„Hijab – an act of faith, a symbol of grace, and an expression of inner strength.“
Unbekannt
Heute, am 1. Februar 2025 ist der World Hijab Day. Ein nicht unumstrittener Tag in Teilen der Welt, genauer gesagt in der westlichen Welt. In der arabischen Welt bis hin nach Asien ist dieser Tag etwas völlig unverfängliches. Dass dies so ist, hat viel mit der Wahrnehmung zu tun und welche Medien man konsumiert, aber auch mit den jeweiligen Gesellschaften.
Schauen wir uns zunächst einmal an, was es mit dem World Hijab Day auf sich hat und gehen dann in die religiösen und auch (!!) kulturellen Details. So schreibt Wikipedia (Stand 01/2025) über den World Hijab Day:
Der Aktionstag wurde 2013 von der New Yorker Muslimin Nazma Khan ins Leben gerufen. Mit ihrer Idee möchte sie religiöse Toleranz und Verständnis fördern, indem sie Frauen einlädt, den Hijab für einen Tag zu erleben. Dieses Verständnis soll helfen, Kontroversen darüber entgegenzuwirken, warum muslimische Frauen sich dafür entscheiden, den Hijab zu tragen. Der World Hijab Day wird inzwischen in über 140 Ländern veranstaltet. Im Jahr 2017 erkannte der Staat New York den Welt-Hijab-Tag an und anlässlich desselben fand im britischen Unterhaus eine Veranstaltung statt, an der auch Theresa May (die damalige Premierministerin des Vereinigten Königreichs) teilnahm.
Als „sichtbare Muslimin“ machte Nazma Khan bereits früh Erfahrungen mit Vorurteilen und Stigmatisierung und erlebte während ihrer Schul- und Studienzeit immer wieder Diskriminierung aufgrund ihres Hijab. Aus dieser Perspektive heraus rief sie den World Hijab Day ins Leben, um Verständnis für die Perspektive Hijab tragender muslimischer Frauen zu wecken.
Die politische Situation und dadurch auch die Motivationen, Perspektiven und Möglichkeiten zur freien Willensbildung von Frauen sind stark von Gesellschaft und Epoche abhängig. In Deutschland (Stand 2020) nennen muslimische Frauen als wichtigstes Entscheidungskriterium für den Hijab ihr religiöses Selbstverständnis. Nur in weniger als 5 % der Fälle erwarten Familie, Partner oder Bekannte ein Kopftuch. Im Vergleich dazu sprechen sich bei Frauen, die kein Kopftuch tragen, in 17 % der Fälle Familie /Partner und in 22 % Bekannte, gegen ein Kopftuch aus. Darüber hinaus befürchtet ein Drittel der Frauen, sollten sie ein Kopftuch tragen, Nachteile in Schule, Ausbildung oder Beruf, in 16 % der Fälle existierten faktische Nachteile oder Kopftuchverbote.
Kontrovers: Von „antimuslimischem Rassismus“ sind Hijab tragende Frauen etwa anderthalbmal so häufig betroffen wie Frauen ohne Hijab. 2016 gaben in einer EU-weiten Studie knapp 40 Prozent der Frauen mit Kopftuch an, im Jahr zuvor Belästigungen erfahren zu haben, gut jede Fünfte wurde beleidigt und zwei Prozent wurden physisch angegriffen.
No-Hijab-Day: Um auf die Situation von Frauen, die den Hijab nicht freiwillig tragen, aufmerksam zu machen, rufen seit 2019 (ebenfalls am 1. Februar) Frauenrechtlerinnen wie die Saudi-Araberin Ensaf Haidar (Ehefrau des inhaftierten Raif Badawi) und die Bloggerin Yasmine Mohammed sowie Verbände wie Terre des Femmes und der Zentralrat der Ex-Muslime zum No Hijab Day („Tag gegen den Hijab“) auf.
Das ist laut Wikipedia erst einmal die nüchterne Sachlage zu diesem Tag. Der World-Hijab-Day ist ein Tag der Kontroverse, da der Hijab teilweise zu einem politischen Symbol wurde. Das ist neben seiner kulturellen und religiösen Bedeutung durchaus ein Problem, da der Fokus bei diesem Thema komplett verschoben wurde. Schauen wir uns kurz an was es mit dem Thema Hijab auf sich hat, indem wir in den Quran selbst schauen. Das führt zu sehr erstaunlichen Erkenntnissen.
Interessant sind auch ein paar Daten, die zum Thema Hijab und Muslimas erhoben wurden. Kontext is King.
Hidschāb, (arabisch حجاب, ḥiǧāb ‚Hülle, Vorhang, Schleier, Schirm, Scheidewand, spanische Wand; Schranke‘) ist ein arabischer Begriff, der verschiedene Formen der Abtrennung umfasst und aus der arabischen Grundform حجب, ḥaǧaba ‚verhüllen, abschließen, abschirmen; dem Blick entziehen‘ abgeleitet ist.
Was sagt der Quran denn über den Hijab? Im Quran wird der Begriff „Hijab“ für verschiedene Bedeutungen benutzt. In Sure 7:46 bezeichnet es die Trennwand zwischen den Insassen der Hölle und den Bewohnern des Paradieses, in Sure 17:45 und 41:5 die Trennwand zwischen Mohammed und den Ungläubigen, in Sure 42:51 die Trennwand zwischen Gott und Mensch beim Prozess der Offenbarung.
Bezogen auf Frauen findet sich die elementare quranische Aussage zum Hijab in Sure 24:31:
31. „Und sag (auch) den gläubigen Frauen, sie sollen ihre Blicke senken und ihre Scham wahren, und ihre Reize nicht offenbaren, ausser was davon sichtbar bleibt. Sie sollen ihre Kopftücher über ihre Brüste ziehen und ihren Schmuck nicht offenkundig zeigen, ausser vor ihren Ehemännern, ihren Vätern, den Vätern ihrer Ehemänner, ihren Söhnen, den Söhnen ihrer Ehemänner, ihren Brüdern, den Söhnen ihrer Brüder, den Söhnen ihrer Schwestern, den gläubigen Frauen, den unfreien (Frauen), den männlichen Bediensteten, die kein Verlangen (mehr) verspüren, und den Kindern, die noch nicht auf die Blösse der Frauen aufmerksam geworden sind. Und sie sollen nicht mit ihren Füssen auf den Boden stampfen, um auf den verborgenen Schmuck aufmerksam zu machen. Und wendet euch allesamt Allah reumütig zu, ihr Gläubigen, auf dass ihr Erfolg haben mögt.“
So manchem wird jetzt klar, dass Gottes Wort direkt also nicht von dem Hijab spricht, den manche heute meinen. Ein Teil der Sure wird in der islamischen Überlieferung als „Hijab des Herzens“ bezeichnet und bedeutet einen keuschen Lebenswandel führen. Der andere Teil meint die Bedeckung von weiblichen Reizen – im Gegensatz zu der heute weit verbreiteten „Nacktheit ist Freiheit“ Ansicht über Frauen. Noch interessanter wird es allerdings, wenn man die Aya (Vers) vorne dran betrachtet. Diese Aya wird gerne von manchen Männern übersehen, die sich eine fromme und bedeckte Frau wünschen Aber selbst eher weniger den klaren Aussagen des Quran folgen, um es einmal vorsichtig zu formulieren. Hier kann man durchaus von Doppelmoral sprechen:
30. „Sag den gläubigen (Männern), sie sollen ihre Blicke senken und ihre Scham wahren. Das ist lauterer für sie. Und Allah ist der Allkundige über ihr Tun.“
Bevor sich Gott also an die Frauen wendet, wandte er sich an die Männer. Und diese sollen „ihre Blicke senken“ um ihre Scham (Keuschheit, Unverdorbenheit) zu bewahren. Ich lass das mal so stehen. Angesichts dessen, dass fast zwei Milliarden Menschen inklusive mir selbst davon überzeugt sind, dass der Quran Gottes Willen enthält, ist das eine äußerst deutliche Aussage. Der „Hijab des Herzens“ ist also etwas, was offenbar Männer UND Frauen betrifft. Und damit ist der Quran auch wieder ganz bei der Bibel (in dem Fall AT und NT), wenn es um das Thema Keuschheit geht. Damit ergibt sich ganz klar ein anderes Bild als das, was man leider auch des Öfteren sehen kann: Ein Mann, der, sagen wir moralisch flexibel ist, aber darauf besteht, eine bedeckte und fromme Muslima als Frau zu haben. Und ja, diesen Gedanken muss man durchdenken, wenn man den Quran ernst nimmt. Und schon haben wir einen ganz anderen Blickwinkel auf das Thema.
Wie kommt es zu den heutigen Ansichten über den Hijab? Das ist ein Quellenthema, welches äußerst umfangreich ist. Ich habe dank unserer Safiya einige Quellen zusammen getragen für die Leserinnen und Leser, die das Thema interessiert. Kurz gesagt hat das alles mit muslimischen Überlieferungen zu tun, mit sogenannten „Hadithen“. Diese zweite Rechtsquelle des sunnitischen Islam ist extrem umfangreich und bedarf immer einer Auslegung. Es gibt vier grosse Rechtsschulen im sunnitischen Islam (sunnitisch = der Sunna folgend) und viele weitere Derivate davon.
Was ist die Sunna? Sunna bedeutet Brauch oder überlieferte Norm. Damit kann als Begriff vieles gemeint sein. Es kann meine „Sunna“ sein, jeden Sonntag frische Brötchen holen zu gehen. Die Sunna im heutigen islamischen Sinne meint die Lebensweise und Normen des Propheten Mohammed. Und diese entnimmt man den Überlieferungen (u.a. Hadithen). Wie authentisch diese sind oder auch nicht, ist ein Thema für sich. Hier wird viel geforscht und es gibt auch Reformbewegungen.
Hinzu kommt, dass wir noch andere Gruppen innerhalb des Islam haben, wie die Shia (davon auch wieder verschiedene Untergruppen) oder Strömungen wie Wahabiten oder die Al-Salafiyah. Die Liste ist lang. Aber vereinfacht gesagt, machen diese vielen Gruppen letztlich die Unterschiede innerhalb der islamischen Welt aus. Und vergessen wir bitte auch nicht, dass alleine das Thema Hadith- und Rechtswissenschaften eigene Fakultäten an Universitäten der muslimischen Welt hat. Wir können also im Hinterkopf behalten: Es ist komplex.
Weiterführende Quellen und Informationen zum Thema Hijab findet ihr bei uns HIER (öffentlicher Thread im Q&A Forum). Wenn ihr Fragen zum Thema habt, könnt ihr sie dort stellen.
Aus diesem Grund fokussiere ich mich in diesem Word-Hijab-Day Artikel auf zwei Aspekte des Hijab: Den tieferen Sinn dahinter – Hijab des Herzens – und die kulturellen und ganz persönlichen Aspekt der weiblichen Seele einer Muslima. Stellvertretend für muslimische Frauen habe ich einige interviewt. An dieser Stelle muss ich auch unbedingt betonen, dass es auch Muslimas gibt, die keinen Hijab tragen. Ich ich wehre mich vehement dagegen, diesen den Glauben abzusprechen, wie es leider heute oft vorkommt. Grundsätzlich ist eine Frau die Gott liebt und sich so gut sie kann bemüht ihn anzubeten und in ihrem Leben an die erste Stelle zu setzen eine Muslima. Eine Dienerin Gottes. Den persönlichen Struggle (neudeutsch: Probleme), den eine solche Frau in der heutigen Zeit hat, können wir gar nicht beurteilen und auch nicht in ihr Herz sehen. Zur Zeiten des Propheten Mohammed gab es viele Beispiele von Menschen, die nicht perfekt waren, aber Gott geliebt haben. Menschen, die Sünder waren. Und stets sagten Mohammed in Fällen, wo offenbar das Herz ganz für Gott war, aber sozusagen das Fleisch schwach war: Lasst ihn (oder sie), er liebt Allah. Daran sollten wir immer denken. Gott hasst stolze und selbstgerechte Menschen. Das war im AT der Bibel schon deutlich, Jesus machte das deutlich und im Quran ist das auch völlig eindeutig.
Persönlich habe ich mit meinen 43 Jahren so einiges an Erfahrung mit Religion in meinem Leben gesammelt. Viel Schein, wenig Sein. Und ja, leider auch viel Heuchelei. Der Islam hat mich zwar theologisch in seiner Klarheit überzeugt, aber die gelebte Realität ist dann oft nochmal etwas anderes. Eine große Ausnahme haben die Muslimas in meinem Leben gemacht. Einfach weil sie Frauen sind, die Gott wirklich lieben. Anders als das was ich vor dem Islam kannte, wo das fast ausnahmslos nur leeres Gerede war, ist bei meinen muslimischen Schwestern Gott wirklich das Wichtigste in ihrem Leben und der Alltag ist geprägt davon. Das hat mich stark beeindruckt, weil ich mir einfach nicht mehr vorstellen konnte, das es das wirklich gibt. Es erinnert an längst vergangene Zeiten des Islam. Zur Zeiten Mohammeds waren Frauen auch Lehrerinnen der Religion. Ihr Anteil am Islam war gewaltig. Ein Aspekt, der heute gerne vergessen wird und das, obwohl sich ja viele darauf berufen so leben zu wollen, wie es die ersten Generationen von Muslimen taten. Falls das überhaupt möglich ist, dann ist das noch ein weiter Weg.
Mit der Aussage der Hijab ist Kultur relativiere ich nicht die tiefere Bedeutung des Hijab, wie nun klar sein dürfte.
Diese Aussage reduziert das Thema keineswegs. Ganz im Gegenteil. Denn wer versteht, dass Kultur auch Identität bedeutet und dass Religion auch oft damit vermischt ist, der weiss um die Tiefe der Aussage. Alle Muslimas die Hijab tragen und die ich kenne, lieben ihren Hijab. Sie fühlen sich ohne „nackt“ und mit „beschützt“. Das war immer wieder die Aussage über die Jahre und ich könnte seitenweise darüber schreiben. Für mich als „Wester“ war es zu Beginn als ich den Islam kennen lernte immer ein Faszinosum mit diesen ganzen verschleierten Frauen. Es hat eine Weile gedauert, bis ich das Konzept begriffen hatte. Während man oft meint diese Frauen wären unterdrückt oder im Wert niedriger gestellt, empfinden diese sich mit dem Hijab als „beschützt“ in dem Sinne, wie man etwas Wertvolles behütet. Die letzten Jahre ist das klarer geworden, da die westliche Propaganda die Denkweise „Nacktheit ist Freiheit“ komplett implementierte. Überwiegend interessanterweise bei Frauen, weniger bei Männern. Die Sexualisierung der Gesellschaft wurden knallhart voran getrieben und die am meisten leidtragenden sind dabei die Frauen. Angesichts dieser Entwicklungen wirken „Hijabis“ dagegen wirklich beschützt, irgendwie nicht von dieser Welt und fast schon exotisch.
Es ist keine Frage, dass es auch Frauen gibt, die man zum Hijab zwingt, wie das leider teilweise politisch bedingt m Iran vorkommt. Oder dass man junge Mädchen dazu zwingt. Dass das quranisch gesehen vollkommen falsch ist, ist absolut eindeutig. (1) gibt es keinen Zwang im Glauben und (2) sind Handlungen in falscher (unechter) Absicht wertlos vor Gott. Was bringt also ein Zwang dazu? Abgesehen davon, treibt man den Mensch von Gott damit weg und das Gericht dafür will sicher niemand empfangen.
In unserem Umfeld (der von Mrs. Blackwater und mir) gibt es nicht eine einzige Frau, die zum Hijab gezwungen worden wäre. Wir bestreiten also nicht, dass es das nicht gibt, aber persönlich kennen wir solche Fälle nicht. Wir hatte auch vor zwei Jahren mal eine Umfrage dazu in unserer Community gemacht. Natürlich ist unsere Community nicht repräsentativ für die ganze Welt, aber wir hatten auch keine einzige Muslima die angab, dass sie gezwungen wurden wäre. Das Durchschnittsalter als die Damen anfingen Hijab zu tragen lag bei 15-16.
Die Muslimas heute, die beispielsweise in Deutschland Hijab tragen, sind zu einem gewissen Markenzeichen für den Islam geworden. Das ist eigentlich eine bemerkenswerte Leistung, da zum Hijab tragen auch ein gutes Benehmen gehört und meistens klappt das auch. Das kann man von den Herren der Schöpfung leider nicht immer behaupten. Wäre es anders, würde der Islam in Deutschland ganz anders gesehen und bewertet werden. Und darüber sollte alle Muslime einmal in Ruhe nachdenken.
Aber schauen wir mal, was einige muslimische Community Mitglieder von uns zum Thema Hijab sagen.
In Vorbereitung auf diesen Artikel habe ich einige Muslimas unserer Community und darüber hinaus gefragt, was sie über das Thema Hijab denken und wie sie sich damit fühlen. Hier ihre Aussagen, die sie unabhängig voneinander gemacht haben:
Hanan, 25, Kurdin aus dem Irak (Shia): „Ich glaube nicht daran, dass wir eine Seele haben. Sondern daran, dass wir eine Seele sind und einen Körper haben. Der Körper ist nur eine vergängliche Hülle. Ein vergänglicher Teil der Dunya. Die Gesellschaft sagt, dass selbstbewusste Frauen zeigen was sie haben. In Wirklichkeit ist es viel härter nicht zu zeigen was man hat. Zu akzeptieren wie man erschaffen wurde. Der Islam zeigte mir, dass als Frau meine Person viel wertvoller ist als mein Aussehen.“
Amila, 26, aus Bosnien (bosnische Muslima, in Bosnien ordnet man sich traditionell keiner Rechtsschule zu): „Mein Hijab ist Teil von mir und meiner Kultur und verbindet mich auch mit unserer Geschichte. Ich bin Alhamdulillah von Herzen Muslima und könnte es mir nicht anders vorstellen. Als Frau nicht modest und bedeckt zu sein kommt mir unwürdig und falsch vor. Ich fühle mich mit Hijab beschützt und Allah swt nahe und das jeden Tag“
Yasmeen, 29, Libanesin (Sunni): „Ich habe mich immer in meinem Leben als Muslima gefühlt, aber ich hatte schon Phasen in meinem Leben als ich keine Hijabi war. Und ich kenne den Unterschied, wie ich als Frau behandelt werde. Ich möchte nicht auf Äußeres reduziert werden. Der Hijab ist nicht nur ein Schutz, es ist auch ein Zeichen. Je näher ich zu meiner Religion zurück fand, desto stärker wurde ich als Mensch und umso mehr wollte ich auch wieder Hijab tragen. Hijab ist auch Kultur und Tradition, aber für mich ist es auch Nähe zu meinem Schöpfer. Es erinnert mich auch im Alltag immer daran.“
Sarah, 27, Syrerin (Shia): „Ich liebe meinen Hijab, weil mich das nicht nur mit meiner Religion verbindet, es verbindet mich auch mit meiner Kultur und Identität. Wer ich bin und für was ich stehen möchte. In unserer Welt ist Hijab auch Weiblichkeit und das ist etwas, was bei uns beschützt wird. Ich kann das nicht als Unterdrückung empfinden. Und ich weiss auch nicht was diese Freiheit sein soll, die damit kommt knapp und eng gekleidet als Frau rumzulaufen. Das wirkt für mich wie das Gegenteil, weil es uns Frauen auf den Körper reduziert. Und dadurch erleben wir dann wenig Respekt.“
Um es vorweg ganz deutlich zu sagen: Eigentlich spielt es kaum eine Rolle was ich als Martin darüber denke. Ich finde es immer extrem befremdlich bis peinlich, dass es viele muslimische YouTube Kanäle von Männern gibt, die sich dann ausführlich über die Bedeckung von Frauen auslassen. Gerade in Deutschland haben muslimische Männer mehr als genug zu tun, die bereits erwähnten Quranverse zu befolgen („senke Deine Blicke“) und sich nicht daneben zu benehmen, was letztlich eine Schande für die Religion ist und auch einer der Gründe, warum Muslime so negativ gesehen werden.
Es sind die Schwestern, die Muslimas, die meistens das positive Bild vermitteln. Sie sind zurückhaltend, bedeckt, bescheiden und gewinnen oft die Herzen einfach mit einem Lächeln und klaren Antworten, wenn man sie nach der Religion befragt. Ich weiss persönlich von vielen von Ihnen, dass es gar nicht mehr so einfach ist einen Partner zu finden, da muslimische Männer mit den Eigenschaften, wie es der Islam eigentlich verlangt, selten geworden sind. Dass das so ist sieht man auch in der muslimischen Welt, wo das Durchschnittsalter in Bezug auf Eheschliessungen seit Jahren immer weiter steigt. Viele bleiben dann sogar alleine, bevor sie in einer Ehe mit einem Mann unter ihrem Niveau sind.
Für mich steht ausser Frage, dass etwas Stoff eine Frau noch nicht zu einem guten Charakter macht. Und Frauen, die eine andere Religion als den Islam haben, sind deshalb nicht automatisch alle unmoralisch und schlecht, das sollte jedem mit etwas gesundem Menschenverstand klar sein. Klar ist aber auch, dass eine Frau, die Gott an die erste Stelle in ihrem Leben setzt, sich anders verhält als eine die das nicht tut. Und das ist eben genau die Erfahrung, die ich damit gemacht habe. Der Hijab macht eine Frau nicht zu einer gottesfürchtigen Frau. Aber eine Frau, der Gott nichts bedeutet, wird wohl kein Hijab tragen. Meine persönliche Erfahrung mit den „Hijabis“, die ich im Laufe der Jahre kennen gelernt habe, sind einfach wie bereits in diesem Artikel beschrieben: Sie lieben Gott, für sie ist er das Wichtigste in ihrem Leben. Ich habe in meiner christlichen Vergangenheit viele andere Frauen gekannt, die zwar behaupteten ihnen wäre Gott wichtig, aber deren Leben exakt das gleiche war wie bei den Frauen, die atheistisch sind und für die Religion keine Rolle spielt. Meine Erfahrung ist natürlich nicht repräsentativ. Aber es hat meine persönliche Sichtweise geprägt. Ich würde sagen, dass die Wahrscheinlichkeit bei einer bedeckten Muslima einfach hoch ist, dass sie Gott an die erste Stelle in ihrem Leben setzt. Weil sie durch den Hijab ja sich selbst eine gewisse Verpflichtung auferlegt.
Im Islam, wie der Quran ihn beschreibt, geht es um mehr als nur Stoff. Es geht um unser Inneres. Und beim Thema Hijab geht es darum, dass Männer und Frauen bedeckt sein sollten. Bei Frauen sind es ihre Reize, was sich eben aus ihrer Weiblichkeit ergibt (In islamischen Quellen als die schöneren Geschöpfe beschrieben) und davon haben sie mehr Stellen als wir Männer, um es mal so zu formulieren. Noch wichtiger ist aber der „Hijab des Herzens“. Und gerade in unserer modernen Welt, die von Sexualisierung und der Verbreitung von Pornographie dominiert wird, ist ganz klar was hier zu tun ist. „Senke Deine Blicke“ – oder wie es die Bibel schon sagte: „Halte meine Augen davon ab, nach Nichtigem zu schauen;“ (Psalm 119:37).
Der Hijab mag in vielerlei Hinsicht heute auch Kultur und Identität sein. Wen wundert das in einer Umgebung, in der Identität immer mehr aufgelöst wird und die Menschen „lost“ sind? Aber die tiefere Bedeutung des Hijabs ist etwas, was auch in der muslimischen Welt teilweise verloren geht, indem man den Hijab nur auf Frauen und Stoff reduziert. Aber genau das wäre Cherrypicking, denn die quranische Aussage ist viel umfassender. Und so lange nur Muslimas es sind, die als Botschafterin des Islams erkennbar sind, aber man bei muslimischen Männern an schändliches Verhalten denkt, so lange braucht man sich nicht zu wundern dass Menschen ein negatives Islambild haben. Am Ende leiden alle Muslime darunter.
Es steht außer Frage, dass westliche Propaganda die muslimische Welt negativ framed und dazu gehört auch die Frau mit Kopftuch, die unterdrückt wird. Wer Muslimas kennen lernt wird merken, dass es nicht so einfach ist. Klar gibt es auch die Unterdrückung von Frauen. Aber die hat viele Gesichter und ist nicht nur muslimisch. Die Unterdrückung von Frauen am Hijab fest zu machen entspricht reinem Schubladendenken und hat nach meiner Erfahrung sehr wenig mit der Realität in der muslimischen Community zu tun. Das merke ich auch daran, dass Leute die gegen den Hijab sind meisten Menschen sind, die entweder (1) die muslimische Community persönlich gar nicht kennen (2) den Islam sowieso ablehnen und sich nur auf Negativbeispiele fokussieren. Wenn man den Islam sowieso in Gänze ablehnt wird man – wie bei jeder anderen Religion auch – immer Gründe dafür finden. Aber das hat dann eben auch nichts mit einer unvoreingenommenen Wahrheitssuche zu tun. Heute kann jeder sich seine Bubble bauen und dort Tag aus Tag ein seine Vorurteile bestätigen lassen. Das gilt auch für mich. Aus diesem Grund bin ich auch heute noch stets offen mich zu hinterfragen und auch den Islam zu hinterfragen. Immer und immer wieder. Das hat mich aus den größten Irrtümern meines Lebens befreit und mich zum Islam geführt. Und innerhalb vom Islam hat es mich dazu geführt, dass ich jeden Tag besser verstehe was der Islam wirklich in seinem Kern ist. Oder anders gesagt: Meine Spiritualität wächst. Und das zeigt mir, dass ich auf dem richtigen Weg bin.
Wenn ich nun eine „Hijabi“ treffe, dann habe ich eine gut 80%ige Wahrscheinlichkeit, dass diese die meisten meiner Gedanken zu Gott, Spiritualität und Werten im Leben teilt. Und das ist doch wirklich erstaunlich. Der World Hijab Day eignet sich gut dafür, sich einmal mit Muslimas auseinander zu setzen und den Gründen, warum sie Hijab tragen. Nicht mehr und nicht weniger.
Zu meinen, dass Frauen im Allgemeinen oder Hijabis im Speziellen ein leichtes Opfer für Gewalt sind und sie deshalb zu unterdrücken, ist keine besonders gute Idee, wie wir im gleich noch sehen werden (Bildquelle: Gencraft AI).
Der World Hijab Day ist die Idee einer Muslima, die auf eine gewisse Benachteiligung von Hijab tragenden Muslimas aufmerksam machen wollte. Natürlich spielt dieser Tag in der muslimischen Welt eher keine Rolle, dort kämpft man ganz unmittelbar gegen die Benachteiligung von Frauen in manchen Lebensbereichen, wie sie definitiv vor kommt. Man denke nur an das Thema sexuelle Übergriffe auf Frauen in Ägypten. Das geht so weit, dass die Al-Azhar-Universität in Kairo, die wichtigste Institution des sunnitischen Islam, sexuelle Belästigung mit einer Fatwa (muslimisches Rechtsurteil) verurteilt hat. Nach Angaben der UNO wurden 60 Prozent der Frauen in Ägypten Opfer von Belästigungen.
Die Nachteile von Frauen in der muslimischen Welt sind in erster Linie auf archaische Kulturaspekte zurück zu führen und ein gewisses Machotum. Beides wird durch den Islam klar verurteilt, wie alleine an den klaren Aussagen des Quran deutlich wird. Halten sich Menschen an diese Aussagen, würde es allen besser gehen. Die Frage muss allerdings erlaubt sein, in welchen Gesellschaften der Welt es Frauen überhaupt gut ergeht? Im Jahr 2025 ist es eigentlich unfassbar wenn man einmal darüber nachdenkt, wie viele Frauen weltweit Opfer von Gewalt jeglicher Form werden. Oder dass Frauen sexuell ausgebeutet werden, was in so gut wie jeder Gesellschaft vorkommt.
Theologisch gesehen, egal ob wir nun das alte Testament der Bibel oder den Quran bemühen, sind das Dinge, die Gott hasst. Laut dem alten Testament der Bibel können sogar unsere Gebete dadurch nicht erhört werden. Im Islam sind Mann und Frau gleich viel wert, haben aber unterschiedliche Rollen. Die Gleichwertigkeit von Mann und Frau wird im Quran schon mit der Schöpfung begründet. Mann und Frau sind nach quranischer Auffassung Partnerwesen. Gott hat sie aus einer Essenz oder aus einem einzigen lebenden Wesen, sozusagen einer Vorstufe der Geschlechter, erschaffen. Daraus wird abgleitet, dass Mann und Frau nach Gottes Willen komplementär sind, also sich gegenseitig ergänzende Wesen. Die Aussage, dass beide aus einer und derselben Essenz stammen, begründet die Gleichheit von Mann und Frau (Quran 30, 21). Damit verneint Gott im Koran eine Wertigkeit oder Hierarchie zwischen den Geschlechtern, die man beispielsweise aus einer Abfolge der Erschaffung ableiten könnte. Dementsprechend heißt es in einem Hadith, einer Überlieferung vom Propheten Muhammed sehr treffend, dass die Frauen die Zwillingshälften der Männer sind. An keiner anderen Stelle spricht Gott im Quran so über das emotionale Verhältnis zwischen Mann und Frau wie in der Sure 30. Drei Begriffe treten immer wieder hervor: Ruhe, Liebe, Barmherzigkeit. Sich damit einmal zu beschäftigen zeigt eindeutig, dass es ein großer Frevel und ein Angriff auf den Schöpfer ist Frauen schlecht zu behandeln oder sie minderwertig zu sehen. Und es ist sicher nicht gut sich Gott zum Feind in dieser Sache zu machen.
Das gilt unabhängig davon, wie eine Frau gekleidet ist. Punkt. Aber, wenn nun eine Frau sich bemüht ein demütiges Geschöpf zu sein und ihren Schöpfer von ganzem Herzen liebt und als ein Zeichen dessen sogar einen Hijab trägt, wie wird es Gott wohl sehen, wenn ein Mann einer solchen Frau vorsätzlich weh zu tut?
Diese Frage beantworten wir dann mit dem Hebräerbrief, der auf 5. Mose 32 (AT) Bezug nimmt (Querverweis): „Es ist schrecklich, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen!“ Frauen sind die schwächeren Geschöpfe laut der Bibel und die schöneren laut muslimischer Überlieferung. Beides verpflichtet sie laut göttlichen Aussagen zu schützen und zu achten. Wer das nicht tut, stellt sich eindeutlich außerhalb des klar überlieferten göttlichen Willens. Und das war noch nie eine gute Idee. Denn mit diesem Leben ist es nicht vorbei – jeder wird Rechenschaft ablegen müssen.
„He found you lost and guided you.“
Qur’an 93:7