Auf den Blackwater.live Youtube Kanal bin ich zufällig letzte Woche gestoßen und kann gleich eines sagen. Es ist sehr angenehm hier zuhören zu können, ohne dass man dauert mit arabischen Floskeln genervt wird. Es ist echt ein Phänomen im Netz – allen voran auf TikTok. Kaum ist die Unterschrift unter der Schahada (islamischen Glaubensbekenntnis) trocken, mutieren etliche Konvertiten zu selbsternannten Vollzeit-Predigern. Statt erst mal anzukommen, verfallen sie direkt in den absoluten Bekehrungsmodus und ballern die Öffentlichkeit mit ihrer „spirituellen Reise“ zu. Was sie selbst für die tiefste Erleuchtung halten, wirkt auf den Rest eher wie ein mittelschwerer Autounfall, bei dem man einfach nicht wegsehen kann. Da kann ich nur sagen: Willkommen in der Welt der „modernen Social-Media-Frömmigkeit". Sobald der Glaubenswechsel vollzogen ist, scheint bei vielen eine sofortige, radikale Gehirnwäsche in Sachen Sprache stattzufinden. Aus Jan wird "Hamza" – und aus normalem Deutsch wird ein sprachlicher Frankenstein-Hybrid, der mit aller Gewalt versucht, auf „authentisch“ zu machen. Das läuft dann im Fünf-Sekunden-Takt ab: „Inshallah“ (so Gott will) „Mashallah“ (gepriesen ist Gott) „Alhamdulillah“ (Gott sei Dank) Dieses inflationäre arabische Vokabel-Geballer dient primär als sozialer Ausweis. Ein verbales „Schaut her, ich bin jetzt im islamischen Club – und ich bin heiliger als ihr alle zusammen!“ Völlig absurd wird es, wenn im breitesten Deutsch über die banalsten Alltagsdinge geredet wird, aber jeder zweite Halbsatz mit einer sakralen arabischen Formel enden muss. „Ich war gerade bei Netto, Alhamdulillah, und habe Katzenfutter geholt, Inshallah.“ Das ist nicht spirituell (was immer das sein soll) – das ist künstlich, deplatziert und geht beim zuhören einem einfach nur tierisch auf den Nerven. Der Islam ist eine Welt -"religion." Man kann ihn theoretisch in jeder Sprache der Welt leben. Klar, Arabisch ist die Sprache des Korans und der islamischen fünfmaligen Gebete. Aber warum muss man als deutscher Konvertit direkt die komplette nahöstliche Alltagskultur und den Akzent kopieren? Das hat nichts mit innerer Einkehr zu tun (die der Islam ohnehin kaum zu bieten hat). Das ist schlichtweg islamisches Cosplay – ein spirituelles Live-Action-Roleplay für die Kamera. Dieses laute Vokabel-Flexen im Alltag ist reine PR. Es wird als rhetorisches Satzzeichen zweckentfremdet – ein digitaler Stempel, um den eigenen „Halal-Status“ im Minutentakt zu untermauern. Nicht nur Nicht-Muslime wie ich rollen bei diesem Zirkus mit den Augen. Fragt mal Menschen aus dem islamischen Kulturraum, die mit der Sprache und dem Glauben aufgewachsen sind und mit dem islam wenig am Hut haben. Die meisten kriegen einen akuten Fremdscham-Anfall, wenn sie sehen, wie diese übermotivierten Konvertiten "hochheilige" arabische Begriffe völlig deplatziert und fehlerhaft durch den Fleischwolf drehen. Ich selbst interessiere mich seit einiger Zeit für den Islam und freu mich endlich mal einen YouTube Kanal gefunden zu haben, der weniger irre und aufdringlich ist.
Meine 5ct, mehr wollte ich erst einmal nicht sagen.
100% 🤣
warum es so ist weiß ich auch nicht. Wir Bosnier haben die arabischen Wörter in unsere Sprache integriert und angepasst. Ich finde es klingt schöner.
Erstmals vielen Dank für deinen Kommentar und dein Feedback.
Aber warum muss man als deutscher Konvertit direkt die komplette nahöstliche Alltagskultur und den Akzent kopieren?
Unserer Meinung nach, liegt das daran dass dem Deutschen Identität aberzogen wird. Dementsprechend wird diese Lücke dann schnell geschlossen. Obwohl der Quran sagt, dass es völlig normal ist, dass es auch andere Kulturen gibt.
Die Bosnier sind hier ein gutes Beispiel.
Das hat nichts mit innerer Einkehr zu tun (die der Islam ohnehin kaum zu bieten hat).
Der Islam soll keine innere Einkehr bieten? Da muss ich deutlich wiedersprechen. Möglicherweise hast Du den Islam aber auch nicht verstanden - noch nicht.
Aber ich wünsche dir auf jeden Fall viele gute Erkenntnisse.
Danke für Dein Feedback zu unserem YouTube Kanal. Was Du beschreibst beobachten wir auch schon länger. Zum einen ist es das Thema Identität, was vielen fehlt und dann mit dem Islam ersetzt wird. Viele werden eher zu "Arabern" als zu Muslimen, zumindesten beschreibt es das, was Du schreibst. Dabei ist das gar nicht notwendig.
Dazu kommt, dass viele Konvertiten auch recht jung sind. Wenn man den Islam ein paar Jahre später findet, sieht man das auch nochmal anders und erkennt schneller die Tiefe und Schönheit der Religion. Oberflächlichkeiten interessieren einen da weniger. Der Islam wird ja meist auch auf Hijab, Moschee und "kein Schweinefleisch essen" reduziert und daher auch so von Nicht-Muslimen wahr genommen. Die wissen nichts von Tiefe und Spiritualität des Islam, weil andere Dinge davon ablenken (und man natürlich auch selbst forschen muss).
Ich benutze auch Eulogien des Islam, aber sehr selten im Vergleich. Auch deshalb, weil ich sie nicht inflationär oder gar falsch benutzen will. Abgesehen davon, ist es angehmer für die Zuhörer. 😉
Persönlich sehe ich mich NICHT als Prediger, ich teile dies und das auf meinem YouTube Kanal ohne eine bestimmte Intention. Würde ich wollen, dass der YouTube Kanal wächst, müsste ich ganz anders vorgehen. Und Du hast ganz recht, das Ankommen ist das Wichtigste im Islam BEVOR man damit nach "draussen" geht.
Aber du motivierst mich sehr lieber Martin und das solltest du auch wissen.
Danke für Dein liebes Feedback Iman🌹


