Saharan Blend, Tia Juana Light, Minas: Was sich liest wie eine Cocktailkarte, sind Bezeichnungen für Rohölsorten. Mehr als 30 werden weltweit angeboten. Doch im Fokus stehen vor allem die Sorten Brent und WTI, die seit Wochen von Rekordpreis zu Rekordpreis eilen.
Wegen der vielen unterschiedlichen Arten und Qualitäten von Rohöl haben sich die Marktteilnehmer auf den Handel mit einigen wenigen lokalen Referenz-Rohölen geeinigt. An der Warenterminbörse IPE in London wird die Nordseesorte Brent gehandelt, an der Nymex in New York die US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) und in Singapur die asiatische Referenzmarke Tapis. Andere Sorten werden - je nach Qualität - mit einer Prämie oder einem Abschlag zu den Referenzmarken bewertet.
Opec-Korbpreis
Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) gibt ebenfalls eine eigene Referenzzahl bekannt, den so genannten Korbpreis. Dabei wird der durchschnittliche Wert von sieben Rohölsorten berechnet: Saharan Blend (Algerien), Minas (Indonesien), Bonny Light (Nigeria), Arab Light (Saudi-Arabien), Dubai (Vereinigte Arabische Emeriate), Tia Juana Light (Venezuela) und Isthmus (Mexiko).
Brent und WTI gehören zum so genannten Light Sweet Crude Oil - den leichten Ölen, auf die sich die weltweite Nachfrage konzentriert. Sie sind benzinreich und schwefelarm. Aus leichten Rohölen lassen sich in den Raffinerien überdurchschnittlich hohe Benzinanteile gewinnen.
Weniger gefragt und deshalb deutlich billiger sind die schweren Rohöle, aus denen sich ein höherer Anteil an schwerem Heizöl herstellen lässt. Dazu gehört etwa die Sorte Maya (Mexiko). Auch aus dem schweren Rohöl können Treibstoffe gewonnen werden, allerdings zu deutlich höheren Verarbeitungskosten.
Als Rohölsorte bezeichnet man Erdöl mit definiertem API-Grad (Dichte) und definierter Süße (Schwefelgehalt), welches aus einer Förderregion stammt. Innerhalb einer Sorte kann es starke Qualitätsunterschiede geben. Da einige Raffinerien keine schweren Öle verarbeiten können, hat die Ölsorte auch Auswirkungen auf den Preis.
Zusammensetzung (Beispiele)
| Libyen (Zueitina) | Großbritannien (Fortes) | Mittelost (Aghajari, Iran) | Nahost (Arabian Heavy) | Nahost (Safaniya) | |
|---|---|---|---|---|---|
| Gase (in %) | 1 | 3 | 2 | 2 | 2 |
| Benzin in % | 22 | 19 | 20 | 15 | 13 |
| Mitteldestillate in % | 39 | 37 | 30 | 26 | 25 |
| Rückstand in % | 38 | 41 | 48 | 57 | 60 |
| Dichte in g/ml | 0,817 | 0,84 | 0,855 | 0,887 | 0,89 |
| Schwefel in Gew.-% | 0,21 | 0,3 | 1,4 | 3 |
2,8 |
Benchmark Sorten
Einige Ölsorten haben eine Signalfunktion für Käufer und Verkäufer, dazu zählen z. B. für die europäischen Märkte:
1. West Texas Intermediate
Das nordamerikanische und an der NYMEX gehandelte WTI ist das meistgehandelte Referenzöl. Es weist einen im Vergleich sehr niedrigen Schwefelgehalt von 0,24% und eine geringe Dichte von 39,6 (API-Grad) auf und eignet sich vor allem für die Herstellung von Benzin. Es ist vor allem sein niedriger Schwefelgehalt, der das Öl so beliebt macht. Somit ist es ein süßes Rohöl mit mittlerer Dichte.
2. Brent Crude
Das europäische Brent Crude repräsentiert 15 verschiedene Ölsorten, welche aus den Brent und Ninian Systemen im East Shetland Bassin in der Nordsee gewonnen werden. Es wird allgemein ebenfalls als süßes Rohöl bezeichnet, weist allerdings mit 0,37% einen etwas höheren Schwefelgehalt als WTI auf. Mit einer Dichte von 38,3 ist es ebenfalls ein mittleres Öl. Brent Crude gilt darüber hinaus als Benchmark für andere europäische, afrikanische und arabische Öle.
3. Der OPEC-Korb
Der OPEC-Korb ist eine Referenzmarke für die 12 wichtigsten Rohölsorten der OPEC-Mitglieder. Gegenwärtig umfasst er die Rohölsorten
- Saharan Blend (Algerien),
- Girassol (Angola),
- Oriente (Ecuador),
- Iran Heavy (Iran),
- Basrah Light (Irak),
- Kuwait Export (Kuwait),
- Ess Sider (Libyen),
- Bonny Light (Nigeria),
- Qatar Marine (Katar),
- Arab Light (Saudi Arabien),
- Murban (UAE) und
- Merey (Venezuela).
Durchschnittlich erreichen diese Rohölsorten eine mittlere Dichte und einen mittleren Schwefelgehalt, wobei allerdings zum Teil deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Sorten bestehen. Während das algerische Saharan Blend beispielsweise ein süßes, leichtes Rohöl mit geringer Dichte und niedrigem Schwefelgehalt ist, ist das Kuwait Export zwar ebenfalls ein leichtes Rohöl, weist allerdings einen deutlich höheren Schwefelgehalt auf.
Das mittlerweile im Korb durch Merrey ersetzte venezuelanische BCF-17 dagegen ist ein sehr schwefelhaltiges Schwerstöl. Sie sind also im Durchschnitt qualitativ nicht ganz so hochwertig wie Brent oder gar WTI. Das ist der Grund dafür, dass der OPEC-Korb-Durchschnittspreis meist mit einem Abschlag gegenüber dem Ölpreis der anderen beiden (oder zumindest einem) Referenzöle notiert.
4. Tapis
Das in Malaysia geförderte Tapis ist das Referenzöl Asiens und wird in Singapur gehandelt. Tapis ist ein sehr leichtes Rohöl (API-Grad: 44,6), mit sehr geringem Schwefelgehalt (0,028%), also ein teures Light Sweet Crude.
5. Dubai Fateh
Das im mittleren Osten geförderte Dubai Fateh ist ein Referenzöl für die asiatisch-pazifische Region, wohin es auch hauptsächlich exportiert wird. Es weist eine mittlere Dichte und einen höheren Schwefelgehalt auf, ist also ein mittleres, saures Rohöl.
6. Urals
Als Urals (oder REBCO) wird das russische Referenzöl bezeichnet. Urals ist im Grunde genommen ein Pipelinegemisch verschiedener in Russland geförderter Rohölsorten. Leichtere Rohölsorten aus Ost-und Westsibirien (Siberian Light ist beispielsweise ein mittleres Rohöl mit einem Schwefelgehalt von 0,6% und einem API-Grad von 36,5) werden beim Transport mit den saureren und schwereren Rohölsorten aus dem Wolgaland und Baschkirien gemischt (die Republik Tatarstan beispielsweise produziert ein Rohöl mit einem API Grad von 26-28 und einem Schwefelgehalt von mehr als 3%).
Auf diese Weise wird die Qualität des Öls auf einen Durchschnittswert gebracht. Alles in allem führt dies dazu, dass das schlussendliche Urals-Öl eine Rohölsorte eher mittlerer Qualität geworden ist, mit Schwefelgehalt von bis zu 1,8% und einem API-Grad von 31-32. Als solches notiert Urals bislang mit deutlichem Preisabschlag gegenüber Brent und WTI.

