بِسْمِ اللهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيْمِ

In the name of God, the Most Gracious, the Most Merciful.

Der Qurʾān

Wenn wir uns dem Qurʾān nähern, bringen viele von uns ihre Erwartungen und (Vor)Annahmen mit. Das ist zwar ganz natürlich, aber wenn wir nicht verstehen, dass wir das tun, kann das dazu führen, dass wir unbewusst unsere Vorannahmen auf den göttlichen Text projizieren, was uns wahrscheinlich daran hindert, den Qurʾān in seiner eigentlichen Aussage und Bedeutung zu verstehen. Insbesondere bei der Lektüre einer Übersetzung, die zwangsläufig eine Interpretation ist, kann der heutige (westliche) Leser möglicherweise nicht verstehen, warum Allah die Zerstörung früherer Völker oder das Höllenfeuers erwähnt und er könnte sich unsicher fühlen, wie er angesichts dieser Verse eine Verbindung zur Barmherzigkeit Gottes herstellen soll. Daher distanzieren sich manche Menschen vom Qurʾān, was sehr schade und letztendlich traurig (auch für diese Menschen) ist.


Aber der Prophet ﷺ sagte: „Das Volk des Qurʾān ist das Volk Allahs und Seine Auserwählten“.

Das sollte uns dazu bringen, dass wir wissen wollen, was der Qurʾān wirklich aussagt. Schon Ibn al-Qayyim beklagt den Zustand derer, die sich vom Qurʾān abwenden und damit das versäumen, was dem Herzen Leben und den Augen Licht gibt. Der Qurʾān ist von Gott zu seiner Schöpfung gesandt worden. Er hat einen Zweck. Dennoch ist unsere Erfahrung mit dem Qurʾān direkt damit verbunden, wie wir Allah sehen, da unser „Gottesbild“ unsere Beziehung zu ihm, zu uns selbst und zur Welt beeinflusst.

Wenn wir ein negatives Bild von Allah haben, sehen wir den Qurʾān vielleicht einfach als ein strenges Buch mit Geboten und Verboten an. Wenn wir dagegen Allah zu Recht als barmherzig, gerecht, majestätisch und fürsorglich ansehen – so wie er sich selbst beschreibt -, können wir die Verse des Qurʾān in einem völlig anderen Licht lesen. Wir finden Liebe und Zuneigung, Kraft, Barmherzigkeit und Weisheit, wo wir sie vorher vielleicht nicht hatten.

Bedenke einmal Folgendes und versetze dich in diese gedankliche Situation: Wenn du in Schwierigkeiten wärst oder dich verlaufen hättest und nicht wüsstest, wie du den Weg finden sollst und du würdest eine Nachricht von jemandem erhalten, von dem du zweifellos weißt, dass er sich um dich sorgt, unglaublich klug und weise ist und sich deiner Situation bewusst ist, würdest du seinen Brief aufmerksam lesen. Du würdest wahrscheinlich nicht wollen, dass diese Person die Probleme, die du hast, beschönigt. Du brauchst klare Worte um direkt Hilfe zu bekommen, damit du aus deiner misslichen Lage herauskommst. Selbst wenn es Punkte gibt, die du nicht ganz verstehst, würdest du versuchen die Bedeutung herauszufinden anstatt sie abzutun, denn du weisst, dass der Inhalt des Briefes nur zu deinem Vorteil ist und du Hilfe brauchst.

Du würdest diesen Brief ganz anders lesen als eine Person, die den Verfasser des Briefes nicht kennt („Warum sollte ich diesem Brief vertrauen?“), die nicht erkennt, dass sie Hilfe braucht oder zu stolz ist, es zuzugeben („Ich weiß es besser“), oder die nicht weiß, warum der Brief überhaupt abgeschickt wurde („Warum redet diese Person so?“). Diese andere Person die den Verfasser des Briefes nicht kennt wird die Hilfe ablehnen und immer Gründe dafür finden die Ablehnung zu rechtfertigen.

Allah steht weit über jeder Analogie, aber das ist ähnlich wie bei unserer Beziehung zum Qurʾān. Wenn wir wissen, wer Allah ist, und den Zweck seines Buches kennen, können wir darin Trost und Hilfe in diesem und im nächsten Leben finden. Wenn wir das nicht tun, sind wir vielleicht völlig ungerührt und sogar nachtragend. Wie Ibn al-Qayyim bemerkt, hat Allah uns zwei Möglichkeiten gegeben, Ihn zu erkennen: durch Seine Zeichen in der äußeren Welt (d. h. die Erschaffung der Himmel und der Erde) und zweitens durch das Nachdenken über Seine Verse im Qurʾān und die Betrachtung derselben. Wenn wir Seine Namen kennen und wissen, wer Er ist, wird dies zur Brille, durch die wir Seine Zeichen im Universum und Seine Zeichen in Seinem Buch interpretieren.

Daher ist eines der ersten Dinge, die wir tun sollten – und dies ist für jeden zugänglich -, zu lernen, wer Allah in Bezug auf den Qurʾān ist. Wenn wir das getan haben, wird es viel einfacher, den Qurʾān zu lieben und seine Botschaften tief zu verstehen. In der Tat ist einer der Schlüssel zu „tadabbur“ – tiefem Nachdenken – die Annäherung an den Qurʾān mit der richtigen Denkweise. Wenn wir davon ausgehen, dass der Qurʾān von demjenigen stammt, der das Beste für uns will, der uns leiten will und der am kenntnisreichsten ist, werden wir eher aktiv danach suchen, wie wir von jedem Vers profitieren können. In diesem Artikel schauen wir uns InsahAllah an, wie wir uns dem Qurʾān durch Allahs Namen nähern und wie sich dies auf die Art und Weise auswirkt, wie wir seine Botschaft lesen und empfinden. Da Allah selbst bestimmte Namen hervorhebt, wenn er über die Offenbarung seines Buches spricht, kontextualisiert das Papier die Botschaften des Qurʾān durch die Namen, die Allah erwähnt, um dem Leser zu helfen, sich durch den Qurʾān mit ihm zu verbinden.

Ein aufgeschlagenes Buch mit arabischer Schrift, das auf einem Tisch in einem hellen Raum liegt.
Kein „Buch“ dieser Welt ist wie der Qurʾān. Aber wie kann man ihn verstehen?

Den Qurʾān verstehen, indem man Allah kennen lernt

Es mag zunächst komisch sein, denn die meisten Menschen denken, man lernt Allah doch über den Qurʾān kennen. Aber um den Qurʾān zu verstehen, müssen wir uns zunächst mit demjenigen verbinden, der ihn gesandt hat. Wie schon Jeffrey Lang sagte:

Die „schönsten Namen“ Gottes im Qurʾān deuten auf eine intensives Interesse und Einbindung am menschlichen Vorhaben hin. Diese Namen wie der Barmherzige, der Mitfühlende, der Vergebende, der Gebende, der Liebende, der Schöpfer usw. offenbaren einen Gott, der Männer und Frauen erschafft, um mit ihnen auf einer sehr persönlichen Ebene in Beziehung zu treten, auf einer Ebene, die höher ist als die der anderen Geschöpfe, die die Menschheit kennt, und zwar nicht aus einem psychologischen oder emotionalen Bedürfnis heraus, sondern weil dies das eigentliche Wesen Seines Wesens ist. Daher ist die Beziehung zwischen dem aufrichtigen Gläubigen und Gott durchweg als ein Band der Liebe gekennzeichnet. Gott liebt die Wohltäter (2:195; 3:134, 3:148, 5:13, 5:93), die Reumütigen (2:222), die sich selbst läutern (2:222; 9:108), die Gottbewussten (3:76; 9:4; 9:7), die Geduldigen (3:146), die, die auf ihn vertrauen (3:159), die Gerechten (5:42; 49:9; 60:8) und die, die für seine Sache kämpfen (61:4). Und diese wiederum lieben Gott.

Im gesamten Qurʾān erinnert uns Allah daran, dass die Offenbarung eine „Herabsendung“ – „tanzīl“ – von Ihm ist, wobei Er bestimmte Namen und Eigenschaften verwendet, um zu betonen, wer Er ist. Die Verwendung des Wortes tanzīl ist wichtig, da es den Leser daran erinnert, dass der Qurʾān von oben kommt, vom Allerhöchsten selbst, überbracht von Jibrīl an den Propheten Muhammad (ﷺ). Es gibt weder einen irdischen Einfluss noch einen Mangel; er ist von göttlicher Vollkommenheit. Allah sagt uns, dass der Qurʾān „tanzīl“ von dem Allbarmherzigen, dem besonders Barmherzigen, dem Allmächtigen, dem Allwissenden, dem Allweisen, dem Preiswürdigen und dem Herrn der Welten ist. Es ist etwa so, als würde man sagen: „Dieser Brief ist von deinem liebenden Vater“ oder „Dieser Reiseführer ist von einem erfahrenen Forscher“. Die einfache Hinzufügung der Attribute des Verfassers verändert die Art und Weise, wie wir die Botschaft aufnehmen, völlig.

In ähnlicher Weise wird der Qurʾān durch die Verbindung mit unserem Herrn, Schöpfer und Erhalter persönlich und die gewählten Namen beruhigen uns. Wenn uns jemand eine Medizin gibt, sind wir vielleicht misstrauisch bis wir erfahren, dass die Medizin von einem fachlich versierten und gutem Arzt stammt. Wäre dieser brillante Arzt auch dein liebevoller Vater, wärst du noch beruhigter und hättest mehr Vertrauen in die Medizin, die du bekommst. Fakhr al-Dīn al-Rāzī sagt, „die Menschen auf dieser Welt sind wie Kranke, chronisch Kranke und Bedürftige.“ Der Qurʾān enthält alle Medizin, die kranke Menschen brauchen, und alle Nahrung, die gesunde Menschen brauchen. Der größte Segen Gottes, des Allmächtigen, für die Menschen dieser Welt war die Offenbarung des Qurʾān an sie.

Eine Person in traditioneller Kleidung geht durch einen weitläufigen, eleganten Innenhof mit kunstvollen weißen Gebäuden und Bögen im Hintergrund.
Wer ist Allah? Um das herauszufinden müssen wir eine „Verbindung“ zu ihm aufbauen und ihn besser kennen lernen.

Wer ist Allah?

Barmherzigkeit


Bevor Allah uns die Botschaft des Qurʾān verkündet – den Sinn des Lebens, wie wir unser Leben leben sollen, das Wesen von Himmel und Hölle -, sagt er uns, wer er ist. Bevor wir mit der Lektüre des Buches beginnen, werden wir über einige wesentliche Fakten darüber informiert, wer uns das Buch gesandt hat. Diese kurze, aber tiefgründige Einführung gibt den Ton für das ganze Buch vor.

„Im Namen Allahs, des Allbarmherzigen, des Gnädigen. Der Lobpreis gebührt Allah, dem Herrn der Welten. Der Allbarmherzige, der Gnädige. Herrscher über den Tag des Gerichts.“ Qur’an, Sūrat al-Fātiḥah

Der erste Eindruck ist in der Regel der wichtigste, und Allah hätte jeden seiner vielen Namen wählen können, um sich uns vorzustellen: diejenigen, die mit seiner Allmacht und Majestät zu tun haben, oder seine Schöpfung der Himmel und der Erde. Doch in den ersten drei Versen des Qurʾān erwähnt Er diese Namen zweimal:

Al-Raḥmān al-Raḥīm – der ganz Barmherzige, der Gnädige (oder anders übersetzt: „der besonders Barmherzige“)

Sūrat al-Fātiḥah beginnt mit der Erklärung: „Im Namen Allahs“. Man könnte fragen: „Nun, wer ist Allah?“ Die folgenden Verse geben darauf eine Antwort. Er ist al-Raḥmān al-Raḥīm. Nicht nur das Eröffnungskapitel beginnt mit diesen Namen, wir beginnen jede Rezitation des Buches mit diesen Namen im Besonderen und nicht mit irgendwelchen anderen.

Die Wurzel von al-Raḥmān und al-Raḥīm ist „raḥmah“, was mit Barmherzigkeit, Mitgefühl und Freundlichkeit übersetzt wird. Wenn wir wissen wollen, wie Barmherzigkeit in Aktion aussieht, zeigte der Prophet ﷺ dies den Gefährten anhand einer Szene, die sich vor ihnen abspielte. Nach einer der Schlachten – es waren Frauen und Kinder zurückgeblieben – begann eine Frau, ihr Kind zu stillen. Der Prophet ﷺ wies die Gefährten darauf hin und fragte: „Meint ihr, diese Frau würde ihr Kind ins Feuer werfen?“ Die Gefährten verneinten dies. Er sagte: „Allah ist barmherziger zu seinen Dienern als diese Mutter zu ihrem Kind.“ (Ṣaḥīḥ al-Bukhārī, no. 5999; Ṣaḥīḥ Muslim, no. 2754.)

In Kombination sagen uns diese beiden Namen, dass Allah stets der am meisten barmherzigste und gnädigste ist. Al-Raḥmān – in dieser morphologischen Form – sagt uns, dass Seine Barmherzigkeit überfließend, grenzenlos und unvergleichlich ist. Al-Ghazālī stellt fest, dass Seine Barmherzigkeit „allumfassend ist, indem sie den Würdigen und den Unwürdigen, dieses Leben und das Kommende einschließt und das Wesentliche, die Bedürfnisse und die Vorteile umfasst, die darüber hinausgehen“. (Abū Ḥāmid Al-Ghazālī, The Ninety-Nine Beautiful Names of God: Al-Maqṣad Al-Asnā Fī Sharḥ Asmā’ Allāh Al-Ḥusnā, trans. David Burrell and Nazih Daher, The Ghazali Series (Cambridge: The Islamic Texts Society, 1992), 52.) In praktischer Hinsicht erinnert uns dies daran, dass die Güte Allahs unendlich viel größer ist als die Güte, die wir von irgendeinem menschlichen Wesen erfahren haben. Dies wird auch durch den Ausspruch des Propheten ﷺ unterstrichen: „Allah hat die Barmherzigkeit in hundert Teile geteilt. Neunundneunzig Teile behielt Er bei sich und sandte einen Teil auf die Erde herab. Von diesem einen Teil ist die Schöpfung barmherzig zueinander, so dass ein Pferd seinen Huf über sein Kind erhebt aus Angst, es zu zertreten.“ ( Ṣaḥīḥ al-Bukhārī, no. 6000; Ṣaḥīḥ Muslim, no. 2752.) Ibn al-Qayyim sagt schön, dass Allah al-Raḥmān ist, was bedeutet, dass Er Seine Diener nicht vernachlässigt. Er erwähnt weiter, dass derjenige, der al-Raḥmān kennt weiß, dass Seine Barmherzigkeit, Propheten und Offenbarung zu senden, noch größer ist als Seine Barmherzigkeit, Regen herabzusenden, weil ersterer den Herzen und der Seele Leben gibt, nicht nur den Körpern.

Und al-Raḥīm bestätigt, dass dieses Attribut dauerhaft und konstant ist. Gott ist nicht sprunghaft oder „launisch“ und so gibt es Stabilität und Gewissheit in Seinen Eigenschaften und Seiner allumfassenden Barmherzigkeit. Allah hat eine besondere Barmherzigkeit für diejenigen, die glauben, wie Er sagt: „Und immer ist Er barmherzig zu den Gläubigen.“ Niemand zwingt Ihn dazu, barmherzig zu sein (denn das kann niemand). Allah sagt uns: „Dein Herr hat sich selbst Barmherzigkeit verordnet.“ Er selbst hat beschlossen, diese göttliche, außergewöhnliche Fürsorge für seine Diener zu verordnen. Allah bekräftigt, dies…

Dies ist eine Offenbarung vom Allerbarmer, dem Barmherzigen.“ (Qurʾān 41:2)

Da Allah der Barmherzigste gegenüber Seinen Dienern ist, erinnert Er uns daran, dass Er dieses Buch aus Seiner Barmherzigkeit und Zuneigung gesandt hat, damit wir aus der Dunkelheit zum Licht kommen und Ihn erkennen, Ihn anbeten und uns Ihm unterwerfen. Der Qurʾān ist ein Ausdruck der Barmherzigkeit, der uns mit dem Allbarmherzigen verbindet und uns zum Aufenthaltsort Seiner Barmherzigkeit führt. Alles im Qurʾān entspringt der raḥmah – der intensiven, überwältigenden Fürsorge -, die Allah für uns hat. Dieses Attribut wird im gesamten Qurʾān hervorgehoben und wenn wir angewiesen werden, die Rezitation mit diesen Namen zu beginnen verstehen wir, dass jeder Buchstabe in diesem Buch von göttlicher Barmherzigkeit durchdrungen ist. Daher sind die Geschichten, die erzählt werden, aus Sorge um uns. Die Verbote sind zu unserem Nutzen. Die Warnungen und Ermahnungen sind dazu da, dass wir keine Schmerzen erleiden. Aus Seiner Barmherzigkeit sendet Er den Qurʾān, um die Wahrheit zu offenbaren, um diejenigen näher zu bringen, die fern sind, und um diejenigen, die Allah suchen, mit froher Botschaft und etwas zu trösten, worauf sie sich freuen können. Der Qur’an ist ein Brief der Fürsorge für diejenigen, die nachdenken.

Einige werden vielleicht noch innehalten. Qurʾān mag von demjenigen stammen, der am barmherzigsten, liebevollsten und gütigsten zu uns ist, aber einige Dinge ergeben für uns vielleicht keinen Sinn. So erinnert uns Allah daran, dass der Qurʾān nicht nur von dem Barmherzigen, sondern auch von dem Allwissenden, dem Allweisen stammt.

Wissen und Weisheit

„Die Offenbarung dieses Buches kommt von Allah, dem Allmächtigen, dem Allwissenden.“ „Die Offenbarung dieses Buches kommt von Allah, dem Allmächtigen, dem Allweisen.“ (Qurʾān 41:2; 462)

Al-ʿAlīm (der Allwissende) ist derjenige, der allumfassendes Wissen hat. Die Wurzel ist ʿayn-lām-mīm, was Wissen, Bewusstsein und Gewissheit umfasst. Allah al-ʿAlīm weiß, was ist und was sein könnte, was war und was hätte sein können, das Innere und das Äußere. Was den Menschen verborgen ist, ist für Ihn offensichtlich. In unserem täglichen Umgang mit Menschen kennen wir vielleicht Menschen, die „viel wissen“, aber nicht besonders scharfsinnig oder einsichtig sind. Allah ist auch al-Ḥakīm – der Weiseste. Eine der Bedeutungen von ḥikmah ist, die Dinge an ihren richtigen Platz zu stellen. Weil Allah al-Ḥakīm ist, beschäftigt Er sich niemals mit dem, was hässlich und abstossend ist und Seine Handlungen sind immer maßvoll und zielgerichtet. Al-Rāzī erklärt, dass diese Namen hier kombiniert werden, da Allah uns sagt, dass Er den Qurʾān mit Seiner Macht und Seinem Wissen herabgesandt hat, und dies kann man an dem sehen, was er an Wohltaten und Wundern enthält. Ibn ʿĀshūr fügt hinzu, dass, da der Qurʾān die Rede des Allmächtigen, des Allwissenden ist, niemand außer Allah die Fähigkeit und das Wissen hat, etwas Ähnliches zu erfinden.

Wenn Allah uns mitteilt, dass dieser Qurʾān von demjenigen stammt, der jedes Detail kennt – die Vergangenheit und die Zukunft, das Physische und das Metaphysische – und dass Er der Weiseste und Wissendste ist, sagt Er uns, dass alles in diesem Buch für uns in diesem und im nächsten Leben von Nutzen ist. Wenn wir ein Buch von jemandem erhalten, der sich um uns sorgt, mag uns der Inhalt emotional befriedigen. Wenn uns aber gesagt wird, dass die führende Autorität zu einem bestimmten Thema das Buch verfasst hat, würden wir es natürlich auch auf intellektueller Ebene ernster nehmen. Wir würden den darin enthaltenen Ratschlägen vertrauen, weil wir an das Wissen und die Kompetenz dieses Menschen glauben (der immer noch fehlbar ist!).

Wenn wir die Tatsache von Allahs Wissen und Weisheit als „Autor“ des Qurʾān verinnerlichen – wenn wir wirklich begreifen, dass der Qurʾān buchstäblich das Wort Gottes ist -, dann verstehen wir die Realität wirklich. Je mehr wir über den Qurʾān nachdenken, desto klarer werden unsere Prioritäten. Wir haben die Gewissheit, dass das, was Er für uns bestimmt hat, uns nützt, und dass das, was Er verboten hat, schädlich ist. Wenn wir mit Schwierigkeiten konfrontiert werden, wissen wir, dass die Antwort in Seinen Worten zu finden ist. Da wir wissen, dass diese Verse von dem Allwissenden, dem Weisen stammen, vertrauen wir auf Ihn, und wenn es Dinge gibt, die wir nicht verstehen, nehmen wir uns die Zeit, sie zu verstehen, anstatt das, was wir nicht wissen, zu verwerfen. Allah sagt uns deutlich: „Ihr mögt etwas nicht mögen, obwohl es gut für euch ist, oder etwas mögen, obwohl es schlecht für euch ist: Gott weiß es, und ihr wisst es nicht.“Qurʾān 2:216

Als Yūsuf (as) im Qurʾān endlich wieder mit seiner Familie vereint ist, sagt er: „… Mein Herr ist am geschicktesten darin, zu erreichen, was Er will; Er ist der Allwissende, der wahrhaftig Weise.“ Yūsuf konnte erkennen, dass alles, was in seinem Leben geschehen war, zielgerichtet und in der Tat notwendig war, damit er dort war, wo er in diesem Moment war. Man hätte die Barmherzigkeit und Weisheit eines Kindes in Frage stellen können, das von eifersüchtigen Geschwistern von seiner Familie getrennt, in die Sklaverei verkauft und dann zu Unrecht beschuldigt und für mehrere Jahre ins Gefängnis geworfen wurde. Doch all diese Ereignisse führten dazu, dass Yūsuf zu einer vertrauenswürdigen und beliebten Person mit Autorität und Ansehen wurde. Allah erhob ihn aufgrund seiner Geduld und seines Gottesbewusstseins. In jeder einzelnen Wendung seines Lebens steckten sowohl Weisheit als auch Barmherzigkeit.

In Yūsufs Fall zeigte sich die Weisheit Allahs zwar im endgültigen irdischen Ergebnis, aber Weisheit beschränkt sich nicht auf das, was man in dieser Welt sieht oder sogar auf das, was nach weltlichen Maßstäben bewertet wird. Jemand, der ein einträgliches Geschäft mit dem Verkauf von Drogen betreibt, könnte sich beispielsweise entschließen, sich zu bessern und seinen „Beruf“ zu wechseln. Darunter kann er materiell leiden. Vielleicht sinkt der Lebensstandard. Er beginnt Geschäftskontakte zu verlieren. Wenn die Familie gegen diese Veränderung ist, können sogar Beziehungen zerbrechen. Dies sind alles greifbare Verluste. Aber niemand kennt den geistigen Segen, der auf diese Person herabkommt aufgrund dessen, was sie für Gott aufgegeben hat. Niemand kennt den Schaden, der auf persönlicher und gemeinschaftlicher Ebene vermieden wurde, weil diese Person das Richtige getan hat. Und niemand wird jemals erfahren, was Allah für diese Person im Paradies verborgen hält, weil sie sich Gott hingegeben hat und angesichts von Schwierigkeiten und Versuchungen standhaft geblieben ist. Allah erinnert uns an all dies, wenn Er uns sagt, dass der Qurʾān vom Allwissenden, dem Allweisen, gesandt wurde.

Ein beeindruckender Blick auf die Milchstraße über einer dunklen Silhouette von Bäumen, der die Weite des Universums und die Schönheit der Natur zeigt.
Was wirkliche Macht ist können wir auch durch die Betrachtung und das Nachdenken über das Universum verstehen.

Macht

Natürlich können in dieser Welt die Eigenschaften der Barmherzigkeit und des Wissens hoch angesehen sein, aber die Person die sie besitzt, kann auch schwach sein. Eine schwache Person kann leicht überwältigt werden und ihr Rat ist vielleicht weniger wertvoll. Daher betont Allah, dass dieses Buch auch von al-ʿAzīz und Rabb al-ʿĀlamīn ist.

Allah erinnert die Rezitatoren des Qurʾān daran: „Dies ist eine Offenbarung des Allmächtigen, des Barmherzigen“. Und „Die Offenbarung dieses Buches ist von Allah, dem Allmächtigen, dem Allweisen“. Allah erwähnt häufig Seine ʿizzah, wenn er sich auf den tanzīl des Qurʾān bezieht und der Qur’an selbst wird als ʿazīz bezeichnet.

ʿIzzah ist eine Kombination aus Macht, Adel, Unbesiegbarkeit, Ehrwürdigkeit und Einzigartigkeit.

Al-ʿAzīz ist derjenige, der überwältigt und nicht überwältigt werden kann, der unantastbar und allmächtig ist, völlig einzigartig, im Besitz aller Herrlichkeit und Ehre, und der Kraft und Ehre gewährt, wem Er will. Während der Schlacht von Badr waren die Muslime zahlenmäßig weit unterlegen. Allah sagt den Gläubigen, dass Er ihnen Engel als Verstärkung schickte, und die Muslime waren in der Schlacht siegreich. Aber Allah erinnert uns alle daran: „Und Allah hat es nur als frohe Botschaft gemacht, damit eure Herzen dadurch gelassen werden, denn Unterstützung kommt nur von Allah; wahrlich, Allah ist allmächtig (ʿAzīz), allweise (Ḥakīm).“ Macht und Sieg sind nicht von den Engeln, sondern von Allah. Wenn Allah uns sagt, daß dieses Buch von al-ʿAzīz ist, sagt Er uns, daß Er den Qurʾān vor Veränderung oder Abänderung geschützt hat. Dies sollte uns Vertrauen in seine ewige Botschaft geben. Er ermahnt die Menschen, den Weg der Wahrheit und der Rechtleitung ohne Schwäche zu beschreiten, und er warnt und droht vor Ungehorsam und Unglauben. Wenn wir Ungerechtigkeit in der Welt um uns herum sehen, wenn wir uns selbst schwach fühlen, erinnert uns der Qurʾān daran, daß er von al-ʿAzīz ist, und so können wir aus ihm Kraft und Trost schöpfen. Der Qurʾān zeigt uns das Schicksal derer, die übertreten und Schaden anrichten; sie werden nicht ewig auf ihren Wegen bleiben. Allah ist al-ʿAzīz – wenn Er warnt, ist Er in der Lage, es zu befolgen.

Außerdem ist Seine Macht nicht wie die menschliche Macht. Menschen, die eine übermächtige Kraft haben, können sie unüberlegt oder grausam einsetzen und andere unterdrücken, aber Allah ist der Allweise, der Barmherzige. Seine Macht ist maßvoll in ihrem Ausdruck, gerecht in ihrem Ergebnis, aus den besten Gründen und mit äußerster Barmherzigkeit. Allah erinnert uns auch daran, dass der Qurʾān tanzīl von Rabb al-ʿālamīn, dem Herrn der Welten, ist, indem er sagt: „[Dies ist] die Offenbarung des Buches, an dem kein Zweifel besteht, vom Herrn der Welten.“

Allah, der Rabb al-ʿālamīn ist, bedeutet, dass Er der Schöpfer und Erhalter von allem ist, der Verwalter aller Angelegenheiten, der Ernährer, der ins Dasein bringt und aus dem Dasein nimmt; es bedeutet, dass Er allein Gott ist, anbetungswürdig, die wahre Zuflucht und der Zufluchtsort im Unglück; wahrlich, es gibt keinen Herrn außer Ihm und keinen Gott außer Ihm. Das Wort „tarbiyah“, das aus der gleichen Wurzel stammt, bedeutet „sich kümmern“ oder „Pflege“, und Allah al-Rabb ist derjenige, der einen sanft von einem Zustand in einen anderen versetzt, bis das Endziel erreicht ist.

Die Aussage, dass der tanzīl von Rabb al-ʿālamīn stammt, erinnert uns daran, dass Allah uns durch den Qurʾān nährt. Wir erhalten diese „Offenbarung von dem, der die Erde und den hohen Himmel erschaffen hat“ und Er lehrt uns, wie wir am besten in dieser Welt leben und wie wir am besten bei Ihm sein können, um unser Endziel zu erreichen: das Paradies bei Ihm. Unser Ziel in dieser Welt wird näher erläutert, die Art der Prüfungen sowie Gut und Böse werden erklärt. Wir werden ermahnt, unsere niederen Begierden zu überwinden und höhere Ziele zu verfolgen, und vor allem wird uns gesagt, wer Er ist. Außerdem ist Er Rabb al-ʿālamīn – der Herr aller Welten – und nicht nur der Herr einer bestimmten Rasse, Nationalität, Sprache, eines bestimmten Geschlechts oder einer bestimmten sozialen Schicht. Er erhält und erhebt jeden, und was in diesem Buch enthalten ist, ist eine Anleitung, die für uns alle nicht nur relevant, sondern entscheidend ist.

der Lobenswerte

Schließlich heißt es über den Qurʾān: „Die Falschheit kann sich ihm weder von vorne noch von hinten nähern; er ist eine Offenbarung von einem Weisen (Ḥakīm) und Preiswürdigen (Ḥamīd).“ Qurʾān 41:42

„Ḥamd“ ist das Gegenteil von Tadel (dhamm). Al-Ḥamīd ist derjenige, der für Sein Wesen, Seine Namen und Eigenschaften und Seine Taten gepriesen wird. Jedes einzelne Ding, das von Ihm ausgeht, ist lobenswert. In der Praxis bedeutet dies, dass alles, was von al-Ḥamīd ausgeht, nicht nur gut ist, sondern von einer absoluten Vollkommenheit, die ein Gefühl der Ehrfurcht hervorruft. Allah erinnert uns im Qurʾān daran: ‚Alles in den Himmeln und auf der Erde gehört Ihm; Gott allein ist selbstgenügsam und allen Lobes würdig (al-Ḥamīd)‘. Qurʾān 22:64

Wir sagen: „Alles Lob (al-Ḥamīd) gebührt Allah“, was umfassender ist als das Aussprechen von shukr (Dank), da letzteres für eine bestimmte Tat oder Gunst ausgesprochen wird. Ḥamd hingegen umfasst Dankbarkeit und Lob, nicht nur für bestimmte Gunstbezeugungen, sondern für die dem Lobenswerten innewohnenden Eigenschaften. Der Prophet Muhammad ﷺ sprach ein wunderschönes Bittgebet, als er zum Tahajjud (Nachtgebet) aufstand:

„O Allah! Für Dich ist alles Lob (laka al-ḥamd). Du bist der Erhalter der Himmel und der Erde und all dessen, was sie enthalten. Und für Dich ist alles Lob. Dein ist die Herrschaft über die Himmel und die Erde und alles, was sie enthalten. Und alles Lob gebührt Dir. Du bist das Licht des Himmels und der Erde und alles, was sie enthält. Und alles Lob gebührt Dir. Du bist der König des Himmels und der Erde. Und alles Lob gebührt Dir. Du bist die Wahrheit. Dein Versprechen ist wahr. Die Begegnung mit Dir ist wahr. Dein Wort ist wahr. Das Paradies ist wahr und das Feuer ist wahr. Die Propheten sind wahr. Die „Stunde“ ist wahr…“ (Teil eines längeren Bittgebets, Ṣaḥīḥ al-Bukhārī, 1120.)

Der Prophet Muhammad ﷺ war in ständiger Dankbarkeit, Ehrfurcht und Verehrung für Allah – und dies ist in dem Bittgebet enthalten, das er sprach.
Diese Offenbarung ist tanzīl vom Allweisen, denn Er leitet uns zu dem, was in unserem Interesse liegt, und Er ist lobenswert in den Wohltaten, mit denen Er uns segnet. Weil Allah in Seiner Vollkommenheit und Majestät und wegen Seiner Gerechtigkeit und Güte lobenswert ist, bietet Sein Buch notwendigerweise die Mittel, um das Gute zu erreichen und das Böse abzuwehren. Wenn wir den Qurʾān rezitieren müssen wir uns daran erinnern, dass, da Allah al-Ḥamīd ist, alles im Qurʾān so wesentlich gut sein muss, dass wir nicht anders können, als Ihn zu preisen, wenn wir über seine Verse nachdenken. Wenn er uns nicht dazu bringt, Ihn zu preisen, müssen wir uns fragen, was wir übersehen? Was verstehen wir (noch) nicht?

Kreisförmiges Design mit der Schrift 'Allah' in der Mitte, umgeben von verschiedenen Namen Allahs in arabischer Schrift auf schwarzem Hintergrund.
Hinter jedem der 99 Namen Allahs stehen Eigenschaften und Wissen über unseren Schöpfer die uns helfen, ihm näher zu kommen.

Zusammenfassung

Allah, der uns erschaffen und wie Ton geformt hat, hat uns ein Buch geschickt, um uns zu Ihm zu führen. Dieser Akt an und für sich zeigt seine Fürsorge für seine Schöpfung. Aber als Menschen können wir vergessen, von wem der Qurʾān stammt und daher mit ihm in einer Weise umgehen, die Allahs Barmherzigkeit, Weisheit und Majestät nicht berücksichtigt. Wenn wir das nächste Mal den Qurʾān rezitieren, sollten wir uns bestimmte Dinge vor Augen halten: Inwiefern ist dies eine Barmherzigkeit für mich? Welche Weisheit gibt es für mich zu lernen? Wie führt und versorgt mich Allah durch diesen Vers oder dieses Kapitel? Diese Fragen gelten für die Verse, die den Himmel beschreiben, ebenso wie für die Verse, die die Hölle beschreiben und für die Geschichten und Gleichnisse ebenso wie für die direkten Gebote und Verbote.

Wenn wir beispielsweise beim Lesen eines Verses, der ein Verbot wie das des Glücksspiels betrifft, an seine Namen denken, können wir erkennen, dass es sich nicht einfach um einen roboterhaften Befehl handelt. Vielmehr kommt es aus einem Ort der Barmherzigkeit, der Sorge, der Fürsorge und der göttlichen Weisheit. Das Erinnern an Seine Namen hilft dabei, die Gewissheit zu erlangen, dass in dem Verbot Weisheit steckt, weil es von dem Allwissenden, dem Allweisen kommt, und dass dieses Verbot in der Tat etwas ist, wofür man Allah dankbar sein sollte, denn Er ist der Preiswürdige. Wenn wir Verse lesen, die uns Angst machen, wie die über das Höllenfeuer, können wir uns daran erinnern, dass auch diese Verse von der Barmherzigkeit Allahs stammen, denn ihre Beschreibungen helfen uns, uns vom Höllenfeuer fernzuhalten – denn damit wir uns von etwas Schädlichem fernhalten können, müssen wir wissen, dass es existiert und dass es tatsächlich schlecht für uns ist.

Indem er uns sagt, dass der Qurʾān etwas ist, das – tanzīl – von Ihm herabgesandt wurde, werden wir daran erinnert, dass der Qurʾān von dem Allbarmherzigen, dem besonders Barmherzigen (al-Raḥmān al-Raḥīm) zu uns gesandt wurde, dem Allwissenden (al-ʿAlīm), dem Weisesten (al-Ḥakīm), dem Allmächtigen (al-ʿAzīz), dem Herrn der Welten (Rabb al-ʿālamīn), dem Lobenswerten (al-Ḥamīd). Wenn wir uns diese sieben Namen vor Augen halten, wenn wir den Qurʾān rezitieren, sollte uns das helfen, die Verse im Lichte dessen zu lesen, wer Allah ist. Es ermöglicht uns, die darin enthaltenen Botschaften durch die Brille der Liebe, der Barmherzigkeit, der Fürsorge, der Stärke und der Weisheit zu verstehen, und tröstet uns so, wenn wir von Traurigkeit überwältigt sind oder uns leer und einsam fühlen.

Der Qurʾān ist Allahs immerwährendes Geschenk an die Schöpfung und eine Gnade für diejenigen, die an ihn glauben und ihm folgen. Wenn wir uns dem Qurʾān nähern, weil wir wissen, wer ihn gesandt hat, können wir erkennen, wie wertvoll er wirklich ist, wie viel wir von ihm profitieren können und unsere Zeit mit ihm und seiner Bedeutung genießen.

„[Mein lieber Sohn], schaue nicht verächtlich auf die Menschen! Und wandle nicht auf Erden voller Übermut. Siehe, Gott liebt keinen Eingebildeten, Stolzen.“

Qurʾān 31:18