„Instead of wondering when your next vacation ist, maybe you should set up a life you don’t need to escape from.“
– Seth Godin
Na, schon Pläne für den nächsten Urlaub gemacht? Urlaub ist für manche Menschen die schönste Zeit des Jahres. Eine Flucht aus dem Alltag, von der Arbeit. Oder einfach nur eine schöne Zeit mit der Familie. Der Wunsch nach Urlaub ist absolut verständlich.
Beim Urlaub stellt sich natürlich immer die Frage, wie finanziert man diesen. In unserer heutigen bunten Glitzerwelt in Mitteleuropa, haben wir dazu verschiedene Möglichkeiten.
Es gibt sicher noch einige andere Möglichkeiten den Urlaub zu finanzieren, die ich aber aus Rücksichtnahme auf mein geschätztes und breites Leserspektrum nicht erwähnen möchte. Außerdem habe ich einen neuen Favorit gefunden:
Das Finanzamt.
Ja, ihr habt richtig gelesen. Das Finanzamt kann einem natürlich auch den Urlaub finanzieren. Wie ich darauf gekommen bin? Es ist völlig klar, man kann eine Steuererstattung benutzen, um in den Urlaub zu fliegen. Aber noch besser laut mancher „Finanzberatung“ ist es zu sparen und sich dann über Steuererstattungen zu freuen. Eine Werbeidee ist geboren: Die Rürup-Rente.
Quelle: eigen
Blackwater.live hat dieser Tage wieder Post bekommen. Und ich habe beschlossen, dass ich Post, die besonders unterhaltsam, spannend oder anderweitig lehrreich finde, mit euch teilen werde.
Die Post, die ich erhalten habe, ist von einer Versicherungsgesellschaft. Den Namen will ich aus rechtlichen Gründen nicht erwähnen. Aber ihr dürft mir als Ex-Banker glauben, die Versicherer kochen alle mit dem gleichen Brackwasser. Es erinnert etwas an die Aussage von Konrad Adenauer, der einst sagte, „man schüttet kein dreckiges Wasser aus, wenn man kein reines hat.“ Aber wir haben reines, wie wir noch sehen werden.
Die Show ist überall die gleiche, auch wenn jeder sich natürlich für den/der/die/das Besten hält. Dieses Spässchen kennen wir schon von den Vertriebsbanken. Ich habe HIER bereits mal dazu geschrieben, wie so manche Bankbewertung zustande kommt. Und so gibt es in Deutschland lauter „beste Banken“, „beste Versicherungen“ und sicher auch „beste öffentliche Toiletten“, vermutlich mit Wlan. Alles ist bewertet und die gekauften Testberichte werden schon stimmen. 98% aller Frauen empfinden, dass diese Creme ihren Babypopo noch weicher macht, 97% aller Männer lieben diesen Rasierer mit seinen 18 Klingen hintereinander, 92% aller Rentner reinigen mit Kukident die Toilette und so weiter.
Die Rürup Rente ist nach meiner persönlichen Meinung, genauso ein perfides Instrument wie die Riester Rente.
Man wir heute „gefördert“ durch Steuererstattungen, die für sich genommen sehr attraktiv aussehen. Diese Steuererstattungen kann man dann für den Urlaub ausgeben. Was ein tolles Sparkonzept. Vor allem wenn man später 100% Steuern auf die ganze Rente zahlen muss. Gerade wenn und falls die Wertentwicklung der Rürup Rente das Kapital stark vermehrt haben sollte, wird das eine interessante Rechnung in der Auszahlphase werden.
Aber wenn Menschen ernsthaft an Altersvorsorge denken – was ich für wichtig halte – geht es dann darum, mit einer garantierten lebenslangen Rente einen Premiumrollator zu finanzieren und in einem Gender neutralen und CO2 reduzierten Altenheim dahinzusiechen, besucht von (kommt immer öfters vor) nicht vorhandenen Kindern, die die Zeit mit der Stoppuhr abstoppen?
Oder geht es bei Altersvorsorge nicht einfach um das Prinzip, so viel wie möglich Kapital so günstig wie möglich aufzubauen, um dann in einem warmen Land zu sterben?
Für all die, die lieber mit einem Cocktail in der Hand einen schönen Tod auf der Strandliege am Meer haben möchten, nachdem sie einige schöne Jahre als Rentner dort verbracht haben, die sollten nun weiter lesen.
Die, die lieber auf staatliche Versprechen, garantierte Micro-Auszahlungen bis zum 150 zigsten Lebensjahr und eine Betreuung im CO2 neutralen Altenheim hoffen und das als finales Lebensziel anstreben, die brauchen nun nicht weiter zu lesen. Darunter sind vermutlich auch die Nachkommarechner und Welterklärer von bekannten Nachrichtenportalen.
Quelle: gettyimages/istockphoto
Die Rürup Rente
Hinter diesem Begriff stecken gleich mehrere Dinge, mit denen man heute viele deutsche Mitbürger ködern kann. Da haben wir zuerst einmal das Wort „Rente.“ Bei diesem Wort haben viele Bankkunden feuchtfröhliche Augen bekommen, fast wie ein Pubertierender nach seinem ersten süssen Traum. „Rente, endlich! Da muss ich nicht mehr arbeiten, bin kein Lohnsklave mehr. Rente, da kann ich endlich anfangen zu leben! Das wird eine ganz tolle Zeit. Und Vater Staat sagt mir natürlich, wann ich in Rente gehen darf.“ Ach wie großzügig, danke Papa!
Hinter dem Begriff Rürup Rente steckt natürlich aber auch die Thematik Steuererstattungen. Und Steuern kennt der Deutsche gut, wenn es dann noch um Erstattungen geht, dann ist man zu fast allem bereit. Schnell fragt man sich, ob noch der Tag kommt, an dem es subventionierte und steuerlich geförderte Gartenzwerge gibt, die dann im Nachhinein 200% steuerpflichtig sind. Inklusive CO2 und „Reichensteuer“ versteht sich. Wir werden sehen.
Wir haben mit der Rürup Rente sogar Hartz4 Sicherheit. Auch hier möchten wir dem Staat aufrichtig danken, dass einem die Restwürde nach Schicksalsschlägen nicht genommen wird.
Die Rürup Rente wird im Fachjargon auch als Basisvorsorge bezeichnet. Stand 2019 lassen sich bis zu 24.305,00 Euro als Höchstbetrag steuerlich absetzen, 88% der Beiträge sind steuerlich absetzbar.
Zu versteuern ist diese Rente ab 2040 zu 100%. Nun kommt selbstverständlich wieder der Satz, der nicht fehlen darf: Die meisten dürften von dieser nachgelagerten Besteuerung profitieren, da die Steuerlast in der Rente niedriger ist. Ob man darauf vertrauen kann, muss jeder selbst entscheiden in einem Staat, indem immer neue Steuern erfunden werden um das riesige Umverteilungssystem aufrecht zu erhalten. Nach dem baldigen Brexit dürfte das auf EU-Ebene noch interessanter werden.
Es gibt Unmengen an Tests zum Thema Rürup Rente. Das perfide an diesen Tests sind die Halbwahrheiten, mit denen gearbeitet wird. Entweder wissen die Schreiberlinge nicht von was sie schreiben, was vielleicht an solchen oder ähnlichen Karrieren liegt:
„Lisa Langenscheid-Bruchhausen fing nach ihrem abgebrochenen Soziologiestudium an über die neusten Trends beim Lippen aufspritzen zu schreiben, nun ist sie Finanz Journalistin“. Experten dieser und anderer Art kennt man aus den hiesigen Nachrichten.
Oder es liegt daran, dass die Testseiten nichts weiter wie Affiliate Seiten sind, was wir von vielen Portalen kennen. „Ihr unabhängiger Kreditvergleich, ihr unabhängiger Reisevermittler, Partner von Thomas Cook.“ Ups.
Eines der Rürup Märchen, was direkt verschleiert wird, sind die wahren Kosten und die Investitionsquote. Die Kosten werden in manchen Tests mit 0,87 – 1,38% p.A. angegeben. Das sind aber nur die jährlichen Kosten des Versicherungsvertrags, nicht der Fonds in dem Vertrag. Und liebe mitlesenden Finanzvertriebler, nein, ich meine keine Ausgabeaufschläge, sondern laufende Fondskosten. Das sind die, von denen ihr nicht so viel wisst, aber die der wahre Renditekiller sind, wie ich und andere schon oft auf Blackwater.live gezeigt haben.
Also selbst wenn ich einen Rürup Vertrag finde, der eine Investitionsquote von 90% hätte, was sehr selten bei einer garantieren Rentenversicherung ist, dann habe ich das Problem worin diese 90% investiert werden und welche Kosten dort jährlich anfallen.
Und damit sind wir wieder bei der klassischen alten Thematik. Zahlen, Daten, Fakten – Altersvorsorge ist so kompliziert und langweilig. Ich frag mal meinen Bankberater oder den braun gebrannten Versicherungsfuzzi mit seinem 7ner BMW.
Quelle: gettyimages/istockphoto
Wie geht Altersvorsorge?
Ich möchte immer wieder diese Frage aufgreifen und immer wieder darüber schreiben. Inzwischen haben über zweihundert Menschen durch den kleinen Blackwater.live Blog begonnen ihre Altersvorsorge selbst aufzubauen. Und das sind nur die, die mir per Mail Feedback gegeben haben. Es gibt sicher auch viele passive Leser, wie sich immer wieder zeigt.
Altersvorsorge kann und sollte man so einfach wie möglich durchdenken, ohne es zu verkomplizieren, denn das führt nur dazu, dass man keine macht oder diese maßlos überteuert im Finanzvertrieb abschliesst.
Folgende Fragen kann man sich stellen:
Lasst uns ein Beispiel machen. Ich hatte diesen Montag ein Telefonat mit einem Blackwater.live Leser und habe gefragt, ob ich anonym aus unserem Gespräch berichten darf. Das war für ihn ok. Daher geben wir ihm ein Pseudonym: Garfield.
Garfield möchte mit 60 in Rente gehen. Er ist ein realistischer Mensch und sagt, „wer kann bitte länger als 60 arbeiten?“ Abgesehen davon, dass man mit 60 auch noch einen Job haben muss.
Garfield möchte nicht in Deutschland bleiben, sondern ihn zieht es nach Spanien oder Portugal. Nicht jeder weiss jetzt schon, wohin es später geht. Aber darüber sollte man sich Gedanken machen, nicht nur wegen steuerlichen Fragen.
Garfield möchte inflationsbereinigt 2.000,00 Euro im Monat zur Verfügung haben. Das soll also die echte Kaufkraft sein. Er ist jetzt 30 Jahre alt. Also hat er 30 Jahre Zeit. Aufgrund der Entwicklung der Lebenserwartung möchte er sicherheitshalber so planen, dass das Geld bis zu seinem 90 zigsten Lebensjahr reicht. Er hat in seiner Familie zwei Krebsfälle und sagt realistisch, dass er kaum älter werden wird. Insgesamt ist in der Verwandtschaft bisher keiner älter als 75 Jahre alt geworden.
Liebe Leserinnen und Leser, das ist eine realistische Basis und realistische Gedanken zu diesem Thema, nicht die Märchengeschichten und bunten Flyerchen in der Bank, die von staatlichen Versprechen und einer blühenden Zukunft dank Finanzprodukten und Umverteilung von immer weniger vorhandenen Geldern berichten. Und wie lange der „Winter“, also der eigene Lebensabend in etwa ist oder sein soll, dies gehört zu der Planung leider dazu.
Wie geht es weiter?
Wir wissen inzwischen, für die langfristige Geldanlage gibt es nur einen Motor. Das ist der MSCI World. Ich habe damit die breitest mögliche Streuung an den Aktienmärkten, muss mich dank passiven Investment um nichts kümmern und habe eine Kostenquote von maximal 0,2 – 0,4% p.A. Wir wissen, reproduzierbar kann kein Fonds diese Rendite übertreffen, schon gar nicht wenn wir bedenken, dass aktive Fonds Kosten von bis zu 2,0%. p.A. aufweisen zzgl. Ausgabeaufschläge.
Die MSCI World Rendite liegt zwischen 6-7% p.A. im 30 Jahresschnitt.
Wie viel Geld braucht Garfield?
Er möchte 2.000,00 Euro im Monat netto haben. Das über 30 Jahre. Das ergibt 12 x 2.000,00 x 30. Also eine Summe von 720.000,00 Euro. Nun müssen wir noch die Zielinflation berücksichtigen. Wieder eine Variable, die aber mit dem alten EZB-Ziel von 2% p.A. halbwegs kalkulierbar ist. Auf 30 Jahre ist dies einfach zu rechnen, es ist bei diesem Satz in etwa eine Halbierung der Kaufkraft. Garfield benötigt also die doppelte Summe. 1.440.000,00 Euro. Jetzt haben wir auch noch nicht berücksichtigt, dass auf die Erträge auch noch Steuern zu zahlen sind. Aber dies würde die Rechnung durch die Variablen sehr viel komplizierter machen und wäre sicher auch ein weiterer Abschreckungsfaktor. Um das Problem einfach zu lösen, kann man den Auszahlungswert erhöhen, beispielsweise um 25% auf 2.500,00 Euro p.M.
Dann haben wir folgende Rechnung: 12 x 2.500,00 x 30. Ergibt: 900.000,00 Euro. Inflationsbereinigt mit der EZB Zielinflation kommen wir auf: 1.800.000,00 Euro. Wenn wir diese Summe in 30 Jahren benötigen, wie viel müssen wir dann monatlich sparen?
Anbei der Screenshot von zinsen-berechnen.de . Den Rechner empfehle ich allen ganz gerne, um ein Gefühl für Zahlen zu bekommen.
Quelle: Zinsen-berechnen.de
Monatlich 1.529,00 Euro in einen MSCI ETF oder Welt ETF zu sparen, ist eine unrealistische Zahl. Zumindest für die meisten, da bin ich mir sicher. Aber wenn ich 10 Jahre mehr Zeit habe, weil ich mit 20 Jahren anfange zu sparen oder weil meine Eltern schon begonnen haben, einen kleinen Sparplan bei der Geburt anzulegen, dann sieht es ganz anders aus. Erst einmal das gleiche Beispiel, mit 40 Jahren Spardauer:
Quelle: Zinsen-berechnen.de
Es sind „nur“ noch 723,00 Euro monatlich zu sparen.
Und wie sieht es jetzt aus, wenn ich verantwortungsvolle Eltern habe, die zu der Geburt der Kinder einen Sparplan anlegen?
Quelle: Zinsen-berechnen.de
Diese würden einen Sparplan mit 177,00 Euro beginnen, den das Kind übernimmt. Mit 60 Jahren sind dann die 1.800.000,00 Euro angespart.
Wir können hier noch weitere Faktoren berücksichtigen. Beispielsweise, dass wir nur den Kapitalaufbau betrachtet haben und davon ausgehen, dass dieses verbraucht wird und unser Beispiel „Garfield“ mit 90 Jahren stirbt. Aber aus dem Kapital gibt es ja auch nach dem fiktiven Rentenbeginn Erträge.
Wir haben also folgende Faktoren unberücksichtigt gelassen:
Ist das nicht alles zu übertrieben??
Es tut mir leid, für diese Rechnungen und auch wenn die Zahlen etwas deprimierend sind. Aber die Zahlen sind Fakten. Diese Zahlen brauchen wir für unsere Altersvorsorge. Was ich euch mit diesem Artikel zeigen will ist, dass es Anstrengung erfordert und unbedingt notwendig ist ein finanzielles Ziel anzustreben. Auch wenn nur die Hälfte von dem Betrag erreicht wird, so wäre es super.
Aber: Mit dem Finanzvertrieb und seinen Methoden, den enormen Kosten in diesen Produkten, der steuerrechtlichen Unsicherheit in Deutschland und einem Spassvogel als Finanzverkäufer erreicht ihr das Ziel nie.
Es gibt keine perfekte Lösung für das Thema Altersvorsorge und auch keinen Königsweg. Und schon gar kein tolles Finanzprodukt einer Versicherung, die euch noch empfiehlt die Steuerrückerstattungen für Urlaub auszugeben.
Altersvorsorge ist Vermögensaufbau und ich will mit Artikeln wie diesem erreichen, das Menschen über Geld nachdenken. Und darum solle es auch in diesem kleinen Schlussplädoyer gehen.
Vermögensaufbau hat nichts mit „reich werden wollen“ zu tun und er sollte auch nicht Stiefmütterlich behandelt werden. Vermögensaufbau ist ein Thema, was mit Geld, Arbeit, Ideen und dem Zinseszinseffekt zu tun hat. Und mit Zeit. Geld ist wichtig in unser aller Leben, egal wie sehr wir das abstreiten wollen oder so tun, als wenn es nicht so wäre. Aber gerade wenn wir das tun, liegt dies dann nicht nur an einer kruden Sichtweise, an der Erziehung und an pseudoreligiösen Werten? Woran es auch immer liegt, es hemmt uns eine ausgeglichene Ansicht über Geld zu haben. Vor allem werden wir dann niemals Freude an dem Thema entwickeln.
Wir sollten Geld als Werkzeug sehen. Mit diesem Werkzeug arbeitet man in der Vermögensaufbauphase, wenn man folgende Faktoren einbezieht:
Mit vorhandenen Vermögen arbeitet man, wenn man folgende Faktoren berücksichtigt:
Ich werde auf Blackwater.live in den nächsten Monaten auf einzelne Themen davon eingehen, so dass die Zusammenhänge deutlicher werden und noch mehr Menschen Freude an diesem wichtigen Thema finden.
Quelle: gettyimages/istock
“Die natürliche Tendenz eines Staates ist Inflation.”
Murray Rothbard: The Case for a 100 Percent Gold Dollar, Essay auf mises.org