وَلَا يَزَالُ الَّذِيْنَ كَفَرُوْا فِيْ مِرْيَةٍ مِّنْهُ حَتّٰى تَأْتِيَهُمُ السَّاعَةُ بَغْتَةً اَوْ يَأْتِيَهُمْ عَذَابُ يَوْمٍ عَقِيْمٍ 

„Und diejenigen, die ungläubig sind, werden nicht aufhören, daran zu zweifeln, bis plötzlich die Stunde über sie kommt oder die Strafe eines unheilvollen Tages über sie kommt.“

Quran 22:55, A. S. F. Bubenheim and N. Elyas

glau·ben

schwaches Verb

  1. 1a. für möglich und wahrscheinlich halten, annehmen; meinen“glaubst du, dass er kommt?“
  2. 1b. fälschlich glauben, für jemanden oder etwas halten; wähnen“sich allein, unbeobachtet glauben“

Der Eingangs zitierte Quranvers bedarf einer Erläuterung, um die Problematik der Übersetzung auszugleichen. Wie u.a. M. Asad erklärte, ist mit Unglauben Kufr ( كفر ) nicht „an nichts glauben“ gemeint. Tatsächlich hat das Wort viele Bedeutungen.

Das arabische Verb mit dem Konsonantenbestand k – f – r (kafara / كفر) hat sowohl in der altarabischen Poesie als auch im Quran unterschiedliche Bedeutungen. Die Grundbedeutung ist „bedecken“, „verbergen“ „verhüllen“: „In einer Nacht, deren Wolken die Sterne bedeckten“ (kafara) – heißt es in einem Gedicht von Labīd b. Rabīʿa (frühes 7. Jahrhundert).Die Hauptbedeutung des Verbs in der Sprache des Koran ist „ungläubig sein oder werden“, „nicht glauben“, „etwas leugnen“ „vom Glauben abfallen“ und steht damit im Gegensatz zum Verb āmana, „glauben“. In Sure 2, Vers 253 heißt es entsprechend:

„Aber sie wurden uneins. Die einen von ihnen waren gläubig (āmanū), die anderen ungläubig (kafarū).“

Bei āmanū mag der im biblischen AT gebildete Leser sofort an einen Begriff denken müssen und liegt damit richtig: (‚E-mu-na) אמונה Wurzel: אמן. = GLAUBEN. In «emuna» steckt das hebräische Wort «emun», Vertrauen. Das Wort geht auf «aman» (fest / sicher / zuverlässig sein) zurück. König Salomon sagte: „Der Narr glaubt alles, und der weise Mensch versteht.“ Doch Emuna hat nichts mit Einfältigkeit zu tun. Es ist eine angeborene Überzeugung (kennen wir im Islam als „Fitra“), eine Erkenntnis der tief in der Seele verwurzelten Wahrheit, die unsere Vernunft übersteigt und damit Weisheit, Verstand und Wissen stärkt. Im Judentum ist damit auch ein bekannter Segen verbunden. Emet we-Emuna (hebräisch בִּרְכַּת גְּאוּלָּה / בִּרְכַּת אֱמֶת וֶאֱמוּנָה; Segensspruch auf die Wahrheit und den Glauben/Segensspruch auf die Erlösung). Christen und Muslime kennen „Emuna“ auch durch das davon weiter abgeleitete „Amen, Amin„.

Nachdem wir diese Gedanken etwas wirken lassen, denken wir nochmals über die quranische Aussage nach. Man kann sinngemäss übersetzen, dass die, die an etwas anderes glauben als an den Schöpfer von Himmel und Erde und darauf vertrauen letztlich nicht aufhören zu zweifeln (andere Verse: „sie raten/vermuten ja nur“), bis plötzlich die Stunde über sie kommt oder das Unheil eines schwarzen Tages, dem Tag des Todes. Niemand weiss wann dieser Tag kommt. Oder genauer gesagt, kein Mensch weiss es. Aber wer schon einmal erlebt hat wie sich Menschen verhalten, die wissen es ist soweit, der sollte zumindest für einige Zeit aus dem Nebel der Ignoranz aufwachen. Nicht wahr haben wollen, letzte Hoffnung, an das Leben klammern, bitten und betteln (zu wem dann eigentlich?)… Der Tod ist eine ultimative Wahrheit an dem jegliche Überheblichkeit zerbricht. Und ein Schiff sollte man vor dem Sturm auf den Sturm vorbereitet haben. Kommen wir nun zu der heute oft anzutreffenden absurden Aussage…

Nichts. Kann man an „Nichts“ glauben?

„Ich glaube an Nichts“

„Ich glaube an nichts!“ So sagen es immer wieder Menschen in der heutigen Zeit. Tatsächlich ist das ein relativ neues Phänomen, was vor ca. 100-150 Jahren noch absoluten Seltenheitswert hatte. Was Menschen damit meinen, ist: sie haben keine religiösen Glaubensinhalte. Aber wirklich an „Nichts“ glauben kann kein Mensch. Denn jeder Mensch hat eine Weltanschauung. Und diese beruht auf Axiomen, auf Grundvoraussetzungen, die man nicht beweisen kann, an die man glauben muss: ob es Gott und ein Jenseits gibt oder nicht, ob es ein Weiterleben nach dem Tod gibt oder nicht, ob über diese Fragen eine Erkenntnis möglich ist oder nicht. Auch eine areligiöse Weltanschauung ist also Glaube. Und vielen bilden sich heute ein, damit die Wissenschaft auf ihrer Seite zu haben, vor allem seit der öffentlichen Massenpsychose „Covid“. „Ich glaube an die Wissenschaft“, #Team Wissenschaft, heißt es dann. Diese Aussage basiert leider auch auf Halbwissen und Nachplappern. Denn die Naturwissenschaften können und wollen per Definition nichts über Gott oder die Transzendenz aussagen. Dass die Naturwissenschaften nichts von Gott wissen, beweist nicht, dass es ihn nicht gibt – er ist einfach nicht ihr Fachgebiet. Dafür gibt es die Religion, die meist von denen verlacht wird, die am wenigsten Wissen darüber haben. Im Radio ließ man vor einigen Jahren den Evolutionsbiologen Franz Wuketits zum Sinn des Lebens und zum Glauben zu Wort kommen. Das ist ungefähr so sinnvoll, als würde man einen Theologen zur Quantenphysik interviewen. Manche erhoffen sich offenbar verzweifelt von der Naturwissenschaft Antwort auf letzte Fragen, der letzte Rettungsanker da man Gott bereits entsorgt hat. Aber diese Antworten kann die Naturwissenschaft seriöser Weise nicht geben. Auch Naturwissenschaftler haben eine Weltanschauung, aber die ist um nichts wissenschaftlicher als die Weltanschauung irgendeines anderen Menschen. Im Westen scheinen Menschen außerdem oft anzunehmen, dass Wissenschaftler alle „im Westen“ leben und es keine Wissenschaftler in anderen Teilen der Welt gibt. Warum sage ich das? Weil man davon ausgeht, dass Wissenschaftler mehrheitlich nicht an Gott glauben – aha. Und was ist mit der Mehrheit der Weltbevölkerung in anderen Kulturen und Völkern, bei denen Religion wichtig ist? Haben die keine Wissenschaftler? Sind dort die Wissenschaftler ungläubig? Es ist der Job eines Wissenschaftlers für alles Erklärungen zu finden, die ohne Gott auskommen. Aber interessant ist, was diese als Menschen glauben.

Ein beliebter Trick unter Intellektuellen ist der Agnostizismus: die Behauptung, dass der Mensch die Frage nach Gott gar nicht beantworten könne. Aber wie kann man das wissen? Um so etwas sagen zu können, muss man ein paar Dinge offenbar doch wissen. Ein kleiner Widerspruch, wie ich finde. (Allenfalls könnte ein Agnostiker sagen, dass er persönlich nichts über Gott sagen könne.) Vielfach wird der Glaube an Gott oder an religiöse Glaubensinhalte als ein Sprung ins Ungewisse dargestellt. Ist da unten überhaupt Wasser? Aber eine atheistische Weltanschauung und ein areligiöser Glaube sind genau derselbe Sprung: was, wenn es doch einen persönlichen Gott gibt, der mich zur Rechenschaft ziehen wird? Wer sich mit Glauben auseinandersetzt, muss sich also die Frage nach seinen Axiomen stellen. Was akzeptiere ich als Grundvoraussetzung, ohne es grundlegend zu hinterfragen? Und: warum? Viele unserer Überzeugungen (das gilt für religiöse genauso wie für areligiöse) beruhen auf Gewohnheit. Wir haben es uns angewöhnt, die Dinge so zu sehen. Man könnte auch sagen: Sozialisierung. Ein weiterer Aspekt ist Interessengeleiteter Glaube oder Zweifel, d.h. nicht glauben, weil, sondern glauben, damit. Wieviele Leute kommen mit ihren intellektuellen Zweifeln, während sie in Wirklichkeit nur keine Lust haben, ihr Leben zu ändern (funktionale Überzeugungen). Darum ist auch die Esoterik so beliebt: sie ist häufig eine Art spirituelle Wellness ohne Forderung nach Konsequenzen. Ein paar Streicheleinheiten für die Seele, ohne deshalb gleich seinen Alltag umkrempeln zu müssen. Und im Prinzip darf jeder glauben, was er möchte: Erdstrahlen, die heilende Wirkung von Edelsteinen, kosmische Mutter, Lichtheiler, Bachblüten. Ich bin immer wieder erstaunt, was für fragwürdige Dinge areligiöse Menschen als Glaubensinhalt nehmen. Weil man eben nicht an nichts glauben kann. Nur ist es eben so, dass alles Konsequenzen hat, ob wir das wollen oder nicht. Und natürlich können wir den Elefant im Raum ignorieren, bis plötzlich die Stunde über sie kommt oder die Strafe eines unheilvollen Tages über sie kommt.“

Den Glauben auf Fels bauen

»Wer nun auf das hört, was ich gesagt habe, und danach handelt, der ist klug. Man kann ihn mit einem Mann vergleichen, der sein Haus auf felsigen Grund baut. Wenn ein Wolkenbruch niedergeht, das Hochwasser steigt und der Sturm am Haus rüttelt, wird es trotzdem nicht einstürzen, weil es auf Felsengrund gebaut ist. Wer sich meine Worte nur anhört, aber nicht danach lebt, der ist so unvernünftig wie einer, der sein Haus auf Sand baut. Denn wenn ein Wolkenbruch kommt, die Flüsse über ihre Ufer treten und der Sturm um das Haus tobt, wird es einstürzen; kein Stein wird auf dem anderen bleiben.« Matthäus 7:24-29 HFA

Die Frage ist nur, was hat Jesus gesagt?

Sagte Jesus etwas von Lichtheilern, kosmischer Energie, Vertrauen in das Innere oder Zen? Und gehen wir noch einen Schritt weiter. Sagte Jesus das was Paulus später sagte? 14 „Und wenn Christus nicht auferstanden ist, dann war unser Predigen wertlos, und auch euer Vertrauen auf Gott ist vergeblich.“ (1.Korinther 15:14)

Glauben ist vergeblich wenn Christus nicht auferstanden ist? Willkommen in der Welt der kognitiven Dissonanz, ausgelöst durch menschliche „Weisheit“.

Beantworten wir zunächst die Frage, was die Worte Jesus waren, von denen er sagte „Wer nun auf das hört, was ich gesagt habe, und danach handelt, der ist klug„. Denn wer das tut, würde seinen Glauben ja letztlich auf den Fels bauen und dieser Glaube würde nicht zusammenbrechen. Wir können uns auf den Bibleserver einfach das Kapitel 7 von Matthäus durchlesen. Es ist nicht allzu umfangreich und einfach zu verstehen. Hier. Wir können auch die Gesamtaussage von Jesu Lehren nehmen, wie ich es schon oft in meinen Artikeln gemacht habe. Eine der Kernaussagen Jesu durch die Evangelien ist die, die wir auch in dem besagten Matthäus Kapitel 7 finden: „Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr, Herr!, in das Himmelreich kommen, sondern die den Willen tun meines Vaters im Himmel. 22 Es werden viele zu mir sagen an jenem Tage: Herr, Herr, haben wir nicht in deinem Namen geweissagt? Haben wir nicht in deinem Namen Dämonen ausgetrieben? Haben wir nicht in deinem Namen viele Machttaten getan? 23 Dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch nie gekannt; weicht von mir, die ihr das Gesetz übertretet! „

Interessanterweise besteht der Rest des Kapitels aus Warnungen vor dem Folgen von falschen Propheten (die Jesus als Herr ansprechen und in seinem Namen falsch prophezeien und gesetzlos handeln vgl. auch Lukas) und der Zuversicht beim Beten. Gerade das Beten ist ein obligatorischer Kernpunkt des Glaubens und der Rettung, den Jesus immer wieder betonte. Beten zu Gott, nicht zu Jesus! Warum? Um Hilfe und Vergebung zu erlangen. Matthäus 7:7,8: „Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. 8 Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan.“

Historische Wahrheit? Egal wie man dazu steht, Fakt ist, dass historische Wahrheiten die unsichersten sind die es gibt. Was damals wirklich geschah bleibt im Dunkeln. Daher sollten wir unseren Glauben auf ein stabileres Fundament aufbauen. Wie wäre es mit dem von Jesus Christus selbst? Was glaubte er? Welches Vorbild gab er?

Der Wahre Glaube

Und einer der Schriftgelehrten, der gehört hatte, wie sie miteinander verhandelten, trat herzu, und als er sah, dass er ihnen gut geantwortet hatte, fragte er ihn: Welches Gebot ist das erste von allen? Jesus antwortete: Das erste ist: „Höre, Israel: Der Herr, unser Gott, ist ein Herr; und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben aus deinem ganzen Herzen und aus deiner ganzen Seele und aus deinem ganzen Verstand und aus deiner ganzen Kraft.“ Das zweite ist dieses: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ Größer als diese ist kein anderes Gebot. (Markus 12,28–31)

Natürlich ist es etwas provozierend formuliert zu sagen, das ist „der wahre Glaube“. Gerade in einer Zeit, in der alles als relativ postuliert wird. Sei wie Du willst, sei wie Du Dich fühlst. Alles ist nur eine Frage des Blickwinkels. Und ja, es steht jedem frei zu glauben was er will. Aber es gibt eben eine Wahrheit und einen „wahren Glauben“ gemäss den monotheistischen Schriften die wir haben und das ist der Glaube, den Jesus predigte, an den EINEN, EINZIGEN und lebendigen und damit wahren Gott. Während sich die Welt im relativ-gaga weiter dreht ist es wichtig seinen Glauben fest zu machen. Aber es gibt noch einen weiteren Grund, warum die Formulierung „der wahre Glaube“ problematisch ist und in dem Fall stimme ich zu. Es ist die Tatsache, dass diese Formulierung so massiv missbraucht wird. Viele Sekten und Glaubensgemeinschaften beanspruchen diese Aussage für sich. Wir sind die wahre Religion, der wahre Glaube. Aber bleiben wir doch bei Jesus: „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.“ (Matthäus 7:16)

Wenn eine Sekte, Glaubensgemeinschaft oder Religion etwas anderes lehrt, als dass es EINEN Gott gibt der alles gemacht hat, dann kann man sich jede weitere Diskussion sparen, auch nach den Worten Jesu. Wenn eine Sekte, Glaubensgemeinschaft oder Religion lehrt, man müsste ihrer Leitung und Menschen folgen, viel Geld an sie (und nicht etwa die Armen) spenden, dass es notwendige Mittler zu Gott gäbe oder sonstiger Götzendienst, dann erübrigt sich jegliche Diskussion. Die wahre Religion besteht tatsächlich nur aus den beiden größten Geboten die Jesus nannte und die ich oben zitierte. Darin ist das Gebet zu Gott alleine voll inkludiert und es ist ein historische Tragödie, wie das Christentum und seine Derivate das so verdrehen konnte. Ganz persönlich schockt mich das immer wieder, gerade wenn man doch behauptet Jesus zu lieben. Jede Art von sozusagen „geistiger“ Verbindung oder Bruderschaft mit Jesus kann doch nur dann gegeben sein wenn man seinen Worten auch folgt. Jesus Christus ist vermutlich die am meisten mißbrauchteste Person der Welt. Wie Gott darüber denken mag, der ihn ausgesandt hat? Es ist unvorstellbar welches Unrecht das in seinen Augen sein muss.

Aus meiner nunmehr muslimischen Perspektive – ich mag den Terminus monotheistisch lieber – da leider auch der Islam schon oft von Menschen missbraucht wurde und man heute mehr als jemals zuvor erklären muss, was Islam eigentlich bedeutet, sehe ich Jesus heute mehr denn je als den, wie er sich in den Evangelien beschrieb. Auch wenn wir historische Probleme mit den Evangelien haben, versuche ich die Kernaussagen zu sehen, die, die sich immer wiederholen und auch zu den Aussagen des AT der Bibel passen. Für mich sind innermuslimische Diskussionen müsig, bei denen es darum geht, wer der größte Mensch gewesen sei. Keiner der Propheten, auch Jesus und Muhammedﷺ  nicht, wollte diese Vergleiche und Überlegungen. Sie alle gaben alle Ehre stets Gott.

“Lasst uns die Summe aller Lehre hören: Fürchte Gott und halte seine Gebote; denn das macht den ganzen Menschen aus. Denn Gott wird jedes Werk vor ein Gericht bringen, samt allem Verborgenen, es sei gut oder böse.” Prediger 12:13, 14

Die Frage die sich stellt ist, warum ist es so schwer nur Gott anzubeten? Warum followen Menschen lieber Menschen und menschlichen Organisationen? Vielleicht lässt sich das tatsächlich mit dem Goldenen Kalb vor dem Berg Sinai erklären. Auch theologisch ungebildetere Menschen kennen diesen Bericht der Bibel. Die Kinder Israels zogen es vor sich einem aus Gold gemachten leblosen aber für sie sichtbaren Gegenstand niederzuwerfen, während Mose die zehn Gebote auf dem „Berg Sinai“ (nach heutigen Rekonstruktion der Wanderrute des Volkes übrigens in Saudi Arabien und nicht etwa auf der Sinai Halbinsel) empfing. Eigentlich ein unvorstellbarer Vorgang und das obwohl sie so viel mit ihrem Schöpfer bereits erlebt hatten. Aber der Mensch vergisst schnell. Heute ist es den meisten Menschen näher einen für sie bequemen und ihrer Sozialisierung entsprechenden Glauben zu folgen, von kosmischen Kräften, Mutter Natur, der Marienfigur oder der Wissenschaft™. Und so überträgt sich die einstige Wüstenwanderung der Kinder Israels auf eine Glaubenswanderung der Menschen heute, die zwar glauben, aber nicht genau wissen woran eigentlich und dadurch ziellos umherirren, wie auf der Suche nach Wasser in der Wüste, aber immer wieder enttäuscht werden, rätseln und letztlich „lost“ sind.

Mir geht es bei meinen Artikel nicht um Politik, Identität, Kultur oder den Missbrauch jeglicher Religion – der leider eine Tatsache ist. Leider hat auch gerade Religion (genauer: das Handeln von Menschen in der Religion) dazu beigetragen, dass viele Menschen von ihrem Schöpfer nichts mehr wissen wollen. Es geht um das, was wir in der heutigen Sprache als „Spiritualität“ bezeichnen. Aber nicht in einem abstrakten und undefinierbaren Sinn, sondern basierend auf tausenden Jahren monotheistischen Schriftgutes. Religion in ihrem Kern sehe ich als absolut alternativlos – das zeigt sich in der heutigen Zeit mehr denn je.

Sicher ist, dass es einen Glauben an „Nichts“ nicht gibt. Es gibt aber eine Wahl sich treiben zu lassen und von Angebot zu Angebot zu hüpfen oder eben die Wahl sich bewusst mit dem Original zu beschäftigen. Bewusst – denn es erfordert eine bewusste Entscheidung, bewusste Gedanken und Selbstreflexion. Wir haben es selbst in der Hand, mit was wir unser Herz und Sinn füllen, mit welchen Einflüssen wir uns umgeben und was unser Denken letztendlich formt. Aber schauen wir uns nochmal ein Detail des erwähnten Predigertextes (AT) an: „Lasst uns die Summe aller Lehre hören: Fürchte Gott und halte seine Gebote; denn das macht den ganzen Menschen aus.“ Es würde „den ganzen Menschen ausmachen“ Gott zu fürchten und seine Gebote zu halten.

Es ist also unsere menschliche Essenz. Stimmt das? Da das woran wir glauben unsere Kernsoftware ist, ist das zu 100% richtig. Es macht uns aus. Wie in meinem letzten Artikel (hier) erklärt, spiegeln wir nicht nur die Eigenschaften Gottes wieder, wenn wir nach seinen Geboten handeln, unser Herz schlägt wieder synchron mit der Urmacht des Universums. Es erfüllt uns und wir folgen wieder unserer Bestimmung. Es gibt den Satz von Yunus Emre: „spricht die Zunge, lauscht das Ohr. Spricht das Herzlauscht das Universum„, der das ganz gut in unser heutiges Denken überträgt. Nur ist es nicht das Universum das lauscht – denn es ist nur Teil der Schöpfung – es ist der Erschaffer und Erhalter des Universums, der eine und ewige Gott, Allahﷻ .

Die 99 Namen und Eigenschaften Allah’s. Es gibt einen Grund, warum sich Gott mit dem arabischen „Allah“ dem Menschen vorstellt, wie schon HIER erklärt. Wir sollen nicht gemachte Dinge anbeten, keine Bilder und keine Götzen. Wir sollen über die Bedeutung des Schöpfers und seiner Eigenschaften nachdenken und ihn mit tiefen und echten Glauben anbeten. Das Konzept „Allah“ ist bestechend klar und theologisch konsistent im Vergleich zu all der Verwirrung heute.

Auf diesen Schöpfer seinen Glauben zu bauen, ihn anzubeten, seine Herzensgedanken ihm auszuschütten, das ist der Glaube von dem auch Jesus wie alle Propheten immer wieder sprach. Wir beten nicht gemachte Dinge an, was Jesus mit einschliesst, wir beten den an, der alles gemacht hat. Das ist wahrer Monotheismus, das Original mit einer Hoffnung. Wir können und sollen fasziniert sein von kosmischen Kräften, dem Universum, von der Natur, dem Meer, von jeder kleinen Blume in unserem Garten. Selbst von Ameisen war unter anderem ein Bibelschreiber fasziniert, Abraham stand erstaunt in der Wüste vor einem Himmelsbild mit tausenden von Sternen, wieder andere fanden ihren Glauben auf hoher See bei bis zu 35(!!) Meter hohen Wellen oder im 11 Kilometer tiefen Mariannengraben des Pazifiks. Die Welt gemachter Dinger ist voller Schönheit, Humor, Liebe und Macht. Und das alles ist laut dem Quran „ein Zeichen für Menschen die denken“ (Quran 45:3-5, 13). Es gibt Menschen, die sehen diese Dinge und sind „Kufr“, sie sagen dann toll, die „Natur“ (setzt ein was ihr mögt). Und es gibt Menschen, die sehen diese Dinge und im gleichen Moment baut ihr Herz eine Verbindung zu ihrem Schöpfer auf und sie sagen Alhamdulillah – alles Lob gebührt Gott. Und Gott liebt die Dankbaren, das muss einem einmal mehr klar werden wenn man sieht, dass die Undankbarkeit und ihre Folgen letztlich die Sünde Satans war (siehe auch der Bericht der Bibel in Hesekiel). Kein Gedanke der Dankbarkeit geht ungehört ins Universum, Dankbarkeit ist die Währung bei Allahﷻ und alles was wir an Gutem tun können, was im Monotheismus ein Teil des Gottesdienstes ist, wird durch Dankbarkeit motiviert. Wenn wir uns nochmals mit dem Artikel „Zeit“ beschäftigen und uns ein paar Quellen dazu anschauen sehen wir, dass unser Leben aus einer Perspektive außerhalb der Erde bereits vorbei ist oder noch nicht begonnen hat – je nachdem. Es kommt darauf an, wie weit wir von der Erde weg sind und wie lange das Licht bis zu diesem Ort braucht, die Reflexion der Wirklichkeit, für uns im Hier und Jetzt. Das ist ein Gedanke, der vielleicht zu helfen vermag. Unser Leben scheint einerseits geschrieben und doch haben wir es in der Hand und steuern es und wir können uns Hilfe bei dem holen, der die Macht über das alles hat. Das ist ein Glaubensfundament, das nicht erschüttert werden wird. Und eines, das nicht enttäuscht werden wird. Denn einst wird der Tag kommen, an dem wir diese Welt verlassen. Entweder mit „Nichts“, oder mir dem wahren Glauben an unseren Schöpfer und Schätzen im Himmel. Und dann wird es einen Unterschied machen, an was wir geglaubt haben. Das ist kein Spiel, es ist unser Leben.

وَاِذَا سَاَلَكَ عِبَادِيْ عَنِّيْ فَاِنِّيْ قَرِيْبٌ ۗ اُجِيْبُ دَعْوَةَ الدَّاعِ اِذَا دَعَانِۙ فَلْيَسْتَجِيْبُوْا لِيْ وَلْيُؤْمِنُوْا بِيْ لَعَلَّهُمْ يَرْشُدُوْنَ

„Und wenn dich Meine Diener nach Mir fragen, so bin Ich nahe; Ich erhöre den Ruf des Bittenden, wenn er Mich anruft. So sollen sie nun auf Mich hören und an Mich glauben, auf daß sie besonnen handeln mögen.“

Quran, Al-Baqara (2): 186

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