„Listen, smile, agree. And then do whatever the fuck you were gonna do anyway.“

Robert Downey Jr.

 

 

Warum hört sich „steuerlich gefördert“ für uns Deutsche eigentlich so gut an? Ist es das vermeintliche gratis Geld, so wie das Buffet auf der Aida, wo sich alle darin üben Essen auf Tellern zu stapeln um dem Turm zu Babel Konkurrenz zu machen?

Gefördert im Sinne von Förderschule will jedenfalls keiner sein. Wenn es heisst „gefördert“, da die geistigen Fähigkeiten limitiert sind, lächelt jeder peinlich berührt weg. Es kann also nicht an der Bedürftigkeit liegen, es muss der vermeintliche Reiz eines monetären Mehrwertes sein.

Wir bekommen viele Mails von Menschen, die monatlich in Finanzprodukte sparen und nun durch unsere Arbeit anfangen das Ganze zu hinterfragen. Das ist wirklich gut so. Wer nachdenkt verändert sein Leben. Mit der Erlaubnis von einem unserer Leser möchten wir heute noch einmal einen Bereich herausgreifen und beantworten. Anonym natürlich. Aber in dieser Geschichte stecken so viele sich wiederholende Aspekte, weshalb sie ideal ist, um sie mit einem Blogbeitrag aufzuarbeiten.

 

Eigenverantwortung abgegeben. „Und haben Sie schon Ihre staatliche Förderung abgeholt?“ Mit dieser Frage treten schon Bankazubis mit strahlenden Augen und wohlmeinenden Absichten an Kunden heran. Im Schulsystem dagegen will keiner staatlich gefördert werden müssen. Aber auch bei der Rente hat die staatliche Förderung in Wirklichkeit einen bitteren Beigeschmack.

 

Es war um das Jahr 2005 herum, als ein damals 32 jähriger Mann, Angestellter eines großen deutschen Unternehmens mit dem Finanzvertrieb in Berührung kam. Altersvorsorge ist wichtig. (das stimmt) Was ist das Standardprodukt bei Angestellten im Bereich Altersvorsorge? Klar, der Riester. Wie Blackwater.live Leser bereits wissen, sind Riesterverträge wohl eher eine indirekte Subvention der Versicherungsindustrie als eine sinnvolle Altersvorsorge. Wir haben HIER bereits darüber geschrieben und einen Podcast gemacht.

Hauptproblem von Riester sind die enormen Kosten, die nachgelagerte Besteuerung und die fehlende Flexibilität. Wir wollen uns heute einmal ganz konkret mit einem Fall beschäftigen. Unser damals 32 jähriger Leser ist heute 46 Jahre alt. Wir haben folgende Daten aus seinem Vertrag:

 

Vertragsguthaben per Stand Ende 2017: EUR 20.988,92

Garantieguthaben: EUR 14.467,03. Dieses Geld liegt im Grundstock des Versicherers. Die Aktienkomponente beträgt EUR 6.521,98. Wir halten uns nicht an den verschwundenen paar Cent auf. Die Tatsache, dass in den Vertrag 12 Jahre lang pro Jahr 2.100,00 EUR geflossen sind, was 25.200,00 EUR ergibt, ist doch viel bewegender. Wir werden sehen, wo dieses Geld gelandet sein könnte.

Die Aktienkomponente des Vertrages ist in eine sogenannte „Top Mix Strategie“ geflossen. Wer denkt sich eigentlich immer diese Namen aus?? Eine reizüberflutete Marketingtussie bei der Auswahl der Eiskugeln am Baggersee? Aus Eigenschutz veröffentliche ich mal nicht den Namen des Anbieters. Auf deren Seite steht nur professionelles Management, Rebalancing, antizyklisches Investieren. Keine Daten zur Wertentwicklung und den Kosten. Ihr Kapital in guten Händen. Witzig.

Der einzige Download ist eine Imagebroschüre mit den üblichen glücklichen Gesichtern und leuchtenden Kinderaugen. Ach ist die Welt schön, wenn man dieses Produkt hat. Und als Rentner kann man sich dann den Rollator mit den Scheibenbremsen leisten.

Durch weitere Nachforschungen im Internet finde ich dann endlich ein Factsheet. Morningstar hat es möglich gemacht, meinen Dank dafür schon einmal. Kommen wir nun zu einem der großen Kernprobleme.

Die Rendite der „Top Mix Strategie“ beträgt per Februar 2019 auf zehn Jahre absolut 106%. Auf fünf Jahre 27%. Hört sich gut an und der 10 Jahres Zeitraum ist natürlich genau die Phase des liquiditätsinduzierten Aktienbooms. Endlich finde ich auch die laufenden Kosten dieses Portfolios. Das schlägt mit satten 2,17% p.A. zu Buche! Teurer als jeder klassische Aktienfonds. Aktienfonds sind normalerweise schon recht hochpreisige Produkte. In dem Factsheet erfahre ich auch, „Top Mix“ sind keine Eiskugeln, es ist ein gemischtes Portfolio.

55% des angelegten Geldes ist übrigens wieder in anderen Fonds angelegt, die natürlich ihrerseits jährliche Verwaltungskosten haben. Aber gut, solange noch neue Fonds aufgelegt werden und nicht jeder Portfoliomanager einfach andere Fonds einkauft und dann zu 5% Ausgabeaufschlag und 1,8% Verwaltungsvergütung p.A. verkauft ist es ja gut. 🙂

 

Der MSCI World hat Stand heute die letzten 10 Jahre 146% erzielt. Da ist also die Korrektur der letzten Monate mit berücksichtigt. Wenn ich also exakt den gleichen Zeitraum vergleiche, habe ich einen Mehrwert des MSCI World gegenüber dem gemischten und aktiven Portfolio von 40%. Jetzt ist es aber so, dass in das gemischte Portfolio bei dem Riestervertrag nur 6.500,00 EUR von den gut 21.000,00 EUR investiert sind. Und nur diese erzielen die Rendite, der Rest des Geldes liegt ja beim Versicherer als Garantiekapital.

Wir wollen es nicht zu unübersichtlich hier gestalten. Machen wir also Folgendes: Wir schauen uns mal die Sparrate unseres Lesers an. Zunächst nehmen wir seine Sparrate inklusive der Zulagen, die in den Riestervertrag fliessen und rechnen aus was da so rauskommt. 🙂 Dann rechnen wir aus was passiert wäre, wenn er seine eigene Sparleistung (natürlich dann OHNE Förderung) in den MSCI World investiert hätte.

 

Es gibt keinen „Freelunch“. Jeder der uns etwas gibt, hat auch eine Erwartungshaltung. Was erwartet der Staat von uns, wenn wir staatliche Förderung annehmen? Was erwartet der Finanzvertrieb für seine „kostenlose“ Beratung? Warum hat das Mädel von nebenan heute einen so kurzen Rock an? Menschliches Handeln ist von Interessen geprägt.

 

Riestervertrag: „Haben Sie schon Ihre staatliche Förderung abgeholt?“

Start 2005 bis 31.12.2017 = 2.100,00 EUR x 12 = 25.200,00 EUR. Per Ende 2017 sind aber nur ca. 21.000,00 EUR in dem Vertrag als Guthaben ausgewiesen. Selbst wenn der Sparbeginn nicht Anfang 2005 war, fehlen über 2.000,00 EUR. Dies ist natürlich die Gesamtrechnung und nicht der 10 Jahreszeitraum, den wir nun wegen unserer Vergleichsrechnung betrachten werden.

In den 2.100,00 EUR steckt natürlich auch die Riesterzulage von 154,00 EUR jährlich. Rechnen wir diese also nun heraus. Dann sind wir bei 1.946,00 EUR im Jahr. Gehen wir weiter von dem optimalen Fall des maximalen Sonderausgabenabzugs aus, da unser Leser die maximal förderungsfähige Summe spart und ziehen deswegen nochmals 40% von den 1.946,00 EUR ab. Denn diese würde er als Steuererstattung erhalten. Somit wäre sein Eigenbeitrag viel niedriger als die 1.946,00 EUR im Jahr.

Dann kommen wir auf 1.167,60 EUR Eigenleistung, also 97,30 EUR im Monat.

Dies wäre nun die Summe, die wir monatlich in den MSCI World sparen würden statt in den Riestervertrag. Wir verzichten also auf die großzügige Förderung, wir verzichten auf den Sonderausgabenabzug. Wir handeln völlig ohne staatliche Nannybetreuung und ohne den Finanzvertrieb.

Ich habe für die Rechnung von der Rendite von 146% auf die letzten 10 Jahre des MSCI World noch einmal 0,6% p.A. für die ETF Kosten abgezogen, was für einen ETF sehr hohe Kosten sind. Außerdem ist der Vertrag unseres Lesers eine Bestandsaufnahme von 2005 bis Ende 2017 und wir rechnen die Rendite der Einfachheit halber nur mal auf 10 Jahre aus, beginnend von Anfang 2019 rückwärts. Wie ihr noch sehen werdet, rechnen wir absolut pro Riester und lassen Riesterkosten völlig aussen vor.

 

Also weiter…

97,30 EUR werden pro Monat gespart, 1.167,60 EUR pro Jahr. Die Jahresdurchschnittsrendite des MSCI World beträgt abgerundet und nach Kosten 14% p.A. im Durchschnitt auf den letzten zehn Jahres Zeitraum. Eine zweifellos sehr gute Aktienphase und keine Rendite, die ich nun für allgemein planbar halten würde. Es waren eben 10 Jahre Boom. Es wurden 11.676,00 EUR eingezahlt und Erträge von 12.614,41 EUR erwirtschaftet. Insgesamt also 24.290,00 EUR.

ACHTUNG: Bitte den Kommentarbereich beachten. Es existieren weitere (alternative) Sichtweisen dazu.

 

In den Riester wären pro Jahr 2.100,00 EUR inklusive Förderung gespart worden. Wie hoch ist aber die Rendite des Riestervertrages? Nun ja, in der Realität bislang negativ, denn der Vertrag unseres Lesers hat ein niedrigeres Vertragsguthaben als die Summe der eingezahlten Beiträge. Aber wir wollen es ja auch an unserer 10 Jahres Rechnung sehen.

Wie wir aus dem Vertrag unseres Lesers wissen, sind in dem Mischportfolio nur ca. 6.500,00 EUR von 21.000,00 EUR investiert. Also ca. 31% der Sparrate.

Wir müssen also die monatliche Sparrate nehmen und bezogen auf diese die Verteilung ausrechnen. Dies sind ca. 162,00 EUR. Davon werden 31% in das gemischte Portfolio investiert. Dieses hatte die letzten 10 Jahre eine Rendite von 106%. Also etwa 8,83% p.A. im Durchschnitt. Laut dem Factsheet war dies nach Kosten. Die enorm hohen Kosten von mehr als 2% p.A. sind also bereits abgezogen. Gut soweit.

31% von den 162,00 EUR sind 50,22 EUR. Diese Quote müssen wir nun noch auf die Förderung ausrechnen. 31% von 154,00 EUR müssen also separat noch hochgerechnet werden.

50,22 EUR x 12 x 10 mit der Rendite von 8,83% p.A: =  9.516,29 EUR.

47,71 EUR x 10 (da nur ein mal im Jahr) mit der Rendite von 8,83% p.A. = 782,49 EUR.

Welche Rendite sollen wir für den Sicherungsstock für die Garantie nun ansetzen? Wir sind mal großzügig und rechnen vor Kosten 3% p.A. Wenn der Vertag schon 10 Jahre und älter ist, ist dies eine faire Annahme.

69% von den 162,00 EUR sind 111,78 EUR. Diese Quote müssen wir nun noch auf die Förderung ausrechnen. 69% von 154,00 EUR müssen also separat noch hochgerechnet werden.

111,78 EUR x 12 x 10 mit der Rendite von 3,00% p.A. = 15.627,07 EUR.

106,26 EUR x 10 (da nur ein mal im Jahr) mit der Rendite von 3,00% p.A.= 1.254,76 EUR.

Addieren wir kurz die Summen VOR Kosten des Riestervertrags:

9.516,29 + 782,49 + 15.627,07 + 1.254,76 = 27.180,69 EUR.

 

 

Sieht doch gut aus für die letzten 10 Jahre?

24.290,00 EUR bekommen wir mit einem ungeförderten ETF Sparplan in den MSCI World, wenn wir die letzten 10 Jahre dort die 97,10 EUR monatlich eingespart hätten.

27.180,00 EUR bekommen wir aus dem Riestervertrag raus und dies bei voller Förderung und der Annahme, dass der Grundstock des Versicherers nach Kosten 3% p.A. Rendite abwirft. Wir haben also voll zugunsten des Riestervertrags gerechnet.

 

Aber…

…alles vor Kosten des Riestervertrags. Und vor der Besteuerung. Zunächst fallen bei Versicherungsverträgen Kosten an, die sich nach der Provisionsbasissumme berechnen. Alle Einzahlungen auf den Vertrag werden hochgerechnet. Manche Versicherer deckeln dies immerhin auf nur 30 Jahre. Dann fallen einmalige Vertriebs- und Abschlusskosten von 4-5% an. Nehmen wir mal 4% an. Jetzt haben wir das Problem, dass wir die Provisionsbasissumme des Vertrages von unserem Kunden nicht kennen. Aber wir wissen, er hat diesen Vertrag schon 14 Jahre und ist 46 Jahre alt. Sehr wahrscheinlich wurde der Vertrag damals bis zum Endalter 65 gerechnet. Wir haben eigene und staatliche Einzahlungen von insgesamt 2.100,00 EUR im Jahr. Damals war unser Kunde 32 Jahre alt. Das ergibt eine Einzahlungsdauer von 33 Jahren. Da manche Versicherer diese Zahl auf 30 Jahre deckeln, nehmen wir diesen Wert. Daraus folgt: 2.100,00 EUR x 30 = 63.000,00 EUR. Dies ist die Provisionsbasissumme. Daraus 4% sind 2.520,00 EUR. Diese werden dem Vertrag sozusagen in Rechnung gestellt. Hier sehen wir auch, warum unser Kunde weniger Vertragsguthaben in seinem Vertrag hat, als er eigentlich mit seinen Einzahlungen haben müsste. Sein Vertrag steht immer noch im Minus. Selbst die positive Rendite seines hinterlegten Mischportfolios konnte aufgrund der niedrigen Investitionsquote des Gesamtvertrags nichts daran ändern.

Aber wenn ihr denkt, wir sind nun fertig, dann irrt ihr euch. Unser Leser hat uns noch weitere Kosten aus seiner Police mitgeteilt. Der Vertrag hat laufende Kosten (nicht Fondskosten, sondern Kosten der Versicherungspolice von 0,3 % im Jahr der Versicherungssumme. Das sind gute 200,00 EUR jedes Jahr. Diese werden dem Vertrag abgezogen und verringern so ebenfalls die Investitionsquote des Vertrages. Rechnen wir diese Kosten kurz auch noch auf die gesamte Spardauer aus und bilden mit den einmaligen Abschlusskosten eine Summe. Im übrigen hat jeder Versicherungsvertrag auch laufende jährliche Kosten neben den einmaligen Abschluss- und Vertriebskosten.

200,00 EUR x 30= 6.000,00 EUR

Einmalige Abschluss – und Vertriebskosten: 2.520,00 EUR

Gesamtkosten: 8.520,00 EUR.

 

(Dies dient nur mal als Information, wir rechnen OHNE Kosten weiter.)

Wir haben also ohne Kosten und MIT der Rendite im Riestervertrag ein Vertragsguthaben von 27.180,00 EUR. Und da ich euch ja verraten habe, das wir es so einfach wie möglich machen möchten und auch nur die letzten 10 Jahre von heute an rechnen, lassen wir die Kosten in der Berechnung raus. Aber ihr solltet ein Gefühl bekommen, wie hoch diese Kosten sein können.

Diesen Vertragsguthaben von 27.180,00 EUR werden 2.520,00 EUR an einmaligen Abschlusskosten und 200,00 EUR an jährlichen Kosten (auf die Laufzeit insgesamt 6.000,00 EUR) in Rechnung gestellt. Der aufmerksame Leser sieht, ich musste hier vieles vereinfachen. Denn es kommt noch schlimmer: Ich habe die Rendite VOR Kosten ausgerechnet. Da die Kosten aber das Vertragsguthaben von Anfang an reduzieren, nehmen diese fehlenden Euros schon gar nicht an dem Renditewachstum teil. Meine ganze Rechnung ist also falsch. Ich habe den Riester viel zu schön gerechnet. Aber das macht nichts, denn selbst wenn ich das mache, wird das Ergebnis spannend sein. Und es zeigt euch, wie groß das Problem mit diesen Verträgen ist.

 

Übermacht an Marketing und Psychotricks. Im Finanzvertrieb ist die Kräfteverteilung von Verkäufern zu Kunden oft ähnlich wie bei diesen beiden.

 

Was tun wir also?

Wir bleiben weiter pro Riester und tun so, als wenn es diese Kosten nicht geben würde. Haben wir ja bereits mehrfach nun geschrieben. Kommen wir daher einfach zur Rentenphase.

Nehmen wir mal an, diese 27.180,00 EUR wären nun unser Endguthaben und wir gehen nun in Rente. Die Summe ist 100% steuerpflichtig + die Sozialabgaben eines Rentners. Bis zum Jahr 2040 ist steigt diese Besteuerung auf 100% an. Dies bedeutet, wir müssen Auszahlungen aus dem Riestervertrag versteuern, wie wenn es ein Gehalt wäre. Und da kommen eben auch beim Rentner noch einige Sozialabgaben hinzu. In die Renten- und Arbeitslosenversicherung muss man zwar nicht mehr einzahlen (Ausnahme: Frührentner) aber in die Pflege- und Krankenversicherung. Nun wird bei der nachgelagerten Besteuerung oft argumentiert, dass der Steuersatz als Rentner ja viel niedriger ist. Nehmen wir also mal nur großzügige 20% an. Was die Krankenkasse angeht, so übernimmt der Rentenversicherungsträger die eine Hälfte des Versicherungsbetrages, das was früher der Arbeitgeber gemacht hat. Im Mittel kommen wir so auf 7,3% für die Krankenkasse. Dies ist ohne den Zusatzbeitrag gerechnet, den die Krankenkassen noch erheben können. Dazu kommen für kinderlose Menschen noch 2,8% für die Pflegeversicherung. (2,55% für Menschen die Kinder „produziert“ haben. Eigentlich sollte diese Ermäßigung nur bei erfolgreicher Erziehung greifen und nicht beim reinen „Kinder machen“.)

Wir können Stand 02/2019 also von einer Belastung von gut 30% auf die Gesamtsumme sprechen. Und wer weiss, was sich der Staat die nächsten Jahre noch an lustigen Überraschungen alles ausdenkt.

In diesem Fall wären dies auf einen Schlag gerechnet 8.154,00 EUR von unseren ca. 27.000,00 EUR in dem Vertragsguthaben, welches wir wieder abgeben dürfen.

Mit unserem ETF Sparplan haben wir etwa 24.000,00 EUR angespart. Hiervon ist die Abgeltungssteuer zu zahlen, aber nur auf den Wertzuwachs. Dieser betrug laut unserer Rechnung oben 12.600,00 EUR. Also zahlen wir ca. 3.150,00 EUR Steuern. Wir können noch so fair sein und die 5,5% Solidaritätsbeitrag aus den 25% Abgeltungssteuer dazu rechnen, aber ich denke es wird klar, was dabei heraus kommt.

Ich will euch heute wirklich nicht quälen mit dem Beispiel und es ist eine komplexe Materie. (Dies ist so gewollt, davon bin ich überzeugt) Es ist nur ein Beispiel. Aber fassen wir mal zusammen:

Wir haben einen Riestervertrag und haben ihn so gerechnet, als gäbe es keine Vertriebs- und Abschlusskosten. Angespart wurden in gut 10 Jahren nach unserer obigen Rechnung gut 27.000,00 EUR. Er ist voll gefördert, also mit Zulage und Sonderausgabenabzug.

Dies haben wir bedacht, als wir dem Riester einen ETF Sparplan in den MSCI Word mit nur 97,30 EUR monatlich gegenübergestellt haben. Keine Förderungen, volle Eigenverantwortung. Bei diesem Sparplan wären die letzten 10 Jahre bis heute dann etwa 24.000,00 EUR heraus gekommen.

Natürlich waren die letzten 10 Aktienjahre sehr gute Jahre. Wir hätten auch einen längeren Zeitraum nehmen können. Aber weniger Ertrag auf der Aktienseite über den MSCI World führt bei einem gemischten Portfolio auch zu deutlich weniger Ertrag. Denn die verdienen auch nur Geld, wenn die Märkte steigen. Daher mein Tipp, bevor wir zu dem steuerlichen Ergebnis kommen: Legt bei allen Portfolios auf Wertpapierbasis immer mal den MSCI World dagegen. Ihr solltet das natürlich gewichten. Wenn das Portfolio nur 50% Aktienquote hat, dürftet ihr also auch nur „einen halben MSCI“ nehmen und die andere Hälfte beispielsweise mit der Geldmarktrendite berechnen. Natürlich die historische, je nach Zeitraum. Machen die Portfoliomanager auch nicht anders. Backtesting lässt grüßen. 🙂

 

Dies führt nach Steuern zu folgendem Ergebnis:

Riester:  (gerechnet OHNE Kosten, diese wurden nur informativ erwähnt und bei voller Förderung)

27.000,00 EUR – ca. 30% an Steuern und Sozialabgaben = 18.900,00 EUR

ETF Sparplan besteuert mit der Abgeltungssteuer auf den Ertrag:

24.000 EUR – ca. 25% an Steuern auf den Ertragsanteil = 20.850,00 EUR

(Ertrag: 12.600,00 EUR. Also zahlen wir ca. 3.150,00 EUR Steuern)

 

Das Ergebnis ist des ETF Sparplans ist deutlich besser, obwohl die Sparrate viel niedriger wie bei dem voll geförderten Riestervertrag ist und wir den Riester so gerechnet haben, wie wenn er keine Kosten hätte. Wie wir aber gesehen haben, haben wir erhebliche Kosten in dem Vertrag.

Dies ist auch einer der Gründe, warum unser Leser weniger Geld in dem Vertrag hat, als er eingezahlt hat. Und dies trotz eines Aktienbooms der letzten 10 Jahre. Und wie ich aus vielen Mails und aus Gesprächen mit Kunden früher weiss, geht es vielen Menschen so.

Aber liebe Blackwater.live Leser, wir sind immer noch nicht fertig. Denn es wird noch trauriger. Den Riestervertrag muss ich ein Leben lang verrenten. Ich kann mir zwar einmalig 30% sofort auszahlen lassen, aber der Rest des Guthabens wird nach den Kalkulationen der Versicherer verrentet. Und da wir immer älter werden ist klar, die monatliche Rente daraus ist niedrig.

Mit meinem ETF Sparplan dagegen bin ich frei. Ich kann mir das Kapital komplett auszahlen lassen. Und wer weiss denn, wo ich im Alter lebe? Ob ich dann in Deutschland steuerpflichtig bin oder nicht irgendwo anders, wo es schön ist? Und das ist der Kernpunkt auch aus dem letzten Artikel zu diesem Thema: Wenn ich nicht gefördert werde und nichts vom Staat erhalte, bin ich auch nicht abhängig und kann mein Leben freier gestalten.

Viele Leser die uns anschreiben, sind zwischen 25-35 Jahren alt. Das ist wunderbar. Wir schreiben für alle und wollen allen finanzielle Bildung pro bono weiter geben. Aber gerade an euch jüngere Leser gerichtet können wir nur immer wieder sagen: Nehmt keine angeblichen Förderungen an. Für jeden Euro den man euch schenkt, zahlt ihr zwei Euro zurück. Nehmt keine Verpflichtungen auf in Form von Konsumschulden. Nebenbei bemerkt, wird dies eines unserer nächsten Themen sein.

Verpflichtungen sind nicht per se schlecht. Vielleicht denkt ihr an die freiwillige Verpflichtung für euren Lebenspartner oder eure Lebenspartnerin da zu sein. Oder für gute Freunde. Oder für Menschen, denen ihr gerne helft, weil es ihnen schlecht geht. Das sind Verpflichtungen des Herzens.

Aber erzwungene Verpflichtungen, die zu einer Erpressung führen, wie beispielsweise Konsumschulden oder die Bindung an ein geographisches-politisches Gebiet durch Steuerförderungen(Riester), solltet ihr um jeden Preis vermeiden.

Ich kenne Menschen, die gerne ein anderes Leben führen würden, aber weil sie sich selbst versklavt haben geht es nicht mehr.

Die Zeit zwischen 20 und 35 Jahren ist die Zeit, in der ihr entweder den Grundstein zur Freiheit legt oder die Gefängnismauer schon so hoch gebaut habt, dass ihr die Sonne bis 60 nicht mehr seht, wenn überhaupt jemals.

Freiheit ist viel mehr als zwischen materiellen Gütern frei wählen zu können und die Überwindung der Planwirtschaft ist auch nicht der Zenit menschlicher Errungenschaften.

 

 

„Dieser Verlust an Freiheit führt zum Verblassen der menschlichen Werte im Leben, die für dieses von unschätzbarem Wert sind. Was bleibt, sind nur zwanghafte Arbeitsbedingungen und triviale Freizeitvergnügen.“

A.N. Whitehead

 

 

Blackwater

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