“Die natürliche Tendenz eines Staates ist Inflation.”

Murray Rothbard: The Case for a 100 Percent Gold Dollar, Essay auf mises.org

Geld. Die meisten Menschen lieben Geld und hätten gerne mehr davon. Sehr selten habe ich im Leben eine gegenteilige Aussage gehört. Wenn, dann passiert das nur, wenn die wertvollste Ressource „Zeit“ sich dem Ende neigt. Bis das passiert, bleibt Geld die Nr. 1. Und die meisten setzen auch ihr Vertrauen in Geld. Bis zu einem gewissen Maß tun das definitiv alle Menschen. Denn wäre es nicht so, würde man keinen Geldschein mehr annehmen. In dem Vertrauen dafür aber etwas anderes zu bekommen, beispielsweise ein Essen oder einen Schlafplatz und das auch noch morgen und übermorgen, wird das Geld angenommen. Wenn man über dieses kollektive Vertrauen einer Gesellschaft in Geld nachdenkt wird einem klar, dass dies an sich schon mal eine gute Sache ist. Denn die Alternative wäre, dass wir uns mit dem Nachbarn um ein Stück Fleisch auf der Strasse prügeln müssten. Ein in den meisten Fällen sehr ungleicher Kampf. So schafft das Vertrauen in Geld eine automatische Regulierung und Verteilung von Ressourcen. Durch den Zinseszinseffekt und die Tatsache, dass Menschen leider keine Schwarmintelligenz haben (stets in der Politik bedauerlich), kommt es auf Dauer zu Ungleichheiten und der Eingriff in diese, wird von dem meisten vermögenderen Menschen als Sozialismus angesehen, von ärmeren oder weniger befähigten als (soziale) Gerechtigkeit. Und natürlich gibt es noch neumodische Ausnahmemenschen, die mit sogar sehr guten finanziellen Hintergrund von Sozialismus träumen, da man ja irgendwelche Ziele im Leben braucht. Und sei es nur die mediale Aufmerksamkeit.

„Der Eingriff des Staates in einen effizienten Markt ist Korruption“, so wurde es schon von einigen Neoliberalen gesehen. Und der Staat ist sicherlich die am wenigsten geeignete Partei um für Effizienz und Markt zu sorgen, die Corona Krise lässt grüßen. Andererseits, hat der Markt und das Wachstum Grenzen und ohne Eingriffe tendiert das Gesamtsystem auf Dauer zu Ungleichheiten mit ähnlichen Folgen, wie man sie im Sozialismus ohne zeitlichen Verzug bekommt, sozusagen sofort. Der Eingriff der Zentralbanken in einen (effizienten) Markt ist etwas, was wir seit 2008 so oft wie niemals zuvor gesehen haben. Billionen an USD wurden seit dem gedruckt, aber die Inflation stieg nicht wie befürchtet an. Was wir bekamen, war die Asset Inflation. Das wurde von einigen klugen Ökonomen schon damals voraus gesagt, als sich die amerikanische Subprime Krise zu entwickeln begann. Lange bevor Hans-Wurst in Deutschland das Wort Subprime kannte, der war noch mit Sparbuch Zinsen beschäftigt. Glaubt man den spannenden Entwicklungen bei der Greensill Bank, ist „er“ das teilweise immer noch. Aber mehr dazu später.

Was ist Inflation?

Das scheint ja nun eine Gagafrage zu sein, aber laut Umfragen, wie wir sie vor Monaten hier auch schon zitierten, wissen das wohl bis zu 50% der Bevölkerung nicht. Das verwundert nicht weiter, da auch andere notwenige Kenntnisse wie das Prozentrechnen nicht so weit verbreitet sind, wie man es in einem Industriestaat vermuten würde. Also kein Grund nicht darüber zu schreiben. Die Schwarmintelligenz gibt es bei uns Menschen wie gesagt nicht und es schadet nicht, sich ein paar Gedanken immer mal wieder durch den Kopf gehen zu lassen. Gerade wenn es um die Inflation geht, die nun zur realen Gefahr werden kann.

Kurz gesagt könnte man sagen, dass die Inflation ein Anstieg der Preise im allgemeinen ist (aber nicht nur!) und zwar in dem Zusammenhang, dass das Geld weniger Kaufkraft hat.

Für die Messung der Inflation wird der Verbraucherpreisindex genutzt und dieser Index wird mit Hilfe eines Warenkorbs berechnet, der in einem bestimmten Jahr repräsentativ für einen durchschnittlichen Haushalt festgesetzt wird. Mit diesem versucht man so gut wie möglich die Preisentwicklung von Wirtschaftsgütern darzustellen, die die meisten Menschen im Leben brauchen. Beispielsweise Spritkosten(nicht Spirituosen), Nahrungsmittel oder Elektronik. Der Preis für Vegan-Burger, Globuli oder die Kosten für eine Schönheitsoperation gehören (noch) nicht dazu.

Das mag sich nun humorvoll anhören, ist aber ein echtes Problem. So sagt Wiki: „Probleme bei der Messung dieser Zahlen resultieren vor allem daraus, dass mit zunehmendem Abstand zum Basisjahr der Warenkorb immer weniger repräsentativ ist, da sich das Konsumentenverhalten permanent ändert. So finden zum Beispiel Innovationen im Warenkorb nur teilweise Berücksichtigung. Außerdem wird nicht berücksichtigt, dass sich verteuernde Produkte im Konsumverhalten schnell durch ähnliche Güter ersetzt werden“

Das Konsumentenverhalten ändert sich ständig und auch das was im Leben als allgemein wichtig angesehen wird. Wie lange wird der Preis für Butter oder Fleisch repräsentativ sein? Wird chaturbate(dot)com, eine Bezahlseite für menschliche Abgründe, die immerhin auf Platz 48 im weltweiten Internet ist (seriöse Quelle, kein Schmuddellink) in Zukunft auch in dem Warenkorb sein? (in Deutschland sind die Sauseiten wie pornhub sogar auf den Plätzen vor der Nummer 20, nicht mal die Schweiz ist so versaut, sucht der Zinsjäger nach…xy?! Fragen über Fragen….) Werden Globulis in Zukunft auch zum Warenkorb gehören?

Natürlich können wir uns auch selbst fragen, was in unserem Leben als Konsumenten am wichtigsten bei diesen Dingen ist und man kann sich einen eigenen Index zusammen stellen und eine individuelle Inflationsrate somit erstellen. So könnte dieser aussehen:

Wenn ich beispielsweise alle Kosten auf einen monatlichen Wert runterbreche und folgende Werte hinterlegt habe:

  • Wohnen 500,00 Euro
  • Auto 400,00 Euro
  • Essen 300,00 Euro
  • Kleidung 200,00 Euro
  • Essen gehen 300,00 Euro

… dann kann ich Monat für Monat oder Jahr für Jahr die Preisentwicklung monitoren und für mich selbst die Inflationsrate ausrechnen. (ich kann auch einfach Kaffee trinken, klar) Das ist wohl der große Unterschied zwischen Inflation durch den Verbraucherpreisindex und der „gefühlten Inflation“, die sehr wahrscheinlich meine persönliche echte Inflation sein wird.

In dem Beispiel ist „Essen gehen“ sehr hoch bewertet, also ist es essentiell wichtig für das Individuum. Wenn nach der Corona Krise weniger Restaurants existieren und auf diese dann eine große Menge an Verbrauchern trifft, werden die Preise wohl steigen. Das wird den ein oder anderen nicht tangieren, aber das kleine Beispiel-Individuum** kann eine gefühlte Inflation von deutlich spürbarer Höhe erleben – was deprimierend ist.

**Ähnlichkeiten mit echten Personen sind reiner Zufall

Inflation?


In Folge der Geldmengenausweitung der Zentralbanken weltweit nach der 2007/08 Finanzmarktkrise, ist die Inflation nicht gestiegen. Aber es gab eine Asset Inflation, einen starken Anstieg der Vermögenspreise, bei dem sich oft Wert und Preis stark entkoppelt haben. Das Wert und Preis zwei verschiedene Dinge sind, sollte in Deutschland unbedingt an Schulen mal erklärt werden.

Beispiel von extremer Inflation für Güter des täglichen Bedarfs in Deutschland 1923. Die kollektive Angst davor ist in die deutsche Volksseele auf noch fast unerklärbare Weise übergegangen.

Bildquellen: Wikipedia


Nicht jeder Anstieg von einem Preis für ein Gut bedeutet Inflation. Durchdenken wir nun ein paar liebevoll ausgewählte Beispiele:

Lena-Luisa Müller Klimawandel kauft jede Woche Eiweisbrot mit ganz wenigen Kohlenhydraten. 750g kosten bei Amazon knapp 10 Euro. Sie würde aber niemals bei dem Ausbeuter Amazon kaufen (böse) sondern bei einem lokalen Bäcker. Nächstes Jahr kostet dieses Brot und alle anderen Backwaren bereits 20% mehr. Und das bundesweit. Allgemein werden Nahrungsmittel deutlich teurer. Das ist Inflation.

Lena-Luisa Klimawandel und ihr metrosexueller Freund (das ist nicht diskriminierend, siehe LINK) gehen ins Kino in den mehrfach Oskar prämierten Film „ich lasse mich von deiner Mutter scheiden und heirate den Hund“ mit Heiner Lauterbach in der Hauptrolle. Die Karten kosten in allen Kinos 50% mehr als noch vor einem Jahr, obwohl Heiner Lauterbach mitspielt. Das ist Inflation.

Lena-Luisa Müller Klimawandel kauft auch gerne Kleidung. Das macht sie aber bei einem Anbieter, den ich aus juristischen Gründen namentlich nicht nennen will, der aber auch in Bangladesch produzieren lässt. Das ist zwar auch nicht so toll wie Amazon, aber Lena-Luisa mag eben die Farben und den Style. Aufgrund hoher Nachfrage durch die Lena’s und Luisas im Internet steigt eine bestimmte Art von Kleidungsstück um das Doppelte und der Hersteller freut sich, dass er nun einen höheren Preis verlangen kann. Das ist keine Inflation, sondern typisches Geschäftsgebaren wie bei Corona Maskenherstellern und cleveren Mittelsmännern.(die manchmal zufällig auch Politikerkinder sind)

Finanzblogleser eines konservativen Aktienfinanzblogs kommentieren ganz verzückt und fleissig, weil in den letzten Jahren ihre breit diversifizierten Einzelaktien stark gestiegen sind, obwohl die Unternehmen nicht viel profitabler als sonst waren. Man ist auf dem Papier deutlich vermögender geworden und läuft mit stolz geschwelter Brust durch die frisch gekehrte Nachbarschaft. Das ist Asset-Inflation.

Hans Hauskauf ist ganz verwundert, dass seine 120qm Hütte mit Bauschaumwänden und ohne Keller in der Pampa plötzlich fast 500TEUR kostet, inklusive zwei Stellplätze für Clownautos (danke Tim Schäfer) und netter Nachbarschaft auf gleichem sozialen Niveau zum Anstossen mit dem 3,90 EUR Cabernet am verlängerten Wochenende. Auch das ist Asset-Inflation.

Vier nein sogar fünf kleine Beispiele, von denen vor allem das Beispiel mit dem Brotkauf die große Sorge sein sollte. (Ich denke auf den Lauterbach Kinofilm kann man verzichten.) Denn die Asset-Inflation erleben wir massiv seit 2008. Das führte zwar zu einem deutlichen Anstieg von Finanzblogs und Frührentnern(dazu gehöre ich vermutlich auch), aber ist keine allgemeine Bedrohung. Dass Preise für einzelne Güter wegen einem Trend steigen, ist auch nicht weiter schlimm und keine Inflation. Wenn die Deutschen beispielsweise das Rollschuhfahren wieder entdecken und fortan der Sozialneid um die schönsten dieser Dinger auf der nur noch schlecht asphaltierten 80er Jahre Strasse ausbricht, dann in Folge dessen Rollschuhe Kult sind und teurer werden, dann ist das auch eher unproblematisch. Rollschuhe sind nicht lebensnotwendig und hier wird außer dem eh vorhandenen Sozialneid nicht so viel sozialer Sprengstoff entstehen. Zumal die Reifen des Nachbarn zu zerstechen oder ihn wegen der Mülltrennung zu denunzieren noch kein allgemeines gesellschaftliches Problem ist.

Aber nun: Durch die Corona Krise wurde viel Geld in privaten Haushalten gespart und umgerechnet über 12.000 Milliarden Dollar(!!) von den Zentralbanken weltweit in den Markt gepumpt, um die Wirtschaften vor dem Zusammenbruch zu bewahren. Dieser Umfang übersteigt sogar die Eingriffe der Zentralbanken in der letzten Finanzmarktkrise. In Folge dieser letzten Finanzmarktkrise und der Ausweitung der Geldmenge haben wir eine Asset Inflation bekommen, was man eben an den Preisen für Immobilien und Aktien gut sehen konnte. Aber die allgemeine Preissteigerung bei Gütern des täglichen Bedarfs blieb niedrig. Und in der jetzigen Krise sind manche Preise sogar gefallen, also teilweise gab es sogar eine Deflation. Die Ausnahme waren hier auch wieder die Assets. Was passiert aber, wenn die Wirtschaft wieder „aufmacht“ und die Menschen beginnen das Geld auszugeben? Wird es dann zu einer realen Inflation kommen, einer Inflation der „Strassenpreise“, also der Güter des täglichen Bedarfs?

Das wäre denkbar. Denn auf ein viel zu kleines Angebot trifft eine große Geldmenge. Wenn die Wirtschaft wieder „aufmacht“ werden viele reisen wollen, in Restaurants gehen, das Leben feiern. Die Biergärten im Sommer werden voll sein. Aber es wird wohl weniger Restaurants und Biergärten geben, weniger verfügbare Flugzeuge bei den Airlines und so weiter. Das ist im Übrigen auch einer der Gründe, warum man versucht staatlich so viel wie möglich Betriebe am Leben zu erhalten. Es geht nicht nur um Arbeitsplätze. Es geht darum, dass man einen „Schwamm“ braucht, um die Überschussliquidität aufzusaugen, damit diese nicht auf zu wenig Angebot trifft. Von daher wäre es sogar sehr gut, wenn selbst unterfinanzierte, gefährdete Zombiunternehmen erst mal noch erhalten bleiben und wenn es neue kostspielige Trends in Deutschland und anderen Ländern gibt. Ob das Rollschuhe im Luxussegment sind oder im Biergarten Luxusbier mit Vegan-Fleischersatz-Burger ist, all das ist gut und wichtig. Und vielleicht ist für die oder den einen oder anderen jetzt die richtige Zeit solch eine Idee an den Start zu bringen. Wenn dieser Blog dazu inspiriert hat, würden wir uns über eine Rückmeldung sehr freuen.

Nicht immer für das Individuum hilfreich – der Konsumentenpreisindex. Quelle: Wiki.

Inflation und Zentralbanken

Welche Möglichkeiten haben die Zentralbanken bisher gehabt, um die Inflation anzuheizen (damit entschulden sich gerne Staaten) oder zu drosseln, wenn die Preissteigerungen zu extrem wurden? Im Prinzip gab es drei Möglichkeiten, die wir im Kopf behalten müssen, um das Ganze zu verstehen:

  1. Zinserhöhungen und Zinssenkungen. Die Zinsen wurden gesenkt und das Geld billiger, wenn man die Wirtschaft ankurbeln wollte, beispielsweise nach einer Krise. Zinsen wurden erhöht, wenn die Wirtschaft zu überhitzen drohte. Dauernd mehr Geld (ob gedruckt oder im Boom erwirtschaftet), steigende Löhne und steigende Preise sind kein Garant für ein Konsumentenparadies, denn sobald das Geld spürbar entwertet wird, sinkt das Vertrauen. Früher stieg dann oft der Goldpreis, derzeit eher der Bitcoin.
  2. Aufkaufprogramme von Staatsanleihen wie in der Finanzkrise und jetzt auch wieder.
  3. Eine Kombination bisheriger Aufkaufprogramme von Staatsanleihen zusätzlich erweitert um Unternehmensanleihen und selbst Aktien von Unternehmen. Damit geht eine deutliche Ausweitung der Liquidität einher, der Staat wird aber selbst Aktionär von Unternehmen und es kommt zu Interessenkonflikten.

Es wird klar, wenn man Instrument Nr. 1 ausgeschöpft hat – wir haben negative Zinsen – wird es schon schwierig. Mit den Instrumenten 2+3 pumpt man massiv Geld in die Volkswirtschaften und sogar direkt über Rettungsprogramme in die Unternehmen. Das ist, was wir derzeit in noch nie da gewesenen Ausmass erleben.

Probleme daraus:

(1) Das Geld muss irgendwann auch wieder abgezogen werden. (2) Man „rettet“ auch Unternehmen und Staaten, die besser abgewickelt werden müssten, weil sie strukturell zahlungsunfähig sind. Thema: Insolvenzverschleppung und Schaden durch späteren Vertrauensverlust. (3) Massive Inflationsgefahren entstehen.

Bisher haben wir gesehen, dass die Inflation nur bei den Vermögenspreisen zu finden war. Ob man allerdings noch Vertrauen in Aktien hätte wenn der DAX innerhalb eines Jahres auf 50.000 Punkte steigen würde und die Schrottimmobilie von Hans-Wurst in der Pampa plötzlich eine Million Euro wert ist, wage ich zu bezweifeln. Gut erkennbar sind diese Zweifel am Wert eines Assets derzeit am Bitcoin. Das ist nur die Vorstufe, aber man merkt wie die Zweifel aufkommen, ob der Preis gerechtfertigt ist. Genau das würde auch bei allen anderen Assets passieren, wenn der Preis zu schnell und zu stark ansteigt. Selbst wenn es also bei einer Asset Inflation bleibt, so hat auch diese eine Grenze, ab der es dann problematisch wird und zunehmend unkontrollierbar. Wir bewegen uns auf unkartierten Gebiet.

Inflation, Überschussliquidität und Greensill

Wenn die Wirtschaft nun aber wieder öffnet und das viele gesparte Geld auf zu wenige Güter und Dienstleistungen trifft, dann werden auch die Strassenpreise steigen. Und aus diesem Grund bin ich mal so unverschämt und wiederhole meine Aussage, die ich oben schon getroffen habe: Selbst wenn wir in vielen Fällen das Thema Insolvenzverschleppung vorliegen haben, durch all die „geretteten“ Unternehmen, die eigentlich schon vor Corona am Ende waren, so hat das einen gewissen „Schwammeffekt“. Auch die Greensill Bank ist so ein Schwamm. Lieber versenkte Milliarden von wirtschaftlich ungebildeten Zinsjägern (ja, ich teile die Auffassung des Wesirs an der Stelle) die wegen 50 Euro mehr Zinsen im Jahr mal 10K versenken, als dass diese Liquidität auf die Strasse fliesst und dort die Preise treibt und sich die alleinerziehende Mutter das Essen nicht mehr leisten kann. Natürlich ist hier auch abzuwägen, denn viele Fälle dieser Art führen auch zu Vertrauensverlusten, keine Frage.

Schon die Investmentbank Goldman Sachs sagte in der damaligen Finanzkrise, dass das Investmentbanking Produkte entwickelt, die die Überschussliquidität aufsaugen und binden. (man könnte auch sagen: vernichten) Das ist natürlich unglaublich zynisch, aber man muss bei diesem Spass ja nicht mitmachen. Manche tun es trotzdem. Nicht im Investmentbanking, sondern 2021 bei der Greensill Bank.

Zitat aus dem Finanzwesir Artikel: „Das Geschäftsmodell von Weltsparen funktioniert nur, weil es in Deutschland viele zinssuchende Sicherheitsfreaks mit einem geringen Verständnis für Geschäftsmodelle gibt. Menschen, die sich nie fragen: Warum macht man gerade mir dieses tolle Zinsangebot? Warum ist eine Bank denn bereit, Geld von dödeligen deutschen Dumpfbratzen zu nehmen?

  • Es ist keine strategische Entscheidung. Das bedeutet, die Bank steht mit dem Rücken zur Wand. Niemand sonst gibt ihr Geld.
  • Es ist eine strategische Entscheidung. Die Bank will keinen Anker-Investor, der zwar Geld und Kontakte bringt, aber auch Mitspracherechte fordert, denn die Geschäftsleitung will weiter Sonnenkönig spielen.“

Zitat Ende. Recht hat der Wesir. Er erinnert zunehmen an Arthur Schopenhauer, der bekannte: „Ich lege für den Fall meines Todes das Bekenntnis ab, dass ich die deutsche Nation wegen ihrer überschwänglichen Dummheit verachte und mich schäme, ihr anzugehören.“ Für das Thema Finanzen trifft das wohl auf die 80% der Bevölkerung zu, die keine Finanzblogs liest und sich nicht weiterbilden will.

In Deutschland könnte auch eine Döner-mit-Sauce-Kette mit einem 2% Strassenstopper Millionen einsammeln, wenn die BaFin es nicht verbieten würde. (Das können sie, bei anderen Sachen tun sie sich schwer) Das liegt schlicht weg daran, dass es massiv an Finanzbildung mangelt. Und manchmal auch am Prozentrechnen und Abwägen von Sinnhaftigkeiten, daher klappt das auch mit dem abgelaufenen 30% Sonderpreis Joghurt im Supermarkt, der von einer 100TEUR-SUV fahrenden Dame gekauft wird.

Hohe Zinsen?


Zinsen für Bankguthaben – eine ganze Generation musste durch Wikipedia lernen was das ist. Nun könnten sie wieder kommen. Und mit ihnen die Zinsjäger, die im Herbst ihres Lebens nochmal alles auf eine Karte setzen um ganz groß rauszukommen. Sie werden um die verbleibenden Bankfilialen kämpfen. Was der Zinsjäger ergoogelt habe ich mich bei der Forschung für diesen Artikel gefragt – den Gedanken dann aber wieder verworfen.

Wilde Spasskass-Party’s mit Bausparkassen Vertreter und Billigsekt wären theoretisch wieder denkbar – sogar fachlicher Nachwuchs in Handaufzucht 9 Monate später ist drin. Das ist effizienter als Autoverkäufer und Lehrer umzuschulen. Den Kunden, die bei der Greensill Bank ihr erspartes Geld nun in den Sand gesetzt haben, würde man hier im wahrsten Sinne des Wortes den roten Teppich ausrollen. Rot – die Farbe der Liebe.


Inflation und Geld anlegen

Was bedeutet das aber für uns als Anleger? Wie legt man sein Geld in einer Inflation an? Und ist das eine sichere „Einbahnstrasse“?

Bisher haben die meisten Leser das Geld angelegt, wie man es tun sollte. Über Welt-ETFs im Depot, Cash für die eigene Liquidität und etwas Risikokapital nach eigenen Geschmack oder beim FX Trading. Von den Lesern dieses Blogs wüsste ich persönlich von niemandem, der in Anleihen investiert ist. Was auch noch oft vorkommt, sind die eigene Immobilie oder auch fremde Immobilien.

Wenn wir nun weiter eine Asset Inflation wie bisher erleben, dann werden die Anlagen im Wert weiter steigen. Auch wenn es auf der „Strasse“ eine Inflation gibt. Diese würde zu steigenden Unternehmensgewinnen führen. Aktien werden (auch) nach zukünftigen Cashflow bewertet. Erwartet man hier, dass dieser Cashflow durch steigende Produktpreise des Unternehmens wächst, werden die Aktienkurse noch mehr steigen. Bei Immobilien sind die Mietverträge oft (bei Gewerbe fast immer) an eine Referenzinflationsrate gekoppelt. Steigende Inflation führt zu einem Anstieg der Mieten und das wiederum zu einem Anstieg des Objektpreises, da meist das Ertragswertverfahren benutzt wird, um den Immobilienpreis zu bewerten.

Gibt es also ein Problem?

Ja!

Das Problem ist, dass die Wirtschaft überhitzen kann. Den Zentralbanken wird dann nichts anderes übrig bleiben als die Zinsen zu erhöhen, wie es sich in den USA bereits zuträgt. Denn man muss die schnellen Preisanstiege eindämmen, bevor ein Flächenbrand entsteht und das Vertrauen in das Geld verloren geht.

Inzwischen halte ich einen Zinsanstieg einige Monate nach der Öffnung der Wirtschaft für möglich. Die maroden EU Staaten werden durch die EZB direkt weiter finanziert und werden anders als früher nicht unter steigenden Zinsen zusammenbrechen. Was würde passieren, wenn es im Euro Raum plötzlich wieder Zinsen gäbe? Durchdenken wir das kurz:

  1. Die ganzen Zinsjäger und Lederjacken feiern Sparbuch Partys mit billigen Sekt und laden den lokalen Vertreter der Baussparkasse, die Spasskass-Filialkommandantöse und den Vertriebsbeauftragten der angeschlossenen Drückerversicherung dazu ein. Das ist soweit gut und ich würde mich anonym unter die Leute mischen und ein paar Bilder für euch machen, die sicher legendär würden.
  2. Nicht so lustig ist, dass Aktien dann mit steigenden Zinsen fallen würden. Sie werden als Asset uninteressanter, vor allem würde man aber bei steigenden Zinsen (Kosten für das Geld) weniger Unternehmensgewinne erwarten, weil eben die ganze Refinanzierung teurer wird. Für Aktien also eher schlecht. Hier müsste man sich auf Kernwerte konzentrieren wie beispielsweise den bösen Nestlekonzern oder Amazon, beides mag Luisa nicht, muss aber dann sein. (Anmerkung: Hier geht es nicht um langfristiges MSCI-sparen)
  3. Anleihen brechen in den Kursen ein, alles was zu 0,xx % zuletzt hochvolumig emittiert wurde. Der Anleihemarkt in den USA ist jetzt schon spannend zu beobachten.
  4. Die deutsche Immobilienblase implodiert mit steigenden Zinsen, Immobilienkredite werden deutlich teurer – inklusive Folgefinanzierungen. Spannend, bei den ganzen auf den Cent genau geplanten Finanzierungen mit 10 Jahre Zinsbindung, die in den letzten Jahren so alle abgeschlossen wurden, damit Kevin Klug und Cindy Snikers-Klug in der eigenen Schuldenbude sitzen können.
  5. Kredite werden allgemein teurer und die Vergabe restriktiver. Die Party wird vorbei sein.
  6. Die Arbeitslosenzahlen steigen wieder, was zu weiteren Kreditausfällen der ganzen Billigkredite der letzten Jahren führt und zu Zwangsversteigerungen bei den Immobilien.
  7. Es gibt einen globalen Zinserhöhungswettlauf. Jeder will die attraktivste Währung haben. Das führt zu viel Volatilität, was gut ist. Aber der Euro-Raum kann sich weniger politische Fehlentscheidungen leisten, ohne dass es zu massiven Mittelabflüssen kommt.

Im worst-case Fall erleben wir eine Stagflation: Hohe Inflation, hohe Zinsen, Rezession und schrumpfen der Wirtschaft mit hohen Arbeitslosenzahlen. Es wird aber die längst überfällige Korrektur sein, nach dem längsten Boom in der Geschichte.

Die Gefahr, dass es so kommt wie beschrieben ist natürlich höher als noch vor der Corona Krise. Aber gleichzeitig schreibe ich das nicht im Sinne eines Crash-Propheten. Man muss nur im Sinne haben – und das habe ich schon oft geschrieben – dass die Phase des billigen Geld mit 100%iger Wahrscheinlichkeit irgendwann vorbei ist. Das liegt in der Natur des Systems. Denkbar wäre auch, dass wir mit der Öffnung der Wirtschaft eher eine langsame Normalisierung erleben. Wenn man Politiker so hört, ist das sogar so gewollt – aus ganz anderen Gründen. Dann können dynamische Effekte vermieden werden und es wäre möglich, dass es einen weiteren mehrjährigen Boom gibt. Wenn das so kommt, ist das definitiv die Gelegenheit mit Bedacht weiter Vermögen aufzubauen und vielleicht auch ein neues Business zu starten, auszuwandern und ähnliche Pläne zu verwirklichen. Das sollte man dann nicht mehr auf die lange Bank schieben.

»Es gibt keinen Weg, den finalen Kollaps eines Booms durch Kreditexpansion zu vermeiden. Die Frage ist nur ob die Krise früher durch freiwillige Aufgabe der Kreditexpansion kommen soll, oder später zusammen mit einer finalen und totalen Katastrophe des Währungssystems kommen soll!«

Ludwig van Mises

Blackwater

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