Kann man mit ETFs reich werden?

„Eigenverantwortung ist die einzige Art Verantwortung, auf die Du Dich verlassen kannst“

– unbekannt

Die Frage, ob man mit ETFs reich werden kann, wird in Social Media immer wieder gestellt. Viele Menschen können sich das nicht vorstellen was auch daran liegt, dass die meisten Menschen kumulative Effekte über einen langen Zeitraum nicht einschätzen können. Das ist übrigens auch in anderen Lebensbereichen so. Langfristig ungesund zu essen und zu viel Alkohol trinken ist nichts anderes. Oder langfristig jede Woche Sport zu machen und 100 Wörter einer neuen Sprache lernen. Bei den genannten Beispielen wird nach einer Woche nicht viel passiert sein und auch nach einigen Monaten vielleicht noch nicht. Aber nach Jahren hat man sich entweder ruiniert oder sein Leben auf eine neue Ebene gebracht. Viele Effekte im Leben bauen sich über einen langen Zeitraum auf und so ist es auch mit dem sogenannten Zinseszins Effekt. Wer über einen langen Zeitraum regelmässig investiert, der baut buchstäblich ein Vermögen auf.

Von der Bitcoin-Sekte und anderen wird das gerne klein geredet. Die Inflation würde alles auffressen und man sollte statt dessen in Bitcoin investieren. Das zeigt mir nur, dass auch diese Leute (1) offenbar die Grundrechenarten nicht beherrschen und (2) keine Ahnung vom Verhältnis von Rendite zu Inflation haben und vor allem davon, was mit Unternehmenswerten durch die Inflation passiert. Es gibt nachweislich keinen solideren Weg langfristigen Vermögen aufzubauen, wie mit marktbreiten ETFs. Was es aber braucht ist Durchhaltevermögen und Geduld. Leider sind das Eigenschaften, die in Zeiten des Sofortgenusses in der Gesellschaft nicht hoch im Kurs stehen.

Besonders bitter ist auch, dass in Deutschland so gut wie kein relevantes Finanzwissen an Schulen vermittelt wird. Dazu kommt, dass laut Umfragen die Mehrheit der Lehrer ein links-grünes Mindset haben und als Beamte nicht wirklich begreifen, warum Vermögensaufbau für das Alter notwendig ist. Der Staat kümmert sich schon darum. Im Elternhaus ist es nicht besser. Die wenigsten Eltern vermitteln ihren Kindern dieses Wissen, da sie es meist selbst nicht haben. Woher auch? Wenn man nicht aktiv Interesse dafür hat, dann wird man mit diesem Thema in Deutschland nicht konfrontiert. Statt dessen bekommt man bestenfalls ein Gespräch bei der Spasskass oder dem Versicherungs-Fritzen, wo man dann völlig überteuerte Finanzprodukte in einem Verkaufsgespräch angedreht bekommt.

Wenn Du diesen Artikel gelesen hast, wirst Du merken, was für ein Verbrechen das eigentlich ist. Die allgemeine Verblödung, das fehlende Fachwissen und der Finanzvertrieb sind dafür verantwortlich, dass Millionen Menschen in der Altersarmut landen. Dabei könnte das alles anders sein. Aber es ist offenbar nicht gewollt.

„Sein eigenes Ding durchziehen“ – die eigene Einstellung ist enorm wichtig. Die meisten Menschen brauchen die Anerkennung von anderen und legen zu viel Wert darauf, was andere über sie denken. Das macht abhängig und verdeckt sogar den Blick auf das, was wirklich im Leben zählt. Und beim Thema Geld kann es dazu führen, dass man die falschen Prioritäten setzt. Was andere Menschen denken sollte Dir in den meisten Fällen völlig egal sein. Je früher Du das akzeptierst, desto leichter wird das Leben.

Reichtum

Reichtum oder „reich werden“ ist natürlich ein sehr schwammiger Begriff, da jeder etwas anderes darunter versteht. Und selbst wenn wir „nur“ von Geld reden, dann ist die Frage, ab welcher Summe ist man reich? Daher müssen wir das etwas genauer definieren und ich würde persönlich auch nicht den Begriff „reich“ wählen, sondern eher „vermögend“. Viele würden mir wohl zustimmen, dass man in Deutschland im Jahr 2026 vermögend ist, wenn man ein liquides Nettovermögen von sagen wir 350.000 Euro aufwärts hat. Das Geld ist also nicht in Steinen (Immobilie), sondern ist investiert und wirft Erträge ab, die wieder mit angelegt werden. Je jünger man dabei ist, desto besser. Das ist keine Frage.

Das große Problem, was auf Millionen von Menschen zukommt ist, dass sie dieses Vermögen weder jetzt noch in Zukunft haben werden, sondern bestenfalls die gesetzliche Rente und vielleicht eine kleine private Zusatzrente haben werden. Und manche haben nicht einmal das. Das bedeutet, die Altersarmut wird Realität. Und Flaschen sammeln wird das nicht ausgleichen können. Darin steckt nicht nur ein riesiger sozialer Sprengstoff, sondern auch ein millionenfaches bitteres Einzelschicksal. Da viele junge Menschen diesen Blog lesen (auch viele mit Migrationshintergrund), weise ich immer wieder darauf hin, wie wichtig privates Investieren ist, anstatt sich unnötiges Zeug zu kaufen um andere Leute zu beeindrucken oder in der Gesellschaft angepasst zu sein. Die Gesellschaft oder was andere über euch denken – und das ist eine grundsätzliche Lektion des Lebens – ist völlig latte. Ja, es ist scheissegal! Lernt das am besten so schnell wie möglich, es erspart euch eine Menge persönliches Leid und Zeitverschwendung in eurem Leben.

Aber gut, kommen wir zu der Frage: Kann man mit ETFs nun reich werden?

Ja, mit ETFs – besonders breit gestreuten wie auf dem 🇺🇸 S&P 500 – kann man sehr wohl reich werden. Aber es ist kein „schnell reich“-Schema, sondern ein extrem zuverlässiger, langfristiger Vermögensaufbau durch Disziplin, Zeit und Zinseszins. Viele Normalverdiener werden damit im Laufe von 20–40 Jahren richtig wohlhabend oder sogar millionenschwer. Und darum geht es!

Historische Rendite des S&P 500 – die Fakten

Der S&P 500 (die 500 größten US-Unternehmen) ist der bekannteste und meistgenutzte Benchmark für ETFs. Hier die langfristigen Durchschnittswerte (mit reinvestierten Dividenden, also Total Return):

  • Seit ca. 1957: ca. 10–10,5 % jährliche Durchschnittsrendite (nominal).
  • Über 100+ Jahre (seit 1926/1928): rund 10 % nominal pro Jahr.
  • Real (nach Inflation): ca. 6,5–7 % pro Jahr – das ist die Rendite, die deinem realen Kaufkraftzuwachs entspricht.

Wichtige Hinweise:

  • Das sind Durchschnittswerte über sehr lange Zeiträume. In manchen Jahren +30 %, in anderen -30 % oder mehr.
  • Die letzten 10–15 Jahre waren außergewöhnlich stark (oft 12–15 % p.a.), aber historisch pendelt es sich bei ca. 10 % ein.
  • Dividenden machen einen großen Teil aus (ca. 30–40 % der Gesamtrendite über Jahrzehnte).

Ein ETF auf den S&P 500 (z. B. iShares Core S&P 500 oder Vanguard S&P 500) bildet diese Rendite fast 1:1 ab – minus minimaler Gebühren (0,05–0,20 % p.a.).

Der Zinseszins-Effekt – warum Zeit alles entscheidet

Der größte Reichtum entsteht nicht durch hohe Rendite, sondern durch lange Anlagedauer und regelmäßiges Sparen. Hier konkrete Beispiele bei 10 % nominaler Jahresrendite (realistisch für S&P 500 langfristig):

Monatlicher Sparplan (ETF-Sparplan)

  • 200 € / Monat
    • 20 Jahre → ca. 144.000 €
    • 30 Jahre → ca. 413.000 €
    • 40 Jahre → ca. 1,11 Millionen €
  • 400 € / Monat (sehr machbar bei gutem Einkommen)
    • 30 Jahre → ca. 825.000 €
  • 500 € / Monat
    • 20 Jahre → ca. 359.000 €
    • 30 Jahre → ca. 1,03 Millionen €
    • 40 Jahre → ca. 2,78 Millionen €
  • 1.000 € / Monat (bei höherem Einkommen)
    • 30 Jahre → ca. 2,06 Millionen €
    • 40 Jahre → ca. 5,55 Millionen €

Bei 7 % realer Rendite (nach Inflation) wären die Beträge etwas niedriger, aber immer noch beeindruckend – z. B. 400 €/Monat über 30 Jahre ≈ 468.000 € real.

Einmalanlage

  • 10.000 € einmalig bei 10 %:
    • Nach 20 Jahren → ca. 67.000 €
    • Nach 30 Jahren → ca. 174.000 €
  • 50.000 € einmalig:
    • Nach 30 Jahren → ca. 872.000 €

Kombiniere beides (Einmalanlage + monatlicher Sparplan) und Du beschleunigst den Prozess massiv.

Weitere realistische Szenarien

  • Frühstarter (20 Jahre alt): 300 €/Monat über 45 Jahre bei 10 % → über 2 Millionen €.
  • Spätstarter (45 Jahre alt): 800 €/Monat über 20 Jahre → ca. 575.000 € – immer noch sehr stark.
  • Mit Gehaltserhöhungen: Viele erhöhen die Sparrate alle 2–3 Jahre (z. B. um 50–100 €). Das katapultiert das Endvermögen enorm.

MSCI World (weltweit gestreut) hat historisch etwas niedrigere Renditen als reiner S&P 500 (ca. 8–9 %), ist aber diversifizierter und weniger US-lastig, falls Du das vorziehst. Unsere Empfehlung ist aber der S&P500.

Die harte Realität – warum nicht jeder reich wird

  • Zu wenig sparen: Viele schaffen nur 5–10 % Sparquote.
  • Zu spät anfangen: Ab 50 wird es schwer, ohne hohes Einkommen Millionär zu werden.
  • Panik bei Crashs: 2008, 2020, 2022 – viele verkaufen genau am Tiefpunkt.
  • Zu hohe Erwartungen: 20–30 % p.a. sind unrealistisch bei breiten ETFs.
  • Inflation & Steuern: In Deutschland fallen Abgeltungsteuer + Solidaritätszuschlag an (effektiv ca. 26,4 % auf Gewinne). Depot in einer steueroptimierten Struktur (z. B. über bestimmte Broker) hilft.
  • Lebensstil-Inflation: Mit steigendem Einkommen steigen oft auch die Ausgaben.

Deutschland selbst ist einer der Hauptgründe, warum es Menschen nicht schaffen vermögend zu werden. Wer Abgeltungssteuer auf seinen privaten Vermögensaufbau zahlen muss, der wird politisch gewollt dabei aufgehalten Vermögen aufzubauen. Aus meiner persönlichen Sicht keine Kleinigkeit, sondern eine bodenlose Unverschämtheit. Die Steuern muss man aus eigener Tasche kompensieren. Es benötigt eine gewisse „jetzt erst recht Einstellung“.

Praktischer Plan für den Einstieg

  1. Notfallreserve aufbauen (3–6 Monatsausgaben auf Tagesgeld).
  2. Teure Schulden (Kreditkarte, Dispo > 6–7 %) zuerst tilgen.
  3. Sparplan einrichten bei günstigen Brokern (Trade Republic, Scalable, Consorsbank, Swissquote etc.) – ab 1 €/Monat möglich, oft kostenlos.
  4. Empfohlene ETFs:
    • 70–100 % S&P 500 oder MSCI World
    • Optional 0–30 % Emerging Markets für mehr Wachstum
  5. Einfach machen und ignorieren: Einmal im Jahr checken, sonst nicht hinschauen.
  6. Steuern optimieren: Auslandsdepots außerhalb der EU.

Fazit: Ja, man wird mit ETFs „reich“ – vor allem mit einem S&P 500-ETF und konsequentem Sparen. Es ist der demokratischste Weg zum Vermögen, den es je gab. Wer mit 25–35 anfängt und 15–20 % des Einkommens investiert, hat extrem gute Chancen auf finanzielle Freiheit.

Der Markt hat in fast jedem 20–30-Jahres-Zeitraum neue Höchststände erreicht. Die größte Gefahr bist nicht der Markt – sondern Du selbst (Disziplin & Geduld).

Der deutsche Nannystaat steuert immer weiter Richtung Sozialismus. Das wird so enden, wie Sozialismus immer endet. Aber gerade das sollte einen erst recht dazu motivieren, Vermögen eigenverantwortlich aufzubauen, um überhaupt Optionen zu haben. Niemand muss in einer neuerlichen DDR Tristesse sterben, auf die Deutschland mit seinem derzeitigen Kurs zusteuert. Ich warne davor seit Jahren – nun werden viele Ignoranten die Früchte ihres fatalen Einstellung schmecken.

Jeder kann vermögend werden

Am besten man beginnt so früh wie möglich zu investieren. Das ist der größte Hebel bei diesen Berechnungen. Noch besser wäre es, wenn Eltern für ihre Kinder einen Sparplan von 50 Euro gleich bei der Geburt anlegen.

Gerade an diesem Beispiel sieht man, welche Macht der Zinseszinseffekt hat. Mit nur 50 Euro jeden Monat hat das Kind, wenn es den Sparplan fortsetzt, insgesamt 2,7 Millionen Euro bis zum 65. Lebensjahr. Der Sparplan muss noch nicht einmal erhöht werden. Du kannst Dir vorstellen was passiert, wenn das Kind, wenn es erwachsen ist, hier noch Einmalzahlungen vornimmt oder die Sparrate auf 100 Euro erhöht. Und nochmal: Wie viel Leid und Schmerz erspart man seinem Kind dadurch? Das ganze Rententhema ist erledigt, Altersarmut kein Thema mehr. Mit nur 50 Euro pro Monat.

Manche werden jetzt sagen, ja aber die Steuer! Was ist mit der Steuer in dieser Berechnung? In vielen Ländern der Welt zahlt man auf diese private Vorsorge keine Steuern. Das sind meist die Länder, die ihre Bürger zu Eigenverantwortung befähigen. In Ländern, die eher sozialistisch angehaucht sind wie Deutschland, zahlt man dagegen Steuern auf den Vermögensaufbau. Auch vor Kindersparplänen macht der Sozialismus keinen Halt. Neuerdings wird sogar diskutiert, dass die Abgeltungssteuer in Deutschland auf 30% angehoben werden soll. Ich kann darüber nur den Kopf schütteln. Aber ja, diese Steuern sind zu zahlen, wenn man in Deutschland lebt und man muss in diesem Fall mehr sparen, um diese zum kompensieren. Gerade im Falle des Vermögensaufbaus sind Steuern Raub und eine regelrechte Unverschämtheit. Und dumm dreist noch dazu. Denn der Staat hätte viel mehr von mündigen und vermögenden Bürgern im Alter. Aber im gelebten Sozialismus mit einer Staatsquote von über 50% kann man leider nicht erwarten, dass ökonomische Zusammenhänge und Grundrechenarten beherrscht werden. Es bleibt für den Einzelnen nichts anderes übrig, als eben noch mehr zu investieren und wenn sich die Lage weiter Richtung DDR 2.0 bewegt, das Land letztlich zu verlassen, sofern man dazu in der Lage ist. Dafür sollten die ETF Depots und Konten aber am besten schon im Ausland sein. Aber das ist ein anderes Thema dieses Blogs seit 2017.

“Take responsibility of your own happiness, never put it in other people’s hands.”

― Roy T. Bennett

Blackwater

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