachtsartikels“ wieder aufleben lassen, wie sie seit 2017 ein Bestandteil von Blackwater.live war. Das Schreiben ist in Zeiten von Kurzvideos und einfachen Botschaften in den Hintergrund getreten und immer mehr Menschen verstehen längere Texte nicht mehr oder sind nicht in der Lage deren Tiefe zu begreifen. Aber wie ich stets sagte, ich schreibe auch, wenn ich es nur noch für mich selbst tue. Je älter ich in dieser Welt werde, desto mehr wird mir klar, wie wenig Dinge es gibt, die wirklich zählen. Und das sind die, die man der Sache selbst wegen tun sollte, weil eine Sache so wichtig, so gross oder so zeitlos ist, dass es keine Rolle spielt, ob man dabei gesehen oder gehört wird. Dieser Artikel handelt von etwas, was eigentlich sichtbar ist und doch ungeschaut bleibt, weil Menschen aufgehört haben mit ihrem Herzen und ihrer innewohnenden Tiefe zu sehen und statt dessen nur noch ihren Augen folgen. Ihre Herzen und nicht ihre Augen sind es, die blind sind, wie der Quran sagt (Sure 22, Al-Hajj (Die Pilgerfahrt), 46).

In diesem Artikel wenden wir uns Weihnachten zu, wir werden uns kurz erinnern worum es bei Weihnachten geht. Aber schon bald darauf werden wir uns der Botschaft Jesu zuwenden und der Artikel wird in einem Finale gipfeln. Dabei wird es darum gehen, was die wichtigste Lehre Jesus nach seiner eigenen Aussage war. Es wird umso mehr erstaunen, dass das heute nicht gewusst wird oder nicht gewollt ist, dass Menschen darüber nachdenken. Aber bildet euch nach dem Lesen dieses Artikels euer eigenes Urteil.

Ein weihnachtlicher Stand in der Dämmerung mit einem dekorierten Holzgebäude, geschmückt mit Weihnachtslichtern und einem Stern über der Tür. Im Vordergrund steht eine Frau mit einem Kinderwagen.
Weihnachten – die wenigsten Menschen wissen worum es dabei überhaupt geht. Es ist mehr ein Konsumfest und ein weiterer X-beliebiger Grund zu feiern. Aber was eigentlich?

Weihnachten

Hat Weihnachten heute noch etwas mit Glauben, Gott, Jesus und Religion zu tun? Oder ist der Glauben und die Religion ein Relikt der Vergangenheit, das es zu überwinden gilt, weil schon zu viele Menschen ihr Leben verloren haben und zu viel Leid über die Menschheit gebracht wurde?

Diese Frage wird jeder meiner Leserinnen und Leser anders beantworten. Fakt ist, dass der Glauben unmöglich auszulöschen ist. Der Mensch will glauben und er glaubt immer. Jeder betet an, gibt sich Gedanken und Leidenschaften hin. Und spätestens mit Ereignissen wie schweren Krankheiten und dem Tod, werden auch die auf den ersten Blick rationalsten Menschen dann wieder wie kleine Kinder. „Wenn es doch einen Gott gibt?“ Eigentlich führen die vielen Wunder unseres Lebens, die Schönheit der Natur oder die Größe des Universums automatisch zu dem Gedanken an einen Schöpfer. Nur unsere moderne Welt bietet so viel Ablenkung und Beschäftigung, dass der Blick auf das Smartphone doch wichtiger ist, als der Blick in den Sternenhimmel. Und dann bleiben da noch die Fragen: „Wenn es Gott gibt, warum lässt er dann das Böse zu? Wenn es Gott gibt, warum geschieht dann so viel Schlechtes auf der Erde?“ Diese und ähnliche Fragen sind sehr gut. Hier werden die richtigen Fragen gestellt. Aber wo suchen wir die Antworten?

Für viele Menschen ist Weihnachten eine Zeit der Liebe, weil man damit vielleicht Schnee, Kerzenlicht und kalte Nächte verbindet, während es drinnen warm und wohlig im Kreise der Familie ist. Viele Familien sitzen an diesen Weihnachtstagen zusammen, essen zusammen, lachen zusammen und geniessen die freie Zeit. Manchmal gibt es vielleicht etwas Besonderes zu essen, weil man an den freien Tagen mehr Zeit dafür hat. Alleine diese freie Zeit, die zusammenhängenden Feiertage und der nahe Übergang in ein neues Jahr machen diese Weihnachtszeit reizvoll. Und das trifft natürlich nicht nur auf die Menschen zu, die Weihnachten feiern. Wobei hier inzwischen gefragt werden muss, was es denn bedeutet Weihnachten zu feiern? Wenn es auf die genannten Dinge beschränkt ist, dann feiern sehr viel mehr Menschen dieses Weihnachten als man zunächst vermutet. Wenn damit aber eine Tradition oder gar eine Liturgie verbunden ist, ein Kirchenbesuch, Singen unter dem Weihnachtsbaum, dann trifft das nur auf einen Teil der Christen zu, denn längst nicht alle begehen Weihnachten so, wie man es noch vor einigen Jahrzehnten früher feierte.

Die wenigsten Menschen heute haben den historischen Gesamtkontext von Weihnachten im Sinn oder gar eine religiöse Bedeutung. Sie kennen Weihnachten „als Fest der Liebe“ mit einer davor geschalteten Konsumphase, in der die Kaufhäuser gestürmt werden. Dieses Jahr will ich nicht den Konsum kritisieren und nicht ausschliesslich darauf aufmerksam machen, dass Weihnachten und die damit verbundenen Bräuche einen komplexen aber meist unchristlichen Zusammenhang haben, wie wir heute wissen. Sondern ich wollte mich der Frage stellen, ob man dem Fest der Liebe doch etwas wie echte Liebe abgewinnen kann, ob und welche spirituelle Tiefe dahinter steckt und wie selbst ein verklärtes und entfremdetes Weihnachten uns helfen kann, über das Leben, den Glauben, die Liebe und die Hoffnung nachzudenken. Denn für viele Menschen wird Weihnachten, egal wie es heute auch erlebt und gelebt sein mag, der letzte Anker zu einer anderen Welt sein. Einer geistigen oder moderner formuliert, einer spirituellen Welt. Denn obwohl wir so viele moderne Errungenschaften in der westlichen Welt geniessen können, einen gewissen Wohlstand erreicht haben und zweifellos die Epoche der Aufklärung als Gesellschaft durchlaufen haben, sind die grossen Fragen des Lebens unbeantwortet geblieben.

Und wann, wenn nicht zu Weihnachten, ist es eine passende Zeit einmal darüber nachzudenken und das Feld nicht Dogmatikern aller Art zu überlassen, was ich ganz grundsätzlich für einen schweren Fehler halte. Und das kann man ganz nüchtern tun, aber man kann es auch durchaus durch das Auge des Glaubens und mit der Hingabe für Gott tun. Denn manches benötigt Glauben, um es zu erkennen, manches Demut und manches Leidenschaft, aber die ursprüngliche Historie der Geschichte hinter all diesen Dingen, sie ist echt. Und sie hat die Welt für immer verändert. Ob wir das wahr haben wollen oder nicht.

Eine junge Mutter überreicht ihrem fröhlichen Sohn ein rotes Geschenk vor einem Weihnachtsbaum.
Weihnachten. Ein Fest bedingungsloser Liebe? Gibt es überhaupt bedingungslose Liebe?

Dieses Jahr war anders, weil uns vor Augen geführt wurde, wie zerbrechlich unsere kleine Welt doch ist. Wie an einem seidenen Faden hängt der bescheidene Wohlstand, wie ein dünner Lack ist die bestehende Gesellschaftsordnung und die politischen Systeme. Und man will gar nicht so genau wissen, was dahinter ist oder was passiert, wenn dieser Lack abblättert. Jobs wurden vernichtet, das Leben vieler wurde einsamer durch all die Spaltungen der Gesellschaft durch mediale Hetze. Wir wurden einsamer. Viele saßen daheim – ohne jemanden. Und vielleicht sitzt Du liebe Leserin oder lieber Leser sogar jetzt in diesem Moment gerade alleine daheim und nicht mit der Familie zusammen, weil Du keine hast. Oder weil die Familie nicht geeint ist. Oder aus irgend einem anderen Grund. Dann ist dieser Artikel vielleicht gut, um Dir etwas größeres zu zeigen, was Deine Sorgen und Ängste winzig erscheinen lässt. Leben ist mehr als existieren und dahin zu vegetieren. Arbeiten, essen, trinken, schlafen, etwas Freizeit, das Ganze 365 Tage im Jahr und etwa 70 oder 80 Jahre lang und dann sterben. Der Zweck des Lebens wird von den Schriften auf verschiedene Weisen erklärt, die ich mit folgenden Worten Sinn gemäß zusammen fassen würde: Es ist eine aufrichtige Suche, eine Suche nach der Wahrheit über das Weltall, die Natur, unser Sein, Dein Sein. Unsere heutige Lebensweise steht im krassen Gegensatz dazu, weil sie eine einzige laute und stressige Ablenkung und Beschäftigungstherapie ist. Das beides kann übrigens selbst Religion sein, wenn sie einen vom Denken und Forschen abhält und deshalb geht es nicht per se um Religion als Weg, sondern die Suche um der Wahrheit willen. Alles was uns vom Denken abhält und unsere Lebenszeit verschwendet, uns sinnlos beschäftigt hält, steht dieser Suche im Weg. Und wer kennt das nicht. Jahr um Jahr vergeht und dann denkt man sich, es ist schon wieder Weihnachten, schon wieder Sylvester. Bald gehe ich in Rente. Bald dies, bald jenes. Und schon kommt der Moment, den niemand erleben will. Und doch wird es jeder müssen. Das Leben ist gelebt, die Zeit, unsere Zeit, sie ist um. Ob das ein Moment der Reue sein wird oder ob wir friedlich einschlafen und loslassen, das liegt ganz bei uns und wie wir unser Leben gelebt haben. Und daher heute, kurz vor und passend für Weihnachten, einige Gedanken zu dem Thema Glauben, Hoffnung, Liebe und auch Wahrheit.

Jesus, Isa, عيسى

Was hinter dem frohen Fest steht ist, dass es die Person Jesus Christus gab. Als historische Person ist Jesus Christus inzwischen allgemein anerkannt. Ein jüdischer Wanderprediger in der römischen Provinz Palästina, der vor 2000 Jahren lebte, so wird er oft ganz nüchtern beschrieben. Zur erweiterten Definition dieser Person zitiere ich kurz Wikipedia:

Jesus Christus (von altgriechisch Ἰησοῦς Χριστός Iēsous Christos [iɛːˈsuːs kʰrisˈtos], deutsch ‚Jesus, der Gesalbte‘) ist nach christlicher Lehre gemäß dem Neuen Testament (NT) der von Gott zur Erlösungaller Menschen gesandte Messias und Sohn Gottes. Mit seinem Namen drückten bereits die Urchristen ihren Glauben aus und bezogen die Heilsverheißungen des Alten Testaments (AT) auf die historische Person Jesus von Nazaret.

Christus ist nicht wie immer mehr angenommen der Nachnahme von Jesus, so wie Markus Müller, sondern Christus ist die Bezeichnung „Gesalbter“. Interessanterweise warnt die Schrift vor falschen „Christussen“, also falschen Gesalbten in der späteren Zeit. (Matthäus 24:23-26) Auch hier müssen wir kurz fachlich etwas einschieben:

Der Begriff Messias (hebräisch משיח Maschiach oder Moschiach, aramäisch ظيهىتيه, in griechischer Transkription Μεσσίας, ins Griechische übersetzt Χριστός Christós, latinisiert Christus) stammt aus dem Tanach und bedeutet „Gesalbter“. So wird in der Bibel vor allem der rechtmäßige, von Gott eingesetzte König der Israeliten bezeichnet, dessen Thron laut Jer 33,17 EU auf Ewigkeit immer von einem Nachfolger Davids besetzt sein sollte. (auch 2 Sam 7,13 EU) Daraus entstand seit dem Propheten Jesaja (~740 v. Chr.) und besonders seit dem Ende des israelitischen Königtums (586 v. Chr.) die Erwartung eines künftigen Messias, der Gottes Willen endgültig verwirklichen, alle Juden zusammenführen, von Fremdherrschaft befreien, ein Reich der Gerechtigkeit und Freiheit herbeiführen werde.

Das Urchristentum bezog die biblischen Messiasverheißungen auf Jesus von Nazaret und bezeichnete ihn gemäß der griechischen Septuaginta als Χριστός Christós (den Gesalbten). Im Christentum wurde der Glaubenssatz Jesus ist der Gesalbte / der Christus zum Namen Jesus Christus. Nach dem Neuen Testament ist Jesus als Messias Israels zugleich der Versöhner zwischen Gott und den Menschen und der Erlöser der ganzen Welt.

Diese beiden Einschübe sind wichtig, um Weihnachten zu verstehen. Ich will es heute so einfach wie möglich machen, aber ohne zu viel Tiefe weg zu lassen die es braucht, um alles einordnen zu können. Jesus Christus gilt im Christentum als vorausgesagter Erlöser von Sünde und dem Tod und die Idee hinter Weihnachten ist zum einen das zu feiern, seine Geburt. Die Idee hinter den vier Adventen ist die Vorfreude auf diese Ankunft, später Wiederkunft. Aus einer christlichen Perspektive ist Jesus Christus ein Geschenk, weil Gott uns liebt. Aber die Liebe von Gott zu den Menschen aus islamischer Sicht ist auf keinen Fall unbedeutender, sie wird nur auf einer anderen Ebene ausformuliert. Oft sind sprachliche und kulturelle Brücken zu überwinden, um das in der ganzen Tiefe zu begreifen. Im Islam gilt ebenso gesetzt, dass Jesus der Messias ist und mit einer Botschaft kam. Aber nicht sein Tod erlöste die Menschen, sondern seine Botschaft von Gott. Diese Botschaft zeigte den Weg aus dieser Welt hinaus. Bis heute. Im Quran wird Jesus als „das Wort Gottes“ bezeichnet und da Gottes Wort Wahrheit ist, können Muslime selbst umstrittenen Aussagen wie aus dem Johannesevangelium zustimmen wo es heisst, dass Jesus der Weg, die Wahrheit und das Leben ist. Denn er war es zu seiner Zeit. Es ist eine Ironie der Geschichte, dass wir als Muslime jeden Tag darum beten auf dem Weg zu sein, der Weg, von dem Jesus dauernd sprach. Ich vermute, dass den meisten christlich-westlich sozialisierten Menschen in Europa nicht einmal ansatzweise Fakten wie diese bewusst sind. Umso mehr versuche ich das – meist vergeblich – zu vermitteln und zu erklären. Denen, die noch hören wollen. Und es werden immer weniger.

Eine nachdenkliche Frau sitzt draußen auf dem Boden, umgeben von buntem Herbstlaub, und hält ihre Hände über ihr Gesicht, als ob sie mit inneren Sorgen oder Traurigkeiten kämpft.
Yunus Emre sagte einst, „Redet die Zunge, lauscht das Ohr; redet das Herz, lauscht das Universum.“ Wer ist das Universum? Und woher kommt es? Kann es sein, dass die Welt doch komplexer ist als das, was wir zu wissen glauben? Fakt ist, dass Gott uns zuhört, wenn wir zu ihm beten. „Wenn dich meine Diener nach Mir fragen, so bin Ich nahe, und Ich erhöre den Ruf des Rufenden, wenn er Mich anruft“ (Sure Baqarah Vers 186).

Für die drei abrahamitischen Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam gibt es grob gesagt drei Vorstellungen von Jesus. Im orthodoxen Judentum wartet man noch heute auf einen Messias (wobei es heute immer mehr Juden gibt die sagen, Jesus war der Messias), im Christentum ist er Sohn Gottes und bei ca. 98% aller heutigen christlichen Konfessionen Gott selbst. Im Islam ist er der Gesandte Gottes, ein Prophet, das Wort Gottes und wird am Ende der Weltzeiten wiederkehren, wie übrigens im Christentum auch. Hier gibt es viele Überschneidungen, auch sprachlich. Denn als „Wort“ ist Jesus auch in der Bibel bezeichnet. Und durch die Übersetzung der Aussagen Jesu und seiner Jünger ins Griechische, (Jesus und seine Jünger sprachen das semitische Ost-Aramäisch), können mit Begriffen wie Sohn und Tochter und anderen Wörtern ganz andere Bedeutungen verbunden gewesen sein. Semitische Sprachen sind völlig anders als Griechisch und es gab und gibt eine Kulturbarriere. Einen aramäischen oder hebräischen Urtext des Evangeliums hat man nie gefunden. Über diese Themen gibt es tausende Bücher und Vorträge. Am Ende bleibt es eine Frage des Glaubens, der Sozialisierung und auch des Herzens. Und an dieser Stelle mal ehrlich Hand aufs Herz: Wären wir in Kairo bei muslimischen Eltern geboren, wären wir dann heute Christen und würden die christliche Sicht verteidigen? Oder wären wir in den USA bei christlichen Eltern geboren, wären wir dann heute Muslime und würden die muslimische Sicht verteidigen? So eine kleine Selbstprüfung zeigt doch schon, ganz so einfach ist es nicht. Es geht hier nicht darum, dass alles gleich oder ähnlich ist, das ist es nicht. Aber so manche Überzeugung haben wir nicht, weil es ja so logisch ist und wir so schlau sind, sondern es ist das Schicksal der Geburt gewesen. Und alleine deshalb bin ich persönlich der Überzeugung, dass das Thema Jesus Christus nach über 2000 Jahren ein viel größeres ist, als wir es heute einordnen können. Es ringt einem Demut und Respekt ab. Und die Erkenntnis, dass wir nicht alles wissen. Aber das befreit uns nicht von der Verantwortung Ergebnis offen zu forschen und zu suchen. Nicht bei Gott liegt die Bringschuld, sondern wir müssen zeigen, was uns am Wichtigsten ist und was es uns wert ist die Wahrheit zu finden. Das sollte seit Abraham bereits klar geworden sein.

Im Allgemeinen würde ich persönlich sagen, dass Jesus in der christlichen Religion eher zu hoch angesiedelt ist, da die ersten Urchristen noch nicht die Vorstellung hatten, dass Jesus Gott selbst ist. Diese entwickelte sich gut dokumentiert erst durch die frühe Kirche. Im Islam ist Jesus in der Praxis oft zu niedrig eingeordnet, da der Qur’an Jesus eine enorm hohe Stellung als „Wort Gottes“ gibt. Fast wie ein Liebling Gottes. Drei Mal häufiger als Mohammed selbst ist Jesus im Qur’an beschrieben und erwähnt. Auch die Stellung von Maria ist eine ganz aussergewöhnliche im Islam, die als einzige Frau im Qur’an überhaupt mit Namen erwähnt wird. Es führt für jeden forschenden und suchenden Menschen kein Weg daran vorbei, sich mit der Literatur und den Quellen dazu zu beschäftigen, da die gelebte Religion dem Ganzen eher selten gerecht wird. Die Bibel und der Qur’an liefern über diese Personen ganz unterschiedliche Blickwinkel, die man erst einmal erfasst und verstanden haben muss. Und man kommt nicht umhin, die jüdischen Vorstellungen und Erwartungen jener Zeit zu kennen. Erst mit dem historischen Kontext werden diese ganzen Berichte lebendig und verständlich. Das hilft einem nicht nur für den persönlichen Glauben, es ist auch ein Schutz vor Menschen, die Texte noch heute aus dem Zusammenhang reissen und versuchen menschliche Normen und Werte aus dem 21. Jahrhundert dort hinein zu interpretieren.

Einen entscheidenden Punkt den Christentum und Islam in Bezug auf Jesus gemeinsam haben ist, dass Jesus am Ende der Weltzeiten wieder kommen wird, so wie er gegangen ist. Sichtbar, in den Wolken kommend und dann würde eine neue Zeit beginnen. Und das ist ganz massgeblich die Hoffnung aller Gläubigen auf dieser Welt und mit der Grund, warum die Person Jesus von Nazareth wohl der grösste Mensch war, der je auf der Erde lebte. Und zwar gemessen daran, wie diese Idee unsere Welt verändert hat, wie sie Menschen Kraft gegeben hat, wie sie Milliarden Hoffnung gegeben hat und noch gibt. Und Jesus von Nazareth ist in den Köpfen mit dem heutigen Weihnachtsfest verbunden, auch wenn er damit historisch nichts zu tun hat, die Schriften nirgendwo von Weihnachten sprechen, die Daten falsch sind und und und. Und leider, wie so oft, hat die institutionalisierte Religion die Person Jesus von Nazareth für ihre Zwecke vereinnahmt und missbraucht. Das werden wir heute anhand von einigen Bibelstellen nachher sehen. Es soll nicht um eine Kritik am Christ sein oder Muslim sein gehen, sondern darum, wie Institutionen und Organisationen mit dem Anstrich von Religion Menschen auf eine falsche Spur führen und schlussendlich zu Atheisten machen. In diesem Sinne ist Religion als problematisch zu werten, aber der Glauben und die persönliche und echte Spiritualität als unbezahlbaren Schatz zu sehen. Und mit diesem Artikel wird das – so wünsche ich mir das für meine Leser – noch etwas klarer.

Religion bei Menschen ist etwas anderes wie es Religion bei Gott ist. Das zeigt uns unser Schöpfer auch im Quran sehr deutlich. Denn was dort mit Islam gemeint ist, ist keine Institution und kein Label, sondern es ist die reine Anbetung wie man sie bei Abraham findet, der aus diesem Grund als großes Vorbild im Islam gilt. Und in der Tat, manche Menschen mögen heute wegen ihrer Sozialisierung ein Problem mit dem Islam haben. Aber die Gedanken, die man zum Islam und Abraham im Quran findet, die kann sogar ein kleines Kind begreifen. Und das ist kein Zufall. Und wer wirklich mit offenem und suchenden Herzen eine sinngemäße Wiedergabe des Quran liest – so wie man das mit der Bibel ja auch tut – der erkennt darin die Gedanken unseres Schöpfers, dem wird klar, das ist die Wahrheit. Egal was Menschen tun, egal was Menschen daraus gemacht haben, die Wahrheit wird für sich immer selbst stehen, sie braucht keine Verteidigung. Denn Menschen die wirklich die Wahrheit lieben, werden sie immer suchen, erkennen und behüten. Und daher kann der Glaube niemals ausgelöscht werden. Niemals.

Eine Szene, die das heilige Familienleben von Maria und Josef mit ihrem neugeborenen Kind darstellt, umgeben von einer natürlichen Umgebung.
Josef und Maria, Yousef wa Maryam, in authentischer Kleidung der damaligen Zeit in Palästina dargestellt. War die Geburt von Jesus (Isa ) das, was die Welt veränderte oder war es sein späterer Tod? Oder war es Jesu Botschaft? Spielt es eine Rolle was wir glauben?

Die christliche Erzählung und die muslimische Erzählung über Jesus von Nazareth, den Sohn der Maria, haben einige Abweichungen, einige Ergänzungen und wie wir noch sehen werden, einige gewaltige und folgenreiche Gemeinsamkeiten.

„Und wir haben Jesus, dem Sohn der Maria, die klaren Beweise gegeben und ihn mit dem heiligen Geist gestärkt.“

– Qur’an Sure 2, Vers 87 Übersetzung: Rudi Paret

Hoffnung, أَمَلٌ, Hope, תקווה, ελπίδα

Hoffnung. Hoffnung ist etwas, was uns Menschen Kraft gibt. Sie treibt uns an und hilft uns weiter zu machen. Hoffnung hilft einer Familie, deren Kind schwer und unheilbar erkrankt ist. Vielleicht wird es ja doch noch eine Chance geben, irgend etwas, was die Ärzte nicht wissen oder übersehen haben. Sie hilft einem an Krebs erkrankten Menschen nicht aufzugeben, denn vielleicht schlägt die ein oder andere Therapie ja doch noch an. Hoffnung ist das, was uns Menschen an einem letzten Rest Leben hängen lässt, und wenn es noch so aussichtslos ist. Die Hoffnung, dass etwas passiert, was nach allem was wir wissen und gelernt haben unwahrscheinlich ist, die Hoffnung, dass wir doch nicht alles wissen und dass alles doch nicht so rational ist. Die Hoffnung, dass es besser wird. Und die Hoffnung auf ein Happy End. Es gab in der Geschichte, in unserer Geschichte der Menschen viele Beispiele, in denen die Hoffnung die Kraft gab weiter durchzuhalten. Beispielsweise in den Konzentrationslagern des Dritten Reichs. Oder in den Gulags in Sibirien. Die Hoffnung war so stark, dass die Menschen Jahre lang, manche Jahrzehnte lang Grausamkeiten, Kälte, Hitze und Verachtung ertrugen. Entmenschlichung, Lieblosigkeit und Schmerzen, manche Orte waren zu manchen Zeiten die Hölle auf Erden. Unser von uns gemeinsam bewohnter Planet kann schon ein verstörender Ort sein. Und doch blieb und bleibt die Hoffnung. Warum ist die starke Kraft der Hoffnung mit der Geburt eines Menschen in ihn gelegt, wo doch der Ausgang unseres eher kurzen Lebens unumkehrbar der immer gleiche ist?

Zweifellos kann man historisch sagen, dass die Vorstellung auf ein Leben nach dem Leben die Hoffnung der meisten Menschen war. Und diese Hoffnung war keine Notlösung, denn viele Menschen gingen freiwillig in den Tod für ihren Glauben. Denken wir nur an die Menschen, die für die Übersetzung der Bibel mit ihrem Leben auf dem Scheiterhaufen bezahlten, ein nebenbei erwähnt weiteres Ruhmesblatt der Institution Religion, die immer wieder im Konflikt mit der Wahrheit steht.

Es gibt einen Kindheitstraum, den nach Untersuchungen von amerikanischen Kinderpsychologen so gut wie jedes Kind ein oder mehre Male hatte. Und auch alle Menschen, die ich befragte, hatten diesen Traum. Es ist der Suizid im Traum und jeder weiss, wenn man im Traum stirbt, wacht man auf. Also springt man irgendwo herunter und wird wach. Diesen Traum gibt es in vielen Varianten. Ist das die Vorstellung gewesen, die die Menschen die letzten tausenden von Jahren hatten, wenn sie in einer grausamen Welt lebten und mit der Hoffnung in den Tod gingen, dass es danach besser wird? Das eine bessere Welt wartet? Vielleicht ist es ein nachvollziehbares Beispiel um zu verstehen, wie stark Hoffnung sein kann. Denn in diesem Traum, wenn wir ihn träumen, haben wir keine Angst das Leben zu verlieren. Wir wissen, egal was für ein Horrortraum es ist, wir springen einfach irgendwo runter, dann wachen wir in unserem warmen Bett auf und sind im echten Leben. Befreit von unseren Albträumen und sicher daheim.

Sowohl der Qur’an als auch die Bibel sprechen davon, dass dieses Leben vergänglich und kurz ist, dass es nicht das echte Leben ist und das man nie die Hoffnung verlieren soll. Das ist also nicht einfach eine missbrauchte Vorstellung der Religion – was zweifellos so war – sondern auch eine durch die Schrift begründete Hoffnung, die Menschen geholfen hat, ihr Leben zu leben. Und die Mehrheit der Menschen weltweit hat heute immer noch diese Hoffnung in verschiedensten Formen, denn die Mehrheit der Welt sind Menschen, die zumindest einer Religion angehören. Ob sie aber den Glauben haben von dem Jesus sprach, das bleibt eine Frage zum nachdenken. Beurteilen können wir das so oder so nicht – und wir dürfen es auch nicht.

Hoffnung auf etwas grösseres und besseres nach diesem Leben ist etwas so wertvolles, dass es die Schrift einmal so verglich:

„44 Das Himmelreich gleicht einem Schatz, verborgen im Acker, den ein Mensch fand und verbarg; und in seiner Freude geht er hin und verkauft alles, was er hat, und kauft den Acker. 45 Wiederum gleicht das Himmelreich einem Kaufmann, der gute Perlen suchte, 46 und da er eine kostbare Perle fand, ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte sie.“ (Lutherbibel 2017)

Aber Hoffnung wird erst durch etwas anderes so stark und mächtig, dass man bereit ist alles aufzugeben und wie dieser Mensch in dem Gleichnis zu handeln:

Durch den Glauben.

Blühender Strauch am Ufer des Sees Genezareth, umgeben von einer felsigen Küstenlandschaft und sanften Hügeln im Hintergrund.
Sea of galilee in Capernaum. Kafarnaum (hebräisch כְפַר נָחוּם Kfar Naḥūm, arabisch Talḥūm) ist eine archäologische Stätte im Nordbezirk von Israel. Sie befindet sich am nordwestlichen Ufer des Sees Genezaret, etwa 5 km südwestlich der Einmündung des Jordan in den See und 16 km nordwestlich von Tiberias. Kafarnaum war als Schauplatz von Erzählungen des Neuen Testaments in der Spätantike ein christliches Pilgerziel und wurde dies wieder im 20. Jahrhundert. Viele Menschen, die diese Orte besuchen fragen sich, was geschah hier wirklich? Und was hat das mit meinem Leben zu tun?

„Kapernaum“, wie die Stadt in deutscher Sprache geschrieben wird, gilt auch als Stadt der Hoffnung, da Jesus in Matthäus 9:1 von ihr als „seiner“ Stadt sprach. Er selbst wurde in Nazareth geboren, weswegen er auch als Jesus der Nazarener bezeichnet wurde und die ersten Nachfolger als Sekte der Nazarener. Nicht Jesus Christus hat das Christentum gegründet, das machte Jahre nach seinem Weggang der Apostel Paulus. Und zu seinen Zeiten wurde aus der jüdischen Sekte der Nazarener, die von den im Qur’an genannten Kindern Israels stammt, dann die Christen (Apostelgeschichte 11:26). Nicht Jesus gründete eine Kirche oder Religion, sondern Paulus. Das ist umso erstaunlicher, als dass Jesus eigentlich dem Apostel Petrus die Nachfolge aufgab und Paulus nie persönlich begegnete. Jesus rief die Kinder Israels zur Reue und Umkehr auf und gab später den Auftrag, die gute Botschaft des kommenden Königreichs zu verbreiten. Und das ist in den letzten 2000 Jahren passiert, auf recht unterschiedliche Art und Weise. Die Bibel mit dem Evangelium, der eigentlichen Kernbotschaft, ist das meist verbreitetste Buch der Welt. Auch der Qur’an fordert dazu auf, das Incil zu lesen. (5:68, 10:94) Zu dieser Zeit, als der Qur’an niedergeschrieben wurde, gab es keine Veränderungen mehr am Evangelium was die Kernbotschaft angeht (23 Jahre bis 632 n.Chr.) Allerdings, und das wird wiederum Christen wundern, sagen die Evangelien nicht mehr aus, als dass man glauben muss, dass es Gott gibt, man nur ihn anbeten darf und dass Jesus von ihm gesandt wurde. Alle späteren Dogmen bauen auf den apostolischen Briefen von Paulus auf und sind sogar im Widerspruch mit Aussagen von Jesus selbst, aber auch mit denen des Petrus und Jakobus. Das macht die ganze Bibel nicht weniger lesenswert, aber man sollte differenzieren können. Und es bleibt die Frage: Menschen gehorchen, oder aber Gott? Genau hier hatte der Apostel Petrus eine klare Antwort: „Wir müssen Gott mehr gehorchen als den Menschen.“ (Apostelgeschichte 5:29)

„Als Jesus hörte, dass Johannes ausgeliefert worden war, kehrte er nach Galiläa zurück. Er verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, das am See liegt, im Gebiet von Sebulon und Naftali.“

– Matthäus 4, 12–13 (Einheitsübersetzung)

Glaube, الإيمان, Faith, אמונה, Πίστη

Glaube. Im hebräischen leitet sich Glauben (אמונה, emuna) aus der gleichen Wurzel ab, aus dem auch das Wort Amen oder Amin stammt. Jedes Gebet endet mit einem Amen, einem „so sei es“.

Das sollte kein Automatismus sein. Wenn wir also bei einem Gebet dabei sein dürfen und wir stimmen dem Gesagten nicht zu, macht es keinen sind „Amen“ zu sagen. Denn wir würden damit „so sei es“ oder „ich glaube“ sagen, obwohl es gar nicht so ist.

Glauben ist eine der stärksten Kräfte die es gibt. Menschen die Glauben haben, können unglaubliche Leistungen vorbringen und jeder wird das wohl bestätigen können. Jesus sagte einst, „dass wer den Glauben von der Grösse eines Senfkorns hat“, Berge versetzen könne. ( Mat. 17:20 ) Voraussetzung war, dass der Glaube echt ist. An dieser Aussage sehen wir schon, wie tief, rein und stark ein Glaube sein muss, um Grosses zu vollbringen. Er muss frei von Zweifel sein. Nur dann entwickelt er die Stärke, dass Menschen über sich selbst hinaus wachsen können. Das ist kein Glaube an eine Kirche oder etwas von Menschen gemachtes, denn logischerweise wäre der wertlos. Wenn das worauf sich der Glaube bezieht etwas von Menschen gemachtes ist, wird er kaum stärker als das sein, auf das er sich bezieht.

Die Bibel und der Qur’an beschreiben Glaube an Gott auf eine eindrucksvolle Weise die erahnen lässt, dass Glaube keine Einbildung oder irgend ein zu belächelndes diffuses Gefühl ist, sondern dass er ein Geschenk ist. Und auch, dass er nicht ein Besitz aller Menschen ist. (2.Thess. 2:3) Es geht ausschliesslich darum, an den EINEN Gott zu glauben. Und letzten Endes sagt die Schrift immer wieder, dass man durch echten Glauben gerettet wird. Welch ein Gegensatz zu den Aussagen, von vielen institutionalisierten Religionen und Sekten heute.

„Ohne Glauben aber ist es unmöglich, ihm wohlzugefallen; denn wer Gott naht, muss glauben, dass er ist und denen, die ihn suchen, ein Belohner sein wird.“(Hebräer 11:6, ) „Der Gottlose denkt hochnäsig: „Er wird nicht nachforschen.“ „Es ist kein Gott!“, sind alle seine Gedanken.“ (Psalm 10:4) Elberfelder Bibel.

„Wir werden ihnen Unsere Zeichen am Gesichtskreis (Universum) und in ihnen selbst zeigen, bis es ihnen klar wird, dass es die Wahrheit ist. Genügt es denn nicht, dass dein Herr über alles Zeuge ist?“ (Quran 41:53)

„Sein unsichtbares Wesen läßt sich ja doch seit Erschaffung der Welt an seinen Werken mit dem Auge deutlich ersehen, nämlich seine ewige Macht und göttliche Größe. Daher gibt es keine Entschuldigung für sie,“ (Römer 1:20)

Es gibt verschiedene Konzepte, wie man diesen fundamentalen Glauben für sich selbst entdecken kann. Zwei davon möchte ich heute ansprechen. Beide Konzepte sind in leicht abgewandelter Form in jüdischer, christlicher und muslimischen Erklärungen zu finden, was aus meiner Sicht alles andere als ein Zufall ist. Das eine Konzept ist die Schöpfung selbst. Vom mächtigen Universum bis hin zu kleinsten Tieren wie beispielsweise einem Kolibri, stecken so viele Details, so viel Genauigkeit und auch mächtige Kräfte. Die Komplexität der ganzen Schöpfung hat so einen hohen Grad, dass es geradezu absurd ist zu sagen, dass es Zufall ist. Mal ganz abgesehen von der Liebe, die darin steckt. Und gerade deswegen erstaunt mich, dass in der Bibel und dem Quran schon vor so langer Zeit geschrieben wurde, dass Menschen irgendwann all das verleugnen werden. Und beide Bücher schreiben, dass damit ein Zugang zu Gott versperrt würde. „Der Tor sagt in seinem Herzen: Es gibt keinen Gott. Sie handeln verderbt und tun abscheuliches Unrecht, da ist keiner, der Gutes tut.“ (Psalm 52:2, Einheitsübersetzung 2016)

Ludwig von Bertalanffy, einer der grössten Biologie Theoretiker des 20. Jahrhunderts schrieb über die Evolutionstheorie: „Die Tatsache, dass eine derart vage, ungenügend beweisbare und so weit von den in der „strengen Wissenschaft“ üblicherweise angewandten Kriterien entfernte Theorie zu einem anerkannten Dogma werden konnte, lässt sich meiner Meinung nur auf soziologischer Grundlage erklären.“

Dogmen sind zweifellos kein Privileg der Religion. Aber auch wenn man einem solchen Dogma erliegt, so lässt sich das zweite Konzept einfach nicht unterdrücken. Es ist die tief innewohnende Gewissheit, dass es eine höhere Macht gibt, die in der Folge zu dem Punkt „everybody worships“, „jeder betet an“, führt. Dieses Konzept wird in der muslimischen Terminologie aus meiner Sicht am besten erklärt. Das Konzept heisst „Fitra“. Fitra (arabisch فطرة, DMG fiṭra ‚Natur, Veranlagung; Schöpfung‘), von فطر, DMG faṭara ‚schaffen, erschaffen (von Gott); angeboren sein‘, bezeichnet ein islamisches Konzept von der Natur des Menschen, die so angelegt ist, dass jeder Mensch bei seiner Geburt und gemäß seiner Natur على الفطرة ein muslim, ein – dem koranischen Sprachgebrauch entsprechend – dem einzigen Gott ergebener Mensch sei. Denn Gott hat den Menschen so erschaffen, dass er Kenntnis معرفة / maʿrifa von der Existenz seines Herrn hat.

Ein kleines Kind fragt, wer hat die Blume gemacht, wer hat den Himmel gemacht, wer hat die Sterne gemacht? Erst durch die Sozialisierung in der Gesellschaft werden diese eigentlich logischen Schlussfolgerungen, nämlich dass es eine Schöpfermacht geben muss, dann nach und nach ersetzt. Und dass obwohl der junge Mensch lernt, dass diese gemachten Dinge unglaublich komplex und noch viel wunderbarer sind, als er oder sie es als Kind gedacht hatte. Die eigentliche Antwort, dass dahinter ein intelligentes, mächtiges und in jeglicher Hinsicht übernatürliches Wesen stecken muss, wird durch das im Vergleich absolut unlogische Konzept ersetzt, dass alles Zufall ist. Aber selbst wenn man Menschen so sozialisiert, dass sie Gott ablehnen, dann wollen sie trotzdem anbeten. Und so richtet sich der Fokus dann auf Substitute, einen Ersatz: Menschen, Führer, materielle Dinge oder spirituelle Verklärungen von der Natur und kosmischen Kräften. Wieviel einfacher wäre es doch, sich auf die innere und äußere, spirituelle und faszinierende Reise zu begeben und Gott zu suchen? Zweifellos kann man sich sein ganzes Leben ablenken und betäuben.

Aber ist es dann nicht so, wie es der Qur’an sagt: „Und die Ungläubigen werden nicht aufhören, daran Zweifel zu hegen, bis die Stunde unerwartet über sie hereinbricht oder die Strafe eines unheilvollen Tages über sie kommt.“ (22:54) In einem abstürzenden Flugzeug, im Angesichts des Todes und auf hoher See, wer ist da noch Atheist?

Ich kenne viele Menschen, die sich zwar irgendwo zugehörig fühlen und denken, damit ist die Sache erledigt und man kann einfach wieder seinem Konsum, Haus, Urlaub und iPhone nachgehen. Das ist auch eine abgegebene Verantwortung. Und irgendwie ist am Ende klar – und damit meine ich das Ende ihres kurzen Lebens – dass sie wie wir alle zu „Seeleuten“ und Insassen eines abstürzenden Flugzeugs werden.

Ach, hätte ich nur… Aber dann wird es endgültig zu spät sein. In dem Moment, wo es keinen Glauben mehr braucht um die Wahrheit zu erkennen und zu akzeptieren, wird der Glaube auch nicht mehr retten. Das sollte klar sein.

Ein nächtlicher Ausblick auf eine weite, sandige Landschaft unter einem klaren Himmel mit einem großen Mond und vielen leuchtenden Sternen.
„Durch die gemachten Dinge unentschuldbar“ – Hier geht es nicht um Religion im Sinne eines Labels, sondern um Glauben. Der erste Schritt auf einer langen Suche, auf einem Lebensweg, der nicht nur aus Materialismus und Oberflächlichkeiten besteht. Die Welt ist sehr viel komplexer, als das was wir mit unseren Augen sehen können.

Viele Menschen reduzieren Glauben und Spiritualität heute sehr schnell auf Mitgliedschaften, Zugehörigkeiten und Politik. Aber am Ende ist Glauben einer der entscheidenden Faktoren, denn es hat einen Grund, warum ein letzter Beweis für alles das, was wir in Bibel und Quran finden offen bleibt. Das wird ja gerne von Menschen heute kritisiert. Wenn es einen Gott gibt, dann muss er sich doch mir direkt zeigen. Aber genau das wäre ein „free lunch“. Es ist Part of the Game, dass der Glaube notwendig ist. Der Glaube zeigt am Ende aus welchem Holz wir geschnitzt sind. Der Glaube begründet die Hoffnung. Und der Glaube führt zum ewigen Leben. Er ist die Eintrittskarte.

… erinnere Dich an mich, und ich werde mich an Dich erinnern.

Qur’an, Al Baqarah (2):152

Ein Junge, der mit gefalteten Händen im Bett sitzt und betet, während sanftes Licht von einer Lampe daneben scheint.
Wir sind Narren wenn wir denken, dass hier niemand zuhören würde.

Liebe, حبَ, Love, אהבה, Αγάπη

„Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; die größte aber von diesen ist die Liebe.“ 

  1. Korinther 13:13, Schlachter 2000 Bibel

Liebe. Liebe ist was uns Menschen am Leben erhält, was uns antreibt, wonach wir dürsten, wonach wir uns sehnen. Liebe wird nicht weniger, wenn man sie teilt, sondern mehr. Wir wollen lieben und wir wollen geliebt werden. Oder wie es Marianne von Willemer in Heidelberg im 18. Jahrhundert schrieb: „(…) Schließt euch um mich, ihr unsichtbaren Schranken; Im Zauberkreis, der magisch mich umgibt, Versenkt euch willig, Sinne und Gedanken; Hier war ich glücklich, liebend und geliebt.“

Liebe. Das einzige, was wir solange wir leben wirklich besitzen und schenken können, ohne dabei jemals wirklich weniger zu haben. Mit unserer Liebe können wir andere glücklich machen, wir können Menschen helfen. Liebe ist das Einzige was wir besitzen, womit wir unserem Schöpfer Ehre und Freude machen können. Und an dieser Stelle muss ich sagen, dass der Qur’an sehr viel über die Größe und Macht Gottes berichtet und wie sehr er barmherzig gegenüber allen ist, die ihn suchen. Der Qur’an beschreibt Gott, wie man ihn in den hebräischen Schriften der Bibel kennen lernt. Und ich finde das absolut beeindruckend und es berührt mich sehr. Wer die Bibel nicht nur von den christlich-griechischen Schriften her kennt und den Qur’an liest weiss, dass das stimmt und das meiste was man liest, kommt einem sehr vertraut vor.

Dieser Abschnitt, den Du nun gerade liest wird Dein Leben für immer verändern, wenn Du es zulässt. Wenn Du den Artikel bis zu diesem Punkt gelesen hast, dann siehst Du wie sich die ganze Theologie entfaltet bis zu diesem Punkt: Liebe. Und nun musst Du wirklich stark sein, egal ob Du schon Monotheist bis oder nicht. Denn wir werden nun die Essenz dessen heraus arbeiten, was Gott von uns will. Im Endergebnis wirst Du in Deinem eigenen Sein und Sinn ankommen. Wir werden sogar Gott direkt mit unserem Herzen zuhören können. Und für alle die Jesus lieben, Christen und Muslime, ja, auch Jesu Worte werden wir dazu lesen.

Zunächst muss man sich über eines völlig im Klaren sein: Gott liebt uns. Daran besteht kein Zweifel. 113 von 114 Suren des Quran beginnen damit, dass er unser barmherzige und vergebende Schöpfer ist. Der Quran sagt, dass Gott sich selbst die Barmherzigkeit auferlegt hat, dass er uns vergeben will. Und als authentisch eingestufte Überlieferungen sagen, dass wenn wir nur einen Schritt auf Gott zu machen, er uns sozusagen entgegen rennt. Gott will, dass wir ihn suchen und er sagt, er wäre da. Den vielen europäisch sozialisierten Leserinnen und Lesern dürfte aber die Bibel näher als der Quran sein und das ist ok. Es gibt keinen Grund die Bibel hier nicht auch wieder zu zitieren, selbst das Neue Testament der Bibel in den frühen Kirchenbriefen. Denn am Ende dieses Artikels werdet ihr sehen, dass es tatsächlich bei diesem wichtigen Kern keinen Unterschied gibt.

Die Bibel weisst einen Aspekt auf, der in Punkto Liebe unübertroffen gut beschrieben ist: Sie sagt, dass Gott Liebe IST (1.Johannes 4:16).

Und da der griechisch-apostolische Teil der Bibel mehr eine Erzählung über die ersten Christen vor 2000 Jahren ist, als eine Offenbarung oder Rechtleitung, wie man es von der Thora oder dem Qur’an kennt, findet man ein hohes Lied auf die Liebe in dieser Erzählung. Es ist eine Hommage an die Liebe:

Wenn ich in Sprachen der Menschen und der Engel redete, aber keine Liebe hätte, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle. Und wenn ich Weissagung hätte und alle Geheimnisse wüsste und alle Erkenntnis, und wenn ich allen Glauben besäße, sodass ich Berge versetzte, aber keine Liebe hätte, so wäre ich nichts.Und wenn ich alle meine Habe austeilte und meinen Leib hingäbe, damit ich verbrannt würde, aber keine Liebe hätte, so nützte es mir nichts! Die Liebe ist langmütig und gütig, die Liebe beneidet nicht, die Liebe prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf; sie ist nicht unanständig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu; sie freut sich nicht an der Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit; sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie erduldet alles.“ (1.Korinther 13:1-7)

Offenbar ist nichts größer als Gott, der alle Dinge erschaffen hat. Aber es ist auch keine Eigenschaft größer als die Liebe. Und Gott IST Liebe. Dadurch wird neben der ganze schöpferischen Macht Gott nochmals eine größere Stufe zugeschrieben. Aber dieser Text über die Liebe zeigt auch, was selbst große Taten oder Erkenntnisse ohne die Liebe wert sind: Nichts. Also selbst wenn man allen Glauben hätte, sogar einen so starken wie der von dem Jesus/Isa sprach, „um Berge zu versetzen“, ohne Liebe ist es nichts.

Und hier schliesst sich doch der Kreis ganz deutlich. Gott IST Liebe, Gott ist der Allerbarmer und barmherzige Schöpfer, wie ihn der Qur’an auch beschreibt. Das größte was wir tun können ist (1) ihn zu lieben und (2) den Nächsten wie uns selbst. Das wird uns nicht nur zu Gott führen, sondern wie wir weiter sehen werden, das hier und jetzt auf einen Moment reduzieren, der vorbei geht. Lesen wir was Jesus von Nazareth, Isa bin Maryam, der Sohn der Maria, sagte:

„Da trat einer der Schriftgelehrten herzu, der ihrem Wortwechsel zugehört hatte, und weil er sah, dass er ihnen gut geantwortet hatte, fragte er ihn: Welches ist das erste Gebot unter allen?

Jesus aber antwortete ihm: Das erste Gebot unter allen ist: »Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist Herr allein; 30 und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Denken und mit deiner ganzen Kraft!« Dies ist das erste Gebot.

Und das zweite ist [ihm] vergleichbar, nämlich dies: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!« Größer als diese ist kein anderes Gebot. 32 Und der Schriftgelehrte sprach zu ihm: Recht so, Meister! Es ist in Wahrheit so, wie du sagst, dass es nur einen Gott gibt und keinen anderen außer ihm; und ihn zu lieben mit ganzem Herzen und mit ganzem Verständnis und mit ganzer Seele und mit aller Kraft und den Nächsten zu lieben wie sich selbst, das ist mehr als alle Brandopfer und Schlachtopfer! 34 Und da Jesus sah, dass er verständig geantwortet hatte, sprach er zu ihm: Du bist nicht fern vom Reich Gottes! Und es getraute sich niemand mehr, ihn weiter zu fragen.“

Jesus zitierte hier das sogenannte Schma Israel aus 5.Mose 6:4-9, die monotheistische Quintessenz des Judentums: „Höre Israel! Der Ewige, unser Gott, der Ewige ist eins.“ Und als Gesandter Gottes (oder „Sohn“ aus christlicher Sicht) ergänzte es um die Konsequenz aus den 10 Geboten: „Liebe den nächsten wie Dich selbst.“ Das wäre der Schlüssel für ein Leben danach, das Reich Gottes oder Königreich der Himmel. Das wird an vielen anderen Stellen der Evangelien bestätigt, beispielsweise bei der Szene mit dem reichen Jüngling aus Markus 10, der auch wissen wollte wie man in das Königreich gelangt. 

Wie kommt man ins Paradies? Hier könnte ich schreiben, fragen Sie ihren Arzt oder Apotheker, oder die Religionsgemeinschaft, die Ihr Gehirn am meisten manipuliert. Oder fragen wir doch besser Jesus selbst.

„Und als er auf den Weg hinausging, lief einer herzu, fiel vor ihm auf die Knie und fragte ihn: Guter Meister, was soll ich tun, um das ewige Leben zu erben?18 Jesus aber sprach zu ihm: Was nennst du mich gut? Niemand ist gut als Gott allein! 19 Du kennst die Gebote: »Du sollst nicht ehebrechen! Du sollst nicht töten! Du sollst nicht stehlen! Du sollst nicht falsches Zeugnis reden! Du sollst nicht rauben! Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren!«[2] 20 Er aber antwortete und sprach zu ihm: Meister, das alles habe ich gehalten von meiner Jugend an. 21 Da blickte ihn Jesus an und gewann ihn lieb und sprach zu ihm: Eines fehlt dir! Geh hin, verkaufe alles, was du hast, und gib es den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben; und komm, nimm das Kreuz auf dich und folge mir nach! 22 Er aber wurde traurig über dieses Wort und ging betrübt davon; denn er hatte viele Güter. 23 Da blickte Jesus umher und sprach zu seinen Jüngern: Wie schwer werden die Reichen in das Reich Gottes eingehen! 24 Die Jünger aber erstaunten über seine Worte. Da begann Jesus wiederum und sprach zu ihnen: Kinder, wie schwer ist es für die, welche ihr Vertrauen auf Reichtum setzen, in das Reich Gottes hineinzukommen! 25 Es ist leichter, dass ein Kamel durch das Nadelöhr geht, als dass ein Reicher in das Reich Gottes hineinkommt. 26 Sie aber entsetzten sich sehr und sprachen untereinander: Wer kann dann überhaupt errettet werden? 27 Jesus aber blickte sie an und sprach: Bei den Menschen ist es unmöglich, aber nicht bei Gott! Denn bei Gott sind alle Dinge möglich.“  (Markus 10:17-27, Schlachter)

Diese Texte mögen manche noch kennen, oder irgendwo gehört haben. Und doch geht hier ein ganz entscheidender Punkt unter. Die meisten denken bei dem größten Gebot an die Nächstenliebe. Dabei ist es das zweite Gebot, was zwar dem ersten in Wertigkeit gleich ist, aber zuerst nannte Jesus den reinen und klaren Monotheismus. NICHTS hat dieses Platz verdient, denn wir sollen Gott „lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Denken und mit deiner ganzen Kraft!

Jetzt mag mancher aber sagen ok, das waren Jesu Aussagen. Aber was sagt denn Gott selbst dazu, wenn Jesus nicht Gott ist? Dazu schauen wir uns eine Textpassage aus dem Alten Testament der Bibel an, in der Gott direkt an die Kinder Israels seine Worte richtet. Direkter geht es kaum und die wenigsten kennen diese Passage. Selbst langjährige Bibelleser sind hier oft sprachlos. Lesen wir 5. Mose 13 ab dem Vers 2 und stellen wir uns folgende Frage: Was will Gott von uns Menschen? Was sollte die ERSTE Priorität in unserem Leben haben?

2 Wenn ein Prophet oder Träumer in deiner Mitte aufsteht und dir ein Zeichen oder Wunder ankündigt 3 und das Zeichen oder Wunder trifft ein, von dem er dir gesagt hat, und er spricht: Lasst uns andern Göttern folgen, die ihr nicht kennt, und ihnen dienen, 4 so sollst du nicht gehorchen den Worten eines solchen Propheten oder Träumers; denn der HERR, euer Gott, versucht euch, um zu erfahren, ob ihr ihn von ganzem Herzen und von ganzer Seele lieb habt. 5 Dem HERRN, eurem Gott, sollt ihr folgen und ihn fürchten und seine Gebote halten und seiner Stimme gehorchen und ihm dienen und ihm anhangen. 6 Der Prophet aber oder der Träumer soll sterben, weil er Aufruhr gepredigt hat gegen den HERRN, euren Gott, der euch aus Ägyptenland geführt und dich aus der Knechtschaft erlöst hat, und weil er dich von dem Wege abbringen wollte, auf dem du wandeln sollst, wie der HERR, dein Gott, geboten hat –, auf dass du das Böse aus deiner Mitte wegtust. 7 Wenn dich dein Bruder, deiner Mutter Sohn, oder dein Sohn oder deine Tochter oder deine Frau in deinen Armen oder dein Freund, der dir so lieb ist wie dein Leben, heimlich überreden würde und sagen: Lasst uns hingehen und andern Göttern dienen, die du nicht kennst noch deine Väter, 8 von den Göttern der Völker, die um euch her sind, sie seien dir nah oder fern, von einem Ende der Erde bis ans andere, 9 so willige nicht ein und gehorche ihm nicht. Auch soll dein Auge ihn nicht schonen, und du sollst dich seiner nicht erbarmen und seine Schuld nicht verheimlichen, 10 sondern sollst ihn zum Tode bringen. Deine Hand soll die erste wider ihn sein, ihn zu töten, und danach die Hand des ganzen Volks. 11 Du sollst ihn zu Tode steinigen, denn er hat dich abbringen wollen von dem HERRN, deinem Gott, der dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt hat, 12 auf dass ganz Israel aufhorche und sich fürchte und man nicht mehr solch Böses tue in deiner Mitte. 13 Wenn du hörst von einer deiner Städte, die dir der HERR, dein Gott, gibt, darin zu wohnen, dass man sagt: 14 Es sind ruchlose Leute aufgetreten aus deiner Mitte und haben die Bürger ihrer Stadt verführt und gesagt: Lasst uns hingehen und andern Göttern dienen, die ihr nicht kennt, 15 so sollst du gründlich suchen, forschen und fragen. Und wenn sich findet, dass es gewiss ist, dass solch ein Gräuel in deiner Mitte geschehen ist, 16 so sollst du die Bürger dieser Stadt erschlagen mit der Schärfe des Schwerts und an ihr den Bann vollstrecken, an allem, was darin ist, auch an ihrem Vieh, mit der Schärfe des Schwerts. 17 Und alles, was in ihr erbeutet wird, sollst du sammeln mitten auf dem Marktplatz und mit Feuer verbrennen die Stadt und alle ihre Beute als ein Ganzopfer für den HERRN, deinen Gott, dass sie in Trümmern liege für immer und nie wieder aufgebaut werde. 18 Und lass nichts von dem, was dem Bann verfallen ist, an deiner Hand kleben, auf dass der HERR von seinem grimmigen Zorn abgewendet werde und gebe dir Barmherzigkeit und erbarme sich deiner und mehre dich, wie er deinen Vätern geschworen hat, 19 weil du der Stimme des HERRN, deines Gottes, gehorchst und alle seine Gebote hältst, die ich dir heute gebiete, dass du tust, was recht ist vor den Augen des HERRN, deines Gottes.

Eigentlich ist dem nichts mehr hinzu zu fügen. Das sind Gottes eigene Worte. Wir können dem Text ganz eindeutig entnehmen, dass der Monotheismus kompromisslos sein sollte. Nur EIN Gott. Und NUR diesen beten wir an. Anbetung hat wie es Jesus sagte mit Liebe von ganzem Herzen zu tun, mit ganzer Seele und ganzem Verstand.

Aber absolut bemerkenswert finde ich an dieser Passage diese Aussage unseres Schöpfers: denn der HERR, euer Gott, versucht euch, um zu erfahren, ob ihr ihn von ganzem Herzen und von ganzer Seele lieb habt. Das ist exakt NICHT das, was man im Christentum hört. Das ist, surprise, surprise… ISLAM. Und das ist ja auch kein Wunder. Denn es gibt nur den EINEN Gott. Dieser ändert sich nicht, auch wenn Menschen ihm das andichten wollen. Er ist durch alle Jahrtausende der Gleiche. Und ihm zu dienen bedeutet nichts anderes, als sich seinem Willen zu unterwerfen mit Herz, Sinn und Verstand. Ein Diener Gottes zu sein bedeutet frei von dieser Welt zu sein. Wir sind entweder Sklaven von Menschen, oder von Gott. Und eines ist sicher: Letzteres ist das Beste, was uns in unserem Leben hier passieren kann. Ein Sklave oder Diener Gottes zu sein bedeutet ihn zu lieben. Ihn, der die Liebe ist und der uns unendlich mit Barmherzigkeit und Liebe überhäufen will. Und ja, die Beschreibung, dass Gott Liebe IST, ist die wohl einzige Stelle der Bibel, die noch direkter als es der Quran diese Tatsache beschreibt.

Verstehen wir die Bedeutung dieser Aussagen?

In wem jetzt so ein leichtes „die Wahrheit wird euch frei machen“ Gefühl aufkommt, der ist auf der richtigen Spur. Wir werden uns nun dem letzten Punkt zuwenden: Wahrheit.

Eine Person in traditioneller, gewandter Kleidung, die sich über Sand beugt und mit einem Finger eine Spur im Sand zeichnet.
Was ist Wahrheit? Die meisten Menschen wollen die Antwort darauf gar nicht wissen. Die Antwort lautet: Gott ist die Wahrheit. Folglich sind seine Gesetze Wahrheit und auch ausgesandte Propheten wie Jesus Wahrheit. Aber heute geht man lieber eigenen „Wahrheiten“ nach.

Wahrheit

Was ist Wahrheit? Die Wahrheit hat etwas sehr Absolutes, auch wenn das für unsere Ohren vielleicht ungewohnt klingt, da wir heute in dieser „alles ist ja relativ“ Welt leben. Der Einheitsbrei lässt sich leichter vermitteln, bringt mehr Zuspruch, Fans und Follower. Bloss nicht anecken. Und doch wird niemand behaupten, dass die physikalischen und mathematischen Gesetze des Universums relativ sind. Es würde sich keiner in eine Rakete zum Mond setzen, dessen Konstrukteure dem Grundsatz beim Bau folgten, dass alles relativ und nicht so genau zu nehmen ist. Das ausgerechnet das was Zufall sein soll, das unermesslich grosse Universum, welches auf Millisekunden und Zentimeter abgestimmt ist uns lehrt, dass nicht alles relativ ist, kann einem zu denken geben. Es gibt durchaus absolute Wahrheiten in dieser Welt und wir verlassen uns darauf. Auf diesen Wahrheiten kann man feste und stabile Gedanken aufbauen.

Glauben und Religion scheint da eher etwas schwammig zu wirken, denn sobald man über die Erkenntnis, dass es einen Schöpfer gibt hinaus geht, trifft man auf Milliarden von Glaubensansichten. Das man hier schwierig einen Konsens findet und oft abgeschreckt ist, liegt auch an einem der größten Feinde der Wahrheit, der Heuchelei. Ein aus der Satanischen Bibel entnommenes Zitat LaVeys verdeutlicht den Standpunkt der Church of Satan und zeigt gleichzeitig das grosse Problem mit dem Begriff Wahrheit in Verbindung mit Glauben und Religion. Die Heuchelei ist einer der Hauptfeinde der Wahrheit und anhand dieses drastischen Beispiels der Church of Satan versteht sofort jeder warum:

„Samstagabends sah ich Männer beim Karneval halbnackten Mädchen hinterherstieren, und sonntagmorgens sah ich dieselben Männer auf der Kirchenbank mit ihren Ehefrauen und Kindern, wie sie Gott baten, ihnen zu vergeben und sie von ihren fleischlichen Sünden zu befreien. Und am nächsten Samstagabend würden sie wieder zurück beim Karneval oder anderen Stätten des Genusses sein. Da wurde mir klar, dass die Kirche auf Heuchelei beruht und des Menschen fleischliche Natur hervortreten wird.“

9 Grundsatz der Church of Satan: Satan ist der beste Freund, den die Kirche jemals gehabt hat, denn er hat sie all die ganzen Jahre über am Leben erhalten. (Quelle: Wikipedia)

Aber wenn man über den Begriff Wahrheit nachdenkt, dann kommt im religiösen Kontext schnell der Text aus Johannes 14:6 „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater als nur durch mich!“ in den Sinn. Oder der berühmte Text aus Johannes 8:32, den Eckard Tolle brillant erklärte:

„Dogmen, ob religiöse, politische oder wissenschaftliche, entspringen der irrigen Überzeugung, Gedanken könnten die Wirklichkeit oder Wahrheit in sich schließen. Dogmen sind kollektive mentale Gefängnisse. Das Unmanifeste befreit dich erst, wenn du bewusst in es eintrittst. Deshalb sagt Jesus nicht: „Die Wahrheit wird dich befreien“, sondern: „Du wirst die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird dich befreien.““

Der größte Feind der Wahrheit ist die Heuchelei und die Lüge. Das war zu der Zeit von Jesus von Nazareth selbst auch schon so. Oft prangerte er die ganze Verlogenheit der geistlichen Führung von damals an. Und wenn man das selbst in den Evangelien nachliest (ab Matthäus 23, Link) dann merkt man, das trifft wohl heute auf die meisten Führer der Religionen auch zu. Und auch auf viele, die ihnen nachfolgen. Zu jeder Religion findet man Skandale, Vertuschungen und schweren Betrug bis hin zu abscheulichen Taten wie Kindesmissbrauch. Und so produziert die Religion als selbst ernannte „Dienerin Gottes“ selbst ein Heer von Atheisten, die mit Gott für immer abgeschlossen haben. Nur zu Weihnachten werden sie dann daran erinnert, da war doch etwas.

Oft und zu Recht fragen Menschen heute, was ist denn „die Wahrheit“? Und auch ich bin oft in den letzten Jahren gefragt worden, was ist Wahrheit Martin? Wenn wir nach der Bibel gehen, dann finden wir Aussagen wie die gelesene, dass Jesus die Wahrheit ist, was in gewisser Weise ja auch stimmt. Oder dass „Gottes Wort“ Wahrheit ist, also seine Gesetze. Es heisst im Alten Testament auch direkt, Deine (Gottes) Satzungen (Gesetze) sind Wahrheit. Für viele Menschen ist heute auch das Universum oder das Schicksal Wahrheit. Oder eben, jeder hat selbst seine Wahrheit. Und nun sind wir wieder an einem Punkt, bei dem der Quran die deutlichere Aussage macht indem er sagt, dass Gott die Wahrheit ist.

(6) Dies (ist so), weil Allah die Wahrheit ist und weil Er es ist, Der die Toten lebendig macht, und weil Er die Macht über alles hat.

Quran, Al-Hajj (22) : 6

Gott ist die Wahrheit, weil er als Schöpfer und Urheber aller Dinge die Macht über alles hat und den Maßstab für gut und böse und die absolute Wahrheit festlegen kann. Das sollte eigentlich logisch sein. Interessant wird es allerdings, wenn wir die Aussage, dass Gott die Wahrheit ist, noch an einer anderen Stelle im Quran betrachten: „Dies, weil Allah die Wahrheit ist und weil das, was sie anstatt Seiner anrufen, das Falsche ist (…)“ Quran 31:30

Wir haben bisher gesehen, dass es Gott darum geht, dass wir ihn alleine anbeten und dass das bedeutet, dass wir ihn mit ganzem Herzen, Sinn und Verstand lieben. Die meisten Menschen tun aber genau das nicht. Das was die meisten Menschen „anrufen“, ein Synonym für um Hilfe bitte und auch für Anbetung sind menschliche Dinge oder sogar andere Menschen. Menschen suchen ihr „Heil“ bei Guru’s, im Geld, in der Politik, in ihren eigenen Begierden. Das sind übrigens die gleichen Menschen, die dann sagen, dass es keine absolute Wahrheit gibt.

An dieser Stelle muss ich auch einen Stab über die Kirchenbriefe und Berichte im Neuen Testament der Bibel brechen. Denn selbst dort wurde an vielen Stellen doch noch sehr deutlich formuliert, was wir heute als islamischen Content sehen würden:

„Petrus und die Apostel antworteten: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.“ (Apostelgeschichte 5,29 – Einheitsübersetzung)

„Ihr seid teuer erkauft; werdet nicht Knechte der Menschen!“ (1.Korinther 7:23)

Im Alten Testament der Bibel (aramäisch-hebräische Schriften) finden wir viele Aussagen wie diese:

„Verlasst euch nicht auf Fürsten, auf ein Menschenkind, bei dem keine Rettung ist!“ (Psalm 146:3)

„So spricht der HERR: Verflucht ist der Mann, der auf Menschen vertraut und Fleisch zu seinem Arm macht, und dessen Herz vom HERRN weicht!“ (Jeremia 17:5)

Und alle diese Aussagen unterstreichen genau das: „weil sie anstatt seiner das Falsche anrufen“. Gott ist die Wahrheit, nur bei ihm gibt es Rettung und nur ihn sollen wir anbeten. Wenn Gott nun die Wahrheit ist, dann wird genau diese Wahrheit uns frei machen. Frei von Ängsten, von dieser Welt, von der Sklaverei von Menschen und letztlich auch frei von eigener Sünde und dem Tod.

Eine handgeschriebene Schriftrolle mit alten Texten, während eine Hand mit einem Füllfederhalter darüber fährt.
Die Botschaft an die Kinder Israels war: „Höre oh Israel, Dein Gott ist EINER“. Gott hat sich nie geändert. Der Gott des Alten Testaments ist der Gott, den Jesus verkündete und den er selbst anbetete, wie wir in den Evangelien lesen können. Es ist der Gott, der sich erneut bei Mohammedﷺ  offenbarte um das zu bekräftigen, was den Kindern Israels und Jesus gesagt wurde. So steht es im Quran (Sure 5:68, 10:94).

Monotheismus

Grundsätzlich wie unter dem Bildtext erklärt, gibt es drei monotheistische Hauptströmungen unter den Religionen, wovon die älteste das Judentum ist, daraus dann das Christentum später entstand und danach dann der Islam, der ein Jahrhundert lang bei manchen christlichen Gelehrten nicht als eigene Religion galt, sondern als Häresie oder Sonderlehre des Christentums (z. B. nach Johannes von Damaskus). Fragt man einen Juden, Christen oder Muslim, bekommt man natürlich eine Erklärung, die aus der Perspektive der jeweilige Religion die Entwicklung umschreibt. Viele Juden, Christen oder Muslime können den jeweiligen Standpunkt sehr überzeugend erklären und ich habe buchstäblich seit Jahren schon Gespräche bis tief in die Nacht mit verschiedenen Freunden verschiedener Konfessionen geführt.

Wie kann man aber für sich einen Kern heraus arbeiten? Hier kann ich schreiben, wie ich das gemacht habe. Kurz erklärt würde ich sagen, dass wir eine sehr gute Quellenlage bei der Entwicklung des Christentums von Paulus und der Urkirche haben, über die Konzile bis heute. Historisch lässt sich also sehr gut belegen, dass der heutige christliche Glaube aus vielen Dogmen entstanden ist, die nicht in der Bibel klar zu finden sind, sondern erst durch Deutungen von Texten. Das Judentum selber war immer sehr klar auf den einen Gott ausgerichtet. Das historische Volk Israel hat durch Jahrhunderte hindurch viele bittere Lektionen in Bezug auf den Götzendienst erlernt, davon spricht das ganze alte Testament der Bibel. Als Jesus von Nazareth auf die Weltbühne trat, war der Polytheismus kein Thema mehr, das sogenannte Schma Israel sagt ganz klar, Gott ist EINER. Nirgendwo in den Evangelien finden wir eine Aussage, die das in Frage stellen würde. Das Judentum zur Zeit Jesu bis heute hat eher das Problem, dass die Suche nach Gott durch ein gigantisches Regelwerk verkompliziert wird, durch viele Überlieferungen und Traditionen. Im Islam gibt es diese Problematik leider auch. Ohne jetzt auf die vielen Spaltungen innerhalb des Islams einzugehen (die der Qur’an verbietet) ist der heutige gelebte Islam sehr detailverliebt, hat aber auch eine sehr grosse Freiheit innerhalb des Spektrums der Ansichten. Innerhalb der ersten Jahrhunderte nach Mohammed war der Islam neben dem Judentum die einzig reine monotheistische Religion, da das Christentum zum Zeitpunkt der Hidschra 622 n.Chr. bereits nur die Trinität kannte und nicht mehr nur den EINEN Gott.

שִׁתּוּף & شرك

Das Schma Israel, (5.Mose 6:4 „Höre Israel, der HERR ist unser Gott, der HERR allein! 5 Und du sollst den HERRN, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft.“) das älteste monotheistische Glaubensbekenntnis besagt, dass Gott EINER ist und man ihm ausschliesslich ergeben sein soll. Das historische Volk Israel (im Qur’an: die Kinder Israels, in der Bibel in den hebräischen Schriften zu finden) führte viele Kriege gegen seine Nachbarn, ausschliesslich um den Polytheismus auszulöschen. Die „falsche Religion“ war definiert durch den Polytheismus. Aber das historische Volk Israel selbst führte auch einen inneren Kampf, denn immer wieder kam der Götzendienst auf, was schliesslich zu einer Spaltung des Reiches in ein 10 Stämme Reich und ein 2 Stämme Reich führte. Im „Gesetz Mose“, der Tora, ist ganz klar zu entnehmen, dass Gott ausschliessliche Anbetung gebührte und niemand anderen. Daraus entstand das Konzept „Shituf“, welches im arabischen als „Shirk“ bekannt ist, die grösste Sünde, die ein Israelit im historischen Israel begehen konnte und die heute im Islam möglich ist. Aber eigentlich ist das keine Frage des Judentums oder des Islam alleine, es ist die entscheidende Problematik, die man im Monotheismus verstehen muss.

Shituf (Hebrew: שִׁתּוּף‎; also transliterated as shittuf or schituf; literally „association“) is a term used in Jewish sources for the worship of God in a manner which Judaism does not deem to be purely monotheistic. The term connotes a theology that is not outright polytheistic, but also should not be seen as purely monotheistic. The term is primarily used in reference to the Christian Trinity by Jewish legal authorities who wish to distinguish Christianity from full-blown polytheism. Though a Jew would be forbidden from maintaining a shituf theology, non-Jews would, in some form, be permitted such a theology without being regarded as idolaters by Jews. (leider nur auf englisch, wie bei Finanzen ist die deutsche Wiki etwas dünn)

Schirk (arabisch شرك, DMG širk ‚Beigesellung‘) ist ein Begriff, der im Islam für Götzendienst, Polytheismus, Abgötterei, Idolatrie oder Ähnliches verwendet wird. Er kommt von der Wurzel š-r-k, die die Grundbedeutung „teilnehmen“, „Anteil haben“ trägt. Schirk heißt also, andere oder anderes an der Einzigkeit Gottes teilnehmen zu lassen: aschraka (أشرك). Gegenbegriff ist Tauhīd (توحيد tauḥīd) – „Monotheismus“ – abgeleitet von der Wurzel w-ḥ-d (وحد): „einzig oder allein sein“.

Wer das einmal verstanden hat und für sich Religion erfahren will, also das Konzept ernst nimmt und verinnerlicht, dem wird automatisch klar, dass heute nicht der Polytheismus das Problem ist, sondern eher die Anbetung oder Verehrung von Menschen, Bildern, Figuren, Organisationen, der Kirche, sonstigen Institutionen oder politischen Bewegungen. Monotheismus bedeutet, dass dem EINEN Gott ausschliessliche Ergebenheit gebührt und niemand anderes. Das mag erst mal neu und ungewohnt für unsere Ohren klingen, aber das Konzept ist so alt wie der Monotheismus selbst. Ernst gemeint bedeutet das aber automatisch, dass jede Art Missbrauch ausgeschossen wäre, würden sich daran alle gläubigen Menschen halten. Damit wäre die Welt definitiv ein besserer Ort und die Religion heute nicht so eine Jauchegrube. Denn jeder würde für sich die Spiritualität ausleben ohne Verführte zu sein oder Verführer zu werden.

Warum ist das zu Weihnachten wichtig zu wissen? Weil es theologisch eine ganz entscheidende Frage ist, wer Jesus ist. Ist Jesus einer von drei Göttern, oder ist Gott eben Gott und Jesus der, den Gott damals in die Welt ausgesendet hat mit allen Vollmachten, die wir der Bibel und dem Qur’an entnehmen können.

Es ist aber noch aus einem anderen Grund wichtig. Nämlich der Frage, ob es eine wahre Religion gibt. Gäbe es eine, dann müsste diese ja frei von menschlichen Kulten sein. Sie müsste auch frei sein von der Verehrung der Kirche oder Organisation oder Institution selbst. Es dürften auch keine Bilder und Figuren angebetet werden, noch sonst etwas physisches auf der Erde. Heutige „Vertreter“ oder „Kanäle Gottes“ wären ohnehin ausgeschlossen, mit den Schriften selbst wäre die Offenbarung abgeschlossen und alles vorhanden, was wir heute wissen müssen. (Steht dummerweise ja auch so geschrieben, schon wieder der Kontext 😉 ).

Hände, die dem Himmel entgegengehoben sind, vor einem sanften, pastellfarbenen Sonnenuntergang über dem Wasser.
Die Tatsache, dass es nur EINEN wahren Gott gibt heisst nicht automatisch, dass es EINE wahre Religion gibt. Denn zunächst muss man wissen, was Religion bei Gott bedeutet.

Gibt es eine wahre Religion?

„Wer die Wahrheit nur nach den Menschen bestimmt, der bleibt verloren auf der Ebene der Verwirrung. Erkenne vielmehr die Wahrheit – und du wirst ihre Menschen erkennen.“

Al-Ghazali

Nachdem klar ist, dass Gott die Wahrheit ist, müsste es ja auch eine „wahre Religion“ geben, oder?

Nein. Nicht in dem Sinne, wie Menschen es sehen. Menschen meinen mit Religion ja meistens ein Label, eine Organisation oder Struktur und wenn sie dieser dann angehören, dann wäre alles „gut“ und sie gerettet. Der Quran zeigt aber sehr deutlich, dass Religion bei Gott die Anbetung meint und erst nachdem das geklärt ist man sehen kann, welche Menschen sozusagen auch dieser Anbetung nachgehen und dazu gehören. Erst muss man die Wahrheit finden und dann ihre Menschen, nicht umgekehrt, wie es der Gelehrte Al-Ghazali schon ausformulierte. Eine bestechende Logik, wie ich finde.

Das größte textliche Glaubensvorbild eines Menschen liefert Abraham. In den drei großen Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam wird er als Ausgangspunkt der “Segnungen Gottes” betrachtet. Selbst Paulus sieht in Abraham den “Vater des Glaubens”. Welcher Religion gehörte eigentlich Abraham an?

Keiner. Und doch war er per Definition Muslim. Denn Abraham glaubte und vertraute den Verheißungen Gottes. Er glaubte an den EINEN wahren Gott als den Schöpfer aller Dinge, ohne mit allen Einzelheiten vertraut zu sein oder genau zu wissen, wie und wann Gott seine Verheißungen verwirklichen würde. Das versteht die Bibel unter dem Zeitwort “glauben”. Im Qur’an bzw. Islam wird das durch das Fitra-Konzept ausgesagt. Es gibt kein ich gehöre zu diesem „Verein“, sondern die Gewissheit, dass es diesen EINEN Gott gibt ist in jedem Menschen von Geburt an. Die Frage ist nur, inwieweit Sozialisierung und Ablenkungen auf diesem Weg des Lebens diese Gewissheit überlagern. Ganz verschwinden tut das Gefühl nie, es drückt sich nur anders aus. „Everybody worships“, jeder betet an. Esoterik und andere mit religiöser Leidenschaft ausgeübte Handlungen lassen grüssen.

Manche Religionsgemeinschaften führen gerne Matthäus 7:13,14 an um zu zeigen, dass sie exklusiv „wahr“ sind. Hier sagte Jesus: „Tretet ein durch das enge Tor! Denn weit ist das Tor und breit der Weg, der ins Verderben führt, und viele sind es, die da hineingehen. 14 Wie eng ist das Tor und wie schmal der Weg, der ins Leben führt, und wenige sind es, die ihn finden!“

Spricht Jesus hier von der Suche nach der wahren Religion? Nein, er spricht von “einem Weg” der zum Leben führt und dass es wenige sind, die ihn gehen würden. Beachten wir, dass Jesus beauftragt war nur zu den Juden zu gehen und dass er seine Worte auch nur an die damaligen Juden richtete (ach der Kontext, der kann ja so störend sein). Er wollte sie nicht auffordern die wahre Religion zu suchen und sich vom Judentum zu distanzieren. Mit diesen Worten führte er ihnen zu dieser Zeit lediglich vor Augen, dass nur wenige von ihnen, den Juden, ihn, den Messias, als den einzigen Weg zu Gott akzeptieren und erkennen würden. Ich könnte noch viele weitere Texte im Kontext heutiger Forschungen anführen die eindeutig zeigen, dass Jesus kein Religionsgründer war. Er musste auch keine Religion gründen, denn Religion im Sinne Gottes gab es schon seit Jahrtausenden: Nur den EINEN Gott anbeten.

Wie die Texte im Artikel weiter oben zeigen, geht es Gott nicht darum ob wir einem Label angehören oder uns dem zuordnen. Es geht darum, dass wir ihn anbeten und das aus tiefsten Herzen tun. Natürlich ist der Islam heute die „Religion“, in dem Gott angebetet wird, denn woanders ist es nunmal einfach nicht so. Das sollte eigentlich nun offensichtlich sein. Aber nicht die formelle Konversion zum Islam wird uns retten, nur wenn wir das mit Herz und reinem Beweggrund füllen, wird das der Beginn unserer Reise mit Gott sein, daran besteht für mich nach allem was ich gesehen habe kein Zweifel. Natürlich ist der Islam, insbesondere wenn man im sogenannten „Westen“ der Welt lebt nicht gerade fancy. Die Medien hassen einen, Menschen, die nur ihren eigenen Begierden nachgehen wollen verachten einen. Und schlechte Menschen mit dem Label „Muslime“ sorgen dafür, dass es immer ordentlich Material für neuen Hass gibt. Aber auch ohne sie wäre es nicht besser. Es ist nun einmal so, dass man als gläubiger Mensch nicht nur seinen Kampf mit sich selbst führt, sondern auch seinen Kampf mit einer Welt hat, die Gott nicht liebt. Für diese Welt ist Gott tot, ein Märchen. Umso erstaunlicher ist es allerdings, dass sie sich fast täglich bewusst darum bemühen alles durch den Dreck zu ziehen was gut, wahr und heilig ist. Sei es der Glauben, die Familie, die gesunde Moral.

Ob eine Religion letztlich wahr ist hängt nicht von ihrem Namen ab, nicht von ihren Bekennern oder „Mitgliedern“. Nicht davon woher sie kommt, nicht davon wie irgendwelche Menschen sie interpretieren. Ob eine Religion wahr ist hängt nicht davon ab, ob sie durch Politiker missbraucht wurde und wird, nicht davon, ob in ihrem Namen schlechte Dinge getan werden. Wenn Religion meinen soll, dass es um Gott geht, wenn das dass Ziel von Religion sein soll, dann kann nur Gott festlegen welche Religion wahr ist und in seinen Augen richtig. Und Gott sagt uns in der Bibel und im Quran nur eines: Meine Religion ist, dass ihr mich alleine anbetetet und dass ich in eurem Leben das Wichtigste bin. Meine Religion ist, dass ihr mich liebt. Meine Religion ist, dass ihr euch an meine Worte haltet. Und meine Religion ist, dass wenn ihr das tut, es euch gut gehen wird. Und ich werde euch segnen, habe euch in meiner letzten Offenbarung das Paradies versprochen, wenn ihr diesen Weg geht. Ich habe euch beides vorgelegt, den Segen und den Fluch, das Leben und den Tod. Und ihr sollt das Leben wählen.

Liebe Leserinnen und Leser, wollen wir das immer noch nicht begreifen? Steht denn nichts anderes in den Schriften? Es sind doch die Worte, die wir selbst gelesen haben. Wir müssen nur noch glauben. Es ist alles wahr! Es liegt bei uns diesen Schritt zu machen. Dazu müssen wir nichts bekennen. Im Islam ist es sogar so, dass wir das heimlich machen können, wenn es für uns Nachteile hat. Wenn nicht alles schon dafür spricht, dann doch das. Unser Schöpfer will, dass wir ihn anbeten und wenn es gar nicht anders ginge, dann könnten wir das sogar in aller Stille für uns tun. Gibt es denn noch irgendeinen Zweifel, dass Gott uns liebt?

Blick auf die Klagemauer in Jerusalem, mit der goldenen Kuppel des Felsendoms im Hintergrund und einer blauen Abendhimmelkulisse.
Das Königreich der Himmel.“ Was hier vor 2000 Jahren geschah hat wenig mit Weihnachten zu tun. Aber eine Menge mit unserem Leben. Egal wie wir Jesus von Nazareth jetzt sehen, als Prophet, als Sohn Gottes oder nur als historische Figur, vielleicht sind die Weihnachtsfeiertage die beste Zeit, einmal darüber genauer darüber nachzudenken.

2025 Jahre

2025 Jahre sind seit den Ereignissen um Jesus Christus in der römischen Provinz Palästina vergangen. Seit dieser Zeit warten Milliarden Menschen darauf, dass es eine Rückkehr gibt, wie sie in der Bibel vorausgesagt wurde. Christen und Muslime warten darauf, dass Jesus/Isa wiederkommt. Es ist für Milliarden von Menschen also die Hoffnung schlechthin. Erst in der heutigen Zeit leben wir in einer Phase der Menschheit, in der immer mehr gar nicht wissen, was es mit dem Advent, der Ankunft und Rückkehr eigentlich auf sich hat. Aber manche machen vielleicht einen Spaziergang durch die kalten Strassen, beobachten den fallenden Schnee und denken darüber nach, dass fast wieder ein Jahr vergangen ist. Ein weiteres Jahr, in dem vieles passierte, aber Jesus nicht wieder kam. Ein weiteres Jahr unseres Lebens, ein weiteres Jahr unbeschreibliches Leid auf der Erde. Ein weiteres Jahr, in dem Millionen Menschen starben, manche friedlich in ihrem Bett, manche in den zahllosen Kriegen und Konflikten dieser Erde, an Krankheiten, Seuchen oder durch Verbrechen. Die Erde ist der wohl schönste Planet, den wir bisher im Universum kennen, der einzige auf dem wir leben können. Zufall? Wohl kaum. Aber wir zerstören diesen Planeten und wir als Menschen haben die Erde zu einem verstörenden Ort gemacht. Für viele unserer Mitmenschen haben wir sie zur Hölle gemacht.

Wenn Jesus Christus wieder kommt, dann könnte man sich, nachdem was wir gelesen haben, einige Fragen stellen. Würde er in meine Kirche oder Moschee gehen? In meinen Gemeindesaal? Würde er in eine Synagoge wie damals gehen? Und wenn ja, warum? Wäre der Grund der, dass er dort die „wahre Religion“ vorfinden würde? Oder irgendwelche Auserwählte, gar einen besonders erleuchteten oder „Gerechten“, Menschen die besonders fromm sind? Einen Vertreter Gottes auf Erden?

Oder wäre der Grund der, dass er dort die Menschen suchen und mitnehmen würde, die so sind wie es in den Evangelien beschrieben wurde? Sünder, denen es aber leid tut und die bereuen. Menschen, die echten Glauben haben und lange gelitten haben. Menschen, die ihren Mitmenschen, den Armen, geholfen haben, obwohl sie vielleicht selbst wenig hatten. Menschen, die nicht Menschen folgten, sondern dem was final in der Schrift stand. Menschen, die sich kein „goldenes Kalb“ oder irgend ein anderes Substitut für Gott geschaffen haben. Menschen, die nicht über andere urteilten und richteten. Keine Hochmütigen und Selbstgerechten, sondern die Sanftmütigen. Menschen die Gott wirklich von Herzen lieben und ihn an die erste Stelle im Leben setzen.

Weihnachten ist kein christliches Fest, sicher nicht. Es hat historisch andere Ursprünge und viele Einzeltraditionen des heutigen Weihnachten sind aus den unterschiedlichsten Kulturen zusammengewürfelt. Aber es wird gefeiert, weil man zusammen sitzt und die Zeit geniesst. Man ist „besinnlich“, denkt nach. Hoffentlich. Und wenn das so ist, dann hat auch das etwas Gutes. Wir können das Rad der Geschichte nicht mehr zurück drehen. Aber die Überlegung zu Beginn dieses bisher längsten religiösen Artikels auf dieser Seite war, ob man aus all dem noch etwas gewinnen kann, in Bezug auf Liebe, Glaube und Hoffnung. Und heute würde ich sagen ja, das kann man.

Denn jede Zeit kann gut dafür sein, sich Gedanken zu machen und sein Leben zu ändern. Auch das Weihnachten 2025. Denn wir wissen nicht, ob wir ganz persönlich ein Weihnachten 2026 erleben werden, oder ob wir diese Erde dann schon verlassen haben, aus unserem Traum sozusagen aufgewacht sind. Macht es nicht Sinn, unsere eigene verbleibende Zeit in Dankbarkeit zu nutzen, für unseren Nächsten, unsere Mitmenschen da zu sein? Oder mit denen, die mit uns eine Glaubensfamilie sind. Familie ist Verwandtschaft. Andere sprechen von Brüder und Schwestern. Da ist man nicht gleich oder hat zu allem die gleiche Meinung. Aber man ist eine Familie und achtet sich und respektiert sich. Wir haben alle eine unterschiedliche Herkunft, eine andere Sozialisation. Vielleicht ist unsere Geburt und vor allem der Ort der Geburt der Grund für manchen Glauben und nicht die eigene Erkenntnis. Aber entscheidend ist der Glauben an den EINEN. Und ab da beginnt dann eben die persönliche Reise.

Das Flugzeug unseres Lebens rollt abends die Rollbahn entlang, biegt auf die Startbahn ein. Noch einmal wird alles gecheckt. Alles was wir wissen, alles was wir lernen konnten, alles was wir sehen konnten, alles was in unserer Macht stand. Wir geben Schub und das Flugzeug beschleunigt sich. Das erste Rad, welches den Boden der sicheren Gewissheit verlässt, ist das Bugrad. Der Bug hebt sich, noch sind die beiden Hinterräder auf der Rollbahn. Noch etwas physische Stabilität, noch etwas Sicherheit. Und dann kommt der Point of no return. Für das Bremsen reicht es nicht mehr. Wir müssen Schub geben. Die Räder verlassen jetzt ganz den Boden und wir spüren, wie die unsichtbare Kraft der Luftströmung unter den Tragflächen unser Flugzeug abheben lässt. Wir gewinnen Vertrauen, unser Flugzeug erhebt sich über den Zaun am Ende der Rollbahn, dann über den Wald dahinter. Ein erster Schritt. Unser Flugzeug fliegt in den offenen Himmel des Abends. Der Flughafen, die Gebäude, die Häuser und Strassen werden immer kleiner und immer unbedeutender. Je weiter wir steigen, desto weniger spielen die Dinge hinter uns eine Rolle, die Dinge auf der Erde. Sondern nur, dass wir uns auf die unsichtbare Kraft der Luft verlassen können. Wären wir nicht mutig gewesen und gestartet, wären wir nicht abgehoben, wir hätten nie gewusst wie das Fliegen ist, richtig? Und ja, aus Büchern alleine lernt man es nicht. Das ist nur die Theorie.

„Rufe mich an, so will ich dir antworten und dir große und unbegreifliche Dinge verkünden, die du nicht weißt.“ (Jeremia 33:2,3)

Vielleicht suchen wir dieser Tage einen schönen und abgeschiedenen Ort auf, ein Ort wo wir ganz alleine sind. Ich persönlich vermisse die Moscheen in traditionell muslimischen Ländern, weil man fast an jeder Ecke eine findet und die Türen immer offen sind. So hat man oft die Moschee für sich ganz alleine und kann ganz in Ruhe sein Herz ausschütten. Aber es muss keine Moschee sein. Entscheidend ist, dass wir das nicht aus Tradition tun oder weil es alle tun. Gehen wir zu dem Ort, von dem wir wissen, dass wir dort innerlich loslassen können. Beten wir, erzählen wir unserem Schöpfer unsere Gedanken, unsere Zweifel, unser Sorgen, was uns bewegt. Schütten wir unser Herz aus. Wenn wir diese Verbindung verloren glaubten, stellen wir sie wieder her. ER war nie weg, wir waren es. Und wir werden sehen, wohin uns dieser Neuanfang führt. Es ist wie diese Reise mit dem Flugzeug in den unbekannten Nachthimmel. Die Luft unter unseren Tragflächen ist nicht sichtbar, aber sie ist die ganze Zeit da. Sie trägt uns sanft und wir können darauf vertrauen. Wir müssen nicht alles darüber wissen, nicht alles verstehen und erklären können. Wir wissen nur, dass sie da ist. Sie ist immer da. Er ist immer da.

Euch allen schöne Feiertage, tiefe Gedanken, Gesundheit und einen guten Flug!

„Es gibt keine Materie, sondern nur ein Gewebe von Energien, dem durch intelligenten Geist Form gegeben wurde. Dieser Geist ist Urgrund aller Materie.“

Max Planck (Nobelpreis 1919)