Blackwater’s ETF Portfolio Teil 2

„When most people say they want to be a millionaire, what they really mean is “I want to spend a million dollars,” which is literally the opposite of being a millionaire.“

– Morgan Housel

 

 

Risiko. Was ein Wort. Welche Emotionen es in uns auslöst. Furcht, Freude, Gier. Es unterscheidet uns von den Toten. Die fühlen nichts mehr. Der Tod ist sicher, das Leben nicht.

Risiko ist etwas, was uns unser ganzes Leben begleitet. Wie wir es sehen, hängt massgeblich von unserer Erziehung und Prägung ab. Das hört sich vielleicht jetzt nach Dr. Freud an, aber es ist eben einfach so. Ob wir eher der Sparbuchtyp oder der Trader werden, es wird in unserer Kindheit festgelegt. Wie unsere Eltern beispielsweise damit umgegangen sind. Und es geht dabei nicht einmal um Geld. Vielleicht hatten sie keines. Und wenn, haben sie es möglicherweise ausgegeben, was solide Mehrheiten der deutschen Gesellschaft getan haben und noch tun. Zugegeben, vor ein paar Jahren war das ja auch noch eher ohne schlechtes Gewissen möglich, denn Norbert Blüm verkündete die sichere Rente. Und in Erwartung dass diese nicht nur sicher ist – in Russland ist sie es auch – sondern auch für mehr als Wodka reicht, konnte man sein monatliches Gehalt für Konsum und „Leben“ ausgeben.

Heute finden wir uns in einer anderen Realität wieder und jeder muss ins Risiko gehen, um sich eine Kapitaldecke für das Alter aufzubauen. Denn Rendite kommt von Risiko und ohne Risiko ist es reproduzierbar unmöglich ein Vermögen aufzubauen. Das ist für uns Deutsche möglicherweise ein Problem, denn deutsches Leben ist stark geprägt von Dingen die man nicht darf, weil xyz passieren kann und alles „sooo gefährlich ist“. Das interessante ist, dass so ein auf Risikovermeidung ausgerichtetes Leben dann damit endet, dass der größte Risikofall unvermeidbar eintritt, der Supergau, der Default: Man stirbt.

Das soll nicht überzogen klingen, sondern solche Gedanken helfen eine etwas ausgeglichenere Ansicht zum Risiko zu finden.

 

 

ETF-Portfolio

Nachdem wir uns im letzten Artikel schon stark mit der persönlichen Risikoneigung beschäftigt haben und auch dieser Artikel doch noch mehr Zeilen als geplant dazu enthält, gehen wir nun zu unserer Idee des ETF-Portfolios über.

Jeder der uns kennt weiss, nun kommt KEIN Trommelwirbel und wir präsentieren eine höchst ungewohnte und völlig konträre ETF Strategie. Denn die Basis des passiven Anlegens sind ETFs auf den MSCI World Index. Manche nehmen hier nun noch einige ETF’s aus den Schwellenländern hinzu, wobei es für diese Märkte deutlich weniger Auswahl gibt, wie ihr sicher schon gemerkt habt.

Letzten Endes ist der MSCI World oder nennen wir es einfach ein „Weltportfolio“ der Motor der Geldanlage und man muss nach persönlicher Risikoneigung entsprechend dieses in seiner Gesamtanlage gewichten. Dabei helfen immer die üblichen Tortendiagramme, wie wir es schon im letzten Artikel gezeigt haben.

Der ein oder andere ist nun vielleicht enttäuscht, weil keine wissenschaftliche Abhandlung mit diesem Artikel zu finden ist und auch keine XY Geheimfonds. Und es wird auch kein teures Spezialcoaching angeboten. Warum?

Weil es technisch gesehen genauso einfach ist, wie ihr in diesem und vielen anderen Finanzblogs schon gelesen habt. Die Gefahr dabei ist immer nur, dass Anleger doch irgendwie nach einer „Spezialanlage“ suchen und diese Suche bei vielen das ganze Leben hindurch nie endet (das Leben endet vorher) und eben oft die Frage kommt: Was, dass soll es schon gewesen sein? Mehr braucht es nicht? Gibt es denn nicht noch etwas? Darf’s ein bisl mehr sein?

Die Schwierigkeit beim passiven Anlegen ist die Psychologie. Denn nicht nur bei aktiven Handeln braucht es starke Nerven, selbstverständlich auch beim passiven Anlegen. Markteinbrüche von 50% müssen hier genauso gestemmt werden. Man muss es aushalten können und investiert dabei auch noch weiter. Es ist wie wenn man Geld verbrennen würde. Und dann kommen da diese ständigen Zweifel. Was ist wenn der Markt sich nicht erholt? Was ist wenn wir ein Japan-Szenario bekommen mit über 20 Jahren seitwärts laufenden Märkten und einer 0 Rendite?

Das kann natürlich alles passieren und gerade wenn man sich die gesunkene langfristige Aktienrendite anschaut, mögen solche Überlegungen noch stärker werden. Jede Woche macht bald ein neuer Finanzblog irgendwo auf und man kann sich nicht ganz dem Gedanken entziehen, dass diese Veröffentlichungstätigkeiten mit den globalen Aktienindizes positiv korrelieren. (interessant wird der umgekehrte Fall sein, gehen dann wieder alle als Angestellte arbeiten?)

Aber was ist denn die Alternative?

 

In jedem Fall ist die Alternative nicht das Nichtstun oder das Geld auszugeben. Diesen Gedanken begegnet man besser mit folgender Überlegung: Es nicht versucht zu haben ist schlimmer als scheitern. Denn natürlich kann niemand in die Zukunft schauen. Wir wollten mit Blackwater.live keinen weiteren Blog aufmachen, der über ETF’s schreibt, wie man einen Sparplan einrichtet und der dann noch mit 100 Affiliate Links vollgeklatscht ist. Sondern wir wollten frei schreiben können und unsere eigenen Projekte umsetzen können. Und bei der Geldanlage ist Psychologie das Thema Nr.1 und daher beinhalten auch viele unserer Artikel diesen Aspekt. Einstiegskurse sind nicht so massgeblich wie die innere Robustheit Rückschläge und Verluste ertragen zu können. Denn diese stehen zwischen dem JETZT und der finanziell besseren Zukunft. Und sowohl im passiven Anlegen als auch beim aktiven Handeln beantwortet dies zuverlässig stets die Frage: „Wenn das funktioniert, warum macht das dann nicht jeder?“

Mal abgesehen davon, dass das was jeder macht meistens nicht zum Erfolg führt, liegt die Antwort in der menschlichen Psychologie.

 

Jeder kann reich werden. 🙂

DILBERT © Scott Adams. Used By permission of ANDREWS MCMEEL SYNDICATION. All rights reserved.

 

 

Wieviele Geldanlagen brauche ich?

Würde sich diese Frage auf ein einzelnes Wertpapier beziehen, wäre die Antwort in jedem Fall: Viele!

Aber da die marktbreiten World ETF’s alle großen Firmen der Industrieländer abdecken (zuletzt ca. 73% der Marktkapitalisierung) ist die Streuung so groß, dass man zweifellos einfach einen MSCI World ETF nehmen kann und damit seinen „Aktienmotor“ gefunden hat. Dazu kommt, dass die darin enthaltenen Firmen ohnehin von den Entwicklungen der Schwellenländer profitieren, da dies mit die Hauptabsatzmärkte dieser Firmen sind. Je stärker die Kaufkraft dort wächst, umso besser ist dies auch für die Unternehmen der Industrieländer. Das hat auch manchen berühmten ETF Anleger schon zu dem Gedanken geführt nur den S&P 500 zu kaufen. Das Ergebnis in einem langfristigen Vergleich ist in jedem Fall interessant.

Verschiedene weitere Gedanken zur einfachen Depotumsetzung findet ihr hier schon dazu:

 

 

 

Natürlich kann man sich weiter verkünsteln, Feintuning betreiben oder statt einem Welt-ETF fünf verschiedene andere ETF’s kaufen. Aber die Erkenntnis aus dem Alltag und auch von den Kollegen in den vielen anderen Finanzblogs zeigt, es bringt nicht wirklich einen Mehrwert. Und vor allem keinen reproduzierbaren Vorteil, der den Zeitaufwand rechtfertigt. Wenn Anleger gerne an ihrer Anlage rumbasteln, täglich in das Depot schauen und FinanzpornoTV (wie beispielsweise das ehemalige N24) schauen wollen, dann sollten sie sich eher mit aktiven Handeln beschäftigen. Das ist ganz losgelöst davon, ob es nun besser oder schlechter ist. Diese Wertungen machen wir bei uns nicht.

Empfehlenswert um Risiken zu streuen ist es allerdings dann ein Depot mit den ETFs zu haben, in dem ich rein gar nichts mache und das passive Portfolio in Ruhe wachsen lasse und ein weiteres Depot, für meine eigenen Strategien. Diese Vorgehensweise ist lang bewährt und hilft nicht nur beim Vermehren des Geldes, sondern auch beim Vermehren der Erkenntnisse. 🙂

 

Blackwater’s Portfolio – kein kompliziertes Machwerk, einfach nur ein nach Risiko gewichtetes Depot mit einer Weltdepotkomponente und Tagesgeldkonten für die Sicherheit.

 

 

Blackwater’s ETF Portfolio

Wir haben Nägel mit Köpfen gemacht und wie bereits HIER aufgezeigt drei Portfolio’s seit dem 01.01.2019 laufen. Der Sicherheitsteil der Anlage ist konsequent auf täglich fälligen Tagesgelder mit Einlagensicherung geparkt. Die Renditekomponente haben wir mit dem FTSE -All -World UCITS ETF (WKN: A1JX52) umgesetzt.

Wir bieten damit keine Dienstleistung oder ähnliches an. Wir sagen nur, wir machen das so und wir werden zeigen was je nach Gewichtung über die Jahre dabei heraus kommt. Wir werden das Ganze dann immer mal wieder mit aktiven Fonds und anderen vom Finanzvertrieb verkauften Anlagen vergleichen. Im Laufe der Jahre kann sich dann jeder selbst ein Bild machen.

Unsere aktive Komponente ist unser FX Trading, welches deutlich von Volatilität profitiert, aber in ruhigen Märkten eher wenig Ertrag abwirft. Hier haben wir auch nochmals einiges angepasst, so dass wir in jedem Fall Marktverwerfungen ausnutzen können und dort versuchen eine Überrendite zu erzielen.

Eine Überrendite durch Nischen-ETF’s oder Smart-Beta-ETF’s zu erwirtschaften halten wir nicht für reproduzierbar erfolgreich. Diese sind meist schon etwas teurer und bislang war der Renditevorteil wenn überhaupt minimal. Der Finanzvertrieb hat natürlich inzwischen auch gemerkt, dass ihm die Felle davon schwimmen. Daher fängt man dort jetzt an ETF Portfolios zu verkaufen (zu deutlich höheren Kosten) oder neue Produkte zu konstruieren, bei denen ETF’s beinhaltet sind. Unser persönlicher Favorit sind Versicherungspolicen mit ETF’s im Versicherungsmantel. Scheint fast so, als wollte da jemand einfach einen positiven Begriff (ETF) mit einem überteuerten Schrottprodukt kombinieren (Investpolice), da bei Familie Müller-Meier-Schulze inzwischen auch angekommen ist, dass passiv Anlegen doch nicht so revolutionär ist, sondern effizient und günstig. Vor kurzem hat es ein Kommentator auf einem anderen Blog so beschrieben:

„Weitere ETF Strategien, die ETF’s mit Management und Roboportfolios verbinden sind wie fettfreie Chips, als Antwort auf eine geänderte Verbrauchernachfrage.“

 

 

All das macht für den Anleger wenig Sinn. Denn entweder hat die bisherige „passiv-Anlegen-Theorie“ weiter Erfolg, dann braucht es keine komplexen Strukturen, oder sie hat es nicht, dann werden auch alle Ableitungen aus dem ETF Thema entsprechend schlecht laufen. Außerdem kommen die stets höheren Kosten noch dazu.

Wie bereits geschrieben, werden die meisten für sich aber entscheiden doch mehrere ETF’s zu kaufen oder zu besparen, was zumeist psychologische Gründe hat. Wir werden die 1-ETF Lösung umsetzen und dokumentieren was dabei heraus kommt und vielleicht hilft dies dann dem ein oder anderen bei der eigenen Umsetzung.

Ich kann mich noch zu gut an hunderte Private Banking Depots einer Großbank erinnern, die bei einer Anlagesumme von beispielsweise 700.000,00 EUR weit über 50 Fondspositionen enthielten, dazu noch Zertifikate und eine Menge anderer Schrott. In den Einstellungen für den Kundenausdruck konnte man Einstandswerte und die laufende G&V ausblenden, eine beliebte Darstellungsoption. Natürlich sieht so ein Depot hochprofessionell aus und die meisten Kunden wussten nicht was sich hinter all den schönen Abkürzungen verbringt. Das ist umso erstaunlicher, da die Käufe laut WPHG Dokumentation immer auf Wunsch und Interesse des Kunden erfolgten. Anlegergerecht sozusagen. 🙂

Um so ein Depot dann zu erklären und diese Erklärungen pflichtgemäß zu dokumentieren braucht es natürlich entsprechende Studiengänge an den in der Branche üblichen Hochschulen. Würde man aber die Korrelationen der einzelnen Produkte bewerten, die Überschneidungen, die Ausfallrisiken (Zertifikate), dann wäre so ein Depot nicht mehr so schön anzusehen. Dazu noch die laufenden jährlichen Kosten von ca. 2% sowie jede teure Depotdreherei, die auch nochmal mit 2-5% zu Buche schlägt. Ein teurer Kaffee bei der Bank, wie schon oft erklärt.

Mit einem risikogewichteten Welt-Portfolio hat man nicht nur eine sehr gute Risikostreuung, wenige Kosten und eine hohe Transparenz, es kann auch jeder erklären und verstehen. Und darum soll es ja gehen.

 

Die ewige Frage: Was war zuerst da, die Henne oder das Ei?

 

DILBERT © Scott Adams. Used By permission of ANDREWS MCMEEL SYNDICATION. All rights reserved.

 

 

Was ist also Risiko?

„Life is a risk and will result in death.“

 

Risiko ist es sich keine Gedanken zu machen und zu denken, dass wird schon alles. Zuviel Gedanken sich zu machen und sich dann bei der Geldanlage oder der Altersvorsorge zu verzetteln, stellt aber ebenfalls ein Risiko da. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass kaum ein Bankkunde erklären kann, was er da im Depot hat oder wie seine Altersvorsorge funktioniert. Meist kommt dann „irgend etwas mit Steuern“ sparen, als wenn Steuern das größte Problem sind. Gut, von uns Deutschen vielleicht schon, nach dem jüngsten OECD Bericht ist nur noch Belgien vor uns mit einer höheren Gesamtsteuerlast. Aber ganz im Ernst: Die Basis sind keine Steuervermeidungsprodukte, sondern der Motor, die Renditekomponente muss langfristig funktionieren. Es ist sonst so wie wenn man bei einem Auto darüber diskutieren würde, wie wichtig Scheibenwischer bei Regen sind, aber das Fahrzeug einen kaputten oder keinen Motor enthält.

Die ganze Gelddiskussion ist in Deutschland oft von Neidthemen und „Geld macht nicht glücklich“ Sprüchen geprägt. Und immer wieder tauchen in der Mainstreampresse Artikel wie der „große Gehaltsvergleich“ auf. Was verdient ihr Nachbar denn so? Warum hat er ein neues Auto? DDR lässt grüßen.

Geld ist aber wichtig und es braucht nunmal auch etwas Geld für das Alter. Das kommt nicht einfach aus dem Geldautomaten und der Staat ist sicher nicht daran interessiert, dass wir gesund und munter 100 Jahre alt werden und dabei schön Rente beziehen. Daher ist es wichtig über Geld zu sprechen, aber in einem konstruktiven Klima. Natürlich wird dies schwer sein, wenn unser persönliches Umfeld selbst von Neid und Missgunst zerfressen ist. Aber in diesem hoffentlich seltenen Fall können wir zur Überbrückung uns gerne hier austauschen und langfristig unser Umfeld ändern. 🙂

 

 

DILBERT © Scott Adams. Used By permission of ANDREWS MCMEEL SYNDICATION. All rights reserved.

 

 

 

Anmerkung: Zu diesem und dem letzten Artikel wird es in Kürze noch ein neues Podcast geben. Durch einige Umstellungen bei unseren anderen Themen musste ich das etwas hinten anstellen.

Ausblick:

Unser nächster Post wird darüber gehen, wie wir unser Leben optimieren und weiter vereinfachen können und was ich dabei schon festgestellt habe. Einige ganz persönliche Eindrücke.

 

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“Uncertainty is an uncomfortable position. But certainty is an absurd one.”

― Voltaire

Blackwater

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