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Frage Kann man deutsch sein und muslimisch sein oder passt es nicht zusammen? Eine Frage an Deutsche.


Noor9000
(@noor9000)
Müsli Blackwater Stammleser Rose
Beigetreten: Vor 1 Monat
Beiträge: 6
Themenstarter  

Pls schreibt mir eure ehrlichen Antworten, ich freue mich sehr wenn ihr es macht. Mich würde euer Blick interessieren.


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Presskoppweck
(@presskoppweck)
Schachspieler Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 4 Monaten
Beiträge: 266
 

Was meinst Du mit "deutsch sein"?
Eine deutschen Pass besitzen, sich als Deutsche fühlen, von anderen als Deutsche angesehen zu werden, dich an die Gesetze (und Gepflogenheiten?) Deutschlands halten, deine Kinder in dieser Hinsicht zu erziehen, für Deutschland und seine Gesetze einzutreten ....

Ähnliche Fragen kann man zu "muslimisch sein" stellen, Stichworte Euro-Islam vs Scharia. Da gibt es große Spannweiten.
Daher kann ich schlecht was zu deiner Frage sagen.

Deutschland hat starke christliche Wurzeln, gewährt aber die freie Religionsausübung, sofern diese Praktiken/Riten nicht geltenden Rechtsnormen widersprechen. Es ist folglich jedem Deutschen erlaubt zum Islam zu konvertieren, sofern er sich dabei an geltende Gesetze hält.
Ich frage jetzt mal nach deiner Einschätzung: Kannst Du als Muslima eine "gute Deutsche" sein? Kriterien kannste dir ja oben nach Belieben aussuchen 😉

Ich sage noch mal wie das die Deutschen unter sich sehen.
Hier bei uns aufm Land ist es ungefähr so, dass man erst in der dritten Generation als Einheimischer angesehen wird. Davor ist man einer, der aus dem übernächsten Dorf etc. stammt. Bei Eingeheirateten geht das auch eine Generation schneller.
Den Protest kann ich schon jetzt hören, dass es in der weltläufigen Stadt ganz anders ist als bei den kleinkarierten Hillbillys. Aber wenn man sich z.B. die Rivalitäten zwischen Kölnern und Düsseldorfern anschaut, dann ist das bei altgedienten Stadtbewohnern auch nicht anders als aufm Dorf. Nicht jeder Kölner kennt jeden Kölner, selbst Stadtteile sind einwohnerstärker als Kuhdorf, daher ist das weniger offensichtlich obwohl genauso vorhanden.


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ikigaimondai
(@ikigaimondai)
Schach Internationaler Meister Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 5 Monaten
Beiträge: 508
 

Klar, wahrscheinlich einfacher als bei so manch anderer Kombination aus Staatsangehörigkeit und Religion.

Wenngleich es mir Religionen zu geben scheint, die mit der Trennung von Staat und Religion - die ja in Deutschland eher stark ist - ihre Schwierigkeiten haben. Dessen sollte sich ein Anhänger egal welcher Religion bewusst sein und bei der Wahl seines Wohn- und Wirkungsortes entsprechende Abwägungen treffen, so dieser Aspekt für ihn denn relevant ist.


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weip321
(@weip321)
Bauernfrühstück Blackwater Premium Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 5 Monaten
Beiträge: 107
 

Hallo Noor

schön, dass du hier bist und diese Frage stellst. Es ist eine Frage mit vielen Aspekten und von daher nicht leicht zu beantworten. Ich habe deine Vorstellung im anderen Thread gelesen, und ich kann nachempfinden warum du diese Frage stellst. Du hast vermutlich das Gefühl, zwischen zwei Stühlen zu sitzen.

Wie @presskoppweck richtig geschrieben hat, besitzt Deutschland starke christliche Wurzeln. Jetzt kann man aber natürlich auch diskutieren, seit wann das so ist. Frag mal die Teutonen um Armin, ob diese christianisiert werden wollten 😉

Christian Wulff hat damals als Bundespräsident gesagt, dass der Islam zu Deutschland gehört. Das hat ihn den Kopf gekostet. Aber auch da ist die Frage: wer oder was ist "der Islam"?

Deine Eltern sind vermutlich nach DE gezogen in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Eventuell bist du sogar hier geboren. So wie deine Eltern gab es schon immer Menschen, die zugezogen sind. Über Jahrzehnte und Jahrhunderte. Warum sind z.B. Deutsche im frühen Mittelalter nach Siebenbürgen ausgewandert? Weil es ihnen in DE (dass es damals so noch nicht gab) schlecht ging und sie auf ein besseres Leben gehofft haben.

Ähnliches ist nach dem zweiten Weltkrieg mit vielen Deutschen passiert, die zurückgekehrt sind ins "deutsche Kernland". Z.B. aus Ostpreussen, Schlesien oder von der Wolga.

Es gab also immer Wanderungen, und die meisten sind vermutlich deshalb passiert, weil Menschen sich eine bessere Zukunft im neuen Land vorgestellt haben.

Ich denke es war nicht viel anders mit vielen türkischstämmigen Deutschen, deren Eltern oder Grosseltern in den 50er und 60er Jahren nach DE gekommen und dann hiergeblieben sind.

Dadurch dass mehr Menschen aus islamisch geprägten Ländern nach DE gekommen sind in den letzten Jahrzehnte, verändert sich natürlich auch die Demographie. Insofern ist die Frage bzw. Aussage, dass der Islam zu Deutschland gehört, also durchaus berechtigt.

Also, lange Rede, kurzer Sinn: natürlich kannst du Muslima UND Deutsch sein. Wir sollten wirklich aufhören, nur in Schubladen zu denken.


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Blackwater
(@deepblackforest)
Schach Internationaler Meister Admin
Beigetreten: Vor 4 Jahren
Beiträge: 903
 
Veröffentlicht von: @noor9000

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Hallo Noor,

an dieser Stelle auch ein herzliches Willkommen von mir in unserer Community! Schön, dass Du da bist.

 

Passt "deutsch sein" und muslimisch sein zusammen? Das ist eine Frage, die so oder anders formuliert über 30 Jahre in Deutschland bereits diskutiert wird. Und sie lässt sich von verschiedenen Perspektiven beantworten.

Wären wir im Jahr 1950, würde das sicher nicht zusammen passen. Davor sowieso nicht. Seit dem ist viel "Wasser den Rhein hinunter geflossen."

Nachdem Deutschland ab den späten 60er Jahren und danach Millionen türkische Muslime als Gastarbeiter aufgenommen hat, in den 90er Jahren dann u.a. bosnische Muslime dazu kamen und seit 2015 Syrer und nun dann Afghanen, hat sich viel verändert. Und auch zwischen diesen großen Ereignissen kamen auch immer Flüchtlinge nach Deutschland. Viele davon Muslime.

Manche sind wieder gegangen, andere geblieben. Und deren Kinder gründeten Familien usw. Da wurden einfach Fakten geschaffen. In Deutschland wird diskutiert was wäre wenn, kann man das ändern, wie gelingt Integration etc.

Ich sage es mal aus meiner persönlichen Sicht: Dafür ist es zu spät. Die Bevölkerung besteht nicht mehr nur aus "ethnischen" Deutschen (wobei das schon ein Thema für sich ist, denn das war nie so "reinrassig" wie man es selbst zu finstersten Zeiten behauptete).

Heute gibt es eine breite Mischung der Bevölkerung in Deutschland. Muslime haben einen sehr grossen Anteil daran und auch die Geburtenrate trägt dazu ihren Teil bei.

Daher denke ich, dass Deutschland definitiv mehr muslimisch wird und die Kombination deutsch und muslimisch ist heute ja auch nicht mehr ungewöhnlich. Auch die Frage, ob der Islam zu Deutschland gehört ist einfach durch die Fakten beantwortet. Eine historische Betrachtung kann man machen, aber heute ist es einfach so, dass der Islam hier ist und dazu gehört.

Spannender ist die Frage, wie sich das alles weiter entwickelt? Die Bevölkerungsentwicklung, die Politik und auch der gelebte Islam.

 

Zuletzt vielleicht noch die Wertefrage: Was ist deutsch? Fussball, Bier, Bratwurst? Oder Goethe und Schiller? Darauf gibt es auch keine einheitliche Antwort. Es hängt auch von der sozialen Schicht ab.

Deutsche Diskussionen zeigen, dass es ein gewisses Werte-Vakuum gibt und viele Deutsche ein kollektives Identitätsproblem haben.

Letztlich setzen sich in einer Gesellschaft die stärksten Werte durch, die den Menschen am meisten Halt geben. Das ist ein langwieriger Prozess, der derzeit auch noch im Gange ist. Meine Prognose wäre für das Jahr 2050:

Deutschland ist deutlich muslimischer als heute, Muslime rücken auch enger zusammen obwohl es hier viele Untergruppen gibt. Auf der anderen Seite stehen sehr konservative bis rechte Gruppierungen. Ein weiteres Lager sind die, die heute unter grün, links, LGBT und Natur/Öko Ideen versammelt sind und die Regenbogenflagge wird sehr wahrscheinlich ihr Symbol sein/werden. Ich vermute, das werden die drei Hauptgruppen sein und das IST NICHT wertend gemeint.

 

Aber Du kannst auf jeden Fall muslimisch und deutsch sein. Du liebst Ordnung, das ist eine deutsche Eigenschaft. Sauberkeit von Haus, Hof und Auto ist auch ein hoher Wert hier, das stimmt. Kein Schweinefleisch zu essen und keinen Alkohol zu trinken macht Dich nicht weniger deutsch, das machen viele hier auch. Und wenn Du in die Moschee gehst, jeden Tag betest, den Ramadan hälst etc. steht das alles nicht im Kontrast zu deutsch sein. Dazu gibt es viel zu viele Ansichten und Lebensarten hier, die man dann für noch viel weniger deutsch halten müsste. 😉 Zumindest verglichen mit 1950. 😉


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wuestenrose91
(@wuestenrose91)
Bauernfrühstück Admin Rose
Beigetreten: Vor 2 Jahren
Beiträge: 110
 
Veröffentlicht von: @noor9000

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Schau mal was heute alles deutsch ist, natürlich kannst du also muslimisch und deutsch sein. Nur um Sachsen würde ich einen kleinen Umweg herum machen.


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tugbaoezbek
(@tugbaoezbek)
Vollkorn-Member Blackwater Premium Rose
Beigetreten: Vor 5 Monaten
Beiträge: 96
 

Ich bin auch muslimisch und deutsch. Aber auch türkisch. Sagen wir es doch so: Läufst du wie eine Fledermaus (danke Martin für diesen Begriff😂😂😂) durch die Stadt, wirst du eher nicht deutsch gesehen werden. Alles was weniger krass ist, wird meistens akzeptiert. Hijab sowieso. Außer wie Safiya vielleicht sagte, also in Sachsen kann es anders sein. Die mögen nur die AfD.😳

Bist du nett und herzlich, sind es andere auch. Und die es nicht sind, brauchst du nicht. Stoffel gibt es überall.

 

Wird eher nicht akzeptiert: (ich glaube Deutsche denken dann an DarthVader)


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Wird akzeptiert: (exotisch und wie aus Karl May Filmen.)


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Noor9000 gefällt das
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Airnesto
(@airnesto)
Schach Experte Blackwater Stammleser
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Beiträge: 328
 

@tugbaoezbek vermutlich kennt ihr meine Meinung zur AFD inzwischen. Ich muss an dieser Stelle aber darauf hinweisen, dass ihr einer Menge Sachsen grade Unrecht tut: So wenig ihr in einen Topf mit irgendwelchen irren Islamisten geworfen werden wollt, so wenig ist jeder Sachse rechts oder AFD-Wähler! Ein wenig Vorsicht bitte bei solchen Äußerungen! Ihr wünscht euch das - zu Recht - euch gegenüber ja auch!


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tugbaoezbek
(@tugbaoezbek)
Vollkorn-Member Blackwater Premium Rose
Beigetreten: Vor 5 Monaten
Beiträge: 96
 

@airnesto das stimmt natürlich. Ich hätte nur in Sachsen einfach mehr Sorgen als Ausländerin. Das wollte ich damit sagen. 


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Airnesto
(@airnesto)
Schach Experte Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 4 Monaten
Beiträge: 328
 

@tugbaoezbek das würde mir genauso gehen…total schade 


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Frau B aus N
(@fraubausn)
Schach FIDE Meister Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 5 Monaten
Beiträge: 438
 
Veröffentlicht von: @tugbaoezbek

 

Wird eher nicht akzeptiert: (ich glaube Deutsche denken dann an DarthVader)


knight rider kitt GIF

 

Das liegt heutzutage eher daran, dass diese Mund-Nasen-Bedeckung keine medizinische oder FFP2-Maske ist! Da kennen die meisten Deutschen kein Pardon.


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Noor9000
(@noor9000)
Müsli Blackwater Stammleser Rose
Beigetreten: Vor 1 Monat
Beiträge: 6
Themenstarter  

Also ich möchte zwischendurch danke sagen für eure sehr ausführlichen Kommentare und wie offen ihr auch geschrieben habt. Das fand ich sehr nett und einfach nur superlieb! Ich fühle mich irgendwie gleich viel wohler wenn ich nachher einkaufen gehe. Denn überall da draussen versteckt sind Menschen wie ihr. 😊 


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mrsblackwater
(@mrsblackwater)
Bauernfrühstück Moderator Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 5 Monaten
Beiträge: 171
 
Veröffentlicht von: @noor9000

Denn überall da draussen versteckt sind Menschen wie ihr. 😊 

Awwww... das hast du jetzt aber schön gesagt. ❤️ 


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