„Das trostlose Ergebnis der Sünde ist immer die Trennung“
Kardinal MeiĂźner
Liebe Leserinnen und Leser von Blackwater.live, die Sommerzeit ist gut geeignet als eine Zeit die Natur zu geniessen und auch ein wenig zu reflektieren. Nach meinem letzten Artikel „das spirituelle Herz der Islam“ kamen ein paar Fragen auf. Keine neuen Fragen, sondern es sind eigentlich die immer gleichen Fragen, die ich erhalte, seit ich meinem spirituellen Leben eine andere Richtung gegeben habe. Ich merke immer wieder, dass Menschen andere einordnen wollen. Gerade im Bereich von Religion wird das aber dann regelmässig schwer, wenn man eine Religion nicht einfach als Label von der Stange sieht, sondern eher auf den Kern bezogen und weniger auf Traditionen und Überlieferung basierend. Menschen stellen zu Recht die Wahrheitsfrage in Bezug auf Religionen heute und hätten gerne diese Antwort: Die Religion XYZ ist die einzig wahre Religion. Der Punkt ist nur, dass weder die Bibel noch der Quran von einer wahren Religion als „Label“ sprechen, sondern damit eine bestimmte Handlung oder Anbetung meinen. Im Falle des Islam habe ich das in meinem letzten Artikel thematisiert und auch in einigen Videos. Der Quran – man sollte ihn wirklich auch lesen – bezieht sich immer und ausschliesslich bei der Thematik „wahre Religion“ auf den puren Monotheismus und meint mit Islam eben genau das. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass gelebte Formen des Islam heute nicht automatisch vollumfänglich richtig und wahr sind. Aber auch nicht unbedingt falsch. Das muss man immer im Einzelfall für sich prüfen und entscheiden. Ich mache euch ein Beispiel:
Schon im alten Testament der Bibel gab es den Aspekt, dass man sich zur Anbetung Gottes verbeugt oder gar „niederwirft“. Selbst von Jesus ist das in den Evangelien überliefert (Matthäus 29:39). Das heisst erst einmal nicht, dass das obligatorisch wäre. Aber es zeigt, dass es eine lange Tradition dafür gibt. Und in irgendeiner Weise muss man ja nun anbeten. Erweitern wir das Ganze noch um das Thema Bittgebet, „Dua“. Selbst im NT der Bibel liest man von Hände „erheben“ und im Islam macht man so ein „Dua“ heute auch, aber auch manche Christen tun das (beten dann aber zu Jesus). Ich will das an der Stelle nicht zu sehr auswalzen, aber ich denke ihr versteht den Punkt, den ich meine. Es gibt keine allumfassend perfekte Religion von „der Stange“, außer man meint mit Religion das was Gott meint. Dann wäre das der Islam aber in der Weise, wie Gott ihn im Quran beschreibt. Nicht alles, was sich heute „Islam“ nennt ist auch Islam. Daher muss man den Quran lesen. Oder aber das alte Testament der Bibel und gut 80-90% von dem Inhalt von Jesu Lehren, die dem islamischen Narrativ entsprechen (was Christen so gerne abstreiten, dabei ist es für unvoreingenommene Bibelleser eigentlich glasklar).
„Islamisches Narrativ“? Ja, der Monotheismus. Und um genau diesen geht es in diesem Artikel. Allerdings nehmen wir dazu das Johannesevangelium Kapitel 17. Ausgerechnet das historisch schwache und verklärte Johannesevangelium (warum „schwach“? Schau HIER), das die Urkirche benutzte um Jesus zu verklären. Und doch findet man darin Wertvolles und Interessantes. Und auch hier wollen wir das Ganze weitestgehend „sola scriptura“ nehmen. Also was steht dort und wie wirkt das auf uns, ganz ohne externe „Einordnung“. Außer rein fachlichen Hinweisen, soll es einfach um den reinen Text gehen. Es ist dabei wichtig, dass man nicht in Schubladen denkt. In diesem Fall gilt der Hinweis an meine muslimischen Leserinnen und Leser in Bezug auf bestimmte Termini, aber auch an Christen, die hier massiv durch externe Einordnungen vorgeprägt sind (das Kirchenheft sagt, der Pfarrer sagt, der Wachtturm sagt – ich denke wir verstehen).
Ich schreibe Artikel wie diesen auch, weil für Menschen mit westlich-christlicher Sozialisierung die Bibel vermutlich erst einmal ein besserer Einstieg als der Quran ist, da man beim Quran (1) unbedingt eine sinngemässe Übersetzung braucht, (2) mit diesem Buch viele Vorurteile und Aversionen verbunden sind, (3) die Bibel eine enorm gute Vorgeschichte und Vorwissen zum Quran liefert, (4) der Quran letztlich die Verschriftlichung einer arabischen Rezitation ist, was einerseits zu seiner Bewahrung beitrug (siehe Sana’a Funde, Birmingham Quran), aber den Zugang als Lesestoff etwas erschweren kann. Nicht dass wir uns falsch verstehen: Ich liebe den Quran! Aber ich habe ihn lieben gelernt und das dauert etwas. Daher, lasst uns heute Bibel lesen.
Stichwort biblischer „Islam“: Wenn ihr gerne öfters Artikel über solche Bibelpassagen hättet, dann lasst es mich bitte wissen. Ich mache mir die Mühe gerne, auch für eine kleine Leserschaft. Aber es wäre schade, wenn es überhaupt niemanden interessiert. Daher wäre eine kleine Rückmeldung von euch schön!
Manchmal werde ich gefragt, welcher Religion man beitreten soll? Der Punkt ist, dass dieses Denken auch schon eine christlich an-sozialisierte Sichtweise ist. Der Religion Gottes tritt man nicht bei. Man wird kein Mitglied in einem Verein und muss auch nichts unterschreiben. Man bekennt sich zu Gott alleine mit der sog. „Schahada“. Das ist etwas, was man mit Gott macht. Welcher traditionellen Strömung des Islam, wie wir ihn heute kennen, man sich dann zuwendet (wenn überhaupt), das ist eine ganz andere Frage. Möglicherweise gar keiner.
Gehen wir davon aus, dass Johannes Kapitel 17 das Gebet von Jesus Christus für seine Jünger war, wie es dort aufgezeichnet ist und dass die vielen Übersetzungen aus der mündlichen Überlieferung in die griechische Sprache stimmen. Jesus selbst sprach eine semitische Sprache, das alte Aramäisch, wie es durch die ältesten Kirchen des Nahen Ostens überliefert und bewahrt wurde (u.a. durch die syrisch-orthodoxe Kirche). Das führt zu einigen semantischen Problemen und kruden Schlussfolgerungen, aber blenden wir das nun aus. Lesen wir die Verse 1-3:
1 Dies redete Jesus und hob seine Augen zum Himmel empor und sprach: Vater, die Stunde ist gekommen; verherrliche deinen Sohn, damit auch dein Sohn dich verherrliche 2 — gleichwie du ihm Vollmacht gegeben hast über alles Fleisch, damit er allen ewiges Leben gebe, die du ihm gegeben hast. 3 Das ist aber das ewige Leben, dass sie dich, den allein wahren Gott, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen.
Jesus spricht also direkt zu Gott. Er selbst ist offensichtlich nicht Gott. Dieses Gebet wäre im Islam ein „Dua“, also ein Bittgebet. Dafür gibt es keine Form, aber manche erheben dabei die Hände vor sich, mit den Handflächen nach oben. Jesus spricht davon, dass er Vollmacht bekam. Das zeigt, dass er nichts aus sich selbst heraus tat, wie es auch an anderer Stelle in den Evangelien heisst (Johannes 5:30). Jesus hatte große Macht durch Vollmacht von Gott. Jetzt kommt aber die Kernaussage: Das ewige Leben ist den allein wahren Gott anzuerkennen. Das ist ganz klar NICHT Jesus, sondern der Gott, der Jesus Vollmacht gab und ihn sandte. Und man muss auch Jesus anerkennen. Und genau das ist das islamische Narrativ: Erkenne den EINEN Gott an und seine Propheten und dazu gehört ganz entschieden eben auch Jesus Christus, wie der Quran zeigt. Hier ist auch interessant sich nochmal klar zu machen, von was wir hier reden: Ewiges Leben! Sehen wir den Punkt? Sola scriptura. Kein Schwurbel. Damit kann man Großkirchen und Sekten zu Fall bringen, wenn Menschen anfangen zu begreifen (weswegen in der Vergangenheit Menschen verfolgt wurden, die solche Gedanken verbreiteten).
4 Ich habe dich verherrlicht auf Erden; ich habe das Werk vollendet, das du mir gegeben hast, damit ich es tun soll. 5 Und nun verherrliche du mich, Vater, bei dir selbst mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war. 6 Ich habe deinen Namen den Menschen offenbar gemacht, die du mir aus der Welt gegeben hast; sie waren dein, und du hast sie mir gegeben, und sie haben dein Wort bewahrt.
Diese Verse zeigen, dass Jesus auf der Erde Gott verherrlichte und einen Auftrag hatte, zu dem er gesandt war. Er bittet nun um Ehre von Gott und hier sehen wir nun einen Satz, der eines der Probleme der Gesamtbibel darstellen könnte, aber nicht muss: Es könnte durchaus sein, dass Jesus eine vormenschliche Existenz hatte. Aber es kann NICHT sein, dass Jesus die Erde mit schuf. Den das wird durch Gottes eigene Aussagen im Jesajabrief eindeutig ausgeschlossen (KLICK). Dass Jesus den Menschen Gottes Namen offenbar machte, ist ein hochinteressanter Aspekt. Wussten die Jünger den Eigennamen Gottes, der sehr wahrscheinlich im babylonischen Exil und nach der ersten Zerstörung des ersten jüdischen Tempels verloren ging? (Wikilink) Möglich wäre es und dafür kann ich nur sagen, gepriesen sei Gott! Mich berührt es sehr, darüber nachzudenken. Tief berührt bin ich auch von der Aussage, dass die Jünger „dein Wort“ bewahrt haben. Damit ist wohl kaum Jesus gemeint, sondern das Gesetz Gottes. Das Schriftgut, was damals existierte und darin eben Gottes Worte, wie eben in der Jesajarolle oder Mose. Jesus lehrte seine Jünger dieses zu leben und das in Aufrichtigkeit und nicht nur per Form, wie es bei der institutionalisierten Religion der Fall ist. Es folgt einer der fasziniertesten Abschnitte.
7 Nun erkennen sie, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir kommt; 8 denn die Worte, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, und sie haben sie angenommen und haben wahrhaft erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und glauben, dass du mich gesandt hast. 9 Ich bitte für sie; nicht für die Welt bitte ich, sondern für die, welche du mir gegeben hast, weil sie dein sind. 10 Und alles, was mein ist, das ist dein, und was dein ist, das ist mein; und ich bin in ihnen verherrlicht. 11 Und ich bin nicht mehr in der Welt; diese aber sind in der Welt, und ich komme zu dir. Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, die du mir gegeben hast, damit sie eins seien, gleichwie wir!
Die Jünger Jesu erkennen dass alles was Jesus „hatte“, von Gott kam. Also das was Jesus ausmachte, sein Wissen, sein Wesen und die Macht, mit der er handelte, kam von Gott. Immer wieder dieser Hinweis, dass Jesus der Gesandte Gottes ist und dass er Gottes Gedanken an seine Jünger übermittelte. Dieser Texte ist wunderschön, beeindruckend und in diesem Moment wünsche ich mir sehr, dass er wahr ist auch wenn ich weiss, es ist eben das Johannesevangelium mit seinen historischen Schwächen. Jesus übermitteln an dieser Stelle unfassbar viel Liebe und eben diese Liebe hat er von Gott, denn er sagte ja, dass ALLES was er hat von Gott kommt. Und dann kommt die Aussage: „damit sie EINS seien, gleichwie wir“. In anderen Übersetzungen heisst es, „damit sie EINS seien wie wir EINS sind“. Wohl kaum ein Hinweis auf eine Trinität oder Dualität, sonst müssten die verbliebenen elf Jünger ja eine Elfereinheit sein. Es wird also klar, worum es geht. Um die Einheit in Gedanken und Taten. Und diese Jünger waren an diesem Punkt soweit. Ich verlinke euch HIER eine Videoquelle die sich damit beschäftigt, wie die Jünger später durch die Welt zogen und letztlich starben. Es ist bemerkenswert und versetzt einen in Erstaunen!
12 Als ich bei ihnen in der Welt war, bewahrte ich sie in deinem Namen; die du mir gegeben hast, habe ich behütet, und keiner von ihnen ist verlorengegangen als nur der Sohn des Verderbens, damit die Schrift erfüllt würde. 13 Nun aber komme ich zu dir und rede dies in der Welt, damit sie meine Freude völlig in sich haben. 14 Ich habe ihnen dein Wort gegeben, und die Welt hasst sie; denn sie sind nicht von der Welt, gleichwie auch ich nicht von der Welt bin. 15 Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie bewahrst vor dem Bösen. 16 Sie sind nicht von der Welt, gleichwie auch ich nicht von der Welt bin. 17 Heilige sie in deiner Wahrheit! Dein Wort ist Wahrheit.
Hier der Hinweis Jesu auf Judas Iskariot, den Verräter. Dieser eine ging in die Irre und wurde zum Verräter. Zu diesem Zeitpunkt waren also 11 Jünger noch da. Dass einer der Jünger Jesu verraten würde, ist tatsächlich in der Schrift prophezeit worden. In Vers 14 sehen wir eindeutig, dass mit dem Wort Gottes in diesen Texten nicht Jesus gemeint ist, auch wenn das immer wieder behauptet wird. Jesus ist das Wort Gottes an anderen Stellen und selbst der Quran sagt, dass Jesus das Wort Gottes ist. Aber je nach Text muss unterschieden werden wann das so gemeint ist und wann nicht und was das bedeutet. Wie ihr seht, sieht man das am textlichen Kontext doch recht eindeutig. Jesus sagte, „damit sie meine Freude völlig in sich haben“. Nun, Jesus wusste, es ist geschafft. Sein Werk ist vollendet und er geht ins „Himmelreich“, erhält seinen „Lohn“. Und wenn seine Jünger diese Freude und diese Gedanken nun so auch in sich hatten, dann war das zweifellos der Antrieb für sie die ganze damals bekannte Welt zu bereisen, wie es ja auch geschah. Sie wussten um die Freude, die vor ihnen lag. Denkt nochmal an meinen letzten Artikel, „das spirituelle Herz des Islam“. Wenn wir glauben, dass wir danach ins Paradies kommen, dann wird diese Hoffnung alles in den Schatten stellen, was wir in diesem Leben an Gutem wie an Schlechtem erleben. Das ist der Punkt dabei! Dann bittet Jesus darum, dass Gott sie beschützt und vor dem Bösen bewahrt. Bei dieser Bitte blieb es, die Jünger mussten eine Menge erdulden und die meisten starben auf grausamste Weise. Aber letztlich, sind sie in Paradies eingegangen und das ist worauf es ankommt. Vers 17 ist wieder unfassbar tief: „Heilige sie in deiner Wahrheit! Dein Wort ist Wahrheit.“ Im Quran heisst es, Gott ist die Wahrheit. Natürlich ist demnach sein (1) Gesetz Wahrheit und (2) die er ausgesandt hat Wahrheit (die Propheten). Jesus ist die Wahrheit, weil er von Gott ausgesandt wurde. Das scheint vielen „Labelchristen“ heute aber nicht ganz zugänglich zu sein, dabei müsste man doch einfach nur die Bibel lesen. An dieser Stelle will ich final nochmal Eckart Tolle anführen, damit der aufmerksame Leser diesen Punkt völlig verinnerlichen kann:
„Dogmen, ob religiöse, politische oder wissenschaftliche, entspringen der irrigen Überzeugung, Gedanken könnten die Wirklichkeit oder Wahrheit in sich schließen. Dogmen sind kollektive mentale Gefängnisse. Das Unmanifeste befreit dich erst, wenn du bewusst in es eintrittst. Deshalb sagt Jesus nicht: „Die Wahrheit wird dich befreien“, sondern: „Du wirst die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird dich befreien.““ (bezogen auf den berühmten Text aus Johannes 8:32)
18 Gleichwie du mich in die Welt gesandt hast, so sende auch ich sie in die Welt. 19 Und ich heilige mich selbst für sie, damit auch sie geheiligt seien in Wahrheit. 20 Ich bitte aber nicht für diese allein, sondern auch für die, welche durch ihr Wort an mich glauben werden, 21 auf dass sie alle eins seien, gleichwie du, Vater, in mir und ich in dir; auf dass auch sie in uns eins seien, damit die Welt glaube, dass du mich gesandt hast. 22 Und ich habe die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast, ihnen gegeben, auf dass sie eins seien, gleichwie wir eins sind, 23 ich in ihnen und du in mir, damit sie zu vollendeter Einheit gelangen, und damit die Welt erkenne, dass du mich gesandt hast und sie liebst, gleichwie du mich liebst.
Jesus sendet seine Jünger nun also in die Welt aus und verweist wieder auf die Einheit. Sie sollten so einig sein, wie es Jesus mit Gott ist. Und Jesus steigert diese Aussage noch: Sie sollten auch in Jesus und in Gott eins sein. Wenn ich das historisch betrachte würde ich sagen, dass nach all dem, was die Jünger mit Jesus erlebten, wirklich an dem Punkt waren. Nichts konnte sie mehr aufhalten, sie hatten alle Prüfungen gemeistert und ihre Lektionen gelernt um den Rest ihres Lebens in dieser Welt nun diesen letzten Auftrag zu erfüllen: Die Wahrheit über Jesus und Gott verbreiten. Das wird vor allem klar wenn man sieht, wo sie zu Anfangs standen, als Jesus sie fand. Diese Jünger verbreiteten die Botschaft Jesu, das ist keine Frage. Sonst wäre die Welt heute eine andere. Dass diese Botschaft aber im Laufe der Jahrhunderte eine andere wurde, das ist leider ein bitterer Teil der Geschichte (MEHR). Wenn wir sehen, was heute als „Jesu Nachfolger“ gilt, was Menschen meinen wer Gott sei und was Gottes Willen ist, dann bleiben dem aufrichtigen Bibelleser die Worte weg. Die Worte Jesu werden überwiegend ignoriert und bis zur Unkenntlichkeit verdreht, so dass es zum Zeitgeist und der eigenen Lebensauffassung passt.
24 Vater, ich will, dass, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, damit sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast; denn du hast mich geliebt vor Grundlegung der Welt. 25 Gerechter Vater, die Welt erkennt dich nicht; ich aber erkenne dich, und diese erkennen, dass du mich gesandt hast. 26 Und ich habe ihnen deinen Namen verkündet und werde ihn verkünden, damit die Liebe, mit der du mich liebst, in ihnen sei und ich in ihnen.
Die letzten Worte von Johannes Kapitel 17 verweisen nochmal auf Jesu geistige und vormenschliche Natur hin. Das wäre aus meiner bescheidenen Sicht zwar denkbar, aber ausgeschlossen ist, dass Jesus bei der Schöpfung dabei war, da Gott das wie gesagt selbst in Jesaja ausschliesst. Interessanterweise weist Jesus nun auf Gottes Gerechtigkeit hin. Die Menschenwelt erkennt Gott nicht. Das ist interessant wenn wir bedenken, dass das damalige Judentum noch nicht das Judentum unter dem Einfluss des Talmud war, wie wir es heute kennen. Es war zwar auch nicht mehr das Original, wie es vor dem babylonischen Exil war, aber der Monotheismus war noch halbwegs intakt und die tatsächlich wahrhaft dämonischen Lehren des Talmud kannte noch niemand, der Talmud wurde später verschriftlicht. Die Anbetungspraxis war noch die im Tempel in Jerusalem und das war auch die Kibla, also die Gebetsrichtung. Aber zu Jesu Zeit war der Geist bereits aus diesem Volk gewichen, anders lassen sich viele Aussagen Jesu nicht deuten. Interessant ist nochmal, dass Jesus sagte „und diese erkennen, dass du mich gesandt hast“.
Eine ketzerische Frage: Wenn man sagt, Jesus ist Gott, erkennt man dann an, dass Jesus ein Gesandter Gottes ist oder nicht? Einfach einmal darĂĽber nachdenken.
Letztlich ist es das Johannesevangelium und dieses ist nachweislich das problematischste der Evangelien. Aber wir sehen, selbst wenn wir diesen verklärten Text von einem unbekannten Autoren nehmen (Wikilink), dass auch hier eine ganz andere Botschaft als die enthalten ist, die die verschiedenen Kirchen und Sekten verbreiten. Insbesondere, wenn es um die ganz großen Fragen geht. Wer würde nicht gerne nach seinem Tod ewiges Leben erhalten? Wie viele Menschen sind in diesen Minuten sterbenskrank und kurz vor dem Tod? Wie viele leiden in dieser Welt und warten nur darauf, dass es endlich vorbei ist? Denkt einmal darüber nach. Nicht nur die Kriege und Krisen, die in den Nachrichten präsent sind, wie Gaza. Man könnte auch an die Ukraine denken, den Sudan, an den Jemen, an die Drogenkriege in Mexico und vieles mehr. Es gibt so viel unendliches Leid und Schmerzen, dass manche Leben kaum noch lebenswert erscheinen und die Menschen sich nach dem Ende sehnen. All dieses Böse lässt nur den Schluss zu, dass es höhere böse Mächte geben muss und manche Menschen beten sogar diese an. Die Bibel und der Quran zeigen klar, dass es böse Geistermächte gibt und dass Satan real ist. Wenn man an diesem Punkt sicher ist, dann kann selbst die Existenz Satans dazu führen, dass man anfängt an Gott zu glauben. Denn wenn das Böse real ist, dann ist es auch das Gute. Wenn es keinen Schatten gäbe, wer wüsste dann was Licht ist? So brachte Friedrich Nietzsche diesen Aspekt auf den Punkt.
Jesus Christus war auf dieser Erde und Gott sandte ihn. Das anzuerkennen ist ein Punkt. Der mit vielen weiteren Aussagen in den Evangelien belegte und noch viel größere Punkt ist aber: „den allein wahren Gott anzuerkennen“.
Das bedeutet ewiges Leben. Es ist das Ticket hier raus und niemand kommt hier lebend raus. In einer ehrlichen und stillen Minute sollten wir das anerkennen. Es ist besser das für sich zu klären, bevor „die unheilvolle Stunde“ unseres Todes eintritt, wie der Quran sagt. Denn dann ist es zu spät.
Rückblickend auf mein bisheriges Leben habe ich schon eine Menge Personen kennen gelernt, die groß waren in ihren eigenen Augen. Die meinten, dass sie die Weisheit mit Löffel gefressen haben. Autorität über andere hatten, über viele andere! Die meinten, dass sie „Gottes Geist“ hätten. Letztlich sind sie alle jämmerlich gestorben, viele nur noch ein Haufen Elend in ihrem Pflegebett. Das ist nunmal die Stunde der Wahrheit und der Quran sagt, „dass der Tod uns Ermahnung genug ist“. Das sollte wirklich so sein. Denn wie wir sehen, ist es an sich nicht schwer ins Paradies zu gelangen: Den allein wahren Gott anbeten!
„Bewusstsein erzeugt Realität!“
Eugene Wigner (Nobelpreis 1963)