„In einer Zivilisation, die aus ihrem Materialismus keinen Hehl macht und die materiellen Werte höher schätzt als die seelischen, ist es unvermeidlich, dass ein Vergehen gegen Eigentum und Besitz strenger bestraft wird als ein Vergehen gegen den Menschen.“

– Jack London

Wenn die geneigte Leserin oder der geneigte Leser von Islamic Banking hört, werden Assoziationen stets von dem ersten Teil des Begriffs ausgelöst: Islam. Aus dem Grund gibt es hier meistens erst einmal etwas zu erklären, bevor man mit dem zweiten Teil der Begrifflichkeit fortfahren kann. Und noch bevor das passiert muss klar sein, dass es einen Grund für die erwähnten Assoziationen gibt. Und der lautet meiner Auffassung nach: Die Medien.

Auch wenn es heute en vogue ist alles auf die Medien zu schieben – was auch eine unausgewogene Extremposition ist – so ist es teilweise eben einfach so, dass Medien massiv zur Meinungsbildung beitragen. Dies nach den letzten 2 Jahren Corona-Berichterstattung abzustreiten, wäre absurd. Zu angenähert, zu gleich hören sich die Aussagen in der Bevölkerung überall an, ganz wie in den TV-Sendern und Zeitungen von Nord nach Süd. Das merken vor allen Dingen die Menschen, die auch Auslandskontakte pflegen. Differenzierte Meinungen sind 2021/22 seltener geworden.

Die Medien haben zweifellos dazu beigetragen, ein sehr einseitiges Islambild zu vermitteln, welches fachlich auch noch meistens falsch ist. Dazu muss man nur ein Buch über Religionsgeschichte aufschlagen und schon merkt man das. Islamischer Staat, Taliban, Sunniten, Iran, Shia, Sufi, Aleviten, Alaviten, Scharia, Hammas, Hizbollah, Hijab, Burka, … alles ist irgendwie ein und das selbe. Dazu noch ein paar Qur’an Verse aus dem Zusammenhang gerissen und schon passt das Bild. Dass selbst zwischen den wenigen von mir genannten Begriffen ganze Welten liegen, wen interessiert das schon. Aber sobald man „mal was über Islam gehört hat“, kann man mitreden. Im noch deutlich besseren Fall kennt man eine muslimische Familie aus der Nachbarschaft. Und was die dann sagen, dass sagen und denken dann alle Muslime. Aber wer ist diese Familie überhaupt? Aus welchem Land? An welche der vielen Strömungen im Islam halten sie fest? In vielen muslimischen Ländern ist das selbst von Dorf zu Dorf unterschiedlich. Und Kultur und Religion ergeben gerade in der muslimischen Welt einen bunten Mix, den man erst mal auseinander dividieren muss wenn man wissen will, was Islam bedeutet. Die islamische Realität ist so gar nicht mit der christlichen Welt vergleichbar, weil die christliche Welt Religion als straffe Institution kennt, wenn man nur mal an die Großkirchen und viele Sekten denkt. Abgesehen von der Shia im Iran und Teilen des Irak (auch hier gibt es Derivate), gibt es keine zentrale Organisation oder ein Oberhaupt. Es gibt im Mehrheitsislam der Sunniten tausende Meinungen von islamisch gebildeten Menschen. Und das liegt wiederum daran, dass die Sunna (Überlieferungen über Prophetenleben und Aussagen, daher Sunniten) und der Qur’an ausgelegt wird. Die Bandbreite dieser Auslegungen ist riesig und es würde den Rahmen sprengen hier darauf einzugehen. Wer sich dafür wirklich interessiert findet viele gute Quellen oder kann auch einmal sich die Mühe machen, verschiedene Moscheen zu besuchen und sich das jeweils erklären zu lassen. Eines ist sicher: Ein Moscheebesuch führt oft zu kognitiver Dissonanz. Denn das was wir glauben zu wissen (danke Medien) hat nichts mit dem zu tun, was gelebt und erlebt wird. Viele Menschen die aufrichtig Gott lieben und kein Heil in einer verklärten menschlichen Führung oder einer (Kirchen)Organisation suchen. Solange man einen Moscheebesuch noch vor sich hat, sollte man sich mit Wertungen über Muslime zurück halten. Sie sind meist falsch.

Manchmal geben sich Medien aber auch richtig Mühe und starten Experimente wie die Islamwoche. Ein paar agnostisch-atheistisch-christliche Teilnehmer leben eine Woche lang nach islamischen Grundsätzen. Eine Woche ist wohl deutlich zu kurz, aber viel verheerender ist, dass eine Ahmadiyya Gemeinde für dieses Projekt ausgewählt wurde. Also eine kleine Gruppe innerhalb des Islam (ca. 10 Millionen weltweit) die sich ab den 1880er Jahren zusammenfand. Mit Endzeiterwartung sowie Anführer und Ausleger der Schrift, auf den ein Treueid abgelegt wird. Kommt einem das bekannt vor? Naja, das sind sozusagen die Zeugen Jehovas des Islam. Manches wiederholt sich auch im Islam, was man aus dem Christentum kennt.

Manchmal fragt man sich schon, ob junge Journalisten sich heute noch die Mühe machen mal das ein oder andere Buch in die Hand zu nehmen, oder ob das „Studium“ auch auf YouTube umgestellt wurde. Corona und so.

Aber kommen wir zum Thema zurück. Um diesen Prolog nicht endlos zu erweitern – was angesichts des Stoffs mit Leichtigkeit möglich wäre – kann man definitiv sagen, es gib neutral betrachtet nicht den einen Islam. Zumindest nicht, wenn man es an den verschiedenen Strömungen festmacht. Grundsätzlich vermittelt der Gesamtislam aber Spiritualität, ein schlüssiges Gotteskonzept, ein Way of Life und eine enorme Bandbreite in der Theologie, solange man das Denken nicht anderen überlässt, etwas, was man ohnehin niemals tun sollte. Und gerade weil es auch ein Way of Life ist, gibt es Grundsätze, eine Ethik für ein Miteinander von vielen Menschen. Und aus diesen Grundsätzen lassen sich auch Prinzipien für ein ethisches Banking ableiten.

Was ist Islam?


Das hängt losgelöst von einer je nach Blickwinkel ausgerichtete allgemeinen Definition stark damit zusammen, wen man fragt. 1000 Fragen, 1001 Antwort.

Aufgrund dieser und ähnlicher Vielfalt in der Realität war es ein leichtes für die Medien, ein Bild zu vermitteln wie es gebraucht wird. Meistens sehr undifferenziert, man macht sich leider wenig Mühe bei der Recherche.

Ist sie eine Unterdrückte? Oder eine Befreite? Bedroht oder beschützt? Alles was mit Verschleierung zu tun hat, scheint ein grosses Reizthema im Westen zu sein, vor allem wenn es muslimisch ist. Das war nicht immer so. Es gab mal Zeiten, in denen das mit der Exotik von anderen Kulturen verbunden wurde. Zweifellos löst selbst ein Hijab in manchen Gegenden mehr Empörung aus, als zwanzig ganzkörper-tätowierte halbnackte Frauen. Mit zweierlei Mass zu messen, ist eine typisch menschliche Schwäche. Daher muss man manchmal gedanklich einen Stop einlegen und eine Sache neutral durchdenken. Am besten ohne vorgekaute Fernseher und Social Media Meinungen.

Sozialisierung


Zugegeben, auf der Sozialisierung reite ich immer wieder herum. Der Grund ist, dass das Wort zwar in der Bedeutung verstanden wird, aber in seiner Auswirkung unterschätzt. Und da bin ich keine Ausnahme. Aufgrund meiner christlichen Sozialisierung muss ich mich auch immer fragen, warum ich Verhalten, Bräuche oder Gedanken von Menschen gut, schlecht oder neutral empfinde. Und oft stelle ich fest, dass es an meiner eigenen Sozialisierung liegt. Es gilt immer möglichst reflektiert durch das Leben zu gehen. Das ist die wahre Bereicherung und Erkenntnis, zumindest die, zu der wir selbst fähig sind.

Wie verhält man sich, wie kleidet man sich, was ist Freiheit und was Unfreiheit, was gilt als angemessen und höflich und was nicht, was ist das Wichtigste im Leben? Hier gibt es in allen Kulturen rund um die Welt unterschiedliche Vorstellungen. Niemand kann erwarten, dass sie oder er die allein gültige Auffassung davon hat. Was aber überall auf der Welt geschätzt wird, ist Respekt, ein Lächeln, echtes Interesse am anderen. Und wenn etwas unklar ist, kann man fragen. Es müssen nicht alle Menschen im Verhalten einem sozialistischen Einheitsbrei ansprechen, damit es Frieden gibt. Es reicht schon, wenn jeder etwas Rücksicht auf die Gefühle des anderen nimmt. Leider hat der Hass in der Welt die letzten Jahre stark zugenommen, da es so viel einfacher ist Menschen zu steuern und zu kontrollieren.

Nachhaltigkeit, Ethik und Freiheit

Nachhaltigkeit und Ethik sind definitiv grosse Themen unserer Zeit. Daran ändert sich auch nichts, nur weil Wohlstandskinder die Instagram-Welle reiten und alles was als richtig „gelabelt“ ist hypen. Selbst ein bekannter Formel 1 Star bekennt sich zu Greta, es wird immer absurder. Es müssen einfach bestimmte Worte fallen, die wie ein Trigger bei der angefixten Konsumentenmassen wirken. Induzierter Kaufrausch 2.0 ist das Greenwashing. Das fällt eher in den Bereich „Idiocracy“ und an Bildung mangelte es schon vor Corona.

Die Erde hat nur begrenzte Ressourcen und es reicht für die Bedürfnisse aller, aber wie der berühmte Ausspruch sagte, nicht für jedermanns Gier. Freiheit ist ein enorm wichtiges Gut, aber sie hat Grenzen. Die Freiheit und der Frieden unseres Mitmenschen, die Ressourcen der Erde, die Umwelt. Blackwater Stammleser wissen, wie wichtig mir Freiheit ist. Nur sollte Freiheit nicht durch leeren Materialismus definiert werden. Das erinnert mich an das Nachkriegsdeutschland, beschrieben in den Schulbüchern meiner Zeit. Mit dem Aufbruch zu Demokratie, Freiheit und Wohlstand wurde meistens der Wurstladen und das Gesicht Ludwig Erhards verbunden. Endlich lag wieder Wurst gekringelt und zu Türmchen aufgehäuft im Schaufenster. Man konnte wieder essen und eine ganze Generation tat das – es gab reichlich! Noch heute liest man in bestimmten Gegenden Deutschlands bei positiven Restaurantbewertungen das Wort „reichlich“. Reichlich Schnitzel. Dass das leicht zu fakende Covid19 Zertifikat nebst Ausweis vorgezeigt werden muss, kommt meist gleich danach als Pluspunkt. Ja, toll ist sie, die allgemeine Ausweispflicht zur gastronomischen Sperrstunde. Das ist sozusagen selbst erlebtes Geschichtsbuch. Aber bleiben wir beim „reichlich“. Ist es Freiheit, dass es genug/reichlich Wurstwaren gibt? Ist es Freiheit, dass man sein 100K SUV durch die 30er Zone bewegen kann? Oder bei Primark für Kinder von Kindern einkauft? Oder ist das nicht ein unterhöhlter und ein Stück weit pervertierter Begriff von Freiheit? Menschen aus repressiven Systemen würden unter Freiheit eher Redefreiheit verstehen, die Freiheit sich politisch zu engagieren oder Versammlungsfreiheit. Für etwas einzustehen, auch wenn es nicht die Mehrheitsmeinung ist. Und da sieht es schon ganz anders im besten Deutschland aller Zeiten aus.

Freiheit ist ein immaterieller Wert für sich und nicht die Auswahl der Wurst an der Fleischtheke, Primark oder die Farbe des neuen SUVs.

Nachhaltigkeit und Ethik bedeutet in jedem Fall, dass Freiheit nicht grenzlos ist, was sie niemals sein kein. Sie muss begrenzt sein durch Rücksichtnahme auf unserer Mitmenschen und die Natur. Wenn das durch Unmengen an Gesetzen bis ins Detail erreicht werden muss, ist das bereits ein Rückzugsgefecht, wie wir es derzeit sehen. Besser wäre eine mündige Gesellschaft. Aber ich gebe persönlich zu, die gibt es in Deutschland nicht. So wäre Basisdemokratie zwar mein Traum, aber sie ist bei dem niedrigen Niveau an politischer und allgemeiner Bildung unrealistisch. Was mir derzeit mehr Sorgen macht ist, dass dieses niederschwellige infantile Niveau auch in der Politik vorzufinden ist.

„Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann. Das ist das große Wagnis, das er, um der Freiheit willen, eingegangen ist. Als freiheitlicher Staat kann er einerseits nur bestehen, wenn sich die Freiheit, die er seinen Bürgern gewährt, von innen her, aus der moralischen Substanz des einzelnen und der Homogenität der Gesellschaft, reguliert. Anderseits kann er diese inneren Regulierungskräfte nicht von sich aus, das heißt mit den Mitteln des Rechtszwanges und autoritativen Gebots zu garantieren suchen, ohne seine Freiheitlichkeit aufzugeben und – auf säkularisierter Ebene – in jenen Totalitätsanspruch zurückzufallen, aus dem er in den konfessionellen Bürgerkriegen herausgeführt hat.“

– Ernst-Wolfgang Böckenförde: „Die Entstehung des Staates als Vorgang der Säkularisation“ In: Recht, Staat, Freiheit. 2006, S. 112 f. (Hervorhebung im Original)

Bedeutet das Freiheit und Wohlstand? Was sind die echten Kosten von „reichlich“?

Über den erweiterten Begriff „reichlich“ wird in seinen verschiedenen Formen noch viel nachgedacht werden müssen. Reichlich Schnitzel, reichlich Saft, reichlich Auto, Haus, Hund, Fernseher… Nur was sind die echten Kosten davon? Was kostet das die Umwelt? Wie gross ist der erzwungene Verzicht anderswo auf der Welt, damit „reichlich“ in Europa funktioniert?

Ich mache mir keine Illusionen darüber, dass es die meisten Menschen einfach nicht interessiert, wie Menschen woanders leben müssen. Und spätestens wenn man sich selbst dem Wohlstand und der Dopamin induzierten Dauerstimulation des Gehirns entwöhnen muss, wird es wirklich hart. Denn was bleibt dann noch?

Aber es ist ein ungemeiner Fortschritt sich dessen erst einmal bewusst zu werden, dass der allgemeine Zustand keine Selbstverständlichkeit ist. Unser gelebter Wohlstand ist nichts, was „wir“ verdient haben, es ist das Glück unserer Geburt. Wären wir in einem Slum in Indien geboren, würden wir Pfützenwasser zum Trinken abkochen und nicht auf die Kalorien im Smoothie achten. Und dieses Bewusstsein macht dankbar. Wir haben nichts verdient, alles ist ein Geschenk. Das gilt im Übrigen auch für das Leben an sich.

Islamic way of Life

Wie Eingangs erwähnt, ist der Islam Spiritualität, aber er ist auch ein Way auf Life. Und davon gibt es viele Varianten, ich kann mich bezogen auf Nachhaltigkeit und Ethik nur auf die Hauptbestandteile konzentrieren. Und zwar die, die für alle Menschen interessant sind, auch ohne eine muslimische Vorbildung. Mir ist durchaus klar, dass viele muslimische Leserinnen und Leser hier ganze Masterarbeiten schreiben könnten. Aber wie würde das ein „Westler“ erklären? Es ist sicher wichtig, das erst einmal zu verstehen, um ein vollständiges Bild zu erhalten. Und ganz nebenbei erwähnt, hat interkulturelles Wissen noch nie geschadet.

Meine Beschreibung ist natürlich unvollständig subjektiv. Aber ich wage es dennoch einmal. Ein grundsätzliches muslimisches Mindset würde ich nach den letzten 2-3 Jahren mit viel muslimischen Erfahrungen mit den Worten „bismillah“ (mehr Wissen hier) und „InsahAllah“ beschreiben (mehr Wissen hier). Beide Begriffe werden leider auch schnell als reine Floskel benutzt, obwohl sie eine sehr allumfassende Bedeutung haben, die sehr mächtig ist. „Bismillah“ bedeutet „im Namen Gottes“ und „InsahAllah“ bedeutet „so Gott will oder wenn Gott will“. Wie gesagt, oft leichtfertig benutzt, steckt dahinter ein ganz anderes Mindset als wir es kennen. Und das muss erst einmal durchdacht werden. Denn wirklich ernst genommen ist das eine Sicht auf die Welt, die sich (1) dem Willen Gottes unterwirft und (2) für alles dankbar macht. Gerade ersteres ist die Definition von „Muslim sein“, sollte aber eigentlich jedem Bibelleser bekannt vorkommen. Und Dankbarkeit ist im biblischen Kontext der Gegensatz von der Handlung Satans in der Genesis, der aus Undankbarkeit und Stolz sich gegen Gott auflehnte (vgl. Bibelbuch Hesekiel, im Qur’an mit mehr Details). An dieser Stelle könnte man ein riesiges Essay schreiben (vergl. auch Qur’an 7:16).

Wenn ich dankbar für alles bin was ich erhalte, wirklich alles, dann bin ich glücklicher. Eine in sich ruhende Seele, zufrieden, entspannt. Wenn nicht mein Wille im Leben geschieht, sondern der einer höheren Macht und es ein echtes Leben als Belohnung „danach“ gibt, bin ich in Erwartung darauf und muss nicht alles erleben, rausholen, haben, im Stress sein. An dieser Stelle muss ich als Bibelleser sagen, das ist exakt die biblische Aussage und das hat mich beim Studium die letzen Jahre immer verblüfft. Selbst in den griechisch-griechischen Schriften kommt das „InsahAllah“ immer wieder vor (u.a. Apostelgeschichte 18:21, Jakobus 4:13-15) oder es wird ein Segen „im Namen Gottes“ gesprochen, oft vor dem Essen. Das ist übrigens etwas anderes wie ein Gebet.

Der Islamic Way of Life sieht das Leben hier als Durchgangsstation an, als ein zeitweiliges ansässig sein. Das hält nicht davon ab es schön zu gestalten oder es zu geniessen. Aber eben alles im Namen Gottes, Bismillah. Und man gibt Gott die Ehre für alles, wie es auch beispielsweise muslimische Baumeister in den letzten 1400 Jahren getan haben, die in schönster und akribischer Architektur zeitlose Schönheiten in Marmor, Stein und Gold schufen. Auch wenn es Jahrzehnte dauerte diese mit allen Details zu errichten, auch wenn sie noch so groß, mächtig und schön wirken, es gab zu keinem Zeitpunkt Zweifel, dass diese nur in Anerkennung von Gottes Macht und Größe erschaffen wurden. Alles weil Gott es will, InsahAllah. Und alles in Dankbarkeit, alles hat einen Grund, alles hat etwas Gutes, man muss nur genau hinsehen. Und man muss Geduld üben. Diese Selbstbeherrschung und diese innerliche Ruhe ist es, die mich persönlich daran faszinieren.

Als Mrs. Blackwater und ich im März 2020 in Israel/Palästina/Jerusalem waren, mitten in der sich aufbauschenden Corona-Katastrophe, lernten wir in einer fast menschenleeren Altstadt Ost-Jerusalems einen älteren Mann kennen, der uns viele der alten Gebäude erklärte, uns durch Tore und Gassen führte bis zu einem muslimischen Friedhof. Es war ohnehin ein Tag wie kein anderer, weil wir erstmals in unserem Leben auf dem Boden der Heiligen Stadt standen. Ich weiss nicht mehr ganz genau, wie es zu dem Thema kam, aber Mrs. Blackwater fragte den Mann, ob er denn keine Angst wegen Corona hat. Bis dahin dachten wir, er sei Christ, weil wir ihn zuerst bei einer Kirche getroffen hatten und er uns dort einiges zu dem Bauwerk erklärte. Und er sagte, dass er in einer christlichen Einrichtung aufgezogen worden ist (Anmerkung: Für palästinensische Waisenkinder aus dem 1948 Krieg). Er beantwortet die Frage von Mrs. Blackwater damit dass er sagte, es wird so passieren wie Gott es will und dass er völliges Vertrauen hat. InsahAllah, da war es wieder. Für mich ist es seit dem viel mehr als eine Floskel, auch wenn die ganze arabische Welt es oft so verwendet, ganz nach Intention. Aber ist es ernst gemeint, bedeutet es völliges Gottvertrauen. Und das versteht zu beeindrucken, weil es so viel stärker ist als menschliche Erwägungen, Hoffnungen und Pläne. Das war der Beginn der Zeit, an der ich anfing sozusagen „wach“ zu werden mit meiner christlich-westlichen Sozialisierung. Im Übrigen auch der Beginn eines Bibellesens mit einer anderen Brille. Vieles überliest man einfach, wenn man vorgeprägt ist, weil es nicht in das christliche Bild passt. Man kann die Bibel auch durch einen muslimischen Blick lesen und wird erstaunt sein.

Das ist keine im engen Sinne theologische Betrachtung. Aber sie führt bereits vor Augen, warum das islamische Konzept bewährt und ein Gegenentwurf zu ich will alles, andere sind mir egal, grenzenloses Wachstum und you only life once“ ist. Gerade letzt genanntes Denken führte doch erst dazu, dass man heute über Nachhaltigkeit und Ethik nachdenken muss, weil die Grenzen erreicht sind. Das können wir Menschen sicher noch eine Weile länger ignorieren und weitermachen wie bisher, aber der Preis dafür wird bezahlt werden, ob wir es wollen oder nicht. Und nicht erst in einer zu erwartenden anderen Welt, sondern im Hier und Jetzt.

Dopamin


Von Rausch zu Rausch. Das westliche Lebensmodell hat nicht mehr viel mit den Gedanken der alten Griechen zu tun, die Wiege der Demokratie. Ihnen ging es um Freiheit des Denkens, nicht nur um triviale Vergnügungen.

Zum einen hat die Wertegemeinschaft ihre Werte durch Spass und Materialismus ersetzt, was nichts anderes als ein permanenter Dopamin Rausch ist. Dopamin ist das „Glückshormon“ (Wikilink).

Zum anderen stösst dieses Modell nun an seine Grenzen, da es keine grenzenlose Selbstverwirklichung und kein grenzenloses Wachstum für alle gibt.

Persönlich halte ich das westliche Lebensmodell inzwischen für gescheitert. Es ist nur die Frage was „danach“ kommt.

“Dieser Verlust an Freiheit führt zum Verblassen der menschlichen Werte im Leben, die für dieses von unschätzbarem Wert sind. Was bleibt, sind nur zwanghafte Arbeitsbedingungen und triviale Freizeitvergnügen.”

A.N. Whitehead

Gestatten: Konsument.

Was macht uns eigentlich noch aus? Lässt es sich daran ablesen, was wir unseren Kleinsten beibringen?

„Instagram Kultur“

Was als erstrebenswert und glücklich machend in dieser krank machenden Fake Welt vermarktet wird, dient nur reinem Selbstzweck.

„Nichts ohne Folgen“

Das Kausalprinzip scheint auch im Jahr 2022 schwer begreiflich zu sein. Meistens liegt es nicht an fehlenden kognitiven Fähigkeiten, sondern am fehlenden Willen.


Islamic Banking

Islamic Banking folgt den gleichen Grundsätzen des ethischen und nachhaltigen Bankings. Während ethisches und nachhaltiges Banking aber sozusagen nicht „gelabelt“ ist, ist Islamic Banking ein fester Begriff.

Die Geschäfte die als verboten (haram) gelten sind diese:

  • Zinsen
  • Spekulation
  • Glücksspiel
  • Wetten

Hier ist insbesondere aber auch die Ausgestaltung und Definition von Begriffen zu beachten. Dazu kommen noch einige soziale und ethische Ausschlusskriterien. Unter anderem sind Investitionen in Unternehmen verboten, die Umsätze aus:

  • Alkoholherstellung und -vertrieb
  • Prostitution
  • Pornografie
  • Handel und Verarbeitung von Schweinefleisch
  • Rüstung
  • Tabakherstellung und -vertrieb

erwirtschaften. Damit man sich aber nicht im Detail mit jedem Unternehmen und jeder Investition beschäftigen muss, hat man eine Zertifizierung eingeführt. Die Halal-Zertifizierung.

Halal? Da müssen viele an das Essen denken. Aber halal  حلال (erlaubt) kommt in allen Bereichen des muslimischen Lebens zum Tragen. Bildquelle: Saliha Al-Mawardi

Beim Lesen des Wortes „Halal“ ( حلال)kommt einem unmittelbar „Halal Fleisch“ in den Sinn oder das Gegenteil davon. Zum Beispiel ist Schweinefleisch nicht Halal. Auch das ist ein Faktum, welches bereits auf die alten hebräischen Schriften zurück geht (Jesaja 65:3-5, 66:15-17).

Halal umfasst nahezu alle Bereiche des muslimischen Lebens, wie zum Beispiel die Wahl der Kleidung, die Art des Spendens (Zakat ul-fitr, Zakat ul maal), die vorgeschriebene Verteilung des Erbes, der richtige Erwerb von finanziellen Mitteln und vieles mehr.

Losgelöst von vielen weiterführenden Gedanken für spätere Artikel zum Thema ist nun die Frage, was macht eigentlich Islamic Banking konkret aus? Wie generiert der prinzipienbasierte Investor einen Profit?

Islamic Banking erlaubt alle Vorteile aus Handels- und Beteiligungsgeschäften und verbietet jeglichen Vorteil aus der risikofreien Geldleihe. Vielleicht ist das einer der Gründe, warum beispielsweise die Vereinigten Arabischen Emirate so ein starker Finanzstandort wurden. Aber es ist ein anderes Banking, welches mehr von Handel als von Zins gewachsen ist. Damit unterscheidet es sich fundamental von dem westlichen Bankensystem. Islamic Banking insgesamt ist im Prinzip ein sehr fairer und verantwortungsvoller Vermögensaufbau und Umgang mit Geld. Ein Investment mit einem Ertrag daraus ist immer möglich, die Ausbeutung von Schwächeren über ein Zinssystem dagegen verboten.

Seit es in der Euro Zone keine Zinsen mehr auf Guthaben gibt, sind viele Anleger sozusagen fast automatisch Halal bei der Geldanlage. Es wird nötig zu investieren oder Handel mit Wertpapieren und Derivaten zu betreiben. Derivate sind nicht per se Haram wie oft kolportiert wird, es hängt von der Ausgestaltung und der Art des Handels ab. Es darf keine „Zockerei“ sein, es muss ein Handelsmodell sein. Das bestätigen alle islamischen Banken im Nahen Osten. Auch unser Broker IC Markets bietet islamische Konten an.

Letztlich führt Islamic Banking zu mehr Eigenverantwortung und mehr eigenen Handelsaktivitäten. Araber sind Händler und waren es schon immer, selbst zu vorislamischen Zeiten.

Leben alle Muslime nach Halal Prinzipien?

„Gott zu finden ist leicht. Menschen zu finden, die Gott gefunden haben ist schwer“

Ibn Arabi

Definitiv nein. Leben denn alle Christen nach der Bibel?

Diese Fragestellung habe ich bewusst in diesem Artikel aufgegriffen, weil ähnlich wie beim Christentum dann die Frage kommt: Wenn das alles so ist wie Du schreibst, warum ist die Welt dann nicht eine bessere?

Zu keinem Zeitpunkt der islamischen oder der christlichen Geschichte hat sich die Mehrheit der Menschen an das gehalten, was die eigenen Regeln und Glaubenssätze ausmacht. Meistens folgen Menschen anderen Menschen und deren Auslegungen oder ihrem eigenen Egoismus.

Die muslimische Welt heute müsste frei von Heuchelei (zweitgrößte Sünde im Islam), Prostitution, Rauschmitteln, Diebstahl, Mord und Krieg sein, wenn alle Menschen dort so leben würden, wie es islamische Grundprinzipien erfordern. Die islamische Welt müsste sozial stabil sein, ein wunderbarer Ort für Frauen, die dort sicher und beschützt leben würden. Rechte von allen Menschen würden geachtet werden, das Leben selbst ist heilig. Selbst für Tiere müsste es ein Paradies sein. Es gibt Unmengen an Aussagen und Anweisungen im Qur’an und der Sunna dazu, die einen verblüffen wenn man sie liest. Aber in diesem Fall ist es eben leider nicht anders wie in der christlichen Welt, auf die gleiches zutrifft. An den Schriften liegt es jedenfalls nicht, dass Menschen schlecht handeln. Man muss sie nur lesen, darüber nachdenken und sie ausleben. Aber es ist so viel einfacher Leuten zu folgen, die einem nur isoliert Teile daraus vorkauen und einseitig zum Nutzen von Machtstreben anderer auslegen.

Und so bleibt nur – wie eigentlich immer – Menschen zu suchen und zu treffen, die sich an diese Prinzipien halten, weil sie es aus tiefsten Herzen möchten. Dort kann man zumindest in kleinem Rahmen erahnen, wie es sein könnte.

Ist Islamic Banking etwas für mich?


Man muss kein Muslim sein, um die Prinzipien von Islamic Banking umzusetzen. Man muss auch kein Muslim sein, um eine Lebensweise auszuleben die muslimisch ist. Menschen denken heute oft nur noch in „Labels“ und Schubladen. Alles wird schnell bewertet und irgendwo einsortiert. Aber die Wirklichkeit ist viel komplexer als man es auf den ersten, zweiten und sogar dritten Blick erahnt.

Menschen brauchen einen Mittelpunkt im Leben, das ist etwas uns angeborenes. Es ist unsere Entscheidung, was wir zur „Mitte“ machen. Im Islam ist alles auf den Himmel ausgerichtet, auf Gott.


Das „Label“

La·bel

/ˈleɪbl̩/ Substantiv, Neutrum [das]WERBESPRACHE

  1. 1a. Etikett, das auf ein Produkt oder dessen Verpackung aufgeklebt wird
  2. 1b. Produktlinie einer Firma; Marke (2a)“die Produkte unter dem Label »Bio? – Logisch!« vermarkten“

Heute ist nahezu alles „gelabelt“, etikettiert sagte man früher. Das macht das Leben auch so viel einfacher. Man findet zum Beispiel Dinge schneller. Oder man weiss, das ist meine Marke, die mag ich, damit kann ich mich identifizieren. Selbst diese Seite wurde zu einer Marke und manche mögen die Marke, andere mögen sie nicht. Ein „Label“ ist nichts neutrales, es ist im heutigen Beliebigkeitskult von „alles ist schön, supertoll, interessant und ja total nice und irgendwie gleich“ eine Abgrenzung mit scharfer Kante.

Aber es werden auch Menschen „gelabelt“, etikettiert. Je nachdem was sie denken und besonders schlimm wird es, wenn sie auch noch sagen was sie denken. Könnte ja nicht konfliktfrei sein, was es unangenehm macht. Was fällt manchen Menschen auch ein anders zu sein?

Neben den Bildern, die manchen von uns nun durch den Kopf gehen mögen, denke ich an die Zeit… vor Corona. 😉

Da waren es Muslime die dauernd öffentlich „gelabelt“ wurden. Das war besonders leicht, denn wer sich anders kleidet oder ein anderes Wertesystem lebt, fällt schnell auf. Und Verrückte gibt es überall, vor allem unter den Ungebildeten. Und so kann man sich immer Menschen rauspicken und sagen, die repräsentieren eine ganze Gruppe von Menschen, die immerhin 2 Milliarden Menschen mit hunderten von Kulturen ausmacht. Wie gesagt, Labels machen vieles leichter.

Falls es aber nicht nur um „leichter“ geht, sondern um Fakten (wir erinnern uns, für die „Fakten“ in den Fakten wird in Deutschland 2.0 ein eigenes Portal mit Angestellten betrieben), dann muss man sich eingehend mit einer Sache beschäftigen. In dem Fall mit dem Islam, den Muslimen, ihrer Kultur. Dabei muss man ihnen die gleiche Bandbreite an Meinungsvielfalt beimessen, wie man es in der christlichen Welt auch tut. Und man muss akzeptieren, dass es in der muslimischen Welt die gleiche Vielfalt an Menschen gibt, wie in der eigenen Kultur auch. Aus diesem Grund ist der Dönermann von nebenan für den Islam genauso wenig repräsentativ wie Osama bin Laden.

Wenn Menschen auf Werten basiert leben und eine Orientierung haben, ist das im Miteinander sicher besser als Ziellosigkeit, Desillusionierung und „Fähnchen nach dem Wind“. Ob das einen selber nun anspricht, weil man auf der Suche nach einem Sinn im Leben, Halt und Spiritualität ist, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Heute leben viele gläubige Menschen in dem Bewusstsein, dass sie eines Tages doch Rechenschaft für ihr Leben abgeben müssen. Das macht sie sicher nicht zu schlechteren Menschen, ganz im Gegenteil.

Für viele andere Menschen ist das Thema Gott und Spiritualität etwas, was sie verdrängen. Aber es liegt in der Natur des Lebens, dass es sie eines Tages einholt. Es gab vor einigen Jahren einen tragischen Fall, bei dem eine Mutter ihr kleines Kind verlor. Es ertrank in einem Überlaufkanal. Die Mutter musste das mit ansehen ohne helfen zu können, denn sie konnte nicht schwimmen. Sie rief verzweifelt um Hilfe. Zwei Männer kamen, konnten das Kind aber nur noch tot aus dem Wasser ziehen. Das Tragische war, dass das Wasser diesen beiden Männern nur bis zur Hüfte reichte. Das Kind ertrank also nur, weil die Mutter nicht wusste, wie tief das Wasser war. In bestimmten Bereichen des Lebens ist das Wissen um eine Sache wichtig und das Ignorieren und unwissend bleiben fatal. Möge uns das nie passieren.

„Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.“

Textbibel, Psalmen 90,12

„Dann kehrt der Staub zur Erde zurück, so, wie er gewesen ist, und der Geist selbst kehrt zu dem wahren Gott zurück, der ihn gegeben hat.“ Prediger 12:7

{إِنَّا للهِ وَإِنَّا إِلَيْهِ رَاجِعُونَ}

Wir gehören Allah, und zu Ihm kehren wir zurück.“

Qur’an 2:156

Blackwater

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