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Goldvorräte von Venezuela

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(@alioscha)
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Venezuelas verschwundenes Gold: Eine Chronik des Niedergangs

161 Tonnen Gold - diese Zahl kursiert derzeit in sozialen Medien, wenn es um Venezuelas Reichtum geht. Sie stammt aus IWF-Statistiken, die Venezuela seit 2021 nicht mehr aktualisiert hat. Die Realität sieht anders aus: Ende 2024 verfügte die venezolanische Zentralbank nur noch über 53 Tonnen. Die erwähnten historischen Reserven sind also dreimal so hoch wie die aktuell tatsächlichen.

Die Geschichte dieses Niedergangs ist eng mit dem Schicksal des Landes verknüpft. Im September 2011 erreichten die Goldreserven mit knapp 373 Tonnen ihren historischen Höchststand. Unter Hugo Chávez, der in jenem Jahr die Rückholung von 160 Tonnen Gold aus ausländischen Tresoren anordnete, schienen die Reserven sicher. Die hohen Ölpreise ermöglichten es der Regierung, ihre Ausgaben zu decken, ohne das Gold antasten zu müssen.

Mit Chávez' Tod 2013 und dem anschließenden Ölpreisverfall änderte sich alles. Die Preise stürzten von etwa 100 Dollar pro Barrel auf 57 Dollar im Jahr 2014 und erreichten Anfang 2016 sogar einen Tiefstand von 35 Dollar. Für ein Land, dessen Staatseinnahmen zu 95 Prozent vom Öl abhingen, war dies katastrophal.

Zwischen 2015 und 2017 begann die Regierung Maduro, das Edelmetall systematisch zu veräußern. Anfang 2016 verkaufte Venezuela größere Mengen Gold in der Schweiz, um fällige Anleihen zu bedienen. Die Reserven fielen auf etwa 200 Tonnen. Bis Januar 2018 waren nur noch 150 Tonnen übrig, bis November desselben Jahres 132 Tonnen.

Die Hauptabnehmer des venezolanischen Goldes waren die Türkei und die Vereinigten Arabischen Emirate. Allein 2018 exportierte Venezuela Gold im Wert von rund 900 Millionen Dollar - etwa 24 Tonnen - in die Türkei. Schweizer Handelsdaten belegen, dass nahezu sämtliche Goldexporte des Landes in diesen beiden Staaten landeten: 1,1 Milliarden Dollar gingen an die VAE, 901 Millionen an die Türkei.

Erschwerend kam hinzu, dass ein Teil der im Ausland gelagerten Reserven für Venezuela unerreichbar wurde. Die Bank of England verweigerte die Herausgabe von Gold im Wert von 1,95 Milliarden Dollar. Im Juni 2023 verlor die von Maduro kontrollierte Zentralbank ihre letzte Berufung vor britischen Gerichten.

Der Abwärtstrend setzte sich auch in den folgenden Jahren fort. Ende 2022 lagen die Reserven bei 69 Tonnen - ein 50-Jahres-Tiefstand. Mitte 2023 waren es noch 61 Tonnen, Ende 2024 nur noch 53 Tonnen.

Was einst als Sicherheitspolster für Krisenzeiten gedacht war, wurde binnen eines Jahrzehnts weitgehend aufgezehrt - verkauft, um Importe zu finanzieren, Schulden zu bedienen und ein zunehmend dysfunktionales Staatswesen am Laufen zu halten. Die 161 Tonnen, mit denen derzeit geworben wird, existieren schlicht nicht mehr.

Zum Vergleich: Die drei Länder mit den aktuell (2025) größten Goldreserven der Welt sind die Vereinigten Staaten mit 8.133 Tonnen im Wert von über einer Billion Dollar, Deutschland mit 3.352 Tonnen und Italien mit 2.452 Tonnen. Venezuelas verbliebene 53 Tonnen entsprechen weniger als einem Prozent der US-amerikanischen Bestände.

Quellen

- Mining.com: Venezuela's gold reserves drop 13% in 2024 (März 2025). https://www.mining.com/web/venezuelas-gold-reserves-drop-13-in-2024/

- Reuters/Investing.com: Venezuela's gold reserves fall nearly 12% in six months (August 2023). https://www.investing.com/news/economic-indicators/venezuelas-gold-reserves-fall-nearly-12-in-six-months-3145933

- CEIC Data: Venezuela Gold Reserves, 1950–2025. https://www.ceicdata.com/en/indicator/venezuela/gold-reserves

- Visual Capitalist/World Gold Council: Top 10 Countries by Gold Reserves 2024. https://www.visualcapitalist.com/the-top-10-countries-by-gold-reserves-in-2024/



   
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