بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيْمِ


   „Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen.“

Qur’an 1,1

Die Ayat al-Kursi, in der deutschen Sprache der „Thronvers“ genannt, ist einer der wichtigsten Verse (Aya) des Quran. In einem sunnitischen Hadith nannte der Prophet Muhammad ﷺ diesen Vers den größten Vers im gesamten Quran. Wir wollen es dabei aber nicht belassen, sondern uns diesen Vers selbst in Ruhe anschauen und uns dazu Gedanken machen, denn es geht um die Frage nach dem warum. Warum gilt besonders dieser Vers als so bedeutend? Dies wird keine islamwissenschaftliche Abhandlung und auch kein eigener Tafsir (Auslegung), sondern wir lassen den Vers sola scriptura auf uns wirken und denken darüber nach. Gott hat den gesamten Quran für „Menschen die denken“ herab gesandt und das sagt er selbst an vielen Stellen in direkter wörtlicher Rede. Neben unserem Denken, was uns zu Gott über den Verstand führen kann, kommt es im zweiten Schritt auf Gottesbewusstsein an. Gottesbewusstsein im Islam wird am besten mit dem arabischen Begriff Taqwa (تقوى) übersetzt. Es ist eines der zentralen und am häufigsten genannten Konzepte im Quran. Taqwa geht weit über eine bloße „Angst vor Gott“ hinaus – es ist ein tiefes, lebendiges Bewusstsein von Gottes Gegenwart, das das gesamte Leben eines gläubigen Muslims prägt. Der Quran unterscheidet nebenbei bemerkt an vielen Stellen zwischen Muslim und gläubigen Muslimen. Das ist nicht unbedingt das Selbe. Man ist im Islam nicht errettet oder erlöst, weil man Muslim ist. Auch wenn viele den Islam (wie jede Religion) als Label sehen, so ist es laut Quran eindeutig nicht so. Der Islam ist die Religion der maximalen Eigenverantwortung und des tiefen Gottesbewusstseins. Dass es leider viele Muslime gibt, die genau das nicht zeigen beweist nur, dass man die klaren Aussagen des Quran dazu ignoriert. Wer Gott sucht und ihn von Herzen liebt, der findet im Islam sein Zuhause. Und der wird auch andere Menschen im Islam finden die nicht nur Muslime sind, sondern auch gläubige Muslime. Genau das zeigt uns der Quran und auch Gelehrte wie Al-Ghazali haben das sehr gut erklärt.

Wir werden uns zunächst mit dem Gottesbewusstsein beschäftigen, denn es ist der Schlüssel, um die Ayat al-Kursi in ihrer Tiefe zu verstehen. Und wie ihr es von mir gewohnt seid, werden wir einen außerquranischen Blick zurück werfen auf Menschen, die Gott liebten und ein Vorbild in Bezug auf Gottesbewusstsein waren und sind. Auch mit der Ayat al-Kursi macht man eine Reise in das spirituelle Herz des Islam um zu begreifen, was der Islam wirklich ist. Und ich habe tatsächlich noch niemals einen Menschen außerhalb des Islam getroffen, der das nur ansatzweise begriffen hat. Das ist keine Übertreibung. Was uns offenbar scheint und klar geschrieben steht, scheint für andere wie verschleiert zu sein. Ein faszinierender Nebengedanke, wie ich finde.

Ein atemberaubender Nachthimmel mit der Milchstraße, unter dem sich eine felsenartige Struktur in Form eines Schädels befindet.
…“Reise in das spirituelle Herz des Islam.“ Die Essenz des Islam ist die Anbetung von Allahﷻ, der alle sichtbaren und unsichtbaren Dinge erschaffen hat.

Taqwa (تقوى)

„… als sähe er den Unsichtbaren.“

Taqwa ist keine einmalige Handlung, sondern ein innerer Zustand des Herzens, der zu äußeren Taten führt. Das Wort Taqwa leitet sich von der arabischen Wurzel wa-qa-ya (وقى) ab, die „schützen“, „bewahren“ oder „abschirmen“ bedeutet. Es bedeutet wörtlich: sich selbst schützen – vor dem, was Allah missfällt, vor Sünde, vor Seinem Zorn und letztlich vor der Hölle. Ein tieferes Verständnis wäre: Ein ständiges Bewusstsein, dass Allah alles sieht, hört und weiß – auch das Verborgene im Herzen. Es ist die Haltung: „Ich handle so, als ob ich Allah sehe; und wenn ich Ihn nicht sehe, weiß ich, dass Er mich sieht.“ (Das ist die Beschreibung von Ihsan, dem höchsten Grad des Glaubens, der eng mit Taqwa verbunden ist.)

Aber und das ist wichtig: Ehrfurcht und Liebe zu Gott (nicht nur Angst, sondern respektvolle Liebe und das Bestreben, Ihn nicht zu enttäuschen).

Das ist ein Gedanke, den „westlich“ sozialisierte Menschen in unserer Zeit nicht mehr kennen, da er weg sozialisiert wurde und man fühlt sich „befreit“, um dann letztlich durch Dinge und Ideologien versklavt zu werden, die nicht nur ein falscher Herr sind, sondern ein sehr grausamer dazu. Oft liest man Aussagen die voller Forderungen sind: „Wenn Gott existiert, dann will ich dies, das und jenes.“ „Wenn Gott existiert, dann soll er sich gefälligst mir zeigen.“ Aber so funktioniert das eben genau nicht. Und das hat auch einen guten Grund. Denn Gott liebt die demütigen Menschen, er erwählt diese zu seinen Anbetern und verspricht diesen das Paradies. Menschen sich selbst mehr lieben oder stolz sind, lässt er in ihrer Verirrung.

Schon Jesus (Isa) lehrte ganz klar, dass das grösste Gebot ist Gott mit ganzem Herzen, Sinn und Verstand zu lieben, was ein Synonym für Unterwerfung ist. ›Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, mit ganzer Hingabe und mit deinem ganzen Verstand.‹ (Matthäus 22:34-40, Übersetzung: Hoffnung für Alle). Die Liebe zu Gott führt immer dazu, dass wir ihn suchen und dass er für uns das Wichtigste im Leben ist. Gott über Allem. Und weil er das Wichtigste in unserem Leben ist, möchten wir nicht gegen ihn sündigen. An dieser Stelle muss klar gesagt werden, dass das, was Gott von uns verlangt, tatsächlich nicht viel ist und traditionell gelehrte Religion, auch was unseren Islam angeht, nicht immer deckungsgleich mit dem ist, was Gott will. Es gibt viele Traditionen und Regelgewohnheiten, die zwar nicht unbedingt negativ sein müssen, aber die nicht in diesem Sinne von Gott gegeben sind. Daher ist es wichtig sich immer zuerst auf die Essenz dessen zu konzentrieren was eindeutig und klar ist. Das ist die erste Ebene der Priorität. Dann verliert man sich auch nicht in einer Übermenge von Traditionen oder dem Kleinklein von Auslegungen, sondern ist fokussiert auf das was wirklich zählt.

„Durch Glauben verließ er Ägypten und fürchtete die Wut des Königs nicht; denn er hielt standhaft aus, als sähe er den Unsichtbaren.“

Im „Glaubenskapitel“ Hebräer 11 wird der Glaube verschiedener alttestamentlicher Personen beschrieben. Bei Vers 27 geht es speziell um Mose, der Ägypten verließ (bzw. später zurückkehrte, um die „Kinder Israels“ herauszuführen), ohne sich vor dem Zorn des Pharaos zu fürchten. Er blieb standhaft, als ob er den unsichtbaren Gott direkt vor Augen hätte – also durch Glauben sah er Gott, den niemand physisch sehen kann. Das ist eine schöne Beschreibung davon, wie echter Glaube wirkt: Er macht das Unsichtbare (Gott) so real, dass man sich davon leiten lässt, statt von sichtbaren Bedrohungen. Aber das ist nur ein Aspekt. „Mose wollte lieber mit dem Volk Gottes leiden, als sich dem flüchtigen Genuss der Sünde hinzugeben.“ (Hebräer 11:25, Neue Genfer Übersetzung). Mit Bedrohungen werden wir heute wohl seltener zu tun haben, aber mit dem „flüchtigen“ oder „zeitweiligen“ Genuss der Sünde sehr oft. Das ist für die meisten in dieser Zeit das eigentliche Problem. Jetzt leben, All-in. Das ist eigentlich ein doppelter Trugschluss. Warum?

„Das diesseitige Leben ist nur Zerstreuung und Spiel. Die jenseitige Wohnstätte ist wahrlich das (eigentliche) Leben, wenn sie es nur wüssten.“ (Sure Al-‚Ankabut :64, Übersetzung von Zaidan).

Über das eigentliche (oder echte) Leben spricht das ganze Kapitel 11 des bereits von mir zitierten Hebräer Briefes der Bibel. Der Quran führt das mit allen Segnungen weiter aus, die unfassbar schön sind und zeigen wie sehr Gott uns liebt. Aber er sagt auch, dass „das diesseitige Leben“ nur ein Spiel ist. In anderen Versen heisst es Trug oder Täuschung. Aber es ist nicht Gott der uns hier täuscht, sondern der quranische Kontext zeigt, dass die Menschen sich selbst täuschen (wollen) oder aber von Satan getäuscht werden. Satan kann aber auch nur die Menschen täuschen, die sich täuschen lassen und die sich willig von ihren eigenen Begierden und Süchten versklaven lassen. Der Mensch hat einen freien Willen.

Und jetzt kommt für nichtmuslimischen Leserinnen und Leser etwas, was euch, wenn ihr Menschen seid, die auf der Suche nach spiritueller Wahrheit sind umhauen wird. Als ich das dass erste Mal im Quran gelesen habe, war ich schockiert, erstaunt und sprachlos. Dieser Gedanke ist von enormer Bedeutung und er steht in Sure Ibrahim (Abraham), Vers 22 (Sure 14:22): „Und der Satan wird sagen, wenn die Angelegenheit entschieden ist: ‚Gott hat euch ein wahres Versprechen gegeben. Auch ich habe euch ein Versprechen gegeben, aber ich habe es euch gebrochen. Ich hatte keine Macht über euch, außer dass ich euch rief und ihr mir gehorcht habt. So tadelt nicht mich, sondern tadelt euch selbst. Ich kann euch nicht helfen, und ihr könnt mir nicht helfen. Ich habe mich von eurem früheren Beigesellen von mir losgesagt. Die Ungerechten erwartet eine schmerzhafte Strafe.‘“

Das heisst am Ende aller Tage, wird die Täuschung und der Trug klar werden. Das „Spiel“ oder die „Täuschung“ dieser Welt sind letztlich Heilsversprechen Satans. Menschen vertrauen darauf auf der Suche nach ihrem Glück. Sie meinen sie sind „frei“ auf der Suche nach Dingen wie Selbstbestimmung, Freiheit und Glück. Dass sie nicht wirklich frei sind, sieht man an den Auswirkungen dieses Lebens und am Ende sterben sie ohnehin alle. Die „Freiheit“ ist vergleichbar mit jemanden, der von einem Hausdach runter springt und sagt, „ich bin frei“. Wie das enden wird ist jedem klar. Aber dabei belässt es der Quran nicht. Er zeigt uns ganz klar, dass jedem Menschen danach (am Gerichtstag) klar werden wird, dass die Heilsversprechen Satans Lug und Trug waren. Wie gesagt, die Menschen selbst sind es, die diesen Lügen glauben wollen, weil sie in Ablehnung gegenüber Gott sind und lieber „den zeitweiligen Genuss der Sünde“ wollen. Wie kleine Kinder, die lieber jetzt das Schokoladenei wollen, statt morgen im Schokoladenparadies zu sein. Nur sind die Menschen keine Kleinkinder, sondern haben alle die Willensfreiheit und den Verstand um die Eigenverantwortung einer richtigen Wahl zu tragen. Und das in Verbindung mit der Schöpfung und Sichbarkeit der gemachten Dinge macht sie unentschuldbar, wie es selbst Paulus von Tarsus sagte.

Anders als es manche Menschen, die sich mit dem Islam nicht auskennen meinen, ist es übrigens nicht so, dass man in Askese leben muss. Wir können das Leben geniessen und auch leben. Wir können uns an Essen freuen, an Reisen, Freundschaften mit besonderen Menschen die wir lieben und die uns lieben, an Familie, Haus und Hof und auch an Vermögen. Gott hat uns selbst durch den Quran wenige klare Grenzen gesetzt und solange er das Wichtigste in unserem Leben ist und wir ihm danken und ihn anbeten, gibt es keinen Grund zur Sorge. Wir können heute Dinge geniessen in dem Wissen, dass das nur der Vorgeschmack auf das echte Leben ist. Und auch darin liegen Zeichen (Ayat), die uns erinnern sollen dankbar zu sein, denn Undankbarkeit ist letztlich der Anfang aller Sünden.

Ich fahre manchmal mit meinem Fahrrad durch die Natur, geniesse die Sonne und die frische Luft und freue mich darauf Abends mit meiner Frau essen zu gehen. Oder das Gefühl eine Reise gebucht zu haben und am Flughafen zu stehen mit diesem Gefühl, lass uns die Welt sehen und erkunden! Oder die Vorfreude bei meinen Eltern in ihrem wunderschönen Garten zu sein, die mit grossem Aufwand und grosser Mühe gepflegt wird. In diesem Garten dann den Grill anzuwerfen und gutes Fleisch zu grillen und gemeinsam zu essen. Jeder kennt solche Dinge, denkt darüber nach, auf was ihr Vorfreude habt. Nichts davon ist haram also falsch, wir sollen das geniessen. Aber mit einem von Herzen kommenden Alhamdulillah, danke mein Herr und Gott, dass ich das geniessen darf. Danke für jeden Tag, an dem ich aufwache. Das ist der Unterschied, Gott dankbar sein und ihn anbeten. Dann werden diese Dinge nur ein winziger Vorgeschmack sein, weil das echte Leben uns ja noch erwartet. Auf der anderen Seite.

Mit diesen Gedanken, die wichtig sind um die Ayat al-Kursi und das Gottesbewusstsein zu verstehen, wenden wir uns nun diesem wichtigen Thronvers selbst zu. Die Ayat al-Kursi kann man in Gebeten und auch so rezitieren und so wie auch die Al-Fatiha (HIER) hilft diese Rezitation in vollem Bewusstsein unser Gottesbewusstsein zu formen. Da unsere Realität die einzige echte ist, müssen wir sie selbst formen. Die übergeordnete Realität kennt kein Mensch auf dieser Welt, nur Gott sieht alles und weiss alles. Daher müssen wir unsere Realität selbst schaffen und genau das ist der Schlüssel zum Paradies: Unser Gottesbewusstsein entsteht. Und mit ihm kommt die Tiefe. Tiefe verlangt nach Tiefe. Und dann die innere Gewissheit, alles ist wahr und real. Ich habe selbst lange gebraucht um genau das zu verstehen, denn ich bin zwar schon seit ich denken kann ein Mensch gewesen, der Gott immer gesucht und geliebt hat, aber zum Islam bin ich bekanntlich erst später gekommen. InsahAllah können diese Gedanken auch euch helfen, diesen Weg (1) zu begreifen und (2) selbst zu gehen.

Zwei weiterführende Videos zur Wahrheit über den Atheismus und das heutige Leben habe ich hier verlinkt. Sie sind öffentlich zugänglich und sehr sehenswert: Der Zustand des modernen Menschen, EP1 und Dunkle Wahrheiten über den atheistischen Verstand, EP2

Ein nächtlicher Himmel mit strahlendem Mondlicht, das durch wolkige Himmel sichtbar ist, über einem ruhigen Gewässer.
„zu allem die Macht“ – Gott über Allem. Bild: eigen, Griechenland

Die Ayat al-Kursi

اللَّهُ لَا إِلَٰهَ إِلَّا هُوَ الْحَيُّ الْقَيُّومُ ۚ لَا تَأْخُذُهُ سِنَةٌ وَلَا نَوْمٌ ۚ لَّهُ مَا فِي السَّمَاوَاتِ وَمَا فِي الْأَرْضِ ۗ مَن ذَا الَّذِي يَشْفَعُ عِندَهُ إِلَّا بِإِذْنِهِ ۚ يَعْلَمُ مَا بَيْنَ أَيْدِيهِمْ وَمَا خَلْفَهُمْ ۖ وَلَا يُحِيطُونَ بِشَيْءٍ مِّنْ عِلْمِهِ إِلَّا بِمَا شَاءَ ۚ وَسِعَ كُرْسِيُّهُ السَّمَاوَاتِ وَالْأَرْضَ ۖ وَلَا يَئُودُهُ حِفْظُهُمَا ۚ وَهُوَ الْعَلِيُّ الْعَظِيمُ

Transliteration zum Lernen der Rezitation:

Allahu la ilaha illa huwa, al-hayyu al-qayyum. La ta’khudhuhu sinatun wa la nawm. Lahu ma fi s-samawati wa ma fi l-ard. Man dha l-ladhi yashfa‘u ‘indahu illa bi-idhnihi? Ya‘lamu ma bayna aydihim wa ma khalfahum. Wa la yuhituna bi-shay’in min ‘ilmihi illa bi-ma sha’a. Wasi‘a kursiyyuhu s-samawati wa l-ard. Wa la ya’uduhu hifzuhuma. Wa huwa l-‘aliyyu l-‘azim.

Update: Weiterführende Gedanken und Informationen zur Ayat al-Kursi von unserer Safiya: HIER LESEN Diesen Artikel kommentieren könnt ihr dort auch – ohne Anmeldung.

Allah – es gibt keinen Gott außer Ihm, dem Lebendigen, dem Beständigen (dem Ewigen, der alles erhält). Ihn überkommt weder Schläfrigkeit noch Schlaf. Ihm gehört, was in den Himmeln und was auf der Erde ist. Wer ist es, der bei Ihm Fürsprache einlegen könnte, außer mit Seiner Erlaubnis? Er weiß, was vor ihnen und was hinter ihnen ist. Sie aber umfassen nichts von Seinem Wissen, außer was Er will. Sein Thron (Kursi) umfasst die Himmel und die Erde, und es fällt Ihm nicht schwer, sie beide zu bewahren. Und Er ist der Allerhabene, der Allgewaltige.

Für sich genommen kann man die Ayat al-Kursi so in einer Quran Übersetzung lesen und wenn man sich nicht die Zeit zum Nachdenken nimmt, dann geht man da so einfach darüber hinweg. Oder man kann sie rezitieren lernen, was als segensreich gilt und auch in Gebete „eingebaut“ werden kann. Aber hier wäre es – wie bei jedem Gebet – wichtig, dass man die Bedeutung erfasst und in vollem (Gottes)Bewusstsein rezitiert. Und aus diesem Grund wollen wir uns die Ayat al-Kursi nun Zeile für Zeile anschauen. Beim Lesen und Rezitieren des Quran geht es immer um Qualität, nicht um Quantität. Lieber wenige Ayat (Verse) die man kennt und voll erfasst anstatt viele, die man nur oberflächlich streift.

Ayat al-Kursi besteht aus zehn vollständigen arabischen Sätzen, die nahtlos ineinander übergehen. Erklärungen basierend auf Ibn Kathir:

  1. „Allahﷻ – es gibt keinen Gott außer Ihm…“ Dies ist die reine Tawhid-Erklärung (Einheit Gottes – reiner Monotheismus). Allah ist der einzige wahre Gott (Ilah), dem allein Anbetung gebührt. Kein anderer hat Anspruch auf Göttlichkeit – weder Götzen, Heilige, Engel noch Propheten. Jede Form von Polytheismus (Schirk) wird hier widerlegt.
  2. „…dem Lebendigen (Al-Hayy), dem Beständigen/Selbstbestehenden (Al-Qayyum).“ Al-Hayy: Allah hat ein vollkommenes, ewiges Leben – ohne Anfang, Ende oder Schwäche. Er ist nicht wie Geschöpfe, die geboren werden oder sterben. Al-Qayyum: Er ist der, der von nichts abhängt, aber von dem alles abhängt. Er erhält und versorgt die gesamte Schöpfung. Ohne Ihn würde alles zusammenbrechen. Dieser Name ist einer der erhabensten (Asma al-Husna).
  3. „Ihn überkommt weder Schläfrigkeit noch Schlaf.“ Im Gegensatz zu allen Geschöpfen (die müde werden) ist Allah niemals unaufmerksam oder schwach. Seine Wachsamkeit ist absolut und ununterbrochen. Ein Hadith erklärt: „Seine Hülle ist Licht – würde Er sie lüften, würde der Glanz Seines Angesichts alles verbrennen, was Sein Blick erreicht.“ (Überliefert bei Muslim). Das widerlegt jede Vorstellung eines „ruhenden“ oder „schlafenden“ Gottes (wie in manchen anderen Religionen).
  4. „Ihm gehört, was in den Himmeln und was auf der Erde ist.“ Allah ist der absolute Eigentümer und Herrscher des Universums. Alles – Engel, Menschen, Jinn, Sterne, Planeten – ist Sein Besitz und Ihm untertan. Niemand teilt mit Ihm die Souveränität.
  5. „Wer ist es, der bei Ihm Fürsprache einlegen könnte, außer mit Seiner Erlaubnis?“ Niemand (weder Prophet, Engel noch Heiliger) kann von sich aus für jemanden eintreten. Jede Fürsprache (Schafa’a) geschieht nur mit Allahs ausdrücklicher Erlaubnis. Das zeigt Seine absolute Souveränität und widerlegt Vorstellungen, dass „Vermittler“ Gott „zwingen“ könnten.
  6. „Er weiß, was vor ihnen und was hinter ihnen ist.“ Allahs Wissen umfasst Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft aller Geschöpfe vollständig. Er kennt jede Tat, jeden Gedanken, jedes Geheimnis – nichts entgeht Ihm.
  7. „Sie aber umfassen nichts von Seinem Wissen, außer was Er will.“ Die Geschöpfe (Menschen, Engel) haben begrenztes Wissen. Sie können nur so viel von Allahs Wissen erfassen, wie Er ihnen gewährt (z. B. durch Offenbarung oder Inspiration). Das unterstreicht die Unermesslichkeit Seines Wissens und die Demut der Schöpfung.
  8. „Sein Thron (Kursi) umfasst die Himmel und die Erde.“ Kursi wird meist als „Fußschemel“ oder „Thron der Herrschaft“ verstanden. Laut Ibn Abbas (r.a.) ist der Kursi so gewaltig, dass die sieben Himmel und Erden im Vergleich dazu wie ein Ring in einer weiten Wüste wirken. Einige Gelehrte sehen darin auch ein Symbol für Allahs Wissen oder Macht. Wichtig: Es ist in diesem Fall keine metaphorische Übertreibung, sondern eine reale Beschreibung Seiner unermesslichen Herrschaft.
  9. „…und es fällt Ihm nicht schwer, sie beide zu bewahren.“ Die Erhaltung des gesamten Universums kostet Allah keine Anstrengung. Er hält alles in Balance – ohne Müdigkeit, ohne Hilfe. Das zeigt Seine vollkommene Macht.
  10. „Und Er ist der Allerhabene (Al-Aliyy), der Allgewaltige (Al-Azim).“ Allah ist erhaben über alles Geschaffene und von unvorstellbarer Größe und Majestät. Diese beiden Namen schließen den Vers ab und betonen Seine Transzendenz.

Dieses ganze gegensätzliche All, mit Himmel und Erde, … mit bauenden und zerstörenden Kräften und Stoffen, mit all dem daraus sich erzeugenden Wechsel von Tag und Nacht, von Werden und Vergehen, von Blühen und Welken, von Leben und Sterben, von Haben und Verlieren, von Genießen und Darben, von Steigen und Fallen, von Lieben und Hassen, von Freud und von Leid, mit all den Gegensätzen… aus welchen das Menschenwesen selbst sich gewoben fühlt – ein Einziger, Gott, der eine Einzige ist es, der all diese Gegensätze geschaffen und hält, alle diese Gegensätze geordnet und leitet, der all die Gegensätze in uns gebildet”. Das monotheistische Glaubensbekenntnis, Dr. Hoffmann

Nachtaufnahme eines Strandes mit schwacher Beleuchtung und einer Silhouette von Gebäuden im Hintergrund.
Beten kann man überall. Aber manche Orte lassen das Herz regelrecht zum Himmel fliegen. Das lässt sich nicht beschreiben, man muss es erlebt haben. Bild: eigen, Nachts am Golf von Oman.

Be·wusst·sein

/Bewússtsein/

Substantiv, Neutrum [das]

1b. Gesamtheit der Überzeugungen eines Menschen, die von ihm bewusst vertreten werden“mein Bewusstsein änderte sich durch diese Begegnung“

1a. Zustand, in dem man sich einer Sache bewusst ist; deutliches Wissen von etwas, Gewissheit„das Bewusstsein seiner Kraft erfüllte ihn“

Gott ist 100% transzendent. Eine absolute Kernlehre des quranischen Islam. Vereinfacht formuliert würde man sagen, er ist ein Geist. Außerhalb von Raum und Zeit, den uns bekannten Dimensionen. Weil er ein Geist ist, ist unsere Kommunikation zu ihm „im Geist“. Das ist eigentlich für uns Menschen nicht so ungewöhnlich, nur ungewohnt. Denn wir selbst sind zwar in einem fleischlichen Körper, aber wir haben auch einen Geist: Ruh.

Ruh (رُوح, Plural: Arwah) ist im Islam ein zentraler, aber zugleich geheimnisvoller Begriff. Er wird meist mit Geist, Spirit oder Seele übersetzt, doch seine genaue Natur gehört zu den Dingen, über die der Mensch nur begrenztes Wissen hat. Was wir aber wissen ist, dass wir wegen dieser Natur mit Gott kommunizieren können. Um das besser zu verstehen, können wir das mit der Lebenskraft oder dem Lebensgeist von Tieren vergleichen (manche Menschen verhalten sich heute wie Tiere was zeigt, wie weit sie bereits von Gott entfernt sind).

Der entscheidende Punkt ist die Qualität und Funktion:

  • Menschlicher Ruh: Er wird speziell als „Mein Ruh“ (min ruhi) bezeichnet, den Allah in Adam einhauchte (Sure Al-Hijr 15:29, Sure Sad 38:72). Dieser göttliche Hauch verleiht dem Menschen:
    • Vernunft (Aql),
    • freien Willen,
    • moralische Verantwortung (Taklif),
    • die Fähigkeit zur bewussten Anbetung und zum Erkennen Allahs (Tawhid).
    • Die menschliche Nafs (Selbst/Seele) wird am Jüngsten Tag für Taten gerichtet und ist unsterblich.
  • Tierischer „Ruh“ / Geist: Tiere haben eine Lebenskraft (manche Gelehrte nennen sie ebenfalls Ruh oder eine tierische Nafs), die ihnen Bewusstsein, Instinkte, Gefühle, Schmerzempfinden und Verhalten gibt. Sie sind jedoch:
    • Nicht mit demselben göttlichen Hauch ausgestattet.
    • Ohne freien Willen und moralische Verantwortung – sie handeln größtenteils instinktiv.
    • Nicht sündhaft oder belohnungsfähig im religiösen Sinn (keine Gebote und Verbote für sie).

Ist Dir bewusst, dass Du mit einem „göttlichen Hauch“ ausgestattet bist? Auch wenn wir nur wenig darüber wissen, wissen wir eines sicher: Das ist der Grund, warum wir mit Gott reden können. Säkular sozialisierte Menschen erwarten, dass wenn es Gott geben würde, dass man ihn einfach treffen kann und so wie mit einem Menschen reden kann. Von Angesicht zu Angesicht, in dieser Dimension von Raum und Zeit, in der wir uns jetzt befinden. Das zeigt aber sehr deutlich, wie wenig diese Menschen über Gott wissen und begriffen haben. Die Kommunikation zu Gott funktioniert in dieser Welt ausschliesslich auf der geistigen Ebene oder man könnte modern sagen, auf der Ebene der „Spiritualität“. In der Dimension der Tiefe, wie es Theologen beschrieben haben (HIER ein Artikel dazu).

In dem Wort „Spiritualität“ steckt in gewisser Weise das Wort „Geist“ (nicht im germanischen Wortsinn, da heisst es soviel wie „Gespenst“): Das Wort Spiritualität leitet sich vom lateinischen spiritus ab. Spiritus bedeutet Hauch, Atem, Lebensatem und vor allem Geist (im Sinne von Seele, Lebensgeist oder göttlichem Geist). Es stammt vom Verb spirare = atmen, hauchen.

Dass wir mit einem Hauch göttlichen Geist ausgestattet sind, der die Kommunikation mit Gott möglich macht ist auch der Grund, warum manche Sünden viel mehr sind als einfach ein Verstoss gegen ein Gebot. Sowohl im Alten Testament der Bibel als auch im Quran wird davon berichtet, dass bestimmte Sünden die Verbindung zu Gott zerstören können, insbesondere interessanter Weise fehlende Vergebung gegenüber unseren Mitmenschen, sexuelle Unreinheit (Zina), falsche Beweggründe gegenüber Gott und natürlich Shirk (Götzendienst), um ein paar Beispiele zu nennen. Sünden, die den „Geist Gottes betrüben“, uns von Gott trennen und Vergebung verhindern. Bleiben wir auf so einem Weg, dann werden wir zunehmend auf fleischliche Begierden reduziert. Die Bibel und der Quran sagen, dass Gott uns sozusagen dieser Verirrung übergibt. Es ist nicht unser Schicksal in dem Sinne, dass wir nichts dagegen tun könnten. Sondern es ist die Konsequenz unserer Handlungen.

Aber ohne eine Verbindung zu Gott, ohne das Gebet, ist es unmöglich bei Gott Vergebung zu erlangen, unmöglich, dass er uns erhört, unmöglich, dass wir ins Paradies kommen werden. Wir werden in diesem Leben in der Verirrung leben, der Schmerz wird so gross, dass wir uns betäuben müssen und das immer mehr. Und ist es nicht genau das, was so viele Menschen dauernd tun? Dauernd in der Ablenkung, dauernd im Rausch, dauernd den eigenen Geist unterdrückend. Nichts ausgesprochen, immer auf der Flucht. Aber vor Gott kann man nicht fliehen. Wir alle werden vor unserem Richter stehen. Wie schon erklärt, ist das eigentlich kein Grund zur Sorge, denn man könnte ja dieses Leben durchaus auch bewusst in Gottesbewusstsein leben und geniessen, Tag für Tag. Man könnte ja auch jeden Tag beten und sich bemühen ein guter Mensch zu sein. Ist das denn wirklich zu viel verlangt? Es geht nicht darum perfekt zu sein, es geht darum gläubig zu sein und sich zu bemühen. Bei unserem Schöpfer (im Gegensatz zu einem Arbeitgeber) reicht „sie/er bemühte sich“. Nur muss es aufrichtig sein. Die Bibel und der Quran zeigen, dass selbst „Geringe“ in das Paradies eingehen. Menschen, die von allen verworfen wurden, verachtet, bespuckt und gedemütigt. Menschen, auf die man herabblickte, schwarze Schafe, von ihren Eltern verlacht, aus der Gesellschaft ausgestossen. Ungeliebte Kinder.

Aber was macht den Unterschied? Diese von mir erwähnten Menschen sind nicht gross in Gottes Augen, weil sie schwach und ungeliebt sind. Sie sind groß, weil sie mit letzter Kraft sich auf Gott verlassen. Sie sind wie ein kleiner Junge, der sich an sein Kuschelteddy hält, weil man ihm alles andere versagt und dem nichts anderes bleibt. Nun ist unser mächtiger Gott kein Plüschtier, aber die Liebe, die ein kleiner Junge (oder ein Mädchen) zu ihrem Kuscheltier hat ist die Liebe, die von der wir hier reden: Reine, echte Liebe, aus tiefstem Herzen. Zweifelsfrei und pur.

So eine Liebe wird wachsen, keine Frage. Wenn wir mit dieser Reinheit und Echtheit vor Gott kommen und zu ihm beten, dann sind wir in vollem Gottesbewusstsein, wir beten „als sähen wir den Unsichtbaren“. In einem Moment wo wir uns niederwerfen und in unseren Gedanken Gott ist, dreht sich das ganze Universum um uns. Das ist kein Wortspiel. Jesus (Isa) sagte beispielsweise, dass bei einem Sünder der umkehrt, die Engel im Himmel frohlocken (Lukas 15:10). Und sind wir nicht alle Sünder? Jeden Tag beten wir und Gott vergibt uns. Und jedes mal freuen die Engel im Himmel sich. Bei einem muslimischen Gebet spricht man auch die Salawat (einen Segen) zu den Engeln. Eine Freundin von uns (ja Du Lama), spricht einen Segen zu den Engeln, wenn sie ihre Wohnung betritt. Es ist ihre Realität. Es kann auch auch Deine sein und die ist echt. In dem Moment wo Du das zulässt, wird sich Dein ganzes Leben verändern, weil Du die Verbindung zur geistigen Welt herstellst. Und ab da weisst Du dann, es stimmt. Du weisst doch auch, dass Du liebst und wen Du liebst, richtig? Du weisst es einfach, hast die volle Gewissheit darüber. Und genauso sicher weisst Du dann auch, dass Gott existiert und mit Dir ist. Du weisst, die Engel begleiten Dich. Du weisst, dass alles wahr ist, was Gott uns versprochen hat, die Berichte in den Schriften über die Propheten. Im Alten Israel, zur Zeit Jesu und zur Zeit Mohammeds. Und sogar darüber hinaus. Zu allen Zeiten sagt der Quran, gab es gottesfürchtige Menschen. Im Alten Persien, in China, in Wüsten und auf Bergen, auf den Inseln des Ozeans. Du musst kein „grosser“ Mensch sein, nichts Besonderes geleistet haben. Du kannst Dich in diese „Familie“ einreihen und dazu gehören und mit all diesen verbunden sein. Nicht nur durch ein Label, auch nicht wenn es Islam heisst, sondern durch die Wahrheit. Und die Wahrheit ist Gott. „…und sie werden erkennen, dass Allah die Wahrheit ist.“ (Quran 24:25, 22:6, 22:62, 6:62)

Das erkennen zu dürfen ist ein Privileg. Denn der Glauben ist kein Besitz aller Menschen und Gott leitet recht wen er möchte. Dass Du diesen Artikel liest macht es sehr wahrscheinlich, dass Du ein Mensch davon bist. Nur sehr wenige Menschen lesen Artikel wie diese, die Aufrufzahlen für ein Artikel wie diesen sind 1/5 von denen anderer Artikel. Wenn Du erkennst, dass Gott die Wahrheit ist und Du ihn anbetest, dann wirst Du mehr als ein Muslim sein. Du wirst ein gläubiger Muslim. Der Quran unterscheidet das interessanterweise und das ist genau das was ich zu Beginn schrieb – nicht das Label entscheidet. Dein Gottesbewusstsein unterscheidet. Dein Glauben (Iman). Du kannst zu einer Moschee gehen und dort leere Gebete machen, reine Gymnastikübungen. Soll ja gesund sein. Oder Du kannst mit Deinem Geist und reiner Absicht Gott anbeten. Das ist der Unterschied zwischen ewigem Leben und ewigem Tod. Und es ist der Unterschied zwischen Knechtschaft in dieser Welt, die nie zur Ruhe kommt. Immer neue Heilsversprechen, Erlöser und unerfüllte Wünsche und Hoffnungen. Eine Ideologie nach der anderen. Niemals ankommen, immer hinterher rennen. Das ist echte Sklaverei.

Aber Du könntest auch frei sein. Wirklich frei. Bekanntlicher Weise wird oft Jesus zitiert der gesagt haben soll, dass die Wahrheit uns befreien wird. Der Quran sagt, dass Gott die Wahrheit ist und dieser ist 100% transzendent. Um also frei zu werden müssen wir bewusst „in die Wahrheit eintreten“. Das ist kein Lippenbekenntnis. Es ist ein Bewusstsein. „Dogmen, ob religiöse, politische oder wissenschaftliche, entspringen der irrigen Überzeugung, Gedanken könnten die Wirklichkeit oder Wahrheit in sich schließen. Dogmen sind kollektive mentale Gefängnisse. Das Unmanifeste befreit dich erst, wenn du bewusst in es eintrittst. Deshalb sagt Jesus nicht: „Die Wahrheit wird dich befreien“, sondern: „Du wirst die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird dich befreien.““ Diesen Satz von Eckhart Tolle sollte man sich merken.

In jeder anderen Religion der Welt wäre das Zitieren dieser Aussage ein Widerspruch zur Religion selbst. Nicht aber im quranischen Islam. Wir erkennen die Wahrheit, die nur Gott ist und lassen uns bewusst darauf ein (Gottesbewusstsein). Das befreit uns wahrlich von allem anderen, denn was ist dann noch wichtig? Niemand kann uns Gott nehmen, niemand kann uns von ihm trennen. Unsere Frau stirbt oder unser Mann. Oder unsere Kinder. Wir müssen flüchten. Krieg bricht aus. Die Hyperinflation vernichtet unser Erspartes. Wir werden alles andere in dieser Welt so oder so verlieren und am Ende sogar unser Leben. Morgen bekommen wir Krebs oder unser Auto kommt von der Fahrbahn ab. Aber dann war’s das hier eben. Wenn wir mit unserem Gott sind, gehen wir hier mit einem Lächeln raus. Gott über Allem, wir sagen im Islam: Allahu Akbar.

Heute gibt es nicht wenige Menschen, die Religion für etwas Überflüssiges halten. Sie lehnen Religion ab, ohne zu begreifen was sie eigentlich ablehnen. Im Islam ist das Wort Religion (Deen دين) nur ein Synonym. Es kann den Islam als Label meinen, aber in mehr als der Hälfte der Fälle, wenn Islam oder Religion im Quran gebraucht wird, geht es um die Anbetung Gottes, die Religion Abrahams. Und was war die Religion Abrahams? Abraham dachte nach, hatte Gottesbewusstsein und fing in der Wüste an zu beten. Der Sternenhimmel, den er sah, verleitet ihn nicht dazu Mond und Sterne anzubeten. Er wollte den anbeten, der das alles gemacht haben musste. Die Religion Abrahams war kein Label, das gab es damals noch nicht. Begreifen wir diesen Punkt? Er betete an und unterwarf sich dem Willen Gottes in seinem Leben. Das kann man nur tun, wenn man sich Gott bewusst ist. Das ist Islam und genau so definiert es der Quran. Wenn wir heute Muslime sind oder der Islam unsere Religion ist, dann ist das für sich kein Ticket zur Erlösung. Der Unterschied zu Abrahams Zeiten ist, dass wir heute den Begriff Islam als Label haben, aber das alleine ist tot. Unsere Niederwerfungen (Rakat) im Gebet sind leer und wertlos. Unser Quran-Lesen ist wertlos. Was immer wir tun, was dem Label des Islam zugerechnet wird, ist für sich genommen wertlos und leer. Wir müssen dem eine Bedeutung geben. Dann verwandelt sich das alles in Gottesdienst (Ibada).

Erst wenn unsere Absicht rein ist, wir in vollem Bewusstsein und reiner Liebe vor unseren Gott treten, bereit uns IHM zu unterwerfen, in vollem Vertrauen auf IHN ohne alle Details zu wissen, dann sind wir wahre Muslime. Die Muslime, die der Quran als gläubige Muslime bezeichnet. Wir sind dann auch die Menschen, die das tun, was einst Jesus (Isa) sagte: Wir lieben Gott mit ganzem Herzen, ganzem Sinn und Verstand. Damit erfüllen wir das Gesetz. Damit erlangen wir Vergebung. Und wir treten in die Freude unseres Herrn ein, der uns das Paradies versprochen hat. Haben wir jetzt verstanden was Islam wirklich bedeutet?

Gott über Allem.

Amin.

„Dies (ist so), weil Allah die Wahrheit ist und weil Er es ist, Der die Toten lebendig macht, und weil Er die Macht über alles hat.“

Quran, 22:6