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Frage 💬 Hat Israel im Bosnienkrieg die Serben unterstützt?

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mrtn
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(@mrtn)
Super Großmeister Moderator Blackwater Stammleser
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Der ein oder andere stellt sich dieser Tage die Frage, ob Israel im Bosnienkrieg Serbien unterstützt hat? Das Thema ist durch den Tod von RATKO MLADIĆ wieder akut. Leider muss ich sagen, ist es genau so wie es zu erwarten war. Angesichts von so viel Grauen (mehr dazu hier: https://blackwater.live/forum/diskussion/herz-der-finsternis-quellensammlung/ ), fehlen einem die Worte.

Wie ich schon öfters schrieb, war der Bosnienkrieg nicht einfach ein Bürgerkrieg. Sondern es waren ethnische Säuberungen durch die Serbische Armee (VJ, zu Beginn des Krieges) und dann durch die Armee der Republika Srpska (VRS) und paramilitärischen Gruppen. 90% der Verbechen wurden durch serbische Kräfte begangen, wie auch der ICTY ( der Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien, auch Haager Tribunal genannt) dokumentierte und belegte. Alleine diese Tatsache, ist den meisten nicht bekannt. War mir bis vor ca. 2 Jahren auch unbekannt. Und damit fängt das Problem ja schon an.

Was man gleich zu Beginn sagen muss: Die Akten dazu sind in Israel weiterhin weitgehend gesperrt.

Klar.

Und hier beginnt es schon nach Scheisse zu riechen. Und so kommt es dann auch.

 

Ja, Israel stand nicht offiziell „auf der serbischen Seite“ als Kriegspartei. Es gab aber eine auffällig zurückhaltende, teilweise pro-serbisch wirkende offizielle Haltung und belastbare Hinweise auf Waffenlieferungen an serbische Kräfte trotz UN-Embargo. Beim Mossad sind die Belege dünner und stärker anlassbezogen (Evakuierung der jüdischen Gemeinde, spätere Kontakte wegen Mudschaheddin).

 

Offizielle Haltung

Israel erklärte sich offiziell neutral bzw. verurteilte Gräueltaten allgemein, ohne lange Zeit die serbische Seite klar zu benennen. Diplomatische Beziehungen zu Bosnien und Herzegowina wurden erst 1997 aufgenommen. Jugoslawien/Serbien hatte die Beziehungen zu Israel 1992 wiederhergestellt, als Belgrad international isoliert war.

Gleichzeitig leistete Israel humanitäre Hilfe: 1992 medizinische Hilfe, 1993 Aufnahme von 84 bosnischen muslimischen Flüchtlingen, 1995 eine gemeinsame Hilfsmission mit Jordanien. Die jüdische Gemeinde Sarajevos (La Benevolencija) organisierte mit Unterstützung des JDC Evakuierungen und Hilfe für alle Gruppen – Juden und Nicht-Juden.

Kritiker (u. a. Igor Primoratz) beschreiben die Haltung der israelischen Regierungen (Likud und Labour) bis Mitte 1995 als durchgehend pro-serbisch: keine klare Verurteilung ethnischer Säuberungen, Einfluss einer serbisch-jüdischen Community in Israel, Vorbehalte gegenüber Muslimen/Kroaten und Angst vor iranischem Einfluss. Erst nach Srebrenica 1995 wurde die Rhetorik etwas deutlicher.

 

Waffenlieferungen

Es gibt mehrere unabhängige Hinweise, dass israelische Waffen bei serbischen Kräften landeten:

 

  • Mörsergranaten mit hebräischen Markierungen in Sarajevo.
  • Uzis bei serbischen Einheiten.
  • Berichte über Deals 1991 (kurz nach dem UN-Embargo) und spätere Lieferungen an die VRS (Armee der Republika Srpska).
  • Ratko Mladićs Tagebuch: Angebote aus Israel für Ausbildung, Scharfschützengewehre und gemeinsamen Kampf gegen „islamistische Extremisten“.
  • Der niederländische Srebrenica-Bericht und ICTY-Dokumente erwähnen israelische Kontakte.

 

2016 lehnte der israelische Oberste Gerichtshof die Freigabe von Akten zu Rüstungsexportlizenzen nach Ex-Jugoslawien 1990–1996 ab. Kritiker werten das als indirektes Eingeständnis, dass es genehmigte oder geduldete Lieferungen gab. Ob das staatliche Politik oder private Händler mit stillschweigender Billigung waren, ist nicht vollständig öffentlich geklärt – in Israel brauchen größere Rüstungsgeschäfte in der Regel Genehmigungen.

Eine wiederkehrende Behauptung lautet, Waffen seien im Tausch gegen die Evakuierung der jüdischen Gemeinde aus dem belagerten Sarajevo geliefert worden. Die Evakuierungen selbst sind dokumentiert und wurden von der Gemeinde und dem JDC organisiert; der direkte Tauschhandel bleibt eine Allegation.

 

Mossad

Konkrete, öffentlich belegte Mossad-Operationen als groß angelegte militärische Unterstützung der Serben gibt es nicht. Es gibt aber Berichte:

  • Mossad-Kontakte zu bosnisch-serbischen Stellen (u. a. Verteidigungsminister) 1995 wegen Mudschaheddin.
  • Angaben, der Mossad habe bei der Evakuierung bosnischer Juden 1992/93 mitgewirkt (passt zur bekannten Rolle israelischer Stellen bei Alija).
  • Der Guardian (gestützt auf den niederländischen Bericht) schrieb, der Mossad sei besonders aktiv gewesen und habe einen Deal in Pale geschlossen.

Das bleibt im Bereich nachrichtendienstlicher Kontakte und unbestätigter Deals, nicht einer offenen Kriegspartei-Unterstützung.

 

Kurzfassung: Israel war keine Kriegspartei auf serbischer Seite. Es gab humanitäre Gesten gegenüber bosnischen Muslimen, eine politisch zurückhaltende bis serbenfreundliche Linie und belastbare Indizien für Waffen, die bei Serben ankamen. Der Mossad taucht in Berichten vor allem im Zusammenhang mit der Rettung der jüdischen Gemeinde und späteren Anti-Mudschaheddin-Kontakten auf – nicht als dokumentierter Hauptunterstützer der VRS. Die Akten dazu sind in Israel weiterhin weitgehend gesperrt.

 

Beziehungen, offizielle Haltung, Hilfe

Kritik an Israels politischer Linie

Waffen, Embargo, Gericht

Mossad / Geheimdienste

Jüdische Gemeinde Sarajevo / Evakuierungen

 


   
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