Es ist Konsens in einer vorgeblich freiheitlichen Gesellschaft Verantwortung zu übernehmen. Zumindest einmal für sich selbst.

 

„Eigenverantwortung, die einzige Art von Verantwortung, auf die du dich verlassen kannst.“

 

Aber dennoch sind wir vom Gegenteil umgeben. Bei Arbeit gilt das Prinzip arbeiten lassen ist besser als selbst arbeiten. Beim Denken ist das Gegenteil der Fall. Denken lassen führt menschliche Gesellschaften regelmäßig in den Abgrund. Aber auch das individuelle Schicksal profitiert nicht gerade von dem Konzept des betreuten Denkens. Wenn Menschen anderen die Verantwortung des Denkens übertragen, so führt dieser Weg stets in eine wachsweiche und kuschelige Gedankendiktatur. Manchmal aber auch in eine knallharte. Ich will dies kurz mit ein paar Beispielen belegen, damit klar wird was ich meine. Dann kommen wir zu einem Fall aus dem Leben. Das Konzept hat sich schon öfters hier bewährt.

 

 

Ernährung

Seit vielen Jahren ein Problem, auch hierzulande. Die Menschen werden immer dicker. Selbst Kinder. Die Politik hat schon mehrfach das Thema aufgegriffen mit immer neuen Forderungen und Deklarierungspflichten für die Nahungsmittelindustrie. Statt das Menschen aufgeklärt werden und in den Schulen mehr zu diesem Thema unterrichtet wird oder mehr Sport gemacht wird, versucht man sich in der Übernahme der Verantwortung. Der Staat muss es regeln. Also wurden Ampelsysteme für Nährwertangaben auf Verpackungen diskutiert. Da laut Schätzungen 50% der Bevölkerung kein Prozentrechnen kann, sollten es die Farben grün, gelb und rot regeln. Der Staat macht das schon. Und das mit den Buntstiften kennt man ja noch aus der Schule. Da gab es für bunt ausgemalte Bilder Sternchen.

 

Finanzen

„Die Rente ist sicher“, Riester, Zukunftsfähigkeit des Rentensystems, von außen induziertes Bevölkerungswachstum um mehr ins System zahlende Arbeitskräfte zu bekommen und dass in einem gesellschaftlichen Umbruch zur digitalen Gesellschaft und einer aktuellen Abgabenquote laut OEZD von 40% – es ist verrückt. Nur in Belgien liegt diese höher. (2017)

Aber keiner der genannten Punkte wird die kollektive Altersvorsorge retten.

Statt in Schulen das Thema Finanzen zu unterrichten gibt es lieber Genderunterricht. Die Frage ist, was hat der Staat bei persönlichen und intimsten Bereichen wie Religion und geschlechtliche Orientierung des Individuums zu sagen? Sollte der Staat nicht in erster Linie seinen Nachwuchs auf das Berufsleben vorbereiten, auf die Welt von morgen? Dafür sorgen, dass Schüler rechnen und mit Geld umgehen können?

Das Ziel scheint aber eher zu sein, dass jedes Kind im Alter von 10 Jahren alle sexuellen Orientierungen von der Maus bis zum Elefanten kennt statt den Zinseszinseffekt rechnen zu können. Das wird, wie schon von Wissenschaftlern mehrfach angemahnt, dazu führen, dass ein immer größerer Teil der Bevölkerung langfristig in der Grundsicherung landet. Dieser Aspekt ist wohl sicherer wie die Riester-Rendite.

Also falls es das Ziel ist einen gigantischen „Nannystaat“ zu schaffen, in dem immer weniger Menschen selbstständig handeln können und wollen, dann sind wir auf einem guten Weg. Weiter so.

Selbst wenn das Mehrheiten wären die heute so denken, was ich nicht glaube, so will ich heute mal einen alten Artikel dazu „recyceln.“ Ihr findet ihn unter einem extra Fenster HIER.

 

 

Was bringt mich zu diesen Gedanken?

Beobachtungen und Pressemitteilungen. Selbst erlebte Realität im Gespräch mit Menschen. Ein paar der zuletzt erlebten Ereignisse im Zusammenhang junger Menschen mit Finanzen will ich exemplarisch an einem Fall klar machen.

Eine Leserin von uns, 27 Jahre alt, wollte wissen was Altersvorsorge für sie bedeutet. Sie ist einer der wenigen Menschen in dem Alter, die sich das fragen. So zumindest mein Eindruck aus jahrelanger Berufspraxis in Banken. Sie bekam nun ihre erste Renteninformation.

Sie war bereits bei zwei Banken, einer „freien“ Vermögensberatung und einem Vermittler. Bei jedem hatte sie nur das Gefühl es sollte etwas verkauft werden. Oft die Riester-Rente. Ein finanzielles Fehlkonstrukt, wie sich selbst in der Presse immer mehr rausstellt. Ein anderes Angebot war ein CPPI Modell einer Investpolice mit automatischen Umschichtungen zwischen den Investitionen und die letzte Variante eine Index-Police. Ihr könnt euch vorstellen, nach diesen Gesprächen war unsere Leserin noch verwirrter wie vorher. Viele resignieren an diesem Punkt. Und so ein Rentenbescheid mag ja nicht schlecht aussehen.

Zuletzt wurde einer mit 1800,00 Euro Rente hier im Forum erwähnt. Manchen von euch mag das schon klar sein, aber ich sage es nochmal zur Sicherheit: Das ist brutto! Darauf müssen noch Steuern und Krankenkasse bezahlt werden. Wie sich das entwickelt, wer weiss. Ich bin da bei dem geschätzten Finanzwesir der sagt, dass ist zu unsicher. Denn wir wissen nicht, wie die Steuerbelastung und Krankenkassenbeiträge in 20, 30 oder gar 40 Jahren aussehen.

Was denkt ihr, wird die Belastung niedriger, gleich oder höher sein?

Der ein oder andere kann es sich sicher realistisch ableiten. Dazu kommt, dass selbst 1800,00 EUR bei nur 2% jährlicher Inflation auf 30 Jahre in der Kaufkraft halbiert wären.

Aber wir wollen das System hier nicht an den Pranger stellen, sondern Lösungen aufzeigen.

 

Schloß in den Wolken? Überlasst das lieber anderen. Vielleicht gefällt euch der Strand in Thailand besser. (HIER)

 

Wie schon öfters angesprochen, leben so gut wie alle Finanzprodukte im Versicherungs- und Bankenbereich von dem Motor Aktienmarkt. Wir hatten HIER schon berichtet. Und in den Aktienmärkten ist es reproduzierbar nicht möglich, die langfristigen Gesamtmarktrenditen zu schlagen. Diese liegen beim marktbreiten S&P500 bei ca. 6% p.A. im 30 Jahresdurchschnitt, beim MSCI World ähnlich. Das soll also heissen, dass eine einzelne Anlage, sei sie noch so toll, es nicht schafft auf lange Sicht diese 6% p.A. zu schlagen. Im Thema Altersvorsorge geht es genau darum. Dazu kommen noch die enormen Kosten, die Bank- und Versicherungsprodukte haben. Wir haben Ausgabeaufschläge, Bestandsvergütungen und vieles mehr, je nach Anlage.

Ich will heute aber nur auf EINEN dieser Faktoren eingehen, die Bestandskosten. Diese könnt ihr bei jedem Riestervertrag und jedem Fonds in den Produktunterlagen finden. Sie liegen selten unter 2% p.A. Diese 2% fliessen aus eurer Anlage raus, Jahr für Jahr. Das hört sich nicht viel an. Aber wir wollen es ganz einfach mal berechnen.

Nehmen wir an, unsere Leserin Banu mit ihren jungen 27 Jahren spart im Monat 150,00 Euro in eine Vorsorge. Die Vorsorge hat KEINE Abschlusskosten, nur die Bestandsvergütung. Nehmen wir weiter an, diese Vorsorge hätte die gleiche Rendite wie der S&P500. 6% im Jahr im langfristigen Durchschnitt. Wie wir wissen, gibt es bis dato keine solche Anlage in den Aktienmärkten. Aber gut.

Durch die Kosten sinkt die Rendite auf 3,9% p.A. Sie spart in unserem Beispiel 38 Jahre, also bis sie 65 Jahre alt ist. Bis sie 80 ist wollen wir sie dann doch nicht arbeiten lassen. Am Ende kommen 154.868 EUR heraus. Soweit, so gut.

 

Nun zu den gleichen Rahmendaten mit einem ETF:

 

Bei einem typischen S&P500 oder MSCI World ETF liegen die Kosten bei 0,2% p.A. Es gibt teurere, aber auch noch günstigere. Der Unterschied nach Kosten wirkt sich auf die Rendite aus. Hier liegen wir bei 5,780% p.A. Der Endwert liegt bei 240.037 EUR.

Ein Unterschied von 85.000 EUR bei einer Sparrate von 150,00 EUR im Monat auf 38 Jahre. Und wir gehen hier noch vom positiven Fall aus. Die positive Grundannahme, von der wir aber wissen, sie stimmt nicht ist diese:

 

  • Das Bankprodukt hat keinen Ausgabeaufschlag.
  • Das Versicherungsprodukt hat keine Verwaltungsvergütung und Abschlusskosten.
  • Die aktive Anlage wäre auf 30 Jahre besser als die passive Anlage.

 

Jetzt nehmen wir mal an, die junge Dame hätte einen Riester gemacht. Also Förderung erhalten und Steuererstattungen über den Sonderausgabenabzug erhalten. Toll. Wunderbar. Mir ist klar, hier kommen noch viele Variablen in Zukunft hinzu. Heirat, Kinder und mehr. Aber wir wollen es ja konkret machen. Hat Banu einen Vorteil wenn sie einen Riestervertrag macht statt dem ETF Sparplan? Es ist ein individuelles Beispiel.

Hier erst einmal die Riester Daten zu unserem Beispiel:

Banu muss 4% von Ihrem jährlichen Bruttogehalt sparen um die volle Zulage zu erhalten. Eine Förderquote von 11,51% hört sich schon mal gut an. Ich hatte mal einen Vorgesetzten, der sprang wie ein Gummiball durch die Bankfiliale, wenn er Förderquoten ausgerechnet hatte. Danach ist er immer auf dem WC verschwunden. Komisch, war aber so. Ein Bild, welches ich nie vergessen werde.

Banu’s Eigenanteil liegt bei 1345,00 EUR im Jahr. Das sind 112,00 EUR im Monat. Durch die Zulage von 175,00 EUR werden aber jährlich 1520,00 EUR investiert.

Aber ich will heute noch einen Schritt weiter gehen. Wir wollen maximal alles rausholen. Absolut gesehen. Maximal gefördert sind im Jahr 2100,00 EUR. Davon ist die Zulage abzuziehen, die wie eine eigene Rate behandelt wird. Banu müsste also 1925,00 EUR in den Riestervertrag besparen, bekommt die 175,00 EUR oben drauf und ist dann bei 2100,00 EUR im Jahr. Durch den Sonderausgabenabzug entstehen weitere Vorteile.

Damit liegen wir bei einer Förderquote von 33,62%. Das ist gigantisch. Darin steckt die Steuerentlastung von 531,00 EUR im Jahr. Investiert werden also 2100,00 EUR im Jahr. Selbst zahlen muss Banu aber nur 1394,00 EUR im Jahr. Also im Monat 116,00 EUR.

Jetzt müssen wir dies gegenüber unseren ETF Sparplan stellen. Und zwar richtig. Wir sparen 116,00 EUR im Monat in den ETF über 40 Jahre und ebenfalls über die gleiche Laufzeit die 175,00 EUR (2100,00 EUR / 12) in das Riester Produkt. Warum jetzt 40 Jahre? Naja, Banu muss ja mindestens bis 67 arbeiten um den Riester zu verrenten.

Hier das Ergebnis aus dem Riester-Vertrag und wie immer mit all unseren positiven Grundannahmen. Also S&P500 Rendite wird erreicht, keine Ausgabeaufschläge, „nur“ Verwaltungsvergütung von 2% p.A. Volle 2100,00 EUR werden investiert.

Das ganze stellen wir nun unserer ungeförderten kleinen ETF Sparrate von nur 116,00 EUR im Monat gegenüber. Keine Förderung, keine tollen Zulagen. Kein Bild von Herrn Riester. Aber dafür eben auch nur 0,2% jährlichen Kosten.

Wir lieben die Quelle unserer Rechenbeispiele und nutzen sie für fast alle Berechnungen: Zinsen-berechnen.de

 

Wir haben also beim Endwert mehr als 10.000 EUR mehr gegenüber dem Riestervertrag. Und nochmals, hier sind sämtliche weiteren Riesterkosten aussen vor gelassen. Denn bei Fondssparriesterverträgen sind Ausgabeaufschläge von bis zu 5% zu zahlen, bei Versicherungen Abschlusskosten und vieles mehr.

Nun geht es aber an die Steuer. Niemand von uns weiss, wie die Steuerbelastung in 40 Jahren aussieht. Daher will ich es auf Basis von heute ganz einfach machen.

Der Riestervertrag ist in der Auszahlphase bekanntlicherweise zu 100% steuerpflichtig, beim ETF Sparplan ist nur auf den Ertrag die Abgeltungssteuer zu zahlen.

Der Riester muss verrentet werden, man kann sich einmalig 30% der angesparten Summe auszahlen lassen. Wir wollen heute aber einfach superfair sein und davon ausgehen, dass wir nur 20% Steuern auf den Riester zu zahlen hätten, der wie gesagt 100% steuerpflichtig ist. Das wären also 20% auf ca. 200.000 EUR an Steuern. Am Ende also 40.000 EUR Steuern. Mir ist durchaus bewusst, dass es hier noch viele Variablen gibt, denn die Steuer wird von den monatlichen Auszahlungen abgezogen und man muss vermutlich 100 Jahre alt werden um das Guthaben aufzubrauchen und hätte auch nur dann die volle Steuerlast bezahlt.

Beim ETF Sparplan sind die Erträge mit der Abgeltungssteuer zu versteuern. Der Gewinn ist unserem Beispiel liegt bei 155.000 EUR. Davon 25% sind 38.750,00 EUR.

 

Ergebnis:

ETF-Sparplan mit 116,00 EUR im Monat, 40 Jahre lang gespart= 210.000,00 EUR. Steuern auf den Gewinn von 155.000,00 EUR (25%) = 38.750,00 Es bleiben netto ca. 170.000,00 EUR übrig.

Riester-Sparplan mit 175,00 EUR im Monat, 40 Jahre lang gespart= 199.000,00 EUR. Steuern auf den den Gesamtbetrag von 199.000,00 EUR (20%) = ca. 40.000,00 EUR Es bleiben netto ca. 160.000,00 EUR übrig.

Bei dem privaten ETF Sparplan mit einer monatlichen Sparrate von nur 116,00 EUR im Monat kommen netto ca. 10.000 EUR mehr raus. Und das obwohl in den Riester mit Zulage und Förderung auf den Monat gerechnet 175,00 EUR gespart werden.

Der Renditeunterschied beträgt 1,881% p.A. zwischen den beiden Anlagen. Das dazwischen Welten liegen dürfte nun klar sein.

 

Nochmals:

Das ist vereinfacht und extrem fair gerechnet, gerade bei dem Riestervertrag. Denn wir unterstellen die gleiche Rendite wie bei S&P500, die nachweislich NICHT erzielt wird. Wir unterstellen dem Riestervertrag, dass keine weiteren Kosten anfallen. Wir unterstellen eine Besteuerung von nur 20%.

Der Riestervertrag hat aber auch noch diese Nachteile:

 

  • kann nur verrentet werden, ausser 30% einmaliger Auszahlung.
  • Auszahlung wird immer niedriger durch immer weiter steigende Lebenserwartung. (Sterbegeldtafeln der Versicherer)
  • Außerhalb der EU nicht nutzbar, man bleibt an die EU gebunden.

 

Wenn Banu sich aber für den ETF Sparplan entscheidet, fährt sie deutlich besser. Denn sie ist nicht an die EU gebunden, kann sich global also frei bewegen und in dem Land in Rente gehen, wo sie es möchte. In Deutschland sind 25% Abgeltungssteuer zu zahlen, aber in anderen Ländern deutlich weniger. Sie ist außerdem komplett frei, denn ihre ETFs kann sie in jedem Depot der Welt verwalten und ist nicht auf einen Riester Anbieter angewiesen.

Und das scheint auch ein klarer Punkt zu ein. Riester Produkte kommen und gehen. Anbieter ändern zuletzt fast jährlich das Produkt und die Strategie. Und in der Politik wurde schon andiskutiert Riester zu reformieren oder gar einzudampfen. Und da soll man wissen wie es in 40 Jahren damit aussieht? Vielleicht nimmt man dann doch das ganze selbst in die Hand. Nicht jede(r) 27 jährige will sich territorial für sein/ihr Leben binden, gerade in der heutigen Zeit.

Riesterprodukte scheinen das beste aus beiden Welten zu vereinen und so werden sie auch beworben. Sicherheit und Rendite. Aber die Finanzwissenschaften zeigen, dass gibt es nicht. Der Riestervertrag hat hohe Kosten und eine Kapitalgarantie. Er ist kein echtes Investmentprodukt. Oder so wie es schon in dem Film Fight Club gesagt wurde:

 

“Sich Federn in den Arsch zu schieben macht dich zu keinem Huhn.”

(Zitat. Der Autor distanziert sich von der Wortwahl)

 

Bei einem Riestervertrag, in welcher Form auch immer, solltet ihr euch Folgendes fragen:

 

  • Wie hoch ist die echte Investitionsquote. D.h. wie viel von eurer monatlichen Sparrate geht wirklich in den Aktienteil der Anlage? Bei vielen Verträgen ist dies nicht mehr wie die Hälfte.
  • Wird dieser Aktienteil, also der „Motor“ der Anlage es schaffen die 6% p.A. reproduzierbar und langfristig im Schnitt zu erwirtschaften? (Bisher schlägt kein aktiv gemanagtes Produkt den „Markt“ langfristig)
  • Wie hoch sind die jährlichen Kosten und Bestandsvergütungen? ( knapp 2% im Jahr bringen euch um)
  • Seid ihr sicher für immer in der EU leben zu wollen?
  • Habt ihr Vertrauen in die Politik, dass unsere jetzigen Steuergesetze auch in 20 oder 30 Jahren gelten? (oder habt ihr lieber einen Plan B in der Hinterhand)
  • Berechnungstabellen in den Verkaufs- oder Produktinformationen gehen von Renditen von 6-9% und mehr p.A. aus. Haltet ihr das bei einem Riestervertrag wirklich für langfristig (30+ Jahre) möglich?
  • Der/die euch gegenübersitzt ist NICHT euer Freund. Und wenn, dann ist es umso schlimmer. Bezahlt ihr ihn/sie oder wird er/sie durch das Produkt oder die Bank/Versicherung bezahlt?  (Achtung: Interessenkonflikt)

 

Wenn jemand sich seinen Riestervertrag und seine Wertentwicklung der letzten 10 Jahre anschaut, dürfte er trotz Kosten und den erwähnten Faktoren dennoch gut um Plus stehen. Das ist dem Aktienboom der letzten 10 Jahre zu verdanken. Das ist schön. Jede(r) Versicherungsvermittler/in läuft derzeit (noch) stolz wie ein dickes Huhn durchs Gehege. Aber auch das Huhn endet später als Suppenhuhn. Gerade bei Suppenhuhn kocht man zähes Fleisch weich. Hab ich schon erwähnt das ich Hühnersuppe liebe?

Also, Rendite gut. Aber bedenkt in diesem Fall, was ein MSCI World oder S&P500 ETF in den letzten 10 Jahren abgeworfen hat. Hinweis: Taschentücher griffbereit halten.

Manche Menschen halten an ökonomisch falschen Entscheidungen fest, weil sie bereits viel Geld investiert haben. Ein typisches Beispiel von „versunkenen Kosten“.

 

Versunkene Kosten

Wisst ihr was versunkene Kosten sind? Versunkene Kosten sind bereits angefallene Kosten oder Kosten, die unweigerlich in der Zukunft anfallen werden und nicht mehr beeinflusst werden können. Das können beispielsweise Abschlusskosten für einen Riestervertrag sein.

Das ist besonders tragisch. Warum? Ich zitiere Wikipedia:

„Da Individuen nicht immer dem Rationalitätspostulat des Homo oeconomicus folgen, werden irreversible Kosten oft auch im Nachhinein (ex post) beachtet – aus rationaler Sicht ungerechtfertigterweise. Somit können sie den (aus Sicht des Entscheidungsträgers) wirtschaftlich optimalen Entscheidungsprozess verfälschen.“ (…)

 

Was soll das bedeuten?

Ganz einfach. Es gibt bei vielen Menschen beispielsweise die Denkweise, „dass haben wir schon immer so gemacht“. Dies soll aktuelles Handeln legitimieren. Aber nur weil es schon immer so war heisst es nicht, dass es richtig ist. Es war vielleicht schon immer falsch. Bei den bereits erwähnten Riesterverträgen ist eine Kündigung nicht falsch, nur weil Kosten entstanden sind oder weil der Vertrag schon lange läuft. Lest euch nochmal das Wiki Zitat durch. Viele Finanzkollegen argumentierten schlicht falsch. Ich denke das ist trauriger Weise manchen Vermittlervertrag mit einer Versicherung geschuldet.

Abgesehen davon fallen Bestandskosten die ganze Zeit weiter an. Wenn so ein Riestervertrag noch 20, 30 Jahre vor sich hat, dann wisst ihr nun was euch das noch in Zukunft kosten wird. Aber diese Kosten müssen nicht unweigerlich anfallen. Ihr könnt die Geldverbrennung auch einfach stoppen.

Zum Schluss sei angemerkt, dass es Riesterverträge mit minimalen Einzahlungen und hohen Förderungen gibt, beispielsweise weil viele Kinder zur Familie gehören. Man muss sich diese Verträge dann anschauen und individuell bewerten wie sinnvoll sie sind. Für junge Menschen mit erdenbürgerlichen Ambitionen halten wir Riester definitiv für den falschen Weg.

 

Die Weihnachtsgeschichte

Wie hiess der Satz zu Beginn nochmals? „Eigenverantwortung, die einzige Verantwortung auf die du dich verlassen kannst.“

Ich erwähnte im Textauszug die Weihnachtsgeschichte. Da bald Weihnachten ist, kommt für viele Menschen die Zeit der Märchen und der Träumereien. Weihnachten selbst ist eine einzige Märchengeschichte. Und so bekommen wir viele erzählt. „Die Rente ist sicher“, „niemand hat vor eine Mauer zu errichten“, „aus der EU wird nie jemand austreten.“ Geschichten über Geschichten. Reihenfolge stimmt nicht ganz. Sorry.

Die beliebtesten sind aber meist die, die betreutes Denken liefern. Ich weiss nicht ob der Finanzwesir diesen Begriff geprägt hat, er ist in jedem Fall sehr gut. Und zum Glück nicht geschützt. Menschen haben es gerne bequem, bleiben in festen Denkmustern, da dies vermeintliche Sicherheit gibt. In Wirklichkeit weiss aber niemand was morgen ist.

Handelt man eigenverantwortlich, braucht es kein Ampelsystem bei Nahrungsmitteln um zu wissen, mit 10 Schokoriegeln und 2 Liter Cola am Tag werde ich fett wie Rudi das Ferkel. Handelt man eigenverantwortlich, bringt man am besten seinen Kindern rechnen und den Zinseszinseffekt bei, wenn der Staat lieber „Sexualwissenschaften“ an Schulen unterrichten will. Und handelt man eigenverantwortlich, lässt man sich nicht vom Provisionsvertrieb ein teueres und intransparentes Finanzprodukt aufdrücken. Es ist der klassische Unterschied zwischen selbstbestimmt oder fremdbestimmt sein.

Die, die Weihnachten feiern werden in Kürze unter dem Bäumchen sitzen. Ein guter Ort für Märchengeschichten, denn dort sind sie besser aufgehoben wir bei euren persönlichen Finanzen. Bei diesen solltet ihr Verantwortung übernehmen und die Weihnachtsgeschichten überlasst ihr dem Weihnachtsmann.

Nächste Woche folgt der zweite Teil unserer Geschichte unter dem Baum. Wie Liselotte A. bei der Bank Geld anlegen wollte. Und das vor Weihnachten. Spannend, spannend.

 

 


„Das Einzige, was uns vor der Bürokratie schützt, ist ihre Ineffizienz.“

Eugene McCarthy

Blackwater

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