(…) Denn die meisten von ihnen folgen nichts als Mutmaßung: (und) siehe, Mutmaßung kann niemals ein Ersatz für Wahrheit sein. Wahrlich, Gott hat volles Wissen von allem, was sie tun. Nun konnte dieser Quran unmöglich von irgend jemandem außer Gott ersonnen worden sein: nein, fürwahr, er bestätigt die Wahrheit dessen, was immer (von früheren Offenbarungen) noch erhalten ist, und legt die Offenbarung klar dar, (die) – keinen Zweifel soll es darüber geben – vom Erhalter aller Welten (kommt). Und es gibt unter ihnen solche, die (vorgeben,) dir zuzuhören: aber kannst du die Tauben hören lassen, auch wenn sie ihren Verstand nicht gebrauchen wollen? Und es gibt unter ihnen solche, die (vorgeben,) zu dir zu schauen: aber kannst du den Blinden den rechten Weg zeigen, auch wenn sie nicht sehen können? Wahrlich, Gott tut den Menschen nicht das geringste Unrecht an, sondern es sind die Menschen, die sich selbst Unrecht tun.

Sure 10: Yunus (Jona) 57-60, Quran

Dieser Artikel ist im Original schon ein paar Jahre alt und entstand nach unseren Israel/Palästina Reisen. Ich habe ihn an einem Wochenende selbst wieder entdeckt und konnte nicht anders, als ihn mit weiteren Gedanken anzureichern. Gedanken, die mir in der Zeit nach dieser Zeit dort in den Sinn kamen. Aber auch Erlebnisse danach, die ich reflektiert habe. Und so erscheint „Die Moschee des Meeres“ nun auf Blackwater.live nochmals. Viele Gespräche und Diskussionen später mit „Worldlings“ (Menschen, denen Gott nichts bedeutet), mit Christen und Muslimen, nach ruinierten Freundschaften, nach ein paar weiteren Jahren gelebtem Leben. Habe ich es bereut mich für den Islam entschieden zu haben? Vielleicht eine wichtige Frage für all diejenigen, die sich selbst mit dem Gedanken tragen zu konvertieren. Nein, habe ich nicht. Man verliert viel, aber man gewinnt dafür umso mehr hinzu. Vor allem ist man frei von vielen Gedanken und ruht mehr in sich selbst. Die Verbindung zum Schöpfer und damit „nach Hause“ ist zweifellos der grösste Segen beim Islam. Ich habe den Quran noch nie mit den Augen von heute gelesen, auch weil manches aus dem Alten Testament der Bibel und den Aussagen Jesu im Lichte des Quran erst wirklich Sinn ergibt. Ich habe noch niemals vorher in meinem Leben diese Verbindung meines Inneren mit Gott so verspürt wie heute. Und ja, ich habe auch meinen Struggle, meine Schwächen. Aber das trennt mich nicht mehr von Gott. Dazu muss ich sagen, dass ich als kleiner Junge schon Gott von Herzen liebte, auch wenn ich letztlich in einer christlichen Sekte aufwuchs, die wenig mit Religion zu tun hat, aber mit einer Menge Psychospielchen. Inklusive der Menschen darin, von denen viele ehemalige bis heute darunter leiden und den Weg zu Gott nicht finden. Ich kann wirklich sagen, Alhamdulillah für den Islam. Und mit Islam meine ich niemals etwas anderes, als das, was Gott selbst im Quran beschreibt: Die Religion Abrahams. Seines Freundes, denn so wird Abraham im Alten Testament der Bibel beschrieben. Der Freund Gottes – etwas was viele heute stolz als verächtlich abtun, weil es ihnen nicht reicht. Aber wer im Islam ist, dem ist Gott genug, wie es der Quran sagt.

Der Islam ist heute in der Tat verschleiert – was ein Wortspiel – für Menschen, die Heiliges nicht zu schätzen wissen. Begraben unter Medienhetze, die als leichte Vorlage viele Menschen als Beleg nehmen, die sich zwar Muslime nennen, aber sich völlig daneben benehmen. Verborgen auch, weil das was der Islam wirklich lehrt, seine Essenz, den meisten Menschen gar nicht bekannt ist. Und das ist etwas, was mir auch erst viel später klar wurde. Was ist der Islam wirklich? Die Antwort darauf findet man mit keiner Suchmaschine, mit keiner KI und interessanterweise noch nicht einmal unbedingt bei Muslimen selbst. Die Antwort darauf, was der Islam wirklich ist, wird man dann bekommen, wenn man weit genug ist, genug gefallen ist, wenn man nicht mehr kann, wenn man wirklich bereit ist seinem Schöpfer zu begegnen, wenn aller Stolz verflogen, aller Hochmut vergangen und das Herz völlig offen und bereit dafür ist. Ein Moment, in dem man einfach nur noch auf seine Knie fällt und nichts anderes mehr Heilung verschafft, als Gott anzubeten. Wie lange das dauert hängt davon ab, wie viel Sozialisierung unsere Seele (auch Fitra) überschrieben hat.

Letztlich muss uns eines klar sein, auch wenn wir Menschen das gerne verdrängen: Wir werden alles was wir haben und lieben verlieren. Unseren Besitz, unsere Gesundheit, die Menschen, die wir lieben, einer nach dem anderen. Und dann werden wir unser Leben verlieren. Niemand wird sich dem entziehen können. Es gibt nur eines, was uns niemand außer uns selbst nehmen kann und das ist unsere Verbindung zu Gott. Wenn wir die haben, dann wird unser Abgang von der Bühne nur ein Wimpernschlag sein. Gott verspricht uns im Quran das Paradies, wenn wir ihn in unserem Leben haben. Er verspricht es!! Es liegt an uns.

Wer Fragen und Gedanken zu diesem Artikel hat, kann gerne hier kommentieren:

Wer eine Auswahl an Artikel lesen möchte, die diese Punkte untermauern, der ist eingeladen das zu tun:

* Von Dr. Safiya Mahmoud

Kommen wir nun zur „Moschee des Meeres“ und den Zeilen von damals.


Ich liebe Länder, in denen Gott den Menschen noch etwas bedeutet. In solchen Ländern muss die Seele nicht verhungern. Eine Seele die keine Nahrung bekommt, stirbt allmählich. So wie ein Körper ohne Wasser. Das Herz wird verhärtet, das Ego immer stärker, die Manifestation auf niedrigere Lebensinhalte nimmt zu. Positiv könnte man noch sagen, dass es eine Infantilisierung ist. Der Unterschied ist nur, dass Kinder seltenst ein verhärtetes und unaufrichtiges Herz haben. Das ist wohl auch einer der Gründe, warum der Prophet und Gesandte Gottes, Jesus von Nazareth, Kinder so sehr liebte.

Wenn Du immer noch diese Zeilen liest, dann gehörst Du zu den Menschen, die ein offenes Herz haben, eines das wie Ton von einem Töpfer durch Gott geformt werden kann. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass Du Dich mit Inhalten wie diesem Artikel beschäftigst, wenn es nicht so wäre. Ein Herz das weiss, dass es eine universelle Wahrheit da draussen gibt, einen Schöpfer von Himmel und Erde, der die Macht über alle Dinge hat. Diese innere Gewissheit liegt von Anfang an im Menschen, nur wird sie im Laufe des Lebens von unserer Umwelt überlagert. Und auch von dem was wir uns ansehen, von all dem, dem wir Zugang zu unserem Geist geben. Das ist einer der Gründe, warum beispielsweise islamische Mystiker wie die Sufis versuchen ihre Seele mit Verzicht wieder zu diesem Nullpunkt zurück zu bringen. Ein Reset der Software sozusagen. Wir leben in einer Welt voller Ablenkungen und man kann sein Leben mit so vielen Dingen füllen. Alles das was uns ausfüllt, kann uns auch im Weg stehen. Im Weg zu unserem Schöpfer. Und ja, es können auch negative Erfahrungen mit Religion sein. Der Autor weiss das ganz persönlich. Aber wir sollten niemals zulassen, dass unsere negativen Erfahrungen den Blick trüben. Das ist Part of the Game. Auch hier geht es um die Frage: was ist Dir die Wahrheit wert? Und es gibt nur eine universelle Wahrheit und das ist, dass Gott EINER ist und dass er das Zentrum unseres Leben sein soll. Das ist der Monotheismus. Monotheismus ist der Glaube an den EINEN Gott und die Fähigkeit in allem Erschaffenen einen Abglanz Gottes zu sehen. Alle Eigenschaften Gottes finden wir in der Schöpfung.

Steinrelief mit arabischer Schrift an der Fassade einer historischen Moschee, umgeben von Pflanzen.
Aus einer anderen Welt und einer anderen Zeit und doch im hier und heute. Haifa, Palästina. 🇵🇸

Auch wenn das in gewisser Weise ein muslimischer Artikel ist, verwende ich möglichst neutrale Begriffe, da Worte bei den meisten Menschen Trigger auslösen und sich dann einfach ein Kurzfilm im Kopf abspielt, der das Herz verschliesst. Solche Trigger muss man wie die Sozialisierung unbedingt überwinden, wenn sie dem Erkenntnisgewinn und der Suche im Weg stehen. Bei Religion, im Sinne von Wahrheit über den Schöpfer, geht es in erster Linie darum, ob es wahr ist. Nicht darum, ob es uns gefällt, es „in“ ist oder zu unserem Leben oder unseren Vorstellungen passt. Gott ist viel größer als alles, was wir uns vorstellen können, steht außerhalb von Raum und Zeit. Daher ist der Versuch ihn wenigstens ansatzweise zu begreifen nur möglich, wenn wir so gut wie wir es nur können die Pfade unserer bisherigen Annahmen verlassen. Das ist nicht immer einfach, aber der „Preis“ der Erkenntnis. Das was uns noch fehlt werden wir bekommen, wenn wir darum bitten. InsahAllah, so Gott will.

Wer ist Gott?

„Der Narr spricht in seinem Herzen: »Es gibt keinen Gott!« “ Psalm 53:2

“It is not the eyes that are blind, but the hearts.” Qur’an 22:46

Heute wird von Gott in der westlichen Welt oft in sehr abstrakten Formen gesprochen. Von Universum, als wenn das Universum eine Person wäre. Mal ganz abgesehen davon, dass das Universum wie ein Kleiderschrank ist, den ein Schreiner gemacht hat. Dieser Schreiner ist weder der Schrank, noch wohnt er darin.

Es wird viel über Gott philosophiert, aber in ihr Leben lassen wollen viele Menschen ihn nicht. Da wird alles krampfhaft voran gestellt weil nicht sein soll, was nicht sein darf. Womöglich weil es Konsequenzen hätte, die man nicht will. Hier liegt auch ein „Skin in the Game“, wie es Nassim Nicholas Taleb beschrieb. Auf ihn komme ich später noch zurück.

Auf die beiden einzigen heutigen Schriftquellen die besagen sie sind von Gott, lassen sich in unserem Teil der Welt nur wenige Menschen ein. Teile der hebräischen Bibel, u.a. die Thora und den Qur’an. Und so philosophiert man lieber weiter ziellos umher, begrenzt auf das eigene bescheidene Wissen und aus einem Blickwinkel der eigenen Kultur und Zeit. Aber wie will man im Ozean etwas finden, wenn man in seinem Swimmingpool planscht? Gelebter Glaube, echte Religion braucht Opfer. Es ist der Preis, es zeigt, uns ist es etwas wert. Jesus sprach einst von einer wertvollen Perle, für die man alles verkaufen würde. Wie wir handeln, zeigt nicht nur was es uns wert ist, es zeigt auch, wer wir sind. Es bedeutet Identität.

Aber was kann man nun über Gott sagen? Ist Gott das Universum, positive kosmische Energie, Luft und Licht oder was es noch für unverbindliche naive Vorstellungen darüber heute gibt?

Sonnenaufgang über der Erde mit einem Blick auf die Milchstraße und den Sternenhimmel.
… zu allem die Macht. „Ihm gehört die Herrschaft der Himmel und der Erde. Er macht lebendig und läßt sterben. Und Er hat zu allem die Macht.“ Qur’an 57:2

Die hebräischen Schriften der Bibel sagen klar, dass niemand außer Gott Himmel und Erde erschaffen hat (u.a Jesaja 44:24). Im Gegensatz zum Großteil der widersprüchlichen christlich-griechischen Schriften, gibt es von dem hebräischen Bibelbuch Jesaja eine fast 8 Meter lange original Schriftrolle. Sie ist in Jerusalem zu besichtigen. Spätere christliche Interpretationen sind falsch. Wie Gott das Universum im Detail gemacht hat, bleibt offen. Interessant ist allerdings, dass der Qur’an u.a. von einem sich ausdehnenden Universum und von Umlaufbahnen der Himmelskörper spricht. Und das vor 1400 Jahren.

Gott selbst hat keinen Anfang und kein Ende, steht ausserhalb von Raum, Zeit und Materie. Er ist 100% transzendent. Und trotz dieser Größe lässt Gott immer wieder sagen, dass er uns nahe ist (Qur’an 2:186) und wir nicht schwach oder traurig werden sollen (Qur’an 3:139). Unser Problem mit dem Verständnis von Gott ist, dass wir ihn nicht sehen können, wir ein kurzes Leben mit Anfang und Ende haben und in einer seiner gemachten Welten leben. Wir denken nicht wie er und unsere Vorstellungen von ihm sind stark durch unsere Sozialisierung und die Gesellschaft geprägt, in der wir leben. Wir können uns nur auf das verlassen was (1) Propheten in über 4000 Jahren an Schriftzeugnissen hinterlassen haben und (2) Beobachtungen in der Schöpfung machen. So können wir beispielsweise seine Macht sehr gut erfassen, wenn wir uns mit der Größe und den Kräften des uns heute bekannten Universums beschäftigen. Und wenn wir uns in einer sternenklaren Nacht nach draussen begeben, über diese Größe und Herrlichkeit nachdenken und dafür dankbar sind, beten, dann werden wir Antworten bekommen. In Form von Gedanken und auch durch Gottes Hand in unserem Leben. Manche Menschen haben natürlich die egoistische Vorstellung, dass genau das passieren muss was sie wollen und im hier und jetzt in dieser Welt. Wie absurd und lächerlich klein gedacht das ist, wird man erst nach diesem Leben hier merken. Schon oft habe ich zu Freunden gesagt, eines Tages wenn dieses Leben vorbei ist und wir mit einer anderen Perspektive darauf blicken, dann werden wir über unser Leben und unsere Probleme sagen „was, das war alles?“. Wie eine Ameise, die aus dem Gras genommen wird und dann erkennt, was die Wirklichkeit ist. Wohl der Ameise, wenn derjenige der sie aus dem Gras nimmt ihr wohlgesonnen ist.

Gott ist vieles und kann alles sein was notwendig ist. Aber eines war nie verhandelbar oder unklar und das ist, dass er EINER ist und nur er angebetet werden darf (SEHR WICHTIGE QUELLE) Er zeugt nicht und wurde nicht gezeugt und hat keinen Partner was auch im Hebräisch-Aramäischen bereits als Götzendienst galt – ihm einen „Partner“ beizugesellen. Vor allem die hebräischen Schriften der Bibel zeigen das mit einer Deutlichkeit, so dass man spätere christliche und durch das antike Griechenland beeinflusste Ansichten darüber nur mit aller Deutlichkeit zurückweisen muss.

Höre, Israel! Der Herr, unser Gott, ist ein einziger Herr. (5.Mose 6:4; Mk 12:29)

Gott ist EINER, wie er sich den Kindern Israels in der Szene mit Mose am brennenden Dornenbusch geoffenbart hat. Es gibt keinen neben ihm und keiner ist wie er. Das hebräische Wort für „Gott“, Elohim (אֱלֹהִים), taucht in der Bibel auf Hebräisch stets in der Pluralform auf. Der Singular von Elohim ist Eloah (אֱלֹהַּ). Des Weiteren gibt es das sogenannte Tetragramaton J-H-W-H (יהוה). Während hierzulande freimütig vom Gott Jahwe die Rede ist, wagen gläubige Juden aus Ehrfurcht nicht den Namen auszusprechen, was basierend auf Warnungen der Bibel richtig ist. Außerdem ist bei den vier Buchstaben J-H-W-H nicht bekannt, wie diese zu vokalisieren und damit auszusprechen sind. Wenige, aber zentrale Stellen in der jüdischen Bibel, z.B. im Buch Esra oder Daniel, sind auf Aramäisch verfasst. In dieser dem hebräischen eng verwandten, semitischen Sprache ist das Wort für „Gott“ Elah(אֱלָהּ), determiniert Elaha (אֱלָהָא). Arabischsprachige Juden sprechen von Allah. Jesus von Nazareth befand sich in einem aramäischsprachigen Umfeld. Hebräisch war zu diesem Zeitpunkt meist liturgische Sprache, nicht mehr gesprochene Sprache. Jesus selbst muss daher zu Gott Elah oder Elaha gesagt haben. Im Syro-Aramäischen wird dies Alaha oder Aloho (ܐܠܗܐ) ausgesprochen. Von Jesus sind die berühmten Worte „Mein Gott, mein Gott, wieso hast Du mich verlassen“ überliefert. Ob er dies auf Hebräisch oder Aramäisch tat kann nicht endgültig geklärt werden. In Matthäus 27:46 ist Eli, Eli, lama sabachtani überliefert und in Markus 15:34 Eloi, Eloi, lama sabachtani, ersteres Hebräisch und letzteres Aramäisch. Arabische und maltesische Christen verwenden das arabische Wort für „Gott“ Allah (الله). Auch arabischsprachige Juden, wie Maimonides, nannten Gott Allah. Sprachgeschichtlich gibt es zum einen die These, Allah setze sich aus bestimmtem Artikel al und Ilah für „Gottheit“ (الإله) zusammen und zum anderen die, dass es sich um eine Übernahme des aramäischen Alaha handele. Abschliessend geklärt werden konnte das nicht. Allah ist schlicht das arabische Wort für „Gott“. Betrachtet man das hebräische Eloah/Elohim, das aramäische Elaha/Alaha und das arabische Allah, so zeigen sich hier eindeutig die semitischsprachigen Wortverwandtschaften und dieselben Wortwurzeln. Das hebräische Wort Elohim lässt sich in der arabischen Höflichkeitsform Allahuma erkennen.

In der letzten Offenbarung die der Mensch von Gott erhalten hat, dem Qur’an, in der er sich und seine Persönlichkeit erklärt, werden 99 Namen verwendet, die alle bestimmte herausragende Eigenschaften Gottes bezeichnen. Diese findet man alle in der Natur wieder. Der islamischen Überlieferung nach gibt es einen hundertsten verborgenen Namen, den der Mensch nach der Auferstehung erfahren wird. Ob das der verlorene Name aus den hebräischen Schriften ist? Das wissen wir nicht. Wir wissen nur eines, der EINE, EWIGE und Allmächtige stellt sich uns heute mit einem Wort vor und das ist das semitische Allah.

Kunstvolle Darstellung des arabischen Wortes 'Allah' in goldenen Buchstaben auf einem dunklen Hintergrund mit geometrischen Mustern.
Gott bediente sich der semitischen Sprachen aramäisch, hebräisch und arabisch um sich uns vorzustellen. Und das hat einen guten Grund. Denken wir einmal darüber nach.

Wer bist Du?

“You need a story to displace a story.” 

― Nassim Nicholas Taleb, The Black Swan

Wer bist Du?

Am berühmten Orakel von Delphi, genauer dem Apollothempel von Delphi stehen die Worte, die als Gnothi seauton bekannt sind. (altgriechisch Γνῶθι σεαυτόν Gnṓthi seautón, durch Elision auch Γνῶθι σαυτόν Gnṓthi sautón „Erkenne dich selbst!“ / „Erkenne, was Du bist.“)

Dieser Tempel ist Apollon gewidmet. Apollon (altgriechisch Ἀπόλλων Apóllōn, lateinisch Apollo) ist in der griechischen und römischen Mythologie der Gott des Lichts, des Frühlings, der sittlichen Reinheit und Mäßigung sowie der Weissagung und der Künste, insbesondere der Musik, der Dichtkunst und des Gesangs; außerdem ist er ein Gott der Heilkunst und der Bogenschützen. Als im kleinasiatischen Didyma gezeugter Sohn des Göttervaters Zeus und der Göttin Leto (lateinisch Latona) gehörte er wie seine erstgeborene Zwillingsschwester Artemis (lateinisch Diana) zu den Olympischen Göttern, den zwölf Hauptgöttern des griechischen Pantheon. Das Heiligtum in Delphi, die bedeutendste Orakelstätte der Antike, war ihm geweiht.

Apollon ist nicht der „Gott“, von dem ich schreibe. Apollon ist ein Sohn eines anderen Gottes und hat sogar eine Zwillingsschwester. Der Gott von dem ich schreibe, zeugt nicht und wurde nicht gezeugt. Wenn Kühe Götter hätten, würden sie wie Kühe aussehen. Dieses Prinzip steht hinter vielen dieser Ansichten, die dem monotheistischen klaren Gottesbild der hebräischen Schriften der Bibel und dem Qur’an widersprechen.

Der Tempel des Apollon war außerdem ein Orakel der Zukunftsvorhersagen, etwas was Menschen nicht nur nicht können, sondern auch etwas, vor dem die Schriften warnen. Der Apollon Tempel war auch ein Ort der Weisheit, einer Weisheit die das „Ego“ hervorhob und den Menschen damit von Gott entfernt. Denn um vor Gott gross zu sein, muss man klein werden. Der Qur’an zeigt an vielen Stellen, dass weltliche Weisheit im Gegensatz zu göttlicher Weisheit steht. Oft (nicht immer) ist das von dem der Mensch denkt es sei gut, schlecht für ihn. Und das von dem der Mensch denkt es sei schlecht, gut für ihn.

Aber wie so oft, gibt es auch hier eine Verbindung zu den hebräischen Schriften der Bibel. Wieder einmal die Jesaja Rolle: „Weh denen, die Böses gut und Gutes böse heißen, die aus Finsternis Licht und aus Licht Finsternis machen, die aus sauer süß und aus süß sauer machen! Weh denen, die bei sich selbst weise sind und halten sich selbst für klug!…“ Jesaja 5:20

Eine Person steht am Strand in dichter Nebelatmosphäre und blickt auf das Meer.
Nur einen Gedanken entfernt. Er ist mit uns, egal wo wir sind (Qur’an 57:4). Das bedeutet auch wenn wir einsam sind und uns verlassen fühlen, wenn wir trauern oder Probleme in unserem Leben haben, dann gibt es immer jemand der uns hört, wenn wir ihn rufen. Wir sind niemals alleine.

Was wir wollen ist nicht was wir brauchen. Aber was hat das mit der Frage zu tun, wer Du bist? Wir kommen auf diese Welt und unser Gehirn ist eine fast leere Biofestplatte. Es steuert alle Funktionen des Körpers, ohne das wir dazu etwas aktiv machen müssten. Wir sind von Anfang an mit einem Gefühl für Grundbedürfnisse ausgestattet. Wir haben Durst, wir haben Hunger, wir wollen schlafen, wenn wir erschöpft sind. Wir erhalten unseren Körper. Während wir vom Baby zum Kleinkind heran wachsen, sammeln wir erste Erfahrungen, die auch mit Grundbedürfnissen zu tun haben, die aber über Essen und Trinken hinaus gehen. Erfahrungen mit der Liebe. Wenn wir von liebenden Eltern behütet und beschützt werden, dann werden wir geliebt. Und wir lieben zurück. Wir strahlen sie mit dem schönsten Lächeln an, welches wir haben. In diesem Moment schmilzt das Herz von ihnen. Das ist das Verhältnis, das Menschen in der Bibel heran gezogen haben um zu zeigen, wie barmherzig Gott ist. Und auch wenn sie über das Ziel damit hinausgeschossen sind, da wir eben Menschen sind, so beschreibt dieses Bild mit dem Wort „Vater“ für Gott das, was der Qur’an mit barmherzig, „Rahma“, beschreibt.

In den 114 Suren des Qur’an sagt Allah 113 Mal am Anfang der Sure Bismillahi ar-Rahman ar-Rahim, was auf deutsch etwa „im Namen Gottes, des Allerbarmers, des Barmherzigen“ bedeutet. In der arabischen Sprache bedeuten diese Worte nicht nur Barmherzigkeit, sie umfassen auch Liebe, Hilfe, Mitgefühl Leidenschaft, Beistand, Schutz, Sorge, Zärtlichkeit und … Vergebung.

Einer der wichtigsten Namen Gottes im Qur’an ist „Ar-Rahman“. Ar-Rahman gilt als die Mutter aller göttlichen Namen, denn durch den allumfassenden Schoß von Gottes „Rahman“ wurde das Universum ins Leben gerufen. Im Arabischen gilt das Wort „Rahman“ als Sighatul-Mubaalagha – als Hyperbel. Es drückt eine Außergewöhnlichkeit und Übertreibung aus.

Sowohl Ar-Rahim als auch Ar-Rahman stammen vom arabischen Wort „Rahim“ ab, das Mutterleib bedeutet. Liebe, Barmherzigkeit und Gnade ist Allah. Der Qur’an sagt, dass wir Gott gehören und zu Gott zurück kehren. Inna lillahi wa inna ilayhi raji’un…

…إِنَّا لِلّهِ وَإِنَّـا إِلَيْهِ رَاجِعونَ…Wir gehören Allah und zu Ihm kehren wir zurück…

Das gleiche sagt die hebräische Bibel über uns, genauer gesagt über den Geist von uns. Und der Staub kehrt zur Erde zurück, so wie er gewesen, und der Geist kehrt zu Gott zurück, der ihn gegeben hat. (Hi 34,15Ps 31,6Ps 90,3)

Wer angesichts dieser kurz angerissenen Gedanken immer noch denkt im Islam wäre Gott keine Liebe und Gott braucht Substitute um uns irgend etwas zu vergeben, der hat dafür Gründe, die kein Argument der Welt ändern könnte. Gott, Allah, will das wir nach Hause kommen. Dass wir sagen ja, wir haben es verstanden. Dass wir aufhören uns wie ein kleines Kind gegen eine Wahrheit zu wehren, die unumstösslich Fakt ist. „(…) Verzweifelt nicht an Gottes Barmherzigkeit! Denn Gott vergibt alle Sünden; Er ist der Allerbarmer, der Allvergebende.“ Qur’an 39:53

Gott ist unser Zuhause, unser Ursprung und der ultimative Sinn unseres Lebens. Aber was hat das mit der Frage zu tun wer Du bist? Als ich diesen Text schreibe, blicke ich auf das Meer. Ich habe nur mein Handy, einen Kugelschreiber und zwei Zettel dabei. Ich hatte nicht geplant diese Gedanken jetzt zu verfassen.

Welche Worte würde ich an jemanden schreiben der das liest und dessen Herz ich berühren dürfte? Nun, ich weiss nicht wer Du bist, Du der Du das liest. Ich kenne Dein Leben nicht, woher Du kommst, was Du erlebt hast, wie Du sozialisiert wurdest. Dass Du bis hier gelesen hast macht Hoffnung Dich in einem richtigen Moment erreicht zu haben. Vielleicht ist es ein Moment in dem Du schwach bist, sehr wahrscheinlich sogar. Denn nur wenn wir schwach sind, sind wir stark genug für ehrliche Gefühle und Gedanken. Für das, was in unserem Alltag keinen Platz findet, für das, was verloren ist. Oder was wir verdrängt haben.

Vielleicht fragst Du Dich, wie Dein Leben weiter gehen soll? Angesichts des Ausgangs jeden menschlichen Lebens auf dieser Welt ist das einerseits einfach zu sagen, andererseits wirft es bedeutende Fragen auf. Und auf dem Weg zu diesem vorläufigen Endpunkt, fühlt sich manches sinnlos und leer an. Wie in einer Matrix. Wozu das Ganze?

Es ist klar, das Leben kann man mit vielem füllen, es sogar erfüllen. Aber wenn es sich für Dich immer noch leer anfühlt, dann gibt es eine gute Nachricht. Dann gehörst Du zu denen die suchen, denen das nicht genug ist. Und das ist ein sehr gutes Zeichen, denn Gott zieht die zu sich, die er liebt. Und es gibt Menschen, die bei denen das nicht so ist. Die haben auch dieses Empfinden nicht, welches Du beim Lesen dieser Zeilen hast. Sie stellen sich diese Fragen nicht, wollen einfach lange leben und klammern sich an dieses Leben. Darunter gibt es auch viele Menschen, die gut zu anderen sind, gute Taten tun. Sie sind sozusagen ein guter Nachbar zu jedem anderen Nachbarn, nur der eine, den ignorieren sie und tun so als ob er nicht existiert.

Aber dazu gehörst Du nicht. Sonst würdest Du nicht weiter lesen. Wer könntest Du also sein? Zugegeben, Du könntest auch ein Teil meiner Leserinnen und Leser sein, die Gott schon in ihrem Leben haben, auch das würde mich sehr freuen. Aber auch die sind heute nicht in erster Linie angesprochen. Heute geht es um die, die fühlen aber noch nicht wissen. Die verzweifelt sind und keine Antworten haben. Und eines sei gesagt, ich habe auch keine Antworten auf alle Fragen, das hat kein Mensch. Teil der Wahrheit ist, dass wir diese auch nie haben werden. Die Wahrheit ist unser Schöpfer und die Auswirkungen dieser Wahrheit ist die Schöpfung, so wie die Spuren im Wüstensand zeigen, dass eine Karawane vorbeigezogen ist.

So ein Menschenleben ist schnell gelebt und man hat sich schnell auf irgendein Lebensziel festgelegt. Aber was ist, wenn wir uns irren? Jede ernsthafte Überlegung und Nachforschung muss mit dieser Frage beginnen. Was ist, wenn ich mich irre? Wenn man nicht bereit ist zu hinterfragen, steht das Ergebnis schon im Vorfeld fest.

Alles was Du bist ist biologisch gesehen klar definierbar. Ein Mensch. Was Dich als Seele aber ausmacht, das ist was u.a. Deine Eltern Dir anerzogen haben. Der Qur’an sagt, dass die Eltern einen Menschen zu einem Juden, Christen oder Muslim machen. Und die meisten Menschen werden diese Sozialisierung niemals überwinden, selbst wenn sie sie als falsch erkennen. Je älter man wird, desto deutlicher wird das. Darum ist es immer falsch grundlegende Lebensfragen auf irgendwann zu verschieben oder die Verantwortung von sich weg zu weisen. Sondern genau der Moment wo diese Fragen kommen, ist der Moment diese spirituelle Reise zu beginnen. Steigen wir jetzt in das Schiff am Hafen ein, denn wir wissen nicht, ob ein weiteres kommt.

Ein grundlegende Frage kann man sich mit einem anderen Gedankenbild stellen. Du stehst am Flughafen. Du hast die Option ein Ziel Deiner Wahl anzufliegen und wirst bekommen was Du erwartest. Oder Du hast die Wahl ein Ziel anzufliegen, welches Du vorher nicht kennst. Dir wird nur versprochen, dass es viel schöner, besser und grossartiger sein wird als alles, was Du Dir vorstellen kannst. Wie entscheidest Du Dich?

Die Antwort auf diese Frage ist kein Spiel. Es ist Dein Leben. Es ist sogar exakt das, was wir als westliches Leben erleben. Das was wir wollen oder die Wahrheit.

Ich habe am Anfang des Artikels geschrieben, dass ich so gut wie möglich Trigger vermeide. Wenn Trigger in Form von Worten fallen, sind Menschen voreingenommen. Auch wenn man ihnen dann erklärt, dass die Wortbedeutung eine ganz andere ist. Menschen legen immer ihren Filter über die Wirklichkeit. Man wird das nie ganz los und damit ist die Landkarte nicht das Gebiet.

Aber eine Sache muss ich an dieser Stelle ganz klar schreiben und ich versuche es zu einfach und knapp wie möglich zu halten. Religion ist heute immer mit Kultur vermischt und das lässt sich schwer trennen. Man muss sich also auf den alten Kern konzentrieren und darf nicht einfach alles in eine Schublade werfen. Aber Monotheismus, der Glaube an den einen und einzigen Gott und die direkte Anbetung von ihm ist heute im Wesentlichen nur in zwei Gruppen innewohnend, im Judentum und dem Islam. Welche Konsequenzen man daraus zieht, lasse ich an dieser Stelle erst einmal offen. In beiden Fällen ist es eine ganz persönliche Sache dahingehend, dass es eine Angelegenheit zwischen einem selbst und Gott ist. Dazu braucht es keine anderen Menschen, auch für das Glaubensbekenntnis nicht. Das war schon eh und je so, das Etikettieren mit einem „Branding“ kam erst später. Wie man das Leben dann füllt und sozial organisiert, steht auf einem zweiten Blatt. Nur soviel, Menschen brauchen Menschen. Das bedeutet auch manchmal Kompromisse. Entscheidend ist nur, wo man sie macht.

Zum Vergleich: auf einem in See stechenden Schiff mag es nicht die Sorte von Saft geben, die wir gerne trinken. Vielleicht trinken wir lieber Wasser. Aber viel entscheidender ist es doch, das wir auf dem richtigen Schiff sind. Wir müssen uns auch mit den anderen Reisenden nicht bei allen Details einig sein. Das wird niemals der Fall sein und ist auch gar nicht notwendig. Beim Thema Religion geht es nicht in erster Linie darum was andere tun. Es geht um Wahrheit und um Gott.

Kleiner persönlicher Exkurs: Der Grund, warum ich im christlichen Glauben und allen Derivaten nicht zuhause bin liegt an einem langen Bibelstudium und meiner persönlichen Erfahrung in verschiedenen christlichen Gruppen. Der christliche Glaube ist nicht durch Jesus entstanden, sondern durch Paulus und die Kirche während und nach seiner Zeit. Das ist historischer Fakt und in der Literatur für jeden nachlesbar. Die christlichen Vorstellungen widersprechen den Aussagen Gottes in den hebräischen Schriften ganz wesentlich und die Erhöhung von Menschen zu „Führern“ und Endzeiterwartungen ist inhärent stets vorhanden, vielmehr als anderswo, was m. E. auch mit speziell neutestamentlichen Lehren und ihren Auslegungen zusammenhängt. Dass heutige christliche Kirchen und Sekten den Fokus fast ausschliesslich auf weit hergeholte Sonderlehren* über Jesus lenken, ist ein ernstes Problem und konterkariert den reinen Monotheismus. Auch hier wird der Fokus weg von Gott gelenkt. Der ewige Gott des alten Testaments gerät aus dem Blickfeld. Jesus selbst gab alle Ehre Gott und lenkte den Fokus auf ihn. Christen lenken den Fokus auf Jesus. Findet den Fehler. Einen Teil meiner Gedanken habe ich damals zusammengetragen: Hier *natürlich gibt es viele Sekten die noch weiter gehen und neben u.a. Jesus weitere „Ebenen“ in Form von „Führern oder Guru’s“ einfügen. Aber ein echter Monotheist folgt keinen Menschen. Die Offenbarung ist längst abgeschlossen, alle Gesandten Gottes sind nicht mehr auf dieser Erde. Alles was wir wissen müssen ist vorhanden. Es liegt nicht am fehlenden Wissen, es liegt am Wollen.

“Missing a train is only painful if you run after it! Likewise, not matching the idea of success others expect from you is only painful if that’s what you are seeking.”

Nassim Nicholas Taleb

Du solltest Dir unbedingt klar machen, wer Du bist und warum Du in dieser Welt zu dem wurdest was Du bist. Das wird ein Gedanke sein der Dir hilft von den Erwartungen anderer an Dich los zu kommen.

Es gibt Erwartungen anderer, die in Ordnung sind. Die Erwartung, dass Du freundlich bist. Dass Du Dich um Deine Verpflichtungen kümmerst. Dass Du Dein Wort hältst und man sich darauf verlassen kann. Das wären Beispiele für gute Erwartungen.

Aber andere können und dürfen nicht erwarten, dass Du einfach unreflektiert glaubst was sie glauben. Dass Du einen Glauben wählst, von dem sie erwarten dass Du ihn wählen wirst. Wenn es um diese großen Themen des Lebens geht ist es richtig, die Erwartungen von anderen zu enttäuschen, weil es nicht um andere dabei geht. Es geht nur um Deinen Schöpfer und Dich. Versteh mich nicht falsch, es ist viel schöner wenn man mit seinem Umfeld im Einklang ist und das kann ich nur jedem wünschen. Aber Einigkeit mit dem sozialen Umfeld ist nicht der Massstab für Wahrheit.

Wer immer Du bist, der Du diese Zeilen liest, habe den Mut das Außergewöhnliche zu tun. Du bekommst Antworten entsprechend Deinen Fragen. Aber es gibt nichts umsonst, Du musst mutig sein und völlig anders handeln, als Du es bisher getan hast. Es wird ein Opfer kosten.

Bedenke, niemand wird die Verantwortung für Dein Leben und Deine gewählten Entscheidungen in dieser Welt übernehmen. Weder Deine Eltern, Dein Lebenspartner(in) und niemand der Dir noch so wohlgemeinte (risikolose) Ratschläge gibt. Die Verantwortung wirst ausschliesslich Du selbst tragen.

Einer der Orte meines Lebens, die mich verändert haben. Ich betete damals in dieser Moschee, der Wind vom Meer zog durch den Raum und ich habe einfach losgelassen. Sunnitische Hassan-Bek-Moschee, Jaffa, Palästina.

Die Moschee des Meeres

وَاِذَا سَاَلَكَ عِبَادِيْ عَنِّيْ فَاِنِّيْ قَرِيْبٌ ۗ اُجِيْبُ دَعْوَةَ الدَّاعِ اِذَا دَعَانِۙ فَلْيَسْتَجِيْبُوْا لِيْ وَلْيُؤْمِنُوْا بِيْ لَعَلَّهُمْ يَرْشُدُوْنَ   ( البقرة: ١٨٦ )

„Und wenn dich Meine Diener nach Mir fragen, so bin Ich nahe; Ich erhöre den Ruf des Bittenden, wenn er Mich anruft. So sollen sie nun auf Mich hören und an Mich glauben, auf daß sie besonnen handeln mögen.“ Qur’an 2:186

Wir brauchen theoretisch keinen besonderen Ort um zu beten. Aber in einer Welt von Ablenkungen, Lärm und Schnelllebigkeit kann ein besonderer Ort zum Beten uns helfen. Wenn wir einen Wald, einen einsamen Strand oder eine Wüste in der Nähe haben, können wir dort alleine sein. Alleine von Menschen. Denn nur einen Gedanken entfernt ist unser Schöpfer.

Der Mensch kann an jedem Ort der Welt beten. Egal wie weit wir uns von Allah entfernt haben, egal wieviele Jahre wir auf Irrwegen in unserem Leben gewandelt sind, durch Schmerzen und Erfahrungen gegangen sind, gerade dann muss uns klar sein, dass so wie die Nacht als Schleier notwendig ist um die Sterne sichtbar zu machen, so ist diese Welt nur durch den Kontrast von Freude und Leid erfahrbar. Aber Gott ist nur ein Gedanke von uns entfernt. Es ist nur ein Gedanke!

In diesem Artikel gehe ich nicht auf die Besonderheiten eines muslimischen Gebets ein, das ist Stoff für einen extra Artikel und jedes Detail für sich hat eine ungeahnte Tiefe und Besonderheit. Wenn man nicht weiss wie man betet, kommt es aber auch erst einmal nicht auf die Details an, erst einmal müssen wir diesen einen Gedanken denken und zu unserem Schöpfer zurück wollen. Das hat etwas mit Umkehr zu tun und ist das, worum es in den Schriften zu allen Zeiten ging. Alte Pfade verlassen, das Ego (Egoismus) überwinden, demütig sein, suchend und bittend um Hilfe und Antworten. Erst wenn Menschen das Materielle und ihre eigenen Wünsche überwunden hatten und nach dem Willen Gottes suchten, waren sie frei Gott zu erkennen. Diese immer gleiche Botschaft ist bei allen Propheten zu finden.

Dieser Gedanke ist für alle, die am Rande ihres eigenen Glaubens stehen, vielleicht sogar vor Trümmern und die Religion als einen harten Winter anstelle eines lebensspendenden Frühlings erlebt haben, als den sie Gott geschickt hat. Denn ja, Religion wurde zu allen Zeiten missbraucht durch Menschen, die denken sie könnten sich zu etwas göttlichen oder gar Gott gleichen erhöhen und auch heute gibt es das. Eines sei aber klar gesagt: alle Menschen die Gott als Botschafter geschickt hat, haben nie sich selbst erhöht, sondern Gott alle Ehre gegeben. Sie haben nur die Botschaft überbracht und dem nichts hinzugefügt. Und diese Botschaft ist im Kern immer gleich. Bereuen, umkehren, Gott suchen und zum Lebensmittelpunkt machen. Alles andere hinten anstellen.

Die Idee von Religion als rettende oder exklusive Organisation ist geradezu absurd, Gott ist viel größer, als dass er das nötig hätte. Dass Menschen eines Glaubens mit anderen Menschen dieses Glaubens gemeinsam beten, sich austauschen oder anderen helfen ist eine Sache. Das ist Gemeinschaft. Gemeinsame Werte und Interessen, das verbindet Menschen. Selbst wenn es nicht um Religion geht ist das ja so. Physiker reden mit Physikern, studieren und erforschen auch gemeinsam. Junge Physiker lernen von erfahrenen Physikern. Sie haben eigene Gebäude in einer Universität, die zum Zweck der Erforschung der Physik da sind. Zum Kult wird es, sobald ein Physiker sich über die anderen erhebt und es nicht mehr der Sache dient, in dem Fall der Physik, sondern zu einem neuen Selbstzweck wird. Das Beispiel der Physik habe ich nicht nur aus persönlich-familiären Gründen gewählt. Es hat noch eine andere Bewandtnis. Physik ist Wahrheit. Zwar Teil einer größeren Wahrheit, aber eben Fakt. Wenn also Nicht-Physiker sagen, nennen wir sie Philosophen, dass Physik nur eine Idee oder ein Konstrukt ist, so können sie das tun. Sie können das ihr Leben lang behaupten, auf ein Hausdach steigen und herunter springen. Unten erwartet sie dann die Wahrheit.

Die Physiker müssen die Philospophen nicht missionieren um sie zu überzeugen, dass die Physik die Wahrheit ist. Wenn einem Philosophen etwas an der Wahrheit liegt, wird er sie suchen und die Physiker darüber befragen. Die werden ihm dann sagen, dass wenn er von dem Hausdach springt, dies sein Ende sein wird. Die Entscheidung darüber es zu tun oder nicht bleibt bei dem Philosophen.

Physik ist Wahrheit. Nur wenige Disziplinen wie beispielsweise die Mathematik haben diesen Charme. Gemeinsam haben sie, dass sie Naturwissenschaften einer exakten, präzisen und hochkomplexen Schöpfung sind.

Die Schöpfung ist ein Teil der Wahrheit. Die Wahrheit die aber über Allem steht, ist ihr Schöpfer. Gott.

„Derjenige, der auch nur einen Hauch Arroganz in seinem Herzen hat, wird das Paradies nicht betreten.“ Hadith Sammlung

Interessanterweise leitet sich das arabische Wort für Mensch „Insan“ laut vielen Gelehrten von dem Wort „Nisyan“ ab, was Vergessenheit bedeutet. In unserem Beispiel mit den Physikern und den Philosophen mögen die Philosophen vergessen haben, dass die Welt in der sie leben eine Welt der Physik ist. Aber den Konsequenzen dieser Wahrheit werden sie nicht entgehen.

Das Bild täuscht – in traditionellen arabischen Ländern sind Moscheen nachts offen und das Minarett leuchtet immer den Weg. Wer einmal Nachts in einer Moschee gebetet hat weiss, wie berührend das ist. Die muslimische Überlieferung sagt, dass Gott innige Gebete nachts besonders erhört, weil er uns näher ist. Was ein Gedanke!

Skin in the game

Religion braucht „Skin in the Game“, wie immer ist das Umsonst nichts wert und hierbei geht es wahrlich nicht um Geld. Es geht um einen Preis, den man zahlt. Und sei es nur einen gewissen Rahmen für Handlungen zu haben. Oder wie Nassim Nicholas Taleb schrieb, „Gott mag keine folgenlosen Willensbekundungen“. Es gibt eine Symmetrie zwischen dem was man „zahlt“ und dem was man bekommt. Das ist eine sehr säkulare Aussage eines orthodoxen intellektuellen Christen, über die ich lange nachgedacht habe. Aber letztlich stimmt sie. Es gibt keinen Freelunch, das wäre eine Asymmetrie des Universums, um es mal säkular und nicht muslimisch zu sagen.

Der Mensch ist viel zu schwach, um es „ohne Preis“ zu „können“. Der klassische Fall bleibt für mich alle Zeit des Lebens unter anderem das Gebet. Gebet hat Regeln und Zeiten. Gebet zu einer Gewohnheit zu machen bedeutet, dass wir das sozusagen auf unsere Festplatte schreiben. Wieder und wieder. Bis es sitzt. Je länger wir das machen (und je früher man im Leben anfängt), desto mehr ist es ein Bestandteil von uns. Natürlich kann man sagen, wozu? Ich kann doch jederzeit beten. Und das stimmt ja auch. Aber wie oft machen wir es dann? Immer wenn es uns schlecht geht?

Das Gebet nach Regeln zu verrichten halten nur die für schlecht, die den Vorteil noch nicht erkannt haben. Oder die, die nicht regelmässig beten. Es gibt viele gute Gewohnheiten, die man sich hart anerziehen muss und wenn man sie erlernt hat, freut man sich darauf. Der Mensch lernt durch Beständigkeit und Wiederholung.

Und um wieder ganz nicht-säkular zu werden, gar islamisch: erwarten wir von Gott, dass er uns im Gedächtnis behalten wird, wenn wir nicht mal zu ihm beten?

فَاذْكُرُوْنِيْٓ اَذْكُرْكُمْ وَاشْكُرُوْا لِيْ وَلَا تَكْفُرُوْنِ ࣖ   ( البقرة: ١٥٢ )

„Gedenkt Meiner, so gedenke Ich eurer. Seid Mir dankbar und seid nicht undankbar gegen Mich.“ Qur’an 2:152

Wem dienen wir? Wenn wir Gott nicht dienen, werden wir unweigerlich anderen „Göttern“ dienen. Denken wir darüber nach. Unsere Partner, unsere Chefs, unsere Lehrer, unserer Freunde, die Gesellschaft in der wir leben und sogar unsere eigenen Wünsche versklaven uns. Ein Mensch ist daher nie „frei“, auch wenn manche ihr Leben für Freiheit halten. Es ist einfach nur der Wechsel von einem „Herrn“ zu einem anderen. Gott zu dienen ist der ultimative Sinn unserer Existenz; denn es befreit uns von der Sklaverei gegenüber allen und allem anderen und der Gesellschaft mit ihrem kruden und dauernd wechselnden Zeitgeist.

Porträt einer Person in traditioneller islamischer Kleidung, die zum Gebet die Hände erhebt und nachdenklich aussieht, vor einem dunklen Hintergrund.
Der Mensch zieht es vor, das anzubeten, was in dieser Welt aus seiner Phantasie entstanden ist, anstatt sich einer Autorität zu unterwerfen, die größer ist als sein Ego. Die Anbetung von Götzen ist in Wirklichkeit die Anbetung des eigenen Ichs. „Hast du denjenigen gesehen, der seine eigenen Wünsche zu seinem Gott macht? Würdest du dann für ihn verantwortlich sein?“ Qur’an 25:43

Unterwerfung

„Tritt nicht näher heran! Zieh deine Sandalen von deinen Füßen, denn die Stätte, auf der du stehst, ist heiliger Boden!“  (1Mo 28,17Jos 5,15Apg 7,33)

„Dann werdet ihr wieder den Unterschied zwischen Gerechten und Ungerechten sehen, zwischen denen, die Gott dienen und denen, die es nicht tun.“ Maleachi 3:18

Unterwerfung ist heute ein unschönes Wort, man ist lieber „pride“, was Stolz heisst. Stolz auf sein Land, sich selbst und seinen Lebensstil oder was auch immer. Stolz ist in den Schriften durchgängig mit „Ego“(weg von Gott) und Satan verbunden. Stolz im Widerstand gegen Gott und allem, was er dem Menschen sagen lies. Es geht hierbei aber nicht einfach nur um Moral, was noch die leichtere Übung wäre. Es geht um eine überhebliche und egozentrische Grundhaltung, man hält sich selbst stets für besser und überlegen. Gegenüber anderen Menschen und letztlich auch gegenüber Gott. Die Einstellung des Herzens um Gott zu finden, muss aber eine offene und lernbereite sein. Eine Haltung der Demut. Wer nicht demütig ist wird nie begreifen und verstehen und sein Herz wird in Selbstsucht versteinert werden.

„Und er ging ein wenig weiter, warf sich auf sein Angesicht, betete und sprach: Mein Vater! Ist es möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber; doch nicht wie ich will, sondern wie du willst! Jesus in Matthäus 26:39, Schlachter Bibel

Die Einstellung wie Gott will oder wenn Gott will, InsahAllah, ist eine Lebenseinstellung und sie bedeutet Unterwerfung unter Gottes Willen. Das ist nicht das gleiche wie Unterwerfung unter eine Organisation einer Religion oder eines Gurus, sondern so ziemlich genau das Gegenteil. Zwischen uns und Gott steht nichts, wenn wir uns nicht selbst im Weg stehen. Der Himmel ist offen, wenn wir diesen Gedanken erst einmal verstanden haben.

Wie ich schon schrieb, kann man an jedem Ort beten. Aber eine „Holy Site“, eine Moschee kann enorm helfen. Nichts lenkt ab, keine Bilder oder Figuren, was schon eh und je Götzendienst war und ist. Eine Moschee ist ein Haus des Gebets. Wenn man die Möglichkeit hat das muslimische Gebet zu lernen und eine Moschee in einem muslimischen Land zu besuchen, ist es etwas ganz Besonderes. Das liegt schon daran, dass es dort Moscheen gibt, die Jahrhunderte alt sind und sie meist rund um die Uhr offen sind. Selbst nachts. Man kann die Moschee erst einmal zu einer ruhigen Zeit besuchen und diesen Ort ganz auf sich wirken lassen.

Bevor man dorthin geht, stimmt man sich gedanklich darauf ein, fasst diesen Entschluss in Kontakt zu Gott zu treten, weswegen man die muslimischen Pflichtgebete auch „Kontaktgebete“ im Deutschen nennt. Pflichtgebet mag negativ klingen, aber man darf nicht vergessen, nicht Allah braucht diese Gebete, wir brauchen sie. Es ist der Reset im Alltag, es ist die Vergebung und es ist die Hoffnung. Es ist die dringend benötigte Nahrung für die Seele.

Vor dem Gebet wäscht man sich. Es ist eine rituelle Waschung, die die Gedanken auch schon ganz auf das Gebet ausrichtet. In der Moschee selbst zieht man seine Schuhe aus, denn man steht auf heiligen Boden. Ein muslimisches Gebet besteht in dem Fall aus der Rezitation der Al-Fatiha zu Beginn, der ersten Sure des Quran, die eigentlich die Essenz des Islam ist. Sie auf arabisch auswendig zu lernen dauert vielleicht ein paar Tage oder Wochen, aber wenn man sie kann und Wort für Wort in seiner Tiefe und Bedeutung versteht ist es kein reines Aufsagen. Man atmet jedes Wort, lässt seinen Geist völlig darauf ein. Es gibt noch ein paar andere Dinge, die man für das Gebet im Ablauf lernt. Aber im Prinzip ist es einfach und das Mindestwissen ist die Al-Fatiha und eine weitere Aya (Vers) der Wahl aus dem Qur’an. Hier kann man beispielsweise eine Aya nehmen, die Gott besonders preist.

Der ganze Ablauf des Gebets, welches aus Einheiten (Rakat) besteht, hat Bedeutungen. Klar kann man das monoton tun und einfach eine Routine erfüllen und manchem westlichen Beobachter mag das so erscheinen, weil man es nicht nachvollziehen kann. Aber es ist so viel mehr als das.

Wer das Gebet aber als Kontaktgebet sieht und genau das ist es, der merkt den Unterschied und soviel ist gesagt, das ist keine Einbildung. Die Unterwerfung unter Gott ist gleichzeitig das Größte was einem Menschen auf dieser Erde passieren kann. Hier erfüllt sich was der Qur’an sagt, es ist anders als der Mensch denkt. Wer sich klein macht, wird gross werden. Wer sich schwach macht, wird stark werden. Wer sich eingesteht unwissend zu sein, wird Weisheit erhalten. Wer um Rechtleitung bittet, wird Rechtleitung bekommen. Wer vor Menschen wegen Gottesfurcht klein ist, wird gross bei Gott sein. Und der Letzte wird der Erste sein. Oder wie es Jesus damals sagte: den Sanftmütigen gehört das Königreich der Himmel.

Der ultimative Sinn des Lebens ist den Willen Gottes zu tun. Der Qur’an sagt, dass der Mensch dazu gemacht ist Gott anzubeten, aber nicht weil Gott diese Anbetung braucht, sondern weil wir sie brauchen. Diese Art Weisheit kann man nur verstehen, wenn man die Auswirkungen des Gebetes persönlich erlebt. Und wer durch diese Tür geht, dem wird alles andere hinzugefügt bekommen. Ich hätte niemals gedacht, dass ein Geheimnis so offenbar und doch so gut behütet sein kann. Als suchten alle Archäologen fieberhaft und gierig nach einem Schatz und ein kleiner Junge findet ihn spielend in einer Höhle. Jeder kann dieser kleine Junge sein.

Wie ich schon (hier) in einem Artikel schrieb, ist vieles auf dieser Welt nicht wie es scheint. Unsere grosse Herausforderung als Menschen besteht darin den Blick auf das echte Leben gerichtet zu halten, auf die Dinge die man nicht sieht. Wie die Schriften zeigen, ist es nicht das echte Leben, in dem wir jetzt leben. Wir leben es und können gute und schlechte Momente haben. Aber beide Arten von Momenten dürfen nicht zu einer Trennung von unserem Schöpfer führen. Nichts kann uns von ihm trennen, nur wir selbst. Und wenn wir ihn suchen, wird er sich finden lassen. Das hat er uns versprochen.

The Prophet (ﷺ) said, „Allah says: ‚ When a slave of Mine draws near to Me a span, I draw near to him a cubit; and if he draws near to Me a cubit, I draw near to him a fathom. And if he comes to Me walking, I go to him running.“‚.

Quelle: Riyad as-Salihin 96, arabic-english

Ja, Unterwerfung ist im heutigen Sprachgebrauch aus vielerlei Gründen negativ. Aber im Monotheismus geht es ausschließlich um die Unterwerfung unter Gott. Und niemals um etwas anderes, nichts und niemand hat es verdient sonst angebetet zu werden oder das Recht das zu verlangen.

Denken wir nochmals daran was im Qur’an über das gesagt wird, was der Mensch will und das, was gut für ihn ist. „(…) Aber vielleicht ist euch etwas zuwider, während es gut für euch ist, und vielleicht ist euch etwas lieb, während es schlecht für euch ist. Allah weiß, ihr aber wißt nicht. „ 2:216

Wir können nicht gegen die Gesetze der Physik handeln und wenn wir es tun, werden wir dafür den Preis zu zahlen haben. Auch für die Gesundheit unserer Seele und für die Zukunft im echten Leben nach diesem hier und jetzt gibt es Gesetze. Wir können das ignorieren, ablehnen oder darüber lachen und viele werden es tun. „Und wenn du den meisten derer auf der Erde gehorchst, werden sie dich von Gottes Weg irre führen. Sie folgen nur Vermutungen, und sie raten nur.“ 6:116 Qur’an.

Nun ist es so, dass man nicht auf ein grosses Ende dieser Welt vergeblich warten muss um den Ausgang dieser Geschichte zu erleben. Gehen wir zur Abwechslung in ein Altenheim oder Hospiz. Erleben wir, wie hoffnungslose Menschen sich an ein bisschen Restleben klammern und es um jeden Preis erhalten wollen. Erleben wir, wie gebildete und erfolgreiche Menschen die mit Gott nichts zu tun hatten, in den letzten Momenten ihres Lebens unter Tränen fragen, ob Gott ihnen vergeben wird. Ich habe das mehrfach persönlich erlebt und ich werde das mein ganzes Leben lang nicht vergessen. Was denken wir, wie das bei uns ausgehen wird? Denken wir immer noch, uns würde es anders ergehen?

Denken wir, wir werden nicht wie ein Häufchen Elend dahinsterben, wie alle anderen vor uns? Wo ist dann der Stolz? Wo das Ego? Und was bleibt?

Wir haben die Wahl, welche Bedeutung und Richtung wir unserem Leben geben wollen. Wählen wir weise.

“Consider a turkey that is fed every day. Every single feeding will firm up the bird’s belief that it is the general rule of life to be fed every day (…) On the afternoon of the Wednesday before Thanksgiving, something unexpected will happen to the turkey. It will incur a revision of belief.” 

Nassim Nicholas Taleb