„Dem Geld darf man nicht nachlaufen, man muss ihm entgegenkommen.“

Aristoteles Onassis

Jeder „trackt“ seine Finanzen anders. Manche benutzen eine App, andere Excel und wieder andere schauen einfach in ihr Bankkonto rein. Vermutlich zählen nur noch wenige ihre Münzen und Geldscheine wie Dagobert Duck. Wir haben auch eine relativ genaue Vorstellung davon, was dieses Geld wert ist. Was aber ist der Wert der Zeit? Gilt wirklich Zeit ist Geld, wie es Benjamin Franklin einst formulierte?

Dinge vs. Erfahrungen

Der Psychologe Thomas Gilovich und seine Kollegen von der Cornell Universität in Ithaca fragten ihre Probanden, was sie sich in der vergangenen Zeit gegönnt hatten und welche Gefühle sie mit ihren Einkäufen verbinden. Dabei konnten sie sowohl Gegenstände als auch Erlebnisse nennen. Die Ergebnisse zeigten, dass Erfahrungen wie Tanzkurse, Reisen oder Konzerte die Probanden im Durchschnitt glücklicher machten als materielle Käufe, berichten die Wissenschaftler im Journal of Personality and Social Psychologie. Von materiellen Dingen wie Immobilien, Autos und Whirlpool sollten wir uns keine anhaltenden Glückszustände versprechen, denn der zügig einsetzende Gewöhnungseffekt lässt jede Steigerung unseres Lebensstandards schnell zur Normalität werden. Anders umschrieben wurde das manchmal auf „Lifestyleinflation“ genannt.

Es sind Erfahrungen, die Menschen glücklich machen. Zu den beliebtesten Aktivitäten im westlichen Kulturkreis gehören Zusammensein mit Freunden, gemeinsames Essen und Entspannung. In der muslimischen Welt sind es auch die Momente des Gebets, wenn man seinem Schöpfer nahe kommt. Neutral formuliert: „Spiritualität“.

Nichts von diesen Dingen braucht viel Geld. Vieles sogar gar kein Geld. Aber es braucht (Lebens)Zeit.

Ma·te·ri·a·lis·mus

Bedeutungen:[1] Philosophie: Lehre, die alles Sein auf Materie zurückführt[2] meist abwertend oder veraltend: Streben nach primär materiellen Gütern

Quelle: Wiktionary

Warum halten viele Menschen dann weiter an der Vorstellung fest, mehr Geld sei der Schlüssel zum Lebensglück?

Geld lässt sich sozusagen „festhalten“, genau wie die Dinge, die wir davon kaufen können. Es ist interessant, sich mal das Wort „Materialismus“ anzuschauen. Und zwar die Bedeutung Nummer 2, die der jüngeren Generation gar nicht mehr so vertraut sein dürfte, da die philosophische Bedeutung heute mehr Raum gewonnen hat. Materialismus als Lebenseinstellung ist das Streben nach materiellen Gütern. Und diese Denkweise ist heute extrem weit verbreitet, weil materieller Besitzt heute als erstrebenswert gilt. Man kann Dinge festhalten, die Zeit hingegen rinnt uns durch die Finger, ohne dass wir sie zu „packen“ kriegen. Es bleiben ja „nur“ schöne Erinnerungen. Und nun der klassisch deutsche Satz: „davon kann man sich ja nichts kaufen…

Das Ende

Eine nachdenkliche Person kneelt an einem Grabstein auf einem Friedhof und berührt die Oberfläche mit einer Hand.
Es kommt für jeden Mensch ein Punkt im Leben, wo jeglicher Stolz und jede Überheblichkeit enden wird. Bis dahin gilt es die Zeit weise zu nutzen.

Es gibt noch einen weiteren Grund, warum wir der Zeit eher wenig Bedeutung beimessen. Weil wir glauben oder vielmehr hoffen, noch genug Zeit vor uns zu haben. Dass genau das ein gewaltiger Trugschluss ist, merken Menschen oft erst dann, wenn Angehörige versterben oder wenn man eine schwere Krankheit diagnostiziert bekommt. Ganz plötzlich wollen dann alle bewusst leben, mehr Zeit mit Familie und Freunden verbringen und nicht wenige fangen an nach dem zu suchen und zu rufen, was sie als Gott „kennen“ (Jesus, Buddha, Brahman, Vishnu).

Über die tiefere Bedeutung von Zeit hatte ich bereits hier einmal geschrieben: ZEIT. Ein Artikel für Menschen die denken.

Wir wissen, dass unsere Lebenszeit zwar grundsätzlich limitiert ist, aber halten sie gerade in jungen Jahren nicht für ein knappes Gut. Wenn man 25 Jahre alt ist und somit sagen wir noch 55 Jahre Lebenszeit vor sich hat, dann sind das immerhin 19.800 Tage Lebenszeit. Unfassbar viel Zeit oder etwa nicht?

Wieviel Zeit Bleibt Mir?

Das Problem ist: ich weiß nicht, ob dieser „Zeitkontostand“ wirklich stimmt. Vielleicht liegen ja noch viel mehr Tage und Stunden vor mir? Vielleicht aber auch viel weniger. Vielleicht werde ich krank. Bei vielen Krebsarten hat man nur eine Lebenserwartung von wenigen Monaten, manchmal sogar nur Wochen. Und die verbleibende Zeit ist auch nicht wirklich angenehm. Oder wir werden wirklich älter als 80 Jahre. Aber unsere Freunde und Familienangehörigen werden alle vor uns sterben. Wir werden also immer einsamer im Laufe der Zeit werden. Irgendwann sind wir der „Opa“ oder die „Oma“, die wir heute in der Ortsmitte mit Krückstock laufen sehen. Darauf können wir uns mit Sicherheit einstellen, wenn wir alt werden.

Der Wert der Zeit

Welchen Wert hat also die Zeit, wenn wir nicht wissen, wie viel uns davon noch zur Verfügung steht? Wir nicht wissen, ob sie uns davon läuft oder im Überfluss vorhanden ist? Im Zweifel tauschen wir also lieber ein Gut, dessen Wert wir nicht kalkulieren können (Zeit) gegen ein anderes Gut, dessen Wert wir relativ präzise bestimmen können (Geld). Man kann es ganz trocken und nüchtern sehen, wie es so manche „aufgeklärte“ Menschen tun, vor allem mit Ingenieurshintergrund: 😉

„1.413 Euro Einkommen geteilt durch 190 Stunden zeitlichen Aufwand ergeben einen Netto-Stundenlohn von 7,44 Euro. Das bedeutet: Jeder 50-Euro-Schein hat im Durchschnitt einen Wert von knapp sieben Stunden Lebenszeit. Setzen Sie Ihre Zahlen ein. Ich würde mich sehr wundern, wenn Sie auf mehr als 20 Euro netto kommen.“ (Quelle: Der Finanzwesir über den Stundenlohn)

Auch Ökonomen haben eine interessante Sichtweise auf den Wert von Zeit. Denn Ökonomen messen den (subjektiven) Wert eines Gutes daran, was man von etwas anderem aufzugeben bereit wäre, um das Gut zu erlangen. der Wert eines Apfels beträgt zwei Birnen, wenn man bereit ist, zwei Birnen gegen einen Apfel einzutauschen. Aber wenn man analog den Wert der Zeit bestimmen will, stößt man auf konzeptionelle Schwierigkeiten. Ein Wirtschaftswissenschaftler der Leibniz Universität Hannover erläutert, dass es dennoch mindestens zwei Lesarten vom Wert der Zeit gibt, sofern man diese Schwierigkeiten ausblendet. Und so gibt es zwei Interpretationen, die dieses Problem zumindest etwas auflösen können. (Quelle: Universität Hannover)

Der Wert der Zeit als »Opportunitätskosten«

Eine erste Interpretation wäre: »Ich bin bereit, eine Stunde auf eine bestimmte Art zu verwenden, wenn ich hierfür einen Apfel bekomme«. Der Wert der Zeit bemisst sich also an den Opportunitätskosten ihrer Verwendung, am Wohlbefindensunterschied zwischen einer bestimmten Zeitverwendung und einer anderen, nicht genau benannten, aber bevorzugten.

Der Wert der Zeit als »Zeitpräferenz«

Eine zweite Interpretation des Satzes »Eine Stunde ist mir einen Apfel wert« lautet: »Auf/für einen Apfel würde ich eine Stunde lang warten«. Der Apfel stellt die so genannte Zeitpräferenz dar: Man ist bereit, einen Genuss um eine Stunde aufzuschieben, wenn man hierfür einen Apfel erhält. Allgemein erfasst die Zeitpräferenzrate den (relativen) Wertunterschied, den wir zwischen an sich gleichen Sachverhalten (x) nur deshalb empfinden, weil sie zu verschiedenen Zeitpunkten auftreten: Die Zeitpräferenzrate hängt naturgemäß davon ab, was x bezeichnet, wann »t« ist und wie groß der Abstand zu »t+1« ist. Eine allgemeine Beobachtung über menschliches Verhalten ist aber, dass die Zeitpräferenzrate stets positiv ist. Uns scheint eine Präferenz von sofortigem oder baldigem Glück über verzögertes, ferneres Glück eingebaut.

Mathematische Formel zur Darstellung von Nutzen und Zeitpräferenz.

Quelle: Universität Hannover

Aber wie der Organisationsforscher und Psychologe Sanford E. DeVoe von der US-amerikanischen Anderson School of Management in einem Übersichtsartikel schreibt: Wer bei dem Thema „wie verbringe ich meine Zeit“ nur überlegt, ob diese Art Zeit zu verbringen auch einen finanziellen Nutzen hat, schmälert den Genuss an den eigenen Aktivitäten.

Zeit ist Geld bedeutet Zeit gegen Geld?

Geprägt von der protestantischen Arbeitsethik gerät man schnell in dieses gedankliche Fahrwasser, da die Erwerbsarbeit unser Leben bestimmt. Und für die Allermeisten bedeutet dies den Tausch von Zeit gegen Geld. Nichtstun ist nicht umsonst, sondern verursacht Opportunitätskosten. Denn die freie Zeit ließe sich ja auch anders, produktiver nutzen. Zum Geld verdienen beispielsweise. 😉 Aber das ist natürlich eine rein materielle Sichtweise. Wenn nur ein Funken Wahrheit an dem Thema Monotheismus dran ist, dann kostet „Nichtstun“ genauso wie „nur arbeiten“ unermesslich viel mehr. Aber das ist ein anderes Thema. Heute bleiben wir bei den Finanzen.

Zeit und Geld Entkoppeln

Es gibt Wege, um dem Zeit-gegen-Geld-Tauschsystem zu entkommen:

Du wirst Unternehmer oder Investor

Entscheidend ist, ein skalierbares System zu erschaffen. Was bedeutet Skalierbarkeit? Wikipedia erklärt das im Zusammenhang mit der Ökonomie ganz gut: In der Betriebswirtschaftslehre dient der Begriff ganz allgemein zur Bezeichnung der Expansionsfähigkeit eines Geschäftsmodells durch Kapazitätsausweitung zur Erreichung höherer Effizienz und Profitabilität. Interessant für Investoren ist insbesondere die Skalierbarkeit von Geschäftsmodellen ohne (hohe) zusätzliche Investitionen und Fixkosten. Dies ist insbesondere in der Internet-Ökonomie möglich. Von Skalierbarkeit spricht man auch in Bezug auf Kapitalmärkte, sofern die Effizienz bei steigendem Handelsvolumen ebenfalls steigt.

Wie Wikipedia sagt, geht das beim Kapitalmarkt auch. Solange die Effizienz erhalten bleibt, braucht man also nur mehr „Volumen“, sprich Kapital.

Wie soll das gehen?

Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, man muss nur (1) nachdenken und (2) es einfach machen.

Mehr verrate ich an dieser Stelle nicht, denn dafür haben wir unsere Community. Wenn Du Lust hast Dich über diese und viele andere Themen in einer netten kulturell offenen Runde auszutauschen (ohne den ganzen woken Zeitgeist versteht sich), dann bist Du bei uns willkommen.

Eines ist sicher: Deine Zeit ist begrenzt. Der Tod ist sicher, das Leben nicht. Daher lautet die Empfehlung etwas zu riskieren, Zeit in das Lernen zu investieren und das Leben in allen Facetten zu sehen und zu leben. Und das sind mehr, als man das im Mainstream denkt und anderen „vermitteln“ will. 😉

„Wir leben in einer Zeit vollkommener Mittel und verworrener Ziele.“

Albert Einstein