„Bewusstsein erzeugt Realität! “

Eugene Wigner (Nobelpreis 1963)

Diese Welt ist laut der Bibel und dem Quran nicht das echte Leben. Aber wir kennen keine größere Realität als die, in der wir leben. Was wir fühlen ist real. Egal ob es Liebe, Freude, Verzweiflung, Trauer oder das Verlorensein ist. Und der Schmerz, auch er ist echt. Und das folgt alles einem bestimmten Sinn, der ein Mosaiksteinchen vom Sinn dieses Lebens ist, welches nur einen kleinen Teil unseres echten Lebens ausmachen wird, wenn wir das wollen. So schreibt Marion Jean Woodman über Carl Jungs These zu „soul making“ in ihrem Buch „Coming Home to Myself“, pp. 4, 209: „…constantly confronting the paradox that an eternal being is dwelling in a temporal body. Soul-making is allowing the eternal essence to experience the outer world through all the senses… so the soul grows during its time on Earth…True soul-making comes from that deep communication with what Jung would call the archetypal world… When we connect with our souls, we connect with the soul of every human being… If we believe in a divine order, then everything on the Earth is part of that divine order. We’re all little sparks of One Soul.„

Yamin Moghed formulierte das auch einmal sehr gut als sie sagte: „Your life is nothing more than a love story. Between you and God. Nothing more. Every person, every experience, every gift, every loss, every pain is sent to your path for one reason and one reason only: to bring you back to Him.“

Das ist umso interessanter, als auch die Bibel und der Quran diese Welt als „Trug“, „Ablenkung“ und „Prüfung“ beschreiben und ich hatte in den letzten Jahren in verschiedenen Artikeln dazu unzählige Texte angeführt, die das glasklar belegen. Das „bigger picture“ ist also, wie wir unsere Welt wahrnehmen. Denn letztlich kann man sein Leben immer mit irgend etwas füllen. Aber zu verstehen, dass unser Bewusstsein diese, unsere Realität prägt und auch über das nächste Leben entscheidet, dürfte bei denkenden und nachdenklichen Menschen letztlich so einiges ändern. Entscheidend wird aber sein, ob man sich selbst zu einem gewissen Grad überwinden kann. Und es hat etwas mit Glauben und Vertrauen zu tun. Und das nicht in irgendeinen Schwurbel, sondern in den, der der Schöpfer und Erhalter dieser Welt ist.

Gott ist tot


Angesichts der Welt, in der wir nun leben mit ihren Widersprüchen, der Freude und dem unendlichen Leid, der Schönheit, aber auch der Hässlichkeit und ihren Abgründen fällt es viele Menschen schwer noch einen Sinn hinter all dem zu sehen. Freilich, die meisten wollen es auch gar nicht wissen und beschäftigen sich nicht einmal mit den Aussagen aus den Schriften. Es ist bequemer es zu lassen und sich einfach nur noch abzulenken, mit was auch immer. Da dann natürlich im Leben auf Dauer etwas fehlt, hat man heute eine Art Spiritualität ohne Gott erschaffen. Man huldigt dem Karma, dem Universum oder Mutter Natur. Oder der Philosophie. Die Wege sind vielfältig – aber letztlich ist eine Spiritualität ohne Gott tot. Und aus diesem Grund heisst es in der Bibel „lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden“ (Psalm 90:12) oder im Quran, „dass der Tod uns Ermahnung genug ist“ (Sure 11). Es war Friedrich Nietzsche der einst lehrte, dass Gott tot ist. Aber egal wie viele Gedanken und Philosophien man entwickelt, letztlich ist das nur weiteres Material für den riesigen Trugschluss, dem alle Menschen, die versuchten der Realität zu entkommen, am Ende erlegen waren. Friedrich Nietzsche erlitt am 3. Januar 1889 in Turin einen geistigen Zusammenbruch, verfiel die letzten 10 Jahre seines Lebens und starb am 25. August 1900 im Weimar.

Es gibt keine Spiritualität ohne Gott. Und am Ende gibt es auch kein Leben ohne ihn und es spielt überhaupt keine Rolle ob Menschen das akzeptieren wollen oder nicht.

Der Unterschied wird sein, ob es mit dem eigenen Ende in dieser Welt dann vorbei ist, oder ob das erst der Anfang des Lebens sein wird, wie es auch wieder in der Bibel und dem Quran beschrieben ist. Und das ist ein Teil des gewaltigen Stoffs, den die echte Spiritualität ausmacht. Die Vorstellung davon, wie das Leben sein wird, wenn wir in die „Freude unseres Herrn eingehen“, wie es Jesus einst sagte (nein, nicht Jesus ist dieser Herr, sondern der, von dem Jesus immer sprach und den er selbst anbetete und ihm alle Ehre gab) ist unermesslich und hat die Phantasie von Menschen über die Jahrhunderte beflügelt. Paradiesgärten mit Gottes Segen und dem biblischen Versprechen, dass das Begehren alles Lebenden gesättigt wird, haben Menschen dazu gebracht, sich das auszumalen. Und doch, gibt es heute etwas, was von Menschen erdacht ist und schöner als das ist, was in der Natur dieser Erde nicht schon existiert? Obwohl ja auch die menschliche Vorstellung in gewisser Weise göttlichen Ursprungs ist, so konnte der Mensch bisher nichts erfinden, was der bisherigen Beschreibung des Paradieses gleich kommt oder sie übertrifft. Die schönste Natur und Gärten, des leckerste Essen, der edelste Wein, die schönsten Frauen und vieles mehr – das sind Superlative, mit denen alle Menschen zu allen Zeiten etwas anfangen konnten und bis heute können. Die Bibel spricht davon, wie es keinen Schmerz mehr geben wird, wie Trauer und Leid der Vergangenheit angehören. Niemand würde sich mehr daran erinnern. Der Quran sagt, dass die Menschen, die an Gott glauben, für immer in diesem Paradies verweilen werden. Ewige Jugend ohne Krankheit und Schmerz, ein Leben in Freude, Frieden und Zufriedenheit. Aber das wahre innere Glück kommt aus der tiefen Liebe und der Anbetung zu Gott. Wie beide Schriften sagen, werden wir nie alles über Gott erfahren, aber sehr viel mehr als jetzt. Ein Beispiel wäre da sein verloren gegangener Name, wie es islamische Überlieferungen sagen. Diese Bilder sollte der Mensch in seinem Herzen tragen und wissen, dass das der Segen Gottes sein würde, die „Freude des Herrn“ in die man eingehen wird, wenn man diese Welt besteht ohne seine Glauben (arab. Iman) zu verlieren und stets Gott alleine anbetet und nicht andere Dinge oder Personen zu seinem Gott macht.

Spiritualität ist das, was man heute als die Verbindung aus dieser Welt hinaus beschreiben könnte, Raum und Zeit überwindend, die Kommunikation mit unserem Schöpfer. Durch Gedanken, beten und Anbetung. Und gute Nachricht ist, das war schon immer so. Menschen, die das nutzten, sind uns durch die Geschichte der Menschheit hinweg bekannt. Die berühmtesten von ihnen finden wir in der Bibel und im Quran. Aber wir können unsere ganz eigene Geschichte schreiben, indem wir mit unserem Schöpfer wandeln. „Bewusstsein erzeugt Realität“ – diesen Grundsatz müssen wir uns dabei merken. Am Ende wir das den Unterschied machen, ob wir mit einem Lächeln und Vertrauen aus diesem Leben scheiden, oder ob wir verbittert und voller Angst vor dem Tod sterben werden. Die Menschen, die den „geistigen Dingen“, also der Spiritualität den Vorzug vor dieser Welt gaben waren im Stande alles zu ertragen. Sie wurden gefoltert, von wilden Tieren gefressen, lebendig verbrannt und vieles mehr. Schon von Jesaja wurde berichtet, dass er zersägt wurde. Von den ersten Gefährten Mohammeds wurde berichtet, dass man sie grausam quälte und mit Steinen zerdrückte. Die ersten Christen, damals noch als „der Weg“ in Rom benannt, liessen sich verbrennen. Warum? Wie konnte das sein? Hierzu liefert uns für alle diese interessanterweise selbst das neue Testament der Bibel einen Bericht im Bibelbuch Hebräer im Kapitel 11 (HIER selbst in Ruhe nachlesen und staunen). Und das ist nun etwas, was Christen noch einmal ganz genau lesen sollten und darüber nachdenken sollten und Muslime überhaupt lesen sollten. Denn es ist ein eindrückliches Zeugnis des Glaubens in dieser Welt.

Hebräer 11 zählt all die Personen auf, die im Alten Testament der Bibel und im Quran als Muslime beschrieben werden. Was, Muslime in der Bibel? Ganz genau. Denn ein Muslim ist jemand, der sich dem Willen Gottes unterwirft. Genau das meint es und genau das taten diese Personen. Das Bibelbuch Hebräer im Kapitel 11 berichtet von Abel, von Noah, Abraham, Henoch, Mose, David und Samuel und vielen mehr, die Aufzählung ist auch gemäss diesem Text nicht abschliessend, so wird dort eingeräumt. Es wird gesagt, dass diese Personen alles ertrugen und mächtige Könige bezwangen durch ihren GLAUBEN (Iman). Und den Glauben an was? Nun, von Jesus wussten all diejenigen ja noch nichts. Aber lassen wir das Bibelbuch in Vers 39 und 40 selbst sprechen: „Diese alle haben durch den Glauben Gottes Zeugnis empfangen und doch nicht die Verheißung erlangt, weil Gott etwas Besseres für uns vorgesehen hat: dass sie nicht ohne uns vollendet würden.“

Durch den Glauben Gottes. Es ging NUR darum. Und so fängt das Kapitel ja auch an mit der Aussage: „Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.“ Und was sagt der Quran dazu? Der Quran sagt, dass man glauben muss, an die Propheten, die Engel und natürlich an Gott. Glauben ist nicht nur das, was die Lebenden von den Toten trennt, es ist der Schlüssel zur Tür des Paradieses.

Es geht darum, wie real das für uns ist. Oder genauer gesagt: Ist diese Welt, in der wir leben, die alles entscheidende Realität oder ist es die Welt, die Gott uns verspricht die Realität, also unsere Realität? Rote Pille oder blaue Pille – um es modern zu formulieren. Dieser Frage werden wir nicht ausweichen können und am Ende unseres Lebens wird das dann sehr deutlich, wenn wir uns der „Tür“ nähern. Was auf der anderen Seite dann liegt hängt davon ab, ob wir Glauben hatten oder nicht. „Gott ist tot“ – sagte einst Friedrich Nietzsche und viele Menschen tun es ihm heute gleich indem sie das auch postulieren oder Gott durch ihr Leben verspotten. Aber Gott lässt sich nicht verspotten. Jeden Tag werden auf der Erde im Schnitt etwa 370.000 Menschen geboren und rund 160.000 Menschen sterben (Stand 2022). Wohin diese 160.000 Menschen gehen? Wird das einfach nur Blumendünger? Nach dem AT der Bibel und dem Quran kehrt ihr Geist zu Gott zurück. Und dieser hat – um einmal das NT der Bibel zu bemühen – ein „Buch des Lebens“. Ein Gedenken an diese Menschen und ihre Taten. Und so bestätigt auch der Quran schon eine glasklare Schlussfolgerung in Sure Al-Baqarah Vers 152: „Erinnere Dich an mich, und ich werde mich an Dich erinnern.“

„Erinnern“ wir uns an Gott in unserem Leben, dann werden wir eine Zukunft haben, denn er wird sich an uns erinnern. Und wie ich an anderer Stelle schon ausführte, verspricht er uns das im Quran. Es ist ein Versprechen!

„Religion als Leben in der Dimension der Tiefe“ – Griechenland 2024

Religion als Leben in der Dimension der Tiefe

„Spiritualität“ ist zu einer Art Containerbegriff geworden: er enthält semantisch enorm viel, wird dadurch aber auch unüberschaubar und fast schon unbrauchbar. „Viele Menschen sind von etwas ergriffen, was sie unbedingt angeht; aber sie fühlen sich jeder konkreten Religion fern, gerade weil sie die Frage nach dem Sinn ihres Lebens ernst nehmen. Sie glauben, daß ihr tiefstes Anliegen in den vorhandenen Religionen nicht zum Ausdruck gebracht wird, und so lehnen sie die Religion ab „aus Religion“.“ Dieses Zitat geht auf den Artikel „The Lost Dimension“ zurück, den Paul Tillich am 14. Juni 1958 in der Saturday Evening Post, einer amerikanischen Wochenzeitschrift, veröffentlich hat. Tillich spricht hier nicht von „Spiritualität“, sondern von „Religion als Leben in der Dimension der Tiefe“. Tillich problematisiert die konkretistische Zerstörung der religiösen Symbole, die eben diese Tiefendimension repräsentieren, sowie deren Präsenz in Kunst, Literatur und Philosophie.

Religion – was ein Wort. Die einen verbinden damit genau das, was ich so oft in meinen Artikeln beschrieb. Der Weg zu Gott, den inneren Sinn, die Erklärung für alles. Die anderen Verbinden damit den Missbrauch, politische Macht und Unheil. Man kann dieses Thema weit und breit diskutieren und sich darüber trefflich streiten, was nun mehr Leid verursacht: Die Menschheit ohne Religion oder die Menschheit mit Religion. Fakt ist, dass es ohne Religion keine der Kulturen gäbe, die wir heute kennen und mehr als die Hälfte der Menschheit völlig identitätslos wäre. Und hierbei reden wir von Religion ganz im Allgemeinen und keiner bestimmten Religion. Der Mensch ohne Religion – diese Versuche gab es ja bereits im Sozialismus – lebt keineswegs in Frieden und Glückseligkeit. Aber ganz losgelöst von all diesen Gedanken, wird sowohl in der Bibel als auch im Quran der Begriff der Religion ganz anders benutzt. Und das vermag zu Erstaunen in einer Welt, die von zunehmender Kleingeistigkeit und Geschichtsvergessenheit geschwängert zu sein scheint. Religion ist Anbetung. Und ich hatte bereits in anderen Artikeln darauf verwiesen, dass die Religion mit dem Namen Islam im Quran schlichtweg die Religion ist, die die Anbetung des einen Gottes zum Inhalt hat. Man kann also trefflich darüber diskutieren was genau dazu gehört, welche Handlungen und Riten, sowie wie sich das historisch entwickelt hat. Aber Fakt ist, dass das der Kern des Islams ist, um den es eigentlich geht. Das sollte man sich immer wieder klar machen. Das wird insbesondere auch dann klar wenn man sieht, wohin andere Wege führen. Der Quran spricht immer wieder von einem Weg, in der wichtigsten Sure des Quran, der al-Fatiha betet man um den geraden Weg, Jesus sprach von dem engen Weg. Immer und immer wieder begegnen uns die gleichen Wortbilder und Gedanken, man muss schon ignorant sein und es nicht wollen, wenn man das ausblendet und negiert. Und genau das würde die Mehrheit der Menschen tun. Denn der Quran sagte voraus: „Wenn du der Mehrzahl derer auf Erden gehorchst, werden sie dich wegführen von Gottes Weg. Sie gehen nur Vermutungen nach und raten nur.“ (Quran Al-An’âm (6):116)

Interessanterweise belässt es der Quran aber nicht dabei. Sondern er beschreibt an vielen Stellen sehr detailliert, was die Menschen tun würden und wie sie den Weg verlassen würden. So heisst es in der Sure Josef (arab. Yûsuf) Vers 106: “Und die meisten von ihnen glauben nicht an Gott, ohne (Ihm) andere Partner beizugesellen.“

Die meisten Menschen folgen also Vermutungen und raten nur. Und gerade das lässt sich ja besonders heute durch die unzähligen Philosophien sehr gut sehen. Und von denen die glauben, tun es die meisten nicht ohne Gott „Partner“, also Substitute beizugesellen. Interessanterweise sind die Begriffe sowohl im Hebräisch-Aramäischen als auch im Arabischen die gleichen. Shituf bzw. Shirk. Gott ist EINZIG und ALLEINE. Aber Gott, der laut Bibel eine geistige Natur hat und für unsere Auge somit unsichtbar ist, reicht den Menschen einfach nicht. Davon handeln viele Berichte der Bibel und des Quran. Der bekannteste ist wohl der des „Goldenen Kalbs“ der zeigt, dass die Masse lieber tote Götzen aus Gold und Silber anbetet als den allmächtigen, aber als Person unsichtbaren Schöpfer. Der Quran beschreibt an weiteren Stellen, warum dies unter anderem so sein würde. Ein Faktor wäre letztlich Satan, der im Quran an einer sehr prominenten Stelle direkt zu Gott spricht: „Weil Du mich (durch diese Prüfung) hast abirren lassen, werde ich ihnen (künftig) auf Deinem geraden Weg auflauern. Ich werde von vorne und von hinten, von rechts und von links über sie kommen, und Du wirst die meisten von ihnen nicht dankbar finden. Die Höhen (Al-A’râf) 7:16,17

Die Undankbarkeit wäre also letztlich einer der Gründe. Aber für was sollte man denn dankbar sein? Angesichts dessen, dass jede Sekunde unseres Lebens nicht selbst verdient ist und unser ganzes Leben ein Geschenk ist, mag diese Frage absurd klingen. Wenn Du das auch denkst, dann vergesse bitte aber nicht, wie viele Menschen heute für gar nichts mehr dankbar sind. Weder für ihr Leben, noch für Essen und Trinken, nicht für die Luft, die sie atmen und nicht für die Sonnenstrahlen im Gesicht. Sondern sie sind (1) habgierig (2) masslos (3) fordernd und treten alles was heilig ist mit Füssen. In Folge dessen brauchen sie immer mehr Stimulus auf vielen Ebenen, immer neue Dopaminreize, weil sie sonst nichts mehr fühlen. Lebende Körper aber geistig Tote.

Es gibt aber auch Unmengen an Religionsgläubigen, die letztlich nur noch stumpfsinnig Regeln befolgen und die tiefere Dimension der Religion gar nicht mehr erfassen können und wollen. Erinnern wir uns? Bewusstsein erschafft Realität. Das gilt auch für jede Religion. Ich meine das ganz losgelöst vom Wahrheitsanspruch, den jede Religion in sich birgt. Man kann auch der geradlinigsten aller Religionen folgen und dennoch jede Tiefe und Spiritualität mit geistig entleerten und stumpfsinnigen Handlungen zerstörten. Das muss man erst einmal begriffen haben und daraus gangbare Wege ableiten. Ein wesentlicher Faktor, der diesen geistigen Tod begünstigt, ist die Leitung durch menschliche Autorität, sei sie nun kollektivistisch oder durch eine Geistlichkeit ausgeübt. Es sei angemerkt, dass weder die bloße Existenz einer Gruppe noch die Existenz einer Geistlichkeit das Problem ist, sondern das Problem ist, worauf der Glaube eigentlich beruht. Und so schrieb R.W. Emerson: “Der Glaube, der auf Autorität beruht ist kein Glaube. Die Bedeutung der Autorität ist das Maß für den Verfall der Religion, das Maß dafür, wie sehr der Geist bereits aus ihr entwichen ist”.

Ich habe in all den Jahren meines nun 43-jährigen Lebens schon eine Menge in Bezug auf Glauben, Gott, Religion und Menschen gesehen. Wie Menschen mißbraucht wurden, wie man Menschen manipulieren kann. Wie Opfer zu Tätern wurden und Täter auch Opfer sind. Wie Menschen an religiösen Ideen festhalten, obwohl diese Ideen nicht einmal in den Büchern stehen, auf die die Religion angeblich aufbaut. Letztlich sind Menschen ohne Religion oft ab einem gewissen Punkt in ihrem Leben „lost“. Es zeigt sich immer wieder, dass es „ohne“ nicht geht, dass sie scheitern und sich in neuen und schier endlosen Gedankenkreisen bewegen. Oder sich ablenken und flüchten. Es scheint auch innerhalb wie außerhalb von Religion einen Punkt zu geben, der mir immer und immer wieder auffällt: Nur wenige beten einfach Gott an. Das, um das es die ganze Zeit im Alten Testament der Bibel geht, um das es in den Evangelien und im Quran geht, das Offenkundigste und Klarste ist meist das, was nicht geschieht. Das verblüfft mich einerseits, andererseits belegt es umso klarer, dass das was der Quran als Religion beschreibt zugleich das ist, was die wenigsten Menschen ohne Substitute können: Gott anbeten. Dem Quran folgend komme ich zunehmend zu dem Schluss, dass auch das ein Punkt zu sein scheint, der die Spreu von Weizen trennt, um Jesu Gedankenbild zu zitieren. Je mehr das Leben vorbei zieht, unaufhaltsam für jeden von uns ob wir es wollen oder nicht, scheint die eigentliche Prüfung in dieser direktesten aller Handlungen zu liegen. Ob wir Anbeter sind, oder nicht. Ob wir wahre Monotheisten sind, oder nicht. Diese Welt ist eine Prüfung und zwar durch den „Prüfer der Herzen“, wie Gott im Alten Testament der Bibel schon beschrieben wird. Das heisst aber nicht, dass alles was auf dieser Welt passiert ein Bestandteil davon ist. Vieles ist durch böse Mächte gesteuert, anderes passiert, weil Menschen sich einfach nicht an grundlegend Werte halten wollen (man denke an die 10 Gebote). Wen wundert es da, dass die Welt so voller Leid ist. Andererseits ist dieses Leben eben nicht echt, wie es in Hebräer 11 erklärt wird. Unser Schöpfer ist allezeit bei uns, wenn wir ihn rufen. Er ist der Erhörer des Gebets. Und er kann unser Fluchtpunkt sein, er will es sogar sein. Im Quran verspricht er uns, dass wir für immer leben werden und er uns retten wird. „Diejenigen (jedoch), die glauben und rechtschaffene Werke verrichten, werden Gärten der Wonne zuteil, in denen sie ewig verweilen werden. (Dies ist) Allahs Versprechen in Wahrheit, und Er ist der Allmächtige, der Allweise.“  (Quran 31:8,9)

Wer einfach nicht begreifen will, dass Gott der ist, der er immer war, ist und immer sein wird, dem ist einfach nicht zu helfen. Wer das Alte Testament der Bibel, das Evangelium und den Quran liest und diesen roten Faden nicht erkennt, der will es einfach nicht. Die immer gleiche Kernbotschaft an jeden Einzelnen von uns, der klare Weg Gott anzubeten, vergeben zu bekommen und der Weg in das ewige Leben.

Anstatt dass Menschen das einfach so nehmen wie es dort steht, verkomplizieren sie es entweder mit tausenden von Überlieferungen oder ihren eigenen Irrwegen, mit künstlich erschaffenen Institutionen und menschlicher, leerer Philosophie. Man überlege sich das doch einmal: Das was eigentlich alle vorgeben wissen zu wollen, also (1) gibt es einen Gott, (2) wer ist er, (3) was ist der Sinn unseres Lebens, all das wird klar beantwortet. Es steht all die Zeit da. Wenn wir so wollen, steht es seit 3500 Jahren geschrieben. Dazu die Schöpfung, die schon immer als ein Zeugnis stand, als Zeichen für Menschen die denken, wie es der Quran beschreibt. Einfacher und klarer geht es nicht. Der Quran stimmt als letzte und abschliessende Offenbarung an so vielen Stellen nachdenklich. So heisst es dann weiter in der Sure, in der Gott das Paradies verspricht: „Siehst du denn nicht, dass Allah die Nacht in den Tag und den Tag in die Nacht eindringen lässt? Und (erkennst du nicht,) dass (Er euch) die Sonne und den Mond dienstbar gemacht hat und jedes (Gestirn) auf eine festgesetzte Frist läuft? Wahrlich, Allah ist der Allkundige, Der weiss, was ihr tut. Dies (ist so), weil Allah die Wahrheit ist, während das, was sie neben Ihm anbeten, das Falsche ist (…). Der Quran hat bestimmte melodische Rezitationsweisen (Tajwīd), die geholfen haben ihn die letzten 1400 Jahre weiter zu geben. Eine Schwester sagte mir, dass an dieser Stelle eine tiefe Traurigkeit zum Ausdruck kommt.

Auch im Alten Testament der Bibel können wir schon entnehmen, dass Gott traurig über Menschen ist, die ihn nicht in ihrem Leben haben wollen und dass er sich wünscht, dass sie umkehren. Begreifen wir, was das wirklich heisst?

„Umschlossen von einer Hand aus Luft“ – Rückblickend ein Ort an dem ich begann zu verstehen, was Monotheismus wirklich bedeutet. Big Island, Hawaii 2018

Die Wahrheit wird Dich befreien

„Dogmen, ob religiöse, politische oder wissenschaftliche, entspringen der irrigen Überzeugung, Gedanken könnten die Wirklichkeit oder Wahrheit in sich schließen. Dogmen sind kollektive mentale Gefängnisse. Das Unmanifeste befreit dich erst, wenn du bewusst in es eintrittst. Deshalb sagt Jesus nicht: „Die Wahrheit wird dich befreien“, sondern: „Du wirst die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird dich befreien.““

Eckhart Tolle

Ich werde an dieser Stelle nicht auf die Absurditäten der heutigen Verdrehungen der Jesuworte in diesem Johannes Text eingehen. Jesu Leben selbst lieferte ein zu eindeutiges und klares Zeichen, auf was es wirklich ankommt, egal ob nun Jesus hingerichtet wurde oder vorher weg genommen wurde – ein Aspekt, über den muslimische Gelehrte (und nebenbei bemerkt die Christen im 1. Jahrhundert) seit Jahrhunderten debattieren. Es spielt weiter keine Rolle, da wenn man Jesus wirklich liebt (was man sollte) und seinen Worten folgt (was man sollte) ganz klar eben nicht ihn anbetet, sondern den, der ihn gesandt hat.

In Sure 22 des Quran heisst es „dies, weil Allah die Wahrheit ist und weil das, was sie anstatt Seiner anrufen, das Falsche ist, und weil Allah der Erhabene, der Große ist“.

Es geht im Gesamtkontext nicht nur um das Anrufen, also das Gebet und die Bitte um Hilfe. Es geht darum, wem oder was man man sich in seinem Leben unterwirft. Letztlich sind alle Menschen Sklaven von etwas, alle dienen. Dem Arbeitgeber, die Geld, den eigenen Begierden, Wünschen und Sehnsüchten. Was immer uns die Zeit nimmt und das Denken beeinflusst, wir werden dessen Diener sein. Jesus unterwarf sich dem Willen dessen, der ihn gesandt hatte, wie er selbst immer wieder erklärte. Von diesem hatte er Vollmacht alles zu tun und er konnte nichts aus sich selbst heraus tun, wie er sagte. Diese Worte kennt jeder, der in den Evangelien der Bibel liest. Diese eine ultimative Wahrheit, die hinter allem steht ist Gott. Er setzt den Maßstab für gut und böse, er ist der Urheber aller Dinge und deren Erhalter. Die Ur-Macht von Allem. Sich ihm zu unterwerfen ist die Wahrheit, die frei macht. Frei von der Sklaverei dieser Welt, der Beschränktheit ihrer Überlegungen und des sinnloses Strebens nach was auch immer. Sich Gott zu unterwerfen und eben nicht den Menschen ist die wahre Religion. Die Religion Abrahams. Es ist der Wille Gottes, dass wir nur ihn anbeten und ihn um Hilfe bitten. Selbst dieser Wunsch Gottes ist letztlich nicht etwas was er braucht, es ist etwas, was wir brauchen. Denn der Mensch betet letztlich immer irgend etwas an. Warum also nicht das Original? Warum ist das so unglaublich schwer zu verstehen? Warum fügen sich Menschen lieber selbst immer weiter Schmerzen durch ihre Irrwege hinzu? Letztlich kann ich es auch nach all den Erfahrungen die ich machte nicht verstehen. Der Quran sagt dazu nur, dass „es nicht ihre Augen sind, die blind sind, sondern ihre Herzen“.

Gott ist mit uns, egal wo wir sind, egal welche Sprache wir sprechen oder welcher Kultur wir angehören. Es gibt einen Grund, warum er sich in den semitischen Sprachen Aramäisch, Hebräisch und Arabisch geoffenbart hat. Diese Sprachen lassen keine Missverständnisse in Bezug auf bestimmte Gedankenbilder und Begriffe aufkommen. Das sieht man einmal mehr wenn man bedenkt, wie die Person Gottes verdreht wurde und zu irdischen Dingen umgeformt wurde. Gott aber ist ein Geist und außerhalb seiner gemachten Welt. Es sind nicht die uns bekannten Dimensionen von Raum und Zeit, sondern es ist die Dimension der Tiefe. Unsere Gedanken sind nicht auf unser Gehirn beschränkt, sondern sie können die Verbindung nach „draussen“ sein. Mit unseren Gedanken können wir durch Raum und Zeit fliegen, wir können überall sein, zu jedem Zeitpunkt der Weltgeschichte. Wir können auch bei unserem Schöpfer sein. Wir müssen dazu nur unsere Augen schliessen und diese Reise antreten, ihn darum bitten, dass er mit uns ist und dass wir die Wahrheit erfahren wollen. Wenn wir das jeden Tag tun, uns Zeit dafür nehmen, dann werden wir sehen, wie sich diese Verbindung aufbaut. Wir werden sehen wie unser Vertrauen wächst und unser Glaube. Wir verlieren die Angst. Bewusstsein erzeugt Realität – es ist die echte Realität, in der wir beginnen zu Leben, nicht die Matrix, in der sich unser Körper befindet. Wir sind mehr als das, unser Geist ist unser Leben. Und dieser Geist ist es, der zum Schöpfer am Ende unseres irdischen Lebens zurück kehrt. Wir können aber schon heute diese Verbindung aufbauen und die Welt überwinden. Viele Menschen taten es vor uns. Es war die Wahrheit, die sie befreite. Es gibt nur eine Wahrheit. Und diese Wahrheit ist Gott. Das ist die Dimension der Tiefe, die Antwort auf die Suche, die Fragen und der Sinn unseres Lebens. Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern eine gute Reise und freue mich auf den Tag, an dem wir uns auf der anderen Seite wieder sehen.

„Die Menschen schlafen; wenn sie aber sterben, dann wachen sie auf.“ 

Alī ibn Abī Talib (um 600 – 661)

Blackwater

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