„Intellect takes you to the door, but it doesn‘t take you into the house.“

Shams Tabrizi

Fühlst Du Dich geliebt? Bevor Du die Frage einfach übergehst und verdrängst, nimm Dir Zeit, die Antwort darauf in Ruhe zu durchdenken, denn so einfach wie es scheint, ist es vielleicht nicht. Tiefe sucht nach Tiefe und ob Du wirklich selbstlos und um Deiner selbst willen geliebt wirst oder nicht, weißt Du tief in Deinem Inneren, wenn Du die Stille zulässt und ganz in Dich gehst. Entgehe jeglicher Ablenkung, schalt Dein Smartphone aus. Habe keine Angst, Dich der Leere zu stellen, vor der Du vielleicht flüchtest. Mach ein Spaziergang in der Natur, in einem Wald. Geh dorthin, wo keine anderen Menschen sind, lege Dich mit dem Rücken auf dem Boden. Schließe Deine Augen. Atme tief, Luftzug für Luftzug. Fange an Dein Herz schlagen zu fühlen, spüre das Pulsieren Deiner Halsschlagader. Und noch einmal: Fühlst Du Dich geliebt?

Es gibt kaum etwas Schöneres wie dieses warme Gefühl im Herzen, wenn man geliebt wird. Liebe ist wie Nahrung für unsere Herzen und wir werden noch sehen, warum das so ist. Vielleicht bist Du verliebt, hast Schmetterlinge im Bauch, wie man so schön sagt. Du fährst zu Deiner Liebe, bringst ihr Blumen mit und ihr geht vielleicht zusammen einen Kaffee trinken. Die Sonne scheint, der Himmel ist strahlend blau, ein Sommerwind weht an diesem Tag. Ihr sitzt in einem kleinen Café, an einem dieser typischen kleinen italienischen Tische. Die Bedienung bringt euch zwei Cappuccino. Du schaust ihr in ihre braunen großen Augen, während sie erzählt und Dich anlächelt und in diesem Moment weißt Du, sie ist es. Du liebst sie von ganzem Herzen und wartest nur noch auf den einen Moment, wo Du ihr versprechen wirst, Dein ganzes Leben mit ihr zu verbringen, denn nichts anderes willst Du. Du willst ihr Mann sein und sie soll Deine Frau werden und das für immer. Nie warst Du von etwas überzeugter, nie hat Dein Herz etwas mehr ausgefüllt, sich so richtig angefühlt, so gut angefühlt. Du brauchst nichts als sie. Dieses Gefühl ist echt. Du musst es niemandem beweisen und könntest es auch nicht. Du weißt es einfach. Im Laufe Deines Lebens wird dieses Gefühl sich verändern. Wenn Du der Liebe Nahrung gibst, wird es tiefer und wächst in Deine Seele tief hinein. Von Blumen im Bauch, zu Seelenverwandtschaft im Laufe von vielen Jahren. Aber es wird nicht das letzte Mal sein, dass Du dieses Gefühl von tiefer, unbeschreiblicher Liebe fühlen wirst. Stell Dir vor oder erinnere Dich zurück. Ihr habt geheiratet und bezeugtet vor Gott und der Welt, dass ihr nun eins seid. Und wenn es sein soll, dann schafft ihr zusammen ein neues Leben in dieser Welt.

Stell Dir vor, eines Tages stehst Du morgens auf und noch bevor Du etwas anderes tust, gehst Du in das Kinderzimmer und schaust ob alles in Ordnung ist. Und dort erwartete Dich das schönste, wundervollste und süsseste Lächeln, was Du je gesehen hast. Außer dem Deiner Frau natürlich. Du wirst angelächelt – schon wieder von riesigen braunen Augen. Die Kleine hat die Augen von Deiner Frau bekommen, aber die kleinen süssen Füsse, die könnten von Dir sein. Du nimmst diese winzige kleine Hand, die Deinen kleinen Finger umschließt und festhält. Du bekommst dieses unvorstellbare Lächeln, Du wirst voller Liebe angestrahlt. Angestrahlt – das ist auch in der deutschen Sprache genau das richtige Wort. Denn es ist pure Liebe, die Du spürst. Kein Zweifel, es braucht auch keine Beweise. Du weißt es, das ist Liebe. Du wirst geliebt und Du liebst. Und echte, tiefe Liebe braucht nicht erklärt werden, sie kann nicht erklärt werden. Sie basiert auch nicht auf Interessen oder irgendeinem Agreement. Sie ist selbstlos. Sie ist echt. Sie ist wahr. Sie ist beständig. Sie ist vergebend. Und leben wir für immer, dann ist sie ewig. Deine kleine Tochter, Du wirst auch für sie immer da sein, so wie Du es für Deine Frau bist. Noch versteht sie nicht viel, sie kann Dir einfach nur dieses Lächeln schenken, wenn sie da in ihrem Babybett liegt. Aber Du flüsterst ihr zu: Hey meine Kleine, ich liebe Dich. Ich werde immer für Dich da sein, Dich beschützen und Dir helfen. Und auch wenn sie Deine Worte noch nicht verstehen kann, so kann sie sie fühlen. Sie spürt Deine Liebe und sie ist echt.

Ob Du Dich geliebt fühlst und geliebt wirst ist ganz entscheidend für Dein Seelenwohl, ob Du in dieser Welt glücklich wirst, bist und bleibst im Angesicht von so viel Leid und Problemen. Du und ich, wir müssen fühlen, wir müssen lieben und geliebt werden. Und das ist eben etwas, was nicht rational erklärbar ist. Menschen, die nicht geliebt werden, verkümmern seelisch und werden krank. Es gab in der Vergangenheit Experimente die zeigten, dass kleine Kinder, die nicht geliebt werden sterben. Erwachsene Menschen, die aufhören Liebe in ihrem Leben zu haben, werden kalt und unmenschlich. Und das spürt man. Je weniger echte und tiefe Liebe in dieser Welt ist, desto kälter wird sie und desto mehr nimmt das Leid überhand.

Aber sag, fühlst Du Dich geliebt? Vielleicht erlebst Du gerade eine schwere Zeit und Du fühlst eher Verzweiflung. Vielleicht hast Du auch das verloren, was Du einst liebtest. Vielleicht war auch Dein ganzes Leben von Lieblosigkeit geprägt und einer Kindheit, in der Du von unechten und falschen Menschen umgeben warst, die alles andere als selbstlos liebende Menschen waren, etwas, was ich nur zu gut fühle. Vielleicht warst Du Dein ganzes Leben schon alleine und glaub mir, man kann auch von vielen Menschen umgeben sein und dennoch einsam sein. Ich weiss was das bedeutet und wie es sich anfühlt. Wenn es Dir so ergeht oder erging, dann wird Dir die Frage, ob Du Dich geliebt fühlst, absurd vorkommen. Noch absurder mag Dir erscheinen, dass es die ganze Zeit eine Person gibt, die Dich liebt und nur auf den Moment wartet, an dem Du nach Hause zurück kehrst. Ein Zuhause, weisst Du was das ist? Ein Zuhause ist kein Ort, es ist ein Zustand. Dieses Gefühl, durch einen Regensturm gelaufen zu sein, in Kälte, in Dunkelheit und in Einsamkeit. Erschöpft zu sein und dann an einer Tür anzukommen, zu klopfen, zu warten. Und dann wird Dir geöffnet, Du wirst umarmt und eine Stimme sagt: Willkommen daheim, ich habe auf Dich gewartet. Endlich bist Du da.

Du bist angekommen. Und Dir mag nun klar werden, dass noch viel wichtiger als die Frage ob Du Dich geliebt fühlst die Frage ist: Von wem werde ich geliebt? Wer ist es, der auf mich wartet? Warum muss ich mich durch diesen Sturm des Lebens kämpfen? Warum alle diese Schmerzen? Warum kann es nicht einfach vorbei sein?

Ich werde versuchen Dir das so gut ich kann zu beantworten. Wenn Du diese Zeilen liest dann sei Dir gewiss, dass das nicht meine Gedanken sind, sondern dass ich diese Gedanken aus der der Bibel und dem Quran entnommen habe. Die Quellen dazu verlinke ich Dir. Ich teile aus meinem Herzen das, was ich lernen durfte. Wenn Du diesen Artikel liest, ist es wohl kein Zufall und soll so sein. Lies ihn bitte in Ruhe und überfliege ihn nicht nur. Hier geht es um Alles. Liest Du ihn nicht weiter, dann bist Du noch nicht so weit. Jeder braucht seine Zeit.

„Was Du suchst, sucht auch Dich“

– Rumi

Ohne Liebe würde die Welt völlig anders aussehen. Wir bekommen die ganze Zeit Zeichen und Liebeserklärungen. Wann wachen wir auf? Bildquelle: Eigen. Baha’i Gardens, Haifa 2022.

Spiritualität

Es gibt nur wenige Dinge, die Menschen so faszinierend und tief empfinden, wie Spiritualität und Mystik. Selbst in der westlichen Welt, in der viele das Thema Gott und Religion aus ihrem Leben entfernt haben und nichts mehr davon wissen wollen, halten sie doch am der Spiritualität fest. Karma, das Universum, Schwingungen und Räucherstäbchen – nennt was ihr mögt – es begegnet uns überall. Menschen meditieren, sie manifestieren, um in sich etwas zu finden oder sie flüchten in die Natur aber mit dem festen Vorsatz sie als Zufall zu definieren, was angesichts ihres Ursprungs und ihrer Bestimmung fast ein Hohn für denkende und wache Menschen ist. Um Spiritualität kommt man nicht herum, außer man möchte wirklich ein Leben führen, welches auf Schlüsselreize und komplette Ablenkung ausgerichtet ist. Aber warum ist das so?

Ein Grund mag sein, dass es einfach zu viel Unerklärliches auf dieser Welt gibt, man kann nicht alles rational erklären oder gar erfassen. Jeder Mensch kommt an einen Punkt in seinem Leben, der ihn brechen wird, an dem er seinen Stolz und seine Überheblichkeit verliert. Der Sinn des Lebens und unser Ursprung selbst bleibt auch ein scheinbar ewiges Mysterium, eine große Unbekannte. Dazu kommt unweigerlich unser eigenes Ende dazu, bei dem dann doch viele wieder aufwachen und zur Spiritualität finden, selbst wenn sie vorher ein Leben in Ablenkung geführt haben, als gäbe es kein morgen. Wieder andere sitzen bei einem langen Sommerabend zusammen und kommen zumindest dann auf „überirdische“ Themen. Und selbst die dunkle Seite der Mystik kann ein Grund zum Nachdenken sein. Denn während viele Menschen zwar das Thema Gott ausblenden und sogar mit Gratismut bekennen, dass es ihn nicht gäbe und Religion einfach etwas für kleingeistige Gemüter wäre (eine Aussage, die Angesicht dessen, was für Persönlichkeiten in der Menschheitsgeschichte religiös waren und heute sind von Ignoranz und Unwissen nur so strotzt und eine der dümmsten Aussagen ist, die man machen kann), würden die selben Menschen sich nicht auf Satanismus einlassen und haben sogar Angst davor. Erstaunlich, wie ich finde. Da ist ihnen das Risiko dann doch zu groß, weil es sie etwas kosten könnte. Und ja, der Preis wäre wahrlich hoch.

Häufig ist ein Grund aber auch das Universum. Das Universum selbst wird personifiziert und Menschen sagen, sie leben im Einklang mit diesem Universum. Dass das Universum faszinierend ist, braucht man sicher niemandem zu erklären. Die reinen Zahlen verstehen zu faszinieren und sind das, was oft als „mindblowing“ beschrieben wird:

MaßWertErklärung
Radiusca. 46,5 Milliarden LichtjahreAbstand zum Rand in jede Richtung
Durchmesserca. 93 Milliarden LichtjahreGesamte Breite der sichtbaren Kugel
Volumenriesig (ca. 4 × 10^5 Gly³)Unfassbar groß

Das Universum ist 13,8 Milliarden Jahre alt. Warum ist das beobachtbare Universum dann viel größer als 13,8 Milliarden Lichtjahre? Weil sich der Raum selbst ausdehnt. Das Licht von fernen Galaxien hat 13,8 Milliarden Jahre gebraucht, um uns zu erreichen – aber währenddessen hat sich der Raum dazwischen weiter ausgedehnt. Deshalb sind diese Objekte heute viel weiter weg.

  • Wir wissen nicht, wie groß es wirklich ist.
  • Es könnte unendlich groß sein.
  • Selbst konservative Schätzungen sagen: Das gesamte Universum ist mindestens 250-mal größer als das beobachtbare (also mehrere Billionen Lichtjahre Durchmesser).
  • Manche Modelle gehen von 10²³-mal größer oder mehr aus.

Alles, was jenseits des beobachtbaren Horizonts liegt, können wir nie sehen – das Licht von dort wird uns wegen der Expansion des Raums nie erreichen.

Das ist eine der verrücktesten Erkenntnisse der Kosmologie: Wir sehen nur einen winzigen „Lichtblasen“-Ausschnitt eines möglicherweise unendlichen Universums. Und die Existenz dieses Universums führt Menschen unweigerlich zum Nachdenken. Nur mit maximal mutwilliger Ignoranz oder wenn keine ausreichende Anzahl an funktionierenden Hirnzellen mehr nutzbar ist, wird das Thema Universum ausgeblendet.

Das sind also einige der Gründe, warum Menschen nach Spiritualität suchen und sie in ihrem Leben haben wollen. Aber wie so oft, hätten das viele gerne als „free lunch“. Daraus sollen keine Konsequenzen erwachsen. Das ist das andere Extrem im Vergleich zu den falschen Konsequenzen, also menschengemachten Regeln, also etwas, was viele Menschen mit Religion in Verbindung bringen. Aber hier fängt auch schon das Unwissen in Bezug auf den Monotheismus an: Im Monotheismus meint Religion nicht das, was westlich sozialisierte Menschen unter Religion verstehen. Und das wurde auch schon von Gelehrten sehr schön zum Ausdruck gebracht. Eine der tiefsten Wahrheiten über die monotheistische Spiritualität, also eine Spiritualität mit Gott statt (wie so oft heute) ohne ihn ist diese:

Islam“ bedeutet also nicht nur „eine Religion“, sondern vor allem einen Zustand:

Die vollständige, freiwillige und liebevolle Hingabe des ganzen Wesens an Gott, wodurch der Mensch inneren Frieden (Salām) und Sicherheit findet.

Wer sich der Wahrheitsfrage stellt und an Tiefe wirklich Interesse hat und bereit ist die Konsequenzen dessen zu erkennen, der wird sich mit einer entkernten Spiritualität ohne Gott ohnehin nicht zufrieden geben, die letztlich eher eine soziologische Notwendigkeit des 20. Jahrhunderts im Westen war, wie es Ludwig von Bertalanffy schrieb. Wer wirklich Wahrheit sucht und bereit ist, Konsequenzen zu tragen, kommt um die Gottesfrage nicht herum. Eine Spiritualität ohne ontologischen Anker (ohne „Kerngedanken“ von Transzendenz, Schöpfung, Personalität) bleibt letztlich Therapie, Ästhetik oder Soziotechnik – nützlich für mentale Gesundheit oder gesellschaftliche Kohäsion, aber philosophisch unbefriedigend.

Das ist eine klassische theistische Kritik an der Moderne, die man bei Autoren wie:

  • C.S. Lewis („Mere Christianity“ – der „Tao“ ohne Quelle)
  • Romano Guardini
  • Eric Voegelin („Immanentisierung des Eschatons“ als moderne Gnosis)
  • oder auch bei Dostojewski („Wenn Gott tot ist, ist alles erlaubt“ – in radikaler Konsequenz)

findet.

Vieles von dem, was heute als „Spiritualität“ vermarktet wird (Achtsamkeit ohne Askese, „Universum“ als vager Ersatz für Gott, Energieheilung etc.), ist oft verdünnter Synkretismus – seelische Selbstpflege für säkulare Bourgeoisie. Sie vermeidet die harten existentiellen Konfrontationen (Schuld, Tod, Gericht, Gnade, absolute Forderung). Gleichzeitig lebt man mit der Ignoranz und frappierendem und sogar oft peinlichem Unwissen darüber, was Religionen lehren (nicht nur der Islam nebenbei bemerkt). Ein Kompromiss für Gesellschaften, die die christliche Metaphysik verloren hatten, aber die seelische Leere und die Sinnkrise nicht ertragen wollen, deren Folgen überall mehr und mehr sichtbar werden.

Eine Spiritualität ohne Gott ist wie die Beziehung mit einer KI statt einem echten Menschen. Am Ende weisst Du, dass es eine tote Beziehung ist, egal wie real die Antworten scheinen. Spiritualität ohne Gott ist genau das: Tot.

Um eine Beziehung zu Gott aufzubauen, muss man ihn allerdings kennen lernen. Und das Gott ein Geist ist (das ist die Beschreibung, die für uns hier vermutlich am hilfreichsten ist), ist es notwendig ein paar Dinge zu wissen. Das ist das, was die monotheistische Religion ausformuliert und das zu allen Zeiten schon. Und zwar sehr konsistent.

Eine häufige Inschrift an Häusern damaliger deutscher Siedler in Haifa: „Ich und mein Haus wollen dem Herrn dienen“. Aber wer ist mit „Herr“ gemeint? Und was bedeutet es „dem Herrn zu dienen“? (Bildquelle: Eigen. Haifa, 2022)

Eine spirituelle Reise ins Herz des Islam

Der Islam wird oft als die am meisten mißverstandene Religion der Welt bezeichnet und dafür gibt es viele Gründe. Ich empfinde es nach nun doch einigen Jahren „im Islam“ selbst als eine Herausforderung, das in Worte zu fassen. Es ist wie als wenn man einem Blinden die Farben erklären müsste.

Der Islam ist wie ein Brief von unserem Schöpfer an uns Menschen, an Dich und an mich. Es liegt bei uns, ob wir diesen Brief lesen und die Antworten erhalten, nach denen wir suchen. Es sind auch vielleicht nicht die Antworten, die wir gerne hören würden, sondern die in uns erst eine Weile reifen müssen, bis wir verstehen warum es ist wie es ist. Es liegt auch an uns, ob wir unseren Herrn und Schöpfer in unser Leben lassen. Wir haben die freie Wahl, die Willensfreiheit und Eigenverantwortung für unser Leben. Es geht beim Islam eigentlich viel weniger um Regeln, als es viele meinen, viele Kulturmuslime mit eingeschlossen. Da der gelebte Islam aus Hunderten von Kulturen mit einer ganz eigenen Geschichte besteht, kann man schnell den Fokus darauf verlieren, was der Islam denn nun wirklich ist. Oder man bleibt gefangen im Kleinklein von Oberflächlichkeiten und menschlichem Handeln.

Der Islam ist die Lehre davon, dass dieses Universum und alles Leben einen Ursprung hat und dass dieser Ursprung eine personifizierte Macht ist, die 100% transzendent ist. Diese Macht steht außerhalb von Raum und Zeit und ist kein Teil der gemachten Dinge. Sie ist also weder das Universum noch irgend etwas in der sonstigen Schöpfung. Die Begriffe, die wir über diese Macht haben, sind natürlich unvollkommen und stets aus einer menschlichen Perspektive formuliert. Wie sollte es auch anders sein? Demzufolge können wir als Menschen sagen, dass diese Macht Eigenschaften hat, die wir auch in den gemachten Dingen sehen können und die wir sogar widerspiegeln können. Das berühmteste Beispiel dafür ist die Liebe. Diese Macht hat zu allen Zeiten mit dem Menschen kommuniziert und macht das bis heute, beispielsweise durch die Schöpfung und durch den Quran. Sowohl die Verse des Quran als auch alles, was wir in der Schöpfung sehen können, wird als Zeichen beschrieben (Aya), was uns zum Nachdenken bringen soll. Der Islam ist keine Religion, die Menschen davon abhält zu denken und zu forschen, sondern das genaue Gegenteil davon. Der Islam fordert auf zu hinterfragen und vor allem zu denken. Der Quran referiert sich selbst als Botschaft für „Menschen, die denken“.

Es gab einige herausragende Persönlichkeiten, Propheten genannt, die eine direkte Botschaft an alle Menschen übermittelten. Der letzte dieser Propheten war Mohammed ﷺ , aber es wäre falsch, die Botschaft des Islam auf ihn zu begrenzen. Denn den Islam in seiner eigentlichen Kernaussage lehrten sie alle, denken wir nur an Abraham, Mose, Jesaja und Jesus von Nazareth und ich habe auf meinem Blog im Laufe der Zeit schon Hunderte Belege dafür gebracht. Der Islam „begann“ also nicht vor 1400 Jahren, sondern ist in seiner Tiefe schon sehr viel älter. Was vor 1400 Jahren begann war nur die letzte äußere Form des Islam. Das ist etwas, was viele unzureichend verstehen was auch daran liegt, dass sie nicht wissen was Islam ist.

Neben dem Hauptaspekt der Existenz unseres Schöpfers, ist ein ganz entscheidender Punkt, dass diese Welt in der wir leben (1) nicht echt ist, sondern (2) eine Prüfung ist. Das hier ist also nicht das echte Leben. Es ist wie ein Traum, aus dem wir aufwachen wenn wir sterben. Man könnte es moderner auch als Matrix bezeichnen. Danach beginnt die Wirklichkeit. Und die Wirklichkeit wird für Menschen, die ihren Schöpfer in ihrem Leben an erster Stelle haben und sich bemühen gute Menschen zu sein, ein ewiges Leben unter friedlichen und gesegneten Umständen sein. Mit ihrem Schöpfer. Das ist das, was der Quran und die Bibel mit Synonymen wie Paradies, Himmelreich und Ewigkeit umschreiben. Semitische Sprachen sind Bildsprachen und Synomsprachen und die letzten uns übermittelten Botschaften von unserem Schöpfer waren in aramäisch, hebräisch und arabisch – alles semitische Sprachen, die eine besondere Tiefe transportieren können, was ein spannendes Thema für sich ist und je mehr ich selbst darüber erfahre desto klarer wird mir, dass auch das kein Zufall war.

Da dieses Leben hier nicht echt ist, kann auch alles was hier passiert rückgängig gemacht werden bzw. genauer gesagt ist es letztlich so, wie wenn es nie geschehen wäre. Und hier liesse sich vieles sagen. Vielleicht nur so viel: Wer hier stirbt, ist nicht wirklich tot. Sondern nur nicht mehr in dieser Welt. Tot sind wir aus der Sicht unseres Schöpfers nur dann, wenn er uns aus seiner Erinnerung gestrichen hat, weil wir ihn nicht in unserem Leben haben wollen. Das ist einer der Gründe für die bemerkenswerte Aussage „erinnere Dich an mich und ich werde mich an Dich erinnern“ Quran, al Baqarah (2):152. „Dhikr“ (ذكر) bedeutet hier nicht nur „erinnern“, sondern vor allem Gott zu gedenken – durch Gebet, Lobpreisung, das Aussprechen Seines Namens, das Lesen des Qurans oder einfach das Bewusstsein seiner Gegenwart im Alltag. Der Vers drückt eine gegenseitige Beziehung aus: Wenn der Mensch sich aktiv an Gott erinnert, dann wendet sich Gott ihm mit besonderer Aufmerksamkeit, Barmherzigkeit und Nähe zu. Es ist eine Einladung zur inneren Nähe zu Gott. Viele Sufis (wie Rumi und Shams) haben diesen Vers immer wieder zitiert und vertieft, weil er perfekt passt: Die Liebe und Erinnerung zwischen Mensch und Gott ist wechselseitig.

Der komplette Vers (Aya) lautet: „So erinnert euch an Mich, dann werde Ich Mich an euch erinnern. Seid dankbar Mir gegenüber und seid nicht undankbar.“

Und hier kommen wir zum Herz des Islam, die Anbetung unseres Schöpfers. Wir wollen uns kurz auf einen Gedanken einlassen, um hier „die Spreu vom Weizen“ sozusagen zu trennen. Die Erkenntnis, dass es einen Gott, also eine Urmacht geben muss ist das eine. Diesen Gott zu suchen und versuchen zu erfassen, was das wirklich bedeutet, etwas ganz anderes. Ein erster Schritt in diese Richtung ist die Dankbarkeit. Der Vers steht im Zusammenhang mit Dankbarkeit (Shukr) und dem Vermeiden von Undankbarkeit (Kufr = hier vor allem Undank). Ein Ungläubiger wird im quranischen Arabisch eigentlich nicht als solcher beschrieben. Er wird als Undankbarer (Kafir) beschrieben. Denn glauben tun Menschen ja immer irgend etwas. Aus dieser arabischen Wortwurzel geht auch „bedecken“ hervor und daher heisst es auch, dass die Erkenntnis über Gott wie durch einen Schleier bei den „Undankbaren“ verborgen ist. Ein Kafir ist also jemand, der die Zeichen Gottes (Ayat) bedeckt oder vor ihnen die Augen verschließt. „Kafir“ ist im quranischen Arabisch deutlich nuancierter als das deutsche Wort „Ungläubiger“ suggeriert. Es geht um Undankbarkeit, Verleugnung und das Bedecken der Wahrheit – nicht einfach um das Fehlen irgendeines Glaubens.

Der Islam lehrt in seinem Kern, dass wir jeden Tag mit Gott leben sollen. Im Deutschen würde man das als Gottesbewusstsein bezeichnen. Das „Bedecken der Wahrheit“ ist die Leugnung des Schöpfers, da Gott im Quran als „die Wahrheit“ bezeichnet wird: „Das ist deshalb, weil Allah die Wahrheit ist und weil Er die Toten lebendig macht und weil Er über alle Dinge Macht hat.“ Al-Hadsch (22:6).

Wenn Du an Gott wirklich glaubst und Gott das ist, als was er sich uns vorstellt, dann trennt sich hier wirklich die Wahrheit von der Unwahrheit. Denn es dürfte klar sein, dass nichts so wichtig wie Gott in unserem Leben sein kann. Nicht weil uns jemand sagt dass es so sein soll, sondern weil es so ist. Muss ich Dir sagen, dass Du Deine Frau lieben sollst? Muss ich Dir erklären, dass Du Dein Kind lieben sollst? Kannst Du mir beweisen, dass Du Dein Kind liebst? Du weisst einfach, dass es so ist. Es ist Deine Wahrheit und Deine Realität. Tag für Tag.

Der quranische Islam in seiner Essenz, in seinem tiefsten Inneren ist die Liebe Gottes zu uns Menschen, zu Dir und mir. Es ist die Offenbarung des EINEN lebendigen Gottes, der die Himmel und die Erde erschaffen hat.

Diese Welt ist in vielerlei Hinsicht eine Prüfung und es sind Prüfungen, durch die wir alle hindurchgehen müssen. Wir werden alles was wir lieben verlieren. Es geht um das, was die Baha’i als Soul Making beschreiben. John Keats schrieb: „Do you not see how necessary a world of pains and troubles is to school an intelligence and make it a soul?“

Die meisten Menschen sind undankbar und stolz. Sie sind überheblich, haben nie genug, halten sich für weise und schlau in ihren eigenen Augen. Auch die Bibel berichtet davon immer wieder. Aber das sind nicht die Menschen, die Gott liebt. Der Quran sagt ganz direkt, dass Gott undankbare Menschen nicht liebt. „Wahrlich, Allah liebt nicht die Treulosen, Undankbaren“ (kulla khawwānin kafūr).“ Sure Al-Hadsch (22:38). Gott liebt demütige Menschen, die ihn suchen. Menschen, die sich bemühen Gutes zu tun und nicht nur an sich selbst denken. Das sind die Menschen, die die „Gewinner“ sein werden, wenn sie diese Welt verlassen. Sie werden in die Freude ihres Herrn eingehen und alles was jemals war, wird vergessen sein. Egal wie groß die Schmerzen in dieser Welt sind, egal wie viel Leid noch kommen mag, alles endet mit dem Tod. Und dann ist es vorbei. Für das was danach kommt zählen andere Regeln, so wie die Gesetze für Schach, außerhalb des Schachbretts sind.

Das spirituelle Herz des Islam sind nicht die Dinge, die man am Islam nach außen wahr nimmt wie vielleicht die Gebete, ein paar Regeln für das Miteinander oder kulturelle Erscheinungsformen. Es ist auch nicht das Leben des Propheten Mohammedﷺ  oder eines anderen Propheten vor ihm. Das spirituelle Herz des Islam ist die Anbetung unseres Schöpfers und alles was mit ihm zu tun hat. Daher ist das ganze Leben eines gottesfürchtigen Menschen eine Ibada (عبادة), ein Gottesdienst.

Der Islam in seiner Tiefe hat mit Menschen zu tun, die Muslime sind, er hat auch mit Kulturen zu tun, die muslimisch sind. Aber der Islam sind nicht die Menschen und nicht die Kulturen. Der Islam ist die Wahrheit, aber nicht in der gelebten Religion. Der Islam ist die Wahrheit, weil die Wahrheit ausschliesslich Gott ist, wie er es selbst klar und deutlich im Quran sagt. Islam im Quran meint ausschließlich die Anbetung Gottes und das ist unser ganzes Leben, wenn wir Gott lieben und an die erste Stelle in unserem Leben setzen. Und genau das lehrte schon Jesus, Mose, Abraham und viele andere Propheten. Das kannst Du in Deiner eigenen Bibel nachlesen.

Verstehst Du jetzt, was der Islam wirklich ist?

So Gott will tust Du das. In den Islam trittst Du nicht ein wie in eine Kirchengemeinde. Den Islam lebst Du. Schon Johann Wolfgang von Goethe sagte, wir leben und wir sterben im Islam. Denke darüber einmal intensiv nach, denn Goethe meinte ganz sicher nicht einfach ein Label damit. Wir kommen nun zum finalen Schritt. Liebt Gott uns? Diese Frage dürfte vielen im Herzen brennen.

„Im Islam leben und sterben wir alle“

– J.W. Goethe

„Sag: Wem gehört, was in den Himmeln und auf der Erde ist? Sag: Allah. Er hat Sich selbst die Barmherzigkeit auferlegt (kataba ʿalā nafsihi ar-rahma).“ (Sure Al-An’am 6:12) Bildquelle: eigen. Hawaii, Big Island, 2018

Der Liebende

„Do you not see how necessary a world of pains and troubles is to school an intelligence and make it a soul?“

– John Keats

Gott liebt Dich – diesen Satz bekommt man oft irgendwo hinterher gerufen oder liest ihn im Internet. Aber ohne einen Kontext, ohne Erklärungen zu den großen Fragen dieser Welt, gibt einem das nicht wirklich Trost und ich denke es geht Dir ähnlich. Gott liebt mich, aber warum muss ich dann so leiden? Gott liebt mich, aber warum bekomme ich Krebs? Gott liebt mich, aber warum muss ich sterben. Ich habe in einigen Artikel in der Vergangenheit Fragen wie die genannten schon beantwortet. Mit den jetzigen Gedanken möchte ich die Dimension der Tiefe hinzufügen. Denn es geht nicht nur darum diese Fragen zu beantworten, es geht darum, dass diese Themen bedeutungslos werden angesichts der Liebe Gottes zu uns und dem, was daraus resultieren kann. Es ist eine Sache die Theodizee Frage zu beantworten. Es ist eine andere lächelnd auf dem Sterbebett zu liegen und zu wissen, es wird nur noch ein Wimpernschlag sein und das echte Leben beginnt.

Und ja, wir können nicht alle Fragen dieser Welt beantworten. Es gibt Dinge, die werden wir erst später erfahren und manches nie, so sagt es die Bibel und der Quran. Aber wenn wir eines wissen, dann wird uns Gott genug sein. „Und wer auf Gott vertraut, dem genügt Er“ Quran, 65:3.

Gott selbst beschreibt sich uns gegenüber als der Liebende im Quran. Er zeigt, dass Liebe eine grundlegende Eigenschaft Seines Wesens ist. Anders als in der Bibel, in der andere über ihn sagen, dass er Liebe sei, stellt sich Gott im Quran mit diesem Namen vor. Hast Du das gewusst? Als Nichtmuslim wahrscheinlich nicht. Im Arabischen gibt es viele Wörter für Liebe und viele Stufen von Liebe. Aber „Al-Wadud“ ist eine extrem starke Form der Liebe. „Al-Wadud“ kommt von der Wurzel w-d-d und beschreibt eine tiefe, zärtliche, treue und gegenseitige Liebe. Es ist keine einseitige, romantische oder nur mitleidige Liebe, sondern eine Liebe, die Beziehung sucht und belohnt. Deshalb passt sie so gut zu Versen wie:

„Allah wird ein Volk bringen, das Er liebt und das Ihn liebt.“ (5:54)

In der Bibel sagt Gott selbst nicht direkt „Ich bin die Liebe“. Es ist der Apostel Johannes, der in 1. Johannes 4:8 und 4:16 schreibt: „Gott ist Liebe“ (ho theos agapē estin). Das ist eine Aussage über Gott. Diese Aussage ist nicht falsch. Aber was sagt Gott selbst?

Im Quran hingegen spricht Gott in der ersten Person über Sich selbst und verwendet aktiv Namen wie Al-Wadud, Ar-Rahman (der Allerbarmer) und Ar-Rahim (der Barmherzige). Das gibt der islamischen Gottesvorstellung eine sehr direkte, persönliche Note und ist auch genau so gemeint. Der Islam ist eine Religion der Absicht (Niyya). Taten werden ganz maßgeblich nach ihrer Absicht bewertet. Diesen Maßstab stellt Gott selbst auf, er will dass wir Dinge in reiner Absicht tun. Grundsätzlich legt Gott Maßstäbe fest, denen er auch selbst folgt. So sagt er, dass er sich die Barmherzigkeit auferlegt hat. Du kannst also davon ausgehen, dass wenn Gott sagt, dass er der Liebende und der Allvergebende ist, dass er das ganz genau so meint, wie Du es in diesem Moment in Deinem Herzen empfindest, wenn Du diese Zeilen liest.

Diese Liebe kannst Du nicht beweisen, aber Du kannst sie spüren. Und je mehr Du sie erwiderst desto stärker wird sie. Sie wird Dich über alle Schmerzen und über alle Prüfungen hinweg tragen. Erinnere Dich an den Eingang dieses Artikels. Die Liebe, die Du für Deine Frau empfindest. Oder die Liebe, die Du für Dein Neugeborenes empfindest. Das ist die absolute Gewissheit, da gibt es nicht den leisesten Zweifel daran. Du musst nichts beweisen und nichts in Frage stellen. Das ist echt und Du weisst es.

Gott liebt Dich und wartet nur auf diesen einen Moment wo Du erkennst, dass es ihn wirklich gibt und sagst, „es gibt nur einen Gott und das bist Du mein Schöpfer. Ich will Dich anbeten!“ Das ist Deine Liebeserklärung an Gott und ich verspreche Dir bei allem was mir heilig ist, dass wenn Du diesen Schritt gehst, Dein Leben sich verändern wird. Dein Blickwinkel wird sich ändern, Dein Inneres wird sich verändern. Der Islam ist nichts wo Du irgendwo eintreten musst oder Mitglied wirst. Interessanterweise fragen mich das immer wieder Bekannte. „Martin, wie bist Du da eingetreten?“ Oder: „Martin, wo muss man da hingehen, um das zu machen“?

Diese Fragen zeigen wie weit manche davon entfernt sind zu begreifen, was der Islam ist. Der Islam macht einen frei von allem, weil sich im quranischen Islam alles um Gott dreht. Was sollte dann noch wichtig sein? Folglich wird man auch kein Mitglied von einer menschlichen Organisation. Man wird ein Diener Gottes. Und das bekennt man ganz alleine Gott gegenüber, da muß niemand dabei sein. Gott ist real und Gott erhört unsere Gebete und Versprechen. Wenn wir ihm sagen, dass wir ihm dienen wollen und dass wir ihn lieben, dann wird die „Freude im Himmel“ riesig sein, wie es mal die Bibel über einen Sünder sagte, der umkehrte und bereute.

Die stärkste Form der göttlichen Liebe im Quran ist die Barmherzigkeit: Sure Al-A’raf (7:156): „Meine Barmherzigkeit umfasst alles.“

Gott ist zu einem Maß bereit an Vergebung, das keine Grenzen kennt. Egal was wir in unserem Leben erlebt haben, egal was wir getan haben, wir müssen nur zu ihm umkehren. Er ist unser Zuhause, während wir durch den Sturm einer dunklen und kalten Nacht laufen.

Das Leben in dieser Welt wird weiter gehen, bis auch unser Tag gekommen ist. Dass der Tod von uns und von anderen nicht das ist, was viele Menschen meinen, das werden wir nun im letzten Teil dieses Artikels sehen.

Arabische Inschrift an einem Haus in Palästina: „Der Herr – ich aber und mein Haus, wir wollen dem Herrn dienen.“ Josua 24,15, Altes Testament der Bibel (Bildquelle: eigen. Haifa, 2022)

Die Abreise

„Und diese irdische Welt ist nichts als Spiel und Zeitvertreib. Und das Jenseits (die ewige Wohnstätte) – das ist wahrlich das echte Leben, wenn sie es nur wüssten.“

Al-Ankabut (29):64, Quran

Wer die abrahamitischen Religionen in ihrer Kernaussage nicht als Ganzes sieht, der übersieht die elementaren Aussagen, die sich wie ein roter Faden durch die Botschaften ziehen. Neben dem Wesen und den Eigenschaften Gottes, die wir im Alten Testament und durch das kennen lernen dürfen, was Jesus über Gott lehrte, finden wir viele weitere Punkte im Quran, der Dinge ergänzt, Unklarheiten beseitigt und uns mehr von Gottes Selbstbeschreibungen liefert. Aus all dem wird ein wertvolles Ganzes, was uns auch viel über die Beschaffenheit dieser Welt zeigt. Diese Welt in der wir leben, ist nicht das Leben, was für uns vorgesehen ist. Sie wird als (1) Spiel und (2) Trug bezeichnet, die Bibel spricht von einem Schauspiel. Diese Welt ist, wie schon geschrieben, auch eine Prüfung.

Ein ganz maßgeblicher Grund für das Leid auf dieser Erde ist nicht nur der Einfluss Satans und seiner Dämonen, sondern auch, dass Menschen sich nicht an Gottes Gebote halten. Und nein, das sind nicht die Regeln irgendwelcher „Religionen“, sondern im Kern die 10 Gebote, die Mose am Sinai empfangen hat. Dass Menschen morden, lügen, betrügen, ehebrechen und Gott keine Rolle in ihrem Leben spielt, ist einer der Hauptgründe für die Zustände auf diesem Planeten. Dass Menschen diese Erde mutwillig zerstören, dass sie habgierig sind, das alles hat Folgen. Das sind Dinge, die Menschen tun und Leid, was Menschen verursachen.

Es hat keinen Sinn mit seinem Herzen in dieser Welt verhaftet zu sein. Diese Welt ist im besten Fall, in den schönen Momenten, ein Ort, an dem wir daran denken sollen, dass das Schöne und Gute ein winziger Vorgeschmack auf die Zukunft ist. Und im schlechten Fall sollen wir erinnert werden, dass das Leid alles eines Tages der Vergangenheit angehören wird. Alles sollte uns immer an das „bigger picture“ erinnern. In Hebräer 11 in der Bibel wird ausformuliert, dass wir „wie Fremdlinge“ in dieser Welt leben sollten. Das impliziert, dass diese Welt nicht unser Zuhause ist. Wir sind hier nur vorübergehend. Wir machen das Beste aus der Situation und ja, es wird auch schöne Momente geben. Aber das Leid, auch das Leid was wir sehen, sollte uns immer wieder eine Erinnerung sein. Ignorieren wir das nicht.

Wir werden alle diese Welt durch den Tod verlassen. Wir alle müssen sterben und zu diesem Leben gehört der Tod dazu. Der Quran mahnt uns, damit das keine böse Überraschung wird: „Und diejenigen, die ungläubig sind, werden nicht aufhören, daran zu zweifeln, bis plötzlich die Stunde über sie kommt oder die Strafe eines unheilvollen Tages über sie kommt.“ Sure Al-Hajj (22):55

Das was der Quran hier anspricht ist das typische „hätte ich doch nur…“. Hätte ich doch nur schon früher dies, das und jenes getan. Im Moment des Todes werden viele Menschen erstaunlich klar, auch wenn sie sich vorher noch so sehr betäubt haben. Für viele wird das dann aber zu spät sein. Die „unheilvolle Stunde“ soll über uns nicht unvorbereitet kommen. Wir müssen kein perfektes Leben führen, nicht vollkommen sein oder sonst etwas tun. Wir sollen unser Leben nur mir Gott führen, in seinem Gedenken und kein Tag soll vergehen, ohne dass wir mit ihm gesprochen haben.

Die „plötzliche Stunde“ wird kommen, für jeden von uns. Aber sie ist nichts weiter als die Abreise. Wir sind Fremdlinge in dieser Welt. Und egal in welchem Moment wir erwischt werden, in einem Flugzeug, auf den Weiten des Ozeans, auf den Gipfeln der Berge oder in unserem Bett daheim, dann geht es nach Hause. Unser Leben hier ist dann vorbei, es ist die unaufschiebbare Abreise. Das ist der Moment der Wahrheit und nach meinen ganz persönlichen Erfahrungen auch für viele erschreckend, weil Menschen innerlich wissen, dass das Leben hier nicht das Ende ist. Sie haben eine innere Gewissheit, dass es Gott gibt und dass sie vor ihn treten werden. Diese innere Gewissheit nennt sich Fitra (فطرة). Es ist die innere Veranlagung, die jeden Menschen von Geburt an dazu neigt nach Wahrheit und Schönheit zu streben, den Einen Gott zu erkennen, ihn zu lieben und zu verehren und Gut von Böse zu unterscheiden. Diese Fitra wird durch die Sozialisierung überlagert, aber bricht sehr oft am Lebensende wieder durch.

Warum sollte man immer wieder auf Menschen vertrauen und enttäuscht werden? Warum „Gurus“ hinterher laufen und Götzen anbeten? Warum sich jeden Tag betäuben und davonlaufen? Warum sich von menschengemachten Religionen und Sekten versklaven lassen? Warum auf Politiker hoffen? Warum das alles?

Wäre es nicht viel weiser und erfüllender mit Gott durch dieses Leben zu gehen? Im tiefen Vertrauen und in der Hoffnung und mit der größten Liebe dieses Universums, die uns nicht enttäuschen kann. Wenn uns Gott genug ist, dann brauchen wir nichts anderes. Das ist der wahre Monotheismus. Und das ist das, was Gott selbst als س-ل-م (s-l-m) im Quran beschreibt, seine Religion. Die arabische Wortwurzel س-ل-م (s-l-m) bedeutet Salām (سلام) = Frieden. Sie drückt einen Zustand von Sicherheit, Ganzheit und Unversehrtheit aus. Aber auch Vollkommenheit: Etwas, das „salīm“ (سليم) ist, ist gesund, integer, unverdorben und rein. Die zentrale Bedeutung von س-ل-م (s-l-m) ist aber nichts geringeres als „die vollständige Hingabe“ oder „die Unterwerfung“ unter den Willen Gottes.

س-ل-م (s-l-m) ist Islam. Nicht mehr und nicht weniger. Und mehr braucht es auch nicht für den Frieden. Den Seelenfrieden, das nach Hause kommen, die innere Ruhe. Dann gehen wir in die Freude unseres Herrn ein. Endlich! Unser Schöpfer wartet auf uns und freut sich über unsere Rückkehr zu ihm. Es gibt eine authentische islamische Überlieferung, die das sehr gut ausformuliert und vielleicht geht es Dir ja eines Tages wie mir, dass genau diese Gedanke Dich im richtigen Moment erreicht: „Wer Mir eine Spanne entgegenkommt, dem komme Ich eine Elle entgegen. Wer Mir eine Elle entgegenkommt, dem komme Ich zwei Ellen entgegen. Wer Mir gehend entgegenkommt, dem komme Ich laufend entgegen. Wer Mir mit Sünden, die die Erde füllen, begegnet, ohne Mir etwas beizugesellen, dem begegne Ich mit ebenso viel Vergebung.“ Sahih al-Bukhari Nr. 7405 (Buch der Tauhid / Einheit Allahs)

Dieser Hadith drückt die überwältigende Gnade und Barmherzigkeit Gottes aus und wurde mehrfach überliefert. Wenn wir nur einen Schritt auf Gott zugehen, wird das nicht unbemerkt bleiben. Und selbst wenn unsere Fehler und Sünden die ganze Erde füllen, wenn wir unseren Schöpfer anrufen und ihn alleine anbeten, wird er uns alles vergeben und mit seiner Vergebung, Barmherzigkeit und Liebe überschütten.

Eine offene Frage, Hand aufs Herz, ist das nicht unser Gott? Ist das nicht genau das, was wir fühlen, wenn wir an ihn denken? Gibt es denn irgendetwas Schöneres, Größeres, Besseres, Erhabeneres und Erfüllenderes, als Gott anzubeten? Nur Du und Dein Schöpfer. Wenn Du das so empfindest, so fühlst und begriffen hast, dann hast Du den Islam verstanden. Das ist Islam. Gott ist die Wahrheit und die Wahrheit wird Dich frei machen! Was sollte denn sonst noch wichtig oder von Bedeutung sein? Richtig. Nichts. Wer das begriffen hat, der ist frei!

Ich wünsche Dir liebe Leserin, lieber Leser, eine gute Reise hier auf dieser Welt und eine gute Heimreise, wenn die Stunde gekommen ist. So Gott will, sehen wir uns auf der anderen Seite. Eine Wiedervereinigung mit allen Menschen aller Zeiten, die Gott liebten und auf dieser Erde wandelten. Und erst dann, wenn alles Leid, aller Schmerz, alle Trauer vergangen sind, wenn Gott unsere Herzen geheilt hat, dann beginnt das wirkliche Leben! Das ist nichts Geringeres als das Versprechen Gottes an uns!

Gott über Allem! Amin.

„Doch diejenigen, die glauben und rechtschaffene Werke tun – Wir werden sie in Gärten eingehen lassen, durchzogen von Flüssen, worin sie ewig verweilen werden. Das ist das Versprechen Allahs in Wahrheit. Und wer ist wahrhaftiger als Allah in Seiner Aussage?“

Quran, Sure An-Nisa (4) : 122

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